Ausgabe 
17.12.1913 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Retchv erheischt. Vertrauensvoll schont das deutsche Volk zu Euerer Majestät empor, dessen rastlose Fürsorge für die Größe des Reichs es dankbar anerkennt, intb dessen kraftvolles Eintreten für die Be­wahrung eines ehrenvollen Friedens es mit seinen Segenswün­schen geleitet. Zeugnis davon gibt die warme Liebe und An- hänglichkeit, der Euere Majestät in allen deutschen Gauen be gegnen. Euere Majestät werden in diesen Ta-icn wieder ge­sehen haben, daß hier in Badern Ihnen die H.rzc.t so innig und freudig cntgegenschlagen, wie irgendwo im deutschen Vater lande. Ter Allmächtige hat Euere Majestät und deren Wirken sichtbar gesegnet. Möge seine starke £>anb auch fernerhin über Euerer Majestät, über der Turchlauchtigsten Kaiserin, über Euerer Majestät Haus und Land und dem ganzen Teutschen Reich walten. TaS ist der von Herzen kommende Wunsch, der mich und mit mir nein Volk beseelt, und dem ich freudigen Ausdruck gebe in dcmi Rufe:Seine Majestät der Kaiser, mein erhabener Freund und Verbündeter, Ihre Majestät die Kaiserin leben hoch, hoch, hoch!"

Die Erwiderung des Kaisers.

Auf die Rede des Königs bei der Galatafel erwidert» der Kaiser:

Eure Königlichen Majestäten bitte Ich, Meinen und der Kaiserin innigen Tank zu empfangen für den herzlichen Will­kommengruß, den Eure Majestät uns in der lieben schönen Haupt- stadt Ihres Landes entboten haben. Nach den Bekundungen herz­licher Freundschaft, die Eure Majestät Mir bei den nnederholtcn persönlichen Begegnungen in diesem erinnerungsreiclen Jahre er­wiesen haben: nach der Ehrung, die von Euren Majestäten durch Ihren willkommenen Besuch in Berlin Mir und Meiner Haupt­stadt bereitet wurde, ist es Ml,' eine hohe Freude, hier in der Münchener Residenz Euren Majestäten als dem König und der Königin von Bayern Meine und Meines Hauses und Meines Landes ehrerbietige Huldigung darzubringen. Ballerns Monarch, auf dem die Güte und Weisheit eines unvergeßlichen Vaters ruht, und die verehrungswstrdige hohe Frau, die Bayerns Krone trägt, haben sich ihren Platz gesichert im .Herzen der deut­schen Nation. Tankbar darf ich aussprechen, wie wohl /s Mir tut, daß auch bei diesem Besuch in die liebenswürdige Gastfreund­schaft Eurer Majestäten die Bevölkerung Münchens und Bayerns mit herzlichen Gesinnungen einstimmt. So sehr Ich Mich dieser freundlichen Empfindungen für Meine Person freue, so sind sie Mir hierüber hinaus wertvoll als Ausdruck der Treue z u K a i s e r Und Reich, in der das kernhafte Bayernvolk keinem deutschen Stamme nachslehen will. Mit Eurer Majestät vertraue Ich, das; in den Deutschen unserer Tage noch der Geist der Erni- gungsk impfe lebt, aus denen das Deutsche Reich hervor­gegangen ist als ein lebensvoller Bund der deutschen Einzelstaaten, die auf der Grundlage wechselseitiger Achtung ihrer Eigenart und Selbständigkeit zusammenwirken, um neben der Pflege ihrer be­sonderen Interessen den nationalen Gesamtbcdürfnissen gerecht zu werden. In der Erfüllung Meiner kaiserlichen Aufgabe, deutsche Ehre und deutsche Wohlfahrt im Reiche und.in der Welt zu schützen und zu mehren, habe Ich Mich der Unterstützung Meiner hohen Verbündeten erfreuen dürfen. Ich weiß es besonders zu schätzen, daß in Eurer Majestät Mir ein Mitarbeiter von reicher Erfahrung zur Seite steht, und ein Freund, mit dem Ick Mich auch durch Zu­neigung des Herzens verbunden fühle. Ick bitte Eure Majestät, Mir Ihre gnädige und freundwillige Gesinnung auch fernerhin zu bewahren. Innige Wünsche bewegen Mich und die Kaiserin für das Glück 'Eurer Majestäten und des erlnuch'en Hauses Wittelsback und des bäuerischen Volkes, das sich viele, viele Jahre erfreuen möge an dem Walten des geliebten Königspaares. Diesen Wünschen gebe Ick herzlichen Ausdruck mit dem Rufe: Seine Maiestil der König. Mein erlauchter Freund und hoher Ver­bündeter und Ihre Majestät die Königin leben hoch! hoch !hoch!

