Nr. 179
Zweites Blatt
165. Jahrgang
Geheim Anzeiger
Erichen,« togttch nru Ausnahme des Sonntag».
General-Anzeiger für Gberhejjen
Tie ..Siebener ZamNienblätter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, da» „ttreirblatt für den Kreis Sieben" zweimal wöchentlich. Ti» ..candwirlfchaftliche» Seil, fragen" erscheinen nionatlich zwennal.
Samstag, 2. 2Iuc*;ft 1,915
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'ichen Universität- • Bilch» und SleindruckereL.
R. Lange, Dießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« siraße 7. Espedition und Verlag: ^viS.A.
Redaktion: II2. Tel.-Abr.:Anze>gercpleiren»
weiteres Steigen -er Zleischpreise.
Das „Zentralblatt der preußischen Laudwirtschasts- Tantment" bringt eine Zusammenstellung der Preise, die bei den Vergebungen der Fteischlicferungeu für die Truppen küch en der bedeutendsten preußischen Garnisonen vereinbart sind. Tie Preise verstehen sich für das Kilogramm frei Ausgabestelle der betreffenden <varnisonen. Für die wichtigsten Fleischsorten ergeben sich hiernach im ersten und zweiten Haldiahr 1913 verglichen mit dem zweiten Halbjahr 1912 folgende Mindest- und Höchstpreise für das Kilogramm in Mark:
2.Halbj 1912
1. fralbi. 1918
2. Hall'j. 1913
Ruhffcifrf) ....
1,12—1,50
1,16—1,62
1,18—1.57
Ochfcnfleifch . . .
1,14-1,57
1,18-1,66
1,24-1,62
diehacktes Rindfleisch
1,20—1,70
1,25—1.93
1,42—1,90
Kalbfleisch . . . .
1,00-1,70
1,20-1,80
1,30-1,84
" /(bebrüten . . .
1,16-1,95
1,30—2,00
1,60-2,20
^uinnielflctfd)
1,22—1,62
1,30-1,64
1,48-1,80
Schweinefleisch . .
1,08-1,39
1,38-1,85
1,16—1,70
Eucbein.....
0,80—1,40
1,00-1,70
0,90-1,48
Echiveineumlz . .
1,10-1.55
1,45-2,00
1,20—1,80
Aus diesen Preistabcllen ergibt sich ein anhaltendes Steigen der Fleischpreise, und besonders die für das zweite Halbjahr 1913 festgesetzten bzw. vereinbarten Preise lehren, daß die Schlächtermeister mit einer weiteren Verteuerung des Fleisches rechnen. Und leider dürften sie damit recht haben Man kann also wohl schon fetzt sagen, daß die preußische Regierung, wenn sie noch im letzten Winter die Fleischteuerung als eine vorübergehende Erscheinung betrachtete, sich geirrt hat. Namhafte Vollswirtsüfaftler sind überdies schon längst der Meinung gewesen, daß wir cs in der Teuerung mit einer feststehenden Position in unferm Wirtschaftsleben zu tun haben. Tie bayerische Ltaatsregie- rung scheint uns daher durchaus auf dem rechten Wege zu fein, ivcim sie Ende September eine Agitation für den Konsum von Fischfleisch zu entfalten beabsichtigt, die durch öffentliche Vorträge, Fifchkochturse usw. nachdrücklich unterstützt werden soll.
Deutsches Ucicv.
Balestrand, 1. Aug. Bei der gestrigen offiziellen Frühstück s l a f c l anläf.lid der Frithjvs feier übergab der Kaiser dem Könige von Norwegen eine größere Bronzestatuette Frithjof s. Tas Wetter scheint sich auszuklären.
Bergen, 2. Aug Ter Kaiser unternahm gestern vormittag mit mehreren Herren des 0kfi>lgc-5 einen Spaziergang an Land und folgte bann einer Einladung des Königs Haakon zu eurem Früh |tu<f auf dem norwegischen Kricgsfd-iff „Norge". Um 3 Uhr nachmittags ging die „Hohenzollern" nach Bergen in See unter dem Salut der dort ankernden norwegischen Kriegsschiffe. Ter Kaiser hörte während der Fahrt einen l'riegsgeschichtlichen Vortrag.
Berlin, l. Aug. Ter „Rcick)s- und Staatsanzeiger" ner» öfsentlicht das Staatsangehörig fei ISgesetz vom 22. Juli 1918 sotvie bas Gesetz über die Angestelltenversicherung der P r i v a t l e h r e r.
