Ausgabe 
19.11.1913 Zweites Blatt
 
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165. Jahrgang

Nr. 272

Zweites Blatt

Erscheint tiiglich mit Ausnahme deS Sonntags.

Meteorologische Beobachtungen der Station Sichen.

Nov.

Wetter

1913

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17. bis 18. November

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Niederschlag: 2,0 mm.

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Englische Lisenbahnverftnattichungr-Abjichten.

Nicht ohtw Neid beobachtet man schon seit Jahren in England die glänzenden Erfolge der deutschen Eisenbahnen !seit ihrer Verstaatlichung. Die Ueberschüssc fließen in die Staatskasse und sic sind in Preußen sehr ansehnlich. Die Frachtsätze sind einheitlich geregelt, werden veröffentlicht, sind mäßig, enthalten keine ungerechten Begünstigungen einzelner Interessen oder Gegenden. Es bestehen in Deutsch­land keine großen monopolisierten Eisenbahngesellschaften mit weitgehenden Einflüssen auf Gesetzgebung und Verwal­tung durch Vermittlung gefügiger Parlamentarier. Bei den deutschen Eisenbahnen gibt cs keine Sinekuren mit Minifter- gehältcrn, dagegen zahllose tüchtige Kräfte, die sich mit dem »bescheidenen Einkommen hoher und mittlerer Staatsbeamten «begnügen und ihr Bestes leisten. Große Eisenbahnarbeiter- «russtände. wie sic in England wiederholt vorgekommen sind mnd bedenkliche Verkehrsstockungen zur Folge gehabt haben, waren bisher in Deutschland nicht zu beobachten und sind unter der staatlichen Organisation so gut wie ausgeschlossen. Anscheinend ist es dieser letztere Umstand, der die leitenden Kreise in London veranlaßt hat, einen Königlichen Aus­schuß zur Untersuchung des gesamten Eisen­bahnwesens einzusctzen mit dem Auftrage, Vorschläge zur Veränderung des Verl)ältnisses zwischen dem Staat und den Eisenbahngescllschaftcn vorzuschlagen. Die Sensationspresse -erblickt in der Berufung dieses Ausschusses bereits einen ersten Schritt zur B e r st a a t l i ch u n g der englischen Eisen- "bahnen.

Bis es dahin kommt, wird noch viel Wasser aus der Themse ins Meer fließen. Königliche Ausschüsse zur Unter­suchung der Mißstände im Eisenbahnwesen wurden bereits wiederholt eingesetzt, haben auch verdienstlich gearbeitet und bie Abstellung einzelner Mißstände in die Wege geleitet, aber im großen und ganzen an dem Privatbahnsystem nicht ge­rührt, obwohl gerade dieses System mit seiner Praxis den mauchesterlichen Grundsatz, daß auch der Eisenbahnverkehr sich am besten bei freiem Wettbewerb entwickelt, von Grund ans über den Haufen geworfen hat. Mit Hilfe der freien Konkurrenz ist in England das Eisenbahnwesen zu einem Monopol mächtiger Privatgesellschaften gc- tvorden... Seitdem die Engländer zwischen den deutschen und englischen Eisenbahnen Vergleiche ziehen, spotten sie nicht mehr über ,,das rückständige Deutschland". Die deutschen Ei­senbahnen stehen technisch hinter den englischen Privateisen­bahnen nicht zurück. Wirtschaftlich, sozial und finanziell be­kunden sie Vorzüge, die in Deutschland noch weit mehr der­jenige zu schätzen weiß, der die Mißstände des Privatbahn­systems in England wie in Frankreich und in der nordameri­kanischen Union aus unmittelbarer Anschauung kennen ge­lernt hat. An eine Verstaatlichung der englischen Eisenbah­nen ist aber in absehbarer Zeit nicht zu denken. Fast unüber­windlich sind die finanziellen Schwierigkeiten, die im Wege stehen. Die Sache würde zu kostspielig werden. Sodann fehlt es in England an einem Stamme vorgebildeter tüchtiger Staatsbeamten, wie er in Preußen und Deutschland zur Ver­fügung stand, als das große Unternehmen durchgeführt wurde. Sollten die Engländer wirklich einmal zur Verstaat­lichung ihres Eisenbahnwesens kommen, so werden die Klugen und Äufrichtigen unter ihnen sich mindestens unter vier Augen sagen: Made in Germany!

Höchste Temperatur am

Niedrigste , *

Mittwoch, 19. November 1913

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheo Unwersttäts - Buch- und Steindruckerei.

