Nr. 269
fünftes Blatt
(63. Jahrgang
Erscheint tiglich mit Ausnahme deS EonntagS.
Tie „Sietzener Zamliienblätter" werden dem .Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Breisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Tie „Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Siehener Anzeiger
General-Anzeiger für Sberheffen
Samstag, (5. November (9(3
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheo Universitäts - Buch- und Steiudruckerei.
9L Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Drrcckerei: Schul- strahe 7. Expedition und Verlag: eygs» öL
Redaktion:^-sSII2. Tel.-Adr/AnzeigerGießen,
Der mittelrheinische Fabritantcnverein hat in seiner Monatsversammlung, die am Donnerstag in Mainz stattfand, zu dem Entwurf eines neuen Patentgesetzes einstimmig wie folgt Stellung genommen:
„Der Mittelrheinische Fabrikanten-Verein erklärt sich mit folgenden Grundsätzen des Entwurfs eines neuen Patentgcsetzes einverstanden: 1. mit dem Schutze der sogenannten Ersindcr- ehre durch Nennung des Namens des Erfinders bei dec Erteilung und Veröffentlichung des Patentes, 2. mit der selbständigen Stellung des Vorprüfers int Anmelde- und Erteilungsversahren, je» doch nur unter der Voraussetzung der Schaffung stärkerer Garantien für den weiteren Jnstanzenzug. Ten in dieser Hinsicht vom Entwurf gemachten Vorschlag einer Aweiteilung des Beschwerde- Verfahrens in ein Vorverfahren ohne mündliche Verhandlung in Besetzung mit 3 Mitgliedern und in ein auf Antrag cinzu- leitendes Hauptverfahrcn mit mündlicher Verhandlung unter Zuziehung von 2 weiteren Mitgliedern hält der Verein für juristisch bedenklich und sachlich ungenügend, 3. mit der vorgesehenen Ermäßigung der Jahresgebühren, wenn diese auch nach dem Entwurf noch reichlich hoch sind, 4. mit der schärferen Haftung des Verletzers gegenüber dem Berechtigten, 5. mit der größeren Konzentration der Rechtssprechung durch Uebcrwcisung der erfinder- rechtlichen Streitigkeiten an bestimmte Gerichte nach Anordnung der Landesjustizverwaltung.
Dagegen hat der Verein lebhafte Bedenken gegen folgende Bestimmungen: 1. die Ersetzung des ersten Anmelders als Anspruchsberechtigten durch den Erfinder. Diese Aenderung, der cs übrigens widerspricht, daß iin Verfahren der erste Anmelder als Erfinder gelteir soll, ist schon deshalb bedenklich, weil sich das seitherige Verfahren durchaus bewährt hat. Sie birgt außerdem in sich eine Quelle großer Unsicherheit und vieler Stttitigt- kciten iind stellt den Erfinder insofern ungünstiger, als sie ihn für sein Vorgehen gegen den unrechtmäßigen Anmelder auf den ordentlichen Rechtsweg verweist, 2. die Aufstellung des Gruitd- sayes der bill.igen Entschädigung des angestelltcn Erfinders, worüber im Streitfälle das ordentliche Gericht entscheiden soll. Diese Frage gehört, streng genommen, nicht in das Pateirtgesetz, und ihrer gesetzlichen Behandlung stehen, auch in allgemeiner Form, erhebliche Bedenken im Wege. Sie läßt ferner die Tatsache unberücksichtigt, daß viele Erfindungen sich lediglich als das Endergebnis methodischer, durch den Unternehmer veranlaßter Zusammenarbeit darstellen. Sic stellt bei der großen Mannig- falUgkeit der Erfindungswerte und der Schwierigkeit, sic wirt- 'chafilich cinzuschätzcn, den Richter vor eine fast unlösbare Aufgabe. Die Zulassung voller Vertragsfreiheit kann diese Bedenken nicht beseitigen.
Der Verein vermißt in der Vorlage folgende wichtigen Punkte: 1. In § 7 müßte bestimmt werden, daß der Schutz sich nicht nur auf die durch ein patentiertes Verfahren „unmittelbar", sondern auch auf die ,tz,u einem wesentliicken Teil" mit dessen Hülse hcrgestcllten Erzeugnisse erstreckt, 2. die Beseitigung des unsicheren R eckst sru st andes, i*r dadurch bedingt ist, daß neben dem Patentamtc und abweichend von seinen Entscheidungen die ordentlichen Gerichte den Umfang des Patentschutzes Jbcjiinimeu. können."
Cin Besuch im Londoner Nadiuminftitut.
Während sich in Deutschland die Stimmen mehren, die gegen» über den bisher mit Radium erzielten Erfolgen in der Behandlung von Krebsleiden zu einer vorsichtigen Skepsis mahnen, wächst in England mit jedem Tag die Zahl der Fälle, in denen das Londoner Radiuntinstitut Heilwirkungen erzielen konnte, die selbst die Erwartungen der Anhänger des Radiums übertreffen. Der Umstand, daß eine endgültige Heilung erst nach Ablauf einer Reihe von Jahren als einwandfrei bewiescit angesehen werden kann, hält die englischen Radiumforscher nicht davon zurück, unerschrocken auf dem bisherigen Wege weiter zu gehen, und den Einwänden der Skeptiker hält man entgegen, daß eine zeitliche Heilung auf jeden Fall besser sei als gar feine, ganz abgesehen davon, daß alle Symptome einstweilen darauf Hinweisen, daß die in letzter Zeit
erzielten Erfolge sich allem Anschein nach auch als.Dauererfolge erweisen werden. Nur durch dieses Vertrauen eröffneten fick, die englischen Gelehrten die Möglichkeit, die mechanische Seite der Radiuntbehandlung des Krebses zu entwickeln und der Vcrvoll kommnung näher zu bringen.
In dem Krebshospital an der Fulham Road ist nun eine besondere Versuchsstation für die Technik der Radiumbe Handlung errichtet worden, und die Schilderung der Arbeit in diesem physikalischen Laboratorium, die ein englischer Arzt in einem Londoner Blatte veröffentlicht, gewährt dem Laicu beinahe einen Einblick in ein Märchenland, in dem das Unvorstellbare Wirklichkeit wird. Die feinen, unendlich komplizierten In strumente, mit denen die Bilanz des täglichen Radiumverbrauches abgewogen wird, reagieren so stark, daß man besondere Vorsorge treffen mußte, die Möglichkeit radioaktiver Einflüsse von außen zu verringern; aber trotz aller dieser Vorrichtungen sind einige der Meßinstrumente so empfindlich, daß cin Spaziergänger, der mit etwas Radium in der Tasche die Full,um Road entlang ginge, in dem Erdgeschoß des Forschungsinstituts wahrscheinlich ein wahres Erdbeben von Schwingungen und Vibrationen Hervorrufen würde. Die Radiummessungen, die hier vorgenommen werden, grenzen ans Wunderbare. Das Radium hat auch die Eigenschaft, die Elektri-itätsladung eines Elektroskopen zu beeinflussen und auf Grund dieser Tatsache hat man eine raffinierte Methode ausgebildet, die radioaktive Kraft der verschiedenen radiumhaltigen Stoffe zu messen. Besonders empfindliche Apparate wurden konstruiert und mit ihrer Hilfe ist es für die Forscher etwas Alltägliches, cin Millionstel eines Milligramms stiadinm zu messen, also ein Quantum, das zu winzig klein ist, als daß man es .sich noch vorstellen könnte, entzieht sich doch schon cin Milligramm der Vorstellungskraft des Normalinensckwn.
Aber die Radiologen gehen noch weiter und können das Vor h-andenstin von Radium in allerlei Stoffen, beispielsweise in frischem Wasser auch daun noch feststellen, ivenn der Bruchteil eines Milligramms noch viel geringer ist und wenn die Bruchzifser mit vierzehn Nullen geschrieben wird. Ein 100 000 000 000 000 fiel Milligramm — wer kann sich von dieser unendlichen Winzigkeit noch eine Vorstellung machen. Mit Staunen erfährt daun der Besucher von der Tätigkeit des Physiologen bei der Gewinnung der Radiumemanation, die im Hospital bei der Behandlung von Krebslciden bereits eine so große praktische Rolle spielt.. Die Emanation verhält sich glücklicherweise ähnlich wie Gas, so daß man es ermöglicht hat, diese kostbare Kraft in Glasgefäßen zu sammeln ober, wenn erforderlich, in Wasser zu lösen. Das technisch' Verfahren, dieses Gas zu sammeln und sozusagen abzuziehen, ist von einer Kompliziertheit, die den Laien ratlos verstummen läßt, nrnn et dieses verwickelte Pumpwerk feinster Glasröhren und winziger Ouccksilberpumpen vor sich sieht. Die Ansprüche der Praxis haben dabei den Forschern immer neue Aufgaben gestellt: jetzt stellt man (vinzige Glasgefäße der verschiedensten Formen her, die genau den einzelnen Körperteilen, an denen sie angewandt werden, ent sprechen. Nehmen wir ein Beispiel: ein Fall von Krebs ist zu behandeln, bei dem die kranke Stelle am Nasenrücken oder an der Kehle liegt. Die erforderlichen Glasformen sind bereits vorhanden, sie passen genau, werden an der kranken Stelle angebracht, befestigt und können hier längere Zeit verharren. Der Patient kann, die' Tube mit dem heilkräftigen Gas am Krankheitsherd, gemächlich nach Hause gehen.
Borscn-Wochcnbericht.
= Frankfurt a. M., 14. Nov.
In der abgelausenen Woche konnte sich die Grundstimmung der Börse nach einigen Schwankungen weiter befestigen, wenn auch das Geschäft nach wie vor in engen Grenzen sich bewegte. Im allgemeinen überwog die Neigung sich einzudecken: die zuversichtlichere Haltung wurde nur vorübergehend gestört durch ungünstige Mitteilungen, die in der Hauptversammlung der Phoe- nix-Bergbau-Gesellschast gemacht wurden und stark verstimmten. Die Spekulation hatte vor der Versammlung noch Phoenix-Aktien gekauft in der Erwartung, etwas Günstiges oder wenigstens dock Beruhigendes in der Hauptversammlung zu hören, um so großer war dann ober die Enttäuschung, als die recht pessimistischen Auslassungen des Generaldirektors erfolgten. Durch die Möglichkeit
eines Tividendenrückganges, die für daS nächste Jahr angebeutef wurde, ist erneut Beunruhigung in die Kreise der Efsektenbefitzer getragen worden. Es erfolgte nicht nur ein starker Kursrückgang der Phoenix-Aktien, sondern eine allgemeine Ermattung des Montanaktienmarktes wie der gesamten Börse, zumal sich die Leervcrkäufer die günsfigc Gelegenheit nickt entgehen ließen, durch neue Abgaben auf den Kurs zu drückcu. Durch nachträgliche ergänzende Mitteilungen des Generaldirektors, worin er versuchte, seine ersten nur in knapper Form veröffentlichten pessimistischen. Auslassungen abzusckwächcn, konnte sich die Tendenz,der Börse später wieder befesfigen, wenn es auch weiterhin an Kauflust mangelte. Beim Phoenix wiederholte sich übrigens ein Vorgang, wie er ähnlich einige Tage zuvor auch bei der Versammlung der Hamburg-Ametika-Linic zu beobachten war. Auch da bildeten die ersten Meldungen über Ballins Aeußerungen den Anlaß zu starken Verkäufen und erst als ein ausführlicher Bericht vorlag, sand man später, baß sie nicht so ungünstig gedeutet zu werden brauchten. Schiffahrtsakticn konnten sich denn auch nach vorübergehender Abschwächung wieder erholen. Ebenso erging es M o n ta n p a pi c r e n, die zum Teil sogar noch kleine Kurs- besscruugcn erfuhren. Von anderen I n d u st r i e p a p i e r e n lagen nur Elektrowerte etwas fester auf die günstigen Mitteilungen, die in der Hauptversammlung der A. E. G. über die Geschäftslage gemacht wurden. Die Akfien chemischer Fabriken und Maschinen- fabrikaklien gaben meist wieder etwas nach, nur Diirkopp, Naphta Nobel, Spier Leder und Brauerei Binding konnten sich befestigen. Ebenso sind Eisenbahnwerte als erholt zu nennen, besonders österreichische Werte, Orientalische und Sckzantungbahu. Ban- k e n stellten sich ebenfalls teilweise etwas höher. Auch heimische und fremde Fonds, namentlich Mexikaner sind gebessert. Wenn sich die Beunruhigung wegen Mexiko auch etwas gelegt hat, so sicht man doch immer noch mit Mißtrrauen nach drüben, besonders weil eine etwaige kriegerische Verwicklung den amerikanischen Geldmarkt in Bedrängnis bringen müßte, was nicht ohne ungünstige Rückwirkung auf die europäischen ölürftc bleiben konnte. Am heimischen Geldmarkt gestalten sich die Dinge weiterhin günftig und den reichlichen Mitteln am offenen Markt entspricht auch die sehr befriedigende Gestaltung des Standes der Rcichsbank. Mit besonderem Interesse verfolgt man noch die weitere Entwicklung der Gcldverhältnissc in London, hegt aber neuerdings weniger Bedenken wegen etwaigen Goldentziehungen von dort als noch vor kurzem. Privat-Diskont 4V3°/o.
Spielplan »es Siehener Stadttheaters.
Direktion: Hermann Sttingoetter.
Sonntag, den 16. November, nachmittags 3*/, Uhr, bei Volks- preifeii: „Kater Lampe." Ende 6 Uhr. Abends 7'j, Uhr, bei ge- ivöhnlicken Preisen (unter Mitwirkung der Kavekle des hiesigen Infanterie-Regiments): „Filmzanber/ (Nettheit!) Posse mit sang in 4 Bildern von Rudolf Bernauer und Rudolf Schanzer. Mllstk von Walter Kollo tind Willy Bredschneider. Ende gegen 10*/„ Uhr. Dienstag, den 18. November, abends 8 Uhr (7. Tiens- tag-9lbonnements-Vorstellung): .Das Geheimnis/ Ende 10V, Uhr. Mittwoch, den 19. November, nachmittags 3l/t Uhr, bei kleinen Preisen: „Wilhelm Tell." Ende 5 /Zlhr. Abends 71/, Uhr (außer Abonnements, bei geivöhnlichen Preisen (unter Mitwirkung der Kapelle des hiesigen Infanterie-Regiments): »Filmzauber." Ende gegen IO1/., Uhr. Freitag, den 21. November, abends 8 Uhr. bei Volksvreisen: Volks-Vorstellung: „Wilhelm Tell." Ende 10% llftr. Sonntag, den 23. November, abends 7'/, Uhr, bei kleinen Preisen: „Jugend." Ende 10 Uhr.
Unsere Ko st im W i n t c r. Der menschliche Körper ist cin Ofen, bei dem die Nahrungsmittel die Rolle des BrennmatcrialO spielen. Das macht cs erklärlich, daß wir int Winter stärker esselit als int Sommer. Nun führt aber das stärkere Essen häufig zu einer unnützen Belastung des Magens, wenn wir nicht unsere Kost besonders verdaulich machen. Glücklicherweise ist hierzu jedermann im Stande, denn cs genügt, den Suppest ober Speiseöl eine Kleinigkeit Licbig's Fleisch-Extrakt beizugeben. Ohnedies sollte sich ja dieses vorzügliche Mittel in jeder Küche vorfinden. (D15/u
Fratterr-NtLndschau.
Die Mode des freien Halses.
Das gdjledUc Wetter, das mit Regen und Nebel in diesen Tagen cinsetzte, vertreibt sonst gewöhnlich den nichtigen offenen Kragen au-5 der Toilette, weil man sich nicht gern mit freiem Halse einer Erkältung aussetzt. Wer auf die Ztickten des neuen Stils zu achten gelernt hat, der mußte diesmal mit besonderer Span nung diese Beziehungen zwischen Tracht und Wetter beobachten, denn aus ihnen tonnte er erkennen, ob wir cs mit der Vorliebe für den freien Hals in der Damenwelt nur mit einer zufälligen Erscheinung ober mit einer richtigen Mode zu tun haben. Und siehe da! Alle Straßentoiletten behielten die nichtigen Kragen und den kleinen Halsausschnitt. Der neue Stil der Halstracht triumphierte über die äußeren .Hindernisse, und so kann man denn setzt mit ruhigem Gewissen sagen, daß der freie Hdls zu Den unbedingten Geboten der neuen Saison gehört.
Es ist eine schone Mode, die mir damit erhalten haben, und niemand wird vom ästhetischen Standpunkt aus diesen steifen hohen Kragen mit den häßlichen Stäben, die an der Haut rote Flecken zurückließen, eine Träne nachwtinen. Dieser enge, den Hals fest umpressende Abschluß der Bluse und des Kleides war eine jener fragwürdigen modernen Erfindungen, die die Geschichte der Moden früher nicht kannte, denn selbst bei den höchsten und breitesten Kragen, bei den „Mühlsteinen" und „Krausenrädern", sorgte man dafür, daß fie vom Hals gehörig abstanden. Die Anmut und sck-lanke Eleganz des Frauenhalses wird sich nunmehr wieder in voller Sckstmhtit offenbaren: freilich ist die Sprackw des Halses ebenso beredt wie verräterisch. Ein Sprichwort sagt, daß, wenn man das Alter einer Fran aus irfrem Gesicht errät, man cs an ihrem Halse bestätigt finden kann. Damen, deren Schonhcitslinien also bereits gelitten haben, werden sich zu dieser indiskreten Mode nur ungern eirtsckließen, und so ist sie denn hauptsächlich den jungen Frauen Vorbehalten. Für ein schönes frisches Gesicht aber ist her niedrige Kragen eine fo entzückende Folie daß ba« schönere Geschlecht sobald nicht zu dem hohen engen Kragen von ehemals zurückkehren bürfie. Duc neuen Kragen beheben aus Spitze, Stickereien, aus Pelzen und Federn, schmiegen sich weich und unauffällig so um den Hals, dap sie den vor- beren Hals ganz frei lassen. Die Mediclkragen haben winzige Ti tneniioncn eigentlich nur eine Andeutung jenes pompösen Schmucke^,' den die stolze Königin Katherina einführte: die Tiree- tairefragen kriechen wohl hinten etwas hoher herauf, lassen dafür aber vorn umsomehr frei und find gewöhnlich aus Lamt oder in dunklen Tönen hergestellt. Dije Dame, die der dem ofiencn Hols auf der Straße den Pelz für einen genindhettsnotwendigen Schutz erklären kann, verwendet dieses Lieblingsmaterial der Heu tigen Mode, das überall in der Toilette au staucht, auch bei den Kragen. Zn einem duftigen Kleid aus weistem Erepe de Chme bietet ein Hermelinkragen die entzückendste Harmonie, bstonders, wenn das 'Pe.lzlve.rk an der K'orsage sich in engen ^trciren mit den Spitzen vereint. Als Halsschmuck werden mit Vorliebe bunte Phantasiekettcn getragen aus großen .Bernsteinperlen oder
Korallen, Zett, Lapislazuli u. a. Sie bringen eine lustige und farbige Note in die Mode des freien Halses, die die Damen fick auch durch die immer bestimmter auftauchende Kunde nicht verderben lassen roerben, daß. die Männer, die Herren der Schöpfung, es ihnen nachmachen wollen.
— Weibliche A st ronome n. Die Himmelskunde hat von je auch den Sinn der Frauen angezogen, und es gibt, wie B. H. Bürgel in einem Aussatz der „Dame" ausführt, eine ganze Reihe bedeutender weiblicher Astronomen. So war die Gattin des berühmten Hcvel, der in Danzig eine große Sternwarte, die „Stcriienburg", besaß, ihrem Gemahl eine geschickte Assistentin. Diese Frau, die in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts lebte, hat mit den großen .Sextanten und Meßinstrumenten, di.' man damals benutzte, schwierige Beobachtungen ausgeführt. Um dieselbe Zeit war eine andere Astronomin von großem Ruf Marie von Lewen, die Freundin des genialen Kepler. Sie »vor von hoher mathematischer Begabung und stellte die schwierigsten Berechnungen über die Bewegung der Planeten um die Sonne an. 1664 ist sie gestorben. Ein Fahrtundert später eiitfaltete eine Frau ein noch größeres astronomisches Rechengenie. Es mar die 1723 zu Paris geborene, einer altadeligen Familie entstammende Ricole Reine Lepautc, die dem großen Astronomen Lalande bei seinen Arbeiten half und zusammen mit dem Astronomen Glai raut in 6 Monaten die sehr komplizierte Aufgabe vollbrachte, die Wiederkehr des Halleyschen -Kometen genau voraus zu berechnen. Wohl der bedeutendste weibliche Astronom der älteren Zeit aber war Karoline Herschel, die Schwester des durch zahl lose Entdeckungen wohlbekannten Astronomen Wilhelm Herschel; sie war eine ausgezeichnete Beobachterin und ihr scharfes, Tür die schwächsten Lichteindrücke empfindliches Auge befähigte sic, schwer sichtbare Himmelskörper zu erspähen. Sic entdeckte nickst weniger als acht Kometen und war noch im höchsten Alter eine Beobachterin von seltener Tück, tigfeit: 99 Jahre alt ist sie 1848 gestorben. Die astronomische Theorie hat die geniale Mathematikerin Sonja Kowalewska außerordentlich gefördert. In der neuesten Zeit gibt es eine ganze Anzahl weiblicher Astronomen : nicht nur an den amerikanischen Observatorien find vielfach Assistentinnen beschäftigt, sondern auch an der Sternwarte am Kap bet guten Hoffnung, in Paris und bei uns in Deutschland.
— Ein Zusammenschluß deutscher Bäuerinnen hat sich in Bayern gebildet. