Ausgabe 
27.8.1913 Zweites Blatt
 
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Er legte folgende Entschließung vor, die angenommen wurde:

Der Deutsche Zentralverband für Handel und Gewerbe möge Mit aller Energie danach streben, daß ein Zusammenschluß aller deutsclien Detaillistenvcrbände herbeigeführt werde, weil nur da­durch die Möglichkeit gegeben ist, daß der Detailhandel btc ihm nach seinem Umfange und seiner Bedeutung für btc Warenver­teilung und Warcnversorgung gebührende Stellung erlangt. Der Deutsche Zentralverband für Handel und Gewerbe möge zunächst den Zusammenschluß mit der Zentralveremigung deutscher Ver­eine für Handel und Gewerbe (Berlin), erstreben."

Zur Neuregelung der Sonntagsruhe int Handelsgewerbe, worüber Röhr (Hamburg) berichtete, wurde folgende Entschließung angenommen:

Der Zentralvcrband wolle beschließen, an maßgebender Stelle dahin vorstellig zu werden, daß bei Neuregelung dar Sonntags­ruhe im Handelsgewerbe das Z u e nde bedi e n e n der vor dem gesetzlichen Schluß anwesenden Käufer gestattet wird und daß Ge­meinde oder ein weiterer Kommunalverband die dreistündige schäftigung für alle oder einzelne Gewerbszweige nur Mit Genehmi- gimg der höheren Verwaltungsbehörde einschränken kann, nachdem die Etlichen und handelsgewerblichen Vertretungen gehört wor- den sind." _ ,

Weiter sprachen Stadtrat Seifert (LerMg) über Kavps gegen das Zugabeunwesen, und Rechtsanwalt Kohl man n (Dres­den), der Vorsitzende des Vereins gegen Unwesen m handel Und Gewerbe zu Dresden, über verschleierter Etagen­handel von Beamten und Privatpersonen.

Die Versammlung erörterte dann das Thema: Unlauterer Wettbewerb int Handel und Gewerbe". Krause (Berlin) Mach über Selbstkostenpreis plus 10 Prozent '^r Redner erwähnte, daß man gegen diese unlautere Monte W längerer Zeit vorgehe, sedoch bisher ohne reden Erf^g. Schließ­lich/ sprach noch das Mitglied der Handelskammer Kassel Georg -^Sa^ßon^ Inventur- und andere Ausverkaufes. Er befürwortete folgenden Antrag:Der Deutsche Zentralverband hält eine Erweiterung der 88,7 und 9 des UWG. am rm Ver­laufe des regelmäßigen Geschäftsbetriebes erwlgende Ankündigun­gen besonderer Veranstaltungen, wie z. B.Wethe Wock)e , ^.Kinderwocheit",Populäre Wochen",Reklamewochen ,Ul­timotage",Serientage",^lusnahntetage" usw., die an sich.Ver­sprechungen von Vorteil nicht enthalten, beim Publilum aber die Auffassung besonders günstiger Angebote erwecken, für er-

Der Antrag wurde angenommen, und hierauf die Weiter­beratungen auf morgen (Mittwoch) vertagt.

Aus Stadt Mnd lkamd.

Gießen, 27. August 1913.

**SpinaleKinderlähmung. Mit Rücksicht auf das häufigere Auftreten der spinalen Kinderlähmung in den Provinzen Rheinhessen und Starkenburg, sowie in ^>en be­nachbarten Teilen des Großherzogtums Baden während der letzten Monate hat das Ministerium die Großh. Kreisämter, in deren Dienstbezirk diese Krankheit nicht anzeigepflichtig ist, angewiesen, darauf bedacht zu sein, daß die spinale Kinder­lähmung alsbald unter die Krankheiten in der Polizeiver­ordnung, betreffend die Bekämpfung ansteckender Krankhei­ten, ausgenommen wird, über deren Auftreten in jedem Ein­zelfall die vorgeschriebene Anzeige zu erstatten ist.

**S ch l a f st e l l e n d i e b." In den letzten Tagen hat sich hier ein angeblicher Schuhmachergehülfe an zwei ver­schiedenen Stellen eingemietet unter der Angabe, er habe bei einem hiesigen Meister Arbeit genommen. Er verschwand aber bald und stahl seinem Logisgeber Geld, Uhr und Klei­dungsstücke, je nachdem er ergattern konnte. Da er seine Arbeit" noch weiter fortsetzen dürfte, sei vor ihm gewarnt. Er ist etwa 34 Jahre alt, mittelgroß und hat schwarzen Schnurbart.

