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Drittes Blatt 163. Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme deS Sonntags. d
Die „Giehener Zamllienblatter" werden dem i | HB
„Anzeiger" viermal wöchentlich beiqeleqt, das H Kd tjL, B eL, Ä, |l B wjL B ÄS SL H
..Kreisblatt ffir den Kreis Liehen" zweimal IV " ■ ▼' ▼ ^r ▼*
wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit- E
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Samstag, 27. September IM
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchea UnioersitälS - Buch- und Sreindruckerel.
R. Lange, Dieben.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schill« strabe 7. Expedltion imb Verlag: e<8) öl. Redakt:on:e!^i l2. Tel.-Adr.:AnzeigerGieven,
Die hautversammluni des cvanad. Bundes.
6) ö r (i p , 21). 5ct)L Tic 26. Hauptversammlung des Eva» gelischcn Bundes wurde gestern abend mit einem Kirchenkonzert in der Detercckirchc ’cicrlidi eröffnet. Nach Schluß des Kawzerts, dem ungefähr 2000 Personen beiwohnten, lauteten die (Würfen samt' kicher evangelischen Mirchcn der Stadt. Cboräle klangen von de» Türmen । . bengalisch erleuchteten Peterskirche. Eine vicltausend köpsige :Vlenid »menge hatte sich vor der Kirche und in den bcnack barten St rasten angciammelt. Tie Lutberkirche und der Reichenbacher Turm waren festlich beleuchtet. Tic Stadt hatte Flaggen- schmuck angelegt.
Ter evangelische Bund l-cschlaß in der (Tesarntvo^stands'i^'"'a He CM r ii n düng einer S ch w e st e r n s ch a s t des Evangelischen Bundes und einen Bernfsarbciter hierfür anzultellen. Er bat ein Abkmnmcn mit dem Anhaitifckrcn Evangelischen Dia^ konieverein Schwesternheim des Evangelischen Bundes^ getrosien, wodurch das Schwesternheim Tessa» das erste Glied und 'der vorläufige Mittelpunkt der Schwesternschast des Bundes wird Der gcschaftssührende Variinende Lie. Everling (Berlins oab diesen Beschlust in der geschloffenen Dlbgeordnetenversammlnug bekannt hie ihn mit großem Beifall aufnahm. Danach hielten Arck idiakonus Tr. Phil. med. E r ä m e r lSaalfcld) und feine Gattin Borträge über die evangelische Krankcnpflcgc als Mittel zur Förderung des konfessionellen Friedens. Beide Vorträge fanden lebhaften Beifall und führten zu angeregter Debatte.
ficer nnd Flotte.
Eine Kritik" der französischen Manöver. Der „Matin" veröffentlicht einen anonvmen, anscheinend von einem hohen Offizier herrührenden Artikel, in dem erklärt wird, daß der Generalstabschef Joffre und fein Stellvertreter General d e Ca stel l n au von den letzten Manövern feinen günstigen Eindruck mitgeno in- nie ti hätten und daß dieser Pessimismus von fast allen Generalen und Offizieren geteilt werde. In eingehender Meise werden sodann die von verschiedenen Brigadegeite- rälen Und Regimentskommandeuren begangenen Fehler kritisiert und angedeutet, das; der Kriegsminister Etienne im Gegensatz zu seinem Vorgänger Messimn und Millerand a l l z u g r o fz e Milde walten z u lassen scheine.
Deutfebe Kolonien.
Au s D ar-es-Salam wird telegraphiert: Die im letzten Gouvernementsrat beratene Einrichtung eines E i s e n b a h n r a t s ist durch eine Verfügung des Gouverneurs eingeführt worden. Ter Eisenbahnrat besteht aus zehn Personen und zwar dem Eisenbahnreferenten, je zwei vom Gouvernementsrat auf drei Jahre gewählten Vertretern der Landwirtschaft, des Handels und der Industrie, einem Vertreter der Schutztruppe sowie den Betriebsleitern der Usambarabahn und der Tanganjikabahn.
27. Tagung
des Allgemeinen Deutschen 5rauenvereins.
3 u r 27. Tagung des Allgemeinen Deutschen tFraucnvcreins in Gießen vom 6.—8 Oft. 1913.
Gießen im September 1913.
