Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
Tagcskttlender aus -em Jahre 1813.
30. September. Tschernitschcff beschießt Kassel. Einzug der Mussen in Kassel.
Gefühle und Sympathien für Spanien vorhanden. Man schätzt Ihren Stolz, Ihren Mut und Ihre Tat- Traft. Es scheint, daß Sie sich der Gefühle Frankreichs inne wurden und der Notwendigkeit, uns zu einigen. Wir näherten uns und müssen einig fein, aber ich werde m i ch hüten, voreilige Worte auszusprechen, welche die Verantwortlichkeit der Regierung nach sich ziehen könnten. Präsident P o i n c a r e wird in acht Tagen auf spanischem Boden weilen. Er wird dann mit der Autorität seiner Stellung und mit dem Zauber seiner persönlichen Gaben erklären, welches diese Gefühle sind. Aber jetzt kann ich Ihnen sagen, daß es nicht von uns abhängt, das Zusammenwirken der beiden befreundeten, benachbarten Völker intimer, herzlicher und fruchtbarer zu gestalten. Wir werden es tun wegen des VD cltfrie -- dens. Sie stellten fest, daß nur starke Völker Herren des Friedens find. Frankreich wollte stark sein und Spanien legte sich aus dieselben Anschauungen. Ich kann nicht sagen, wie die Union heißen wird, die uns endgültig näher- bringen wird, aber was ich weiß, nachdem was ich gesellen und gehört habe und was ich nach den zum Ausdruck gelangten Anschauungen sagen will, ist, daß wir einer immer herzlicheren, immer innigeren und immer engeren Entente entgegengeheil zwischen Frankreich, das ich vertrete, und Spanien, an welches ich den Gruß tiefer Ergebenheit, Freundschaft und Bewunderung richte.
Die Rede wurde mit großem Beifall ausgenommen.
Bei dem gestrigen Bankett zu Ehren des Ministerpräsidenten Bart Hou hielt der spanische Minister des Aeußern M u n o z eine Rede, in welcher er die Gefühle der Freundschaft für Frankreich ausdrückte. Ministerpräsident Barth ou erwiderte mit einer lebhaften Anerkennung des Ministers des Aeußern und erinnerte an die Schwierigkeiten,, welche sich zwischen Spanien und Frankreich in Nordafrila erhoben hätten, die so geregelt seien, wie sich das zwischen zwei Ländern gezieme/ die, ihrer Kraft, ihrer Rechte und Würde sich Gewußt, mit der Achtung des andern die Achtung der gegenseitigen Rechte verbänden. Barthou erklärte schließlich, es beständen leine unüberwindlichen Schwierigkeiten für die .Herbeiführung einer Aera des herzlichen Einvernehmens zwischen Frankreich und Spanien und Freundschaft mit der Wirkung einer für beide Teile gleich nützlichen Zusammenarbeit.
Varis, 29. Sept. Bon der Presse wird den in San Sebastian, gehaltenen Reden große Bedeutung bcigclcv. Der „M a t i n" nennt den gestrigen Tag einen historischen uno meint, daß die Worte des Ministerpräsidenten Batt Hou eine großartige Einleitung zu der Madrider Reise des Präsidenten Poinears bilden.
Ein Widerspruch der Winzer.
Paris, 29. Sept. Ter in Rimes tagende Verband dec Winz er Sn dostsran kr ei chs saßte einen Beschlußcmtrag, in welchem erklärt wird, daß die Weinbau treibende Bevölkerung fest entschlossen sei, sich nicht als Opfer für diplomatische Kombinationen benutzen zu lassen, und daß sie deshalb ihre parlamentarische Vertrettmg beauftrage, mit allen Mitteln iede Regierung zu bekämpfen, die eine Aenderlmg des gegenwärtigen zwischen Frankreich und Spanien bestehenden Handelsvertrages beantragen sollte.
