Mittwoch, 21. August 19(5
Erster Blatt
J65. Jahrgang
S<uid«prcl»;
ntonatiub 75 BL, oiertel- jährlich SDlt. 2.20; durch Abhole- iu Ziveigsletten monailid) 65 PL; durch d-.ePoft Pik. 2.— uievirl- jahrl. auSfchl. Bestell^ deileiiptei»: lokal 15Pi^ miSivävt-s 20 Mennig, vhesredakteur: "?l Doch. Paautivorllich für den politifchen Teil: 9lunuft (Boot,; für „rrtiiiUe- tone, .PeriuischieL^ und ,Smd'i?Liar: R. 9leu- rath; für .Tiabt und S?anb*: E.Heb; lüv den 9bij(iflenttil: H. Berk.
nr. 200
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erfdieiri täglich, außer Äheij™ ▼ M y x .
Mehener Anzeiger
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General-Anzeiger für Oderhefsen
Annahme von ünjeigen Hofafionsörud unb Verlag der vrühl'fchen Univ.-Vuch und Steinörudcrei R. Lange. Reöaftion, LSpedition und Druckerei: 5chulstrahe 7. iür die lüpcvnummer _ .
bis vormittags s Uhr. Sefchaffrstelle vudmgen, vahnhofftrahe 16a.
Tagevkalender ans dem Jahre 1813.
2 6. u 2 7 August. Napoleon erringt einen glänzenden Sieg bei Dresden Mit 60 000 Mann schlägt er 150000 Mann der böhmischen Armee.
2 7. August Tie hessische Brigade marschiert rückwärts nach B u n z l a u an dem Bober.
Der preuimdK General 5) irsch selb schlagt betDagcl - bcrg Bezirk Potsdam) die ^rawfen unter ©irarö, iwbci die erbitterten preußischen Landwebrleute 4000 Franzosen mit dem Stolbcn Niederschlagen. Bon 12 000 Franzosen bringt Girard nur 2000 Mann nach Magdeburg zurück.
Wilhelm II. und die Provinz Posen.
Die ziemlich häufigen Besuche des deutschen Kaisers Und Königs von Preußen in Stadt und Provinz P.isen haben zwar stets einen äußeren Anlaß, wie jetzt die Ein»- weihung des alten Posener Rathauses. Aber allen >laiserbesuchen gemeinsam ist ein tieferer innerer Grund: Die Förderung der sog. Hebungspolitik, die schon bald nach dem Regierungsantritt Wilhelms II. einsetzte und durch nun mehr als 25 Jahre hindurch unbeirrt eingehalten und durchgeführt wurde.
Die Lage der Provinz Posen in wirtschaftlicher Beziehung ist wohl die ungünstigste alter preußischen Provinzen, ungünstig auch im Vergleich zu den anderen ost- elbischen Provinzen. Cft- und Westpreußen haben vor der Provinz Posen voraus, daß sie ans Meer grenzen, Brandenburg besitzt in Berlin mit seinen Vorstädten ein vorzügliches Absatzgebiet, Schlesien und Sachsen verfügen über große Reichtümer an Kohle und Eisen. Posen hat das alles nicht und selbst das einzige günstige Absatzgebiet, das ihm die Lage geschaffen, nämlich Rußland, ist durch eine russische Zollmauer vollständig versperrt. Dadurch kam es, daß sich bic Kultur der Provinz Posen nicht aus Grund natürlicher Verhältnisse, sondern infolge svstematischen Vorgehens entwickelt hat. Auch mit den geistigen Bestrebungen in der Provinz Posen tvar es vor der Wtlljclininisck-en Aera schlecht bestellt. Posen hatte ja keine Universität, leine Museen, kein irgendwie nennenswertes wiffensckjaftliches Streben. Tas ist durch die bedeutungsvollen Gründungen im Anschluß an die Kaiserbesuche anders geworden, und wenn auch mit diesen Gründungen eine völlige Beseitigung des kulturellen im Verhältnis zu anderen Provinzen nickt immer gleich hohen Niveaus nicht erreicht ist, so sind jedenfalls die Anfänge geschaffen, so ist jedenfalls eine gedeihliche Entwickelung unleugbar. Man Hal mit der Errichtung von Aka- demien, Museen, Bibliotheken, toissenschaftlichen Instituten aller Art in Posen, mit der Verbesserung des Gewerbes und Unterrichts, mit der Gründung von Maschinenbau- und technischen Schulen usw. die Polen, wie gesagt, nicht zu Denischen macken wollen, so tvenig man dies durch Ver- bejjeru.'.g der Eisenbahn- und Wasserstraßen, durch Pflege des lüenossensckmftswesens, durch Neuschöpftmgen auf kaufmännischem und industriellem Gebiete erreichte.