Landkreis Gießen.

Grünberg, 25. Aug. Der Ortsg ewerbeverein Grünberg hat beschlossen, den Unterricht in der gewerblichen Fortbildungsschule, der seither an den Sonntagen vormittags von 8 bis 11 Uhr stattfand, für die Zukunft an Wochentagen abzuhalten. Der Unterricht soll, wenn möglich, das ganze Jahr hindurch, und zwar an den Mittwoch-Nachmittagen, siattfinden. Andere Städte haben diese zeitgemäße Aenderung schon eingeführt und damit gute Erfolge erzielt.

Kreis Büdingen.

§ Nidda, 26. Aug. Bahnhofsvorsteher Dörr ist von hier nach Förderstedt im Direktionsbezirk Magdeburg versetzt und zum Vorsteher I. Klasse befördert worden. Er wird am 1. September seine neue Stelle antreten.

Kreis Alsfeld.

s. O b e r o h m e n, 27. Aug. Bei der 'Gemeinderatswahl fielen von 104 abgegebenen Stimmen auf Hrch. Krebs HI. 70 Stimmen, auf Heinrich Keil 67 Stimmen und Kaspar Kratz 63 Stimmen. Letzterer war schon Mitglied des .Ge­meinderats.

Kreis Lauterbach.

^ Grebenyain,26. Aug. Während d-er diesjährigen Herbstübungen wird in der Nähe des hiesigen Bahnhofs ein Manöverp-roviantcrmt mit einer Mdbäckerei errichtet. Das erforderliche Heu und Stroh wird von Landwirten aus der hiesigen Gegend angekaust, während der Hcrfer aus den Proviantämtern der Garnisonen geliefert wird, da infolge der schlechten Haferernte im vorigen Jahr im Vogelsberg kein alter Hafer zu bekommen ist.

Kreis Schotten.

-- S ch o t t e n, 26. ^lug. Gestern fand im nahen Lehrer­heim die 16. Ludwigstagskonferenz der hessischen Lehrer statt, wozu sich besonders zahlreich Lehrer aus dem südlichen Oberhessen mit ihren Familienangehörigen eingefunden hatten. Lehrer Lrn k-Rudingshain leitete die Versamm­lung. Nach einer herzlichen Begrüßung der Erschienenen brachte er ein Hoch auf Kaiser und Großherzog aus. Als­dann schilderte Lehrer Koch aus Friedberg die Verdienste der hessischen Landesfürsten um die Volksbildung und den Opfermut und das Wirken der bedeutendsten Pädagogen des vorigen Jahrhunderts von Pestalozzi bis Diestcrweg. Seine sehr beifällig aufgenommene Rede schloß mit einem Hoch auf das Vaterland. Gesangs-, Musikvorträge und Tanz boten den Gästen des Lehrerheims noch einige vergnügte

Stunden. ,

Kreis Friedberg.

q Friedberg, 26. Aug. Heute morgen wurden pol­nische'Arbeiter, die gestern im Stadtteil Fauerbach einen Arbeiter stachen, geschlossen van Schudleuttii an das Ge- richt geführt.' Heute nacht wurde IN den Laden des Schuh- Warenhauses Spier einqcbrachen. Die Drehe nahmen ihren Weg über die Hosmaner. Sie drangen tn den -aden, nahm n jedoch nur wenigl^, 26 $nl Sainstaa wurde fcerrn Professor Winderstein ein 12iahrrger Knabe, welcher bis jetzt den Unterri^ von Prof ,^mo Hubay in Budapest genossen hat, als Pi olru f pi e lc r

vorgestellt. Der Knabe, D u c i K e r e k j a r t >o ist sein Name, spielte so hinreisend schön, daß sich Pvof. Winderstein ver­anlaßt sah, chn sofort für ein Auftreten im hiesigen Kur­haus zu empfehlen. Da der kleine Geiger nur wenige Tage hier in der Nähe bleibt, so war es notwendig, ihn bereits für das allernächste Konzert anzusetzen. Er hat übrigens in der vorigen Woche in den Konzerten zu Ostende, Scheve- ningen und Blankenberghe gespielt, und hat fabelhaftes Aufsehen erregt. Prof. Winoerstein erklärt ihn für das größte Violintalent, welches ihm bis jetzt vorgekommen sei. Der gleiche Abend bringt uns auch noch die Bekanntschaft des Konzertsänaers Ernest Plan ton aus Frankfurt a. M.

