rn. i
Zweites Blatt
165. Jahrgang
9
5chlaswagen dritter klaffe.
tag berichtet.
Mittwoch, 22. Moder 1913
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universtläts - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Die Klinik wird mit Umbau usw. zirka 500 000 Mk. kosten. Ihre Prophezeiung, verehrter Derr Redakteur, daß große Mehr kosten entstehen, ist durch keine Unterlage gestützt.) Zweifellos würden damit Räume aus Jahrzehnte genügend geschaffen. Bauten wir in der Gartenstraße, so würde sich die Sache so stellen: 1. derzeitiger Bau mit Bauplatz zirka 200 000 Mk., 2. Neubau zirka 300 000 Mk., zusammen 500 000 Mk. und dann hätten wir die Klinik immer noch aus dem Halse, also in runder Summe 750 0 0 0 Mark Ausgaben.
Ich mache keinen Anspruch darauf, daß diese Ziffern genau sind — aber so ungefähr würde cs werden: denn das derzeitige Gebäude der Bürgermeisterei, welches für manchen anderen Zweck sehr schön ist, müßte nicdergerissen werden und nachher hätten wir ein Rathaus, welches jetzt schon ungenügend und für die nächste Zeit schon wieder eine Jagd auf Unterkunstsräume für städtische Acmter notwendig machen würde.
Redaktion, Expedition und £ ruderet: Schul« ftroße 7. Expedition und Verlag: 51.
Redaktion:^-^112. Tel.-Adr.: AnzeigerÄießen,
Lmidtagzwahlen in Baden.
%nt gestrigen Dienstag fanden in Baden allgemeine Wahlen zur zweiten Kammer statt. Sie gelten auf die Dauer von vier Jahren und erfolgen auf Grund eines allge- Meurva, direkten und geheimen Wahlrechts.
Nach den letzten Wahlen vom Oktober 1909 war die ba- dische Kammer zusammengesetzt aus 7 Mitgliedern der Fortschrittlichen Volkspartei, 18 Nationalliberalen, 20 Sozialdemokraten, 2 Konservativen, einem Mitglied des Bundes der Landwirte und 25 Anhängern des Zentrums. Beiden jetzigen Wahlen gingen die beiden liberalen Parteien — abgesehen von wenigen Ausnahmen — geschlossen vor. Für die S t ich w a h- l e 7i haben sie ein Abkommen mit der Sozialdemokratie auf gegenseitige Unterstützung getroffen. Die Fortschrittliche Vollspartei verteidigte sieben Mandate und hatte Kandidaten in weiteren 22 Wahlkreisen ausgestellt. Die Nationalliberalen traten mit 45 Kandidaten an.
Karlsruhe, 21. Okt. Bis um Vsl2 Uhr Nachts waren zur Zweiten Kaminer des badischen Landtages gewählt: 10 Zentrum, 1 Bund der Landwirte, 7 Sozialdemokraten, 9 Nationalliberale, 1 Fortschrittler, 1 Wilder, 2 Konservative. 12 Stichwahlen sind erforderlich. Unter anderen sind gewählt: Der Führer der badischen nationalliberalen Partei R e b m a it n, der sozialdemokratische Redakteur Kolb und der sozialdemokratische Führer Dr. Frank -Mannheim.
rVucksachen aller Art
Ln/ liefert In jeder gewünschten Ausstattung preiswert die Brühl’sche Universitäts-Druckerei, Schulstr. i
vüchertisch.
— Hessische Beckmt c n z e it u n g , begründet von K. Mosbach, hercmsgcgebcn von Gust. M o s s i g tn Gießen. Verlag der v Münchowschen Hof- und Univ.-Truckerer (O. Kindtt 11 Jahrg Nr. 18 und 19. — Nr 18 enthält: Beamtenkartell und Stadtverordnetenwahl in Darmstadt. Neuzeitliche Gefchafrs- vereinsachung bei Gas-, Wasser- und EliktrizttatMierken. Vereinsnachrichten. Nr. 19 enthält: Teuerung und Beamtenschaft. Beamtenkartell und Stadtvcrordnetenwahlen m Darmstadt. Xie österreichische Staatsbeamtenschaft. Tie Staatsbeamten-Besoldungs- vorlage. Entschädigung der Schöffen und Geschworenen. Bestimmungen über Anstellung usw. der Schutzleute bei dem Bremst chen 9(mt zu Bremerhaven. Spar- und Darlehenskasse des Verbandes deutscher Bcamtenvereine. Vereinsnachrichten.