Der gewaltige Wert dieser Hebungs- Politik — dies werden die nächsten Generationen vielleicht erst klar erkennen — liegt vor allem in der dadurch bewirkten Erhaltung und Förderung de s Deutschtums. Der Deutsche lebt und bleibt nur da, wo er die Möglichkeit zur Befriedigung gewisfer geistiger und ethischer Bedürfnisse findet, und wo ihm auch eine aktive Betätigung in Kunst und Wifsenschaft gegeben ist. Das trifft namentlich auf die überaus wichtige Klasse der deutschen Intelligenz, insbesondere auch der Lehrerschaft aller Grade zu. Durch die laiserlichen Gründungen und Einrichtungen tft .wissenschaftliches und geistiges Leben in der Provinz Posen frisch erwacht, das seine Frucht bereits zu tragen beginnt Gewiß haben auch schon früher verdienstvolle
Männer in uneigennütziger Weise auf geistigem (Gebiete sich betätigt und Anerkennenswertes geschaffen, aber ihre Mittel waren häufig beschämend gering, und darin ist doch heule vieles anders und besser geworden Bei der kaiserlichen Polenpolitik solcher Art war auch die Hoffnung wirksam, bah die nach Posen übersiedelnden deutschen Gelehrten, Dozenten, Männer der Stuiift und Wissenschaft einen Kri- stallisationspunkt abgeben könnten, um den herum sich nach und nach eine deutsche Gentry in der Provinzialhauptstadt zu bilden vermöchte. Wenn auch in dieser Hinsicht nicht alle Blütenträume gereift zu fein scheinen, so ist doch zweifellos das Kulturleben in der CftmarF intensiver geworden. Der deutschen Bevölkerung, die geistig und wirtschaftlich zu ver- kümmern drohte, wurden neue Ziele gesteckt und neue Aufgaben gestellt. Aber auch von der alten „polnischen Wirtschaft" findet man in der Ostmark nichts, oder so gut wie nichts mehr. Die Polen find fleißig geworden, nüchtern und sparsam, und sie rivalisieren mit den Deutschen auf allen Oiebieten des Handels, der Gewerbe und auch der Kunst und Wifsenschaft. Wurde auch solche Hebungspolitik immer wieder beeinträchtigt durch den Nationalitätenkampf, so liegt doch schließlich in diesem Kampf etwas Külturfür- derndes. Polentum wie Deutschtum sind bemüht, für ihre Volksbrüder Kulturwerte zu erreichen, diese Werte unter den Stamm es gen offen in immer weitere Kreise zu tragen und das Tann, wenn einmal dem nationalen Streite das Bittere genommen ist, wenn die Polen, von ihren politischen Hoffnungen befreit, endlich willig in das deutsche Gefüge eintreten, der Gesamtheit nur zum Vorteil gereichen.