M ü n d; c n , 1. Aug. Tie Bayrische Staatszeitung veröffentlicht folgende Erklärung: In der Presse wird neuerdings darauf vmticfcn, daß der Beamte des Ministeriums des Aeußern, der im März 'mit Minister Freil^wrn v. Hertling in Berlin weilte, von der vielbesprochenen Affäre „P hö n i x -B a ll i n" wisse und über sie dem Abg. Erzberaer Informationen gegeben habe, 'demgegenüber sind wir zu der Erklärung ermädüigt, daß der betreffende Beamte, Legationsrat v. Stockba.usen, den Tirektor ber .Hamlurg^Amerika-Linie, Ballin, nicht kennt irnb daß er treuer mit Erzberger nur jene Worte wechselte, die bei einer Vorstellung unter Fremöen üblich und hergebracht sind.
Ausland.
reuzer „Desmoines"
Ein Vorspiel zum ttrupp-prozctz.
Berlin, 1. Aug.
Tic heutige Verhandlung begann beute gegen 9.15 llbr.
Mehrzahl der Zeugen wurde zunächst bt5 1 Ubr mtttags Atlassen Die Verhandlung .^rd öltentltch tocuergerubrt Ls wurde in die Zeugenvernehmung cuigctreten, -wc^ern der «thaitbluiig-riübrcr eine gestern criolgtc Aeußerung des Ber-
NedUsanwaits Tr. Braun über die Glaubwürdigkeit
B^gen Brandt richtiggestellt hatti Der Zeuge PolrzewM & gab eine Darstellung her non ihm geleiteten polizeilichen suchUdm Rugen,Een°d^'Wichngkett der^Aussagen sich fctng
London , 2. Aug. Von dem zweiten T oi l der »n g l i f ch e n Flottenmanöver ficht man nur die Wirkungen. Heute kamen 9 kampfunfähig gemachte Zerstörer der Verteidig«ugSflotte vor Grimsbi Anscheinend befindet fidt die Perteidlgungsflotte gegen die nur halb io starke A n g r i f f s f l o 11 e im Nachteil. Es ergibt sich die Frage, ob durch diese Manöver etwa bewiesen werden soll, daß. England bei dem gegenwärtigen Stand der Küstcn- vertcidtgung gegen einen Angriff nicht genügend gesdstitzt sei.
Washington, 1. Aug. Ter Kreuzer „Desmoines" wird in Brunswick) iGcorgia) bereit gehalten, um nach Venezuela zu fahren, wo er wahrscheinlich in Laguaira btc rnerrkantfdten Interessen vertreten wird.
New Pork, 1. Aug. Amtlichen Tepeichen aus Earaeas zufolge wurden die a u f st ä n d i f ch en Truppen an zwei -Bläßen von den Ncgicrungstrupvcn z u r ü ckg^e w o r f e n. Aus Caracas wurden den Autständifcheii feine Soldaten entgegen- geschickt da die Negierung die Staatstnippcn für stark genug hält Ein Telegramm aus Willemstad meldet, daß aus Puerto Cabello (Venezuela eine Bestätigung der Meldung von der Landung Castros in Coro cingclaufcn fct.
Caracas, 1. Aug Tcm Präsidenten Gomez wurde infolge der Revolution diktatorische Gewalt übertragen. ®cr Präsident teilte den Gouverneuren mit, daß Castro, an- actricbcn durch feinen Ehrgeiz und seine Herrschsucht, die Revolution herüorgcruieu habe. T,e Empörer hatten bereits m mehre- ren Orten die bifeuthdn- Ordnung gestört. Tic Gouverneure Der» ivracken, der Regierung beizusteben.
P Petersburg. 2. Aug. Wie aus Irkutsk gemeldet wird, haben sämtlickie G o u v c r n c u r e d e r M a n d s ch u r c r Befehl *7hfl*tcn die obi t ificr ung vorzubereitcn, um zum .yclb- *ug gegen die Pekinger Regierung bereit zu sein. Ja- tX'i starker Lockerung der Dnzwlm unter den manchchuruchen ^ruoDcit wird eine Militärrevolte befürchtet.
