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18.2.1913 Drittes Blatt
 
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Rt 41

Dritter Blatt

165. Jahrgang

Erscheint iLyKch'rinSnahme ds Sonntag».

DieIHetarer FamNiendlStter- werden dem ,flnjeifler* viermal wöchentlich beigelegt, das ^Lretr»latt fit Ha llreir Sietzen" zwennal wöchentlich. DieLandwirtschafUichen Seit» fregttf* erscheinen monatlich zweimal.

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Sberhefien

Dienstag, 18. Februar 1913

Rotationsdruck und Verlag der Br üblichen Unürersiläts - Buch- und Sreindructerei.

R. Lange, Gaetzen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« stratze 7. Expedition und Verlag: e=8@> 51.

Redartion:e^I12.rel.-AdruAnzeigerBreben.

politische 2lu$Wc der neuen Präsidenten von Frankreich.

Am 18. Februar tritt Raymond Poincare sein Amt als Präsident der französischen Republik an. Wir können einen Auflatz aus seiner Feder vorlegen, in dem inter­essante Strerflichter seine Auffassung von den hohen Amt erhellen. Seine Ausführungen dürften gerade in diesem Augenblick besondere Aufmerksamkeit erregen.

Sicher wirb noch der Tag kommen, an dem die Politik zu ihrer eigentlichen Rolle zurückgeführt wirb. Sie wirb bann kein Hilfsmittel für Intriganten unb burchtriebene Leute mehr sein, sie wirb auf unlautere, hinterlistige Manöver, aus Bestechungen, ans die ganze Strategie der Hinterhältigkeit unb aus alle Schliche verzichten, um wieder das zu werben, was sie sein soll: eine moralische Wissenschaft, der vollkommene Ausdruck aller der verschiedenen Beziehungen ton Im ter essen, L andlungen und Sitten. An jenem Tag wirb sie das Gewissen wie oen Geist unter ihre Macht beugen und der menschlichen Gesellschaft die Regeln des Rechts vorschreiben." Das war im Jahre 1873 die Hoff­nung Gambe ttas. Seitdem ist die Politik noch immer kaum eine moralische Wissenschaft geworden, unter bereit Macht das Gewissen sich Leugen müßte. Noch scheint sie sich nicht endgültig von Intrigen" undSchlichen" frei gemacht zu haben, wieder­holt ist sie ohne Scham derBestechung" unterlegen, und da sie sich durchunlautere lstnterlistige Manöver" hindurchschlängeln müßte, konnte sie sich bis heute nicht zu der Höhe einer allgemein anerkannten Lehre erheben.

Jeder begreift ober vielmehr jeber fühlt, daß dieser Nieder­gang der Politik ein Anfang nationaler Gefahr ist. Seitdem die Verfassungen von 1791 und 1793 den Grundsatz, aufgestellt haben, daß die Nation die Oberherrschaft ausübe unb daß diese unteilbar, unwandelbar und unübertragbar sei, hat dieses Prinzip mehr als einen Stoß erlitten. Nacheinander ergriffen verfch ebene Einzelpersonen die Oberherrschaft, ober sie wurde durch Versamm­lungen ausgeübt, die die Gewalt an sich rissen. Tie Republik wurde gegründet, um das Voll von den Mißbräuchen der persön­lichen Herrschaft zu befreien; die freie Regierung sollte organisiert werden, wobei die Demokratie das Recht hatte, sich durch Bevoll -nächtigte vertreten zu lassen. Um diese Bevollmächtigten nicht in die Versuchung zu bringen, sich an die Stelle derer zu setzen, die ihnen die Vollmacht verliehen, wurden ihnen einzelne, bestimmt Umschriebene Befugnisse anvertraut. Nach und nach ist aber eine beklagenswerte Verwirrung in die Ausübung dieser verschiedenen Vollmachten eingebrungen. Jeber Schreiber bildete sich etn, ein Auftraggeber zu fein, jeder Diener hielt sich für einen Herrn, jeber Abgeordnete glaubte in sich das ganze Volk zu verkörpern. Zo sind alle Rollen und Verantwortlichkeiten in schrecklicher Unordnung durcheiirander gewirrt, so daß jetzt alles int Staate verkehrt ist, die ausübende wie die gesetzgebende unb bic gericht­liche Macht, unb daß ohne den Kongreß und ohne die Möglichkeit der Revision die schlechten Gewohnheiten die wichtigsten Elemente her republikanischen Verfassung in ihr Gegenteil verkehren würden.

