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25.7.1913 Erstes Blatt
 
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gefcr&e6nem

i 1913.

Unterbliebenen.

Jin ehemaliger 116er iser- Wilhelm- Regt.)

Gastwirt in Saaieu eiiemenb in Kenntnis zu setzen. nbet ßrciiag, ben 25. Quli 1913, llbr in Saufen flau.

Ter BorÜand.

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wmWnn.W.t.L iere Mitglieder von dem Ableben c> liegen

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Bit erfüllen hiermit die traurige W sslicht, dieMiglieder von dem Ab- H zben unseres lieben Kameraden Hem Wkiß Ms, I

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iksagung.

so zahlreichen Beweis« eilnahine bei dem - ,ffenen Verlust sagen wir ,ren innig«® Dank

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25. Juli, vormittags statt. 4838

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Erster Blatt

Zreitag, 25. Zu« 1915

165. Jahrgang

General-Anzeiger für Oberhessen

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Die heutige Nummer umfaftt 10 Seiten.

Nr. 172

Ter Gießener Anzeiger erscheint täglich, aufeer Sonntags. Beilagen: viermal wöchentlich SiehenerZa»riilievblöttcr; giveimal n>öd)entl.Ktels: btattfürben Kreis ®ief}tn (Dienstag undFieilaqft zweimal monatl. Land­wirtschaftliche Zeitfragen Femsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen:

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'v k^v XKk sffl inonatlich75Ps^ viertel-

letzenerAnzeiger

Aw Verantwortlich für den

27^ < politischen Teil: August

.............. General-Anzeiger für Oberhessen LL-ZL r°°"ümm°r Notationsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.-Such, und Steindruckerei N. Lange. Nedattion, Erpedition und Druckerei: Schulftratze 7. Lnä-: E.^°b'"ür dm

bis vormittags 9 Uhr. Geschäftsstelle Büdingen, Bahnhofstraße 16a. Anzeigenteil: H. Beck.

Ruhlaud und China.

Während der chinesische Gesandte in Berlin, Dr. Jen, seinem Ansfrager gegenüber sich sehr hoffnungsfreudig wann wären ausgefragte Diplomaten nicht recht hoffnnngs- frenldig gewesen? über die Zukunft des himmlischen Reiches ausspricht und den Wirren in Südchinu keine soüder-- liche Bedeutung beimessen will, sieht man in Petersburg der Entwicklung der Dinge in der benachbarten asiatischen Re­publik mit Besorgnis entgegen, ahnt bereits einen Vormarsch der aufständischen Truppen gegen Peking. Diplomatische Kreise an der Newa befürchten, die ahnungsvollen Ge­müter daßRußland in allernächster Zeit auf die Vor­gänge in China werde reagieren müssen/'

"DieseReaktion" wäre den Leitern der auswärtigen Politik.des Zarenreiches an und für sich gar nicht so un­willkommen. Man hat nicht umsonst, noch ohne Absicht die Konsnlatswachcn, die seinerzeit in Persien eine so große Rolle gespielt haben, in der äußersten Mongolei erheblich verstärkt, angeblich auf hunderttausend Mann. Man ist sich der Gefolgschaft des Hutnchtu, dieses trunkfesten mongo­lischen Abtes, sicher, wenn auch Juanschikai in noch so viel Trohnoten diesen auffordert, für einen alsbaldigen Anschluß der Mongolei an die chinesische Republik zu s-orgen. Wie will Juanschikai seine angcdrohten Zwangsmaßnahmen ausführen? Er hat in seinem engsten Wirlüngs kreise mit Widerständen genug zu kämpfen. Im Parlament in Peking verfügt er über keine bedeutende Mehrheit. Ter Süden Chinas, der mit Tibeto-Barmanern und Munda-Völkern durchsetzt ist, kümmert sich wenig darum, daß man über ihn das Standrecl)t verhängt hat. Es fragt sich nur, wer es aus­üben soll.