Es wird uns geschrieben:
Der gewaltige Umschwung, der sich während der letzten 20 Jahre in den Lebensanschauungen und Lebeitsmöglichkeite» unserer Frauenwelt vollzogen hat, bedingt ein zielbcwusttes Strebe» und) nutzbringender Tätigkeit. — Ter Wille, dieses Streben in seinen Grundlagen und seinen -Zielen verständlich zu machen, zu unterstützen und zu erleichtern, hat den Bund deutscher Frauen- verciue veranlaßt, Frauenberufsämter zu gründen. Tiesc Frauen berufsämter, die von den verschiedensten Vereinen geleitet und mit Geldmitteln unterstützt werden, haben sich zu einem Martell j>er Auskunftsstelle für Frauenberufe — Sitz Berlin Im. W„ drücken Allee 33 — zusammengcfchlosscn.
Ihr Name sagt, welche Arbeit sie leisten wollen; eine reiche Literatur, die alle einschlägigen Gesetze, Erlasse, Vcrfüqun- geu usw., alle Gebiete der Frauenarbeit umfaßt, steht ihnen zur Verfügung. . .
Als Träger der Ausknnftslteucn kommen, je nach den örtlichen Verhältnissen, Frauenverbändc und Vereine aller Richtungen in M'trnck t. Staatliche und kommunale Behörden werden sich immer zur Unterstützung bereit finden; liegt ihnen doch die Berufsbildung ihrer w'ciblichen Jugend ebenso nahe, wie die des Knaben. Lehrer und Lehrerinnen. Iugendpslegeorganisationen, Arbeitsnachweise, Vereine von Arbeitgebern und Arbeitnehmern sind zur Mitarbeit heranzuzicltcn.
Tie Tätigkeit der Ausknnstsftellcn mutz weibliche Personen aller Altersstufen und alle Arbeitsgebiete umfassen. Sie muß sich demzufolge erstrecken aus:
1. Freie Berufe.
2. Handel und Verkehr.
3. Industrie und Gewerbe.
4. Häusliche Dienste.
5 Landwirtsclzast und Nebengcbictc, und zwar sowohl auf gelernte, als auch auf halb oder ungelernte Arbeit
Nur diese breite Grundlage sichert ein vollständiges En'asscn der Rat und Erwerbsuchenden und damit die Möglichkeit, den rechten 9)Zenfd)cn auf den rechten Platz zu stellen
Für unvorbereitete, zum. Erwerb gezwungene, ratiuchcnde ältere Frauen ist planmäßige Fürsorge erforderlich, die den ört lühen Verhältnissen entsprechend, besonders geregelt toerben must
Beratung der schulentlassenen Jugend soll eine der Hanpt ausgabeii der Auskunftsstellen sein: sie muß nach bestimmten Richtlinien erfolgen Es ist a iniiftr eben, daß einige Monate vor der Schulentlassung in den in Frage kommenden obcrtten Schul Nassen während einer deutschen Untcrrichtsitunde, die Notwendig feit zwc-tcn'tspied/ender Berussnxihl erllärt werde. Dabei sind all aemeingültige Meriblälter zu verteilen, die die flHnber mit nach »aufc nehmen Turä' diese Merkblätter werden die Eltern immer wieder daraus Ihn gewiesen, wie wichtig eine richtige Berufswahl auch für die Töck-tcr ist. 'Tie Mtarbeit der Lehrcrschatt i|t zur Aus- iühruna biefer Beratungen in der Schule natürlich unerläßlich: die Genehmigung zur Ausführung vorher von den Lchulb-.'börde.i cinzubolcn Eine UebeNvcnung aller von den <sckmlen abgehenden -liiaend ist nach erfolgtem ^lusbau der Auskunttsstellcn an-zultreben. Ebenso die Angliederung eines Lehr,tcllcnnachweises. In vielen Fällen wird es zweckmäßig sein, diesen LehrstcllennachweiS einem -schon bestehenden öffcntfidxn oder gemeinnützigen Nachweis anzn- 0 tCÖS gut geleiteter Lehrstellennachwcis ist besonders geeignet. Las Jnt'rcsse der Handels- und Haudwerkskammern und Berufs mganisanonen für di? Auskunftsstelle zu erhöhen. Die Vermittlung von Lehrstellen, in denen ein schriftlicher Vertrag abgelehm 3üirb soll unter allen Umständen unterbleiben: desgleichen von solchen Stellen, in denen dem Lehrling keine Zeit zum Besuch der irciwilligen Fortbildungsschule gelassen wird. Ob eine ^tcHcnnrr nnittiung für Dienstboten und Arbeiterinnen den Auskunftsstellen