Nach dem Wortlaut dieser Verfassung soll es einen Präsi­denten und einen Minister, d. h. eine Regierung, geben, ferner eine Kammer und einen Senat, b. h. ein Parlament. Im Ker ein mit ben Mitgliedern der beiden Kammern sollte der Präsident das Recht haben, Gesetze einzuführen, über die bewaffnete Macht zu verfügen, alle Zivil- und Militärbeamten zu ernennen und bei nationalen Feierlichkeiten den Vorsitz zu fuhren (Artikel 3 des Gesetzes vom 25.28. Februar 1875). Erlangte er die Zustimmung des Senats, so durfte er die 9fbgeorbnctenfninmer vor dem gesetzlichen Ablauf ihres Mandats auflösen (Artikel 5). Ihm stand das Recht zu, innerhalb der für die Veröffentlichung festgesetzten Frist von den Kammern eine neue Beratung be­schlossener Gesetze zu fordern (Artikel 7 des Gesetzes vom IG. bis 18. Juli 1875). Er hatte über Verträge zu unterhandeln unb sic zu bestätigen (Artikel 8). Von all bieten Befugnissen hat er jedoch nur die letzte unter denen, die ihm Artikel 3 des Zebruar-Gefetzes einräumte, fast unangetastet bewahrt; ben Vor­sitz bei nationalen Feierlichkeiten.

Neben dem Präsidenten sollten Minister stehen, die vor ben Kammern für bic allgemeine Politik ber Regierung solidarisch haftbar unb für ihre persönlichen Handlungen verantwortlich wären (Artikel 6 des Februar-Gesetzes-. Wahrlich, wir haben nach 1875 ebenso wie vorher viele Ministerien gehabt bic Zahl der Regierung mag etwas geringer gewesen sein, da muß ich mich tatsächlich fragen. Wie die Minister Meister in ber Regierungskunst sein konnten. Seit der Zeit, in ber I. I. Weitz einmal mit geistreicher Detaillierung ben Tageslauf eines Ministers schilderte, hat man biefen hohen Staatsgefangenen kaum mehr Muße gegönnt. Dreimal in der Woche halten sie Rat, unb natürlich nimntt man an, daß sie bei diesen Aussprachen die all­gemeine Politik und große öffentliche Interessen behandeln. Sic müssen eine sehr hohe Meinung von ihrer Mission haben, bic ihnen die Zufälligkeiten ber parlamentarischen Kräfteverteilung anver­traut haben. Sie sind auch hoch genug gestellt, um einen allge­meinen Ueberblick über die Lage zu haben, und doch Wieder der Demokratie nahe genug, um ihre Stimme zu hören. Man frage den Offizier, der bic Regimentsfahne trägt, ob er nicht, wenn seine Hand ben Fahnenschaft umfaßt, in sich eNmrs ime eine Verkörperung der Masse unb vervielfachten Mut fühlt! Diese Minister wissen natürlich, daß sie die höchstgestellten Dolmetscher des Volkswillens falb; es erscheint selbstverständlich, daß ue immer, wenn sie zusammenkommen, gemein)am beraten, was ihre Vorfahrengroße Angelegenheiten" nannten. Und daß sie mit der Treibkraft einer gemeinsamen Idee die untere und bic äußere Akiton der französischen Regierung leiten . . . So denkt man sich's. Ach, laßt diesen Irrtum fahren! Morgen werden fte bte großen Angelegenheiten beschäftigen, heute faib ja noch so diel kleine Dinge zu ordnen! Da ist der Wgeorbnete, der mit der Ernennung eines Steuereinnehmers unzufrieden ist und heute Nachmittag deswegen interpellieren wirb; im Laufe ber Debatte können sich alle möglichen Zwischenfälle emanen, bic man vor- aussehen muß, und die Tagesordnungen faib vorzubereiten, die man vorlegen will. Ein anderer Abgeordneter verlangt'für ettten Schützling ben Posten eines Gerichtspräsidenten, den ein Senator mietet für einen anderen Kandidaten wünscht. Ein schwerer Konflikt; wen soll man bi zufrieden stellen? Der Seü stör i,t treu, ter Abgeordnete ein unsicherer Kcintomst. Man überlegt lange, und schließlich trägt, wie es sich gehört, 'der Abgeordnete den Sieg davon. Es schlägt 10 Uhr, Vsll Uhr, 11 Uhr. Der Minister ber Auswärtigen Angelegenheiten hat wichtige Nachrichten emp­fangen, die er bem Ministerrat mitzuteilen wünscht. Der Finanz­minister hat große Reformiteen, die eine eingehende Prüfung verlangen. Was tun? Es ist spät. Der Minister des Innern wird von ben Journalisten erwartet, bic Auskunft von ihn wünschen. Man muß fort. Unb schließlich, weitz denn der Minister des Auswärttgen nicht besser als jeder andere, was.er zu beschließen hat? Und ist der Finanzmiiiister nicht Kraft semee Amtes in Finanzfragen ber kompetenteste Keurteiler? Ist s Nlch! also das teste, ihnen unbebingt Vollmacht zu laßen? Man Uim ja an einem mb em Tage von der allgemeinen Politik sprechen, unb wieder an einem anbern Tage von Frankreich. . .