& o n g f o n g , 1 Aug. Lungchaikwang hat mit den ihm praebcncii >ßwangsi-Truvpen Schiuhing eingenommen Er befindet sich jetzt auf dem Marsche nach Kanton. 4.er QJene ralaoufcrncur telegraphierte, day seine Lrupven das weitere Bor rücken ungchaikivangs auihalten und eine schlacht bevor,tehc.
einen Posten im Preisbildungsbureau. 1906 wurde ich nach Berlin versetzt auf Veranlassung deS Herrn v. Schütz
Tie Firma wollte mich aniangs nicht nach Berlin geben lassen. Mein Gehalt betrug in Eisen 5200 Mark Wohnungs- geld zuschuß gab es nicht. In Berlin sagte nur Herr v. Schütz, ick sollte mich mich den Preisen erkundigen, und er bat mir streng verboten, unerlaubte Mittel hierbei anzuwenden: cs läge im Interesse der Heeresverwaltung, wenn Zbrurv mit seinen Preisen beruntergebe. v. Schütz war mit meiner Tätigkeit sehr zufrieden und berid-,tcte in diesem Sinne auch nach Essen. Ich habe mich mit Zeug seid webet n in Verbindung gesetzt und auch von ihnen Material erhalten. Meine Berichte wurden vertraulich behandelt Taß ich mich den Angeklagten gegenüber als „Krupp" aufgespielt habe, trifft nicht zu. Ich hatte auch famtlidx Briefe zu öffnen, mit Ausnahme der Privatbriefe für Herrn Metzen oder Herrn Schütz. Verhandlungsführer. Enthielten nicht diese Privatbriefe die trichtigsten geheimen Tinge? Zeuge: Tas ist ausgeschlossen. Ich kenne alles Material, ich kenne auch sämtliche Konstruktionen in Marine oder militärischen Tingen. Geheimnisse gibt es hier vor mir nicht.
Verhandlungsführer: Warum sind Sie benn an die Angeklagten herangefrctai? Zeuge: Mehr als 50 Proz der Berichte bezogen sich auf die Konkurrenzpreise, ich wollte damit meinen Eifer bekunden: die meisten Berichte waren überflüssig. Herr v. Schütz hätte das Material auch ohne mich bekommen. 2>. Jahre lang habe ich die Vertretung allein führen müssen, da Herr von Metzen fränflid- und viel,abwesend war. Nach dem Tode des Herrn v. Schütz führte ich einige Monate die OKschäfte pls Vertreter des Vertreters, und zwar selbständig. Von den „Kornwalzen" behielt id; Nachschriften oder Kopien zurück, die später beschlagnahmt worden sind. v. Metzen stand sich schließlich mit der Firma Krupp nicht mehr: in dieser Zeit nahm v. Metzen mehrere Kopien an sich und gab sie mir nicht mehr zurück, obwohl ich ihn wiederholt darum ersuchte. Ansd^einend wollte er damit einen Truck auf die Firma Krupp ausüben. Er sagte eines Tages, id) solle mich nur der Firma gegenüber sichern, er hätte sich auch gesichert Bon diesem Gespräche machte ich Herrn Tirektor Träger Mitteilung. Tic K'ornwalzcn, von denen Liebknecht Kenntnis er halten bat, fallen in diese Zeit, wo Herr v. Metzen sich mit Krupp überworfen hatte. Verhandlungsfülwer: Wissen Sic, wer Herrn Liebknecht das Material übergeben hat? Zeuge: feiner festen Ucberjcugung nach, kann nur Herr v. Metzen in Frage kommen. Verhandlungsführer: Sie selbst kommen nicht in Frage? Zeuge: Nein, id) wäre doch ein Tor, ivenn ich mich mit Liebknecht in Verbindung gesetzt hätte, man bereitet sich doch nicht selber Unannehmlichkeiten.
Rechtsanwalt Wirth: War es dem Zeugen verboten, karnc- rabfdxifllid/Cii Verkehr zu beruflichen Zwecken zu pflegen? Vcr haiwlungsführer: Wir wollen hier dock, nicht der Urteilsfällung im Hauptproz^eß in Moabit vorgreifen. Tie Frage wird zurückgestellt.
Verhandlungsführer: Sie haben davon gesprochen, Kilian Geld in die Hand gesteckt zu haben. Zeuge: Das muß eine Vcr wcchsclung sein, meine dahingehende Aeußernng fällt unter meine Depression, während der Untersuchungshaft. Tic Weihnachtsgratifikation habe ich an Pfeiffer gegeben, weil ich ein gutmütiger Mensch bin Bewegung) und weil ich den Pfeifferschen Kindern eine Weihnacsttsfreude machen wollte. Verhandlungsführer: So überflüssig hatten Sie es tü,h auch nicht. Zeuge: Ich bin doch aber so gutmütig. (Heiterkeit.)
