Nr. M
Erscheint tazttch mit Ausnahme deS Sonntags.
stein mit so hohen
von ihm ist nichts
a*1/«
onummern.
ssel
au/.
nao
jöODOO
stleris^.
vom lieber liegt daß nicht
tisch.
n noch
l,is
nents- .. Recher
Abg. Graf Westarp (Kons.):
Ich bitte um das Wort zur Geschäftsordnung. (Große Unruhe bei den Soz. — Zurufe: Der Abg. Dr. Frank hat bereits das Wort.)
auch Antisemit.) Ich bedauere, das; bei Sjcrrit £>cinc mit zunehmendem Alter die Vernunft seiner Jugend Qbgcnommcn hat. Große Heiterkeit rechts.) Aber schließlich ist Verstand immer nur bei wenigen gewesen. (Große Heiterkeit rechts.) Es ist gesagt worden, die Juden würden, wenn sie nicht berücksichtigt werden, nicht geneigt sein, den Wehrbeitrag zu zahlen. Nun, ich glaube, wenn es sich darum handelt, die Juden plus Vermögen los zu werden, dann wurde das deutsche Volk sehr gern auf den Wehrbeitrag verzichten. Wir lehnen also jüdische Offiziere ab, erst recht, wenn sie getauft sind. Man soll dock, wie schon einmal hier vorgeschlagen wurde, rein jüdische Regimenter bilden, ein Regiment mit Juden als Offizieren, Junker», Unteroffizieren und Mannschaften. Tann, wenn ich das erste jüdische schwere Reiterregiment wie die Pappenheimer über die Felder stampfen sehe, dann werde ich dabei stehen rrnd aus vollem Herzen singen: Tas ist Bernsteins wilde, verwegene Jagd! t Große Heiterkeit recksts.)
Abg. Schöpslin (Soz.):
Von einer antisemitischen Bewegung können wlr kaum mehr sprechen, da diese Bewegung in so jämmerlicher Weise z u so m m e n g e k r a ch t ist, daß sie heute kaum mehr existiert. Diese ganze antisemilische Bewegung war von der ersten Stunde, wo sie aufkam, bis zu dem kläglichen Ueberreft Dr. Werner-Gießen (Große Heiterkeit!) nichts weiter als eine fort, gesetzte Schändung der Kultur und der Reinlich, seit. (Lebhafte Zustimmung links.) Man braucht sich nur die edle Reihe anzusehen von Herrn Ahlwart bis hinunter zu der jüngsten Blüte, um zu wissen, waö diese Bewegung wert ist. Ich nehme das Wort Antisemitismus in anständiger Gesellschaft nur zwangsweise in den Mund. (Sehr gut! links.) Herr Dr. Werner möchte im Interesse der Rassenreinheit nicht, daß eine Vermischung mit den Juden erfolgt. Wenn Herr Dr. Wenier-Gießen wirklich derTypbc S G ermuntn ist, dann glaube ich, daß die Rassen. Vermischung für das Germanentum außerordentlich vorteilhaft wäre (Gr. Heiterkeit und Sehr put! links.)
Wenn Herr Dr. Werner der Vertreter des Germanentums ist — dann Germania verhülle beschämt dein Haupt! Und wenn weiter jemand wie Herr Dr. Werner-Gießen darauf Anspruch macht, ein Vertreter des Christentums zu sein, dann läßt es sich parlamentarisch nicht bezeichnen, wenn er so auftritt wie Dr. Werner. Weiß der Herr nicht, daß die ersten Christen Juden waren und daß sie alle Opfer der Unterdrückung ertragen haben, um dem Christentum«: zum Siege zu verhelfen? Ich will das Verhalten deS Herrn Dr. Werner nicht mit dem richtigen Aus. druck bezeichnen, weil er mir nicht wert ist, einen Ordnungsruf seinetwegen z u erhalten.