9L Lange, Gießen.

DieSiehener ywntlknbiatter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigeiegt, das Nreirblatt für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Redaktion, Expedition und Dnickerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: e^K öl. Redaktion: ^SSl 12. Tel.-Adr.: AnzeigerEießen,

Eingesandt.

sFür Form und Inhalt äller unter dieier Rubrik stehenden Artikel iwermmmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feinerlei

Verantwortung.) ~

Gießen, 18. Nvv.

Verehrte Redaktion!

Auch heute will ich Herrn Löber nicht antworten ,sondern kann nur darauf verweisen, was ich neulich schrieb.

Wenn Herrn Löber die Auseinandersetzungen an ,/nwerer Stelle" zu lange dauern, so glaube ich ihm das Warten durch Gründlichkeit ersetzen zu können: nachher wird es Zeit ent, ine Oeffentlichkeit zwischen Herrn Löber und mir entscheiden zu la,sen

Macht es Herrn Löber Vergnügen, mich in der Rolle des geknickten Sünders" vorzuführen, der ihm so eine Art Wbbtttc zu leisten hätte, so kamt ich darauf sagen, daß Herr Löber MM'zu den Leuten gehört, vor denen ich ins Mausloch krieche.

E. Krumm.

Airchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Heute, Mittwoch, den 19. November, abends 8 Uhr: Btbel- st unbe im Johannessaale. Vlarrer Aus \ e l d.

Donnerstag, den 20. November, abends 8 Uhr 2 Bibel- stunde. (Brief des Jakobus.)Plärrer Schwabe.

vermischter.

" Die KehlkoPferkrankung in der Tuberkulose­fürsorge. Tie häufigste Erkrankung der Lungentuberkulose ist die Tuberkulose des Kehlkopfes. In derDeutschen Medizinischen Wochenschrift" stellt Dr. A. Barth, Leipzig, eine Untersuchung, darüber an, ob die hieran Erkrankten ebenso in der Tuberkulose­fürsorge Berücksichtigung verdienen, wie z. B. dir an Lungentuber­kulose Erkrankten: ob ihnen diese Berücksichtigung zuteil wird und mach welcher Richtung hin wohl eine Besserung in den bestehenden Verhältnissen zu erstreben wäre. Dr^ Barth kommt dabei zu fol­gendem Ergebnis: Mit allen Universitätskliniken ist, um den an­gehenden Aerzten eine genügende Ausbildung geben zu können, eine inbezug auf Pflege, Ernährung und Behandlung den modernsten hygienischen Forderungen entspreck>ende Abteilung für Lungen­tuberkulose einzurichten, sowohl für Männer, wie auch für Frauen. Die an dieser Abteilung tätigen Assistenzärzte müssen besonders geschult sein. Besondere Schulung in der Untersuchung und Be­handlung des Kehlkopfes ist vor allem notwendig auch für den Arzt, dem in erster Linie die an Kehlkopftuberkulose Erkrankten unterstellt sind. Die Abteilung für diese Kranken könnte der für Lungentuber' kulose angegliedert werden. Besser aber wäre sie unter der Aufticht des Laryngologcn (Kehlkopffachmannes) zu stellen. Damit erhebt sich dann aber auch die Forderung, daß an jeder Universität nicht nur eine stationäre Abteilung für Kehlkopf!ranke einzurichten, son­dern daß mit dieser, aber in getrennten Räumen, neben der der inneren Klinik, eine Abteilung rur Tuberkulose der Atemwege zu verbinden wäre. In allen Sanatorien für Lungenkranke müssen auch solche mit Kehlkopfleiden ausgenommen und entsprechend be­handelt werden. Ist das nicht möglich, so soll von den Sanatorien eine allen Aerzten xugiängliche Liste aufgestellt werden, aus der zu ersehen ist, in welchen Anstalten eine geeignete Behandlung von Kehlkopfkranken stattfindet. Es könnten vielleicht auch einige An­stalten gegründet werden, die vortviegend oder auch nur Kranke mit Kehlkopftuberkulose aufnehmen. Alle Aerzte sind im Staats­examen auch in der Laryngologie von einem Fachvertreter zu prüfen. Alle Surrogate für diese Prüfung sind wertlos. Aerzte, die sich vorwiegend mit Erkrankungen des Kehlkopfes befassen, haben außerdem noch eine besondere Ausbildung in diesem Fach nachzuweisen. Zu diesen Aerzten zählt Dr. Barth wegen der Wich­tigkeit und !y\tufigfeit der Mitbeteiligung des Kehlkopfes bei Lungen­tuberkulose vor allem auch die leitenden Aerzte der Anstalten für

Konserven.

