Ausgabe 
20.11.1913 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umsatzt 10 Seiten.

Das Programm des Reichstags

schrittlern 4, bei den Bezirksvereinen 3 und beim Mieter- Verein 1 ihrer Kandidaten unterbrachten, so daß, da. die Wiederwahl der bisherigen Sozialdemokraten mit Helfe der bürgerlichen Parteien von vornherein gesichert war, bic Sozialdemokratie auf die Gewinnung von 9 Mandaten rech­nen tonnte und auch rechnete. Diese Rechnung ist nun aber durch den gesunden Sinn der bürgerlichen Wählerschaft gründlich vereitelt worden. Wie nach dem in spater Stunde festgestellten vorläufigen Wahlergebnis feststeht, sind un­gefähr 3210 nationalliberale, 060 freisinnige und 3540 sozial­demokratische Stimmen abgegeben worden, wahrend Der Mictcrvcrein etwa 580, der Hausbesikervercin 530, das- Zentrum 460 und die Bereinigten Bezirksvereine 430 Stim­men aufbrachten. Aus den wohl rund ein Dutzend verschie­denen Stimmzetteln, die hcrausgegeben wurden, ergibt sich nun, daß 12 auf dem nationalliberalen Zettel verzeichnete Kandidaten gewählt sind, darunter die drei bisherigen freisinnigen Stadtverordneten Henrich, Saeiig und Linck mit 939610 116 Stimmen, und der einzige ausgeschiedene Stadtverordnete Dr. Nöllner mit 6558 Stimmen, während der ausgcschiedene Sozialdemokrat Dr. Fulda nur 4951 Stimmen erreichte. Der letztere hat also außer den Stimmen der Genossen und der Freisinnigen nur noch die Stimmen des Mietervereins auf sich vereinigt, während der aus­geschiedene /Nationalliberale wohl die Stimmen aller bürger­lichen Gruppen erhielt und die 3 früheren freisinnigen Stadtverordneten neben sämtlichen nationalliberalen und den meisten anderen bürgerlichen auch sämtliche Stimmen der Sozialdemokraten erhielten-, bemerkenswert ist auch die Wahl des von den Nationalliberalen und der Beamten­vereinigung mit übernommenen Obertelegraphensekretärs Herbert, der es aus G34O Stimmen brachte. Die Natro- nalliberalcn haben im ganzen voraussichtlich 6, die Frei­sinnigen ebenfalls 6 und die Sozialdemokraten 3 Kandi­daten durchgebracht, wozu noch ein von den National- liberalen mit auf die Liste genommener Vertreter der Haus­besitzer kommt. Das erfreulichste Ergebnis der Wahl ist jedenfalls, daß die Sozialdemokraten, die mit so großen Hoffnungen in den Wahlkampf eintraten, sich mit der Durchdringung nur zweier neuer Kandidaten begnügen müssen. Die Wahlbeteiligung war diesmal etwas stärker! es wählten von 15 330 Wahlberechtigten etwa 10 300, statt 59 Proz. vor drei Jahren diesmal etwa 66 Proz.

Deutsche Kolonien*

Ein Vortrag über Kamerun. Aus Bad-Nau­heim wird uns berichtet: Auf Veranlassung dec hiesigen Ab­teilung der Deutschen Kolvnialgesellschaft hielt onf gestrigen Mittwoch abend in dem bis auf den letzten Platz ge­füllten Saal des Sprudelhotels Hauptmann L e s z n e r-Butzbach, der Verfasser der trefflichen KolonialbroschüreWas müssen wir von unseren Kolonien wissen?", einen hochinteressanten, mit leb­haftem Beifall aufgcnommcncn Lichtbildcrvortrag über seine Er­lebnisse in Kamerun. Nach kurzen Angaben über Klima, Vege­tation und sonstige allgemeine Verhältnisse der Kolonie gab er eine Schilderung der Hauptstadt D u a l a vor 10 Jahren und jetzt und zeigte daran, daß in einem Jahrzehnt in jeder Beziehung ein überaus großer Fortschritt zu bemerken sei. Duala sei heute eine schön ausgebaute, gesunde Stadt. Nach kurzen Angaben über den undurchdringlichen tropischen Urwaldgürtel kam der Redner dann auf die Leiden und Freuden auf der provisorischen Station N s o k p e am Kroßsluß und auf eine Kriegserpedition ins Innere zu sprechen, die er als Schutztruppcnofsizier leitete. Es handelte sich um die achtmonatlichen Kämpfe gegen die Men­sch e n f r e s s e r st ä mm e der Rumpiberge, die schwere Verluste und Strapazen verlangten, bis endlich der Oberhäuptling Nakkeli aus-