Aus Stabt und Land.

Gießen, 18. Februar 1913. Frühe Ostern-.

Ostern im März verheißt ein gutes Brotjahir", sagt eine Bauernregel. Spricht sie die Wahrheit, so muß bas laufende Fahr ein ganz hervorragendesBrotjahr" werden; denn früher als in diesem Fahre können wir Ostern kaum eiern. Ist doch der diesmalige Termin, der 23. März, der zweitfrühste, der überhaupt vorkommen kann. Nach der Festsetzung des Konzils zu Nicäa fällt Ostern auf benersten Sonntag nach Vollmand nach Frühlingsanfang". Hiernach ist der 22. März ber früheste Ostertermin, der überhaupt möglich ist. Freilich haben von allen jetzt lebenden Menschen nur recht wenige ein so frühes Osterfest erlebt; denn zuletzt ist der 22. März als Ostertermin im Jahre 1818 vorgekom­men und vorher in den Fahren 1761 und 1693. Kaiser Wilhelm I. hat also in seinem Leben einmal, bei seinem Eintritt ins 22. Lebensjahr, seinen Geburtstag am Oster- onntag feiern können. Dagegen kommt in unserem Jahr­hundert und ebenso in ben beiden nächsten Jahrhunderten der 22. März als Ostertermin überhaupt nicht vor, sondern nach 1818 erst wieder im Fahre 2285, und darauf in den Jahren 2353 unb 2437. Auch der diesjährige Ostertermin, der 23. März, der zweitsrüheste, der möglich ist, ist noch recht selten. Im vorigen Jahrhundert ist er relativ häufig vovgekommen, nämlich zweimal: in den Jahren 1845 und 1856. Dazu tritt dann das -gegenwärtige Jahr 1913, aber dann wird der 23. März als Ostersonntag erst wieder Vor­kommen können in den Jahren 2008, 2160, 2228, 2380 und 2532. Der späteste Termin für den Ostersonntag ist der 25. April, ein Vorkommnis, das wir im Fahre 1886 zuletzt gehabt haben und das 1943 und 2038 wieder eintreten wird. Ob wir oder unsere Nachkommen alle die hier air­gegebenen frühen und späten Osterfeste wirklich feiern wer­den, steht freilich bah-in; denn seit längerer Zeit sind Be- trebungen im Gange, die auf die Festlegung des Oster- Armins an einem bestimmten^Tag abzielen.

