Nr. 65 viertes Blatt
165. Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die ,,-ietzener Zamtlienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Sichen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Zeit, fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger str Oherhesien
Samstag, 15. März 1915
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expeduion und Verlag: 51.
Redaktion:«E112. Tel.-AdruAnzeigerGießen.
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überhaupt noch wert, diese Männer feiern zu dürfen?
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Amtlicher Teil.
* Militärisches. Feldwebel„Und Sie schlapper Kerl steckdn obendrein noch in der Gardeuniform! Na, wissen Sie, Sie kommen mir vor wie 'ne Dreipsennigzigarre mit ’ner Bauchbinde
^Die Hauptsache. Professor (nach vorgenommener Mnt- genuntersuchung^: ,^Fch rate Ihnen nunmehr zu einer Kur in Aegypten!" — Patient: „Ja, Herr Professor, da haben öie Wohl vergessen, mein Portemonnaie zu durchleuchten?"
Beurteilung der Lage unserer Sparkassen Muß unterschieden werden zwischen den Sparkassen in ben Städten und denen auf dem Lanbe^ Es Muß verlangt werden, daß die Sparkassen auf dem Larax wesentlich liquider gehalten werden, als solche in, der Stadt. Dieses Verlangen rechtfertigt sich unter mehreren Gesichtspunkt«!. Einmal steht den städtischen Sparkassen in der Regel für kritische Zeiten auch der Kredit der Stadt selbst zur Seite, und zwar zum Teil auch in den Fällen, in denen die Sparkassen mcht mnr.i1' rir städtische Einrichtungen sind. /
T • Haus erledigt dann ohne Debatte die sämtlichen restreren-> den Artikel und damit den ganzen Hauptvoranschlaq.
Weiter werden debattelos erledigt nach den Beschlüßen des Ausschusses,' die durchweg auf Beitritt zu den Beschlüssen der Zweiten Kanrmer lauten, die folgenden Positionen: Regierungsvorlage, den Entwurf des Finanzgesetzes für das Etats- iahr 1913 betreffend. —Einnahmen und Ausgaben der Landeskreditkaffe in den Finaniverioden 1908—1909 betreffend. — Regierungsvorlage, die Abänderung des Gesetzes vom 6. August 1902 über die Landeskreditkasse betr. — Regierungsvorlage betreffend Gesetzentwurf, die Wahl des Gemeinderats, des Bürgermeisters und des Beigeordneten der Ge- meinbe Buchschlag betreffend. — Regierungsvorlage, bett >ie Dienstbezüge der Staatsbeamten und Volks« ch u l l e h r e r und deren Hinterbliebenen.
Darauf tritt Vertagung ein. Nächste Sitzung Samstag 10 Uhr. ,
ICircbe und Kcbnle.
Köln, 15. März. . Unter gewaltiger Beteiligung der Bevölkerung fand gestern nach einer Trauerfeier in bei Christ uskirche, an der er amtierte, die Be erdi gun g desPfarrers Jatho statt. Am Grabe sprach Pfarrer Traub aus Dortmund.
Zu Kapitel 10 hat die Zweite Kammer das Ersuckfen beschlossen, die Arbeiterfahrkarten auf 100 Kilometer auszudehnen. _ Da cs tid) nur um ein Ersuchen handelt, begnügt sich der Ausschuß damit, davon Kennttris zu nehmen. Das gleick>e wird beantragt zu Kapitel 75 a, Zuschuß zur LandwirtsäMstskarnmer, und zu Kapitel 75, Absatz 2, betreffend die Landgestüte. Auch in dielen Fällen begnügt sich der Aussckmß damit, das Ersuchen zur Kenntnis zu bringen. Sämtlichen Ausschußanträgen wird zugestimmt.