»Vielleicht überträgt man die Exekution gar den japa- nisch en Offizieren, die die Abteilungen der südchine- sischcn Aufständischen führen. Vor etlichen Jahren schwebte noch den Ratgebern des Mikado ein Zusammengehen, ja viel- leicl)t ein enger Zusammenschluß mit dem Reiche des Him­melssohnes vor: das ganze Ostasicn gegen die übrige Welt, insbesondere gegen Europa und Amerika. Aber es kam mit den störrigen Chinesen, die der japanischen Ehrlichkeit nicht so recht trauten, zu allerlei Mißhelligkeitcn, Boykotten und empfindlichen politischen Zwischenfällen. Da sagte man sich in Tokio:Wir können auch anders" und wählte sich als neues Ziel die Vorherrschaft auf dem asiatischen Fest­lande durch Schwächung des Himmlischen Reiches. Darum unterstützte man die revolutionären Regungen, gab trotz der eigenen Geldnöte den chinesischen Rebellen und Räubern Waffen und Munition, umschmeichelte Sunyatsen, der wohl davon geträumt hatte, selber an die Spitze des neuen chinesischen Staates zu treten, lind nicht das unwichtigste Glied in der Kette der chinafeindlichen Politik des ostasia­tischen Jnselreiches ist das Bündnis, das man vor drei Jahren mit Rußland abgeschlossen hat. Wenn man auch wenig Verläßliches über seinen eigentlichen Inhalt erfahren hat, der Zweck trat immer deutlicher hervor. Gemeinsam über China herzufallen. Anscheinend will Japan, das kein 'starkes China brauchen kann, dieses nicht nur schwächen, sondern auch einen großen Teil des Jangtsetales, in das fast alle wirtschaftlichen Verbindungsdrähte zwischen Japan und China gehen, an sich reißen. Noch klarer ist das Ziel Rußlands: die Einsackung der Mongolei.

Das würde vielleicht auch alles programmäßig ver­laufen, obwohl Juanschikais Widerstand, der ein ebenso gewiegter Politiker wie tüchtiiger Militär ist, gar nicht ge­ring anznschlagcn ist, nxmn nicht die Vorgänge im nahen Osten der russischen Diplomatie arg zu schaffen machten. War schon die Uneinigkeit der christlichen Balkän-

völker untereinander geeignet, den Hellen Zorn des Zaren hervorzurufen, so hat das Vorgehen der Türken vollends alles in Petersburg außer Rand und Band gebracht. Was nützt es, daß Sir Edward Grey in orakelhaften Worten sich über das Balkanproblem ausließ, daß Asquith die Beachtung des Londoner Vertrages, der noch gar nicht ratifiziert ist, gerade von den Türken verlangte! Derkranke" Marrn sitzt wieder in Adrianopel, Griechenland wünscht offenbar, daß er es behalte und ist eifrig dabei, mit den Muselmanen in engere freundschaftliche Beziehungen zu treten, die sich vielleicht später in ein Schutz- und Trutzbündnis verwan­deln können. Schon fordert man in Petersburg freilich vorläufig erst in der Presse, auf die im freien Rußland die Regierung selbstverständlich nicht den geringsten Ein­fluß auszuüben vermag den Schlüssel zu den Dardanellen. Was wird England dazu sagen? Ein solches Vorgehen im nahen Osten wird und kann cs nicht dulden und wer weiß, ob nicht der geldbedürftige Juanschikai bald stark metallene Hilfe von der Theinse her erhält.

Die Lage auf dem Balkan.

Die Fricdensverhandlungen.

Bukarest, 24. Juli. König Karl sandte gestern an die Könige von Griechenland, Serbien und Montene­gro Telegramme, in denen mit Rücksicht auf die drängende Lage in Sofia sowie auf den Wunsch Europas, eine weitere Schädigung Bulgariens nicht y dulden, die Annahme des Vorschlages der ru­mänischen Regierung empfohlen wird, der darin besteht, daß die Einstellung des Vormarsches der Armeen und die Einstellung der Feindseligkeiten vor Beginn der Verha.ntp- l u n g e n in Bukarest über den Waffenstillstand und die Friedens­präliminarien möglielzst bald erfolge.