h. Vilbel, 26. Aug. Auf dem hart an der Nidda be- legenen Gronauer Hof gingen gestern nachmittag mehrere große Weizenhaufen in Flammen auf. Die Dreschmaschine konnte gerettet werden. Ter angerichtete Schaden beläuft sich auf mehr als 20 000 Mark.

Hessen-Nassau.

Die Rhein-Nahe-Ecke und der Bau der Eisenbahn Büdesheim-Sarnsheim.

ch Die Arbeiten an dem Bau der strategischen Brücke zwischen Rüdesheim und Kempten sind in vollem Gange und wenn sie so wie seither gefördert werden, dann wird die Brücke zu dem vorgesehenen Termin, zum Spätjahre 1914, sicher fertig. Es ist schade, daß diese Brücke nicht auch die notwendige Verbreiterung des Fußgängerfteiges erhielt, um einmal die Anlage einer elektrischen Bahn, zu anderen den Fuhrwerksverkehr zwischen den beiden Rheinufern zu ermög­lichen. Die Bewohner der beiden Ufer hätten an einer sol­chen Erweiterung ein großes Interesse. Nun soll aber Büdes­heim am Scharlachberg einen Bahnhof erhalten, der in direk­ter Verbindung mit der neuen Bahnlinie steht, das heißt dieser große Platz soll endlich einen unmittelbaren und direk­ten Bahnanschluß erhalten. Damit würden wenigstens die Interessen des kleineren Teilhabers der preußisch-hessischen Eisenbahn einigermaßen berücksichtigt, und würde die Bahn­linie nicht lediglich darauf beschränkt, den hessischen Eckzipfel unter Umgehung der nächsten Stadt Bingen zu durch­queren, damit würde hessisches Gebiet einen Bahnhof, Büdes­heim unmittelbaren Bahnanschluß und Bingen eine indi­rekte Verbindung mit der neuen Bahn erhalten. Also ist dieser Entschluß durchaus zu billigen und seine Durchfüh­rung unter allen Umständen zu wünschen, auch dann, wenn Büdesheim am Scharlachberg wegen seiner keineswegs glän­zenden finanziellen Lage die nötigen Mittel nicht allein auf­bringen kann. Da Büdesheim dies nicht vermag, muß der Kreis; die Provinz, ja das ganze Land einspringen, denn das ganze Großherzogtum Hessen ist in ganz außerordentlichem Maße daran interessiert, daß die neue Eisenbahnlinie Bü­desheim-Sarnsheim eine Station auf hessischem Boden in der Nähe der Kreisstadt Bingen an dem großen Orte Büdes­heim am Scharlachberg erhält, daß der lobenswerte Ent­schluß, diese Station zu schaffen, nicht an der nicht zureichenden Finanzkraft Büdesheim scheitert. Mußte doch Büdesheim z. B. zu der Uferregulierung der Nahe einen erheblichen Bei­trag leisten, ohne daß es an dieser Kulturarbeit im gleichen Maße auch interessiert war.

*

I. Bringhausen im Edersperrgebiet, 26. Aug. Das neue Dorf Bringhausen wird am Daudenberg an der Straße nach Hemfurt erbaut. Der Umzug vom alten nach dem neuen Dorf findet zwischen 1. Oktober und 1. November statt. Die Wasserleitung ist vollendet, 25 Hofreiten sind fertig, bezw. nahezu vollendet. Das neue Dorf wird an­fangs 120 Einwohner zählen.

h. Idstein, 26. Aug. Den Bewohnern des Gene­sungsheims für Unteroffiziersfrauen ließ die Kaiserin eine Fülle von Obst und sonstigen Nahrungs- und Genußmitteln übersenden, der Bibliothek spendete sie eine Auswahl Roseggerscher Dichtungen, die Verwalterin erhielt eine Brosche. Auch stellte der Kaiser dem Heim 500 Mark zur Verfügung.

ueßen. Das Schöffengericht Lich hatte die Privatklage des R. aber ztrrückgewiesen und auf Freisprechung erkannt, da eine bestimmte Bezeichnung des Privatklägers nicht erfolgt sei. Tie Strafkammer hob dieses Urteil aus und erkannte gegen M. aus eine Geldstrafe von Mk. 40., da den Umständen nach nur der Privatkläger hätte gemeint sein können.