Vizepräsident Tove: Ich habe den Redner bisher nicht unter, brachen, weil er nur auf die Ausführungen des Vorredners antwortet. Aber es wäre doch angebracht, wenn die Debatte zur Wehrvorlage zurückkehren würde. (Sehr wahr! und Heiterkeit.)
Abg. Schöpslin (Soz.) fortfahrend:
Wir verlangen, daß mit dem jetzigen System der Bevor, zugung und der Protektion gebrochen wird. Selbst die ge» mäßigten Fortschrittler laufen ja jetzt schon Gefahr, wegen ihrer politischen Gesinnung nicht mehr zu Offizieren be* fördert zu werden. Nun hat Gen. cal von Wandel behauptet, daß bei den Avancements nur nach Gerechtigkeit und frei von jeder Protektion vorgegangen werde. Wir haben nach der gestri- gen Erklärung des General von Wandel allen Grund, feine Be- Häuptlingen mit Vorsicht aufzunehmen. General von Wandel sagte gestern, daß der Deutsche Gastwirteverband mit mehr als 1OOOOO Mitgliedern sich für den Boykott ausgesprochen habe. Dem. gegenüber ist uns ein Telegramm zugegangen, worin gegen diese Behauptung des Generals von Wandel auf das energischste protestiert wird. Der allergrößte Teil aller Mitglieder der Gastwirtekorporation, heißt e5 darin, ist gezwungen, um existieren zu können, allen politischen Richtungen seine Räume zur Verfügung zu stellen und ist ganz besonders auf die Kund» schäft der großen Mengen der Arbeiterbevölkerung angewiesen. Wir bitten daher, wenn irgend möglich, diese ErÜärung heute dem Reichstag vor der Abstimmung zur Kenntnis zu bringen. Unterzeichnet: Verband der Gast- unb Schankwirte für Berlin und Brandenburg, Gastwirteinnung zu Berlin usw. (Zuruf: DaS ist wohl das Telegramm des Dr. Franke?) Jawohl, meine Herren, das ist allerdings das Telegramm. Sie sehen, zum Ziele kommen wir so oder so. (Heiterkeit.)
Generalseutnant b. Wandel:
Ich habe von meiner gestrigen Erklärung nicht ein Wort zurückzunehmen. Ich habe ein Schreiben des Reichsver-
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straßc 7. Expedition und Verlag: 51.
Redaktion: 112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.
Gegenteil, wir halten solche Verbote für durchaus berechtigt, aber nur so lange die Versammlung dauert. (Stürmische Unter- brechung der Soz.: Na also, das sagen wir ja auch!) Hören Sie nur weiter. Wenn dagegen ein Gastwirt nur der sozialdemokratischen Partei (Zuruf bei Soz.: Das gibt's ja gar nicht!) bezicl'ungsweise seinen Anhängern sein Lokal freihält und sich vielleicht selbst noch zu der Sache bekennt, so halten wir das Militärverbot ebenfalls für berechtigt. (Hört! Hört! rechts, Lachen b. d. Soz.) Das ist das aktenmätzig vorliegende Schreiben. Ich habe dem nichts hnizuzufügen.
