Zweites Blatt
Nr. 17
165. Jahrgang
Giehener Anzeiger
Erscheint Kgttch mit Ausnahme des Sonntags.
General-Anzeiger für Oberhessen
Die „-»iehener Familienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblati für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeitfragen" erscheinen monatlich zweimal.
Dienstag, 21. Januar 1913
Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießern
Redaktion, Expeditioit und Drttckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: ol.
$Rebnftion:e^ll2. Tel.-Adr.: AnzelgerGteßen.
Die Ziusflcffollunq der Bahnanlagen unö de; Staöltcils am vahnhos in Eiehen.
Von Prof. Dr. R. Sommer, Geh. Medizinalrat in Gießen.
(Schluß.)
Im folgenden lvill ich auf die die Stadt Gießen berührenden Puntte 3 bis 5 cingehen.
Zu 3. Durch den letzten Beschluß der Stadtverordnctcnver- saimnlung Gießen ist der Plan, in die alte Klinik die Bürger- meisterci zu verlegen, abgelehnt worden unb das Gebäude wird (an die Ti''e"b"b'verwalti'na) verkan t roerben. Dabei ist die früher Don der Stadtverordnetenversammlung gestellte Bedingung einer Verlegung ver ovcu/Chiirmn Zi lien zuruagenommen worden. Dieser Beschluß hat für die Stadt Gießen die absolut unabwendbare Folge, daß diese in anderer Weise für die notwendige Verbesserung und Vermehrung dec Räume für die städtischen Äemter und für eine Zusammenlegung einer Reihe derselben sorgen muß. Es kann dies entweder vorläufig durch einen Anbau oder durch einen 'Neubau einer Bürgermeisterei geschehen. Letzterer würde so viel Geld losten, daß bei der Finanzlage von Gießen vorläufig davon Abstand genommen werden muß. Somit bleibt nur ein Anbau an der jetzigen Bürgermeisterei. T-a jedoch das'Terrain bei dieser für einen ausgiebigen Neubau zu Kein ist, so folgt daraus, daß sich die Stadt nach Verkauf der allen Klinik zunächst zu einem Anbau an der jetzigen Bürgermeisterei w'.rd entschließen müssen, nm in absehbarer Zeit (in 10 bis 20 Jahren) an anderer Stelle einen N e n b a n zu errichten. Dieses Verfahren ist vom finanziellen Standpunkt sicher viel ungünstiger für die Stadt, als wenn jetzt zunächst unter Bescln'änknng auf die notwendigen Herstellungskosten die Bürgermeisterei in die alte Klinik verlegt worden wäre unter der Voraussicht, daß in ungefähr 10 Jahrm, nach ev. Besserung der finanziellen Verhältnisse, im Zentrum der Stadt, vielleicht an der Stelle der sicher später >zn verlegenden Gasanstalt das definitive Bürgermcistereigcbäudc erbant würde. T«s Gelände der alten Klinik würde innerhalb dieser Zeit noch an Wert gewinnen.
Durch den letzten Beschluß der Stadtverordnetenversammlung sind jedoch diese Betrachtnngen illusorisch, und es fyanbclt sich nur noch darum, zu bewirken, daß nicht durch einen bedingungslosen Verkauf der alten Klinik an die Eisenbahnverwaltung das chronische Elend, in dem sich der südliche.Teil von Gießen befindet, noch mehr gesteigert wird. Würde z. B. von der Eisenbahndirektion in späterer Zeit, was immerhin möglich erscheint, nach Abreißen des Gebäudes, das ganze Gebiet noch zur B a h n h o f s e r w e i - ternng ve.wendet in michslec Näh: der Lieb gstraße, des Haupt- znfnhrweges zu dec Mittelachse der Stadt, so wäre dieser Stadtteil für alle Zeiten völlig verfnscht und die späteren Generationen unserer Stadt würden mit Recht den jetzigen Beschluß als folgenschweren Irrtum verdammen müssen. Tas Gleiche gilt, menn in indirekter Folge dieses Verkaufes die Zahl der die Frankfurter Straße kreirzenden Gleise noch vermährt unb dadurch das bestehende Verkehrshindernis noch mehr gesteigert würbe. Ist erst ein Teil .des jetzigen Geländes der alten Klinik vorläufig an der Rückseite dieser in G l e i s a n l a g e n umgewanbelt, so wirb bic Erweiterung -dieser über die Frankfurter Straße zur Fortführung der .Bahn- hofsanlage hinter der jetzigen alten Klinik ein ganz natürliches .Bedürfnis werden, und es erscheint sehr fraglich, ob die Stadt Gießen, wenn erst in indirekter Folge des Verkaufs ein positives Bedürfnis zur Vermehrung der Gleise geschaffen ist, sich gegen die hieraus entspringenden Anforderungen auf Vermehrung der die Frankfurter Straße kreuzenden Gleise mit Erfolg wird wehren können. Jedenfalls ist sicher, daß für die Stadt Gießen ein Verkauf der alten Klinik gerade an die Eisenbahndirek- t i o n für die spätere Entwickelung nn höchsten Grade gefährlich werden kann unb vernünftigerweise nur unter ganz bestimmten Bebingungen erfolgen sollte, bie vertraglich festgelegt werden müssen.