Kriegsgerichtsrat Tr. Welz: Wenn wir jetzt auf das Notiz buch zu sprechen kommen, so denke ich, können wir bei einiger Vorsicht öffentlich verhandeln. «Zustimmung.) Ter Zeuge Brandt äußert sich darauf in einer Unterredung mit dem Verhandlung^ nihrer über die Rubrizität seines Notizbuches. Tie einzelnen Firmen sind in dem Notizbuche mit Buchstaben bezeichnet.
Ter Zeuge gibt an, daß nicht alles in das Notizbuch eingetragene Material von den Angeklagten stamme, er habe auch manches von anderer Seite erhalten.
Red.tsanivalt Wirth: Ter Zeuge hat, wie ich feststellen möd:tc, heute seine ursprünglichen Aussagen ganz wesentlich ein geschränkt. Zeuge: Ich besand mich wahrend meiner Vernehmung in einem derartigen seelischen Zustande, daß ich alles über mich ergehen ließ. >turz vor meiner Verhaftung hatte ich durch einen Unfall eine Gehirnerschütterung erlitten, die mir sehr zu itfwffen machte. Rechtsanwalt Tr. Bärnau beantragt die Ladung des prakt. Arztes Tr. Wangemann-Fricdrichshagen, der Brandt seit seinem Unfall behandelt. Ter Zeuge macht dann Mitteilung _übcr seine Beziehungen zu Träfe. Er hat früher bekundet. Träfe hätte eine Gefälligkeit von ihm verlangt und unter anderem gewünscht, von Krupp angcfttMt zu werden. Daraus habe er geantwortet, er werde in dem gewünschten Sinne tätig jein, ivenn er als Gegenleistung von Tröse Nadirichtcn erhalte und irenn dieser ihm Auszüge aus dem Bestellbuche verschaffe.. Heule behauptet der Zeuge, feine damalige Aussage sei falsch gewesen ober nicht richtig nncbcrgcgcbcn worden.
Taraui tritt eine halbstündige Pause ein.
Um IVi Uhr eröffnet der Vorsitz.endc Kriegsgcricktsrat Tr. Cörrcs wieder die Sitzung. Major Sames vorn FcucrTverkslabora- torium gibt Kenntnis von einer Verfügung der Fcldzeugmcistcrei, die den Angestellten die Verpflichtung zur strengsten Ti m:-.- fdatnegcnheii aufcrlegL — Oberstleutnant Jung vom >kriegs- nünifterium wird darüber vernommen, ob eine Verfügung besteht, durdi die der Firma Lkruvv Vorrechte eingeräumt werden, und bemerkt, die Behauptung, daß die Firma MYupp eilte Vorzugsstellung genieße, trete lehr häufig auf und ist jetzt auch nieder üorgcbradit worden. Ich bin feit 1899 im Kriegsministerium tätig und habe seitdem dauernd mit den Ausschreibungen zu tun. Zch kann die Behauptung von der Existenz einer berartigeir Verfügung nur auf das allerentfchicdcnsw zurückweisen. Es besteht eine Verfügung, die porfebreibt, daß die Firma Krupp, zu den Ausschreibungen zuzuziehen sei. ^Wie Sie Aufträge später derteilt werden, ist eine ganz andere Sache.
Es werden hierauf Die Protokolle über die kommisiariichen Vernehmungen von Offizieren verlesen, die ergeben, daß es den Zcugi'eldw.beln streng verboten ist, mit den Vertretern einzelner Firmeii zu verhandeln und'ihnen Auskünfte zu erteilen.
Zeuge Major a. T Wollen Haupt bekundet ebenfo, daß dem Personal der Felvzeugmeisterei Nicht gestattet ist, Verrretcrn der Prioanndustric namentlich über Konkurrenzpreise Auskunst zu geben. Ter Verkehr mit diesen Herren liegt lediglich den Dezernenten ob. Auch mir ist von einer Verfügung, die vorfchrcibt, baß Krupv von allen Aufträgen einen gewissen Prozentsatz erhalten mun nichts bekannt.
Es mürben nun mehrere Zeugen und die Friseuse Frau Wiczoreck vernommen. Die Frau wird eindringlich nur die HeÜigkeir des Eides bingewiesen unb gibt ntit schwacher Stimme eine Darstellung ihres Bcrhältnisies zu Schleuder.
Tie Zeugin wird vereidigt und daraus bis morgen beurlaubt.
Tic Vern bmung des Zeugen Brandt wird nach einiger Zeit abermals unterbrochen, um den Zeugen Säusel, der morgen auf Urlaub gehen will, zu vernehmen.