Zu Kapitel 36: Landes-Universität, verweist Fürst Karl zu Solms-Hohensolms-Lich auf die Debatte im Vorfahr, betreffend die Besetzung eines Lehrstuhls der theologischen Fakultät mit einem positiven Vertreter und stellt fest, daß die große Mehrheit des Hohen .Hauses auf dem Standpunkt stand und noch steht, daß die positive Richtung in der theologischen Fakultät der Landes- universität unbedingt vertreten sein must. Ta im laufenden ^zahr ein Vakanz nicht eingetreten ist, kann mckn iIraner noch der Hon nuitg sein, daß ein posittver Professor berufen wird. Ich habe das hier nochmals zur Sprache gebracht, um„darzuttin, daß nur die Angelegenheit, die wir für das ganze hessisck)e Volk für ,ehr wichtig halten, nicht einschlafen lassen werden, uitb daß wir hoffen daß die Regierung trotz, ihrer vorjäl-rigen Erklärung Mittel und Wege finden wird, unseren Wünschen Erfüllung zu bringest-
Frhr. von Heyl zu Herrnsheim: Die Wünsche des Herrn Vorredners sind durchaus zu unterstützen, umfomehr, als auch die Synode einen dahingehenden Antrag angenommen hat und das Oberkonsistorium diesen Wunsch unterstützt hat, wenn es auch insofern davon abweicht, daß es wünscht, die Berufung möge aus der Fakultät heraus von selbst erfolgen.
Geh. Juftizrat Leist: Die Frage ist für die ganze Zukunft unserer Universität von größter Wichtigkeit. Nichttingsprofe.ioren sind immer von Hebel, aber sie können unter Umstanden em notwendiges Hebel sein. Es kann bei aller Hochhaltung der Wiffen- schaft Vorkommen, daß ein Professor für eine gewiße bestimmte Richtung eintritt. Da ist es denn wohl das beste, Gift mit Gegengift zu bekämpfen. Beim besten Willen, das zu vermeiden, wird namentlich in der theologischen Fakultät hin und wieder die „Richtung" zum Durchbruch kommen. Ich kann aber versichern, daß in Gießen der festeste Wille vorherrscht, auf dem Katheder rein wissenschaftlich tätig zu sein. Wird nun aber ein Richtungs- Professor berufen, dann wird ganz von selbst auch die andere Richtung schärfer zum Ausdruck fommen. Richtungsprofessoren werden also der Gießener Hniversität schaben, unb sie werden ber : gewünschten Richtung nicht nützen. Ich möchte mich barnit gar : nicht für bie eine ober andere Richtung ausgesprochen haben.
Graf Kuno Stolberg-Roß la: Gerade die Ausfüh- ’ rungcit des Vorredners sind Beweis für die Berechtigung unserer ' Wünsche. Wir wollen keine Kampfprofessur, wir wollen aber, ; daß den theologischen Studenten Gelegenheit gegeben wird, rein " wissenschaftlich, aber von einem Mann, der innerlich pofitiv ge-
Das Haus setzt dann die Beratung des Hauptvoranschlages
Zur Frage der Errichtung einer Oberförster Wohnung in Groß- Umstadt hat die Erste Kammer auf Antrag ihres Ausschusses beschlossen, die Anmerkung zu Titel 4 II, 3, im letzten Satz in folgender Fassung anzunehmen: Dieser Betrag wird nur für den Fall ängefordert, daß die Verhandlungen mit der Gemeinde Groß- Umstadt wegen des Verkaufs der Forsthofreite auf dem Zipfen zu einem Abschluß gelangen, wonach der volle Anlagewert für das vorhandene Gebäude bezahlt wird und daß die in Aussicht genommenen Bau- und Reparaturkosten für das Groß- ilmtftäbter Schloß insgesamt den Betrag von 39 800 Mk. nicht über steigen. — Das Kapitel wird angenommen.
Debattelos erledigt werden bie Kapitel 12—34. — Zu Kapitel 35: Kirchen, macht Domkapitular Dr. Bendrx längere
(:) Kinzenbach, 14. März. Dem Kaninchenzucht- verein Kinzenbach wurde für die kommenden Cftcrfoge die 8. Bundes-AuSstellung des Mitteldeutschen Kaninchen- u n d G es l ü a e l zü ch te r-Verba nd e s übertragen. Unter Lokalverein hat schon von jeher viel für die Verbreitung der Kleintierzucht getan. Nach der Zahl der Anmeldungen wird diese Ausstellung alle vorhergehender übertreffen.
hessische Erste Kammer.
St. Darmstadt, 14. März.
