Ausgabe 
21.4.1913 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

I

W d

W . |

W

W

H

165. Jahrgang

Erstes Blatt

Feuille-

rkramrntaljjche

Die heutige Nummer umfatzl 12 Seiten.

ZM

die die

ton",Vermischtes" und Gerichtsfaal": K. Neu-

00 Uhr.

>M 8A llhx.

N).

:S* X2 Uh: '* '/,2 U^.

Eindruck erweckte, als ob er mitschuldig fei. Die Firma ist in her Lage, für Jmc absolute Ehrenhaftigkeit dieses langjährig er­probten Beamten" einzustchcn.

verfallen. Zur Frankfurt ist ein Frankfurter Idiotikon in Vorbereitung, für Wiesbaden, Gießen, Hanau und Kassel ist die Schaffung solcher dringend wünschenswert.

*

Das erfundene Geheimnis der Sphinx. Ein Korrespondent des9?eh> ?)orf Herold" hat unlängst aus Kairo seinem Blatt über angebliche Forschungen im Innern der Sphinx einen Bericht erstattet. Dazu schreibt nun ber, Professor der Acgpptologic an der Wiener Universität Dr. X). Junker der Kölnischen Volkszeitung" folgendes: Soeben lese ich einen Be­richt, nach deni man in der Sphinx nunmehr das Grabmal des Mcnes, des Begründers der ersten Dynastie erkennen müsse, und int Innern der Sphinx feiert reine Wunderdinge entdeckt morden. Es handelt sich um eine Nachricht, die zuerst im vergangenen Jahre auftauchtc, aber bald wieder verschwand. Im Februar dieses Jahres kam sie wieder. Zuerst erschien ein Sensationsartikel in einer amerikanischen Zeitung, der dann mehr ober weniger umgeändert in den Blättern des Kontinents die Runde machte. Selbst ägyptische Zeitungen, wie dieEgytian Gazette" und die Aegyptischen Nachrichten" aus Kairo, brachten die Nachricht, mit dem Erfolg, daß Scharen nach Gizeh wallfahrten, um sich die vermeintlichen Forschungsergebnisse anzusehen. Ich selbst be­merkte einen Trupp, der auf Leitern den Kopf der Sphinx er­stieg, um in denberühmten" Saal int Innern des selb eit ein­zudringen. Wir haben es dabei nicht etwa mit einem Aufbauschen wirklich gemachter Entdeckungen zu tun, sondern mit einer voll ständigen Erfindung. Pros. G. Reisner von dem Boston Museum os fine arts wird überall als der glückliche Entdecker der Sphinx- Geheimnisse genannt. Tatsächlich hat .er nicht einen Spatenstich in der Nähe der Sphinx tun lassen. Er ist unser, d. i. der öster­reichischen Expedition, Nachbar auf dem Grabungsfeld bei den Pyramiden, und ich weih positiv, dast er während der verflossenen Kampagne nur hinter der Pyramide des Cheops und neben der­bes Mykerinos gearbeitet hat. Das Gebiet bei der Sphinx liegt auf unserer eigenen Grabungskottzession, wir haben es in unserem Kamp stets vor Augen, und wir mühten es wohl am ehesten wissen, wenn man dort gegraben oder etwas gesundeit hätte. Wir selbst aber wollen nicht in die Sphinx eindringen, weil dort keine Geheimnisse zu lüsten und feine Entdeckungen zu machen sind.

Erste deutsche Konferenz für staatsbürger­liche Bildung und Erziehung. Die Vereinigung für staatsbürgerliche Bildung und Erziehung veranstaltet am 25. und 26. April d. Is. int Sitzungssaal des Herrenhauses zu Berlin die erste deutsche Konferenz für staatsbürgerliche Bildung und Erziehung. Die Tagung soll ein Bild geben von der grossen Bedeuttlng, welche die Frage der staatsbürgerlichen Er­ziehung für unser gesamtes öffentlieljes Leben besitzt. Nach einem einleitenden Referat über die Ziele und Ausgaben der Vereini­gung (Exzellenz von frentio) wird Uitiversitätsprofefsor Dr. Nauck>-

vor dem Ende des Krieges.

Die Antwort Montenegros.

"la^^ k Zchreinermeisteh

vanti®-

Fernsprech - Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen:

Amuchmi »«» unz-igm notationrdrucknd Verlag der vrMschen Univ.-Vuch- und Steinbruderei R. Lange. RedaMon, Lrp-ditio- und Druckerei: Lchulftratze 1. Land": E.Heß; für den bis vormittags" 9 Uhr. Büdingen: zernsprecher Nr. 269 Geschäftsstelle Bahnhofstraße 16a. ________Anzeigenteil: H. Beck.