** Für die Sitzung der Stadtverorbneten- Versammlung am Donnerstag, 20. Februar, nachmit­tags 4 Uhr, ist folgende Tagesordnung aufgestellt: 1. Mitteilungen. 2. Bauflucht für den Neubau des Amts­gerichts. 3. Baugesuch Launspach für Liebigstraße 82. 4. Baugesuch Hirz für Seltersweg 22. 5. Gesuch des L. Troß wegen Belassung eines Schornsteins im Backsteinmacher­häuschen im Neustädter Feld. 6. Ueberlassung der alten Klinik für eine Kolonial- und Missionsausstellung. 7. Ueber­lassung von Räumen für die Errichtung einer Trinker- sürsorgestelle. 8. Kosten der Fußwegunterführung zwischen Ebel- und Stephanstraße. 9. Vergebung der freien Lern­mittel. 10. Neubau des Eichamts. 11. Verkauf von Grund­stücken an die gemeinnützige Baugenossenschaft. 12. Gesuch des Hermann Adam um Erlaubnis zum Schankwirtschafts­betrieb im Hause Neuen Bäue 22. 13. Desgl. der Firma I. H. Jhring in Lich für Asterweg 12.

** Sta d t t h e a t e r. Die Novität des nächsten Frei­tags, das dreiakttge LustspielMein Freund Teddy" von Andre Nivoire u. Lucien Besnard, ist zurzeit Reper­toirestück der meisten größeren Bühnen. Das Werk, sorg­fältig vorbereitet, dürfte auch hier den Erfolg erringen, ber ihm überall zuteil geworden ist. Wir entnehmen einer auswärtigen Besprechung:Ein echt Pariser Lust.piel ohne mehr oder weniger pikante Ehe-Irrungen ist das neueste aus Paris; Ein sehr amüsantes, mii guter Laune und graziösem Esprit gearbeitetes Stück. In Berlin ist es für Reinhardt's intimeKammerspiele" zu einem sog. Serien­stücke'geworden; in Paris muß es infolge seiner fein poin­tierten allerliebsten Bosheiten Lachkrämpfe verursacht haben u. s. f."

** I m Verein für Frauenstimmrecht, Orts­gruppe Gießen, findet am Freitag, 21. Februar, im Hotel Grobherzog ein öffentlicher Vortrag von Dr. Anita Augspurg überNass enkult ur und Frauen­bewegung" statt.

Kreis-Ziegenzuchtverein Gieße n. Im Aut- trage des Kreis-Ziegenzu i tvereins wird am eonntag, 23 Zebruar, nachmittags 3 Uhr, in der WirtichaU des Vubivig Geißier III zu )i u tt er s h a u s e n ein Vortrag über Z i e g e n z u ch t ge­halten. Redner ist Lekonomierat Weitzel aus L i ch.

Landkreis Gieszen.

-- Hungen, 17. Febr. sJlm Sonntag unternahm die hiesige ^Ortsgruppe ,^J u n g d cu t schl a n d" ihre erste praktische Arbeit. Es läßt sich ja so leicht über die Jungdeutschlandbewegung reden, aber bic Sache in die Tat umzusetzen, ist nicht so einfach. So wie viele Leute nicht recht wissen, >oas ,^Jungbeulschland" bezwÄken will, so gibt es auch viele, die allem neuen wiberftreben. Wie sehr aber die Jugend mit Begeisterung bic Sache aufnimmt, konnte man hier an ber sehr zahlreichen Beteiligung ersehen. Tic Aufgabe, die sich bic Leiter ter hiesigen Ortsgruppe, die Lehrer B ürftlei n und Hübner, gestellt hatten, war eine Geländeübung, wobei einer feindlick;en Mteilung ter Ucber- gang über die Horloff bei der Zellmühic, unweit Villingen, ge» wehrt Werten sollte. Nachdem die Teilnehmer in zwei Abteilungen geteilt waren, marschierten dieselben, ausgerüstet mit Fahnen und Winkerflaggen, auf zwei verfchietenen Wegen, bem Ziele zu. Tie Leiter bes Spiels, die in erfreulicher Weise von den Herrn Wachtmeister Kessel und Lehrer Strößinger unterstützt wurden, konnten nur einstimmig das Muster gütige Verhalten der Hungener Jugend bestätigen. Ein am Schlüsse ter Hebung veranstaltetes Kampfspiel entschied über Sieger unb Besiegte. Nüchtern noch einige Notverbänbe, als Hebung im Samariterbienst, angelegt waren, würbe ber Heimweg angetreten, und unter fröhlichem Gesang rückte die jugendliche Schar in die Stadt ein.

