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Samstag, 19. April 1913
Sechstes Blatt
163. Jahrgang
Nr. 91
Erscheint tagsfch rrm Ausnahme des ScknntagS.
von Todes
Erwerb
110 362
55 877 608
817 764 802
115 927 118
933 691 914
67 015 911
zusammen 1 000 707 825
der
nr Tage ju leihen, damit tnicb sie daheim in ihren
leine Mack,
gatten sowie Kinder und bereit Mkömmlinge, ferner solche unter 500 Mark, da dieser Betrag als untere Grenze der Steuer-- pffichttgkeit durch § 11 Ziffer 1 des Gesetzes festgelegt ist. Antzer-- dem sind statistisch nicht behandelt die steuerfreien Anfälle aller Art ans Schenkungen unter Lebenden. Nach den besonderen
Steuerertrag Mark
Die Dom 3. folgt:
Zahl der Anfälle
am ein Dörfern
Gesamtreinwert Mark
die Gefamtverbind- lichkeiten Mark
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steiiidruckerest R. Lange, Gießen.
Außerdem wurden bei 58 Erwerbsfällen aus Erbschaften Don zusammen 312 470 Mark Reinwert 21283 Mark und bei 36 dergleichen ans Schenkungen unter Lebenden von zusammen 70 046 Mark Reinwert an Steuer 6689 Mark niederschlagen.
Im Durchschnitt entfällt auf einen versteuerten Anfall ein Rein wertbetrag von rund 7569 Mark mit einem ©teuerertrage von rund 515 Mark.
Es Betragen
Die „Gießener Familiendlütter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, da« „Kreisblatt für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. Dtt „Landwirtschaftlichen 5dt= fragen" erscheinen monatlich zweimal.
zusammen 6 151 696 Mark.
Bon der Erbschaftssteuer allgemein befreit und daher in Statistik unberücksichtigt geblieben sind die Anfälle an Ebe-
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: s-^51. Redaktion:L^112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.
die vortrefflich zu ihrem' weißen .Haar hassen. Ter hohe Kragen und die langen Aermel, ein loser bauschiger Schluß um die Taille gehören hmte schon von selbst zu dieser Tracht- So ist ihr nichts mehr verschlossen, und das weite Reich der Mode liegt vor ihr, nicht mehr als ein verlorenes Paradies, sondern als ein Garten, in dem auch sie noch die schönsten Wüten zum Schmucke ihrer reifen Jahre pflücken darf.
ReichserbschastrfteuerftatW.
finanziellen 25irhmgen des ReichserBschastsstLuergesetzes Juni 1906 im Rechnungsjahre 1911 stellen sich wie
31 750 bei den überhaupt ver- ftenerten Nachlässen.
4 559 Schenkungen unter Lebenden . . . .
Lorse zu lasieii. Uno so blieb d'as Korsett denn beim Stamme, H. es durch eifrigen Geb raus aus dem Leime ging und bi? ba$ Tors zu einem Paradies der Ehemänner geworden war.
Mes in allem war das Verhalten der französischen Militär-« und Zivildehörden nach der Ansicht des Führers, Kapitän Gluud, Völker- und privatrechtswidrig aus folgenden Gründen:
1. Tas Schiff ist deutsches Eigentums also deutscher Grund und Boden. Der Führer müß das Recht haben, wenn er auch durch unglückliche Verhältnisse gezwungen war, in fremdem Lande zu landen, jedem Menschen den Zutritt zum Schiff verweigern zu können, nad^>ein die militärisch-? und Zivilkommission das Schiff auf Spiona gev erdackst untersucht und nichts gefunden hatte. Anstatt dessen wurde ihm und der Besatzung das Betreten des Schfffes von abends 7 Uhr bis mvrgens 7 Uhr verboten, also das Hausrecht genommen.
2. Tie unglückliche Lage des Schiffes wurde ausgenutzt in einer Weise, die gegen internationale Höflichkeit und Sitte verstößt, indem' Militärpersonen, Behörden und Private beständig das Schiff 'inspizierten und durch das Schiff liefen, photographierten und Geschäftsgeheimnisse ausspionierten, und die Soldaten und das Publikum, sowxit es heronkomMen konnte, das Schiff beschädigten. Das Verhalten der Militär und Zivilbehördeir war nach der Ueberzeugung des Führers Völker- und privatrechts- widrig imd sehr unhöflich. Das Verhakten des Publikums war flegelhaft.