Abends um V2II Uhr erfolgte nach herzlicher Verabschie­dung vom Königspaar die Ab r e i s e des Kaiserpcrares. Der Kaiser spendete für die Armen von M ü n ch e n .3000 M art und für den bayerisch-preußischen Hilfsvercin 000 Marl.

Ans tfcffeti.

Aus dem Finanzausschuß.

rm. Darmstadt, 16. Dez. Der Finanzausschuß d e r 2. Kammer trat heute vormittag zusammen. Nach ein­gehender Aussprache wurden sämtliche Anträge, sowohl die­jenigen, welche eine Besserstellung der Beamten fordern, wie auch die von einer Anzahl Mitglieder des Bauernbundes gestellten Anträge abgelehnt und nur der Antrag Uebel angenonnnen, einen Merimeister des Arbeitshauses Dieburg Um ZOO Ml. besser zu stellen, sowie die Zurückversetzung der Schreibg^hilfcn bei der; Kollegialgerichten von Klasse 12 in Klasse 8.___________________________________________________________

Aur Mextto.

Mexiko, 16. Dez. Nachdem der Kongreß die Sonder- vollmacksten Huertas ratifiziert hat, hat er sich gestern vertagt. Daher ist bis zum 2. April, dem Tage, des Wieder­zusammentritts des Kongresses, H u e r t a tatsächlich Dik­ta t 0 r.

---------------!.--'_!--?

Ans Stadt und LarrS,

Gießen, 17. Dezember 1913.

* * Tageskalender für Mittwoch, den 17. Tez.: Stadt­theater:Kammermusik." Anfang 7 Uhr.

A uS dem Geri chtsd teufte. Dtirch Entschließuna Großd. Ministeriums der Justiz wurde dem Amtsrichter Dc. Brill in Schotten die Dienstaussicht bei dein Amts­gericht Schotten und dem mit Wirkung vom 1. Januar 1914 zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Herbstein ernannten Amtsrichter Hoffmann in Höchst die Dienstaussicht bei dem genannten Gericht mit Wirkung vom gleichen Tage erteilt.

EonntagSfahrkarten. In der letzten Sitzung der Großb. Handelskammer Mainz wurde u. a. über SonntagSfabrkarten nach Mainz beraten. Die Kammer hotte sich darauf berufen, daß auf den Strecken der Ober- hessischen Eisenbahn Gelnhausen Gießen und Fulda Gießen von fast allen Stationen SonntagSlarten nach Gießen bestehen. Dazu bemerkte die Eifenbahndirektioil, daß diese SonutagSkarten von der ehemaligen Direktion der Oberhcsfischen Eisenbahn eingesutzrt und bei dem Uebergang in die Preußisch- Hesusche Eisenbahngemeinschaft zur Schonung bestehender Ver­hältnisse beibehalten worden seien. Hieraus dürfe aber kein Grund abgeleitet werden, von den maßgebenden Bestimmungen für die Auflage von Sonntagskartcn auf den Preußisch- Hessiichcn Staatsbahncn abzuweichen. Der Antrag wurde dantit abgemiesen.