Die „Gießener Zamlllendlätter" werden dem .Anzeiger- viermal wöchentlich beigelegt, das „Krcisblatt für den Kreis Eiehen" zweimal wöchentlich. Tiv „Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
innen Fcldzugsbriefen als die wahren Schlachtenräuber bejeirfmet, otc den Ruhm des Heeres vernichte». Auch die Desertionen jüdi- idicr «oldsten sind ganz unverhältnismäßig groß. Seine inneren Eigenschaften und auch sein Aeußeres machen den jüdischen Stamm für den Heeresdienst ungeeignet. Ein Truppenteil wird durch sic geradezu demoralisiert. Als Prinz Heinrich nach China ging, wieviel Juden haben sich da gemeldet? Taß ein Jude in Tüdwest- afrila gefallen sein soll, bedeutet nur, daß es hier mal einen weißen thaben gegeben hat. Diese jüdischen Heldentaten sind int ganzen masts als Fabeln. Zum Offizier gehört nicht nur die persönliche Eignuug, sondern auch noch etwas anderes. Der bayrische Knlkus- mintfter von Wehner hat auf eine Anfrage wegen der jüdifcheir Mittelschullehrer geantwortet, man habe mit ihnen nicht viel günstige Erfahrungen gemacht. Das gleiche zeigt sich auch im Heeresdienst^ Tas Berliner Tageblatt hat sich darüber lustig gemacht, daß die Soldaten stramm stellen müssen. Ja, wenn ntan Jude ist, wie kann man denken und reden, wenn man die Hände an der Hosennaht hat! <Große Heiterkeit.) Hier kommen Imponderabilien in Betracht, die im Blute liegen und in der Erziehung begründet,sind. Ter Offizier muß in einer guten Häuslichkeit ausgewachsen sein und Formen besitzen. ES gibt Familien im deutschen Vaterlande, in denen Generationen hindurch ein guter, militärischer, soldatischer, Geist gepflegt worden ist. Aber die Psyche des Judentums ist anders, die können wir im Heere nicht brauchen. Es gibt auch so viele revolutionäre Elemente im Judentum. Ruse: Huhu! Unruhe bei den Soj.) Wenn ick) Ihren edlen Kreis betrachte, so habe ich gleich den Beweis. Was von dem Judentum?,u halten ist, sagte schon Goethe, der gestern von Bernstein mit so hohen Worten gepriesen wurde. Er sagte: Ter Jude glaubt nur an das Geld und sucht die Völker auszurauben,
' V.3 zu hoffen. Siehe die Sozialdemokratie! »Große Heiterkeit.) Seien Sie Schopenhauer, Sie können großen Nutzen davon haben. tZuruf rechts: Ter Abg. Heine war früher
Samstag, 2f. Zuni (9(3
Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen Universitäts - Blich- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
- Kuns
i neuzeitlich reno- ise angeordneten [fenstern iren Besichtigung ire Wohnungsein- Dieselben geben i ausserordentlich rein gemütliches, / , — Ausserdem I DU Nöl ien Besichtigt t isgestatteteuins- I mne in einfacher Ausführung ' Garantie!--
vtl. bis Wohnung .Einrichtung [fr, Ausführung enenEutwürfen Zeichnungen frei
Abg. Graf Westarp (Kons.):
Ich erhebe Widerspruch. Da die Diskussion bereits gestern geschlossen ist, kann das Wort nur erteilt werden, wenn niemand Widerspruch erhebt.
Präsident Dr. Kacmpf:
Da Widerspruch erhoben loorden ist, muß ich davon Abstand nehmen, dem Abg. Dr. Frank daL Wort zu erteilen. (Große Unruhe bei den Soz.)
Abg. Haase (Soz.) (Zur Geschäftsordnung):
Es liegen eine Reihe von Antezedentien vor, daß einem Mitglied des Hauses ausdrücklich vor Eintritt in die Tagesordnung gestattet wird, eine Erklärung abzugeben, auch wenn die Diskussion bereits geschlossen ist. Diese Erklärung muß lediglich in ihrem Wortlaut vorher dem Präsidenten bekannt gegeben werden. Das hat der Abg. Dr. Frank auch getan und hat vom Präsidenten die Befugnis erhalten, das Telegramm zu verlesen. Wenn der Herr Präsident diese Befugnis jetzt zurück- nehmen will, so setzt er sich in Widerspruch mit sich selbst. Dazu kommt ferner, daß der Abg. Dr. Frank bereits begonnen hatte, das Telegramm zu verlesen. (Lebhafter Widerspruch rechts — Zustimmung bei den Soz.) Der Herr Präsident durfte deshalb dem Abg. Westarp gar nicht mehr b a 5 Wort zur Geschäftsordnung erteilen.