Berusungsoerwersung.

Der Viehhändler St. hatte in Gießen am Tage vor einem Vieh- markttage ein Stück Vieh verhandelt, ohne Wandergewerbestener entrichtet zu haben. Aus seinen Einspruch gegen den Strafbescheid, der eine Ordnungsstrafe von Mk. 10. gegen ihn sestsetzte, bestätigte das Schöffengericht die Bestrafung. Seine Berufung hiergegen wurde verworfeit.

verelnrnachrlchten.

O L a u b a ch , 26. Aug. Ter Schützenverein hielt am Sonntag und Montag sein diesjähriges Hauptschießen ab, zu welchem am Montag eine große Anzahl auswärtiger Schützen­brüder eingetroffen waren. Am Sonntag errang die Ehrenscheibe und den 1. Preis Malermeister Christoph Rühl, den 2. Preis auf die­selbe Schützenmeister Arnold Enders. Der zweUe Tag brachte folgendes Ergebnis: Tie Ehrenscheibe und 1. Preis Neumann, Schotten, 2. Preis Aug. Ernrnelius, Laubach, 3 Preis Christoph Rühl, Laubach. Aus dem Au'legesland blieb erster mit 35 Ringen Neumann, Schotten, zweiter mit 35 Ringen Pascoe, Gießen, dritter mit 35 Ringen Guth, Wetzlar, vierter mit 35 Ringen Arnold Enders, Laubach, fünfter mit 35 Ringen Georg Hill, Alsfeld. Auf dem Wildstand blieb erster mit 33 Ringen Pascoe, Gießen, zweiter mit 30 Ringen H. Schmidt, Laubach, dritter mit 29 Ringen Nikolaus, Gießen, vierter mit 27 Ringen Gonther, Röthges, fünfter mit 27 Ringen Arnold Enders, Laubach. s2htf dem Freihandstand blieb erster mit 53 Ringen Lehning, Büdingen, zweiter mit 50 Ringen Pascoe, Gießen, dritter mit 50 Ringen Fr. Rud. Stotz, Laubach, vierter mit 50 Ringen Rud. Malkmus, Älsseld, sünster mit 49 Ringen Tuchard, WlSfelb.

wandern und Reifen, Räder und Sommerfrischen.

D i e Verwaltung des Bades Wildungen teilt uns mit, daß für die Besucher des Bades, die nach dem 81. Anglist dort die Kur beginnen, in diesem Jahre zum ersten Male große Ermäßiglingen eintreten, und zwar: 1. Ermäßigung der Kurtaxe auf die Hälfte, 2. Ermäßigung sämtlicher Bäderpreise auf die Hälfte, 3. Ermäßigung der Zimmeroreise in den der Verwaltung gehörigen Hotels Fürstliches Badehotel und Europäischer Hof aus die Hälfte. Eine ähnliche Ermäßigung der Zimmerpreise findet auch in vielen anderen Hotels und Villen statt.

Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Gießen, 26. August.

In der Samstags-Nummer dieses Blattes beklagt fich ein An­wohner über das störende Gerällsch einzelner Züge auf den Ober- hesnschen Bahnen. Er erhofft Abhilfe, andernfalls er alle In­teressenten allffordert, gemeinsam und mit allen zu Gebote stehenden Mitteln vorzugehen.

Nach meinen Erfahrungen dürfte aber leider auch von gemein­samem Vorgehen wenig Besserung zu erwarten sein.

Hat man doch ju vielen Malen sich darüber beklagt, daß große frei laufende Viehherden durch die Bahnhofstraße getrieben werden, dadurch der Verkehr gehemmt, die Sicherheit aus der Straße gefährdet und Zustände geschaffen werden, die nicht nur auf unsere Jugend verrohend zu wirken geeignet, sondern überhaupt Gießens unwürdig sind.