Dienstag nachmittag um 2 Uhr tritt her Reichstag nac^j rinhalbjähriger Pause zur Fortsetzung seiner, durch die langen Sommerferien unterbrochenen Tagung zusammen, denn die gegenwärtige Session, welche die erste in der Legis­laturperiode des am 12. Januar 1912 gewählten Reichs­taas ist, wurde vertagt, nicht geschlossen. Auf der Tages­ordnung der ersten Sitzung stehen nur Berichte über Bitt­schriften, doch schon am zweiten Tage, dem Schwerinstag, dürfte es einigermaßen lebhaft zugehen, da auf die Tages­ordnung dieser Sitzung die sozialdemokratische Anfrage über die Frage einer R ei ch sa r b ei tslo s en v er s i ch e r u n g gesetzt ivurbc unb vielleicht auch noch die weitere Anfrage über bieW ackes"-Affäre zur Verhandlung kommt. In den letzten Tagen der Woche gedenkt man noch die ersten Lesungen der bereits vorliegenden kleineren Gesetzentwürfe vorzunehmen, und am Montag, dem 1. Dezember, will man in die Beratung des Voranschlags eintreten, der vor den Weihnachtsferien noch in erster Lesung erledigt werden soll. Während die Forderungen für Heer und Flotte sich im we­sentlichen in dem durch die früher beschlossenen Gesetze ge­gebenen Rahmen halten dürften, wird der Kolonialvoran­schlag größere Forderungen für neue Bahnbauten bringen, so daß man sich also auf lebhafte Kolonialerörterungen ge­

faßt machen kann.

Aus dem ersten Teil der Session liegt dem Hause noch eine Portion gesetzgeberischer Rückstände vor, deren Schick­sal zum Teil allerdings sehr ungewiß ist. Ter Entwurf über das Erbrecht des Staates wird angesichts des Wider­standes von Seiten der Konservativen und des Zentrums schwerlich das Licht der Welt erblicken. Das Leucht öl - gesetz, dessen Aussichten während der langwierigen Aus­schußberatungen immer ungünstiger wurden, wird mög­licherweise von der Regierung zurückgezogen werden, und das K i n d e r s a u g f l a s ch e n g e s e tz ist vom Ausschuß be­reits abgelehnt. Sehr ungewiß ist auch das Schicksal des Entwurfs betreffend die Abänderung der Konkur­renzklausel, über die bisher noch keine Einigung so­wohl innerhalb der Parteien wie zwischen Parteien und Regierung erzielt werden konnte. Weniger Schwierigkeiten durfte dagegen die Erledigung der Vorlage über das Ge­richtsverfahren gegen Jugendliche und die des Postscheckgesetzes verursachen, während bei dem Spio- nagegesetz angesichts des lebhaften Einspruchs der Presseorganisationen noch eine Abänderung derjenigen Be­stimmungen zu erwarten steht, die leicht jede Berichterstat­tung über militärische Angelegenheiten wenn nicht unmög­lich, so doch gefährlich machen können.