Kreis Büdingen.

Büdingen, 16. Febr. (S chö ff en g e r i chts si tzuu g.) Der Bäcker und Handelsmann S. K. von Eckartshausen wurde wegen Bedrohung zu drei Mark ober einen Tag Gefängnis verurteilt. Der Werkfützrer H. R. unb ber Arbeiter H. F. von Saingrünbau wurden wegen Uetertretung des Dampfkessel- Gesetzes zu je 1 Mark ober je 1 Tag Hast verurteilt. Der Steinrichter B. K. von Düdelsheim ttmrte wegen vorsätzlicher t örperverletzung mittels gesätzr.icher Werkzeuge zu einer Gesängnis- icafe von 4 Wochen verurteilt. Der Landwirt und Müller 3. L. von Hitzkirchen würbe wegen Bedrohung zu 3 Mark ober 'inen Tag Gefängnis verurteilt. Ter Fabrikarbeiter H. St. und seine Ehefrau von Büdingen würben wegen Psandverschleppung JC zu einer Gefängnisstrafe von einem Tag verurteilt.

,'Der Maurer W. Eh. St. von Herbstein, zurzeit hier in Hnter- suchungshaft, würbe wegen Bettelns zu einer Haftstrase von zwei Wochen verurteilt. Eine Woche ber erlittenen Untersuchungshaft würbe auf die erkannte Strafe aufgerechnet. Auch wurde erkannt, daß der Angeklagte nach verbüßter Strafe ter Lantespolizei- behörte zu über weif en fei. Ter Landwirt B. W. K. von Eckartshausen würbe wegen tätlicher Beleibigung bes 14jährigen Tienstmädchens M. W. zu einer Gefängnisstrafe von einer Woche verurteilt. Die Haushälterin Ehr. I. von Büdingen wurde wegen Nahrungsmittel Entwendung zu fünf Mark ober 2 Tage Hast verurteilt. Der Gymnasiast B. R. vom Erbacher Hof wurde wegen unerlaubten Schießens von Strafe und Kosten freigesprochen. Ter Geometer 2. Klasse F. F. von Büdingen wurde von ber ihm zur Last gelegten Unterschlagung von Geldern einer Meihnachtslasse als nicht schulig von Strafe unb Kosten freigesprochen.

= Ob erwiddersheim, 16. Febr. Am Samstag abend brannte zrrm ersten Male in unserem Dorfe das elektrische Licht. Ter Basaltbruch ter Firma Joh. Nickel erhielt für feinen Bedarf zum Antriebe feiner elektrischen Gesteinbohrmaschi­nen, Wasser pump en, und für die Beleuchtung seines Werkes einen eigenen Trehstromdynamo, von welchem aus die Gastwirtschaft von Eifer sowie auch die Metzgerei von Hein provisorisch beleuchtet wurden. Viele Einwohner hatten sich eingefunden, um das Lickt zu bewundern. Tie Anlagen wurden von ter Elektrizitäts-Ges. Arthur Neumann u. Eo., Zweigniederlassung Gießen, ausgeführt.

(RcridftsfaaL

§ Berlin', 17. Febr. Heute vormittag begannt vor bem Schwurgericht des Landgerichts Berlin III die Verhandlung gegen ben 43jährigen Eisendreher Paul Stein aus Borsigwalde-Derlin, der beschuldigt ist, im Juni 1912 in ber Nähe des französischen Grenzborscs A r n a v i l l e aus französischem Boten seine Nichte, die 25jährige Emilie Stein aus Metz durch Messersttche getötet zu haben. Der Angeklagte gibt bic Tat zu, behauptet sedoch, die Nichte auf ausdrückliches Verlangen getötet zu haben, da diese wegen Liebeskummer in den Tod gehen wollte. Zu ber Verhandlung faib zahlreiche Zeugen geladen, darunter bet fran­zösische Uittersuchungsrichter unb ter Gerichtsarzt aus £ouL

CintScbeffynbrt.

