Ausgabe 
15.3.1913 Sechstes Blatt
 
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Nr. 65

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

General-Anzeiger für Gberheffen

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entfallenden Schüler zeigt in 5 Staaten iiber 60 hinaus, im 'Fürstentum Lippe sogar dis 75,3. Leider sind auch einige preu­ßische Provinzen in dieser Hinsicht recht rückständig, namentlich) Posen (70,3), Schlesien (63,1), Westpreußen (61,5) und West­falen (60,0), obwohl der Staatsdurchschnitt seit 1906 von 60 auf 56,8 zurückgegangen ist. In jedem! Falle bleibt allerwärts für die Ausgestaltung der Volksschule noch sehr viel zu tun übrig, wenn sie die im nationalen BildungÄvesen ihr zukommende Stel­lung einnehUren soll.

Schminken. 1

8. Gieb acht, daß du deine Kinder nicht zu Spielern

Trinkern erziehst durchs Kartenspiel in deinem Hause und das Nippen an der Punschbowle. Sehr leicht können die Kinder zu

I tief ins Was gucken.

Frarien-FerrMeton.

Englische Heldinnen.

M. S. London, 8. März.

DieSiebener Zamtlienblatter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Sichen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seil­fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 51.

Redaktwn:S^112. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen»

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Eisenach-

Samstag, 15. März WZ

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

7. Versuche nicht mehr aus dem Spiegel herauszuholen als du vor den Spiegel stellst. Frische Luft und Sonnenschein t:"k dienlicher zur Frauenschönheit als alle künstlichen Pulver

der Lesehalle am Sclterstor beschrieb als ihr nun. bestellter Pfleger, Professor Tr. Velkc. Der Verein wird eifrig bemüht sein, die Broschürensammlung auf dem Laufenden zu erhalten und die Werke der verfielfältigenden Künste in wechselnder Folge zur Anschauung bringen. Oherbibliothekar Dr. Ebel berichtete über den Erfolg eines Unternehmens, zu dem er die erste An­regung gegeben hatte: Der Verein hat in diesem Winter volks­tümliche Vorträge veranstaltet. Der Versuch ist durchaus gelungen und soll im nächsten Winter wiederholt werden: für diesen Sommer find Führungen durch die hiesigen Sammlungen nr, Ans - sicht genommen. Die Versammlung stand unter bem Eindruck des Hingangs unseres unvergeßlichen Georgs S chu cha r d. Der Vorsitzende und Prof. Velke gedachten seiner treuen Sorge für die Anstalten des Vereins: Schuchards Bildnis soll sein Andenken festhalten in seiner Lesehalle. Dem Rechner wurde Ent­lastung erteilt, der Vorstand wurde wiedergewählt.

** Das Fröbelsemi nar veranstaltete am Mittwoch auf der Liebigslwhe für die Zöglinge des Kindergartens eine Oster- feier. Die Kleinen waren zum Teil im Kostüm erschienen, und so bot sich bem' Besucher beim Betreten des Saales ein an­mutiges Bild. Die Kinder spielten unter Leitung von Frl. Schmidt, die von den Seminaristinnen unterstütz^ wurde, mit nimmermüdem Eifer nnd. sichtlicher Freude mehrere Stunden lang. Allgemeine Kreisspiele wechselten mit kleinen hübschen Auffüh­rungen ab, und alles klappte ausgezeichnet. Erwähnt sei eine nette Kindermüsik, bei der der kleine taktfeste Dirigeiit sich seiner Aufgabe mit sicheren schwungvollen Bewegungen auf das Beste entledigte. Die zahlreich erschienenen Zuscliaucr folgten den Aus­führungen und Spielen mit großem Jnreresse und lebhafter Freude, und lohnten alle Darbietungen mit starkem Beifall. Mit der Verteilung der kleinen Ostergeschenke fand die hübsche Feier ihren Abschluß. Tie Besucher hatten der Einladung so zahlreich Folge geleistet, daß im großen Saale kaum Platz blieb für die Spiele der Kinder, ein Beweis dafür, daß die Sache des Kinder­gartens weitgehendem Interesse begegnet und daß seine Errich­tung einem wirlichen Bedürfnis entgegenkommt. . Mit Ein­richtung desBürgerkircdergartens", den Frl. M ö s er am' 1. April neueröffnet, wird es möglich fein, noch mehr Kindern den Segen einer gewissenhaften Aufsicht nnd naturgemäßen Beschäftigung zu Teil werden zu lassen. Viele Eltern, denen die Verhältnisse nicht gestatten, ihre Kinder selbst zu beaufsichtigen, wie es nötig ist, und die ihre Lieblinge seither oft den Gefahren der Straße aussetzen mußten, tocrbcit seine Errichtung dankbar begrüßen.