** Die Dauer der Weihnachtsserien. Man schreibt uns: Im Jahre 1897 gab das Grost.h. Ministerium des Innern, Abteilung für Schulangelegeuhelten, eine neue Ferienordnung für die Volksschulen heraus und bestimmte für die Weihnachtsfericu, daß der Unterricht erst am 5. Ja­nuar zu beginnen hat, wenn der 3. Januar auf einen Sams­tag fällt. Dieses ist. im Jahre 1914 der Fall.

** Vom Stadtthea ter wird uns geschrieben: Zu der Erstaufführung des neuen SchlvankesT i e s panische »Fliege" dürfte die Besprechung eines auswärtigen Blattes Über die Berliner Aufführungen intcrcifiercu. Es schreibtTn Well am Montag":Jin Lustspielhaufe gibt esTic spanische Fliege",! einen Schwank von Franz Arnold und Ernst Back. Ti-' beiden Schaufpiclerautoren sind bei ihrem ersten Sprung ins Schöp erisch-

Dramatifche wirllich überraschend glücklich gewesen. Vor allen Dingen haben sie etwas zuwege gebracht, was ihre zünftigen Schwankkollegen meist so peinlich vermissen lassen: einen 0 cri - tablen Einfall, über den man lachen kannunddem bis zum letzten Akte nicht der Atem ansgeht.Tie spanische Fliege i st lustig, sie ist sauber gearbeitet, sie will nicht mehr scheinen, als sie ist, und sie verstimmt nicht durch Blumenthalsches Gemütsschmalz."

** Landwirtschastskammer für das Groß­herzogtum Hesse n. 2Bu uns die Landwirtsckoftskammer mit­teilt, finden am nächsten Samstag und Sonntag folgende land­wirtschaftlichen Vorträge statt: 'Bleichenbach, Sonntag nachmittag 3 Uhr im Gast Hause von Granting.Tie Ver­besserung und Vermehrung des Futterbaues". Tekonomierat An- d r a e - Büdingen. Billingen, Sonntag nachmittag 311 Uhr im Gast Hause von Karl Schack.Wie vermeidet der Landwirt die häufigsten Fehler in der Tierzucht, und welche Mittel sind dem Landwirt an die Hand gegeben, um seine Tierzucht rentabel zu ge­stalten?" Oekonomierat Weitzel- Lich. Rodend ach , Sonn­tag nachmittag 3 Uhr im Gasthause von Hammel.Tie Vorteile der Feldbereinigung". Großh. Landwirtschaftslehrer Wagner- Büdingen. Lollar, Samstag nachmittag 3-2 Uhr int Gast­hauseZum Schwanen".Tic Zuchtbcstrebungen des Kreis-Ziegen- zuchtvereins und die Aufzucht der Lämmer". Großh. Landwirt schaftslehrer Tamm- Lick. Treis a. d. Lumda, Sams­tag abend 8 Uhr im Gasthaufe von Benner.Tic Zuchtbestrckmn- gen des Krcis-Ziegenzuchtvereins und die Aufzucht der Hämmer". Großh. Landwirtschaftslehrer Tamm- Lich.

** Städtischer S e e f i s ch m a r kt. Der letzte dies­jährige städtische Seefischmarll wird am nächsten Don­nerstag abgehalten. Wecken des Weihnachtsfcstes findet der nächste Markt erst am 8, Januar statt. Auch in diesem Jahre hat der Seefischmarkt sich gut entwickelt und eines' recht regen Zuspruchs zu erfreuen. Auf den seit 9. -Oktober abgehaltenen Märkten wurden rund 100 Zentner Fische um­gesetzt.