Zngcichlossen werden soll, darüber zu ent übeiben, muß den Vor- utzenden der leitenden Vereine und den Ofcschäftsführerulnen der vi uskunftsstelleu überlassen bleiben. Es sprechen da aud) die ört .idxn Verlxiltnisse mit und wieder ist gegebcnensalls der Anschluß an lommnnale und gemeinnützige Arbeitsnachweise zu erstreben, -ras wäre in großen Zügen die Arbeit gezeigt, die zn leisten die ^uskunstsstellen auf sich genommen: möge sie helfen, unsere .>eraiiwad)sende weibliche Jugend zu tüchtigen, arbcitssrohen Mcn- -chkn zu erziehen; helfen und raten allen den Frauen, die Hilfe und Rat suchend, kommen . . . Vielleicht begleitet mid) der Leser nun noch in eine Sprechstunde unserer im vergangenen Ialwe nrrn Allg D. Frauenvcrein geiründeten Gicstencr Stelle: sie pndet Dienstag abend von 1 »7—8 Uhr in dein uns von der Stadt Nir die Zeit zur Verfügung gestellten Bureau des Standesamts, ii» alten Rathaus, itatt. Eine alte Dame wartet schon bei unserem ^mtommen; sie sucht Rat für eine Nichte, die Tochter eines höheren Beamten, deren Vater sich von der Notwendigkeit einer Berufs- mal;( inner Tochter schwer überzeugen läßt. Da das junge Mädchen das Abgangszeugnis eines Lfteums < anerkannte höhere Mädchenschule-Hat, und praltisch veranlagt ist, schlagen wir ihr den Berus einer Hauswirtsd'aftslchrerin vor, und überweisen sie einem Gc- werbeieminar. Ein Dankcsbrief des Vaters, der nach einigen Wochen cintrifft. sagt uns, daß wir richtig beraten.
, 4,er alten Danke solgte die Frau eines Straßenbahnschafsners; sie hat drei kleine Kinder, die es ihr nicht erlauben, dem Erwerb aupcr Haute nachzugchen, aber mitverdienen möchte sie doch. Ta ne als Mädchen Wäsche genäht und gestickt hat. werden wir ver- liidien, ihr Heimarbeit zu vert'chatfen. Wenige Groschen nur sind e^, btc sie täglich damit wird verdienen können, aber sie will die Arbeit gern annehmen, um bei ihren Kindern sein zu können. Ein lungcs Mädel löst sie ab; sie will sich wegen der Meisterinnen' kin'te für Schneiderinnen erkundigen. Sie wird der zuständigen stelle überwiesen. Ihr folgt eine Frau, die für die Abendstunden arbeit nicht, Laden- oder Bureauvutzen. Der ftät>tifd>c Arbeits Nachweis wird uns helfen, ihr diese Arbeitsstelle besorgen. Nun harren nodt einige i'diriftlidre Anforderungen der Erledigung: Eine tungc, spradtgewandte Dame erkundigt jich, welche Sdtirittc sie tun muß, um als Dolmetscherin bei Gericht Anstellung zu finden. Wir mütsen ihr abraten: die Aussicht auf feste Anstellung ist für diesen ■öevur eine zu unsichere. Weiter fragt eine Tiensthcrrin von auswärts an, >vo ihr Tieuttmäddten seine beiden Kinder unterbringen könne. Sic bekommt den Bescheid, daß daS Säuglingsheim in Gießen die Kinder unter den und den Bedingungen ausnimmt.
iTamit ist Unsere Arbeit für diesen Abend erledigt: cs gilt nun bis zum näd>sten Dienstag Heimarbeit und eine Putzstelle zu beschaffen. Gleick) glü lt cs in nicht immer, die gesuchte Arbeit zu sinden, wir geben uns aber Müh', die Wünsch>c aller Ratsudvnde», die zu uns kommen, zu erfüllen und erbitten uns dazu die Hilfe aller derer, die uns Holsen können. M. R.
Aus Statt und Land.
' Gießen, 27. September 1913. Schadensuuspruch des Mieters gegen ven Vermieter wegen Nichtbenntzbarleit der Mietränme zum Gewerbebetrieb.