Am Regierungstisch: Staatsminister Dr. v. Ewald, Finanzminister Dr. Braun, Minister des Innern v. Hombergk zu Vach, Geheimeräte Dr. Becker, W. Best, Süfsert, Dr. Weber, Ministe-
taiUif. .vereine 6etr.; c) Antrag des Mitgliedes ber Ersten Karniner der Stände Herrn Geh. Kommerzienrat Dr. Bamberger zur Regierungsvorlage, bett. Aenderuirg des Handelskammer- gesetzes vom 6. August 1902, beraten, da sich hier noch ^-rfsenfe ergeben haben. — Den Ausschußanträgen auf Beitritt zu den Beschlüssen Zweiter Kammer ftimmt das, zu. Geheimer Kommerzienrat Bamberger begründet fernen Antrag zu dem Gesetzentwurf. Da ber Ausschuß jeboch für die Erhöhung bes Bettags auf 1 Mk. nicht zu haben ist, legen bte Handelskammern auch keinm Wert mehr bar auf.
Minister bes Innern v. Hombergk zu Vach Exz.: Die Regierung erklärt sich mit bem Antrag in Absatz 2 einverstanden.
Der Ausschußantrag wird dann angenommen.
sinnt ist, unterrichtet zu werden.
Prälat D. Flöring: Die Stellung des Oberkonsistoriums ist die, daß es wohl wünscht, daß die Anstellung eines positiven Professors aus ber Fakultät selbst heraus in Erwägung gezogen wirb. Wir wollen bas Vorschlagsrecht der Fakultät, unb Universität nicht antasten. Das würde ihr eine Sonderstellung im Rahmen der Universität aufzwingen. Darin unterscheidet sich die Stellung des Kirchenregiments von der der Synode. Ich kann mich dem, was der Vertteter der Universität gesagt hat, nur anschließen. Hebrigens kann ich feststellen, int Gegensatz zu den Behauptungen in der Zweiten Kammer, daß die, Zahl ber positiven Pfarrer nicht abnimmt. Wir haben in Hessen 482 Geistliche; bavon geboren 128 ber freien landeskirchlichen Vereinigung an, 129 ber positiven Richtung, 180 der Friedberger Konferenz, d. i. eine mittlere Richtung, und 45 sind bei keiner Partei.
Frhr. von Heyl zu Herrnsheim: Die Vorschläge zur Berufung eines Professors werden nicht von der Fakultät, sondern vom ganzen Senat gemacht. Ich glaube also wohl, daß die Verhandlungen doch nicht ohne Erfolg sein werben. Denn wenn eine Neuberufung erfolgt, wird es doch nicht ohne Eindruck auf die Herren sein, welche Stellung das Haus, die Synode und das Kirchenregiment einnehmen.
Geheimerat Leist: Wir berufen nicht einen positiven ober einen liberalen Professor, sondern wir berufen den, wissenschaftlich tüchtigsten. Nur darf er kein Kampfprofessor sein.
Graf von Schlitz gen. von Görtz möchte auch seinerseits betonen, daß hier faktisch ein Notstand vorliegt. Wir wollen, daß an der Universität auch die positiven, das sind die einzig wahren Lehren, vermittelt roerben, unb ich weiß tatsächlich, daß Söhne von positiv gerichteten Eltern nicht wissen, wie sie in Hessen sich dem Theologiestudium hingeben sollen.
Das Kapitel wird dann genehmigt, ebenso Kapitel 37: Technische Hochschule.
3um Kap. 38, Gymnasien, Realgymnasien, Oberrealschulen, Realschulen, sowie pädagogische (Beminarten, bespricht Domkapitular Bendir die bischöflichen Konvikte an den Mainzer und Bensheimer Gymnasien und die über die Aufnahmen erlassenen geänderten Verordnungen, nach denen es den Jungen aus Oberhessen nicht möglich ist, an diesen Gymnasien aufgenommen „zu werden. Da die katholische Geistlichkeit gerade aus Oberhessen einen sehr guten Nachwuchs erhält, empfindet sie die Beschränkung sehr unangenehm.
Graf Solms-Laubach hält die Bestimmungen für durchaus dankenswert, denn sie verhindern das zu große Anwachsen ber Gymnasien in ben Stäbten, was im pädagogischen Interesse ber kleinen Schule, bie teilweise in ihrer Existenz bebroht waren. Ich freue mich, baß bie Regierung ben Weg beschritten hat, unb ich bitte auf bem Wege fortzufahren. Aus bem Lanbe können bie Jungen viel besser erzogen werben als in ben Städten.