Abg. Dr. Frank (Soz.):
Ich habe tatsächlich vom Herrn Präsidenten die Erlaubnis erhalten, das Telegramm zu verlesen, und ich hatte schon die zwei ersten Worte hier verlesen. (Zuruf rechts: Nein! Große Unruhe bei den Soz. — Zurufe: Jawohl, er hat schon zu lesen begonnen.) Ich habe das Wort erhalten und halte mich für berechtigt, die Depesche zu verlesen. Sie lautet —
Präsident Dr. Kacmpf (unterbrechend):
Ich habe zu erklären, daß ich dem Abg. Frank, als er mich beim Betreten deö Saales bat, eine Depesche verlesen zu dürfen, gesagt habe: damit wird die Debatte wieder eröffnet. Das habe ich erklärt. Darauf hat nur ein Mitglied des Hauses Widerspxuch erhoben. Das muß ich zur Richtigstellung hier feststcllen.
Abg. Graf Westarp (Kons.) (Zur Geschäftsordnung):
Die Verlesung deS Telegramms vor Eintritt in die Tagesordnung kam gar nicht mehr in Frage, da wir ja schon einen Punkt der Tagesordnung erledigt batten. Wenn der Herr Präsident die Verlejung einer Erklärung gestatten will, so muß dies vor Beginn der ganzen Tagesordnung geschehen. (Sehr richtig! rechts, Widerspruch bei den Soz.) Im übrigen hat der Herr Präsident selbst nach seiner Aussage dem Abg. Dr. Frank erklärt, daß durch feine Erklärung die Diskussion wieder eröffnet wurde. Das konnte aber nur geschehen, wenn niemand widerspricht. Da ich aber widersprochen Ijabc, war die Verlesung der Erklärung unzulässig.
Abg. vou Payer (Vp.) (Zur Geschäftsordnung):
Es ist in allen Parlamenten und auch hier üblich, das; außerhalb der Tagesordnung der Präsident aus besonderen Gründen einem Abgeordneten die Gelegenheit gibt, den Wortlaut einer vorher festgestellten Erklärung vorzutragen. Um diesen Fall handelt cö sich hier aber nicht. Wir waren bereits in die Tagesordnung eingetreten. (Sehr richtig! bei den bürgerlichen Parteien.) Außerdem hat ja der Herr Präsident dem Abg. Dr. Frank ausdrücklich erklärt, daß die Debatte durch seine Erklärung wieder eröffnet würde, unb das kann nur geschehen, wenn niemand widerspricht. Ta aber ein Widerspruch sich erhoben hat, so muß es beim guten Willen des Präsidenten sein Bewenden haben. (Beifall bei den bürgerlichen Parteien.)
Abg. Haase (Soz.), (Zur Geschäftsordnung):
Die letzte Bemerkung trifft nicht zu, weil der Abg. Dr. Frank Bereits ba£ Wort erhalten unb. mit der Verlesung begonnen batte. (Sehr richtig! bei ben Soz.) UeberbieS heißt cS m einem S<om= nicntar zur Geschäftsordnung ausdrücklich, baß bie 3ulafjnng von Erklärungen vor Eintritt in bic Tagesorbnung in bte diskretionäre Gewalt bes Präsidenten gestellt ist. Der Präsident hat dem Dbg. Frank daS Recht eingeräumt, eine Erklärung zu öerlejen, ■unb beshalb ist in diesem Fall ein Widerspruch eines Mitgliedes des Hauses nicht zulässig.
Abg. Dr. Frank (Soz.):
. Nur zur tatsächlichen Feststellung: Ich habe den Präsu-enten l cdiglich gebeten, oie Depesche verlesen zu dürfen, nicht zu bicepn Uunkt, den sie betrifft, sondern vor Eintritt in Die Tagesordnung. Ich glaubte annehmen zu können, daß er mir diese Erlaubnis gcu.ii würde. Wenn er aus Gründen, die ich nicht kenne, mir das Wort Erteilte, so dürfte ich annehmen baß er das Recht dazu hatte. Es wohl möglich, daß Lus Grund .des Jichalts„deL Dresche das
uns vollständig fern, das Ansinnen stellen zu wollen, Militär- oder Kriegervereinen der Besuch von Lokalen untersagt wird, sobald darin Versammlungen stattfinden. Im
’■ Nr. ne i 1913.
stecht der B. K. L.