Goetz; für

Montag, 21. AM M

Bezugspreis: monatlich 75Pf., viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Ab ho le- tu Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch hie Post Mk.2. Viertel­jahr!. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Pst ansivärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil: August

greitvinige ve'Lräqe zu den Höften der wehrvorlaaen.

DieNordd. Allgem. Ztg." schreibt: Freiwillige Bei- träge zu den Kosten der Wehrvorlageit gehen der Reichs- hanptkasse fortgesetzt in erheblichem Umfange zu. Es befinden sich darunter sowohl große Vertrage reicher Kaufleute und Gewerbetreibender, als auch Spenden der ärmeren Bevöllerungsschichten. Mehrere Kriegervereine, ein evangelischer Arbeiterverein und andere Verernrgungen sind mit kleineren oder größeren Summen vertreten. Ein höherer F o r st b ea,m t e r gab freiwillig ein Zehntel seines Vermögens. Die Deutschen in Antwerpen veranstalteten aus eigenem Antriebe eine Sammlung, die binnen weniger Tage einen Ertrag von 150 000 Mk. erbrachte.

Der Reichskanzler sprach für alle Spenden bereits un Reichstag öffentlich den Dank des Vaterlandes aus.

Neuheit

Sofia, 19. April. Es verlautet, daß nunmehr auch Antwort Montenegros ein getroffen ist. Sie enthält ... bedingungslose Zustimmung zu den Vor­schlägen der Großmächte. Es bleibt also noch eine Verein­barung über einige textliche Aendernngen unter den Ver­bündeten durchzuführen, namentlich betreffend der Grenzen Albaniens, die ägäischen Inseln und die Kriegsentschädi­gung, worauf die Antwortnote den Großmächten sofort

Essen, 19. April. Von einem Herrn der Firma Krupp er­fährt dieRheinisch-Westfälische Zeitung: Die heftigen An­griffe des Abg. Liebknecht sind zweifellos auf einen R achc- a k t eiites wegen einer Betrüger ' i ch e n Handlung ent­lassenen Beamten znrückzuführen, der ein vielleicht vor­liegendes Vergehen eines Unterbeamten der Berliner Vertretung der Firma Krupp in maßlos übertreibender Weise denunzierte und gleichzeitig den Versuch mackste, die Firma selbst hereinzuziehen und bloßznstcllen. Davon, daß der betreffenbe Berliner Untcr- beamte große Mittel zur Verfügung hatte ime Liebknecht aus­führte kann keine Rede sein; er hatte lediglich sein Gehalt, das den Angestellten seiner Klasse entsprach. Außerdem verfügte er über keinerlei Mittel von der Firma Krupp. Er hatte keine Tantiemen und seine Einnahmen hingen in keiner Weise von dem Ergebnis einer besonderen Tätigkeit ab. Daß diese Tätigkeit aus'Bestechung ober auch nur aus unerlaubtes Nachrichtensammeln gerichtet sein sollte, bo.rnn ist kein wahres Wort. Die Unter­suchung wird ja ergeben, was an der Sache als Kern bleibt. Gewiß wird der freifsembe Perg wieder einmal nichts ober eiste kleine Maus gebären. Es ist aber bedauerlich, daß von Liebknecht der Name eines Essener Beamten der Firma Krupp Herrn von Dewitz mit der Sache in Zusammenhang gebracht wird, der den