Zu diesem Sessionsrückstand kommt eine ganz erkleck­liche Portion neuer gesetzgeberischer Ausgaben. Einige Vor­lagen sind dem Reichstag bereits zugegangen, und zwar der Gesetzentwurf über die Erhöhung der Gebühren für Zeugen und Sachverständige, über die Beschäfti­gung von Hilfsrichtern beim Reichsgericht (die dis zum 1. Juli 1914 zugelassen werden sollen), ferner der abgeänderte Entwurf über die Errichtung eines Kolo­nial g e r i ch t s h o f e s und die einschneidende'Neure­ge l u 'n g her Sonntagsruhe, die zu eingehenden und lebhaften Erörterungen Anlaß geben dürfte._______________

Zu diesen, dem Reichstage bereits zugegangenen Ge­setzentwürfen gesellt sich aber noch eine ganze Reihe neuer bereit Vorlegung seit längerer Zeit angekunbigt ist. Da ist zunächst das f t v e r ke h r s g e setz zu nennen, welches die gesamte, ganz neue Materie des Luftrechts einheitlich regeln soll. Ebenso sind auf sozialpolitischem Ge- biete außer der Verschärfung der Sonntagsruhe eine ganze Reihe Vorlagen angekündigt. Vor allem soll die seit langen Jahren heißumstrittene Frage der A b g r e n z u n z w i s ch e n Fabrik u n d H a n b - werk geregelt werben, unb weitere Novellen zur Gewerbe- orbnung behanbeln die Einschränkung desHausier- h a n b e l s u n b d e r W a r e n l a g e r, bie Reform der K o n- z e s s i o n s f r a g e im Gast- und Schankwirt­schaftsgewerbe und die Neuregelung des Kleinhan - b e l s m i't F l a s ch e n b i e r. Anbere Vorlagen betreffen bie Reform der Wanderfürsorge, bie Abänberung der Haftpflicht ber Eisenbahnen und bie Neuvertei­lung ber Zollentschäbigungen für bie B undcs- st a a t e n. Durch eine Novelle zum Reichsbeamtenge)etz soll bie Wiederaufnahme eines Disziplinarver­fahrens, die bisher entgegen der allgemein gültigen Rechtsauffassung ausgeschlossen ist, ermöglicht werben, die Bezügeber Altpensionäre sollen burch eine Vorlage erhöht werben, und endlich soll durch eine Novelle zum To- talisatorgesetz bie Konzessionierung von Buchma­chern gestattet werden, wobei man hoffentlich Nicht den Teufel durch den Beelzebub vertreiben wirb.

Außer diesen ist noch eine Anzahl weiterer Gesetzent­würfe in Vorbereitung, von denen jedoch noch nicht feststeht, ob sie dem Reichstage noch in dieser Session zugehen wer­den. So die Novelle zum Kaligesetz, welche bic Vorschriften für ben Abbau von Kalisalzen nach den neuesten Erfah­rungen umgestalten will, ferner der wiederholt angefunbigte Entwurf über ba§ Verbot des Waffentragens, bie in Vor­bereitung befindliche Abänderung des Zwangsversteige- rungsgesetzes, die Neuregelung der Arbeitsverhältnisse der Rechtsanwaltsangestellten, endlich bie Vorlage über die Schundliteratur "und das Reichstheatergesetz.

Jedenfalls sieht man, daß den Reichstag eine sehr reichliche Arbeit erwartet, umsomehr, da auch auf dem Wege der Anfragen, Initiativanträge und ausgedehnter Voranschlagsberatungen (Kruppaffäre! mecklenburgische Verfassungsfrage! braunschweigische Frage! Jesuitengesetz! auswärtige Politik!) für ausreichende Beschäftigung Sorge getragen werden wird.

Aus Hessen.