Posen, 26. Aug. Die Fürstlichkeiten trafen gegen 91'2 Uhr auf dem Paradefelde ein. Ter Kaiser, der Prinzregent und die Prinzen stiegen zu Pferde. Die Truppen standen in zwei Treffen. Nach dem Abreiten der Front begann der Vorbeimarsch. Regengüsse haben das Feld und die Wege aufgeweicht. Die Truppen kamen teils nach langen Anmärschen durchnäßt an, ebenso die Kriegervereine. Trotz des schlechten Wetters zogen viele tausende von Zuschauern zu Wagen und zu szuß hinaus. Es fand nur ein einmaliger Vorbeimarsch statt, wobei der Prinzregent sein Infanterie-Regiment, der Kaiser das Regiment der Könias- Zäger zu Pferde vorführte. Nach der Parade lehrte die Kaiserin in den Wagen zurück. Der Kaiser begab sich mit dem Prinzregenten und den Prinzen zu Pferde an der Spitze der Feldzeichen gegen 11 Uhr nach Posen zurück.
Der Kaiser verlieh dem Oberpräsidenten der Provinz Posen v. Schwartzkopf s den Kronenorden erster Klasse. Der Prinzregent speiste mittags bei dem kommandierenden General v. Strany. Der Reichskanzler traf in Begleitung seines Adjutanten Frhrn. v. Sell um 1.55 Uhr hier ein und nahm an dem Frühstück bei dem Lber- präfibenten teil, der es zu Ehren des Prinzen Oskar gab.
Bei der Paradetafel brachte der Kaiser folgenden Trinkspruch aus:
Mein Glas gilt dem 5. Korps, welches die Gelegenheit hatte, heute vor mir in tadelloser Verfassung zu erscheinen und damit die Probe in der Friedensausbildung zu leisten. Ich erwarte von dem Korps, daß es im Ernstfälle den Geisbergstürmern nacheifcrn und gleichen Ruhm an seine Fahnen heften wird. Tret Hurras für das 5. Korps! Hutta! Hurra! Hurra!
Nach der Tafel hielten die Majestäten und der Prinzregent in der Städtehalle und im Löwensaale Cercle. Um 913 Uhr begann der Große Zapfenstreich im Ehren Hof des königlichen Residenzfchlosses unter der Leitung des ersten Armec-Mufilinspizienten Prof. Grawert. — Tas Wetter ist besser geworben. Stopf an Kopf stand das Publikum vor dem Schlosse. Tie Majestäten, der Prinzregent vcm Bayern und die anderen anwesenden Fürstlichkeiten erschienen an den offenen Fenstern des Schlosses und wurden mit Hochrufen begrüßt.
Unterhandlungen über die vagdad-vahn.
Der „Temps" bestätigt die Meldungen deutscher Blatter betreffend die Unterhandlungen französischer u n d d e u t f ch e r B a n k e n in der Angelegenheit der B a g- ba bbahn. Diese Verhanblungen werben gleichzeitig in Berlin und Paris geführt. Rußland» unb Englanb werben über ben Gang biefer Verhandlungen täglich auf dem laufenden gehalten. Rußland — sagt der „Temps" — hat seine Stellung zur Bagdadbahn bereits in Potsdam geregelt England steht vor der Unterschrift eines Abkommens, durch welches es auf die Strecke bis Bagdad verzichtet. Dir Franzosen schreiten unsererseits zu einer Liauidalion. Die großen Linien der Unterhandlungen sind folgende: Die Ottoma- nische Bank tritt der Deutschen Bank ihren Aktienbesitz an der Bagdadbahn ab. Die Deutsche Bank gibt diese Aktien zurück und verzichtet zu Gun st en der Franzosen auf andere E i s e n b a h n k 0 n z e s s i 0 n e n in der Küstenstrecke des Schwarzen Meeres und in Syrien. Deutsch- l a nd erhält auf seiner Strecke volle Freiheiten ohne fremde Kontrolle. Frankreich wird in den erwähnten Gegenden der deutschen Konkurrenz entledigt. Das Abkommen wird Reibungsursachen zwischen den beiden Ländern in Krisetagen unterdrücken. Die neuen Regelungen werden erst endgültig nach vollkommener Verständigung zwischen Paris, Petersburg und London und nach einem vollständigen und wechselseitigen Abkommen der drei Ententemächte mit der Türkei. Was die bevorstehende Ausgabe eines neuen türkischen Anlehens im November in Paris betrifft, so bemerkt der „Temps", daß diese Angelegenheit auf alle Fälle der Regelung der Frage von Adrianopel untergeordnet sein werde.
