Ausgabe 
19.4.1913 Zweites Blatt
 
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Ur. 9<

Zweites Blatt

165. Jahrgang

Erscheint tigllch mit Ausnahme deS Sonntags.

DieEiehener Zamilienblatter" werden dem , Sinket ger" viermal wöchentlich beigelegt, daS «KrdsDIatt fit den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die ..Landwirtschaftlichen Seit- frasen" erscheinen monatlich zweimal.

Srehener Anzeiger

General-Anzeiger fir Gberhejjen

Samstag, 19. April 1913

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts Buch- und Steindruckerei.

N. Lange, Gießen.

Redaktion, (Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition imb Verlag: 51.

Redaktion: 12. Teb-AdruAnzeigerGießen.

Aus den Reichrtagraüsschüsien.

» :: B e r l i n, 18. Wpril.

Der Aeltensterat des Reichstages

trat heute vor der Plenarsitzung zusammen und beschloß die Voranschlagsberatung bis zum 30. 2lpril fertig zu stellen. In der nächsten Woche soll der Militäretat zu Ende beraten werden, außerdeur der Voranschlag des Reichsschatzamts und der Zölle. Außerdem jottni in dieser Woche noch Wahlprüfungen und kleinere Vorlagen, sowie Bittschriften erledigt werden. Die dritte Lesung des Voranschlags soll dann bonr 28. bis' 30. April durchgesührt iperbcn. Darauf sollen die Pfingstfcrien cintrcten. .Das Plenrim wird sich bis sinn' 26. Mai vertagen, der Budgetcmsschuß dagegen soll bereits am 19. Mai wieder zusammentreten, um die Wehr- und Deckungsvorlagm, soweit möglich, zu fördern.

Im Budgetansfchttß

beschäftigte inan sich beim Militäretat auch bnrte wieder mit Ersvarnisfrageit, insbesondere wandte man sich gegen das lieber- maß von Besichtigungen Außerdem wurde über die Zeppelin - Landung bei L un ev il l e Auskunft gegeben. Der dichter des Luftschiffes bei der Abnahmefahrt war Kapitän Gl und, der in Luftfchiffer- und Märinekreisen einen guten Ruf genieße. Es wurde zuerst in der Richtung nach Karlsruhe gesteuert. a,as Schiff verlor dann die Orientierung in den Wolken. Man stellte fest, das man um 8.20 Uhr in der Geaend bon Tuttlingen i Württemberg i wär: dann geriet das Schift in Schneegestöber, wobei durch einen Schneekliimpen, der vom Propeller losgeschleu- dert wurde, eine Zelle zerschlagen wurde. Um' 10.20 Uhr war das Sck'isf 1300 Meter hoch, um- 11 Uhr ging man herunter. Um 12.23 Minuten bekam man Zweifel, ob man noch in Deutschland wäre. 1.30 Uhr sah mau einen Augenblick die Erde, 1.42 Uhr bemerkte man eine Reiterabteilung. 1.47 Uhr wär man wieder im Rebel, und um 2 Ubr sah man einen Kavallerie-Ererzier- platz und erkannte bald die französische Garnison. Man hielt es zur Vermeiduna von Weiterungen für richtig, nunmehr die Lan­dung zu versuchen, zumal aucb> der Benzinvorrat sehr knapp ge­worden. und man unter diesen Umständen zu einer Landung mit unaünstigcm Gelände hätte genötigt sein können. .Die.Offiziere berieten darüber ob e-^ nicht zweckmäßig wärm das Lustschft'f zu ver- T rennen: man habe sich aber dafür entschlossen, dies nicht zu tim. Es könne niemandem ein Vorwurf aus diesem höchst bedauerlichen Ereignis gemacht werden. Darauf vertagte sich der Ausschuß aus Montan__