** Jubiläumsfeier der 81er. Daß sich die Ju­biläumsfeier der 81er ähnlichen Veranstaltungen würdig an die Seite stellt, dafür zeugt schon das Programm. STnt Donnerstag, 24. Juli: Empfang der .Gäste, Unterbringung kompagraetocise in Schulen. Die Vereine werden durch die Spielleute je eines .Bataillons am Bahnhof abgeholt und nach der Festhalle der Stadt begleitet. Feier in der Festhalle: Aufführung eines Fest­spiels, die Geschichte des Regiments in lebenden Bildern darstel­lend, verfas't von Hauptm'ann Rhein, Kompagniechef im Re­giment. Plazierung in der Halle und später auf bem Festplatz kompagnieweise, Ehefrauen können mitgebracht werben, nnberc Gäste gegen Eintrittsgeld. (Anzug für Offiziere: Waffenrock, Achselstücke, Mühe.) Int AnscUnß Speisung des Regiments und seiner ehemaligen Angehörigen ans dem Festplatz einschl. Offiziere. 11 Uhr großer Zapfenstreich auf bem Festplatz. Freitag, 25. Juli: 7 Uhr morgens, Wecken durch Musik und Spielleute des Regiments. Ansprachen beider Militäroberpsarrer nach Konfessionen ge­trennt auf dem Festplatz. 10 Uhr morgens, Parade auf dem Festplatz (Regiment und seine ehemaligen Angehörigen.) 1 Uhr mittags, Speisung des Regiments und seiner ehemaligen Ange­hörigen in bet Festhalte als Gäste ber Stadt Frankfurt. _ 4 Uhr nachmittags, Besichtigung ber von ber Stabt Frankfurt frei zur Verfügung gestellten Sehenswürbigkeiteir (Palmengarten, Zoolo­gischer Garten; Schlachtl-aus, Osthafen usw.) 5 Uhr nachmittags, Festessen des Offizierskorps im Frankfurter Hof. Abends, Feiern der aktiven Kom'pagnien zusammen mit den ehemaligen Ange­hörigen der Kompagnien. Samstag, 26. Juli: 11.30 vorm., Speisung der aktiven Kompagnien unb der ehemaligen Angehörigen kompagnieweise.auf dem .Kasernenhof. Nachmittags, Abfahrt der ehemaligen Angehörigen des Regiments. Das Regiment bittet alle ehemaligen 81er die an der Feier teilnechmen rooffen, einer Vereinigung beizutreten, da es unmöglich ist, mit jedem ein­zelnen Mann in Verbindung zu treten. Die Kreisvereinigung nimmt noch Anmeldungen bis zum L April entgegen, spätere

Aus Stadt fand»

Gießen, 15. März 1913.

Auf den Weg ins Leben.