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Deutsches Neicb.
Eine Feier der Schlacht an der Katzbach.
Aus Liegnitz wird vom 26. Äug. berichtet: Unter lebhafter Beteiligung der Einwohner feierte heute die Stadt Liegnitz die Erinnerung an den heute vor hundert Jahren vor ihren Toren an der Katzbach erfochtenen Sieg ivev schlesischen Armee üdSr die Franzosen. In den Anlagen des Stabtparkes wurde heute vormittag ein Gedenkstein für zwei erfolgreiche Truppenführer der Befreiungskriege, Friedrich von Hellwig und Heinrich tnm Wedel, enthüllt, welche beide in Lieanitz begraben liegen.sHeute mittag wurden die auf dem Wilhelmsplatz errichteten Bronzebusteil der vier Heerführer in der Katzbachfchlacht. Blücher, Gneisen an, Bork und v. Sacken, der Öffentlichkeit übergeben. Die Denkmäler sind Stiftungen Liegnitzer Bürger. Nachmittags bewegte sich ein imposanter Festzug mir zahlreichen Gruppen in historischer Tracht durch die reich geschmückten und beflaggten Straßen Auf dem Fricd- richsplatz hielt der erste Bürgermeister Charbonnier eine Ansprache.
Ersatzwahl im 8. bad. Reichstagswahlkreis.
In einer Vertrauensmännerversammlung der Zentrumspartei wurde für die Reichstagsersatzwayl im 8. badischen Reichstagswahlkreise an Stelle des verstorbenen Abg. Lender der Landtagsabgeordnete Neuhaus in Schwetzingen als Kandidat aufgestellt.
Vom bayerischen Landtag.
Eine Königliche Verordnung ruft den bayerischen Landtag za- der zweiten Session am 27. September ein. — Ter Prinzrcgent ernannte den erblichen ReickjSrat Grafen Fugge-Glött sür die Dauer der zweiten Landtagssession zum ersten Präsidenten der Reichsratskammer.
Schicksal eines Fremdenlegionärs
Tas „Stuttgarter Neue Tageblatt" hat eine Spur des Fremdenlegionärs Müller aufgefunden und schreibt: Ter 19 Jahre
raunst, Wiffaifcbaff und Leben.
__ D i e Lindenwirtin. Wer kennt es nicht und wer hat jn fröhlichen Stunden nicht schon vernommen oder gesungen, das muntere i'ub von der jungen schönen „Lindenwittin", das Rudol' Baunroach ernst ersann' und das in dem Liederschatz unseres Volkes übergegangen ist' ..Keinen Trapsen im Becher mehr." Aber das; diese von dem Poeten so fröhlich gepriesene Lmdenwirtin nicht nur wirklich gelebt bat, nein, daß sie noch heute heiter und freundlich in unserer Mitte weilt, und in Godesberg am Rhein in dem traulichen Gasrhos ;ur Linde für das Wohlergehen ihrer Gäste sorgt, das wird doch viele überraschen. Tie „Lindenwirtin", Aemu dien Schumacher, so wird in der neuen Nummer der bei der Deutschen Verlags-Anstalt erscheinenden Zeitschrift „lieber Land und Meer" audgefübrt, rüstet fich sogar zu der naheii Feier ihres 50. Geburtstages Aus der jungen schlanken Dinin von dazumal ist eine sreundliche Frau geworden, aber der Schein ihrer Hellen Augen hat sich nicht verloren und noch beute kredenzt Aennchen mit heiterem Gruße jungen Füchsen und alten Herren den Humpen. Ohne es eigentlich recht zu merken, ist Aennchen Sckumacher zur Berühmtheit geworden, ja so berühmt sogar, daß die iindige Post längst leine Onsbezeichnung und keinen Zunamen mehr nötig hat, um die zahllosen, aus allen Weltteilen kommens den Kartengrüße ehemaliger Gäste promot und sicher zu beitellen. An das „Aennchen in Deutschland am 9tbein", so lautet di' Adresse eines launigen