Zu öen Uneasaraueln (tut der BalfdnftalbinfcL

In dem dritten Httt der Berichte des türkischen Aus­schusses über die Greueltaten der verbündeten Balkauheere wird das unmenschliche Vorgehen der bulgarischen Soldaten an einem bestimmten Vorfall in ein grelles Licht gevüekt. Die Bewohner dreier türkischer Dörfer, im ganAen mehrere Tausend, zumeist Frauen. Kinder und Greise, waren in die Stadt D o i r a geflüchtet. Dort wurden sie von den bald nachrückenden 'Bulgaren ausgewiesen und machten sich, von den Bulgaren in vier Gruppen geteilt, auf den Weg nach Hause. Als die erste Gruppe, die ungefähr 4 6 00 Seelen zählte, die Grenzen der Stadt verlassen hatte, standen zu beiden Seiten der Landstraße bulgarische Soldaten, die unausgesetzt in die Mensche n m ässe h in e i n sch o s s en , bis ihnen die Munition ausging und die Arme vor Müdigkeit heruntersanken. Die übrig ge­bliebenen Flüchtlinge wurden die Nacht über von Machen umstellt und am nächsten Morgen ging das Morden von neuem los. Sotveit keine frische Munition zu beschaffen war, half man sich mit dem Bajonett und mit A e x t e n. Das Endergebnis war. daß von den mehr als 4000 Menschen kein einziger das nächste Dorf erreichte. In ähnlicher Weise wurden auch die übrigen Gruppen der Geflüchteten Hin­geniacht, nur mit dem Unterschiede, daß die Männer er­schossen wurden, während man die Frauen in Mei nahe­gelegene Orte führte, wo Schlachtbänlc waren. Dort wur­den " die armen Geschöpfe grausamer niedergemacht, als man es mit dem Vieh zu tun Pflegt.

Ein so zweckloser Massenmord läßt sich nur durch die Annahme eines Wahnsinnszustandes bei den Tätern er­klären. Zn dem ..Siebenbürgisch-deutschen Tageblatt" er­innert der ungarische Älbgeordnete Neugeboren an die ganze Aufregung des Krieges, an die furchtbare Ermüdung und Ueberspannung der Nerven durch Wochen hindurch, an den Anblick von Toten und Verwundeten, .hierdurch mochte in diesen bulgarischen Soldaten das wahnsinnige Bedürfnis erzeugt worden sein, immer wieder Augen und Ohren an strömendem Mut und am Wehgeschrer der Ge­troffenen zu weiden. Das waren nickt mehr Rachegelüste, das war nicht mehr Herz- und Empfindungslosigkeit, das war Mordwahn, Blutrausch!

Auf ihren Kriegs- und Raubzügen von ehedem, dre sie bis Wien ausdehnten, haben die Türken noch schlimmer gehaust. Ein Drittel der Bevölkerung Niederösterreichs wurde 1529 von ihnen niedergemetzelt oder weggeschleppt. Allein in der Gegenwart hätte man so eine grausame und kUlturwidrige Kriegführung, tüte sie Bulgaren, Serben und Griechen sich zu Schulden kommen ließen, für unmög­lich gehalten. _____________

Arrs Ktndt Tand.

Gießen, 19. April 1913.

** Landwirtschaftliche H a u s Haltungs­schulen zu Langen und Li n d h e i m. Die Landwirt- schaftskammer Darmstadt eröffnet am 1. Juli 1913 den zweiten fünfmonatlichen Haushaltungstursus für das Jahr 1913 an ihren Hansl) altun gsschulen zu L a u g e n und Lind­heim. Der praktische und theoretische Haushaltungsunter­richt erstreckt sich auf die Anleitung im selbständigen Kochen mit Rücksicht auf die Bedürfnisse des ländlichen und bürger­lichen Tisches, Zubereitung und Aufbewahrung der Speisen, in der Käsebercitung, Federviehpflege, Gartenwirtschaft, im Waschen und Bügeln, Reinhalten des Hauses, Buchführung. Da in diesem Kurse auch ein sehr gründlicher Handarbeits- unterricht, in welchem daS Stricken, Wäsche-Schnittzeich­nung, Wäschezuschneiden, Hand- und Masckinennühen, Aus- befsern erlernt wird, da ferner auch allgemein bildende Fächer, wie Aufsatz, Rechnen, Singen, Gesundheitslehre und .Krankenpflege gelehrt werden, ist die Teilnahme an dem Unterricht nicht nur Töchtern von Landwirten, sondern auch denen des Mittelstandes sehr zu empfehlen. Hinzuweisen ist noch auf die gründliche Ausbildung in den laufenden Arbeiten im Obst- und ftKinüscbau, besonders auf die Kon­servierung das Mnmachen des Obstes und der Gemüse.

Ebenso werden der Ernte und Winteraufbewahrung des Obstes und der Gemüse große Beachtung geschenkt. Die Landwirtschaftslämmer kommt den Eltern sehr entgegen, indem sie den Unterricht und Pensionspreis denwar niedrigst festgesetzt hat. Für Unterricht und Wohnung sind für Hessinnen Ml'., von Nicht Hessinnen 40 Ml. zu bezahlen. Die Kosten für Verpflegung berechnen sich nach der wirk­lichen Aufwendung. Anmeldungen zur Teilnahme sind an die Ortsschulkommissionen der Haushaltungsschulen Langen und Lindheim zu richten, welche ebenso wie die Landwirt­schaftskammer selbst auch ausführliche Programme und An­meldebogen auf Verlangen versendet.