Bei dem Erwerbe von Todes wegen weisen die Abkönun- linge 1. Grades von Geschwistern mit 39 247 (— 35,56 b£)y der Gesamtzahl) die Höchstzahl aller versteuerten Erwerbsanfälle, dagegen Gesck-wister mit 284 562 252 Mark (= 34,80 bSx des Gesamtteinwertes) den höchsten Gesamtwertbettag auf, wahrend den größten Steuerbetrag die auch mit dem höckisten Steuersätze belegten „Uebrigen Erwerber" mit 15 481 442 Mark (— 27,71 vH. der ganzen Steuersumme) über auf einen Anfall von durchschnittlich 6247 Mark runb 730 Mark zahlen.
Bei den Schenkungen unter Lebenden entfallen mit 1743 Anfällen = 29,64 vH. die meisten auf die Steuerklasse „klebrige Erwerber", hon dem .G es am trver tb etrage von 62 063 764 Mark allein 24 815102 Mark = 39,98 vH. an mildtätige oder gemeinnützige inländische Stiftungen usw. Dagegen wird auch hier der Hauptsteuerbetrag mit 1472 564 Mark = 36,92 vH. von den „Uebrigen Erwerbern" aufgebracht.
Gestundet wurden im Berichtsjahr:
an Erbschaftssteuer .... 5926003 Mark
„ Schenkungssteuer . . . ♦ 225 693
wegen.....
Schenkungen unter
Lebenden . . . .
zusammen
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhesjen
dast sie eines Tages in eine große Kiste mit abgelegten Kleidungs- stücken auch ein altes Pariser Korsett legten, das eng genug war, uM die schlaukeste Wespni.tai.lle noch dünner und graziler zu macl^en. Tie Kiste kam auch rührig auf der kleinen Insel an, aber der Missionar, der auf ihr wirkte, musste infolge einer besonderen Verkettung von Umshindeti mit. demselben Dampfer, der die .Stufte gebracht hatte, abreifen. So übergab er denn die Küste bem .Häuptling, erteilte den braunen Gläubigen seinen Segen und kletterte an Bord. Tie Kiste nnrrbe aus gepackt und mit einer Miscimng von ratlosem Staunen und mißtrauischer dingst ftaitixm dm Häuptling und seine Vertrauten vor dein Korsett. Wilau, der Häuptling, schnallte es fidr ums das reckte Bein: aber als er fand, dast es Au unbequem und zu lästig mar, legte er es wieder ab Und berief die Alten des StaMmes zur Berattmg. Es war klar, dast das Korsett irgend einen bestimmten Zweck hatte, aber melriier Zweck sollte das sein? Ein grauhaariger Aeltester erhob sich und hielt 'eine lange Ansprache. Ter Mann batte eine recht zänkiscl>e Gemahlin, und sein Sehen bestand ans Tagen häuslicher^ Röte. Daher empfahl er, was seinem Sinne nm nächsten liegen Musste. „O, SDäubtling," so rief er, „ich glaube, man hat uns dies geschickt, um ein Mittel zu haben, unsere Weiber zu Bestrasen." Wilau war seht verblüfft, aber er verlangte genauere Angaben. „Schnüre sie in diese Teufelskralle," so rief der Alte. „Ich werde dir zeigen, was ick denke. Meine Frau möge die erste fein." Da der Alte eine Idee hatte und die anderen keine belferen, so war inan zufrieden. Man rief die Fran des Aeltesten und trotz ihres Zeterns und Weinens schnürte man sie in dieses Pariser Korsett, indes ringsum! das ganze Tors neugierig zu schaute. Und man schnürte erbarmungslos. Als der Häuptling die Iran feines Aelcesten so gründlich eingepretzt und gepanzert sah, gab es für ihn feinen Zweifel mehr, zu welchem Zwecke das Pariser Korsett bestimmt sein muhte. Tie Alte weinte intB heulte, sie wälzte fidr im Sande, jammerte und umflieg sich zu den demütigsten Versprechungen, so dast alle sich verwunderten. „Wah!" meinte der Häuptling, „gewiß ist ein Zauber in diesem Ting. Wir werden es dazu benutzen, um! alle Weiber zu bestrafen." Und im Verlaufe einer Woche waren alle Frauen des Dorfes sanftmütig nach gehorsam geivorden, und der Ruhm des Wunderkvrsetts drang pon einer Insel zur anderen. Bon den Nackbarinseln tarnen Deputationen, die Wilau an fiel)tim, ihnen die „Teufelskralle" nur
Gegen 5 Ulm morgens, als die Lage des Schiffes kritisch wurde, verlangte der Führer sofortige Verbindung mit dem. deutschen Botschafter. Es wurde abgelehnt mit dem Bemerken, dast erst der General gefragt werden müstte. Gegen 6 Uhr fetzte der Führer ein an die deutsche Botschaft gerichtetes Telegramm auf, welches lautete:
Bitten dringend Foruvaliläten beschleunigen, da sonst für Weiterfahrt leine Garantie. Erbitten sofort Reichsschutz. Gluud, Führer des Zeppelinluftschiffes.