Sofia, 24. Juni. König Karl hat an König Ferdinand eine sehr herzliche, Depesche gesandt, in der er mitteilte, daß Ru­mänien bereits b«ei den Serben und Griechen einen sofortigen Waffen st ill st and beantragt habe, und daß zur Beschleuni­gung des Abschlusses desselben der rumänische Militärbevollmäch- ligte im serbischen Hauptquartier als Delegierter nach Nisch ent­sandt werden würde.

23 ii f a r e st, 24. Juli. In der diplomatischen Lage trat seit gestern eine Aenderung ein. Die serbische Regierung ging von ihrem bisherigen Standpunkte, nach welchem die Einstellung der Feindseligkeiten den Verhandlungen in Bukarest Dorangeben sollte, ab und wünscht jetzt, daß der gesamte Komplex von Fragen in Bukarest verhandelt werde, während die Feindseligkeiten sortdaue.ru. Serbien begriinbet seinen Standpunkt mit dem Hinweise daraus, daß die 2llarmnachrichten aus Sofia übertrieben sind. Somit schloß sich die serbische Regierung der Auffassung Griechenlands an. 1

Belgrad, 24. Juli. Gestern fand im Palais unter dem Vorsitz des Königs ein Ministerrat statt, der sich mit der end­gültigen Formulierung der Friedensbedingun­gen beschäftigte. Es verlautet, daß auch die von den militärischen Delegierten zu führenden Verhandlungen über die Feststellung der Demarkationslinie in Bukarest und nicht in Nisch statt- finden werden. Als Bevollmächtigte für die Friedensverhand­lungen hat Serbien den Ministerpräsidenten P a s ch i t s ch , den früheren Gesandten in Sofia, Spalaikowitsch, zwei Obersten und einen Sekretär in Aussicht genommen. Griechenland wird wahr­scheinlich den Ministerpräsidenten Venizelos und den früheren Gesandten in Sofia, Pana s, entsenden, Montenegro den Minister­präsidenten Plamenatz.

91 t h e n , 24. Juli. (Meldung der Agence d' Athenes.) Nach zuverlässigen Informationen werden die Bedingungen der Verbündeten erst auf der Konferenz in 23ukarest init- gcteilf werden. Man kann jetzt schon behaupten, daß sich die Bedingungen auf die Idee des Gleichgewichts auf dem Balkan stützen werden. Der Grundsatz des Gleichgewichts beweist die Rechtlichkeit der Ansprüche der Verbündeten, die nichts Un­mögliches fordern, und ihren Wunsch, einen dauernden Frieden auf dem Balkan her-ustellen. Von Rumänien besteht keine Gefahr, daß die Frage verwickelt werde, denn Rumänien trat ohne vorher­gehendes Einverständnis mit den Verbündeten in den gemeinsamen Kampf ein, von der Absicht geleitet, für das Gleichgewicht auf dem

Balkan zu wirken: denn ein Großbulgarien würde eine ständige tyejahr für Rumänien sein. Der ehrenvolle griechisch serbische Defensivvertrag habe für alles Vorsorge getrosten und leine Lücke gelassen, die einen Vorwand zu Streitigkeiten unter den Verbün­deten schaffen könnte. So flöht die im voraus gelüste Frage der Teilung keine Besorgnis ein; infolgedessen drohen für Griechenland, Serbien, Montenegro und Rumänien keinerlei zukünftige ^Ver­wickelungen. Tie Idee des Gleick-gewickts wird bis zum Schluß - vorherrschen. Wenn eine Gefahr für Verwickelungen besteht, so ist sie in der Intervention der Türkei zu suchen, einer unglückseligen und unerwarteten Intervention. Die Verbündeten wünschten, daß die Türkei die internationalen Abmachungen des Londoner Vertrages nicht verletzt hätte. Trotz des Vormarsches der Türkei sind die Verbündeten keineswegs geneigt, auf der Konferenz in Bukarest Thrazie n als türkisches oder bul­garisches Gebiet a n z u er ken n en. Thrazien ist für die Verbündeten ein Gebiet, das den Verbündeten gemeinsam gehört, wie es der Kongreß in London besstmmt hat. lieber das Geschick Thraziens wird gemeinsam entschieden werden. Mehr als je fordere Griechenland infolge des unmenschlichen Betragens Bul­gariens unterstützt von den Verbündeten, die ernstesten Bürg- scl-asten für Leben, Ehre und Besitz der griechischen Bevölkerung, die der Herrschaft Bulgariens unterworfen sein wird.