** V o r s i ch t b e i m Einkauf von S ch u h w a r e n! Es ist eine sonderbare Erscheinung im Schuhhandel. Jeder, der die Entwicklung von Industrie und Hanbet verfolgt, weiß, daß das Leder nicht, wie ehedem, fast ausschließlich zu Schuhzwecken verwendet wird, sondern daß der Verbrauch für technische Zwecke, z. B. Treibriemen usw., ferner in der Möbel- und Automobil-Industrie ein ungeheurer ist. Dieser vielseitigen Verwendung des Leders steht ein starker Rückgang an Schlachtungen'gegenüber, und es ist deshalb erklärlich, daß die Preise für Rohäute und fertiges Leder bedeutend gestiegen sind. Daher ist es eigentümlich, daß trotz des teuren Leders Schuhe zu immer billigeren Preisen angeboten werden. Tie Begründung dieses Vor­ganges liegt jedoch in der minderwertigen Beschaffenheit dieser Schuhwaren. Durch die heutige Technik ist es mög­lich, jede Haut inehrnrals zu. spalten, wodurch ein billigeres, jedoch geringeres Leder erzeugt wird. Durch weiteres künst­liches Bearbeiten wird diesem Leder ein Ansehen gegeben, daß es von Qualitätsware kaum zu unterscheiden ist. Schaf­leder z. B., das früher nur zu Futterleder verwendet wurde, erhält durch diese neue Gerbmethode genau dasselbe Aus­sehen lvie das beste Chevreauxteder. Leichtes, mit scharfen Chemikalien rasch gegerbtes, zum Teil auch gespaltenes Sohlmaterial in Verbindung mit Pappe oder mit Kunst­leder bildet außer dem genannten Oberleder meistens die Bestandteile der billigen Schuhwareu. Sind nun die aus solchem Material hergestellten Schuhwareu in gefällige For­men gehüllt und recht glänzend aufpoliert, so glaubt der Laie, 'damit billig zu kaufen, während gerade das Gegen­teil der F-all ist. 3iicht der billige, sondern der gute, solide Schuh ist billig. Es ist deshalb richtig, daß Schuhwareu mehr denn je ein Vertraueusartilel geloorden sind.

** Berichtig« n g In dein gestrigen Eingesandt wegen der Anlagen am alten Fried hoi ist ein sehr ärgerlicher Fehler: für Zierden der Toten muß es natürlich Zierden der Natur heißen.

Landkreis Gießen.

Trohe, 18. April. Im Herbst l. IS. findet da­hier die diesjährige Verbandsausstellung des Verbandes Mitteldeutscher Kaninchen- und Geflügelzüchter statt. Der hiesige Kaninchen- und Geflügelzuchtoerein, dem die vor­bereitenden Geschäfte übertragen worden sind, hat nunmehr den 20. und 21. September l. IS. als Ausstellungstage in Aussicht genommen. Infolge des regen Interesses, das nicht allein in Trohe, sondern im ganzen Busecker Tal und auch in der weiteren Umgebung der Kaninchen- und Geflügelzucht entgegengebracht wird, erwartet man allgemein, daß die dies­jährige Ausstellung nach Güte und Masse alle früheren Aus­stellungen übertreffen wird.

Rödgen, 18. April. Bahnmeister Schmitt von hier, seither in Nieder-Olm in Rheinhessen, wurde zum Bahn­meister 1. Klasse ernannt und in den Eisenbahn-Direktions­bezirk Elberfeld versetzt.

= G r ü ningen, 18. April. DaS am 29. und 30. Juni stattfindende 50jährige Stiftungsfest des Gesangvereins der Adam Jsheimschen Stiftung scheint den jetzigen Aussichten nach sehr schön zu werden, denn es haben schon viele Vereine ihr Erscheinen angemeldet. Unser Verein und unsere Ein­wohner werden alles aufbieten, um jedem Besucher den Auf­enthalt angenehm zu machen, denn eS sind jetzt 25 Jahre her, daß hier das letzte Sängerfest war, und 13 Jahre, daß überhaupt fein größeres Vereinsfest hier stattfand. Der Ein­tritt zu dem Fest ist frei, weil den Gästen auch ein kleiner Teil unserer Stiftung zu gut kommen soll.