Die Haupteinmachezeit ist vorbei, die HauSsrau hat ihre Schätze ,in der Speisekammer aufgebaut und hofft, daß sie sich recht lange halten sollen. Ob ihre Hoffnungen in Erfüllung gehen, hangt allein jbavon ab, ob die Konserven nach den Regeln der Hygiene her- gestellt sind, so daß ihre Feinde aus dem Reiche der Kleinlebe- iwesen, Bakterien und Schimmelpilze, getötet oder dauernd lahm- gelegt sind.

Unter welchen Bedingungen bteS der Fall ist, hat jüngst der 'Würzburger Hygieniker Professor K. B. L e h m a n n in einem Vor­fragelieber die Konservierung der Nahrungsmittel vom Stand- , punkte der Gesundheitspflege^ dargestcllt, den jetzt die .Deutsche Revue" mitteilt. Während Schimmelpilze auf ziemlich trockenem Boden gedeihen und, wo sie sich augcsiedelt haben, den Geschmack verderben, dabei aber selten gesundheitsschädlich sind, können Bakterien, die einen feuchteren Nährboden erfordern, gesundheits­schädlich sein und sind insbesondere deswegen gefährlicher, weil sie Sporen Dauersormen bilden, von denen manche Tempe­raturen bis zu 120 Grad dreiviertel Stunden hindurch vertragen. Mit diesen Grundkenntnissen kann man einen Kriegsplan zur Hygiene der Konservenbüchse durchführen. Das beste Konscrvierungs- inittel überhaupt ist die Abtötung der Mikroorganismen durch Hitze und Aufbewahren der fetmfret gemachten Nahrungsmittel in lust- dicht abgeschlossenen Gefäßen, so daß keine neuen Kleinlebewesen hinzutreten können. Tas Erhitzen geschieht gewöhnlich bei 80 bis 100 Grad auf eine halbe Stunde; dabei sterben alle vegetativen Bakteriensormen und die leichter tötbaren Sporen ab. Es können nock) widerstandsfähige Sporen am Leben bleiben, doch können diese meistens nur bei höheren Temperaturen auskeimen und so die Kon­serve verderben. Kühle Aufbewahrung der Konserven ist also ein Mittel dagegen. Im großen Maßstäbe werden Konserven gewöhn­lich hergestelll, indem die Nahrungsmittel in geschloßenen Büchsen aui 100 Grad oder mehr erhitzt werden. Für das Haus hat sich der Luitdruckverschluß der erhitzten Konserven gut bewährt, z. B. der, bei dem eine Glasdose durch Gummiring und Feder verschlossen gehalten wird; während des Kochens im Wasferbade entweicht Damvf und bei der folgenden Abkühlung verschliem der Luftdruck den Deckel lüft- und kcimdicht. Die Industrie stellt Konserven in Weißblechbüchfen her, deren Verschlüsse gesalzt sind, so daß nur eine Längsnaht gelötet wird. Solche Konservenbüchsen entsprechen den Anforderungen der Hvgiene durchaus ; ist der Inhalt verdorben, so verrät sich dies gewöhnlich dadurch, daß sich die Wandungen nach außen verwölben (.Bombieren"), weil lebende Bakterien Gas entwickeln. t , ,r,

Der zweite Weg der Bekämpfung der Klemlebeweien ist die

Hemmung ihrer Entwicklung durch Trockenheit oder Kälte. Diese

fc. Höch st a. M., 17. Nov Kindes Mißhandlung. Die aus Burg-Gemünden im Kreise Alsfeld gebürtige Ehefrau Katha- tüte M arx, geb. Jacobi, von hier, war vom hiesigen -schösten- gerichl in zwei Wochen Gefängnis verurteilt worden, weil sie in den Jahren 1912-13 ihren 12jährigen Stiefsohn auS den geruig- sügigsien Anläßen schwer mit Stock, Knüppel und eisernen Schür­haken mißhandelt, mit den Füßen getreten und sich geäußert hat, sie schlage ihn noch tot. Sehr ost mußten die Hauseinwohner em- chreiten. Als die von der Angeklagten eingelegte Berufung heute zurückgewiesen wurde, geberdete sie sich wie ivild, drohte, sofort in den Rhein und Alain zu gehen usw. Nur mit Rücksicht aus ihre augenblickliche Aufgeregtheit sah das Gericht von emer Ordnungs­trafe ab.