Die Darmstädter Stadtverordneten Wahl hat heute stattgefunden. Sie ging diesmal unter viel un­günstigeren Umständen vor sich als in früheren Jahren, hat aber trotzdem ein Ergebnis gezeitigt, mit dem bie nationalgesinnte Bürgerschaft im allgemeinen wohl zufrie­den sein kann. Während sich bisher bie Bezirksvereine der Stadt mit den verschiedenen politischen Parteien über bie Aufstellung einer gemeinsamen Kandidatenliste verständigte, zogen sie es diesmal vor, mit einer selbständigen Liste her­vorzutreten, bie mannigfache Unzufriebenheit und Miß­stimmung hervorrief, was zur Folge hatte, daß mehrere Bezirksvereine selbständig mit Wahllisten vorgingen. Die Fortschrittspartei hatte ein Zusammengehen mit den Natio- nalliberalen abgelehnt und dafür eine Anzahl' Kandidaten mit ber Sozialdemokratie ausgetauscht. Am geschicktesten hatte anscheinend die letztere operiert, die bei den Fort-

Er. 275 Erstes Blatt 165. Jahrgang Donnerstag, 20. Novembet M

Der Giehever Anzeiger JÄH® W 'WT' d 7iionattick)75M.,mcrtel.

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zweimal monall. Land- W LZ W XEz föfi «T W W W Ehesredakteur: A Goetz,

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bis viruüttaqr"-""uhr! Hotationsörud und Verlag der vrühllchen Univ.-Vuch^ und Steindruckerei R. Lange. Redaltion. Lrpedition und Druckerei: Schulftrahe r. Anj°>Ma°>u H. Beck.

Litt KIa[(ifcr der deutschen Heilkunde.

(Zum 100. Todestage Johann Christian Reils, 22. November.) Als vor hundert Jahren Johann Christian Reil zu Grabe betragen wurde, betrauerte man den unersetzlichen Verlust eines ausgezeichneten Arztes, eines Forschers, der seinen Fachgenossen eine ganze neue Welt erschloßen hatte. Heute ist Reils Name den meisten Aerzten taum, der großen Welt gar nicht mehr be­gannt Der Wisseiisschatz, um den er bie Heilkunde bereichert hat, «ist heute freilich zur Grundlage .eines großen Spezialgebietes geworden. Der Nicht-Arzt stößt zuweilen in den Schriften be­deutender Zeitgenossen Reils, Goethes, Humboldts, Arndts, Stef­fens, auf den Namen des großen Arztes, und die Achtung, die diese dem Gelehrten zollen, gibt ihm eine Anschauung, von seiner Bedeutung. Im Jahre 1814 veranstaltete die Badedirektion in Halle eine nachträgliche Totenfeier für Reil und bat Goethe, für die Eröffnung des Theaters, die gleichzeitig stattfinden sollte, ein Vorspiel zu verschaffen. Goetl>e antwortete, den geäußerten Wunsch erfüllte er mit sehr vielem Vergnügen,da er mir Gelegenheit gibt, eine verjährte Schuld, die ich unserem trefflichen Reil, dem Arzt und Seiner, rückständig bin, einigermaßen abzutragen." Goethe entwarf bann auch ein Vorspiel, das an Anspielungen auf Neils Seben, Denken und Wirken reich war, allein zur Aufführung hatte er keine Zeit, und so übertrug er die Ausarbeitung Niemer.