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Siebener Zamtlienblätter" werden dem .Anzeiger" vier-mal wöchentlich beigelegt, das „Kteisblatt für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit« fragen" erscheinen monatlich zweimal.
(5crid)tefaaL
Die offene Eisenbahnschranke.
Der im Dienste der Eisenbahnverwaltung angestelltc Weichen« steller Franz Kerkhoff war vom Landgericht Hildesheim durch Urteil vom 7. März 1913 wegen f a hrlässigcrTötung und Transportgefährdung zu zwei Wochen Gefängnis! verurteilt worden. Zu seinen Obliegenheiten hatte es gehört, das auf der Strecke Lehrte —Hildesheim befindliche Stellwerkl2zu leiten. Kurz nach 7 Uhr früh passieren daselblt zwei Züge, erst ein Äüterzug, dann kurz darauf ein Personenzug. Am 23. November 1912 hatten kurz nach dem Passieren des Güterzuges zwei Fuhrwerke noch über die Gleise fahren wollen. Kerkhoff hatte deshalb die Schranke hochgelassen, um den Weg freizugebcn. Er hatte wegen starken Nebels zunächst nur den einen Wagen gesehen und die Schranke, als auch noch ein zweites Fuhrwerk hindurchwollte, nicht sofort wieder herunterlasscn können. Ein Fußgänger, der die Schranke so geöffnet fand, suchte nun auch noch schnell über das Gleis zu kommen. Er wurde jedoch von der Maschine des in demselben Augenblick heranfahrcnden Zuges erfasst, von den Puffern mitgeschleppt und blieb tot liegen. Der Weichensteller Kerkhoff hatte behauptet, der Personenzug habe Verspätting gehabt und deshalb sei er berechtigt gewesen, die Schranke zu 'öffnen. Die Fuhrwerke seien auch glücklich über die Gleise gekommen. Den Fußgänger habe er überhaupt nicht bemerkt Tas Landgericht Hildesheim hatte ausgeführt, nach der Dienstanweisung habe der Weichensteller die Pflicht gehabt, die Schranke „rechtzeilig" zu schließen. Er hätte deshalb schon vor dem Passieren des Güterzuges die Schranke geschlossen halten und vor allem nicht wieder öffnen sollen. Die yffene Schranke habe jedenfalls den Getöteten glauben gemacht, der Zug werde noch nicht sobald kommen. — Mit seiner Revision beim Reichsgericht machte K. geltend, die Winde, die er vom Stellwerk aus habe bedienen müssen, sei insofern unpraktisch gewesen, als durch sie beide Schranken nur gleichzeitig hätten bewegt werden können. Tas Reichsgericht hat die Revision jedoch als unbegründet verworfen.
Seit vielen Jahren bin ich znm erstenmal wieder meine Scbmerzen los.
E i n u n v c r g l e i ch l i ch e s M i t t e l
Ein Herr aus Donaueschingen berichtet: Als ich so plötzlich Heilung von meinem Leiden erhielt, sagte ich meiner Frau, daß ich dieses den Zeitungen mitteüen wurde, wenn ich bis , um Ende der Woche keine Schmerzen mehr haben wurde, damit auch andere Kranke hiervon erfahren würden Es besteht letzt kein Zweifel mehr darüber, daß ich geheilt bin. Geheiltt nachdem ich viele Fabre hindurch Tag und Nacht d,e enstetzlichsten Schmerzen gchabk habe Was hätte es für E bedeutet, wenn ich von dem Mittel, das mir half, eher gewußt hatte, ^ch bin davon überreug., bar es leben Schmer, l>c.lt wenn er auf Ischias, KopfsckMerzen u. dgl. zuruckzufuhren ist. Kem stall hätte schlimmer sein können als der meinige.