3n der bayrischen Kammer.
teilte der Finanzminister über das Rechnunasergebtiis für 1912/13 mit, daß die Eisenbahnverwaltung siir 1912 einen Ueberschuß von 13 436 053 Mark ergeben habe, daß aber 1913 ein Rückgang der Einnahmen eingetreten sei. Das Ergebnis für die Gesamtperiode lasse sich noch nicht absehen. In der Post- und Telegraphenverwaltung müsse mit einem Ausfall von ein bis eineinhalb Millionen Mark für beide Jahre zusammen gerechnet werden, dagegen sei bei der Staatsforstverwaltung eine Mehreinnahme von 7 bis 8 Millionen, bei den Berg-, Hütten- und Salzwcrken von einer Million Mark in der Finanzperiode zu erwarten. Dagegen würde beim Etat der Zölle und indirekten Steuern für die Finanzperiode ein Ausfall von 2*/2 bis 3 Millionen Mark,
Die UunMnimäler im Srohherzogiuni Hessen.
Provinz Starkenburg: Kreis Bensheim, Provinz Rheinhessen: Stadt und Kreis Mainz, herausgegeben durch eine im Mifttag S. K. H. des Großherzogs vom Großh. Ministerium des Innern bestellte Kommission.
Rach einem Zeitraum von 15 Jahren wird mit den int Herbst erscheinenden Bänden Bensheim und Main z die Herausgabe der hessischen Inventare wieder ausgenommen: einige andere Bände sollen demnächst folgen. Rach den durch Prof. Rud. Kautzsch neu bearbeiteten und von der Kommission gebilligten Grundsätzen hat die Künst des Barock und Rokoko wesentlich eingehendere Beachtung gefunden als in den früher erschienenen Bänden, ferner wurde der Schilderung des bäuerlichen Wohnbaues besondere Sorgfalt gewidmet. Deshalb ist auch die Zahl der Abbildungen vermehrt worden.
Um nun das Werk möglichst weiten Kreisen zugänglich zu machen, ist es ermöglicht worden, die demnächst erscheinenden Bände zu ermäßigtem Preis im voraus zu bestellen.
Band Kreis Bensheim: Dieser Band wird 20 Bogen stark werden und 270 Abbildungen, einen Farbendruck und eine Ueber- sichtskarke enthalten. Der Ladenpreis beträgt für das gebundene Eremplar.8 Mk., für das ungebundene 7,70 Mk., der Vorzugspreis 6,50 Mk. gebunben und 6,20 Mk. ungebunden. Es wird varcnN I iitgewiesen, daß die Bestellung möglichst bald, jedenfalls aber bis zum 10. Oktober d. I. an den Großherzogltchen Staatsverlag eingesendet wird. Rach diesem Tag kann der Vorzugspreis nicht mehr gewährt werden.
Band Stadt und Kreis Main-: Die große Zahl der zu be- schreibenden Denkmäler machte für diesen Kreis etne Teilung der Arbeit nötig Die .Kunstdenkmäler von der Karolingerzeit bis zur Renaissance hat Prof. Dr. R. Kautzsch bearbeitet, die der Barockzeit, vom Eilde des dreißigjährigen Krieges bis tn die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts Prof. E. Reeb.
Der Beschreibung der Denkmäler geht voraus eine geschichtliche Einleitung von Prof. Dr. H. Schrohe, der auch die Topographie des alten Mainz bearbeitet: ferner eine kurze Schilderung der geologischen Verhältnisse des Mainzer Gebietes, soweit diese Tür die kunst- und iultiirgeschickstlichen Darstellungen ui Bettacht kommen, von Dr. O. Schmidtgen und eine kurze Geschichte des Mainzer Wappens Dion K, Streckt
Der Umfang des Stoffes erforderte desseii Verteilung auf mehrere Bände bezw. Abteilungen.
Band I 20 Bogen stark, enthält die geologische und geschichtliche Einleitung, die Topographie von Mainz und die Beschreibung der Stadtbeseftigung, sowie einen kurzen Abschnitt über den Namen und das Wappen der Stadt Mainz. Hier werden auch auf größeren Tafeln die wichtigsten älteren Ansichten und Pläne der Stadt Mainz nach Maskop, Wenzel Hollar, Merian u. a. beigegeben.
Band II. 40 Bogen stark, ivird in zwei Abteilungen erscheinen. Er enthält die Beschreibung der kirchlichen Denkmäler der Stadt, beginnend mit der des Dornes. Im Terte und auf besonderen Tafeln bringt dieser Band eine reiche Fülle neuer, eigens für das, Kunstdenkmäleriverk angefertigter zeichnerischer und vhotogra- phischer Ausnahmen, dabei die Aufnahmen mehrerer bedeutender Kirchen, die bisher überhaupt noch nie ausgenommen worden waren.