" K a m p f m i t W i l d e r e r n. Die Staatsanwaltschaft teilt uns mit: Am 12. b. Mts. überraschten zwei Fürstlich Jscnburg-Bildingensche Forstbeamten in dem Wildpark, der sich zwischen Büdingen und Wächtersbach aus­dehnt, zwei Wilderer, von denen der eine einen er­legten Damhirsch auf deut Rücken trug. Aus Anruf lieft der eine Wilderer den Hirsch fallen, während sein Komplize sein Gewehr auf die Forstbeamtcn anlegte. Diese kamen ihm aber zuvor »und gaben zwei Schrotschüsse ab, worauf die beiden Wilderer bi2 Flucht ergriffen. Nach 40 Schritten drehte sich der eine von ihnen aber noch einmal um und schoß aus die Förster, ohne indessen zu treffen. Während cs der Gendarmerie von Wächtersbach gelang, am anderen Morgen in Wittgenbvrn einen der Wilderer festzunehmen, hat der andere, ein gewisser Friedrich Hermann Mann, geboren am 27. September 1892 zu Delitzsch in Sachsen, nachdem er die Gendarmen, die ihn festnehmen wollten, mit Totschießen bedroht hatte, die Flucht ergriffen und ist bis heute noch tlicht dingfest gemacht. Auf die Ergreifung des Flüchtigen, der wie folgt beschrieben irnrd: 21 Jahre alt, mittelgroß, von schmaler Figur, blondes Haar, bartlos oder mit Anflug voll Schnurrbart, besondere Kennzeichen: Ziem­lich frische von einer Stichverletzuug herrüyrende Narbe über dem einen Auge und frische Schrotschußvertetzungen am lipken Bein, ist eine Belohnung von 100 Mark ausgesetzt worden.

** I n d i e Gießener Klinik ein geliefert wurde gestern nachmittag Georg S ch n e i d m ü l l c r aus Kölze nhain. Dieser war bei der Dreschmaschine beschäftigt, als ihm beim Verschieben des Wagens die Deichsel erfaßte und gegen eine Mauer schleuderte. Er wurde am Kopf und im Gesicht so schwer verletzt, daß er drei Stunden bewußtlos lag. Der Arzt Tr. Lubenau legte einen Notverband an und ordnete die sofortige Ucb'er- bringung in die Klinik an.

** Nochmals dic Frankfurter Würstchen. Bei der Klage über die Festlegung des Namens Frankfurter Würstchen macht die Schwcinemetzger-Jnnung vor allem gel­tend, daß auch die Stadt Frankfurt selbst ein großes finanzielles Interesse au der Angeleaenheit hat. Wahrend die hiesigen Metzger für jedes geschlachtete Schwein 3,30 Mk. Schlachtgebührcn entrichten müssen, sind die hessischen Frankfurter-Würstchcn-Fabrikanten" davon befreit, weil sie in eigenen Häusern daheim schlachten. Eine große Neu-Isen­burger Schlachterei und Wurstfabrik, die jährlich rund 13 000 Schweine zu Würstchen verarbeitet, entzieht beispielsweise der Stadt Frankfurt allein dadurch eine Einnahme an Schlacht- hosgebührcn von etwa 43 000 Mark. Man hofft, daß die Stadt um ihrer eigenen Interessen willen den Metzgern in dem bevorstehenden Prozeß, der bis zur letzten Instanz durch- gcführt werden soll, zur Seite steht.

Landkreis Gießen.

Lich, 16. Dez. Ein größerer Holzdieb stahl konnte hier durch den Polizeihund entdeckt werden. Bei bc< Untersuchung lief das Tier von den Lagerplatz der Firma Köhler in das Haus eines Schreiners, der den Diebstahl eingestand.