Kartengrußes, der aus Amerika über den Ozean kam und ohne iveitcres tninktlrch mit der Post nach Godesberg an Aennchen Schumacher befördert wurde. Ja, als vor kurzem gar eine Karte aufgegeben wurde, die überhaupt keine Adnye zeigte, fonderu an ihrer Statt ein paar übermütig mit dem Bleütitt bingciDorjcnc Zeichnungen, da gab es bei der Poubehörde fein Schwanken. Zwei stattliche Linden, eine Wirtshauslür, davor die Wirtin, drunter eine flüchtig hinskizzierte Rheinlandscbaft. eine Feste auf steiler Höh' — selbstverständlich, das mußte der Lindcn- wittin gelten, und die Karte kam auch richtig nach Godesberg ins „AcnnchenHaus". „
— Bon Vernarb Shaws n e u c |t e m Werk e. Aus London wird berichtet: Bernard Shaws neues Bühnenwerf „Pygmalion", das bekanntlich seine Urauffübning in Deutschland er leben wird, dars für sich besondere Originalität beanspruchen, denn es ist nach einer Schilderung eines Mitarbeiters des Manchester Guardian ein Werf, das ausschließlich „das Problem der Phonetik"
behandelt. Liebesgeschichten und Liebeskonslikte sind aus der Handlung streng verbannt, bic Heldin des Stückes ist ein Blumenmädchen, das von dem Wunsche getrieben wird, sich die Sprechweise und den vornehmen Llkzent einer Dame zu erobern. Ter erste Akt setzt in der Vorhalle der Londoner St. Pauls-Kathedrale ein, uni Mitternacht, bei Regen und Sturm, unmittelbar nach einem Maskenball. Tie Leute flüchten sich vor dem Regen in die Vorhalle und dabei erklingt durch die Tunkelheit eine Stimme, die auf Grund der Sprechweise der Schutzsuchenden den Lebensgang jedes Einzelnen verkündet. Tieser „Sherlock Holmes der Stimme" ist ein Student der Phonetik.
— Was die Pariser T h e a t e r s a i s 0 n verspricht.
Tie Pariser Theatersaison hat kaum geendet, und schon sind bic Vorbereitungen für den kommenden Winter an allen Bühnen eifrig im Gange. Die Dramattker find nicht müßig gewffen, sondern beabsichtigen, zumeist mit mehreren Stücken, das launische Bühnen glück zu versuchen. Aber d'Annunzio, der den Parisern ein mittel attertickes Merlin-Drama und ein modernes Werf „Tas Eisen" darbieten ivird, unb dem bereits angekündigten Ton Juan-T-rama Rostands treten artberc bekannte Autoren mit ber Ankündigung fertiger Wette entgegen. Henry Bataille läßt im Cftober ein Stück, dessen Titel noch nicht feststcht, im Vaubcvillc-Theatcr cufTübren. Dem Porte-Saint-Martin-Theater hat er ein Werk „Manon, die Aurtiiane" zur Aufiührung übergeben. ToS Theatrc» Franyais wird ein Stück „Die Amazone" von ihm spiclen,dessen Hauptrolle Mme. Bartet zugedacht ist. Emile Fabre hat eine dreiaftioe Komödie „Die Spießbürger" vollendet. Von Andr4 Rivoire gelangt an ber Eom4bie-Fran^aise an einaktiges Drama in Versen „Das Lächeln des Fauns" zur Ausführung: das Renaisfanre-Theater bat sich seine beiden draakttgen Werfe „Unsere Königin" unb „Freundin, Freund von . . . ?" gesichert. Gabriq,l Trarieux gibt dem Vaudeville fein Drama „Tas neue Zion" und dem Thdattc-Fran^ais ein Werk, dem er den Titel „Die Grillenfänger" gegeben hat. Jules Bois will fünf Werfe in Szene gehen lassen, ein Basdrama „Psapvha", eine ntobernc Komödie, betitelt „Eine Frau", ein Trama „Tie g; zähmte Amazone" unb zwei Dramatisierungen von Romanen „Tas Schiss der Liebkosungen" unb „Tie ewige Rückkehr".