Nach weiteren Ausführungen wirb bas Kapitel angenommen. Ebenso bie Kapitel 39, 40.
Zu Kap. 41, Volksschulen, kommt Domkapitular Dr. Benbix auf bie Debatten über ben Antrag Hlrich, bie Streichung bes Religionsunterrichts in ben Volksschulen betreffend zu sprechen unb erörtert bazu bie Mainzer Verhältnisse. In Mainz wird nach altem Herkommen ber Kommunionunterricht währenb ber Schulstunben erteilt. In letzter Zeit haben nun bie Sozialbemo- fraten sich darüber beschwert, daß dort sieben Religionsstunden ab- gehalteu werden. Die Regierung hat erklärt, daß sie da eine Aenderung eintreten, lassen will. Das märe sehr zu bedauern.
Minister des Innern v>. Hombergk zu Vach, Exz.: Da die Frage der Simultanschule bei Erörterung der Revision des Volksschulgesetzes verhandelt werden wird, hat bie Regierung eine Stellung bazu vorerst nicht eingenommen. — Das Stapitel wirb bann angenommen.
Zinn Kapitel 42 a: Jugendpflege, wendet sich Domkapitular Dr. Bend ix gegen die allzu starke Betonung der körperlichen Ertüchtigung. Zur richtigen Jugenderziehung gehört in erster Linie auch die EHiehung des Geistes. Wir brauchen eine Jugend, die der Zartheit des Gewissens nicht entbehrt, der Religion. — Das Kapitel wird angenommen.
Zum Kapitel Ministerium der Finanzen kommt Geh. Kom- merzienrat Bamberger auf die Ausführungen des Finanzministers über den Stand der hessischen Staatspapiere zu sprechen. Den Ausführungen ist beizupflichten. Nur nicht, soweit es die Anlage ber Gelder unserer Sparkassen betrifft. Hier ist eine größere Liquidität unbedingt anzuftteben. ,
Finanzminister Dr. Braun:- Die Ausführungen des Vorredners geben mir Gelegenheit, meine Ausführungen, die nicht alle richtig verstanden zu sein scheinen, zu ergänzen. Bei der
vermischter.
— Patriotismus als Geschäft. In seiner Abteilung Anzeigen als Anzeichen bringt der Kunstwart im ersten März- Heft folgende Anzeige aus einer Leipziger Zeitung, die wieder einmal zeigt, was alles unter der Flagge des Patriotismus geleistet wird. Es heißt da in großem Reklamedruck, den wir der Einfachheit halber in gewöhnlichem Satz wiedergeben:
„Das Jahr 1913 muß jedem routinierten Menschen lOOOObe Mark Verdienst bringen, wenn er nur über einige Mittel, schon von 800 Mark an, verfügt. Für Den größten Jubiläumsschläger, von Königen und Bundessi" '"!en empfohlen, geben wir einige noch verfügbare Vertretungen ab. Vollständige Einrichtung und jede Unterftütmng vom Stammhaus. Fertiger bewährter Organisationsplan! „ Keine besonderen kaufmännischen ober Branchekenntnisse erforderlich. Unser Bevollmächtigter ist heute^ Donnerstag unb morgen Freitag 11-rl und 3—7 Ubr „Hotel Sedan", Leipzig. Stangenhaus u. Co., Berlin W. 62."
Wir wissen nicht, schreibt der Kunstwort dazu, ob diese „patriotische Sache" die Werningsche (ft, die ya tatsächlich „von Königen unb Bunbe^'"-rften empfohlen" wurde und weiter zum Jubel der Sozialdeme'raten über Land läuft, weil der gute Geschäftsmann nicht nur die Kriegervereine, sondern auch die städtischen und staatlichen Behörden mit den vaterländischen Fahnen vor seine Kassa spannt. Es kann sich ebensogut wie um Wernings „Festspiele" um eine „Konkurrenz" handeln, denn es gibt schon welche, weil in der Tat setzt „jeder routinierte Mensch" in „Patriotismus" lOOOObe Mark „verdienen" Fann. Ohne „kaufmännische oder Branchenkenntnis" sogar: in „Patriotismus" wird auf der Leipziger Messe schon als Branche für sich von eigenen Reisenden gehandelt. Hnd wir? Nein, wir schämen uns nicht, ein„ Jahrhundert nach dem großen 9üifftan.bc zuzusehen, nein, wir fördern das, wir empfehlens. Man leie diese Anzeige noch einmal und denke dabei an Stein, Fichte, Scharnhorst, Gneisenau, Arndt — kann man's, ohne vor sich selbst zu erröten? Ja, sind wir denn
Bekanntmachung.