Tiefes Telegramm wurde mit dem Bemerken zurückgewiesen, dast es nickt abgesckickt werden dürfe, bevor der General da sei. Während der Nacht versuchten die Offiziere ein gegenüberliegendes Kaffeehaus zu erreichen unter dem Sckxutze eines Unteroffiziers, um etwas zu genießen und für die Mannschaft Essen zu bestellen , dies war unmöglich, da fick) die Bevölkerung sehr feindselig verhielt. llrtfcre Leute und die Mannschaft bekamen fast nichts z u esse n. Es wurden wollene Deckung zur Berfiiguug gestellt, die in die Kabine des Lufffchiffes geworfen wurden, doch der Be- Htzung wurde nichc gestattet, das Schiff zu betreten, also hatten die wollenen Decken auch keinen Wert. Offiziere und Besatzung haben während der ganzen 24 Stunden Nacht und Tag auf dem Platze stehen müssen.
Um 2 Uhr nackts waren die Arbeiter unter Führung des Herrn Lau mit Gas von Friedrichshafen eingetrorren, wurden aber lange nicht Hindurchgelaffen zum Schiff, da der General die Erlaubnis nicht erteilte. Es erschienen während der Nacht häufig Zivilisten, Offiziere und Tomen in sehr animierter Stimmung und betraten trotz des Protestes des Führers das Schiff, rauchten, steckten Streichhölzer an und Machten fick in einer sehr unangenehmen Weise über die Lage der deutschen Besatzung lustig. Bei der Füllung mürben unsere Füllmäschinen beständig von dem außen stehenden Pöbel mit^S leinen beworfen. Alles johlte und schrie, wenn das Schiff irgend eine gefährliche Bewegung machte. Alles arbeitete darauf hin, das Sckiff immer Wetter zu beschädigen. Es muß hier bemerkt werden, daß einige rühmliche Ausnahmen bei den Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften waren, aber sie drangen.nicht durch, da es an einer einheickichen scharfen Leitung fehlte. Endlich konnte das Schiff unter großen Belästigungen seitens der f r a n z ö s i s ch e n S o l d a t e n, die in seiner W e i s e v o n ihren Vorgesetzten zur ückg e ha l t en wurden, fertig gemacht werden. Ein Motor mar abends vorher schon wegen zu großer Belastung her ausgenommen und auf den Platz gelegt worden. Einen Posten für diesen Motor konnten wir nicht erhalten und es wurden viele Teile abge sch raubt und g e - stöhle n. Der Wind würde allmählich stärker, die Sonne sehr kreiß, das Schiff kcmr in starke Bewegungen und schlug häufig auf den Boden auf, so daß sämtliche Gondelstützen allmählich, brocken und das Schiff immer schwerer beschädigt wurde. Alle Bitteil Und Ermahnungen des Führers, und der Besatzung nützten nichts, da kein Offizier zur Unterstützung des Führers abgeteilt war. Der General Lesest verlangte von dem Führer zu wissen, mann er auf steigen würde. Der Führer erklärte, da ßer es augenblicklich nock nicht könne wegen der Mhe der Häuser und Bäume und der stürmischen Böen. Der General verlangte darauf, daß er versprochen sollte, bis Vs2 Uhr zu bleiben. Der Führer er klärte, er würde es nur dann tun, wenn die Lage des Schiffes nicht kritisch würde, sonst würde er sofort auffteigen. Der General gab sich damit zufrieden und die Offiziere gingen zum Frühstück.