ff. T i e Verbi- Fe st f viele an ber Mailänder S rala.^Dic Maüändcr Scala wird ben ersten Teil ihrer dies-- jäbrigen Saison ganz und gar ber Erinnerung an Giuseppe Verdi wc'hcn, dessen Gebuttstag demnächst bekanntlich zum 100. Male
wiedettehrt. Vom 1. Oktober bis zum 16. November, also sechs Wochen werden die Mailänder Verdi-Festspiele bauern. Sic beginnen am 1. Oktober mit einer 23iebcrauffübnntfl des „Na- bucco", jener Oper, die zuerst den Ruhm des damals noch jungen Munkers begründet hat. Ihre Erstausführung fiel auf den 9. März 1842, unb sie crrei±te damals die Ausführung-;- fette von 57 Abenden. Nach dem „Nabucco" dirigiert Serafin bic „Aida", unb alsbann folgt bas Reguicm, das Toscanini leiictj wird. Ter hierbei mitroirfenbe Chor ist auf 300 Stimmai gr>» bracht worden. Es schließt sich sodann ber „Falstaff" gleich falls unter Toscanims Leitung an, der an derselben Stelle im Jahre 1893 seine Uraufführung erlebt hat: die Titelrolle singt der berühmte Scotti. Ten Abschluß macht eine Aufführuiig des „Othello" mit dem Tenor Calleja in »der Titelrolle und dem Bariton Sammarco als Jago. Tas Orchester der Scala, das bei ben Verdi-Festspielen mitwirkt, wh(t 120 Musiker, der Theater- dior 110 Personen. Für die Ballette in ber „Aida" ist das Ballettkorps auf 60 Ballerinen verstärkt worden. Pttma Ballerina wird die Mazzucchelli sein.
— Ein Strindbergmuseum. Aus Stockholm wird berichtet: Jn nächster Zeil wird hier im Nordischen Museum ein Stttndbergzimmer eingerichtet werden. Tie Lebcnsgcwohn- heiten unb bi-: Arbeitswciie des großen Tichters sollen in ber ganzen Anordnung zum Ausdruck kommen. Tic Möbel von Stttud- bergs Arbtttszimmcr roerben aufgestellt werben, unb auch ein Teil feiner Büchersammlung unb die sehr wertvollen Manuskripte, bic erhalten sind, sollen hia ihren Platz finden.
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissenschaft. Tic „Tägliche Rundfchau" meldet aus Balin: Tie Entscheidung über ben freien Architekten bes Opernhaus-Neubaues ist gaallen. Geheimrat Hoffmann, ber eine zeitlang noch nn- entieblossen war, die Wahl awzunehmen, hat sich nunmehr bereit erklärt, als freier Architekt den Neubau zu leiten. Mit bat Vorarbeiten soll unmittelbar nach der Rückkehr bes Kaisers nach Berlin begonnen werben. — Tas „Balmer Tageblatt" meldet aus N e w SD 0 rf: Das Expeditionsschiff „K a r l u k" mit S t e f - senfons canachi scher Norbpol-E rvebitio n an Lord, ist in tu: Eisü'ld auf Point Narrow, dem nördlichsten Punkt Alaskas, geraten unb schwer beschädigt worben. Einzelheiten sind noch nicht bekannt.