Betr.: Maul- und Klauenseuckfe.
Nachdem die Maul- unb Klauenseuche in Angersbäch, Kreis Lauterbach, erloschen ist, ist das seitherige vom Großh. Kreisamt Lauterbach angeorbnete Sperr- unb Beobachtungsgebiet aufgehoben worben. Die Provinz Oberhessen ist somit toieber seuchenfrei
Gießen, ben 14. März 1913.
Großh-erzogliches Kreisamt, Gießen.
I. V.: L a n g e r m q n n.
Bekanntmachung.
Die Großh. Bezirkskasse Gießen II ist am' 19. b. Mts. umzugshalber geschlossen und befindet sich von Donnerstag, den 20. d. Mts. ab in dem Hause Meesttaße 11 dahier (frühen SchiedsgericA für Arbeiterversicherung).
Gießen, den 14. März 1913.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
________________ I. V.: Dr. M e r ck.______________________
Bekanntmachung
Betr.: Wasserversorgung in der Gemeinde Saasen; hier: Sperrung der Ortsdurchfahrt int Zuge der Kreisstraße Grünberg—Saasen. .
Wegen Vornahme von Wafserleitungsarbeiten wird die Ortsdurchfahrt Saasen im Zuge der Kreisstraße Grünberg—-saase« von Montag, den 17. lsd. Mts. ab bis auf weiteres für den Verkehr gesperrt. . . .
Die Zu- und Abfahrt hat während dieser Zeit über Winnerod.
Göbelnrod und über den Veitsberg zu erfolgen.
Gießen, den 14. März 1913.
Grobherzogliches KreisaMt Gießen.,
I. V.: Dr. Merck, . i l
(Ausführungen.
Prälat D. Dr. FI bring möchte namens der evangelischen Kttche dankbar fein für das Eintreten des Ministers für bte Rechte , der Kttche auf den Staatszuschuß. Auch wir empfinden es als einen unwürdigen Zustand, daß Jahr für Jahr vor der Oeffent- lrchkeit über diese verhältnismäßig geringen Staatszuschufse in , dieser Weise gesprochen wird. .
Minister des Innern v. H o m b e r g k z u V a ch: Herr Dom- kapitulator Dr. Benbix hat hinsichtlich bes Fonbs, der zur Verfügung steht zur Aufbesserung der Pfarrer, die weniger als 1800 Mk. aus den Pfründen beziehen, Bedenken geäußert, daß, meint bie auf den Pfrünben ruhenden Kommunalabgaben noch abgezogen werden, der Fonds nicht mehr ausreichen würde. Ich glaube, daß, soweit nickst die katholische .Gemeinde als Eigeii- tümerni erscheint, es keinen Bedenken unterliegt, daß bie Pfarrer die attt bem Fonds lastenden Abgaben in Abzug bringen.
Domkapitular Dr. Benbix bankt bem Minister für ferne Stellungnahme. Was bie Frage ber Ablösung betrifft, so ist das sicher keine leichte Frage. Es kommen gewisse Gesichtspunkte babei in .Bettacht, die über bas rein Praktische hinaus- S^Frhr. v. Heyl zu Herrnsheim: Ich halte bie Debatten über bie Staatszuschüsse für weniger bebenklich als bte fetzt tn Aussicht stehenden Debatten über bie Trennung von Kirche unb Staat ' Ich bin der Meinung, daß das für die evangelische Kttche nicht möglich ist, ohne eine wesentliche Verfassungsänbe- ^^Prälat D. Flo ring verbreitet sich nochmals über den Zen- ttalkttchcnfonds und das Gesetz betteffend Pfründenverbesserung nsw., die durch die heutigen Verhältnisse bedingt sind. Wenn Freiherr v. Heyl gefragt hat, wem dann dermaleinst die Mittel gehören, der -positiven ober der liberalen Richtung, so ist diese Frage wohl ratbegründet Die Mittel gehören keiner von Dechen, sondern der her evgl. Landeskirche. Heber diese einschneidenden Dinge hier in aller Kürze zu reden, dazu kann ich mich nur mit allein Vorbehalt entschloßen. Gerade bet der Beteiligung an Begräbnissen können die Geistlichen vor außerordentlich schwierige Fragen gestellt werden, vor allem die, ob er rackst trotz aller Begleiterscheinungen seine Pflicht ttin soll, Er muß doch erwägen, welches das kleinere Hebel ist. Es ist ]a leicht, zu dekretieren, nicht mitzugehen, wenn die Sozialdemokratie demonstriert. Aber ob das immer das richtige für einen Prediger des Evangeliums ist, darf doch bezweifelt werden.