Sodann nxrb die Vernehmung des Zeugen Brandt wieder aufgenommen
Verhandlungsführer: Haben Sic fernst noch von andern Beamten aus dem Kricgsministerium Mitteilungen erhallen? Zeuge: Nein Ich gebe aber ?u, daß mündliche Mitteilungen Pfeiffers die Unterlage für eine Kornwalze geben konnten Verhandlungs- I führet: Sic Haden vor dem Unterfuchungsrichtcr erklärt. Sie
hätten von Pfeiffer Mitteilungen über den Stand brr Ansicht eit deS Kriegsministeriums in der Haubitzenfragc erhalten und erfahren, daß die Verwaltung das Ebrlxirdtidie Geschütz vorzichc. Sie haben ferner gejagt, Pfeiffer haben Ihnen einen fiKAulleil Auszug aus dem Milltärstad gegeben. Ist bas ridmg? Zeuge: Id) ha Ix* dies Mnialo angenommen. Beschwören kann id) es lungsfuhrcr: Haden Sic in bei sittlichen Zeit aud) noch von andern Herren außer Pfeiffer Nachrichten aus dem KritgSminiflc- rium erhalten? Zeuge: Nein.
Verhandlungsiichrcr: ES ist bod> merhnürbig, daß Sie solch« Freunde sich auSfuditrn, von Scncn Sic in» Hinblick auf die dienstliche Stellung eiwos erfahren konnten. — Zeuge: Ich tat dies, weil Herr v. Sdiüfc mir den Auftrag erteilte, Nachrichten zu jammcht.
NcchtSaiuvalt Barnau: Haben and» Vertreter anderer Firme» bei den Behörden versucht, solche Auskünfte zu erlangen ? Zeuge: "Darüber möchte id) die Auskunft verweigern. Rechtsanwalt Baritau: Das genügt mir.
Auf weiteres Befragen erklärt der Zeuge, daß er mit einem Vertreter bei Finna Ehrhardt keine Beziehungen unterhalten habe.
Angeklagter Pfeiffer: Nachdem Brandt in der Vorunter- fuchung in so befhmmtcr Weise behauptet hal, id) sei der Lieferant der Kornwalzen, lann id) mich damit nicht zufriebeir geben, daß er jetzt jid) mit einer io lauen Einschränkung begnügt. Mit erhobener Stimme: Ich behaupte Brandt gegenüber in die Augen, daß er von mir fein Material erhalten hat, mit beffen Hilfe er die Koruwilzc 6 E z. B hätte ausstellen können.
Verhandlungsführer: Ich möchte den Angeklagten boch ersuchen, hier keine Vorträge zu hallen, sonbern sich mit Stellung von Fragen zu begnügen. Was tonnte Braiidl benn veranlaßt haben, sie, seinen besten Freunb, ber Fälsck ung zu bezichtige». AngeNagter: Tiiic Frage bat mich falt täglich befdiäftigt, idl habe aber feine Antwort gefunben. Viel leid» wollte er es ver- hinbern, baß ich weiter meinen Weg ging, während er erledigt war.
Im weiteren Verlaufe der Ausejnandersetzung, in der der Verhandln ngsführ er den Angeklagten Pfeiffer iuicberbult erfndu, 1 nnc pathetischen Redensarten zu gebrnud/cn, nennt Pfeiffer die Hand-» lungsiveisc Brandls perside, nährend Brandt bemerkt, er bedauere aufs tiefste, baß Pfeiffer burch ben gegenwärtigen Proz^-s) schweren Sdxibcii leibe. ,
Verhanblungsführcr zu Brandt: Haben Sic von Herrn Geheimrat Becker vom Kricgsministerium Mitteilungen über Xbom- walzen erlwltcn? Brandt: Nein.
Reckcksanwalt Wirth: Hat Pfeiffer sich durch Sträuße er* kenntlich gezeigt? Brandt: Gttviß. Tas ist so üblid).
Zeugin Frau BraNdt: Tie mnften Angeklagten haben bei uns kameradschaftlich verkehrt, dabei ging es sehr solide zu. Bei ihren Besuchen haben die Herren stets Blumen mitcn'bracht. ReckttSanwall Tr. Barnau: Tic Zeugin soll bekunden, daß auf ihr Anraten dem Angeklagten Pfeiffer anstelle von Gesdxmken Gelb zu Weihnachten gefdüdt fei. Zeugin Frau Branbt. Tos trifft zu. Wieviel es getreten ist, weiß ich nicht mehr Daß. mein Mann einen schweren Unfall zu Weihnachten erlitten hat, triflt auch zu Tie Zeugin gibt eine Tarstcttung des Unfalles. Mriir (Wann leidet seit jener Zeit au (9ebäd;t 11^)d/toäd)«_ und leibet noch an ben Folgen. Ter Verkehr mit Herrn Pfeiffer war ein freundschaftlicher.