Ist eine vermietete Sache zur Zeil ihrer Ueberlaffung ’an den Mieter mit einem Fehler behaftet, der ihre Tauglichkeit' zum vertragsmäßigen Gebrauch aufhebt, ober fehlt ber Mietsache eine zugesicherte Eigenschast, so kann der Mieter nach § 538 des Bürgerlichen Gesetzbuchs von dem Vermieter S ch a b e'n s e r s a tz wegen Nichterfüllung des Mietvertrages verlangen. Eine Vereinbarung, durst» welche die gesetzliche Verpflichtung des Ver Mieters zur Vertretung von Mängeln der Mietsache erlassen oder beschränkt wird, ist gemäß der Vorschrift des 8 540 B. G. B. nichtig, wenn der Vermieter den Mangel arglistig v e r s ch iv i e g e n hat. Weiß ein Grundstücksbesitzer, daß in feinem Grundstück zufolge baupolizeilicher Verfügung be stimmte Gen>crbebetriebe nicht gestattet sind, so muß er ‘ nach Treu und Glauben vor dem Abschluß eines Mietvertrages mit einem solchen Gewerbetreibenden diesen darauf aufmerksam mache». Er^ kann sich nicht auf die Bestimmung dcS Mietvertrags berufen, daff seine Haftung für Benutzbarkeit der Mieträume zu dem gewerblichen Zwecke ausgeschlossen sei. Denn eine foldje Bestimmung ist, da ber Mangel der Mietsache arglistig von ihm ver fchwiegen wurde, nichtig. Unter diesen rechtlichen Gesichtspunkten interessiert der solgeiide Rechtsstreit:
Eine Grundstüchsaktiengcsellsstwst vermietete eine int ersten Hofe ihres Grundstücks an der Charlottenstraße in Berlin befindliche YLashalle durch Vertrag vom 3. August 1911 an den Kaufmann B. zum Zwecke der Herstellung und des Verkaufs von Holzleisten, Holzrahmen und dergleichen. In 8 16 des Mietvertrags wurde bestimmt, baß, falls die Behörde die Benutzbarkeit der Räume nicht gestatten otyr Räumung verlangen sollte, die Vermieterin berechtigt sein sollte, nach ihrer Wahl dem Mieter andere Räume als Ersatz, anzubieten ober die Auslösung des Vertrags zu verlangen. Ter Haupthos des Grundstücks ifi zur Hälfte mit Glas überdacht. Nach einer Polizciverodnung von 1897 sind in solchen Grundstücken Fabrikbetricbe und senergesährlichc Betriebe verboten. Ter Polizeipräsident untersagte dem Mieter V. beim auch die Benutzung der Glashalle, da es sich um einen scuergefährlichcn Betrieb handele. Tw darauf von der Vermieterin int gleichen Grundstück angebotenen Ersatzräumc 'lehnte ber Mieter ab. Er erhob vielmehr gegen sie Klage auf Zahlung von 5500 Mark Schadensersatz mit der Begründung: der Glashalle habe von vornherein die Eigenschaft der Benutzbarkeit für seinen Betrieb gefehlt, das habe die Beklagte auch gewußt: sie habe ihm arglistig vm'chwicgen, daß ihr der Polizeipräsident bereits im Februar 1911 die Benutzung von Räumen des Grundstücks zu feuergefährlichen oder Fabrikbetrieben untersagt habe, so laugö die Hosüberdachung vorhanden sei.
Vom Landgericht I zu Berlin ist die Klage abgewiescn worden. Dagegen hat das Kammergericht den Schade nsan s p r u ch der Klägerin dein Grunde nach für aeredit fertigt erklärt, indem es zur Begründung aussührt. Infolge des Umstandes, daß dic Baupolizei den Betrieb deS Klägers in den Mieträumen verboten hat aus Gründen, die bereits zur Zeit des Abschlusses des Mietvertrages uorhanben waren, liegt ein die Beklagte zum Sckwdensersatz verpflichtender Mangel im Sinne der 537, 538 B. G B. vor. Nun ist brr Beklagten allerdings in S 16 des Mietvertrags die Haftung gerade für diesen Mangel erlassen. Eine solche Vereinbarung ist aber nichtig, wenn die BeNagte den Mangel arglistig verschwiegen hat. Tas letztere ist der Fall. Sie wußte ganz genau, daß der Betrieb des Klägers nach der Baupolizeiverordnung in ihrem Grundstück verboten war und daß es dem Kläger deshalb nur so lange möglich sein werde, seinen Betrieb auszuüben, bis die Polßzei dahinter kam Sie mußte aud) annehmen, daß, der Kläger bei Kenntstis ber Sach läge den Vertrag nicht geschlossen haben würde. Es war aber daher dic Pflicht der Beklagten, dem Kläger die polizeiliche Ver fügung bekannt zu geben. Ta sie das nicht getan hat, hat sie arglistig gehandelt. Infolge der Arglist der Beklagten sind alle dem Kläger in 8 16 des Mietvertrags auferlegtcn Beschränkungen als nichtig anzusehen. Der Kläger hatte also nicht die Pflicht Ersatzräumc anzunchmen; er brauchte das auch deshalb nicht weil die angebotenen Räume, die sich in demselben Grundstück befinden, ebenfalls von dem Verbot betroffen wurden.
