Ausgabe 
21.4.1913 Erstes Blatt
 
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qewahkt: Hauptmann a. D. Freiherr van der Hoop zu Rodheim a. d. Bieber und Geh. Finanzrat Freiherr von Kchenk zu Schweinsberg in Berlin.

Der süddeutsche Bund der Landwirte.

h. Frankfurt, 20. April. Unter guter Beteiligung der Mitglieder der Landesverbände von Hessen-- Nassau, Hessen, den Rh ein lau den, der Rhein- Pfalz, von Baharn, Württemberg und Baden feierte heute der Bund der Landwirte für Süddeutschland sein 20jähriges Bo st eh-en durch eine Festversamm- iung im Kaufmännischem Beveinshause. Zahlreiche dem Bunde nahesttehende Reichstagsäbgeordnete und Wgeord­nete der süddeutschen Parlamente hatten sich eingesunden. Der Verbandsvorsitzende Oekonomierat Lucke (Frankfurt) warf einen Rückblick auf die Geschichte des Verbandes, wobei er der städtischen Presse ein schlechtes Zeug­nis ausstellte und die anwesenden Pressevertreter er­suchte, sich derPolemik" über den Bund zu enthalten. Tie Festrede hielt 'Dr. Dietrich 5)ahn. Seine Ausführungen waren im wesentlichen eine scharfe Absage an die politische Richtung von Bassermann bis Bebel, wobei besonders die Nationallib-eralen und Fortschrittler arg mitgenommen wur­den. Ms Zukunftsbild bezeichnete er den seit kurzer Zeit erfolgenden sieghaften Aufstieg der konservativen Partei, die er die wirkliche Volkspartei nannte. Alle gegenwärtigen Minister seien untauglich, da sie nicht konservativ sind. Adit Delbrück könne überhaupt nicht mehr gearbeitet werden (Aurns-e: Raus mit deut Mann!), da er im Elsaß mit den Sozialdemokraten die Verfassung zurechtgezimmcrt habe. Nach -einem Ueberblick über die Wirtschaftspolitik des Bundes schloß, er mit dein Wunsche, daß der Bund in allere Wahl­kreisen der Sauerteig für die Einigkeit aller nationalen Parteien werden möge. Begrüßungsansprachen hielten Reichsiagsabg. Voigt (Halle) für Württemberg, Reichs- ftagsabg. W-elluback (Bayreuth) für Bayern, Reichstags- '.Wg. Rupp (Bretten) für Baden, Hptm. Pauli, der scharfe Töne gegen die Nationalliberalen und Fortschrittler anschlug, für das Rheinland und Landtagsabgi Ko roll (Angenrod) für die hessischen Bundesmitchieder.

Aniversttäts-Naeh rechten.

Als Nachfolger des nach Gießen gebenden Bros. Nud. Hübner ist der Privatdozent Dr. jar. Edwin Maner-Homberg zum außerordentlichen Professor in der R o st o ck e r juristischen Fakultät berufen worden.

In der Tübinger naturwissenschaftlichen Fakultät ist der Vnvatdozent und rrstc Assistent am botanischen Institut Dr. Ernst Lehmann als Nachfolger des nach Hamburg berufenen Prof. A. Winkler zum außerordentlichen Professor für angewandte Botanik, Pharmakognoüe und Forstbotanik ernannt worden.

Der General - Oberstabsarzt, o. Professor für medizinische Chemie und Hygiene an der Wiener Universität, Obersanitäts-- rat Dr. med. Florian Kratschmer von Forstburg begeht am 20. April seinen 70. Geburtstag.

wandern nnd Ressen.

VL.E. Nahezu80 Wanderer hatten sich, das schöueFrühlingswetter benutzend, am Sonntag anläßlich der 1. Vexeinswanderung 1913/14 des Vogelsberger Höhen-Klub, Zweigverein Gießen zur Teilnahme eiuqeiunden. Von Grün berg, dein Ausgangspunkte der Wan­derung, ging es zunächst durch das reizende Bruimental, das gerade jetzt, zur Zeit der Blüte einen überaus lieblichen Anblick gewährt