nicht verhindern, daß die Kruppschen Werke wiederholt von Verrätern heimgesucht wurden. Erinnerlich ist viel­leicht noch die vor einigen Jahren durch das Reichsgericht erfolgte Verurteilung von drei Personen, die sich geheime Pläne angeeignet hatten. Und zwar besteht die neueste Technik des Landesverrats darin, so wenig Verdacht wie möglich nach vollbrachter Tat zu erregen: Die Papiere werden nicht beseitigt, sondern photographiert. Die inter­nationalen Spionagebureaus, die ihren Sitz int Auslande haben, ihre geheimen Filialen aber aus preußischem Boden und im Rheinland unterhalten, werden ganz genau wissen, auf welchen Schleichwegen und durch welche Hintertüren es unter Umständen doch möglich ist, an die geheimen Schubfächer heranzukommen. Und diese Gefahr ist jetzt wieder klarer als je geworden und führt drängender als je zu der Frage, ob es nicht besser wäre, die Herstellung von Kriegsmaterial in die Hände des Staates zu geben. Es gibt ja für ein großes Eisenwerk noch so viele gewinn- bringende Gebiete, wie denn auch die Firma Krupp so ungefähr alles herstellt, was am Markte der Eisencrzeug- nisse gehandelt wird. Wenn nun der Ruf ngch Verstaat­lichung der deutschen Geschützgießcreien wieder sehr laut erschallt, so wird sich wahrscheinlich ein heftiges Klagen darüber erheben, daß der Staat sich das zunutze machen wolle, was die Industrie erarbeitet habe. Aber das ist eine Ungerechtigkeit, die jeder Verstaatlichung anhaftct und die dann nicht' so schwer empfunden zu werden braucht, wenn es sich darum handelt, Produkte herzustellen, die dem kriegerischen Schutze des eigenen Landes dienen. Es gab Zeiten, wo mit Waffen, die Kriegszwecken dienten, lein Staubet nach dem Auslande getrieben werden durfte. Darunter hat sicherlich die nationale Wohlfahrt nicht ge­litten. Und es ist kein vernünfttger Grund ausfindig zu machen, warum heutzutage aus nationalem^Jnteresse nicht wieder auf die alte berechtigte Idee des Staatsinteresses zurückgegriffen werden sollte. Man kann einer Firma, wie Krupp, nicht verbieten, ihre Artikel ndti) auswärts zu verkaufen. Aber man kann sehr wohl die Entwicklung dahin lenken, daß die Waffeuherstellung nach den eigensten deut­schen Militärgeheimnissen künftig mehr und mehr unter Staatsregie gebracht wird.

lNundarterrsorslMg und dar Wörterbuch in Hessen-Nassau.

h. Frankfurt a. M, 18. April. Von der Kgl. Aka­demie der Wissenschaften zu Berlin ist, wie wir schon be­richteten, -ein Werk in Angriff genommen worden, das die Erforschung der Mundarten in der ganzen Monarchie be­zweckt. Mit der schwierigen Aufgabe für Hessen-Nassau wurde Professor Dr. Wrede in Marburg betraut, der Freitag abend auf Veranlassung des Westerwaldklubs, des Allgemeinen Sprachvereins und des Frankfurter Verbandes für Volkskunde eingehend über das geplante Werk berichtete Fn der Provinz Hessen-Nassau entstand 1888 in Hers seid die erste brauchbare Lokalgranttnatik, der später in Nassau solche für Naunheim bei Wetzlar, und Schlierbach bei Biedenkopf (1908) folgten; cs sind gute Arbeiten, ober sie haben nur lokales Interesse. Hessen-Nassau hat jetzt auch in der Lexikographie längst Versäumtes nachgeholt. Professor Wenter (Marburg) hat in langer Sammlcr- tätigteit einen Wörtersclstitz gesammelt, dessen Sichtung noch manches Jahr erfordert und grundlegend für alle weiteren Arbeiten ist. Wenier sammelte aus allen Orten an der Hand von 40 Mustersätzen eine FW le von deutschen Idiotiken, die auf 1200 Sprachkarten festgelegt wurden. Aus Grund dieser Karten hat nun neuerdings auch in

die Lokalforschung begonnen, so im Eschweger Krelle und im Westerwald durch Hammer. Für Wisseubach (Till- kreis) schuf Dr. Kroh ein treffliches Werk, woran er ferne Forschungen weiter auf sämtliche 72 Orte des DillkrerseiS anreihte und dann auch den Oberwesterwaldkreis bearbei tete. In Kurhessen ist durch Vilmar Vorbildliches ge­leistet und auf dem Gebiet der Idiotiken in Nassau durch Pfarrer Ludwig Schmitt für den Westerwald (1800). Jetzt soll nun für die Provinz Hessen-Nassau ein provtu- zielles Wörterbuch geschaffen werden. In den Bereich der Provinz wurden auch der Kreis Wetzlar und die he s- fische P r o v i n z O b e r h e s s e n einbezogen, so daß etn schön abgerundetes Gebiet entstand. Im Laufe dieses Sommers sollen tausende von Fragebogen ausgesandt wer­den die Anleitung zum Sammeln der Dialektproben unb -formen geben. Mehr als 3 0 0 0 0 Wörter sind bereits gesammelt, noch fehlen aber noch Tausende von alten Formen Der Vortragende richtet an alle Heimatfreunde und die Presse die Bitte, zu sammeln, was noch zu retten ist ttoinit diese allen SprachAter wischt dem Untergänge

oubnng

Nr. 92

Der Elehrner Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich GiehenerLamilienblätter: zweimal wöchenll.Nreis- blattfürdenUreisSietzen (Dienstag und Freitag!; zweimal inönatl. Land- wktfchaslliche Zeitsragen