Die Zeit kommt nun wieder, wo mehr als eine Million Kinder in Deutschland die Kinderschuhe ansziehen, nur durch das Kirchentor zu schrecken und dann hinauszutreten in die große freie Welt, die so verheißend blinkt und winkt, aber die auch so mancherlei Gefahren birgt. Sehen wir unsere lieben Konftrnianden und .Konftrmandinnen, in feierliches Schwarz ge­kleidet, das Gesangbuch in der Hand, zu der Stätte schreiten, wo sie mit Bewusstsein das bekennen sollen, was sie am Tage der Taufe unbewnst geworden sind, so überkommt uns neben bem Gefühl ber Freude auch heimliche Wehmut, indem wir denken: So vertrauensvoll tretet ihr ins laute Leben! So kindlich rein schaut Euer Auge in die Zukunft! O, möchte ein glücklicher Stern über Eurem Lebenswege leuchten und Mlzubitteres >Euch erspart bleiben!

Wie tausendfach vielgestaltig sind doch die Wege des Lebens! Den einen wird es dalstn den anderen dorthin bringen, bis bie Schul kam eraben, bic sich jetzt noch so vertraulich bie Hänbe reichen, wer weiß wie weck verstreut sinb. Der eine wirb l)tcr herausgerissen werben, um' einen Weg einzuschlagen, ber ihm jetzt noch völlig fremd ist. Der andere dagegen wirb lange um bem selbe nPnnkt kreisen, bis er bann doch enblich auch eine neux Bahn einschlägt. Hier führt bas Schicksal rasch und leicht hinauf zum Erfolg, um vielleicht balb toieber hinabzuführen. Dort muß fick ein zähester Wille mit eiserener Ausdauer vorwärts unb aufwärts arbeiten, Schritt für Schritt, burch bick unb dünn, unt endlich doch einmal mit Genugtuung auf das steinige Land zurück- ziischauen unb ausrufen zu können:Still steh'n nimmer, fest steh'n immer !" ,,,

Nichts läßt sich erzwingen, aber viel mit gutem, ehrlichem Willen erreichen. Und fällt dem einen die Palme auch früher und vielleicht auch ganz unverdient zu ber andere möge barum nicht verbittern. Und sollte auch eines ^ages jähes Gewitter beretm brechen, daß es scheint, als stehe man hilflos (inmitten der Sturm­flut und ftnde Feinen Ausweg mehr: das gepeinigte Herz möge nicht verzagen! Gäbe es aber «Freuden und Genüsse in Ueberflnß, so bedenke dieser Glückliclze, daß sich die Schlange oft unter lBumen verbirgt.Pflücke nicht zu Imftig die Rosen, die Dornen stechen; greife nicht Lu wild zum blinkenden Glas, du könntest Scherben in den Händen haben!"

Ach, wie viele gute, schöne, brave Lehren möchte man den lieben jungen Menschenkindern mit auf den Weg geben? Aber wir wollen sie bamit nicht überschütten unb quälen. Jeder glaubt boch nur am Enbe das, was er mit eigenem Leibe erlebt hat. Und geht deut rechten Gemüt ein klarer Kopf'und ein guter, fester Wille zur Seite, so können wir den jungen Lebenspilger getrost dahinziehen lassen auf frohe Wanderschaft unb gutes Gelingen!

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** Die orbentliche M it g l i eb e rv er saNtm l n n g bes Lesehalle-Vereins fand am Mittwoch äbenb statt. Der Vorsitzende Professor Dr. König berichtete von der ge­deihlichen Entwicklung, die Bücher- und Lesehalle in den neuen und erneuerten Räumen genommen haben, er dankte bem Kreis, ber Stabt, ber Sparkasse unb den privaten Spendern. Ter Bankier 9(. Heuchelheim erläuterte bic Finanzlage. Zu beklagen ist ein Rückgang ber Mitglied erzähl. Hoffentlich kommt sie burch Werbung balb wieder auf den alten Stand und darüber hinaus. Bücher- und Lesehalle sind aus unserer Stadt nicht mehr wegzu- denken als Schöpfungen bürgerlichen Gemeinsinns sollen sie bestehen und wachsen. Dr. Fritzsche teilte mit, daß im ver- wichenen Jahre in ber Bücherhalle ungefähr 27 000 Baude aus- geliehen worben sind; ber neue Katalog wird bie Benutzung weiterhin steigern, berat bie in allen Teilen ergänzte. Biblio­thek ist jetzt erst recht zugänglich geworben. (Tie Einrichtungen

East Ham besuchten, von Interesse für ihre Reformen herbeigeführt,! befanb sich auch der König von Preußen.