Zu 4. Die Erweiterung der Zufuhrstraße zuM jetzigen Bahnhof speziell im Hinblick auf die evtl, nötige Fortsetzung der elektrischen Bahn nach der Friedrichstraße könnte am einfachsten dadurch geschehen, daß der zwischen der jetzigen Eilgüterhalle und» der Bahnhofstraße gelegene Gemüsegarten, dessen Anblick jetzt die auf dem Gießener Bahnhof Ankommenden empfängt, aus dem Besitz der Eisenbahnverwaltung in den der Stadt überginge, am besten durch Tausch gegen andere im Besitz der Stadt befindliche Stücke, die von der Eisenbahnverwaltung gebraucht werden. Dadurch wäre wahrscheinlich ein Weg für die elektrische Bahn zum Uebergang nach der Friedrichstraße geschaffen.
Eine gründliche Verbesserung der Zufahrtsverhältnisse zum Bahnhof könnte für die Dauer dadurch erreicht werden, daß der Gebäudekomplex des Haupt st eueramts und die Anatomie, die jetzt diese Zufahrt von beiden Seiten cinengen, von -dieser Stelle verschwinden, was sicher nur eine Frage der Zeit sein kann. Dabei kommen folgende beiden Aenderungen in Betracht:
1. Ankauf des gesamten Komplexes der jetzigen Anatomie durch die Eisenbahnverwaltung, wodurch eine sehr wünschenswerte Erweiterung des Eisenbahnterrains gegeben wäre. Dabei könnte der an bic Bahnhofstraße anstoßenbe Teil zur Verbreiterung dieser Straße von der Stadt unter entsprechender Beteiligung übernommen werden. Dadurch luürbe schon am Anfang der Straße die sehr wünscheirswerte Verbreiterung der Zufahrt mm Bahnhof erreicht und es nriirbe ein auf die Dauer an dieser Stelle sicher unhaltbares Institut, das vor längerer Zeit hier am damaligen Südwestende der Stadt gebaut wurde, von dieser Stelle verschwinden. Ein Bauplatz steht dem Staat schon feit Jahren an der Ostseite der jetzigen chirurgischen und int Bau begriffenen Ohrenklinik zur Verfügung, so daß die Kaussumme vollständig auf den zu errichtenden Neubau verwendet werden könnte.
2. Die Beseitigung des jetzigen H au p tst e u e r am t s nebst dem alten Arresthaus, das jetzt als Tabakniederlage verwendet wird, würde eine weitere Verbreitung unb Verbesserung der Zufahrt bringen. Als Käufer käme hier vor allem die Postver- waltung in Betracht, da eine Vergrößerung der jetzigen Hauptpost aus die Dauer unbedingt nötig ist. Eine Erweiterung nach rückwärts ist praktisch nicht zu empfehlen, während eine Entwick lang des Postgeb-indes in der Richtung der Ltcbrgstraße mit späterer hauptsront nach dieser unter Beseitigung des Komplexes des jetzigen Hauptsteueramtes von: praktischen und ästhetische Standpunkt sehr zu empfehlen märe. Dabei müßte auch hier der vordere, nach her Liebigstraße zu gelegene Teil unter Beteiligung der Stadt Gießen zur Verbreiterling der Liebigstraße mit Ausgestaltung eines Blatzes vor der zukünftigen .Hauptfront des Postgebäudes ver- toenbet werden.