Prälat D. Flöring: Heber die politische Stellung de- Pfarrers hier zu sprechen, ist sehr schwierig, der evangelische Pfarrer hat das Recht, sich auch politisch zu betätigen wenn diese Freiheit auch durch bie inneren Verpflichtungen des Amtes begrenzt ist. Das muß er selbst empfnchen Ich persönlich sympathisiere durchaus nicht mit ber Polituchen Betätigung der Pfarrer, durch die in vielen Fällen eine Schädigung des An,el,ens des Pfarrers zu befürchten ist und in Wider,pruch steht mit der For- berratq, baß der Pfarrer über den Parteien unb über der Gemeinde stehen muß. Nun aber bis ins einzelne durch Ge,etz vorzuschreiben, wie weit der Pfarrer gehen kann, das halte ich für unprotestantisch.
Damit wird die Sitzung gefchlossen.
12. Sitzmng.
Die Nachmittags, ctzung wird um Hhr eröffnet. Das Haus erfebigt zunächst
Dissense, über die Geheimerat Strecker, berichtet. Zn Kapitel 2, Titel 4 Zitter 3 betreffend die O' cnorsterwohniing ut Groß-Umstadt, ist Le Zwe'ite KLer bem Beschluß des Hohen. Hauses be,getreten.
Zu K pitel 12 hat bie Zweite Kammer einem Vermittlungs- Vorschlag zugefttnrnit, nach bem 25 Prozent ber S^eibgehilfen angestellt werben sollest. Der Aus,ckuß beantragt, biefem Antrag zuzustinimen. - Zu Kapitel 89 hat bie Zweite.Kammer folgenben
1 Die Kammer wolle beschließen, Großh. Regierung zu ersuchen, baß in bem Ressort des I nfttzmirasterinms ist Iben nächsten Jahren der Prozentsast- ber Anstellungen von Gerichtsschreibe- gehilfen dem anderer Resort gleichgestellt wird und
2 . insoweit Anstellung nicht erfolgen kann, die Anwärter, bie nach bestand euer Staatsprüfung 10 Jahre tml Staatsdienst und 30 Jahre alt, bei dauernder Dienstunfähigkeit durch Krankheit ober Unfan, sowie bei Todesfall im1 Sinne des Antrags des Wbg. Wolf-Stadecken in Drucksache Nr. 332 behandelt werden.
Ter ^lusjchuß beantragt, auch diesem Beschlüsse beizutreten.
rialrat Hölzinger. , ..
Präsident Graf v. Schlitz gern v. Gortz eröffnet die Sitzung um 11 Hhr. Der Präsident teilt mit, daß der Zweite Ausschuß zum Vorsitzenden den Landgerichtspräsidenten fangen gewählt hat. — Das Hans erledigt alsbald bie ,onst noch durch bas Ausscheiden des' Geheimerats Schmidt notmcnbig gewordenen Neuwahlen. In den Zweiten Ausschuß wird gewählt Geh. Justizrat L e i st, in die Kommission zur Vereinfachung der Staatsverwaltung Landgerichtspräsident Hangen.
-rd bann in bie Tagesordnung eingetteten unb zunächst v 5: a) Regierungsvorlage, Entwurf eines Gesetzes uter iung bes Gesetzes vom 6. August 1902, bie H a nb els - - r n betr.; b) bie Vorstellung bes Verbanbes ber Te- ücreine betr.; c) Antrag des Mitgliedes ber Ersten