und hieraus durch prächtige Waldungen in 2 Siunoen nach Lau- bnch, wo die erste Rast erfolgte. Ter Weitermarsch gestaltete sich zu einer äußerst genußreichen Wanderung Auf einer Höhe hinter Laubach genoß inan einen prächtigen Rundblick aus dein gesamten Vogelsberg, der heute mit einer dichten Schneedecke überzogen war. Auch ans deut fpäteren Teil des Marsches hatte man bei der klaren Luit überraschende Ausblicke, so aus die lieblich im Tale gelegenen Döner Gonterskirchen, Einartshausen und namentlich das auf trutziger Höhe gelegene Stornsels. Nach Westen zu breitete sich die Wetterau mit der Ruine Münzenberg aus, denen sich der Taunus und die Berge des Westerwaldes anschlossen. Ein eigenartiges Na­turschauspiel gewährte derAnblick eines Schneesturmes, dervom hohen Vogelsberg herab mit rasender Geschwindigkeit in die Täler und über die Dörfer dahinbranste und auch unseren Wanderern vorüber­gehend einen empfindlichen Temveraturwechsel brachte. So ging es an der, idyllisch im Horlosstälchen gelegeneir Friedrichshütte vorbei nach Ulfa, das nochmals zu kurzer Rast einlud. Ein gutes Stück hinter Ulfa wurde die seither begangene Markieriing (blaues Kreuz) verlassen, um noch einen Abstecher über den Rabenstein iiachBadSalzhausen zu machen, dessen Anlagen und Quellen einer aebühreiiden Besichtigwig unterzogen wiirdeii. An bem vor einigen Jahren errichteten Bismarcksiein vorbei, uoit dessen Plattform man noch seiner'.» liebe,» Vogelsberg einen letztei» Gruß zruvinken konnte, ging es nach dem Endziele Nidda, ivo man imGanrbrinrrs" bei vorlresfliclwr Verpflegung in gemüdlichem Znianiinensein initdortigei» Klubgenossen die Zeil bis zur Heiulsahrt verbrachte.

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VermrsehtSI.

* Vor lob un g des Exkönigs von Portugal. Aus Sigmaringen, den 20. April, lutrb gemeldet, daß dort gestern die Verlobung der nm 19. August 1890 zu Potsdam geborenen Tochter des Fürsten Wilhelin von Hohenzollern, Prinzessin Auguste Viktoria v o it H ohenzol- lern, mit dem früheren König Manuel voll Portugal, der zurzeit in Sigmaringen weilt, verkündet wurde.

Schwerer Straßenbahn»»nsall. I»» Leipzig stießen am Samstag Bormisiag 71/, Uhr auf dem Roßvlatz zwei Straßen- bahn,vagen der großen Leipziger Straßenbahn infolge einer schad­haften Weiche zusan»meu. Fünf Personen »vurden schiver, mehrere leicht verletzt.

* S chwcrer A u t omobif u n. s al s. Paris, 19. April. Ein Automobil, in dem sich die Kinder der Tänzerin Isadora Duncan, ein Knabe von 3 und ein Mädchen von 5 Jahren mit ihrer Erzieherin befanden, glitt, als cs heute abend aus der Brücke i>oit Levalloie-Perret bei Paris einem anderen Auto mobil ausweichen tvollte, aus, und stürzte über das Geländer in die Seine. Da das Automobil geschwsse»» war, gelang es erst nach l- Stm»den, die Insassen zu bergen, sie atmeten zwar noch leicht, st a r b e n aber trotz aller Bemühungen.

* M orgon letzter Wille ist veröffentlicht luorbcn. Außer Vermächtnissen in Höhe von 20 Millionen Dollars für seine Verwandte und Angestellte, hat Morgan sein ganzes Ver­mögen einschließlich seiner Kuilstfammlung seinem einzigen Sohne ucrimicfn. Seine Witwe erhält soglcick eine Millioir Dollars und 1 GO 000 Dollars Jahrcs^ente. Jede seiner Töchter erhält 3 Millionen Dollars, seine Schwiegersöhne jede.' eine Million Dollars: 600 000 Dollars sind für wohltätige Zwecke bestimmt. Große Vermächtnisse fallen den Angestellten und Dienern zu. Morgan hat den Wunsch ausgesprochen, daß sein Sohn diese Gemäldmnniaturen- unö Porzeltansammlung dem amerikauisaien Volke ständig zugänglich macht.

2 i e amerikanische n Ausgrabungen in Sardes. Die von der amerikanischen Princetoilm-Univers.lät ausgesandte archäowgische Mission Dcröifcntlicbt jetzt ihren dritten Bericht über die in Sardes üorgenommenen Ausgrabungen. Die im Jahre 1910 bon beit Amerikanern begonnenen Arbeiten brachten sehr günstige Erfolge und führten bis jetzt zur Freilegung des ArtemiS-Tempels öftlid-, der Akropolis und zur Auffindung einer

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Nekropole, die auf der gleichen Seite des Berges, aber in grLßerer Entfernung liegt und zwar am jenseitigen llfpr des PactoluS.

Vüchertilch.