Nachrichten vom Kriegsschauplatz.

Sofia, 24. Juli. (Agencc Bulgare.) Gestern herrschte in der Umgebung von P i r o t Ruhe. Bei V l a s s i n a wur­den die Angriffe der Serben zurückgeschlayen und diese aus dem bulgarischen Gebiete verjagt. Bei E.gri- Palanka verlief der Tag ebenfalls ruhig. In der Um­gebung von Ko t sch an a griffen die vereinigten serbischen, griechischen nnd montenegrinischen Truppen den linken bul­garischen Flügel mit starken Streitkräften an, wurden aber überall zurückgeschlagen. Die zwischen den Tälern der Strumitza und der Breganitza vorrückenden griechi­schen Truppenabteilüngen wurden von drei Seiten zerniert und unter dem mörderischen Feuer der bulgarischen Truppen zum Rückzug gezwungen, wobei diese be­trächtliche Verluste erlitten. Tie Haltung der bulgarischen Truppen ist auf der ganzen Kampflinie ausgezeichnet.

Belgrad, 24. Juli. In den Kämpfen bei Bjelo- gratsch'ik erlitt der Feind sehr schwere Verluste und zog sich in Unordnung auf Lom Salanka und Vidin zurück. Unsere auf Vidin vorrückenden Truppen wurden gestern morgen angegriffen. Der Kampf dauerte bis 4 Uhr nach­mittags. Tie Bulgaren waren gezwungen, sich unter un­geheuren Verlusten in ihre Stellungen zurückzuziehen. Un­sere Truppen näherten sich bis auf 10 Kilometer Vidin.

Athen, 24. Juli. (Agence d Athenes.) Tas Kriegs­ministerium veröffentlicht eine Depesche aus dem Haupt­quartier. Darnach besetzten die griechischen Truppen Do- b r i n i st a und B a n i st a, und schlugen den Feind nördlich von Mahomia zurück. Alle Dörfer wurden verlassen ge­funden. Tie Bulgaren zündeten einige Dörfer an, um den Vormarsch der griechischen Truppen zu erschweren. Einige von den Brandstiftern wurden auf frischer Tat ergriffen und bestraft. Auch auf dem linken Flügel erlitt der Feind fortwährend Niederlagen.

Grausamkeiten im Balkankricg.

S a l o n ift, 24. Juli. Des griechischen Ministeriums des Aus­wärtigen Untersuchungen über die Grausam keilen der Bul­garen in Doksat ergaben, daß die Bulgaren die Stabt ver­ließen, ehe sie sie vollstänbig zerstörten. Die Einwohner bildeten eine Bürgermiliz, um die Angriffe der Komitatschis zurückzuschlagen. Nach einem vergeblichen Angriff fuhren die Bulgaren in der Nacht vom Samstag vier Feldgeschütze auf, während von den Einwohnern viele nach Kawalla und in die Berge flohen, schloß sich ein Teil in die Häuser ein. Plötzlich erschien bulgarische Kavallerie, auf der anderen Scite^drangen 400 Soldaten in die Stadt. Es begann ein Gemetzel. Frauen, Kinder und Greise wurden erbarmungslos hin­geschlachtet: alle in Doksat zurückgebliebenen Frauen wurden von Soldaten und Offizieren vergewaltigt, die Mütter mußten ansehen, wie ihre Kinder aus den Fenstern auf die Bajonette geworfen

Gesellschaft Liebigmuseum.

Gießen, 25. Juli.