Gegen 1.34 Mitteleuropäischer Zeit, nach Pariser Zett 12.34 idie der General anscheinend gemeint hatte), fiel eine schwere Böe ein, das Luftschiff war nicht mehr zu halten, der IFührer gab das Zeichen seinen Friedrichshafener Seuten, die vorher instruiert hxrren, zu rufen: „Loslassen!" Tas Schiff stieg fofort glatt auf, die Ndotoren liefen schon vorher wegen des starken Windes. Unter lautem* Geschrei der Menge verliest das Sckiff zu deren grafeem' Erstaunen glatt den Landungsplatz und nahm Kurs auf Metz. Es war eine sehr aufregende Fahtt.da das Schfff sckiwer tzcwariett war — noch ein Ring hinter der vorderen Gondel knickte ein —, nur die Hälfte Maschinenkraft zur Verfügung stand und nur sechs Manu zur Bedienung des Schiffes mitgenommen werden konnten.
Tie Gründe, die beit Führer bestimmten, den Landungsplatz, ohne Abschied zu nehmen, zu verlassen, waren:
1. der stürmische Wind,
2. die sichere Aussicht, dast das Schiff auf dem Landungsplatz zerstört werden würde, und
3. da er aus einem Gespräch der Führer gehört hatte, daß das Schiff von den Fliegern umflogen werden sollte, frm Angriffsversuche in der Luft zu machen.
die Gesamttohwerte Mark
— St. Helena als Suffragettenheim. Bor kurzem wurde im englischen Unterhause bei der Besprechung der Aussckwei tauigen der «Suffragetten von einem Abgeordneten auch der Vorschlag gemacht, die zerstörungslustigen Amazonen noch St. .Helena zu schaffen. Die Anregung wurde viel belacht und in England nicht Wetter ernst genommen: auf St. Helena aber, wohin telegraphische Knude von dem Vorschlag gelangt war, nimmt die Bevölkerung die Frage sehr ernst. Tie Bewohner der einsamen Felseninsel, auf der Napoleon auslitt, finden den Gedanken ganz ausgezeichnet, und der „St. Helena Oftiarbian" veröffentlicht sogar einen tenrperamentvollen Leitartikel, in dem er den Vorschlag des UntCThausmitgliedes Mason mit Begeisterung auf greift. Und nach einem zornigen Angriff gegen die Suffragetten, denen ihre „Feindseligkeit gegen die Zivilisation" bitter vorgelialtcn wird, fühlt diese einzige und gewichtige Stirn mung der öffentlichen Meinung von St. Helena aus: „Warum zögert die Regierung nock länger, uns diese verwilderten Furien bierherzuschicken? Wir haben hier Platz für Hunderte von diesen Suffragetten. 8000 acres Kronland liegen bereit, auf dem die Suffragetten Baumwolle züchten und Kaninchen jagen können und wo sie keine Fenster zuM Zerschlagen und keine Briefkästen zu Brandstiftungen finden." Voll Ungeduld harren nun die wackeren Bewohner von St. Helena auf die Suffragetten, die nun wissen, dast es einen Platz auf Erden gibt, wo sie willkommener sind als in ihrer Heimat.
— Tas K o r i e t t von Samoa. Eine luftige Erinnerung an seine Tage auf den Samoa Inseln veröffentlicht ber amerifa nische Dichter James Francis Twher im „American Magazine" Tw her ist in 'feinem' Heimatlande durch seine Machtvollen, Inappen und farbenpvächligen exotischen Novellen schnell berühmt geworden: er lebte jahrelang auf den Inseln der Südsee inmitten' 6er Ein geborenen; die künstlerischen Anregungen, die er aus diesem Lelm, inmitten einer fremden fernen Natur sammelte, verdichteten sich später zu Novellen und Skizzen, bi' ihm! den Ruf eines ,,inrr' lanischen Kipling" cintrugeu. finlec den j.:' veröffentlichten Reis", eriitneeirngen erz.ii.lt er auch die amnimte '■fti.lv! • • eines .'.iorfells. das durch einen Zufall auf eine dec Samoa Znscln verschlagen wurde. In Boston wirkt eine Mfffioüarsgcsellschfft, deren n ab! tätige Tarnen von den Bedürfnissen der braunen Tarnen im fernen Samoa herzlich wenig wissen, 11 nb so tarn es denn auch.
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59 866 692
4 952 147
120 879 259
El!« LlUhsnttscher Bericht über „Z IV" m Lunemüe.