Es handelt sich also in bezug aus die Anatomie um cm Zusammenwirken von hessischem Staat, Eisenbahn Verwaltung und Stadt, in bezug auf das H a upt ste n er amt imt eine entsprechende Verhandlung zwischen Hess. Staat, Äo ft Verwaltung und Stadt Gießen. Auf diesem Wege
könnte der anerkannt unschöne pnd ben Besuchern der Stadt vielfach unangenehm auffallende Eingang zu unserer, im übrigen in den letzten^Jahrzehnten int allgemeineit sehr günstig sich ausgestaltenden Stadt ivcscutlich verbessert und verschönert iverden. Notwendig svärc dabei ein Zusammenwirken der genannten Behörden zunächst in^Form einer gemeinsamen Besprechung durch bic Vertreter berselben nach genauer Besichtigung ber Terrain- unb Verkehrsverhältnisse an biefer Stelle.
Zu _ 5. Die Fortführung der elcktrischeii Bahn von bem Bahnhof über die Friedrichstraße unb Frankfurter Straße zu den Kliniken ,unb weiter nach Klein-Linden ist ein unbebingtes Erfordernis für bic weitere Entwicklung der elektrischen Bahn sowie sür bic Stabt, besonders auch mit Rücksicht auf bic Bedürfnisse ber medizinischen Institute.
Eine längere Ignorierung dieses im Interesse einer großen Zahl staatlicher Institute zu bejriebigenben Bedürfnisses ist im höchsten Grade bedenkt ich, weil daburch bic Eisenbahnaiilage, die naturgemäß dem Verkehr dienen soll, durchaus als Verkehrs- Hemmung erscheint. Es ist f ent er in Betracht zu ziehen, baß bic Fortführung der elektrischen Balm bis über bie Kliniken hinaus zunächst nach Klein-Linden lediglich eine Frage .der Zeit ist, bic durch ein bestimmtes Angebot ber Gemeinde Klein-Linden nach Analogie von Krofdorf und W i e s e ck sehr rasch spruckxreif werden könnte. Allerdings ist von vornherein zu betonen, daß bic Kosten ber notwenbigen Ucbcrbrüchmg ber oberhessischen Gleisanlage zur Fortführung ber elektrischen Bahn nach Klein-Linben nickst gering sein werden, so baß die Gemeinde Klein-Linden teden- falls bei ihrem Angebot diese beträchtlichen Ausgaben der Stadt Gießen mindestens berücksichtigen muß. Sicher ist, baß bie Verlängerung ber elektrischen Bahn bis in bicsen Vorort von Gießen einen außerordentlichen Vorteil für bie bort wohnenbe Bevölkerung und bic Entwicklung bes Ortes bebrüten würbe.
Wirb bie Ausführung dieser elektrischen Bahn nicht endlich energisch in Angriff genommen, was ich immer wieder von neuem in ber Betriebsbeputation unb in ber Stadwerorbnctenvcrsamm- lung angeregt habe, so wirb ber Zeitpunkt für bic Ausführung ber Bahn möglicherweise genau so verpaßt werben, >vic in der Entwicklung von Gießen früher schon manches verpaßt worben ist. Vor allem kommt dabei bie von ber Eisenbahnoerwaltung geplante Umgehung sb ahn in Betracht, welche bic Lalmtal- strecke mit ber Linie Großen Linden —Gießen südlich vorn Klein- Lindener Viadukt verknüpen soll, worüber schon Termin in Klein- Linden stat gefunden t/ii. Nur durch rechtzeitiges (Eingreifen der Stadt Gießen ist es vielleicht verhindert worden, daß bie für bie Um-gchungsbahn notwenbigen Viabukte für bic spätere Durch- legung ber elektrischen Bahn zu eng gebaut werben, unb es muß hier bem Herrn Oberbürgermeister ber Stabt Gießen für sein rasches Eingreifen ein Dank ausgesprochen werben. Jebcnfalls liegt bie Sache so, baß, frährenb Gießen sck>on jetzt an seinem früheren Südendc durch bie oberhefsische Bahn ab geschnürt ist, es nunmehr an seinem künftigen Südenbc am Klein-Linbener Viabult eine neue bopvelte Mschnürung erhält, bie, wenn nicht letzt schon auf ben zukünftigen Verkehr, speziell ber elektrischen Bahn nach Klein-Linben, Rücksicht genommen wirb, im Laufe ber nächsten Jahrzehnte zu einer ebenso großen Kalamität führen t'ann, wie wir sie heute an bem Eisenbahnübergang ber Frankfurter Straße haben.