Ich gebe, daher jedem Leidenden den Rat, sich aus der nächsten Apotheke das überaus billige und unfehlbar wirkende ^Phaldol zu besorgen. Diese Ausgabe wird . Ihnen me ech tun Zwei Tabletten auf einmal genommen, fuhren augenblickliche Erlei^ ttiung herbev Das Präparat ist vollkommen harmlos, obwohl d e Wirkung rasch und sicher ist.
Auf Veranlassung der H a n d e l s k a m ni er Old en« bürg hat der Deutsche .Handelstag die Frqge der Einführung von Schlafwagen 3. Klasse, die schon im Vorjahre in einer Eingabe des Verbandes reisender Kaufleute Deutschlands an den preußischen Minister der öffentlichen Arbeiten gefordert wurde, zur Erörterung gestellt. Es wurde dabei besonders auch auf die Verwirklichung dieser Idee im Auslande verwiesen, lieber die russischen Wagen wird berichtet, daß es sich hier nicht um eigentliche Schlafwagen handele, sondern daß auf bestimmten Bahnhöfen eine Abgabe von Decken und Kissen stattfändc, und so in primitiver Weise in den auch für den Tagesverkehr bcnubten Wagen Schlafstellen hergerichtct werden könnten. Allerdings sollen Erwägungen schweben, besondere Schlafwagen niederer Klasse in Rußland auf bestimmten Strecken einzuführen.
Immerhin ist ein Bedürfnis für die Einführung von Schlafwagen 3. Klasse auch in Deutschland anzuerkenuen, und erwünscht, wenn ein Versuch mit ihnen gemacht würde. Ein solcher Versuch müßte auf einer Sirecke mit starkem Nachtverkehr angestellt werden, als welche namentlich die Linie Köln—Berlin in Betracht kommt. Wenn bezweifelt worden ist, daß Schlafwagen 3. Klasse mit drei Lagern übereinander Anklang finden würden, so ist doch darauf zu verweisen, daß die Nachtfahrt in einem mit acht Personeu besetzten V-Zugabteil 3. Klasse beim Publikum auch recht wenig beliebt ist, aber auf belebten Strecken, wie Köln—Berlin, Köln—Basel eben in Kauf genommen werden muß. Tie Möglichkeit, sich auszuruhen, würde jedenfalls in noch so einfach ausgestatteten Schlafwagen 3. Klasse eher gegeben sein, als in den mit der Höchstpersonenzaht gefüllten Abteilen dritter Klasse. Im Interesse der Rentabilität der beantragten Schlafwagen und der Billigkeit müßten sie sehr einfach ausgestattet werden, und es wäre angezeigt, auch in der Benennung der Wagen zum Ausdruck zu bringen, daß nur pri- mitive Schlafstellen, nicht bagegen die Bequemlichkeit der heutigen Schlafwagen geboten werden. In diesem ©inne hat die Handelskammer Köln bem Deutschen Handels-
Ihre Berufung mir die Mehrheit der Bürger, welche gegen die Verlegung sind, ist doch auch nur Vermutung. Ein Stadtverordneter, welcher in solchen Fragen immer schielt, ob seinem Mandate keine Gefahr drohe, fönnc_ mir leid tun. Hätten Sie mit dieser „Mehrheit" recht — selbst dann wird ein .gewissenhafter Stadtverordneter so entscheiden, wie er es im I n - teresse der ganzen Stadt für geboten erachtet. Tie Unterschriften gegen die Beilegung werden zum großen Teil nur gegeben, weil diesen Bürgern Ser wahre Sachverhalt nickst so klar ist,» wie denjenigen, welche sich mit der Sache beschäftigen müssen. Die von der Bürgermeisterei gewünschte „Aufklärung" über solche Gegenstände in der Presse war nicht gut möglich, weil ein Stadtverordnetenbeschluß resv. ein einmütiger Wunsch der Stadtverordneten vorliegt, den Oberbürgermeister nicht in Zeitungspolemiken zu verwickeln. Wer ein Interesse an der Sache selbst hatte, dem haben die früheren Behandlungen genügend Material geliefert, um sich ein Urteil zu bilden.