Kapitän Gluud, der Führer des Z. 4, veröffentlicht in den „Leipziger Neueft. ilcachr." folgenden Bericht:
Nachdem das Luftschiff um 2.30 Uhr nachmittags gelandet war, meldete ,ich sofort Hauptmann George als Präses der Ab- nahme-Kommisfion bei dem rangältesten General, Divisionskommandeur Lescot, und setzte ihm die Gründe für die Landung auf französisckem Boden mit Hilfe eines Dolmetschers auseinander. Tas Schiff wurde während dcr Zeit von einigen abgefeffeuen Kavalleristen sestgehulten. Tie Aufnahme mar korrekt, aber kalt. ^Xruptmanil George bat, sofort mit der deutschen Botschaft in Paris in Verbinoung treten zu dürfen, doch wurde ihm gesagt, dast ct das vorläufig nicht dürfe, sondern erst zu Watten hätte, bis die Zivilbelchrde aus stianch dazu die Erlaubnis erteilen würde. Daraus meldete sich der Führer des Luftschiffes, Kapitän Gluud, und stellte das Luftschiff einer militärischen Kommission zur Durchsicht auf Spionageverdacht zur Verfügung. Das Schiff und sämtliche Papiere wurden ringel>cni) in Gegenwart des Führers von der Kommission durchsucht. Die Funken- Kabine, die verschlosfen war, wurde trotz des Protestes des Führers erbrochen und kurz besichtigt. Tie Zündkerzen wurden aus den Motoren herausges^chraubt und dadurch das Schiff mänövtterun- fältig gemacht.
In ber Zwischenzeit hatte sich eine große Volksmenge an- gesaMMett, die von den Soldaten nur mit Muhe zurückgehalten werden konnte. Das Luftschiff wurde militärisch abgesperrl und ein Drahtzaun herumgezogen. Erst gegen 5 lllyr wurde die Erlaubnis erteilt, mtt der Botschaft in Verbindung zu treten und sonstige Telegramme abzuschicken. 'Oberleutnant Brandeis übernahm es, die Telegramnte im Telegrophen-Burean aufzugeben. Auf dem Wege dortlfin im Automobil mit dem Bürgermeister von Luneville wurde er von der Menge infultirri, mit Steinen beworfen und das Automobil mit Knüppeln geschlagen. Aus spätere Beschwerde der Ossi zier wurde vom General Leseot erklärt, dast er für die Sicherheit der Offiziere außerhalb des abgesperrten Platzes nickt garan tieren könnte und riet ihnen, Ziv«ilan zug anzuziehen. Tie 'Offiziere verschafften sich sodarm Zivilkleider von den Monteuren oder was sie ionst noch zusammensuchten, da sie in Uniform ständig infultiert wurden.
Gegen 7 Uhr abends lud der General die Offiziere und den Führer zum Mendessen im Kasino ein: jedoch wurde diese Einladung rvgelehnt mit der Begründung, dast sie beim Schiff Bleiben müßten. Das Essen wurde dann für die vier Herren, auf den Platz gebracht. Vorher halte ber General dem Führer erklätt, dast seine Soldaten nicht dazu da seien, das .Schiff fest- zuhaltm, er soll dafür sorgen, daß er Baldmöglichst Arbeiter bekäme. Von dem Bürgermeister der Stadt Luneville wurden darauf 150 ArbeitCT gestellt zu 5 Frs. für die Nacht, um das Schiff zu halten und -die oolbaten abzulösen. Tie Mannschaft des Luftschiffes war mtterdessen unter ft e te r Belästigung b-er Soldaten beschäftigt, die Havarie am Heck des Schiffes zu reparieren. Während der ganzen Zeit liefen beständig Offiziere und Zivilisten, die die Erlaubnis von der Milctärbehvrde bekamen, durch das Schiff, trotz Protestes bes Führers und der Niann- schasl. Die Fvanzvftrr gebär bet en sich, als wenn das Schiff nicht -deutscher Grmtd und Boden sei, sondern ihnen gehöre. Ms der Führer und die Mamrschaft gegen halb 8 Uhr das Schiff wieder betreten wollten, mrt Vorkehrungen für die dcacht zu treffen, und die Wache im Schiff zu übernehmen, wurden sie von den vier Posten mit au f g e p fla nz»t em Seitengewehr vom Schiff z n r ü ck g e ft o st e n Mtt dem Bedeuten, daß sie nichts im Schiffe verloren hätten. Gegen 11 Uhr verdichtete 'ich der Nebel zum Regen. Durch die Belastung wurde das Schiff sehr schwer und die Lage immer gefährlicker. Das ganze Schiff war von hinten dis vorn durch Stützen unterm Saufgang gestützt.