Eine von fast sämtlichen Häuserbesitzern und Anwohnern der Bahnhof st raße und des vorderen Teiles der West-Anlage unterschriebene Bittschrist ist unserer Polizeibehörde schon vor langer Zeit zugegangen. Man erhoffte Abänderung dieser traurigen Zustände dadurch begründet, daß die Möglichkeit zur Abhilfe vorhanden, eine Ausladestelle für Vieh in der Öammstraße bereits geschaffen war. Die Polizeibehörde zeigte Interesse für diese sehr begreiflichen Wünsche. Lediglich die Bahn scheint nicht dazu gebrachtwerden zukönnen, die Viehtranspo^tzüge umzurangieren. Man hat bis jetzt auf berechtigte Klagen einer großen Anzahl Gießener Bürger wenig Rücksicht genommen. Jeden Tag kann man durch die Viehtransporte veranlaßte skandalöse Atlstritte wieder mitansehen.

Sollten nicht energisches Vorgehen unserer städtischen Behörden und erneutes (Eintreten für so oft und allseitig geäußerte Wünsche Abhilfe schaffen und erreichen können, daß die Bahn den Wünschen des Publikums sich nicht einfach verschließt?

Wahrhaft herzlichen Dankes könnten unsere Behörden in jedem Falle versichert fein.

Gießener Strastammer.

)( Gießen, 26. August. Aussetzung b er Verhandlung

erfolgte in der Strafsache gegen den Arbeiter Daniel S. von Ober­gleen, der vom Großh. Schöffengericht Greßen wegen Bettelns mit Haft und Ueberroeifung an die Landespolizeibehörde bestraft worden war, aber nur wegen der Ueberroeifung Berufung eingelegt hatte. Da der Angeklagte heute behauptete, er fei wegen einer Augen- krankheit arbeitsunfähig, beschloß die Kammer, über die Wahrheit dieser Behatiptung Erkundigungen einzichen zu lassen.

52 mal vorbestraft

ist der Konditor Friedr. W. von Neustadt a. d. Saale, den das Schöffengericht Gießen wegen Bettelns außer mit Haft mit Ueber­roeifung an die Landespolizeibehörde bestraft hatte. Seine Be­rufung erstrebt Abnahme der Ueberroeifung; sie wurde indessen als unbegründet zurückgewiesen.

Freigesprochen

wurde der Kaufmann Albin S. von Fulda, den das Schöffen­gericht Vilbel roegen Bettelns mit Hast und Ueberroeifung an die Landespolizeibehörde bestraft hatte. Tie Strafkammer war bei Ansicht, die Behauptung des Angeklagten, er habe bei dem Bürger­meister nicht betteln wollen, sondern um Armenunterstützung an- gehalten, sei nicht zu widerlegen.

Zur Verhandlung ausgeblieben

war der Metzger Wilh. N. von Frankfurt a. M., der von dem Schöffengericht Vilbel wegen Fischens ohne Erlaubniskarte mit Mk. 15 bestraft worden war. Seine Berufung gegen dieses Urteil wurde daher verworfen.

Zurücknahme der B e r u f u n g erfolgte in der Privatklagesache des Wilh. Dörr III. in Großen- Buseck gegen die Ehesrau Ludw. Müller daselbst.

B e r it i u n g s v e r w e r f u n g.

Ter Straßenwarl Konr. I. in Alsfeld hatte auf dem Bankett der Kreisslraße nach Romrod ein Feuer angezündet, das out den angrenzenden Wald übersprang. Auf seinen Einspruch gegen den Strafbefehl war er freigesprochen worden, weil ein fahrlässiges Handeln nicht feststellbar sei. Tie Straskammer schloß sich dieser iluffafiung au und verwarf die Berufung der Staatsanwaltschaft.

B e r u f u n g s v e r iv e r s u n g.

Der Schmied Aug. I. von Rohrbach ist von dem Schöffen­gericht Gießen roegen Bettelns mit Haft und Ueberroeifung bestraft worden und will mit feiner Berufung lediglich Abnahme der Ueber- iveifung erzielen. Sie wurde indessen als unbegründet kostenfällig znrückgewiesen.