Wenn Sie in Ihrem Artikel wünschen, daß Männer in den Stadtvorstand gewählt werden, die alles gewissenhaft prüfen, o teilen Alle den Wunsch. Aber die derzeitigen Stadtverordneten dürfen für sich in Anspruch nehmen,, daß sie diese Eigenschaften ebenso besitzen, als wie die künftigen Männer. Sie würden es erleben, daß gerade Leute, welche solch nebensächliche Dinge als Sprungbrett ins Stadtparlament benutzen, doch manchen enttäuschen würden. Ich bin bereit, in jeder Versammlung Rede und Antwort zu stehen und auch gar nicht bange vor objektiv denkenden Männern in dieser Frage mit Ehren rn bestehen.
Noch ein Wörtchen zum vernachlässigten Walltor. Als die Irrenanstalt erbaut werden sollte, stellte ich den Antrag, diese am Wißmar er Weg zu errichten; damit wäre selbstredend die Eisenbahn-Haltestelle am Rodberg gesichert gewesen. Mein Antrag wurde angenommen und die Stadtverwaltung beschloß, in bortiger Gegend das Gelände zu erwerben zu einem Preise, welcher um 5 0—7 0 Proz. über den Bonitierungswert bei der kurz vorher erfolgten Feldbereinigung hin- ausging. Irre ich nicht, waren es gerade lStadtver ordnete. die besonders lebhaft für das Walltor reden, welche durch ihre überspannten Forderungen für ihren Grundbesitz den guten Willen der Stadtverwaltung zu Schanden machten. Schöne Worte find eben billiger wie Taten, die Geld kosten. Die Bürgerschaft hat allen Grund, sich nicht durch Nebensächlichkeiten von der aenauen Betrachtung neuer und alter Männer abhalten zu lassen. C. Krumm.
Wir wollen dem Hinweis des Herrn KrurnNi folgen und das Wesentliche etwas näher betrachten: „Die Taten, die Geld kosten". Tie Instandsetzung der alten Klinik würde schweres Geld kosten, mindestens 250 000 Mk., wenn Herr Krumm die Gesamtkosten mit 500 000 Mk. veranschlagt. Hat denn die Stadt Gießen wirklich Geld wie Heu, daß sie die Kleinigkeit von einer Viertelmillion kurzerhand für einen fragwürdigen Zweck flüssig macht? Wie oft ist die Notwendigkeit betont worden, daß jetzt eine Periode äußerster Sparsamkeit eintreten müsse! Wir keuchen ja noch unter der Last der Ausgaben und Anschaffungen der letzten Jahre: Kanalisation, Pflasterung, Elektrizitätswerk, Schlachthof: die berufenen Stellen haben den Plan eines Saalbaues mit Recht aus diesen Gründen weit von sich gewiesen, und nun kommt man doch schon wieder mit einem Viertelmillwnenproiüt, und hat es damit so eilig, daß mkm nicht einmal so kurze Frist sich gedulden will, bis die Stadtverordnetenversammlung wieder vollzählig ist und die bevorstehenden Wahlen zur Klärung beigetragen haben! Anderwärts werden Parlamente aufgelöst, um in wichtigen Fällen bie derzeitige Stimmung des Volkes zu hören; es ist verwunderlich, wie Herr Krumm diese Forderung demokratischen Geistes auf einmal so verleugnet. So dringend ist dieses Bedürfnis nach einem neuen Rathaus doch wohl nicht, daß man zur Beschlußfassung nicht noch ein paar Wochen hätte warten können, und im Hinblick auf die finanzielle ^eite der Sache, die auch von Herrn Krumm als die wichtigste bezeichnet worden ist, wird es sich überhaupt fragen, ob die Bürgermeisterei sich mit ihren jetzigen Räumen mcht begnügen kann, bis günstigere Zeiten größere Ausgaben wieder gestatten. Die städtischen Arbeiten sind nach der Erledigung der oben erwähnten großen Aufgaben ohnehin wieder so ziemlich aus das normale Maß zurückgegangen, so daß man sich mit den Räumen, die bis dahin genügt haben, auch noch emige ^-ahre behelfen kann. Für das Polizeiamt, das mit Recht schon jahrelang nach Abhilfe ruft, ist eine würdigere Behausung auch auf allere Weise zu beschaffen als durch den kostspieligen Umbau der Klinik. .