1 der Jlnmie
1 Akt.
der Industrie Aufnahme.
Sieger
.tisch.
rTorbeitnicht
1 Akten.
Ächt^yen ihpfeiep
bandes Deutscher Gastw irteverbände, Sitz in Berlin, 27. Februar dieses Jahres vor mir. Darüber steht: 100 000 Mitglieder. In diesem Schreiben heißt es: Es
Ifabrik
, Gießen SÄ**
Diertes Blatt (65. Jahrgang
Gtehener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
vaus es nachher für nötig hielt, in eine Debatte darüber rin31t treten. Wenn i ch verhindert wurde die Depesche z u v e r l e s c n , so ist cs mir doch zweifellos, daß der Präsident wenn er dazu einem anderen Mitglied des Hauses das Wort erteilt Ijat, s 1 ch nicht im Rahmen seiner Befugnisse ac- halten hat. (Oho: rechts. Unruhe.)
Präsident Dr. Kacmpf:
Ich muß gegen diese Aeußcrung deö Abg. Dr. Frank Verwahrung e 1 n I e g c n. (Zustimmung.) Als ich Herrn T-r. Frank zur Verlesung das Wort gab, bemerkte ich, daß die Dis- kugion dadurch wieder eröffnet wurde. Daraus geht deutlich hervor, daß cm Widerspruch aus dem Hause sie verhindern mußte. Den Inhalt der Depesche kenne ich übrigens in diesem Augenblick noch nicht. ES ist mir nicht möglich, in einem Moment eine zwei Seiten lange Depesche durchzulesen. (Sehr richtig!)
Abg. b. Payer (Vp.):
. Wir wollen nicht darüber streiten, ob der Präsident vor Eintritt oder nach Schluß der Tagesordnung das Wort zu solchen Erklärungen geben kann. Wir wollen einmal sagen, er hat daS Recht dazu außerhalb der Tagesordnung. Nach der Erklärung des Herrn Präsidenten aber ist ganz zweifellos, daß mit dem Verlesen der Depesche eine Fortsetzung der Debatte wieder herbeigeführt wurde. Es ist ganz gleichgültig, ob der Herr Abg. Frank, wie er behauptet, im Besitz des Wortes gewesen ist ober nicht.
Abg. Graf Westarp (Kons.):
Ich kann mid)~ Herrn v. Payer nur anschließen. (Lachen b. d. Soz.) Herr Haase hat sich selbst »überlegt. Ich hatte bad Recht vor Frank zu sprechen. (Zuruf b. b. Soz.: Nicht wahr!) Graf Westarp in großer Erregung fortsahrenb: Ich verbitte mir derartige Bemerkungen. (Ungeheurer Lärm b. b. Soz., fortgesetzte Zurufe, Präs. Kacmpf erteilt in bem Tumult einen Orbnungsruf.) Der Präsibent hat durchaus richtig gehandelt, gerade in einem solchen Falle, wo cs sich um eine derartig zweifelhafte Frage handelte.
Abg. Schultz-Vromberg (Np.):
Der ganze Reichstag ist sich wohl einig, daß cs nicht angeht, kn einem solchen einzelnen Falle die Geschäftsordnung, die Gebräuche des Hauses u m z u st 0 ß c n. Auf jeden Fall muß Die Möglichkeit gegeben werden, Widerspruch zu erheben, bevor eine Debatte wieder eröffnet wird. Wenn Dr. Frank mit seiner Verlesung nicht in den Besitz des Wortes gelangte, wie Graf Westarp das ausdrückte, so hätte ein Widerspruch formell gar nicht erhoben werden können
Abg. Dr. Frank (Soz.):
Es entspricht ben Hebungen unb Gebräuchen deö Hauses, daß eS sich der Verlesung einer ganz unbekannten Erklärung nicht widersetzt. (Lachen rechts.) Wenn der Präsident mich jetzt verhindert, die Depesche zu verlesen, ich lege sie daher aus den Tisch des Hauses nieder, (»stürm. Gelächter rechts.) * Abg. Graf Westarp (Kons.):
Heber die Gründe, weshalb ich Widerspruch erhob, brauche ich nicht Rechenschaft abzulegen. Es handelt sich nur darum, ob die Debatte wieder eröffnet werden sollte, unb das wünschte kein Mensch.