Neil gehörte im November 1813 zu den ungezählten Opfern der Tpphils- und Ruhrepidemie, die in allen Lazaretten mutete. Er war nicht alt geworden nur 54 Jahre. Dennoch konnte er auf ein ungemein arbeits- unb erfolgreiches Leben zurückblicken. Seinem Lebenswerke hat jüngst Max Neuburger, Professor für Geschichte der Medizin an der Wiener Universität, eine Gedenk­rede gewidmet, und diese Rede wird jetzt, durch zahlreiche An­merkungen auf das Vierfache ihres ursprünglichen Umfanges ver­stärkt durch den Verlag von .Ferdinand Enke in Stuttgart in Buchform herausgegeben. Die folgenden biographischen Angaben beruhen im wesentlickren hierauf. Reil, ein Friese, dessen Wiege im Pfarrhause zu Rhaude in Opfriesland pand, war am 20. Februar 1759 geboren. Schon früh zeigte er Neigung zur Heil­kunde und obwohl er nach dem Wunsche seines Vaters Theologe hatte'werden sollen, wandte er sich doch dem Sttidinm der Me­dizin zu das er in Göttingen begann und in Halle zum Abschluß brachte 'Eine Zeitlang wirkte er dann in Opfriesland als Arzt, wurde "nun nach Halle berufent, ün> als Vt hier feine, klinische Tätigkeit aufnahm, konnte er gleichzeitig als Arzt und als For­scher' wirken Aus der Zeit der Tätigkeit in Halle stammen seine wichtigen Arbeiten. Als fein anatomisches Hauptwerk und Haupt- forschungsgebiet (neben seinen Studien über das Auge) sind seine Untersuchungen über das Gehirn anzusehen. Neben Gall ist Neil der Begründer der Gehirnan«1omie. Freilich hatte er eine ziem­

lich primitive Forschungsmethode, doch war es ein unendlicher Fortschritt, daß er seine Unterfurfumgen nicht am frischen Ge­hern au3führte, ftinbern Härtungsverfahren ersann, und auch schon Färbemethoden verwandte. Den Bau des Klein- wie des Großhirns hat er erforscht, soweit es nach seiner Methode nur möglich war, und dabei fdrif er jur piele Ne-ue, das er fand, Namen, bie noch beute zur anatomischen Nomenklatur des Gehirns gehören. Ebenso wichtig ist sein Werklieber die Er­kenntnis und Kur der Fieber". Hinter diesem Titel steckt ein fünsbändiges Kompendium der Pathologie und Therapie, das fcion 1797 bis 1815 erschien. Besonders dieses letzte Werk ist noch heute eine Fundgrube feinsinniger Beobachtungen, und bis in die vierziger Jalire ist -es kaum übertroffen wbrden. Unter den übrigen Schriften Reils sind seineWemorabilia elinica" hervorzu^ben, die ein Bild der vielverzweigten Wirksamkeit Reils in den neunziger Jahren geben Durch Gründung desArchivs für Phhsiologie", dessen Fortsetzung noch heute erscheint, schuf Reil eine wertvolle Zeitschrift, und eine zweiteDas Magazin für psychische Heilkunde", galt einem neuen, von ihm angebahnten Gebiete. Durch seine Schriften über psychische Behandlung von geisteskranken Rril auf seine Zeitgenossen einen großen Einfluß ausgeübt.

Im Jahre 1810 nahm Reil einen Ruf an bie Berliner Universität an, in der Folge nahm er regen Anteil an den Frei heitskriegen und im Herbste 1813 wurde ihm die Hauptleitung der Lazarette in Leipzig und Halle übertragen. Im rastlosen Dienste der Krankenpflege fand Rell in diesem Amte feinen Tod. Was er als Arzt und Forsckier seinen Zeftgenossen bedeutete, drückt ein Wort Börnes über ihn vielleicht am besten aus:Reil war als Mensch, Lehrer der Arzneikunde und ausübender Arzt gleichbedeutend . . . Sah man ihn lehrend unter seinen Schü­lern, die ihn ebenso sehr liebten als bewunderten, so konnte man sich leicht in die Akademie von Athen versetzen. Er wußte seinen Kranken und deren Angehörigen ein unerschütterliches Zutrauen cinzuflößen, und die Ungeheilten verloren das Leben, aber die Hoffnung nie." '