Mi-r

"'n»*'

berg ans Prag, der Führer der Staatserzieherbewegung in Oester­reich, sprechen über:Staatsbürgerliche Bildung und Erziehung als staatliche Notwendigkeit"; nach ihm wird Justizrat Dr. Walbschmibt das ThemaStaatsbürgerliche Bildung und Er­ziehung in ihrer Bedeutung für die deutsche Volkswirtschaft" behandeln. Tie große Bedeutung der Presse wird. Chefredakteur Vollrath in seinem Vortrage über:Die Presse als staats­bürgerliche Erziehungsmacht" beleuchten. Der Erörterung der Mittel und Wege für die Verwirklichung des Staatserziehnngs- gedankens dienen die Vorträge:Staatsbürgerkunde an den deut­schen Universitäten" lUniversitätsprosessor Dr. Bernhard, Berlin) undDie Behandlung von Gegenwartsfragen int GeschichtsuMer- richt" (Seminardirektor Bär, Delitzsch). Die Teilnahme an bell Verhandlungen ist jebertnamt unentgeltlich gestattet; doch werben alle Teilnehmer gebeten, vorher ber Geschäftsstelle ber Bereinigung lCharlottenburg, Giesebrechtstr. 19) ihre dldressen mitzuteilen. Von dort sind auch Programme kostenlos zu beziehen.

Wagnerfeste in Bologna. Bologna, die größte Wagnerstadt Italiens, die int Kampf für die Zukunftsmusik an erster Stelle gestanden und als erste in Italien den Werken des Meisters begeisterte Aufnahme bereitet hat, will mm auch in würdiger und festlicher Weise die Hundertjahrfeier des großen Komponisten begehen, die nut beit Ehrungen für den großen italienischen Meister 9>erbi zeitlich zusammenfällt. Beide sollen baßer zugleich ihr Jubelfest erhalten burch eine Reihe von ?luf- fülwungen, die im Stadltheater von Bologna veranstaltet werden. Bon Wagner soll der Parsifal eine wirkliche Festaufführnng er­leben. Aber bas erforbert natürlich große Kosten, die man ans mindestens 280 000 Lire schätzt. Da die von der Stadt­verwaltung ausgesetzte Subvention diese Summe bei weitem nicht erreicht, ist die vor einiger Zeit aufgelöste Wagner-Gesell­schaft wieder zusammengetreten, um eine rege Propaganda für die Wagnerfeier zu veranstalten. Man wendet sich dabei nicht nur an die Freunde und Liebhaber der Musik, sondern auch an die reichen Industriellen, die das Ihrige beitragen sollen, damit sich Bologna seines Rufes als der ersten Wagner-Stadt Italiens würdig erweisen kann.

A u s Schilda. DerHannoversche Anzeiger" ent­hielt kürzlich, wie derSimplizissimus" mitteilt, folgende nach­ahmenswerte Verordnung:Bei der zunehmenden Geschwindig­keit der Eisenbahnzüge bat man die Bemerkung gemacht, daß besonders der letzte Wagen der Züge stets ein sehr uuaugenehmes Schwanken und Stoßen zeigt. Besonders bat sich dieser liebel stand int Leinetale bemerkbar gemacht auf der Strecke Hannover- - Cassel, wo der Schienenstrang den vielen Windungen des Flusses folgen muß. Das Ministerium bat deshalb verfügt, daß der letzte Wagen nicht mehr anznhängen ist."