Tas Reichsgericht hat dieses Urteil des Kammergerichts bestätigt und die Revision des Beklagten
zurückgewicsen. (Aktenzeichen: III. 16113. — Urt. v. 19. September 1913.)
* * H e r r T i r c k to r S1 c in g o c t t c r begeht, wie man uns mitteilt, am Dienstag, den 30. Sept., ein d-PpclteS Jubiläum: 25 Jahre sind verflossen, seit er nach Abschluß seiner Universitätsstudien die weltbedeutendcn Bretter betrat, und mit diesem 25jährigen Bühnenjubiläum verbindet er das Jubiläum einer 10jährigen Tätigkeit als Direktor unseres Stadttheaters. Tie Eröffnungsvorstellung dieser Spielzeit am Dienstag wird deshalb den Charakter einer Festvorstellung tragen, und es wird darnach auf der Bühne noch eine Feier der Theatermitglieder und der Vorstände des Theaterbauvereins und des Theatervereins stattstnden. Tie großen Verdienste, die sich Herr Steingoetter mit seiner vornehmen Art der Direktionsführung nm unser Stadl- theater erworben hat, werden seinem Toppeljubiläum die Teilnahme weitester Streife sichern.
* * D i e E i l b o t e n l ä u s e zum V ö l k e r s ch l a ch i den km al, die die deutsche Turnerschaft am 17. und 18. Oktober veranstaltet, werden auch Gießen berühren. Die zur Einweihungsfeier des Völkerschlachtdenkmals bei Leipzig gc ■ Planten Eilbotenläufe werden fick) zifiner gewaltigen Kund gebung der Deutschen Turnerschaft gestalten. Im ganzen sind 0 Hau p t und mehr als 20 :>c eben oder A n s ch l u ß l ä u f e vorgesehen. Die Hauptläufe gehen aus von: Bremerhafen, Königsberg, Bergen auf Rügen, M e m e l, M h s l o >v i tz, Ke l h e i m , Friedrichshafen, G r a v e l o t t e, und Waterloo. Selbst jenseits des Ozeans werden Läufe veranstaltet: so wird von Washington nad) Newvork eine Frendcnbotschast überbracht, mit einem Dampfer der Hamburg-Amerika-Linie bis Cnxhaven und von da dürft) deutsche Turner nach Leipzig befördert; auch aus dem Innern von Brasilien wird aus Santa Maria da Bocco über Santa Cruz, Estclla, Neu Hamburg, San Leopoldo, Porto Alegre eine Botschaft teils zn Pferd, teils im Lanf übermittelt. Der Hanptkauf VIII von 05 ra De l o 11 c aus mit Anschlußläufen von E nt s nach Nüdes> heim, von Nassau nach F u l d a, von Straßburg nach Hanau und von A nt berg nach Aschaffenburg wird unsere Gegend berühren. Ini ganzen wird der Lans VIII mit seinen Nebenläufen über eine Strecke von rund 1 250 K i l o Metern führen, etwa 6000 Turner werden teilnehmen. Doi:> nerstag, den 16. Oktober, abends 5 Uhr, wird der erste Läu fcr ln Gravelotte ablaufen, Samstag, den 18. Oktober früh 7 Uhr 30 Minuten, wird die Botschaft in Leipzig eintresfen. An geschichtlich denkwürdigen Punkten, so in C a n b, am N i c der walddenkmal, in Frankfurt, in Hana n und anderen Orten werden kurze vaterländische Gedenkfeiern statt- finden, ebenso wie an den Ausgangspunkten der einzelnen Läufe. Durch Gießen wird der Laus am Freitag, 17. Okt. Dorrn, gegen 10 Uhr kommen.