Kreis Schotten.

Laub ach, 18. April. In der nächsten Woche (23. und 24. d. Mts.) wird den Bewohnern unserer Stadt und der Umgebung Gelegenheit geboten, zwei sehr lehrreiche Experimental-Abende des bekannten Physikers Dähne zu besuchen. Die Veranstaltungen dieses Herrn, der uns mit neueren Forschungen aus dem Gebiete der Elektrizität be­kannt machen will und der seine klaren Darbietungen durch glänzende und mit großer Gewandheit ausgeführte Versuche unterstützt, sind von früher her noch in sehr guter Erinnerung ; sie werden auch sicherlich diesmal wieder einen großen Zu­hörerkreis aus der Stadt und ihrer Umgebung finden.

Die Mder-Modauer Genoffenschastskrise.

bs. Darmstadt, 18. April.

Heute wird der Zeuge Tonic( Perron weiter vernommen. So wird er u. a. über die Gründung der Verwaltungs und Ver-

glied von Nieder-Modan den Beitritt des Vereins zu der neu zu' gründenden Gesellschaft mit einem Anteil von insgesamt 100 000 Mark erklärt. Dio Angelegenheit wurde Dorr Kommerzienrat Ihrig sehr beschleunigt. Heber die Einbringung von Hypotheken, die Beteiligung Isaaks usw. weiß der Zeuge nichts auszusagen. Bei der Unterzeichnung der Gründungsurkunde habe Justizrat Kleinschmidt den Ausdruck gebraucht:Wissen Sie auch, was das gibt? Tas gibt einen Schuttablaoeplatz.^ Der Zeuge will den Ausdruck so verstanden haben, daß der Verein die Möglichkeit hätte, faule Werte bei der neuen Gesellschaft unterbringen zu können. Welcher Art die eingebrachten Papiere waern, weiß der Zeuge auch nicht. Er !weiß nur, daß sie zu prri eingestellt wurden. Es wird nun die Generalversammlung 1911 besprochen, wo sicht ein Verlust von 400 000 Mk. herausstellte. Dieser Verlust wurde aber nicht übernommen, obwohl es die Absicht Jhrigs war. Ueber die Werbung neuer Mitglieder sagt der Zeuge aus, daß, nachdem die Fehlbeträge von 52 000 und 275 000 Mk. über­nommen worden waren, Kommerzienrat Ihrig gesagt habe, jetzt sei die Kasse wieder in Schuß, und die Mitglieder brauchten nichts mehr zu befürchten. An alle Leute, die noch nicht Mit­glieder des Vereins waren, di: aber Geld geliehen hatten, trat man mit der Aufforderung heran, entweder das Geld zurückzu­geben, oder Mitglied zu werden. Daraufhin seien viele einge- treten. Einmal wollte Isaak der Kasse 50 000 Mk. schenken. Der Zeuge hat sich sehr über dieLiebenswürdigkeit" gewundert. Es ist dann bei Ihrig dieserhalb angesraqt worden, der aber nichts von einer Schenkung gewußt habe. Wegen der Zinsberech­nung haben einige Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder beim Komwerzttnrat Ihrig Vorstellung erhoben.. Hier bestreitet der Angell. Ihrig, zu hohe Zinsen berechnet haben. Er habe den Nieder-Modauer Herren das Konto gezeigt, auf dem tatsächlich nur 4 Prozent berechnet waren. Der Zeuge Perron und der Zeuge Neff behairpten aber, daß ihnen nicht das Kontokorrent, sondern das Lombardkonto gezeigt wurde. Ter Staatsanwalt erblickt hierin eine beabsichtigte Irreführung. Angell. Ihrig (sehr erregt!: Ich habe 40 Jahre dar Genossenschaft gedient, und nun wird wir bei jeder Kleinigkeit vorgeworfen, ich führe den Verein irre. Der Vorsitzende muß hier vermittelnd eingreifen.