Kruppaelsdmnifie und Staatsmittel-

Kriegs Minister v. He e ring en hat in deck letzten Be­sprechungen des Reichstages wiederholt erklärt, daß!, soweit er das Ergebnis der Untersuchungen in der Kruppaffäre kenne, Landesverrat oder Verrat solcher m i l i ris cher G eheimn is s e, die die Sicherheit des Reiches gefährden, nicht in Frage komme. Die parlamentari­schen Gegenredner erklärten dazu, es sei allerdings zu unter­scheiden zwischen dem Verrat militärischer Geheimnisse an einen fremden Staat und dem an eine Privatperson. Tas letztere sei zweifellos geschehen. Die Geheimberichte, die die Firma kkrupp bekommen hat, beziehen sich nicht nur auf die Konkurrenz, sondern auch auf die Konstruktton. Die Firma hat eine große Anzahl solcher Geheimberichte in ihren Gedeim'fächern in Essen. Festeht, daß ein Mitglied des Direktoriums von Krupp auf seinem Schreibtisch ge­heime amtliche Aktenstücke liegen hatte, die, wenn sie ent­wendet worden wären, zu einer Gefährdung der Sicherheit des Reiches führen mußten. Herr v. Dewitz von der Krupp gesell schäft hatte äußerst wichtige Geheim - akten in seiner Verwahrung; in seinem Schranke wurden sie von dem Berliner Untersuchungsrichter beschlagnahmt. Diese feststehenden Tatsachen lassen, unbeschadet aller wei­teren Untersuchungen, schon jetzt die Frage berechtigt er- schenren: Waren die militärischen Geheimnisse, die eigenen, die amtlichen und die der Konttrrrenz, bei der Firma Krupp in Essen, so gut aufgehoben, daß sie für die politischen Agenten des Auslandes unerreichbar blieben? Zeigt sich nicht vielmehr attgesichts der neuen Enthüllungen deutlich die Gefahr, daß die militärischen Geheimnisse durch das Hin- und Herschmuggeln aus Beamtenbureaus in Privat­hände und umgekehrt leicht zur Kenntnis der ausländischen Spionage geraten können? Schon allein die Kruppschen Fabrikgeheimnisse ohne die amtlichen Akten sind doch nichts anderes als militärische und vaterländische Geheimnisse. Wir wissen, der äußere Kontrollbetrieb wird durch besondere Beamte ausgeü'bt, insbesondere nach dem Bmspiel der Staatswerfteii durch die Feuerwehr der Kruppschen Werke. Diese Feuerwehr zählt 140 Mann und stehl unter dem Kommando eines früheren Berliner Feuerwehroffiziers. Dieses Korps veranstaltet regelmäßig in den Werken, dessen Betreten Privatpersonen aufs strengste verboten ist, größere Hebungen. Für den inneren Werkstättenhetrieb sind, wie wir weiter wissen, sehr strenge Vorschriften erlassen, für die die Vorsteher persönlich haftbar sind. Tie geheimnisvollste Tättgkeit aber, die in den Konstruktionsbureaus, wird nach der Versicherung einer den Kruppwerken nahestehenden Seite nur ganz erprobten Leuten anvertraut. Bei der Personalauswahl werde sehr scharf gesiebt. Endlich weist man darauf hin, daß Essen eine Königliche Polizeidirektton besitze, die eine politische Mteilung unterhält, und daß ein besonderes Bureau zur Ueberwachung der Spio­nage bestehe. Tie politische Llbteilung beschäftige sich ständig mit den Persönlichkeiten, denen Staatsgeheimnisse anvertraut werden. Nach menschlichem Ermessen sei also, so versichern die leitendeit Mitglieder des Tireltoriums der Krupp A. G., vorgesorgt, daß die Geheimnisse nicht so ohne weiteres mi das Ausland verkauft werden. Aber diese ganze schön durchdachte Organisation konnte

fmiW«

r. Mriilän

Der Kaiser in Homburg.

Homburg v. d. H., 19. April. Der Kaiser hörte heute vormittag die Vorträge des Vertreters des Auswartt- gen Amtes Gesandten v. Treutler und des Chefs des Ma- rinelabinetts Admirals v. Müller.

Der Kaiser verweilte am Samstag nachmittag auf der Saalburg und sah hier noch einmal die Kompagnie der Mainzer Pioniere. Der Kaiser verlieh versönlich Dekora­tionen. Tie Kompagnie kehrt nach beendigter Waldübung nach der Garnison Mainz zurück. Es herrscht Regenwetter. Abends wohnten die Majestäten, die Prtnzesstn und das Gefolge einer geistlichen Musikaufführung in der hiesigen Erlöserkirche bei, welche unter der Leitung des Organrsten Schildhauer stand. .

H o m bürg v. d. H., 20. April. Der Hof nahm heute vormittag an dem Gottesdienst in der Erlöserkirche teil. Nachher besichtigte der Kaiser das Homburger Pfadfinder­korps, das bei der Kirche Aufstellung genommen hatte. Gleichzeitig wurdet: die Kaiserin und die Prinzasstn von einer Anzahl junger Mädchen, Mitgliedent desFreundschafts- bundes aus Hanau, begrüßt, welche der Prinzessin einen Blumenstrauß überreichten. Zur Frühstückstafel waren u. a. geladen die Offiziere, welche bei der Wald'übnng dienst­lich' beschäftigt gewesen waren, Y^neralmajor Hildemann, Dr. Spielhagen und Baurat Jacobi. Nachmittags machten die Majestäten einen Ausflug nach der Saalburg. Das Wetter ist veränderlich.

X trf.