Sie starb 1845, im Alter von 65 Jahren. Könnte sie heute noch einmal die Stätte betreten, wo sie einst im Kreise der ihren wirkte wie verändert würde sie alles finden, den stillen Land­sitz in eines der trostlosesten Viertel verwandelt, in dem Ar­beitslosigkeit und permamentes Elend hervorstechende Faktoren bil­den verändert, und doch wie einst, nur daß die soziale Not, der fte steuerte, indem sie hinausging zu chr, nun in mächtigen Wogen bis vor ihre Füße rollen würde.

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Reue Gebote für die Frauen.

(An den Spiegel zu stecken.)

Aus Amerika kommt gewöhnlich bas Allerneueste; diesmal sinb es zehn Gebote für unsere lieben Frauen. Der Pfarrer W. Bu starb, ber bie Ehre hat, der Seelsorger des Oelkonigs Rockefeiler zu fein, hat jüngst eine Reihe von Geboten zusam^ mengestellt, in denen er mit großem Ernst versucht, eine gewaltige Reformation in den Frauenkreisen zu bewirken. Er gibt allen Ehemännern den Rat, die folgenden von ihm verfaßten Gebote an den Spiegel ihrer Frauen zu stecken. Die G^ote lauten:

1. Heirate nie einen Mann um versorgt zu sein, sondern nur aus Liebe. Ein guter Charakter ohne Geld ist weit besser: als viel Geld ohne guten Charakter.

2. Sei nicht zu mobern gekleidet, aber auch nicht tote leine altmodische Vogelscheuche. Vergiß nie, daß gesunde Vernunft mehr Wert hat als die neueste Mode.

3. Eine Ehefrau im neuesten Pariser Rock und ber Ehe­mann mit Flicken auf bem Sitzplatz seiner Hosen bitben zusammen ein unpassendes Paar.

4. Sehr unrecht ist es, herumtzulaufen unb anberen Frauen Vorlesungen zu halten über Kinbererziehung, wenn man die eigenen nicht erziehen kann. '

. 5. Jammere nicht über dein Unglück bei deinen Nachbarin­nen, da diese meistens selbst in Sorge stecken. Sollte zwischen dir unb deinem Gatten einmal Unfrieben herrschen, so laß keine Tritten hineinsehen, fonbern fechte beim Angelegenheit mit ihm allein aus, ob's gleich lange bauert bis ihr int Reinen seid.

6. Nörgle nicht! Die Kneipe hat stets einen bequemen Winkel und der Herr Wirt ein herzliches Willkommen, für deinen Gatten.

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Drei Frauen schmückten in England ihr Jahrhundert, bas 19, burch ihre Menschenliebe unb Aufopferung, Grace Dar­ling, das Fischermädchen, die heldenhafte Rettertn der Schift- brüchigen, deren lieblicher Name heute noch roicOrgelton uno Glockenklang" ertönt, obwohl fte jung dahinging, Florence Nightingale, die Heldin des Kttmkrieges, dte die bitterste Pein linderte unb bie Krankenpflege jum erfttmmal m bic Jßegc leitete, bie sie seitdem verfolgt hat, unb Elizabeth Fry, die Heldin ber Gefangenen. _ .. .

Es sind j e tzt gerade hu uber t Jahre vergangen, baß diele edle Frau ihren ersten Besuch in Newgate Pnison, bem berüch­tigtsten aller Gefängnisse, abftattete. Sie war eine Quäkerin, ans einer jener alten, wohlangesehenen Familien, wie fte bicGe­sellschaft der Freunde" so häufig aufzutoeiien hatte. Sie war mit ihren sieben Schwestern mutterlos ausgewachsen, anziepend, ori­ginell, an schönen Kleidern, Gesang und Tanz Geschmack nndenb In ihrem 19. Jahr entschloß sie sich: a plant krwnch das heißt eine strenge Quäkerin zu werden. Fortan denkt man |ie |id> in bem schlichten grauen Kleidchen, den weißen Mullmanschetten und Krageti derFreundinnen".