Kricgsgerichtsrat Tr. Welz: Ist an Ihren Mann heran* getreten worden, seine Aussagen zu modifizieren? Zeugin: Taraus verweigere ich die Aussage. Kriegs- gerichlsrat Tr. Welz: Ich bitte um GerichtsbesclKuß, um eine Aussage zu erzwingen. Zeugin: Id (>abc mich mit den Angeklagten nur kürze Zeit unterhalten Längere Unterredung^ mit meinem Manne haben nicht stattgefunden Seit der Untersuchungs* haft ist mein Mann gedächtnissd.vach und völlig gebrochen Tast niemand an meinen Mann Hera-'getreten ist, kann ich nicht de* eiben. Ich litte, mir bis morgen Zeit zu lassen
Nach längerem Hin unb Her wirb bic weitere Vernehmung der Irau ®Danbl au. -
Tie Besprechung einiger Kornwalzen findet in nichtöffentlicher Sitzung statt, die den Rest der heutigen Verhandlung au5* füllen wird.
Schluß der öffentlich.-n Sitzung 4.30 Uhr. Tie morgige Sitzung beginnt wieder um 9.15 Uhr. । । —■ ----— ..........- - -
Aus Stadt und Land.
Gießen, 2. August 1913.
"Verbesserung der Lohnverhältnisse der Eisenbahn ran giere r. Ter Preußische Minister der öfsentlichen Arbeiten hat zwecks Verbesserung der Lohuvcr* bältnisse des Raugicrpcrsonals der Preuß >sessisch Staats- bahnen in einem Erlaß folgendes ungeordnet: TieRangierei erhalten neben dem Lohn der Betriebsarbciter eine von der Eiseubalgidirctiion festgesetzte Stellenzulage in folgender Höhe: Auf,Bahnhöfen 1 Klasse 20 Pfg, auf Bahnhöfen 3. Klasse mindestens 20 Pfg., höchstens 30 Pfg, auf Bahnhöfen 2 Klasse mindestens 20 Pfg, höchstens 60 Pfg., auf Bahnhöfen 1. Klaffe mindestens 30 Psg., höchstens 60 Psg. Die höheren Stellenzulagen werden nur bei besonderer Schwierigkeit des Dienstes bewilligt. Tie Hilssrangierführer erhalten' eine um 2" Pfg. höhere Dienstzulage wie die Rangierer. Tiefe Bestimmungen treten am 1. August in Kraft.
• * Schmutzfink« oder Wanderer? Gestern nachmittag zogen vier Wanderer durch Gießen, die durch ihre verwilderte Kleidung Anstoß bei ben Passanten erregten. Ihre Anzüge bestanden auS blauen Schlofferkitteln und den entsprechenden kurze» Hosen. Strümpfe kannte scheinbar nut einer von ihnen. Die malerisch über ben Rücken gehängte Zupfgeige und eine tüchtige Portion Schmutz vermehrte noch ben Einbruck beS Zigeunerhaften.
Landkreis Gießen.
- m. Hungen, 1. Aug. Ein junger Mann von hier geriet heute beim Fruchtbinben mit einer Hand in einen Garbenbinder unb verletzte sich so erheblich, daß er längere Zeit arbeitsunfähig sein wird.
- m. Birklar, 1. Aug. Heute wurde der am 23. April, neugewählte Bürgermeister Ioh. Müller durch den Vertreter des Mreidamts, Regierungsrat Dr. Merck, vereidigt und in sein Amt eingcführt.
Kreis Schotten.
f Schotten, ,1. Aug. Der Schotten er Sommer- mar kl findet vom 11—13. August statt. Er ist verbunden mit Pferde-, Rindvieh-, Schweine- und Krämermarkt.
Kreis Friedberg.
r. Bad-Nauh eim, 31. Iüli Im heutigen 7. Künstler-Konzert der Kurkapelle spielte Henry Marte au ein Violin-Konzert nrit Orchester von einem jungen Schwc, ben Tor Aulin. Marteau, der schon beim Erscheinen mit stürmischem Jubel begrüßt wwde, erzielte mit dem m