Wien, 17. Febr. Auf dem Flugplatz Fischamcnd jfi heut ter Oberleutnant Rittner bei einem Flugversuch mit einem neuen Apparat aus 100 Meter Hohe abgestürzt. Nittnet würbe aus bem Apparat geschleudert und war sofort tot

vermachtes.

* Der alte Leichtsinn ber E11crn. Fn dem loth­ringischen Orte Eischen spielten zwei Mnter in Abwesenheit ihrer (SItern mit Streichhölzern. Ein brennendes Holz fiel auf ein Bett; alsbald stand das ganze Hans in Flammen. Die beiden Kleinen verbrannten und konnten von Feuer­wehrleuten nur als Leichen geborgen werten.

* Eine französische Nordpolexpcdition. Dem Figaro" zufolge bereitet der Geograph Julius de Payer, ein Sohn des berühmten österreichifmen Polarforschers, ter Franzose geworden ist, eine arktische Erpcdition vor, deren Ziel das von seinem Vater im Jahre 1873 entdeckte Franz-Josef-Land sein soll. Die französische Regierung habe das Programm de Payers jun. genehmigt und ihm die Ermächtigung erteilt, für seinen Stab einen Schiffsleutnant, einen Schiffsfahnrich, zwei Kapitäne für lange Fahrt, zwei Militärärzte, einen Militärflieger unb einen Geologen anzuwerben.

* Tob auf den Schienen. Ans Eisenach, 17. Febr., Wirb gemeldet: Heute früh 6 Uhr legten sich in der Nähe des Weftbahnhoses der 22jährige Fabrikarbeiter Rudloff, ber 18 jährige Arbeiter S ch u b fn a n n und die 20 jährige Marga­rete Rickardt auf die Schienen, um sich von einem Güterzuge überfahren zu lassen. Im letzten s)lugcnblick riß das Mädchen feinen Kops zurück. Es wurde nur leicht verletzt, während b i c beiden anderen getötet wurden. Der Beweggrund ist unbekannt.

* Mordtat. Aus Ofenpe st wirb gemeldet: Aus der Wohnung einer Marktverkäuferin in einer Vorortgasse raubte ein Unbekannter verschiedene Wertgegenstände unb durchschnitt ber neunjährigen Tochter der Wohnungsinhaberin die Kehle, um bic einzige Zeugin des Diebstabls aus dem Wege zu räumen. Eine Frau sah den Verbrecher mit der Bento flüchten Seine Festnahme ist bisher nicht gelungen.

Airchlrche Nacl?richten

Evangelische Gemeinde.

3n der Stadtkirche.

Mittwoch, den 19. Februar, abends 6 llhr: 3. Passionsandacht. Pfarrer D. Schlosser.

Ein kräftiger Knochenbau.

Wenn sich infolge ungenügender oder fehlerhafter Ernährung, ober auch aus andern Gründen Kmder nicht recht entwickeln wollen, so verdient kein anderes Stärkungsmittel größeres Vertrauen als Scotts Leber» tran-Emulfion, welche sich zur Bildung und Festigung des Knochenbaus, zur Kräftigung des Körpers ausge­zeichnet bewährt hat. Die in ihr enthaltenen Nährstoffe fördern das Wachstllm kräftiger, gerader Knochen und unterstützen die ganze Entwicklung so, daß diese Kinder bald munter und fröhlich herumtollen werden. Den Kleinen schmeckt Scotts Emulsion, sie nehmen das süße, rahmige Gemisch geradezu mit Wonne.

Da Scotts Emulsion ausschließlich aus den reinsten, besten Rohstoffen hergestellt wirb, in ihrer Wirkung durchaus zuverlässig ist, so ist ihr Weltruf: die beste Lebertran-Emulsion zu fein, schon lange festgegründet.

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Husten und Heiserkeit