Um diese Zeit heiratete sie den Bankier Fry, mit dem sie zuerst im Herzen der Cito wohnte, ime das damals unter den Hanbelsfürsten der Stabt Sitte ivar, fbater zog fte nntchmauf das Familiengut in East Ham, bas sich damals bet. tiefsten lanb- lichen Zurückgezogenhtü erfreute. Jetzt ist East Ham einer ber übervölkertsten Distrikte Lonbons, m dem bie modernen Arbeits- Probleme dringlicher unb krasser sind als trgenb too aaberg. Im! Februar 1813 besuchte sie zum erstenmal cm Gefängnis. Cs ist heutzutage schwer, sich einen Begriff bavon zu machen,Jvas solch ein Schritt für eine zarte, im Luxus ausgewachsene Frau bedeutete. Das Elend unb ber Jammer m ben Gefängnissen spottete eben jeber Beschreibung, ^och wer leinen Ticken» kennt hat lebenswahre Bilber dieses Elends vor der Seele. Es gab damals noch über hundert Vergehen m England, auf denen Tod bursch den Strang stand.

Da sah sie 300 Frauen, m Unteriuchungshaft sowohl als verurteilt, mit zahlreichen Kindern, wie Kraut und Rnben^durch­einander, wie die Wilden lebend, ohne Besckwftigimg, in schmutz und Lumpen, ohne Bettzeug, auf dem blanken Boden.

Von dem Augenblick an wurde bie Verheuerung der Lage dieser Aermsten ihr Lebenszweck. Sie gründete, Vereine, fte be­suchte Gefängnisse, in England sowohl wie auf dem Kontinent, unb überall führte sie Verbesserungen ein und stellte bic Dis­ziplin her. Und alles dies, während sie ihrenr' Gatten eine treue Gefährtin war, ihm elf Kinder gebar und erzog. Unter dem... .

großen Strom derer, die die seltene Frau in ihrem Heim in I tief ins Glas gucken.

9. Rebe immer die Wahrheit, besonders zu dem Schaffner,, betreffs des Alters deiner Kinder, wenn du mit diesen auf, ber Reise bist. Tie Ehrlichkeit ist wertvoller für dich unb das. Kind als einige gesparte Groschen. Ein Junge, ber zu Hause 6 Jahre, aber auf ber Reise nur 3V» >Jahre ist, wirb balb lernen, anberc zu betrügen.

10. Vergiß nie, daß bas Heilst das eigentliche Reich der Fräst ist, wo die Mutter als Königin herrscht. i

Was für eine Meinung Frau B. von den Geboten ihres! tapferen Gatten bat, ist uns leider nicht bekannt. Man er­wartet jetzt mit Spannung zehn neue Gebote für die Männer, etwa, von der begeistetten Feder der bekannten Suffragetten-Füh- rcrin Miß Christabel Pankhurst. Tann weh uns armen Männern, es wird uns recht schlimm gehen. ;2£. R. C.

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Abendnähkurs e für Dienst ist ä b chen. Die Orts­gruppe Drcsben des 'Teutsck-Evangelischien Fmuestbunbes hat ist Tresden-Altstabt ^CbenbnäbTutfe für Dienstmädchen eingerichtete bic großen Anklang und rege Beteiligung finden. Ter Unterricht ftndet wöckienttich einmal von 7»^-VslO Uhr abends statt, das Lehrgeld beträgt im Vierteljahr zwei Mk. Von einer ersaht rennt Lehrerin werden die Dienstmädck)cn zuerst gründliche im Flicken und Stopfen unter richtet, wozu sie eigene Wäsche unb Kleider ober auch Herrschaftswäsche mitbrrngeii können. Später wirb ihnen das Maschmcnnähen und Zusckmeiden und Anscr- tigen von einfachen Hauskleidern gezeigt. Jedenfalls verdient das Dresdener Bch'piel sliack^ahminng, sowohl im Interesse der Herrschaft, als besonders in bem1 ber Mädchen selbst.