Das Plakat für das Darmstädter Kunstjahr 1914. Aus Darmstadt wird uns geschrieben: Aus der unter den Mitgliedern der großherzoglichen Künstlerkolonie veranstalteten Konkurrenz um einen Plakatentwurf zur Propagierung der großen künstlerischen Ereignisse, (die Ausstellung der 'Künstler­kolonie auf der Mathildenhöhe und die Ausstellung deut­scher Kunst 16501800 im Residenzschloß), die Darmstadt im nächsten Sommer darzubieten.hat, ist der bekannte Bildhauer Professor Bernhard Hoetger 'als Sieger hervorgegangen, flem überdies durch die bildhauerische Ausgestaltung oes Pla­tanenhaines eine der größten Ausgaben im Rahmen der Künftler-

kolonie-Ausstellung zuteil geworden ist. Das Hoetgersche Plakat, das in diesen Tagen überall zum Aushang gelangt, zeigt in stark rhythmisierender Bewegung und absolut moderner Auffassung das Symbol eines die Keule schwingenden Dracheutöters, hinter dem in feiner künstlerischer Beziehung zur Ausgabe bie Silhouette ber Mathildenhöhe mit dem Hochzeitsturme austaucht. Von Hoetger erwarb eben jetzt die Bremer Kunst halle ben großen, weib­lichen Torso. Kb.

Neue Operetten. Tas Höllische Stadttheater brachte die breiaktige Operette des bekannten Kapellmeisters unb Ko Ni­hilisten Franz von BlonDie tolle Prinzeß"zur Ur­aufführung. Franz von Blon hat eine sentimentale, prickelnde und fein pointierte Musik geschaffen, die in einzelnen Motiven an die Spieloper erinnert; so sehr, daß man versucht ist, Blon eine Zukunft als Opernkomponist zu prophezeien. Tie Jnstrumentie»:lng ist in den einzelnen Teilen durchaus originell und immer fein­sinnig durchgeführt. Sttidentenlieder, Märsche und einzelne Cou­plets können sich noch zuSchlagern" entwickeln. Leider hält bas Libretto, bas A. O. (Srier in bie Biedermeierzeit versetzt, mit der Musik nicht gleichen Schritt. Im Neuen Luisen- theater in Königsberg erlebte eine neue Posse Jean Gil- berts (Max Winterfeld),Fräulein Tralala" ihre Ur» ausführung. Tas Zuweilen ganz amüsante Libretto, in dessen Mittelpunkt eine sehr gute und sehr reichlich tanzende Berliner Konfektioneuse steht, stammt von Georg Okonkowski. Tie Ge- sangstexte hat Dr. Leo Leipziger geschrieben. Jean Olilberts Musik, die zum Teil aus der seinerzeit im Theater Groß-Berlin gegebenen PosseSo bummeln wir" entnommen ist, bewegt sich in den alten ausgefahrenen Gleisen.

Gertrud Falke, die Tochter des Dichters Gustav Falke, trat in Hamburg, so schreibt unser Korrespondent, mit un­gewöhnlich starkem Erfolg als Tänzerin auf. Gertrud Falles Begabung hat sich an der Art ber Elizabeth Duncan, mehr vielleicht noch an der Methode Jacques Daleroze geschult, aber ihr künst­lerischer Ausdruck hat ganz und gar eigenes, individuelles und schöpferisches Leben. Alle Bewegungen wurden aus musikalischen dNotiven heraus entwickelt, ohne daß man aber die Musik als Notwendigkeit empfand, so stark war die unmittelbare schöpferische Ausdruckskraft des Körpers. Gertrud Falke tanzte u. a. .einen Walzer von Grieg, eine Barcarole von Tschaikowsky und köüliche Pierrette-Tänze von Schütt, Tanzsviele, in denen sich künstlerische Einfachheit mit höchster, beseelter Grazie vereinigte.

kf. Ein neues Theater in London. TieAkademie der dramatischen Kunst" in London, die im Jahre 1904 von Herbert Tree gegründet worden ist und bereits zwei Jahre später einen derartigen Aufschwung genommen hatte, daß sie sich ein eigenes Heim schaffen konnte, hat in ihrer letzten Sitzung den Kau eines eigenen Theaters beschlossen. Es handelt sich u«