_ 2ic Lunge, ihre Pflege im gesunden und kranken Zustmtde. Bon Dr. Paul Niemeyer. Zehnte, umgear­beitete Auflage von Dr. mcd. Georg Liebe. 37 in den Text gedruckten Abbildungen. Verlag Don I. I. Weber, Leipzig. Wenn irgetrdwo die hygienische Wahrheit, daß Krankheiten durch gesundheitswidrige Lebensweise erworben werden, Geltung hat, so ist es auf dem Gebiete der Lungenkrankheiten. Die umfassenden be­hördlichen Schutzmaßnahmen können es auch heute »wch nicht verhüten, daß nahezu die 5)älfte aller Krankheiten und Todes­fälle die Lungenschwindsucht als Ursache haben. Die gegenwärtige Entwicklung der Erwerbsmöglichkeite»t für beide Geschlechter läßt auch für die Zukunft trotz aller sanitären Bestrebungen eine Besserung der Verhältnisse vorerst nicht erhoffen, wenn nicht die große Allgemeinl>eit immer und immer wieder auf die Gefahren hingewiesen und dadurch zur Selbsthilfe angeregt wird. Dieses Ziel hat sich das vorliegende anschaulich illustrierte Buch aus der Sammlung vonWebers Illustrierten Dand-- büchcrn" gesetzt. Mit Recht hat es angesichts der oft strästichen Vernachlässigung der Pflege und 'Ausbildung des Atemorgans der vorbeugenden Gesundheitspflege den Löwenanteil zugewiesen. Bei Erörterung der lrankhaften Zustände der Lunge setzt es den Leser in den Stand, den Ratschlägen des Arztes mit vollem Verständnis und Vertrauen zu folgen. In zehnter Auslage, dem Stande der heutigen Wissenschaft entslTrechend umgearbeitet, bietet dieses in allgemeinverständlicher Weise geschriebene Hand­buch einen beachtenswerten Wegweiser zur Verhütung und Heilung von Krankheiten der Lunge.

Peter Roseggers Lebenswerk. Von Peter Ro­segger, der am 31. Juli seinen 70. Geburtstag begeht, beginnen im April d. Js. seineGesammelten Werke" alsdesinitioe Ausgabe letzter Hand" zu erscheinen. 2ic_ vom Dichter neu bearbeitete und neueingeteilte Ausgabe umfaßt 40 JBaiibc in 4 Abteilungen zu je 10 Bänden. Jeden Monat erscheint ein Baud, und dieGesammelten Werke" wcrdeir innerhalb der nächsten 3 Jahre abgeschlossen vorliegen. Die erste Abteilung derGesammelten Werke", die in diesem Jahre erscheint, umfaßt: Tie Schriftc»» des Waldschulmeisters (Mit der Lebensbeschreibung des Verfassers^ Das Buch der Novellen, Bd. 1 Die Aelpler Heidepeters Gabriel Alpensommer Sonnenschein Nixnutzig Volk Ter Gottsucher Am Tage des Gerichts, Mein Lied Die Abelsberger Chronik, lieber die Gesichts­punkte, von denen sich Peter Rosegger bei ZusammensteNung derGesammelten Werke" leiten ließ, plaudert der berühmte Dichter selbst int Vorwort:Ich will nicht in den Fehler der Alten fallen, die Jugend verbessern zu wollew Die Jugend ist gut genug. Ich will sie, »vas Gehalt, Empfindung und Ge­sinnung betrifft, nicht anrübren: das soll bestehen bleiben, wie es steht, mit aller Unbefangenheit, mit allem Uebermut, mit all seinen rührenden Unzulänglichkeiten . . . Und doch ioerbe ich. manches streichen mit derselben Lust, mit der es einst geschriebert worden mar. So sollen nach Möglichkeit beseitigt werden Längen, Wiederholungen, Irrtümer, Polemiken, Sentimentalitäten und was sonst etwa von dem reiferen Ueberschauer feiner Vergangen­heit als geschmacklos empfunden wird. Und so habe ich in meinem vorgesckrittcnen Alter die große Durchschau unternommen, mit jugendlicher Freude fast; denn ich sehe in ihr ein Recht, eine Pflicht und eine Gnade. Ist das nicht eine Gnade, die fünfzig­jährige Lebensarbeit so vor sich liegen zu haben mit der Mög­lichkeit, Fehler gut zu machen ? Ter Wille dazu ist stark; möge mir auch die richtige Einsicht und ein letztes Können nicht versagt sein."

Amtlicher Wetterbencht.

Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen.

Wetterausfichten in Hessen für Dienstag, de»» 22, April 1913: Meist heiler, trocken, ruhig.

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Dienstag, den 22. April, abends 8y2 Uhr im Einhornfaal:

Ingenieur Burroester spricht über: Hie MViikelllüg lies ftMeri Tee- y schWM bis stillNerdof

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