Faßt man bie entwickelten fünf Punkie zusammen, so ergibt sich, daß, nackzdom vor 13 Jahren die Verlegung der oberhessischen Linien versäumt worden ist, jetzt von neuem ber Zeitpunkt gekommen ist, wo eine großzügige Ausgestaltung ber Bahnanlagen unb eine grünbliche Veränderung des ganzen Stadtteils am Gießener Bahnhof unbedingt erforderlich ist. Wird jetzt ebenso wie vor 13 Jahren unter Mangel an Voraussicht diese Umgestaltung versäumt, so ist ber ganze Südteil von Gießen für unabsehbare Zeit in seiner natürlichen Entwicklung gchumnt Vor 13 Jahren hätte ein gemeinsames 25orgeben ber drei beteiligten Behörden (Darmstädter Ministerium, Preuß-sch-Hessisck-er /Sifen; bahn^iskus unb Stabt Gießen) sicher zum Z cle geführt. Leider ist ber Plan damals nicht ausgeführt worden, und speziell bic Stabt Gießen hat entsprechend meiner damaligcn^Voraussagc bie Folgen dieser Unterlassung schon sehr unangenehm empfinden müssen. E-s fragt sich, ob jetzt das damals nicht zustande gekommene Zusammenarbeiten ber beteiligten Behörden geschehen fmrd. Ich hoffe, daß bie unangenehmen Erfahrungen, die seitdem sowohl bic Eisenbahnverwaltung als bie Stabt Gießen infolge ber Nichtausführung bes bamaligcn Planes gemacht haben, Veranlassung dazu geben werben, baß biesc beiden hauptbeteiligten Faktoren zu einer Aussprache unb Einigung über die beiderseitigen Bedürfnisse gelangen Jverben. Ich halte cs jedoch für zweckmäßig, wenn in bezug auf bie Beseitigung der Anatomie und des Hauptfteueramtes von vornherein auch das Großhcrzog- lichc Ministerium und die Postverwaltung sich an den betr. Beratungen beteiligen. Nur durch eine gemeinsame Aktion dieser 4 Behörden kann nach meiner Meinung eine wirklich gründliche Verbesserung der Eisenbahnanlagen mit Umgestaltung des ganzen Stadtteils am Bahnhof unter sorgfältiger Berücksichtigung aller in Betracht tom'mcnbcn Interessen erreicht werden. Hoffen wir, daß sich bie jetzige Generation diesen für bie ganze Entwicklung der Verkehrsverhältnisse der Stadt wichtigen Ausgaben besser ge- wachfen zeigen wird!
Kirdic und Kdnile.
AenderunginderAusstellungvonS ch ulzeujg - uis s cu üU 'Preu ß e rt.