ch. Langsdorf, 16. Dez. Durch Verluste beim Zu - s a m m e n b r u ch der hiesigen Kasse sind auch hier viele, zum großen Teile weniger bemittelte Leute stark in Mitleiden­schaft gezogen worden. Diese Leute verfügen nicht über großen eigene n Grundbesitz, sondern bewirtschaften in der Hauptsache Pacht gut. Die Pachtbeträge mußten in diesen Tagen an die Grund b e s i tz e r abgcfüyrt werden. Ta nun auch die Zinsen für die Kasse -aufzubringen sind, wurden die Pächter bei den Grundbesitzern wegen einer Ermäßigung des Pachtgeldes vorstellig. Diesem Ersuchen staben in dan­kenswerter Weise einige Grundbesitzer entsprochen. Andere, ebenfalls wohlhabende Grundbesitzer, lehnten es ab, durch eine Herabsetzung der Pachtpreise den sich in bedrängter Läg>' befindlichen Leuten beizustehen.

Grünberg, 16. Tez. Gemeinderat, Kirchenvor- stand uitb Ortsgerichtsmann Trinkaus ist im Alter von ul Jahren gestorben.

m. Hungen, 17. Tez. Der älteste Einwohner unseres Städtchens, Landwirt Friedrich Kraft II, starb im Alter von 9 2 Jahren und wurde heute zur letzten Ruhe bestattet. Bis auf die letzten Tage war der Greis noch ver­hältnismäßig rüstig.

Kreis Büdingen.

/\ Büdingen, 16. Dez. Ein Zusammenstoß mit Wil­derern trug sich hier zu. Tic Wilderer stammen aus' W i t t g e n b 0 r n , sie tonnten bis auf einen bereits ver­haftet werden.

Kreis Schotten.

0. R a i n r 0 d, 15. Dez. Gestern wurde hier ein Schä- f e r k n c ch t verhaftet, iveil er einem Schafmeister in Holzheim 900 Ml. gestohlen hatte. Ter Bestohlene ver­folgte die Spur des Tiebes, die nach Rodheim a. d. Horloff führte, wo der Dieb ausfal.end viel Geld in einer Wirtschaft ausgab, in der er übernachtet haite. Auch hatte er geäußert, in Unter-Schmitten einen Schäfer besuchen zu wollen; allein dieses Vorhaben führte er kluger Weise nicht aus, sondern wandte sich hierher. Ein Gendarm und der Schafmeister trafen den Dieb in einer hi'ftgen Wirtschaft, wo er dc;>

baftet wurde. Er hatte von dem gestohlenen Gelde 1TOQ7 rtbtt 800 Mk. bei sich, aber auch einen geladenen Revolver, von dem er jedoch keinen Gebrauch machen konnte. Der Dieb soll aus Gelnhaar bei Büdingen stammen.

ö fünfter bei Laubach, 16. Dez. Tie Gemeinde hat den sogenannten .*perrn garten, der mitten im Torfe liegt, von dem Fürsten Karl von Solms-Lich für 4000 Mk. erworben. Tas Gelände umfaßt über drei Morgen, dabei befindet sich ein Bauplatz. Ein Stück soN zur Vergrößerung des Turnplatzes benutzt werden.

Z_- Herchenhain, 16. Dez. SchwereBrandwun- den erlitt das Kind des Gastwirts Weidner. Es toar gegen einen Topf kochenden Wassers gerannt, den die Mutter durch die Küche trug.

Kreis Friedberg.

L Friedberg, 16 Dez. Da in Nieder Wöll- stad t die M a u l - u n d K l a u e n s e u ch e ausgebrochcn ist, findet der morgige, sonst beocutende Viehmarkt nicht ftattj

T, Bad-Naheim, 16. Dez. In einem Hause an der Friedberger Kreisstraße brach gestern ein Feuer aus, das aber bald gelöscht wurde. Nur eine Ziege ist verbrannt.