* * N a t i o n a l l i b e r a l e r Verein. Das für heute abend angesetzte gesellige Zusammensein im Hotel Groß- Herzog fällt aus, da Dr. Stresemann erst am Sonntag hier eintreffen kann.
* * S t a d t t h e a t e r Es sei darauf Hingelviesen, daß von nächster Woche ab die Kasse nur noch an Spieltagen nachmittags geöffnet ist.
" Oberhessischer Kunstverein. Die Ausstellung der hessischen Künstlerinnen ist von morgen an geöffnet.
" Einen Stotter er kursus zur Heilung von Stottern. Stammeln und Lispeln veranstaltet, wie ans dem Anzeigen, teil ersichtlich, Dr. Schraders Sprachheilinstitut PhöbuS aus Berlin demnächst in Gießen.
Starkenburg und Rheinheffen.
rm Darm stadt, 26. Sept. Der seit Jahren, resp. seit seiner Gründung, in Darmstadt befindliche NeichSoerband der Landwirtschaftlichen 05en osse n sch a ft en, der nach dem Tode seines Gründers Haas den Oekonomicrat Johannsen aus Hannover zu seinem Vorsitzenden gewählt iml Berlin zum Vorort bestimmt hat, ist jetzt mit seinen zahlreichen Beamten nach der Neichshanptsladt übergesiedelt. Slimer den Beamten verliert Darmstadt auch die Besucher der jähr- ichcn Unterrichtßkurse ?c.
vermischte».
• Der ScbönheitskultnS. I» der Rokokozeit war e? gn»g und gäbe, daß die grande damc ihre Bekannle» empfing, während sie am Toiletteittisft) saß und Weiß, Rot i-ud Schöuheit'-'- vsla'slerchen ouilegie. Es scheint, daß wir zu diesen Sitten zurück- kehren — wenigstens ist eS in Loudon nichts Seltenes, Damen ii den kashionablen Restaurants zn sehen, die in größter Ruhe ihre Vndergnaslen und rote Lippensalbe hervorzieben, um sie ooram publico in Anwendung zn bringen. Das stärkere Geschlecht ist immer noch überzeugt, daß diese .Verschönerung' vorgenonunen wird, um ihm zu gefallen; aber das ist tatsächlich nicht der 7iall, oder wenigstens nicht mehr, als daS Bestreben, der Mode zn folgen — beim jeberinann weiß, daß die Fran firf) schön anzieht, um ihre Freundin zn ärgern. In einer Garderobe beim Newmarket-Renneii war eine sehr hübsche junge Frau dabei, sich zu schminken, als ihre Freundin sie darin zu hindern suchte, indem sie ihr sagte, es sei n- bimfel im Zimmer und sie werde mehr koinifch als hübsei) erscheinen. .Was liegt daran, wie ick) anssehe," antwortete die andere — .die vaavliaebe ist, wie ich mir ein bilde, auszusehen/ Cm Stückchen schar-er Selbftveobachtiing, das den Mann ganz anSschaltet Aui .natürlich- aussehende Schönheitsmittel wird fchon fast nichts mehr gegeben. „Wozu die kaufen?- fragte eine Amerikanerin, — Jd) bezahle mein Geld nur für etwas, bas mau sehen fanii!"
* Das Unausbleibliche. Der Ncsse: „CnFeldien, heute nachmittag mußt du mir aus eine Stunbc bein Auto leiben." J5d)ön, mein Junge, du bekommst es." — „Ja, Onkelchcn, aber könntest du mir nidit zugleid) etwas vorschießen, um ein ober zn»ei Polizcistrasen bezahlen zu können?"
Die nach- *ind am Sonntag, 28. Sept. 1913.
stehenden Hül ZjIv toii 12 Uhr mlttaern bis 12 Uhr nacht«, nur für dringende Fälle sicher anzntreffen: D 7 , '
Dr. Ploch, Asterweg 34.
Sanitätsrat Dr. Zinsner, Goethestrasse 10.
Für dringende Fälle ist am Sonntag, den 28. Sept, sicher nn/ntrr-fFen : jj >’/
7dhn9r7l Haebach, Bahnhofstrasse 65 All. ttdUliai 41 Fernsprecher 731.