kf. Was ein amerikanisches Mädchen znm Leben braucht. In den Vereinigten Staaten werden augenblicklich große Umfragen sozialer Mt veranstaltet, um einen gesetzlichen Mindestlohn für die Hanpttndustriezentren festzulegen.' Es sind im 'Laufe der Zeit schwere Anklagen gegen die amerikanischen Arbeitgeber gcfdjleubnl worden, die darauf hinauslaufen, baß bic den Mädchen gezahlten Lohne in keinem Verhältnis zn den Kosten des Lebensnnterlwltes stehen, so daß diese einem' unmo­ralischen Lebenswandel in die Arme geworfen werden. Von Chi­cago werden nunmehr die Ergebnisse veröffentlicht. Die Un- tersuchungskommission stellt fest, daß wenigstens 33 Mk. ein Mädchen wöchentlich zum' Lebensunterhalt haben muß. Die ein­zelnen Posteir, die auf biefe_33 Mk. verteilt werden, sind folgende: äußere Kleidung 4 Mk., Schuhe, Hüte, Unterzeug 4, Wäsche 1,- Kost und Logis mit Ausnahme des Mittagessens 16, Fahr­gelder 2 Mk. 40 Pfg., Mittagessen 2 Mk. 80, Arzttosten 2 Mk. 40 Pfg. Und für die Kirche werden 30 Pfg. angesetzt. Zuge­geben wird, daß ein Mädchen, das bei seinen Ettern wohnt, inff einem geringeren Lohn auskommen kann. "Aber auch hier will, die Kommission weniger als 24 Mk. nicht ansetzen.

Die allgemeinen vUdungranftaiten in den deutschen Staaten.

In derKorrespondenz des deutschen Lehrervereins" sinden wir folgende interessante Znscmtmenstellung:

In den allgemeinen Bildungsanstalten der deutschen Staaten wurden bei der letzten schulstattsttschcn Erhebung (1911) 11 490 379 Schüler unb Schülerinnen gleich 17,7 v. H. ber Reichs- bcvolkerung gejäblt. Tie Zahl ber Schüler (5850 819) betrug 18,3 v. H. bes männlichen, die Zahl ber Schülerinnen (5 639 660) 17,2 v. H. bes toeiblid>en Bevölkerungsteiles. Auf bic privaten Anstalten entfiel ein sehr geringer Bruchteil (53 784 Knaben unb 152 774 Mäbchen), auf bie öffentlichen Anstalten dagegen 98,2 v. H. aller Schüler. Die Volksschule besuchten 89,2 o. H. der Knaben und 92,3 v. H. der Mädchen, bic Mittelschule 2,7 bezw. 3,5 v. H., bic Volksschule 0,8 bezw. 0,01 v. H., eine höhere Lehranstalt 7,3 bezw 4,3 v. H.

Wie diese Zahlen erkeiinen lassen, hat bie geitgehenbe For­derung, deren sich die weiterführenden Bildungsänstalten erfreuen, bisher nicht vermocht, die überragende Bedeutung ber Volksschule ,erheblich zu mindern. In einzelnen Staaten freilich ist die 'Volksschule in Gefahr, zur Armen- und Proletarierschule zu werden, so in Anhalt, wo nur 68,9 v. H. der Knaben und 75,4 v. H. der Mädchen die Volksschule besuchten, Bremen (78,3 bezw. 82,3 v. H.), .Hamiburg (76,3 bezw. 83,1 v. H.) und Lübeck (61,7 bezw. 72,4 v. H.). Dafür haben diese Staaten den ytocifcl- baften Vorzug, daß die höheren Lehranstalten weit über die sonst übliche Zahl hinaus besetzt sind (in Hamburg 18 v. H. ber Knaben unb 15,6 v. H. der Mädckwn) und bie eigentlichen Stanbesschulen (Vorschulen, gehobene Volksschulen), für bic kein irgendwie berechtigtes Bedürfnis vorhanden ist, stark begehrt wer­werben. In Hamburg waren 4,6, in Bremen sogar 6,2 v. H. der 'Knaben in einer Vorschule, unb in Anhalt.entfielen auf bic gehobene Volksschule (Mittelschule) 22,2, in Lübeck 17,4 v. H. der Knaben und 19,5 bezw. 17,7 v. H. ber Mädchen. Dagegen fehlte bic Vorschule in 9 Staaten vollständig, die Mittelschule für Knaben ebenfalls in 9 Stunden und die Mittelschule für Mädchen in 7 Staaten, jedenfalls weil man sic für überflüssig und dem nationalen Bilbungsgedanken zuwiderlaufcud hält.

An beit öffentlichen Bilbungsanstalteu waren im Erhebungs- jahre insgesamt 229401 Lehrcnbe hauptamtlich angcftellt, die sich auf die einzelnen Schularten wie folgt verteilen: an Volksschulen 186 353 (81,3 v. H.), an Mittelschulen 7657 (3,3 v. H.), an Vorschulen 1188 (0,5 v. H.), .an höheren Knabenschulen 21806 (9,5 v. H.), an höheren Mädchenschulen, die privaten eingeschlossen, 12 397 (5,4 v. H.). Nach ihrer Vorbildung glie­derte sich bic GesaNttlehrerschaft in folgenbe Gruppen: 20 801 (9,1 v. H.) akademisch gebildete Lehrer, 1110 (0,5 v. H.) aka­demisch gebildete Lehrerinnen, 158 506 (69,1 v. H.) seminarisch gebildete Lehrer unb 48 984 (21,3 v. H.) seminarisch gebildete Lehrerinnen. In den Vorschulen unb höheren Knabenschulen waren Lehrerinnen mir ganz vereinzelt beschäftigt, w ä h r e n b an den höheren Mädchenschulen 9386 Lehrerin­nen unb nur 3 011 Lehrer angeftellt waren, so \a 6 der Anteil ber Frau bereits auf 75,7 v. H. öer Stellen gestiegen ift. Bei Ausscheidung der Privat­schulen wird sich die Verhältnisziffer für die Lehrer allerdings etwas weniger ungünstig stellen. An den Mittelschulen waren unter 100 Lehrenden bereits 31, an den Volksschulen 21 Leh­rerinnen. Das bedeutet gegen früher eine ganz erhebliche Erweiterung des Llrbeitsgebietes der Lehrerin­nen, die nur erklärlich ist aus bem1 großen Lehrermangel der letzten Jahre. Die Zahl der Volksschullehrerinncn stieg in bem Jahrfünft 1906/1911 z. B. in Westfalen von 3093 auf 4817, im Rheinland von 5755 auf 7749, in allen deutschen Staaten von 29 384 auf 38 267.

Für bic Beurteilung ber Schulverhältnisse in den einzelnen Staaten bietet sich als Maßstab bie Zahl bei auf einen Lehren­den entfallenden Schüler. Recht günstig sind diese Ziffern für bie höheren Lehranstalten, bei denen der Rcichsdurchschnitt (18,6) mit einer Ausnahme nur unerheblich überschritten wird. In ben Mittelschulen bewegt sich die Ziffer zwischen 18,3 (in Lippe) und 38,9 (in Sachscn-Koburg-Gotha), so daß bie Abweichungen vom 'Durchschnitt (30,D schon auffallen. Um vieles ungünstiger liegen bic Verhältnisse in beit öffentlichen Volksschulen. Der Durchschnitt ist hier 55,0, aber bic Zahl der auf einen Lehrenden

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Sechster Blatt (65. Jahrgang

Giehener Anzeiger