Märtte.

Limburg a. d. Lahu, 18. Nov. Frucht markt. Durch- schnittspreis pro Malter. Roter Weizen (Nassauischer) In,80 Mk., weißer Weizen (angebaiite Fremdforten) 15,30-Vit, Rotn 1L?O SDlt., Gerste 1 Furier) 00,00 Mk., Braugerste 10,40 Mk* Hafer 7,500,00 Mk. Erbsen 0,00 Mk^ Kartoffeln 0,000,00 Atk.

Arten werden besonders häusig bei Geinüse und Früchten angewenöet, während Fleisch sich so nicht konservieren läßt. Die gut die Kalte wirft, namentlich wie lange man Fleisch oder andere Nahrungs­mittel bei sehr tiefen Temperaturen 10 bis 20 Grad unter Null aufbewahren kann, ist allbekannt. Eine ebenso wichtige Rolle wie das Konservieren durch Hitze spielt das durch chemische Mittel, von denen die sogenanntennatürlichen" dnrch langjährigen Gebrauch aeheiligt sind, z. B. Rauch Salz, Essig und Zucker, während über die sogenanntenkünstlichen", Borsäure, schweflige Säure, ciluor- wafferstoffsäure, Salizylsäure und Benzoesäure, die Gelehrten noch nicht völlig einig sind. Die Salzkonserviermig, die überdies den Speiseii unnötige Salzniengen zufügt, tötet die

zwar nicht ab. hemmt aber ihre Vermehrung. Esllg tötet d,e meisten Mikroorganismen, und das Ränckiern, sonne dasSchnell- ränchern" (dnrch Bestreichen mit Kreosotlosmig) ist hygienisch ein­wandfrei. Künstliche Konservierungsmittel sind jedoch, abgesehen von der Anwendmig der schwefligen Säure für Fäßer, m Deutsch­land seit 1902 größtenteils verboten.

Professor Lehmann ist der Ansicht, daß nianche voi^ ihnen doch zu rechtfertigen wären. So ist feiner Ansicht nach die «alizylsanie ein ganz gutes KonfervicrungSmittel, und das Ausstreilen emex dünnen Schicht Salizylsäure aus die Oberfläche eiues nut einer Blase zu schließenden gezuckerten FrncHtsaites nennt er eine hygiemsch völlig unbedenkliche niid recht günstige Maßnahine, feriier halt Lehmann die Benzoesäure für ein treffliches, unschädliches Kon- servieningSmittel, ivährend er Borsäure (wegen der Wirkung nm den Darin), schweflige Säure (die den, Fleisch wohl die Farbe er- hält, ober nicht die Fäulnisbakterien tötet) und Fluorwasserstoffsäure vom Standpuiikte des Hygicuikers verwirft.

Eichener Anzeiger

Seneral-Anzetzer für ©bergen

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vüchertisch.

Kalender des Deutschen Flotten-Vereüns. Zunr Teil tbcr Belehrung, vorzugsweise aber der Untcrha tnng gewidmet, bringt er neben einer knappen Darstellung der Entwick­lung ber Marinen im letzten Jahre einen sehr. ubernÄtlrche^ Flottenstärkevergleich, eine Liste der dentschn Krieg^chftfe und, kurzgesaßte Angaben über die verschiedenen Laufbahnen zur Scc, und daneben eine Reihe von Aich ätzen und glücklich gewählten Erzählungen und* Skizzen aus Kriegs- und Handelsmarine und den Kolonien.

Aus den alt en Zauber brönnen vonFrida Schantz. Innig und voll holder Wunder sind diese neum.Märchen ber bc- siebten, allgemein bekannten Dichterin. Vom Elsenhugel und vom Clfentanz wissen sic zu erzählen. Vom ^ngachen der Selig eit, von verwunschenen Katzen, vom Sturmsohn Pmizen Sausetouid, von der weißverschleierten Brunnennixe, vom Kugelseher an dm Schusterbank, von Prinzessinnen, fahrenden SpieNeuttn^Jrrttc^ tem, goldenen Haberkörnern, vom Wassermann, vom Wetkrhaus- chen, vom Hampelmann, und vom Storch. Professor Steiner^ Prag, der bekannte Künstler, hat dem schonen Buche mit fern empfundenen Bildern und Initialen einen würdigen Schmuck ge­geben. Reich illustriert 3 Mlark.