D i e Gesellschaft Liebigmuseum hielt gestern im Liebig-Laboratorium ihre Jahresversammlung ab. Geh. Medizinal­rat Professor Sommer sprach überLiebig vom Stand- p u n k.t der F a m i l i e n f o r s ch u n g und der Verev- bungsthcori c". Seinen inhaltlich sehr interessanten Ausfüh­rungen entnehmen wir folgendes: Die Beanlagung eines Menschen kann normal, pathologisch > krankhaft, kriminell (verbrecherisch: und genial sein. Die sich mit der genialen Beanlagung beschäftigende Genielehre ist noch sehr jung und in ihren ersten Ansätzen verfehlt. Die Annahme Lombrofos, daß man zwischen normalen und patho­logischen Genies zu unterscheiden habe, kann als überwunden und mit den wirklichen Beobachtungen als nicht übereinstimmend an­gesehen werden. Das Genie ist das Produkt der erblichen Veran­lagung und der zur Entfaltung dieser Anlagen günstigen Lebens- verhältnisse (Milieu/ Mit nicht geringer Mühe hat man die Stammbäume großer Männer aufgestellt, ohne bis jetzt zu allgemein gültigen Gesetzen gekommen zu sein. Denn wenn auch verschiedent­lich, j'o bei Goethe und Schiller, die Ahnenreilie auf väterlicher Seite durch Energie, Fleiß und Arbeitskraft sich hervortat, während die Vorfahren mütterlicherseits mehr in künstlerischer Beziehung Be­deutendes leisteten, so ist doch hieraus fein allgemein gültiger Schluß zu ziehen, da noch viel zu wenig Persönlichkeiten daraufhin unter­sucht wurden. Tie Frage: Ist Liebig als Genie zu betrachten? muß entschieden bejaht werden. Er hat in seinem Fach infolge seiner Naturanlage "Außergewöhnliches geleistet, und es war ihm dies möglich, da er vom Glück ungemein begünstigt war. Schon frühzeitig, im Paterhause, konnten die in ihm schlummernden Natur­anlagen'zur Entwickelung gelangen. Viele seiner Verkaufsartikel stellte der Vater selbst bet, und sein Sohn durfte habet helfen. Tie dem Knaben zugänglichen SBerfftätten besuchte er fleißig. Der am dem Darmstädter Jahrmarkt auftretende Wunberdoktor veranlaßte ihn zur Darstellung des Knallsilbers. Infolge der Gewährung eines Staatsstipendiums kam er frühz-eitig nach Pans und lernte dort hebenienbe Männer der Wissenschaft kennen. Neben der stark ent­wickelten analytischen Neigung, die die Dinge auf ihre Zusammen­setzung und Entstehung prüft, der Hauptsache nach also rem theore­tischer Natur ist, fand sich bei Liebig ein ebenso stark ausgebildeter praktischer Zug, der ihn die gefundenen Ergebnisse auf andere Ge­biete (Landwirtschaft, praktische Hygiene) übertragen und an- wendcn ließ..

Daß in Liebigs Charakter ein männlich-streitbarer Zug fest- gestellt werden muß, kam der von ihm vertretenen Wissenschaft sehr zu gut, denn nur auf diese Weisse war es möglich, das sich gesteckte Ziel zu erreichen. Nur einer Kampfesnatur wie Liebig war es mög­lich, die sich ihm entgegenstellenden Hindernisse zu beseitigen und eine in ben Anfängen liegenbe Wissenschaft zu einer vorher nicht geahnten Höhe zu bringen. Seine Genialität geht auch aus ber Tatsache hervor, daß er sich durch nichts von dem seiner Beanlagung entsprechenden Wege abbringen ließ. Dieser Einwirkung von soge­nannten Komplexen, die ihn vor der Vielgeschäftigkeit bewahrte, und den aus einer genialen Grundlage heraus dominierenden Ge­sichtspunkten verdankte er ohne Zweifel einen großen Teil seiner Erfolge. Was seine äußere Erscheinung betrifft, so fällt dem Be­obachter das ungemein regelmäßige Oval der Kopfbildung, die fein­geschnittene Nase und der stark hervortretende Stirnknochen über dem rechten Auge auf. Von letzterem Umstande^ aber einen Schluß auf besondere mathematische Fähigkeiten zu machen, wie dies einige Forscher tun, hält der Vortragende für gewagt und in vorliegendem Fall für nicht zutreffend. Eine Ahnentafel hat man bis jetzt stoch nicht. Eine Vervollständigung des geringen Materials muß daher als sehr wünschenswert erscheinen, und der dementsprechende Llppell an die zahlreich anwesenden Mitglieder dürfte bald von Erfolg be­gleitet sein.