Der nächste Zeuge ist der Bauunternehmer Nicolaus Roth aus Zürich. Er soll Auskunft geben über das Baukonsortium Pallmann, Isaak und Roth. Ter Vorsitzende macht ihn daraus aufmerksam, daß er auf Fragen, durch deren Beantwortung' er sich selbst belasten könnte, die Antwort verweigern kann. Der Verein Nieder-Modan hat u. a. auch einmal für eine Schuld des Zeugen Bürgschaft geleistet. Bors.: Wie kam denn der Ver­ein dazu, für Ihre Sck'ild Bürgschaft zu übernehmen. Sft rönnen mir die Antwort verweigern. Zeuge: Das hat Pallmanu veranlaßt. Ihm' war der Verein, wie er sagt verpflichtet Welcher Art diese Verpflichtungen aber waren, kann der Zeuge auf mehrfaches Fragen nicht angeben. Mit Maut hat der .Zeuge nid r geschäftlich zu tun gehabt. Mit diesem' ist er mir gesellschaftlich zusammenge- fom'men. Bors.: Bei diesen gesellschaftlichen Zusammenkünften soll es immer recht lebhaft zugegangen sein. Der Sekt soll in Strömen geflossen sein. Zeuge: Es wären immer mehrere Personen dabei. Und überall, wo Geld untergebracht oder wo Geld geholt werden sollte, mußte etwas verzehrt werden. Staats- -e.nwalt: Der Opernsänger Speemän.n soll sich auch an diesen Ge­lagen beteiligt haben? Zeuge: Ja. Beis Konradi: Welcher Art war der Verkehr Isaaks und Pallmänns? Zeuge: Der Verkehr war ein 'sehr inniger. Von unlauteren Wechselgeschästen zwischen Pallmänn und Adam will der Zeuge aber nichts gewußt haben. Auch Isaak habe zu ihm über seine gesch äftlichen Verbindungen nie gesprochen. Auf seiner Flucht btt Adam den Zeugen in Zürich besucht. Er habe ihm erzählt, daß er die Absicht habe, nach Ameailä zu gehen. Er (Zeugei hat den Adam dann ein paar Tage bei sich nufgemnnnten. Staatsanwalt: Ta der Zeuge aus eigenem' Antriebe aus der Schweiz und, wie ich annehme, mit sicherem Geleit, gekommen ist, will ich' aus dem, was er hier c-ben sagte, keine Schlüsse ziehen. Er beantragt aber, von einer Vereidigung des Zeugen Abstand zu nehmen. Rechtsan­walt Nellschässel' beantragt aber die Vereidigung. Tas Gericht beschließt, den Zeugen nicht zu vereidigen.

Dann wird der Reisende Rudolf Bassing vernommen, der in den Fahren 19051910 bei Pattmann als Reisender an­gestellt war. Er bat bei P. häufig Blankoakzepte mit dem Namen Philipp Lldam gesehen. Er weiß auch von einem sehr lebhaften Verkehr zwischen Pallmann. Adam und Isaak. Bei Abschluß von Geschäften sei der Buchhalter stets ..hinausgejagt^ worden. Es habe immer geheißen:Raus". Von Pallmann bat der Zeuge sonst aber einen guten Eindruck gehabt. Auch hielt er ihn für einen reichen Mann.

Der nächste Zeuge ist der Kaufmann Georg Saalfrank. Er war von 1905 bis 1909 bei Pallmann nngcftclft. Er mußte öfter Wechsel schreiben, die schon die Uitterschrist Adams trugen. Heber die geschäftlichen Verbindungen Pallmanns weiß der Zeuge nichts zu sagen.

Dann wird ein Fuhrmann Zezkob vernommen, der Gel­der für Pallmann kassierte. Nähere Angaben kann der Zeuge aber nicht machen.

Der letzte Zeuge heute ist der Bankdirektor Wolfsthal von der Bayerischen Handelsbank in Aschaffenburg. Der Zeuge hatte Geschäftsverbindungen mit Pallmann und Isaak. Er hat auch häufig Wechsel von Nieder'-Modau zum Diskont erhalten. Die Auskünfte, die er über Pallmann und Rieder-Modau eingeholt hatte, waren stets gut. Zeuge war der Meinung, daß Pallmann beim Nieder-Modauer Verein einen hohen Kredit habe. Der Zeuge berichtet über seine Geschäftsverbindung mit Isaak, den er für einen tüchtigen Geschäftsmann gehalten habe. Er bat zeitweise dessen Ber'mögen in Höhe von 800 000 bis 1 Million Mark verwaltet. Die Geschäftsverbindung sei abgebrochen worden, als sich Isaak bei der Sanierung der Landwirtschaftlichen Kreditbank festgelegt hatte. Isaak habe damals so große Verpflichtungen übernommen, die er nach Ansicht des Zeugen nicht erfüllen konnte.

Hm 2 Uhr wird die Sitzung abgebrochen. Fortsetzung morgen

wyrtungsgesellschäft gehört. Der Zeuge hat als Aufsichtsratsmit-

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