Während der ganzen Nacht bis zuM nächsten Morgen 7 Uhr •mfuftten sich Führer mtb Mannschaft außerhalb des Luftschiffes auf halt en, dursten rttcht ans Schfff Herangehen, auch nickst das Schiff besteigen, dursten auch nicht die Verankerung fontrullitren, sondern wurden beständig durch die Wachtposten mit auf gepflanztem Settengewehr zurückgeschoben. Die Arbeiter versuchten in ieber Weise, das Schiff absichtlich zu beschädigen, folgten den Anweisungen des Führers in feiner Weise, und die Offiziere erklätten auf Bescheid fortwährend, daß sie über die Arbeiter keine Gewalt hätten.__
62 063 764
879 828 566
5 881
116 243
Weiber bessern könnten. Aber Wilau nm durch der Well zu bewegen, die Zauberntäsckine au? i.mein
——a—BB—»» .iinirMi—u m III» » 'M!
Frsttctt-rrrLSsdscha«.
Die Mode der „Frau in reiferen Jahren".
Eine der schwersten Mnste der Frau ist es, zu vetttehen alt zu werden, und das sclmnettgste Problem dieser Seltenen .^unft hegt gar häufig in der .Neiderfrage. Früher vollzog sich bicier K-om flirt, ber einmal im Leben ftder-Frau auftriti, nr einer iahen wnb gewaltsamen 'Form. Es tarn der Tag, da auch dm schönste, tue Jugenolis ftc, die so lange hartnäckig gegen den bösen Finnd gekämpft, fid, ein gestehen mutzte, dast sie alt geworden «er. Und bann blieb nichts weiter übrig: alle Hellen, bunten Farben müßten aus der Toilette verbannt werden und der Kapottehut wurde zur Notwendigkeit. . ._ v,
Heut ist das ganz anders geworden. Es gibt keine „iinrromr mehr für die ,-Fvau in reffen Jahren". Weitze Kleider, groste Hüte gehören nicht Mehr in das Land ber Sehistnchft nach dem sie wie nach entart eittschwundenen Paradiese zurücMntt Zn langsamen, kaum merklichen Wandlungen vollzieht sich das ult werben der Frau in ihrer Kleidung. Eine DaMe, die bereits int Herbst des Lebens steht, kamr heute Mtt einigen diskreten Mbanoe- rungen Kleider tragen, die ursprünglich für -ihre nock int Fnttchnä ber Jugend schwelgenden Genossinnen besttmMt sind. Atodclle für „alte Tam«t" werden kaum noch heransgebrächt. Mes, aber auch alles 'fami die reife Fran lanlegen, wenn sie nur genug-Fein gefühl und sicheren Geschmack besitzt, um die -Stimmung her Toilette ihrem grauen Haar anzupassen. Ein Schleier von sanft fließenveti Spitzeii dämpft die allzu kecke Farbensreude etnes Stoffes: eine etwas vollere Draperie lätzt den Schattenritz etwas schwerer und roürbiger erscheinen, als es bei den schlanken Limen einer iugendlict-en Trägerin nötig ist. So lässt fich jedes .^tteib gleichsam in eilte andere Tonatt umänbent, ans bem Dur der Zugenb m das Moll des Alters nMsetzen. Und die neuesten Moden find für diese „Transkttption" besonders geeignet. Tie Drapenen lassen sich so legen, batz auch Figuren, die bereits ein Zugeständnis an die ftahl der Jahre erfordern, vorleitlstift und doch dabei elegant erscheinen. Tunikeir aus Mousstlin, Schleier aus Tüll, Garnierungen ans Spitzen, Federbesätze, all das verleiht der Klei düng für die reifere Fran einen langsameren, gesetzteren Rhythmus. Früher Mutzten Die älteren Damen als HauptgarmCTUng Jetperlen wählen Tie i'lnnahme dieser Garnitur kam einer Verurteilung gleich miau verseifte sich selbst ins „alte Register". Jetzt tragen die jüngsten Frauen Jet in Tages- und Abendtoiletten: cS wird sogar bei dcr Garnierung von Hüten gebruncht, mib so Müssen d.'iin die Gros'Mütter sich zu jüngerem Schmuck' bequemen, tragen lei elfte Seidensticlcreien usw. Im Zimmer trägt die Frau, die den Herbst ihres Lebens iid, noch durch die Mode persMnen lässt, mit Vor liebe weifte KleidCT mit schwarzen oder wertzen Chantilltzspitzen,
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