In der Privatklagefache

des Georg I. in Gießen gegen den Karl W. daselbst wird dem Angeklagten zur Last gelegt, die Ehefrau des Privatklägers miß- imubelt zu haben. Das Schöffengericht hielt den Angeklagten füti i berfübvt und hatte ihn in Strafe genommen. Auch die Straf­kammer war der Meinung, daß dem Angeklagten die Tat nach- gewiesen fei, und wies deshalb seine Berufung und weiteren Beweisanträge zurück.

Erfolgreiche Berufung.

Der Landwirt Herrn. M. in Birklar hatte über den Täter eines C.hillsalpeter-Tiebstahls Andeutungen gemacht, die die Zu­hörer in dem Maurer Otto R. in Birklar deü Dieb vermuten

Am vorderen Schiffenberger Weg ist jetzt wiederholt in Keller eingebrochen morden. Es fällt dort den Spitzbuben auch leicht, denn nach 12 Uhr herrscht die größte Finsternis, trotz der beiden noch brennenden Nichtungslaternen. Die Bäume auf der einen Seite nehmen das Licht auf, werfen es aber nicht wieder zurück, wie wenn Häuser daständen, so daß der Weg kurz nach einer Laterne wieder vollständig, dunkel ist. Die Stadtverwaltung darf vielleicht gebeten werden, in dieser einsamen, nachts wenig begangenen Straßc alle Laternen brennen zu lassen, zum Schutz der Anwohner.

Mehrere Bewohner des vorderen Schiffenberger Wegs.

Märkte.

ka, Frankfurt a. M., 26. Aua. Heu- und Strohmarkt. Angefahren waren 7 Wagen Heu. Stroh fehlte. Man notierte: Den 2,602,90 Mk, Stroh (Kornlanqstroh) 0.000.00 Alk., Wirr- stroh 0,000,00 Mk. Alles je 50 Kilo. Geschäft gedrückt. Die Zufuhren waren aus Oberhessen mtb aus den Kreisen Hanatt und Dieburg.

le. Frankfurt a. M. Schweinemarktbericht vom 27. Aug. Aufgetrieben waren 1592 Schweine. Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 kff Lebendgewicht 63.0065.60 Mk., Schlachtgewicht 80.0082,00 Mk., vollsleifchige Schweine unter 80 KZ: Lebendgewicht 62.0067.00 Mk., Schlachtgewicht 79.0082.00 Mk.: vollfleifchige Schweine von 100120 kg Lebendgeivicht 62.0065.00 Mk., Schlachtgewicht 80.00H2 Mk.: vollfleifchige Schweine von 120 bis 150 kg Lebendgewicht 62.00-65.00 Mk^ Schlachtgeivicht 8082.00 Mk. Geschäft mittelmäßig, bleibt Ueberstand.

Je. Frankfurt a. M., 27. Aug. (Orig.-Telegr. de?Gieß. Anz.*) sämtliche Notierungen der heutigen Fruchtinarktprei >e. Weizen (hiesiger) 20.2520,40, Kurhessiscber Mk. 20.25.-20.30, Wetterauer Mk. 00.0000.00. Roggen (hiesiger) Alk. 16.50 bis 16.61», Gerste (Wetterauer) Mk. 17.0017.50, Gerste, Frauken, Pfälzer, Ried Mk. 17.1)017.50, Hafer Mk. 17.0019.00, Mais Mk. 14.40 bis 14.60, Weizenmehl 0 Mk. 82.5032.75, Weizenmehl I 9)lt. 80.6030.75, Weizenmehl III Alk. 27.2o27^0, 9ioggen- ,nehl 0 Mk. 27.7528.00, Roggemnehl 0/1 Mk. 26.5026.75, Roggenmehl I Mt. 00.0000.00, Weizenkleie Mk. 9.15-9.25, Weizenschalen Mk. 9.35-9.50, Roggenkleur WU. 1L10-11.25, Malzkeime Ml. 12.0012.25, Biertreber 12.25-12.o0, Raps M. 29.0030.00, Futtergerste Mk. 00,0000,00. Alles per 100 Kg. ab hier.

fc. Frankfurt a. M., 27. Aug. (Orig.-Telegr. de? ,Gieß. Anzeigers*.) Karto sfel markt. Man notierte: Kartoffeln meue) tu Waggons Mk. 3.75-4.50, im Kleinhandel Mk. 5.506.00 fuc je 100 Kg.________________________ --

Verantwortlich für den gesamten rcdättivnellen Teil: Aug. Goetz.

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