Bisher durften Reifezeugnisse sür die Prima bei i r/zjährigem Besuche der Obersekunda in Anstalten mit Jahreskursen, d. h. bei Nichtversetztsein von Obersekunda nach Prima nach einjährigem Besuche der Obersekunda, nur ausgestellt werden, wenn der Schüler ins praktische Leben eintreten wollte. Der Kultusminister hat letzt verfügt, daß dieses Zeugnis in Zukunft ohne den Nachweis seiner Verwendung beim endgültigen Abgänge auszustellen ist, auch wenn der Schüler für seinen Beruf dieses Zeugnis nicht unbedingt benötigt. Vorbedingung für die Ausstellung ist nach wie vor, daß der Schüler tatsächlich die Reife für die höhere Klasse besitzt. Aehnlich wird mit dem Einjährigen- und Oberprima-Zeugnis verfahren. Wer also in einer Anstalt mit einjährigen Kursen das Einjährigen-Zeugnis nach einjährigem Besuch der Unter- Sekunda nicht erreicht hat, weil er in einem Fache zurückgeblieben war, kann dieses Ziel bei Fleiß bereits nach einem weiteren halben Jahre erreichen, wenn er die Schule endgültig mit dem Einjährigen-Zeugnis verlassen will. Bisher mußte ber Betreffende die Untersekunda zwei Jahre besuchen. ___________________________________
Deutjebe»
Der neu gewählte Landtag des Fürstentums Schwarzburg-Rubol stabt
würbe am Montag von bem Staatsminiftcr Freiherrn von ber Recke eröffnet. In ber Thronrede wird die Abänderung des Staatsgrundgesetzes, das &e Rechte des Landtags genauer regelt, ferner ein neues Wahlgesetz angekündigt. Statt der bisherigen 16 Abgeordneten sollen in Zukunft 24 Abgeordnete, von denen 12 aus allgemeinen Mahlen, 12 aus Vertretern der verschiedenen Stände gewählt werden, den Landtag bilden.
Ausland.
Unabhängigkeitserklärung Tibets.
Aus U r g a wird gemeldet; Das Abkommen zwischen der Mongolei und Tibet enthält solgendc Hauptpunkte: Der Dalai Lama, erkennt die Proklamierung des Huchtuchtu zum Herrscher des Mongolenvolkes an, der seinerseits die Bildung eines selbständigen Tibet und die Proklamierung des Dalai Lama zum Herrscher Tibets anerkennt. Die Mongolei und Tibet verpflichten sich gegenseitig, zur Verbreitung des Buddhismus beizutragen, einander sür ewige Zeiten gegenseitige Hilfe zu leisten und b/m Untertanen beider Reiche Schutz zu erweisen. Die Mongolei und Tibet öffnen ihre Länder dem gegenseitigen Waren- unb Probuktenhanbel, wobei ben Untertanen gestattet wird, industrielle und Kreditinstitute zu gründen.
Kohlensuude in Belgisch-Kongo.
Wie das Journal du Eongo berichtet, sind, in der Nähe des Punktes, wo die Bahn vom Kongo an den Tanganjikasee reichen wird, Kohlenlager wenige Meter unter der Erde entdeckt worden. Es soll sich um mehrere Ähichten handeln, deren einige bis zu 2 Metern dicht sind. Bis in einer Tiefe von 20 Metern wird die Kohle als sehr gut bezeichnet. Ein Geologe schätzt die Ausdehnung des Lagers auf nicht viel unter 100000 Hektar. Hoffentlich bewahrheiten sich diese Angaben.
Wandervogel.
Es wird uns geschrieben:
In Ihrem „Wandervogel" überschriebenen Artikel in der Mittwockisnummer Ihrer Zeitung wird die Behauptung aufge- stellt, dem Wandervogel sei das Kloster auf bem Kreuzberge verboten. Tics entspricht nicht ben Tatsachen. Ich selbst war z. B. noch am 29. Tezcmbcr letzten Jahres mit etwa 20 Wanbervögeln aus Würzburg unb Frankfurt bort, wo wir mit gewohnter Freuird- lichkeit von unserem alten Bekannten, Pförtner Frater Wendelin ausgenommen wurden. Auch von anderen Orten, die dem Wandervogel „verboten" seien ist nicksts bekannt. Sodann gehen Sie aus die von mir geleitete Monatsschrift „Wandervogel in Hessen und am Rhein" ein. Diese Schrift wurde z. B. vom „Frischauf" dem Klubblattc des V.H.E. im Oktober heft — nachdem schon 3 ober 4 Hefte Vorlagen — freudig begrüßt. Sie liegt in hiesigen Buchhandlungen und Bibliotheken auf. so daß scch em unbefangenes Publikum ja von dem „mit Absicht gesuchten Zigeunerjargon", der darin herrschen soll, überzeugen kann.
Karl Balser, cand Phil.