r. Bad-Nauheim, 16. Dez. Stadtvcrordneten- v c r s a m m l u n g. Christian Steuernagel will bemerkt haben, daß bei den zurzeit ausgeführtcn Kanalisationsanlagen nicht Stein zeugröhrcn erster Klasse, sogenannte Städteware, zur Verwendung kommen. Er hat seine Beobachtungen dem Ticfbauamt mitgeteilt, und dieses hat eine Untersuchung eingeleitct, aus der die beteiligten Firmen Peter Stamm III., I. B. Hofmann, Alfred Im­hoff hier sowie Schmidt- Worms als glänzend gerechtfertigt hervorgingen. Bei den zu zahlenden Beträgen für Gelände-Er- ioerbskollen der W e 11 c r t a l b a h n weigert fick eine Gemeinde, den auf sic entfallenden ^Betrag zu zahlen. Es soll Klage gegen diese Gemeinde erhoben werden. Die Versammlung gibt ihre Zustim mung. Dem Verkehrsaus s chusse wird zur Bestreitung seiner Ausgaben für Reklame usw. eine zweite Rate in Höhe von 1500 Mark bewilligt. Die erste Rate von 2000 Mark kam schon zur Auszahlung. Zur Anschaffung von Geräten für die Feuer wehr ivcrden 1900 Mark bewilligt. Tie Mäuscvergif^ t u n g in der hiesigen Gemarkung hat 1450 Mark gekostet. Tic Wirt' schaftsrcchnung.über diesen Betrag wird genehmigt. Für die im Herbst und Winter 1912/13 ausgcführten Kanalisations­arbeiten liegen die Rechnungen vor. Vorgesehen waren 150000 Mark, ausgcgcben sind 138 665,88 Mark. Tic Versammlung ist einverstanden, daß die Stadt an jedem Postbriefkasten in unserem städtischen Bezirk einen Hinweis anbringcn läßt, der auf die nächste Feuermelde stell e verweist.

Trais-Münzenberg, 15. Dez. Die Arbei­ten der hiesigen Feldbereinigung sind beinahe been­det, und die Uebcrgabe der neuen Grundstücke wird viel­leicht schon im Jahre 1914 erfolgen. Dem Vernehmen nach sollen ntöglichst große Parzellen gebildet werden, was vom landwirtschaftlichen Standpunkt aus sehr erwünscht ist.

L Nieder-Mockstadt, 16. Dez. Unsere Gemeinde hat jetzt elektrisches Licht erhalten. Beinahe sämtliche Hof^ reiten sind angcschlossen.

Hessen-Nassau.

0 Marburg, 16. Tez. Am Kaserncnberg stieß heute ein radfahrcndcr Briestrüger mit einem Auto zu­sammen. Ter Mann trug eine schwere BeinVer­letzung davon.

= Frankfurt, 17. Tez. Heute nacht gegen 1 UftL stürzte sich die 27 Jahre alte Frau Ebert von ihrer im 4. Stock liegenden Wohnung auf dis Straß?. Die Frau erlitt einet) Schädelbruch und schwere innere Ver­letzungen, welche den sofortigen Tod herbeiführten.

fj Selters (Lahn), 16. Dcz. Am Sonntag abend erhängte sich der 18 Jahre alte, aus Allendorf (Kreis Wetzlar) gebürtige Knecht Friedrich Jakob in feinem Zimmer. Was den jungen Menschen in beit Tob getrieben hat, ist unbekannt. Ec hat kurz vorher Bemerkungen gemacht, bie baranf hinzielten, aber bie Leute haben bicS als Scherz auf­gefaßt.

h Ufingen, 16. Dez. Der Gastwirteverbanb Frankfurt a. M., ber etwa 1500 Mitglieber im ganzen Mfttelrheingebiet umfaßt, hält seinen BunbeLtag in Ufingen ab. Ein Antrag, ben Wirteverein beS Kreises Usingen auszulösen, wurde mit großer Mehrheit in ber Haupt­versammlung beS Vereins abgelehnt.