Damit ist diese Angelegenheit erledigt.
Die Beratung der Wehrvorlage
wird nunmehr fortgesetzt. Die gestern vertagten A b st i m - mungen zur Frage des Militärboykotts sind jetzt nachzuholen. Es handelt sich neben der Resolution der Budgetkommission um einen sozialdemokratischen Antrag, der auch gerichtliche Maßnahmen gegen einen solchen Verruf ermöglichen will. Dieser Antrag wird in namentlicher Abstimmung mit 201 gegen 127 Stimmen abgelehnt, bei einer ungültigen und einer Enthaltungsstimme. Die Abstimmung über bic Resolution ber Kommission über den gleichen Gegenstanb bleibt zweifelhaft. Der Aufruf des Präsidenten hat auch bei der Gegenprobe kein sicheres Ergebnis; ber beshalb erforberliche Hammelsprung führt zur Feststellung einer Mehrheit von 196 gegen 100 Stimmen für bie Resolution. Sie ersucht den Reichskanzler, bafür zu sorgen, baß seitens ber Militärverwaltung Soldaten der Besuch einer Räumlichkeit nicht verboten werden darf, weil der Inhaber eine bestimmte politische Ueberzeugung hat ober Angehörigen einer politischen Partei seine Räume zur Verfügung stellt, es sei benn in ber Zeit, in ber politische Versammlungen in dem Anwesen abgehalten werden.
Nunmebr wird bic Beratung des sozialdemokratischen Antrages fortgesetzt, nach dem bic Seförbcrung innerhalb der Armee nur von ber persönlichen Tüchtigkeit abhängig sein soll. Auf die gesellschaftliche Stellung oder die Zugehörigkeit einer Neligionsgesellschaft ober politischen Partei soll keine Rücksicht genommen werden.
Abg. Dr. Werner Gießen (Wirtsch. Vgg.):
Man mackst es ssth so sehr leicht, den Antisemitismus abzutun, und es ist kein Kunststück, ihn als die Schmach des Jahrhunderts zu bezeichnen, aber sachlich bewiesen wird damit gar nichts. Isidor Wittkowski), der sich jetzt Maximilian Harden nennt, hat das verschiebenfach ausgesprochen in seiner „Zukunft" und in seinen Werken. Gr ist eben ein objektiver Jude und kommt zu dem Schluß, , daß das Junkertum immer noch dem Judentum rvrzuziehen sei. Viel objektiver als Sie, Herr Tr. Müller- Meiningen. (Gelachter.) Wir bewilligen Ihnen alles, was das Volk zu seiner Verteidigung braucht, wir find unbedingt national. Daß aber die Juden jetzt verlangen, daß wir unsere Armee ihnen unterordnen, ist eine maßlose Frechheit. Das deutsche Offizierkorps zwingen zu wollen, Juden auszunehmen — das ist Ihre Freiheit? Jawohl, Jreihckt nur für Sie, für andere aber nicht. Tas marschiert dann unter dem Namen der Toleranz oder Humanität. Wir wollen sie dort nicht haben, diese Hausiererart, die vorne herausgeschmissen wird und hinten wieder hereinkomtnt. Ich bin gewiß tein unbedingter Lobredner des deutschen Offizierkorps. Es sind außerordentlich viel oberfaule Sachen im Laufe der Jahre porgekommen. Offiziere hoben Adel und Wappen vergoldet. Wir bedauern das außerordentlich, schon im Jntereffe der Reinl-altung unserer Rasse. Gelächter