Wir bleiben also dabei, daß diese wichtige Angelegenheit nicht übers Knie gebrochen werden durfte und daß eine IRberrumpetung erblickt werden muß in der Art, wie die städtische Behörde'hier vorgegangeii ist.
Unsere Ansicht, daß sowohl tue Raume, wie die Lage der alten Klinik für einen Rathausbau wenig geeignet sind, haben wir schon öfters bargetan. Sie wird von weiten Kreisen der Bürgerschaft geteilt, und wir werden denrnachst diese ebenfalls sehr wichtige Seite der Angelegenheit, von der Herr Krunrrn gar nichts gesagt hat, von sachverständiger Seite hier eingeheiid besprechen lassen. Soviel leuchtet, doch wohl ein, daß der Zweckgedanke einer ehemaligen Kaserne von dem eines Rathausbaues sehr verschieden ist. Vielleicht wären 2000 Mark als Preise für den besten Vorschlag zur einstweiligen V e r w e n d u n g des alten Gebäudes noch verlockender als für den besten Entwurf zur Verzauberung in einen Rathausbau, zumal die Erfahrung ja schon gemacht morden ist, daß der Kasernenbau auch für die Zwecke eines akademischen .Krankenhauses schlecht geeianet war. Mancher Architekt, der seine Kunst liebt, wird auch für 2000 Mk. sich dagegen sträuben, eine bauliche Gewaltkur an beirr alten Hause vorzuschlagen. Wir kommen, wie gesagt, auf biqen Teil bes Problems noch näher zu sprechen.
Siehener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhitzen
Unruhen in Portugal.
Lissabon, 21. Okt. Hier sinb ernstere Ruhestörungen borgekommen, bie schnell unterdrückt wurden Die Unruhen begannen morgens damit, daß in verschiedenen Stadtgegenden Polizeiwachen und Wachen der republikanischen Garde angegriffen wurden. Zahlreiche Angreifer wurden verhaftet, andere flüchteten. Eine Anzahl Personen, die in einem Stickatelier in der Nähe des Zivilgefängnisses versammelt waren, wurden nach kurzem Widerstände verhaftet. Es wird geglaubt, daß sie Vorbereitungen für die Befreiung der Gefangenen im Limosiro-Gefängnis getroffen hätten. Ein politischer Gefangener wurde aus der Polizeiwache am Camino Novo befreit. Die Regierung war vorbereitet und scheint die Lage zu beherrschen.
Tie Aufrührer versuchten die Telegraphendrähte und die Eisenbahnverbindungen an verschiedenen Stellen bei Lissabon zu zerstören. Die Beschädigungen wurden aber sofort wieder ausgebessert. In Lissabon wurden über 100 Verhaftungen vorgenommen. In der Hauptstadt herrscht Ordnung. In der Provinz sind keine Ruhestörungen vorgekommen.
Berlin, 21. Okt. Die hiesige portugiesische Gesandtschaft teilt auf Grund einer von der Regierung zugegangenen Depesche folgendes mit: In der letzten Nacht versuchten M o - narchisten in Lissabon eine Umsturzbewegung ins Werk $u fetzen. Trotz umfassender Vorbereitung konnten sie nichts ausrichten, nur einige Telegraphenlinien und eine Eisenbahnlinie wurden unterbrochen. Es gab keine Opfer undkeinenSchaden. E in. Gesang enervonWich- tigkeit wurde befreit, ist aber schon wieder ergriffen worden. Kein Teil der Armee oder der Marine nahm teil an dem Umsturzversuch. Die Regierung kannte die Verschwörung bis in ihre Einzelheiten und wird die Hauptschuldigen bestrafen. Kein Verschwörer nahm seinen zuge- wiesenen Platz ein, alle verkleideten sich oder flüchteten. Das ganze Land ist ruhig, das Vorkommnis wird das gewohnte Leben nicht stören und die Bedeutungslosigkeit der Feinde der Republik noch klarer hervortreten lassen.