HierM bemierfen wir, daß uns auf unsere Anfrage auf bem Kloster Kreuzberg bestätigt würbe, baß Wandervogel, bie „zünftig" kamen, abgcwicsen worben sinb, daß aber natürlich anständige Wandervögel, die sich in den sonst im Leben üblichen Formen bewegen, jederzeit ausgenommen werden. — Was den Zigeunerjargon betrifft, so bemerken wir nur, daß in Sacken des guten Geschmackes die Meinungen wohl auseinandergehen, und daß wir leinen Raum zur Verfügung haben, um hier einige Proben zu geben. Wir führen nur an, daß es int allgemeinen unter gebildeten Menschen nicht üblich ist, sich die Nase mit der Hand zu putzen, wie das kürzlich von Herrn B. in der Zeitschrift empfohlen nmrde. Glücklicherweise geht die Hauptzeitschrist des Wandervogels ebenfalls scharf gegen derartige „zünftige" Gewohnheiten vor, und erbringt damit zugleich den Beweis, daß es wirklich notwendig ist, scharf gegen die Auswüchse vorzugehen, wenn nicht die ganze Wandervogclidee zugrunde gerichtet werden soll Damit schließen wir die Aussprache über diese Fragen, inbem wir sie dem Urteil Einsichtiger überlassen.
Die Red.
Sandel
Von der Hamburg—Amerika-Linie.
Hamburg, 20. Ian. In der heutigen gemeinsamen Sitzung bes Aufsichtsrates und Vortzandes ber Hamburg-Ainenka-Linie wurde der vorläufige Abschluß für das Iabr 1912 vorgelegt. Es ergibt sieb auf Grund ber noch nicht endgültig <eft- genellteu Ziffern ein V e t ri e b s g e w i n n von etwa 56'/, Millionen -Warf gegenüber rund 43 800 000 'Ulf. im Vorjahre Anher biefein Betriebsgewinn erzielte die Gesellschaft noch einen Agiogewinn bei Begebung der jungen 'Aktien von etwa 37, Millionen Mark, welcher nach Abzug der eteuer dem Aese-vekonto zufließt. Zur Verfügung steht nach 'Abzug der Prioritätszmsen uho. ein Reingewinn von etwa 53'/., Mtllionen Mark gegen 40* 3 Millionen Mark im Vor- jabre. Die Verwaltung wird der Hauptversammlung der Aktionäre Vorschlägen, eine Dividende von 10 Prozent (gegen 9 Proz. im Vorjahre« zu verteilen. *
** Bremen - Hannoversche Lebensversichc-- r un gsba n k, A kti e n g es ells'chaf t. Das verflossene Jahr brachte der Bank einen Neuzugang von 33 038 017 Mk. gegenüber 32 012 927 Mk. im Jahre 1911.
Markte.
(Wieweit, 21. Ian. Morktberiebt. 9hif heutigem Wochenmarkte lofiete: Butter das Pfund 1,00—1.10 l'lk^ Hühnereier 1 Stück 9—11 'Ifg., 2 Stück 90 Pfg., Enteneier 1 Stück 0—0 Pfg., (Säufeeiet let. 00 Pi., !läse das Stück 6—8'Ifg., Käsematte 2 Stück 5—6 Pfg., Tauben pr Tr. 0,«0—1,00 Mk^ Hühner pr. St. 1,00—1,60 Mk., Hahnen pr. Stück 0,80—1,80 9)ifN Enten pr. et 2,00-3,00 Mk* Gänse das Pfd. 70—80 Pfg^ Ochsensleisch pr. Vfd. 92—100 Vfg., Rindfleisch pc. Pfund 90—94 Pfg., Kubfleisch 80 Pfg^ Schweinefleisch pr. Pfund 90—110 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 92—96 Pfg., Hannnelfleisch pr. Pfd. 70—90 Pfg., Kartoffeln pr. l"0 stg. 5.00 bis 5.50 Alk., Weißkraut das Stück 5 bis 10 'l>fg„ Zwiebeln ver Btr. 6,00—8,00 Alk., Milch das Liter 22 Pfg» Nüsse 100 fetücf 50—60 Pfg^ per Ztr. 0—00 Mk» Birnen das Pfund 10 bis 15 Pfg., Aepfel der Zentner 10 bis 15 Alk. Marktzeit von 8 bis 2 Uhr.