links.) Ter deutsche Offizier soll lernen, sein Leben für andere aufs Spiel zu setzen. Kann man das von einem jüdischen Offizier- korvS erwarten? Schon Sckwpenhauer hat sich in schärfster Weise gegen die Art ausgesprochen, das Judentum als Konfession hin- stellen. Der Ausdrutck sollte gar nicht statthaft sein, allein der von der jüdischen Nation wäre richtig. Wir sollen doch endlich einmal davon absehen, uns gegenseittg zu fälschen. Es sind wohl einige zwanzig Juden unter uns. Davon nennen sich siebe» evangelisch, sieben koiffeffionslvs, drei iSraeliti'ch, drei jüdisch und zwei mosaisch, und von dem einen ist gar nichts darüber an gegeben. Und dabei sehen sie sich einander doch so sehr ähnlich. Große Heiterkeit.^ Tas Judentum hat sich in den Kriegen von 1813 und auch 1870 gar nicht so kriegerffch bewährt, wie es immer heißt. Im Jahre 1815 haben höchstens etwa 700 Juden unter der Fahne gestanden. In Westpreuß?» haben sie sich bekanntlich vom Militärdienst freigefauft. -ch 1870 war es nicht viel anders.
Die Statistik hat das mehrmals ganz einwandfrei und auch noch hier «n Reichstage fcstgestrkkt. General (0. Kretschnmr hat sie in
e)Vort»‘'
lenh»“8 .
Mb. Deutscher Reichstag.'
166. Sitzung, Freitag, den 20. Juni. tTm T s che bes Vunbesrats: vonHceringen.
Präsident Dr. Kacmpf eröffnet die Sitzung um 2 Uhr,
Kurze Auftage.
Abg. Dornbock (Pole) fragt an:
31t Dem Reichskanzler bekannt, daß der „Ob erschien fische Berg« unb Hüttenmännische Verein" zu Nat.owitz nach dem letzten Bergarbeiterstreik über Arbei- ?JAn beitsauSsperrung auf brei Monate Lei 1500 Mk. Konventionalstrafe für jeben Zuwiberhanblungs- J,, Erhängt hat, unb zwar so, baß Grubenarbeiter Weber auf Waben noch auf Hütten unb Fabriken, ja sogar bei von ben J’citglicicrn beS Vereins abhängigen Unternehmern keine Arbeit ei galten; J>t bem Reichskanzler bekannt, baß bie K ö n i g I i ch Preußische Bcrgwcrksbirektion Zabrze bic sem Beschluss^ entsprechenb handelt? Was gedenkt der Reichs- wnzler zum schütz ber einheimischen Arbeiter gegen diese, ber Reichsgewcrbcorbnung wiberstteitige Maßnahme zu tun?
Ministerpräsibent Tr. Caspar: Eine Aussperrung von brei Monaten ft in Oberschlcsien nicht verhängt worben. Später wurde eine Aussperrung ausgesprochen, der sich auch bic Bcrg- werksdirektion Zabrze angeschlosseii hat. Sobald ber Hanbcls- nnnistcr davon Stcnntnid erlangt hat, hat er bas Erforberliche veranlaßt, um die Aussperrung aufzuheben. Sie hat übrigens nur zwei Wochen gebauert. Der Reichskanzler hat also ke:»e Veranlassung, sich weiter mit ber Angelegenheit zu be- fajscn,
Bie zweite Lesung dec Myroorlage.
(Achter Tag.)
Präsident Tr. Kacmpf:
Vor Eintritt in bie Tagesordnung will der Ab geordnete Dr. Frank ein Telegramm verlesen, bas sich auf bie gestrige Boykottfrage bezieht. Ich erteile bas Wort bem Abg. Dr. Frank.
Istücke
Gardinen erster Auswahl
yebt
0
0
0