Die Frage öes Rathackbauer in Kietzen.
Herr Stadtv. Krumm sendet uns eine lange Zuschrift, kn der er den letzten Stadtverordnetenbeschluß, die alte Klinik als Rathaus auszugestalten, mit allerlei Gründen zu stützen sucht. Er schreibt uns:
4 p 1 1 'Gießen, den 20. Oktober.
Geehrte Redaktion!
Ihr Artikel in Nr. 245 über Verlegung der Bürgermeisterei darf nicht iinmibersprocheii bleiben. Vor allen Dingen ist niemand überrumpelt worden. Seit nahezu 2 Jahren ist diese Frage fo oft und ausführlich behandelt worden, daß es nickst mehr möglich war, noch irgendetwas Neues zu bringen, selbst wenn noch zehnmal verhandelt würde, und jeder, der sich mit der ^ache beschäftigte, wußte genau, daß es bei dem Titel der Tagesordnung um die Verlegung der Bürgermeisterei in die alte Klinik ging.
Es muß immer wieder darauf hingewieien werden, daß wir Uns bett, der Klinik in einer Zwangslage bcfinbcm Sie .wurde uns aufoktroiert gelegentlich der Errichtung der. Irren- anstatt; damals °mpr°ck, Sen Gnauth dem Staate, dl- K unk UM 300 000 Mk. abzukauscn, wenn die genannte Anstalt nach Gießen käme. Ich habe gegen die Abtretung De» tttzigen Gebäudes für die Irrenanstalt gestimmt, weil nur das Opfer gegen den event. Nutzen zu hock) erschien; zweifellos war aber die S adtverordneten-Mehrheit überzeugt, daß das Opfer gebracht Serben müsse und ein Teil dieser Lenkung war der Erwerb tKV Nun^aben wir fie - letber ®otte8 - jage idj au«; foltert wir nun bas Gebäude, welches mit dem besten willen zu nichts anderem gebraucht werden kann, leer stehen und verkommen lassen9, hat auch nur ein Gegner der Verlegung eine Andeutung über anderweitige Verwendung des Baues gewußt? Most Nein" zu sagen, ist kein Kunststück, wenn nuan dem Nem Nicht positive Vorschläge folgen läßt. Größere Raume für die st ä d t i s ch e V c r w a l t u n g s i n d d r i n g e n d n o t w e n d i g, wer glaubt, daß die Sache noch jahrelang Zeit habe, gehe auf! bas Polizeiamt (ins Meldez immer zuerst) und überlege dann, ob solche Räume nicht direkt unwürdig und zum Aufenthalt von Beamten ungenügend sind. d
Ter Schaben für die innere Stadt, welcher au» der Verlegung entstehen soll, ist em Hirngefpinst; ich habe die Verlegung des Rathauses vom Marktplatz nach der Gartenstraße, der Bauämter von der Gartensttaße nach dem Asteuveg ge- seben - wo ist auch nur ein Mensch auf den Gedanken einer Schädigung des Stadtteiles gekommen? Wir dürfen ein Rathaus errichten, wo wir wollen — eine ganze AnAihl Burger wird den Blak immer für ungeeignet halten und Vorschläge surandere Stadtt Üe macken-(einen kenne ich bestimmt, der die Schwarz- loch für den besten Platz hält, nicht allein fürs Rathaus, sondern Uhnhof^ %ei toneuen Sol!«f$ule haben mir ja das Wettrennen der Grundbesitzer studieren konnem
inirfitinfte ist die Finanzfrage; beinahe lediglich aus finanziellen Gründen enthielten sich eine Anzahl Mitglieder der Msttmmung, die an sich für die Verlegung gestimmt hatten.