Nach dem mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag er­stattete der Schriftführer der Gesellschaft Liebig-Museum, Apo­theker Werner, den Fahresbericht. Mit Freuden konnte er fest­stellen, daß auch in diesem Jahre eine Reihe wertvoller Geschenke dem Liebig-Museum zugegangen sei. Verlagsbuchhändler Töpel- mann stiftete eine fast lückenlose Serie des Liebig-Köppschen Jahresberichtes, Frau Baronin Dr. v. Liebig wertvolle Urkunden, u. a. den Ehevertrag der Eltern Liebigs. Medizinalrat Dr. Merck (Darmstadt^ ließ in überaus dankenswerter Weise auf seine Kosten den Hörsaal und das analytische Laboratorium Herstellen. Geh. Rat Prof. Dr. Naumann förderte die gute Sache durch Stiftung mehrerer Photographien alter Liebig-Apparate. Kommerzienrat Heichelheim spendete die Summe von 500 Mark.

Der Vermögensstand ber Gesellschaft Liebig-Museum ist als günstig zu bezeichnen. Nach zr"ijährigem Bestehen und bei einer Mitgliederzahl von 50 ist ein Barvermögen von 1746,85 Mark vorhanden. Zum Schlüsse seiner Ausführungen erroäfcute Apotheker Merncr noch die Abschrift eines Liebig-ManuskiMss, die ihm

ein russischer Chemiker Dr Shukoss (Petersburg) gesandt hat. Aus den eigenhändigen Lluszeichnungen des 16 jährigen Liebig geht hervor, daß er schon in frühester Jugend theoretisch und prak­tisch ausgezeichnete Kenntnisse besaß. Von ganz besonderem Inter­esse war es, daß ber 16 jährige Liebig schon theoretische Betrach­tungen über die chemische Zusammensetzung des Quecksilberchlorids angestellt hat. Sehr viele Keime späterer Arbeiten sind in dieser Arbeit, die eine Fundgrube für den Biographen darstellt, enthalten. In der Hoffnung, daß der geistvolle Gedanke, die Geschichte der Chemie in ihrer Entwicklung in den Räumen des Liebig-Labora­toriums darzustellen, möglichst bald verwirllicht werde, schloß Werner seinen Bericht.

Nach der Versammlung fand eine harmonisch verlaufene Feier im Garten des Liebig-Museums statt, bei der Fraq Geh. Rat Prof. Dr. Sommer bie Liebenswürdigkeit hatte, die Gesellschaft mit einigen schönen Liedern zu erfreuen.

Archäologische Funde auf Kreta. Die italienische archäologische Mission, deren Leiter Professor H a ch e r r ist, machte kürzlich auf Kreta bedeutende Entdeckungen. Er fand in G o r - tina einen den ägyptischen Gottheiten geweihten Tempel. Ter Llrchitrav trägt eine Widmung an Flavia Philyra, die das Gebäude gebaut hatte. Er entdeckte eine Statue des ägyptischen Gottes S a r a p h i s und eine ausgezeichnete Statue der Isis und des Merkur, ferner Bruchstücke einer Kolossalstatue einer Frau und eine weibliche Büste, vielleicht der Gründerin des Tempels. Die Statuen waren von Marmor. Außerdem sand man irdene Bildsäulen. Im Mittelschiff des Gebäudes befindet sich eine kleine Treppe, die zu einem unterirdischen Bassin führt, wo rell giöse Zeremonien und die Reinigung abgehalten wurden. An den Treppenseiten befinden sich zwei Nischen für kleinere Statuen. Tie Nachforschungen werden noch fortgesetzt. Im Innern der Insel fand die Mission eine große Anzahl noch unveröffentlichter Jn- schriftentexte.

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen­schaft. Der 4. Deutsche Kongreß für Säuglings­schutz und die Mitgliederversammlung.der Deutschen Ver­einigung für Säuglings schütz finden am Donnerstag, 18., und Freitag, 19. September 1913, in Breslau statt.