Band III, ebenfalls 40 Bogen stark und ebenfalls in zwei Abteilungen erscheinend, bringt die weltlichen Bauten und die verschwundenen Denkmäler der Stadt Mainz, sowie die Beschreibung der Kunstdenkmäler des Landtteises Mainz. Auch hier ist ein reiches Abbildungsmaterial vorgesehen.
Bei der Voransbestellung wird der Vorzugspreis für den einzelnen Band bezw. dessen Abteilungen von je 20 Bogen 7,50 Mk. betragen.
Rach dein Erscheinen der Bände bezw. ihrer Abteilungen Stadt und Kreis Mainz erhöht sich der Preis für den einzelnen Band bezw. für jede Abteilung auf 10 Mk.
Einzelne Bände bezw. Abteilungen der Beschreibung des Kreises Mainz werden nicht abgegeben.
Tie Frist für die Vorausbestellung der Veröffentlichung der Bände und ihrer Abteilungen Stadt und Kreis Mainz rum Vorzugspreise erltretft sich bis zum 1. Januar 1914, für später entlausende Bestellungen kann der Vorzugspreis nicht mein gewährt werden.
Die Bedeutung, die die Stadt Mainz dank ihrer Lage und dank ihrer Geschichte im alten Reiche gehabt hat, spiegelt'sich in ihren Denkmälern wieder. Von der Römerzeit bis zum Klassizis- mus reicht die kaum unterbrochene Kette stolzer Zeugen der Ver- gangenheit. In jahrelanger, eindringender Arbeit haben sich die Verfajwr berühmt, ihnen alles das abzufragen, was für den Freund alter Kunst wie für den Freund vaterländischer Geschichte irgend von Bedeutung sein tonn. So bittet der Text in gemeitwer-
all den schönen preisenden Reden in dem geheimen Berlttüde-- rungsvertrag schreiben wird.
Die zweite strenge Fessel, mit der Spanien nun „unauflöslich" an Frankreich gefettet wird, ist Marokko, von dem in Barthous Audienz bei König Alfons zu' San Sebastian nach des Ministers eigenen Worten so „viel die Rede war." Als im November des vorigen Jahres das spanisch-französische Marokü>abkommen unterzeichnet wurde, verheblte man sich in Madrid nicht, daß der neue Vertrag dem Lande schwerwiegende Pflichtetl auferlegte. Aber man hoffte, er würde den Ausgangspunkt einer blühenden Entwicklungsperiode bedeuten und einen wahren Goldregen nach dem Mutterland? leiten. Von diesen Hoffnungen und Wünschen ist seither nichts, aber auch gar nichts in Erfüllung gegangen. Im Gegenteil, der Marokkofcldzug hat das Land immer tiefer in Schulden und damit in eine größere Abhängigkeit von der Tripleentcnte gebracht. Seit Anfang dieses Jahres hat sich, wie man weiß, die Lage im spanischen Marokwgebiet noch drohender gestaltet und zu Explosionen geführt, die für die Spgnier eine lange Reihe von Schlappen und großen Verlusten zur Folge hatten. Von einer wirklichen Besitzergreifung des Landes kann — abgesehen von den Küstengebieten — keine Rede sein. Das innere Marokko ist noch ungeschwächt. Man hat eben in Madrid — wohl aus innerpolitischen Gründen — die marokkanische Lage zu rosig angesehen. Und nun stellt sich heraus, daß die Marokto-.Pazifikation" dem Lande Spanien in den letzten fünf Jahren die Kleinigkeit von ungefähr einer halben Milliarde Pesetas gekostet hat, eine Summe, die vielleicht nominell gezahlt ist, in Wahrheit auf dem Debetkonto Spaniens steht. Ungeheure Ochser waren nötig, um dieses finanzielle Kunststück rechnerisch zu ermöglichen. Die ständige Truppenmacht von 50000 Mann, von denen der größte Teil im nördlichen Marokko steht, verschlingt Unsummen. Immer neue Zuschüsse an Gut und Blut sind erforderlich. Um sich finanziell in so furchtbarer Lage über Wasser zu halten, reicht jetzt Spanien der französischen Republik die „Bruderhand". Das ist das Geheimnis der bengalischen Beleuchtung, die Ende dieser Woche in Madrid abgebrannt wird.