Deretnsnad)rid)teit

Der Stenoyraphcnvcrein Stolzc-Schr:ey am Landgraf-Ludwigs-Gymnasium beding am letzten Samstag in Steins Garten sein 18jähriges S t i f t n ira s se st. Tie Musik spielte zuerst einen von Franz Lauer, einem Mitgliedc bcs Vereins, komponierten Stcnographcnmarsch. Nach kurzen Be­grünung-, warten gewährte der Vorsitzende Ludwig Bücking einen Einblick in die Geschickte des festgebenden Vereins, und machte bekannt, daß einer der Gründer de-s Vereins, Recktsanwalt H 0 m- b e r g c r, zum Ehrcnmitalicd ernannt worden sei. Tann äußerte sich der Vorsitzende über die C-inigun^sverhandlungcn zwischen den Stenograpltenschulen und sprach ferne Ueberzeugung aus, daß bas System Stolze-Schrey zum größten Test die Grundlage für bie Einheitsstenographie bilden oder in dem vornehm zu führen­den Syiemkampf die Siegespalme erringen werde. Der Schüler- bezirk.-lcirer für das Großherzogtum Hessen und den Kreis Wetzlar, Wilhelm Strack-Friedberg, gab seiner Ansicht Ausdruck, daß der Gießener Gymnasiasteuverein Stolze-Schrey der tüchtigste Verein des ganzen W'zirks sei. Er überbrachte eine dem Verein vom ersten Wcrbeausschuß der Stcnographcmfchule verliehene goldene Nadel. Die Preisverteilung des Wettschreibens und WcillesenS hatte ent gutes Ergebnis. Es wurde bis 280 Silben geschrieben und bis 465 Silben gelesen Beide Höchstleistungen erzielte b.-r ehemalige Vorsitzende, Iosevh Kübel. In ungekürzter Schulfckrift wurde bis 200 Silben geschrieben. Ten Abschluß deS Festes bildete ein Ball, der von bunten Vorträgen begleitet war.

0. Nidda, 14. Dcz. 01c ft er 11 abend hielt im Obst- und Gartenbauverein Kreisobstbauiuspektor Metternich aus Büdingen einen Vortrag überBlumenschmuck an. Fen- ft cm, Balk 0 ncn und in Vorgärte n". Der Redner ver­fügt über eine sehr reiche, mehrjährige Erfahrung und verstand cs in vortrefflicher Weise, die bisher in Büdingen und anderes Eiten erzielten »-.folge vorzuführen und das Jntcresie an der schönen Sache zu roecken. Auch besprach er eine Anzahl empfehlens­werter Blumensortcu für Fenster und Palkonsckntuck und erteilte Belehrung über die nötige Erdmischung, über die Pflege und Uebcr- Winterung ber Pflanzen. Keineswegs erkannte der Vortrayende aber die große Muhe, die Schwierigkeiten und geringen (Srrolge, die man leider nur allzuhäufig mit ber llebmuintcnmg von Blu- menstöcken. habe und hält cs für das Beste, davon ganz abzuseheu und sich im Frühjahr jedesmal wieder neue Setzlinge zu kaufen. Lbcryärtner Becker von Bad-Salzhausen Tonirtc diese Ausführungen aus reiner Erfahrung bestätigen. Ein viel üppigeres Wachstum größere Blühwilliakcft und reicherer, vollkommener Blumenflor würde die Neuanschaffung sicher lohnen. Renmer L. Hoffmann von, hier konnte zwar von guten Erfolgen berichten, die et mit Topfblumen und deren Ueberwinteruug erzielt habe, mußte aber auch uigcbcn, daß ihm die sorgfältigste und unausgesetzte Pflege viel Mühe gemacht habe.

<9cridM»faaL

Gießen, 16. De-, < K r i e g s g e r i ck t der 25. Divi­sion Tas Kriegsgericht verliandelte gestern vormfttag in der | Zevghcn' t; ?mc am Landyras-Philivo-Platz folg nde 4 Anklagen wegen Mi, braud)5 der Tienstgcwalt, Vizcfctdwebcl A., tzer im