acwesen Denn die beiden Adjutanten Bazaines, die mit der Züch­tung seiner Korrespondenz betraut-waren, halten die Hrwfc, die ihm die Schuld feiner Frau enthüllen sollten, vernichtet, ohne ihm ein Sterbenswort davon zu verraten. Bazarne war anfangs über den Tod seiner Frau tief betrübt, und man weiß nicht, ob er jemals die wahre Ursache ihres ^odes erfahren hat. Bald lernte er ein kaum löjähriqes Mädchen aus angesehener mexika­nischer Familie, Josepha de la Pena, kennen. Dieschone Pe pita" galt für das reizendste Mädchen im ganzen Land und wurde von einer Schar von Anbetern umschwärmt. Aus Ehrgeiz zog sie ihnen allen den ergrauten,Keineswegs verführerischen fran- Bsischcn, Oberbefehlshaber vor. Sie wurde ALarichattin und beugre ihren Gatten bald so sehr unter das Joch 'bres Willens, daß er nur noch ein Spielzeug in ihren Händen war. Aus dem Zeugnis verschiedener Oftizierc, die zum Stabe Bazaines gehörten, geht ziemlich unanfechtbar hervor, daß sie davon trauintc Bazaine würde, wenn der Thron Maximilians znsammengebrochcn wäre, die Herrschaft in Mexiko an sich reißen. Sw sah sich schon im Geiste als Kaiserin ihres Vaterlandes. Der Verlauf der Dinge machte diese Hoffnungen zuschanden. General Palat fuhrt nun die Unentschlossenheit und Untätigkeit Bazaine^ 1870/71 m und vor Metz auf die Tatsache zurück, daß ferne junge, lebensprühende und launenhafte Frau seinen Charakter gebrochen, ihn geistig und körperlich seiner Energie beraubt hatte. Als Bazame nach dem Feldzuge vom Kriegsgericht zum Tode verurteilt und zu zwanzigjähriger Haft begnadigt worden war, entfloh er aus dem Festungsgefängnis von Sainte-Margucrite bei Cannes nut Hule seiner Frau. Er ließ sich in Madrid mit ihr weder Dort aber wurde dieschöne Pepita" des ärmlichen Daseins an fttner Seite bald überdrüssig. Sie kehrte nach Mexiko zurück und ließ ihren Mann kalten Herzens im Stich. . . . Run haben sie also den Fall von Metz glücklich derschönen Pepita" aufgeburdct.

Lungenkranke. ~ v

* Die schöne Pepita und der Fall von Metz. Uebcr die Frage, in welchem Grade den Marschall Bazaine die Schuld an den französischen Niederlagen von 1870 und 1871 trifft, ist neuerdings unter den Gelehrten in Frankreich wieder ein lebhafter Streit der Meinungen entstanden. Jetzt ergreift auch ein hoher Militär, der General Palat, das Wort, um in einer Pariser Zeitschrift darzulegen, daß Bazaines Verhalten in dem unglücklichen Feldzuge gegen Deutschland nur zu verstehen sei, wenn man sich über sein Leben in den Jahren vor dem Feldzuge unterrichtet habe» Bazonwo war kein Jüngling mehr, er hatte die Fünfzig längst überschritten, als er 1863 an die spitze der französischen Truppen in Mexiko gestellt wurde, unter deren schütze das Kaisertum des österreichischen Erzherzogs Maximilian errichtet und befestigt werden sollte. Er hatte seine Frau zunächst in Paris zurückgelafsen, doch sollte sie ihm folgen. Nun entdeckte eines Tages eine bekannte Schauspielerin der Comödie-Franyaije in den Papieren ihres Mannes Briefe, aus denen hervorging, daß er Beziehungen zu Frau Bazaine unterhielt. Sie steckte die Briese in einen Umschlag und adressierte ihn an den Manchall in Mexiko. Gleichzeitig schrieb sie an Frau Bazaine, was sie getan hatte. Frau Bazaine eilte zu Napoleon III. nach Compiögne, warf sich ihm zu Füßen und beschwor ihn, eins der schnellsten feiner Schiffe hinter dem Dampfer her zu schicken, der mit der verhängnisvollen Sendung bereits unterwegs war. Der Kaiser erfüllte ihre Bitte, aber es war zu spät. Der Postdampfer langte in Veraeruz an, bevor der Kreuzer, der ihn verfolgte, ihn erreichen konnte. Als Frau Bazaine darüber Gewißheit hatte, beging sie Selbstmord. Aber die Furcht, die sie dazu trieb, war unbegründet

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