San Sebastian, 29. Sept. Ter König hat gestern nachmittag den französischen Ministerpräsidenten Barthou in einstündiger Audienz empfangen. Barthou wurde mit großen Ehren empfangen und schort in das Gemach des Königs geführt, wo dieser ihn auf das herzlichste und sympathischste begrüßte. Der König und der Mtnisterpräsi- dent besprachen die bevorstehende Reise des Präsidenten Poineare. Die Unterhaltung verbreitete sich auch über die großen Fragen bezüglich Marokkos und über die allgemeine Lage Europas. Barthou erklärte nach einer Unterredung mit einem Journalisten, er sei gerührt von der Treue und der tätigen Freundschaft des Königs für Frankreich und seinem Wunsche, zwischen beiden Ländern die engsten Beziehungen herzustellen.
Bei der Einweihung der französischen Schule erwiderte Mtnisterpräsident Barthou auf die Rede des Mealden, der von der nahen Verbindung Spaniens mit Frankreich in Anknüpfung an die Reisen Poinearös und Barthous gesprochen hatte,' mit dem Ausdruck der Genugtuung, daß der Mealde in seinen Gedanken die Hoffnungen ausgesprochen habe, die allen Franzosen teuer seien und denen er sich als Vertreter der französischen Regierung mit Stolz anschließe. Er führte weiter aus:
Vor sieben Jahren bereitete Spanien dem Präsidenten Loubet einen begeisterten Empfang. Seither ist man ttotz mancherlei Meinungsverschiedenheiten bei den damals Frankreich bezeugten Gefühlen beharrt. Heute scheint mir, daß sich etwas Neues ereignen will, daß sich alle Mißverständnisse zerstreuen wollen und daß der Horizont sich ansklärt. Heberall in Frankreich sind
ftanbhtüer eaifung nicht nur eine eingehende Würdigung bet alten Mainzer Kunst, sondern zugleich auch einen zuverlässigen öuhrer durch die Denkmäler der Stadt und des .Kreises Mainz.
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_ . db. Moissi als Tasso. Aus Berlin wird uns geschrieben • seitdem Kain; in ferner Verkörperung des Goetheschen Tasso nne ferner am meisten umstrittenen Gestalten schuf, erlebten b:c Bulmen der Reichshauptstadt keinen Versuch größeren Stils, diese Ichwierchste und Ilippenreichste Rotte neu zu erobern. In' einer PnatcrCTn Reinhardts Regie erstandenen Neuinszenierung des Werkes hat am Samstag im Deutschen Theater /Heran oer Moi > si das Wagnis unternommen. Er begann im ersten Aufzug mit einer Gestalt, die eine aus empfindlichstt-m -toU aufblühende schwärmerische Bescheidenheit in knabenhafte oder rem in mädchenhafte Verzückung auflöste und damit in ein' Weienlougkeit auszumünden drohte, die ihre Reize fast aus- ichlieNich von dem zarten Schmelz der zum milden Piano ge- bammten Singstimme Moissis bestreiten zu wvlleii schien Tie folgenden Aufzüge aber brachten die Wandlung: und leigten Moissi m einem wundervollen Kampfe, über die Grenzen ferner von Virtuoienttim schon stark bedrohten Kunst in bas Reich Gocthe- jaKr Menschengestalten vorzudringen. Hier sand er, wie im vierten
Zeiten 9lktes, Augenblicke einer überraschenden innigen Schlichtheit und Würde. Un9 in den folgender Szenen bisweilen ein Auflodern der Leidenschaft, das unvergeßliche Eindrücke toedte, ipenn ihn auch bin und wieder die erstaunliche Beherrschung stimmlichen und schauspielerischen Technik zu mandwn Akzenten verlockte, die jenseits der Ueberzeugungskraft bleiben muf?- Der letzte Akt brachte dann einen Abstieg, der nur durch die rr r volle Wiedergabe der Scblußwotte nertetft wurde Im ganzen aber blieb es eine Leistung, die in ihrem Ernst einsttveilen einen Gipfel dessen bebeutet, was diesem ungewöhnlich begabten Sckauspi ' • fein starkes Talent schenken kann. Mit einer weniger blendenden Technik, aber mit einer stillen Innigkeit des Gefühls gab Else Heims eine Prinzessin, die mit schlichteren Mitteln Wirkunnen auslöste, die bisweilen über Moissis Leistungen hinausgritfen und diese Künstlerin in einer glücklichen Fortentwicklung ihrer wenig leichtflüssigen Begabung zeigten. Ja, viele derer, die stürmisch Beifall riefen, werden diese ergreifend menschlich^' und weibliche Prinzessin vielleicht als die schönste Gabe dieses Abends in der Erinnerung bewahren.
hinter den Kulissen der spanisch-französischen v rbrüdernng.
„Präsident Poincarä wird in acht Tagen auf spanischem Boden weilen, er wird bann mit der Autorität seiner Stellung und mit dem Zauber seiner persönlichen Gaben erklären, welches die Gefühle Frankreichs für Spanien sind." Mit diesen in spanischen Ohren so wohlklingenden Worten hat Minister Barthou in San Sebastian den Besuch des Präsidenten der Republik und den Beitritt Spaniens zum Dreiverband vorbereitet. Was die spanisch-französische Freundschaft hinter den Kulissen bedeutet, was sie insbesondere finanztechnisch kostet, darüber wird man in den offiziellen Reden nichts erfahren. Mit dürren Worten gesagt, handelt cs sich um nicht mehr und weniger als eine halbe M i l l i a r d e, die zur Deckung des spanischen Militärbcdarfs in Frankreich untergebracht werden muß, sowie um die finanzielle Realisierung des spanisch-französischen Marokkoabkommens.
Die „kühne" Zahl von einer halben Milliarde läßt sich beweisen. Der spanische Kriegsminister hat aus seinen Plänen bezüglich einer Reform der Landesverteidigung Spaniens ia bisher kein Hehl gemacht, und man braucht ihm nur nachzurechnen, um festzustellen, was er von der Volksvertretung an Geldsummen verlangen wird, was davon das verarmte spanische Land zurzeit bcizustcuern vermag und was eben von außen her zugeschossen werden muß. Das derzeitige Kriegs- budget Spaniens beträgt 218 Millionen Pesetas. Dasjenige für 1914 soll sich auf 225 Millionen erhöhen. In dieser Erhöhung ist zunächst nichts auffallendes zu finden. Eine Million wird für Feldmanöver verlangt, eine zweite für Vermehrung der Remontc und der Pferdezucht. Aviatik und Luftschiffahrt erfordern ebenfalls mehr Summen als bisher. Nun kommen aber die außerordentlichen Kriegsforde rungen, von denen nur einzelne kleine Raten im nächsten Bn.dget stehen. Der Bau eines zweiten Kriegsge- sch Waders erfordert allein 200 Millionen. Natürlich müssen für den Ausbau der Flotte geeignete Stützpunkte eingerichtet werden. Man nennt als solche Ferrol, Cartagena und Cadiz. Die Befestigung der Flußmündungen in Galizien verschlingen mindestens so viel Geld wie die Vervollständigung der Befestigung der Balearen und der Kanarischen Inseln, für welch letztere Forderung allein 30 Millionen Pesetas notwendig sind. Der Guß der neuen Feldgeschütze in der Wasfensabrik von Trubia kostet 170 Millionen. Die Küstengeschütze sind es, die diesen Poften so gewaltig verteuern. Die Durchführung der allgemeinen Wehrpflicht macht eine Anzahl von neuen Kasernen, Proviantparks und Spitälern notwendig. Dafür hat der Kriegsminister 167 Milttonen angesetzt.
Rund genommen belaufen sich die außerordentlichen Kriegsforderungen aus 307 Millionen Pesetas, wozu die erwähitten 200 Millionen für die Flotte kommen. Macht zusammen über 500 Millionen, also eine halbe Milliarde. Wer bezahlt sie? Tos arme Spanien würde sich daran verbluten. Es ist ihm auf absehbare Zeit hinaus unmöglich, für solche Summen aufzukommen. Es bleibt ihm also nichts anderes übrig, als endgültig tu das französische Ententegeschäft einzittreten und sich bedingungslos den polittschen Forderungen zu unterwerfen, die Frankreich ihm hinter den Kulissen, hinter
229 * Blatt 163. Jahrgang Dienstag, 30. September 1913
Mk ye ne z EMger ß
ZML" , . General-Anzeiger siir Gberhesien
für die Tsgesmumner Rotationsdruck und Verlag der Sruhl'fchen Univ.-Such- und Steindruckerei R. Lanze. Redattion, Expedition und Druckerei: Schulftrahe 7.
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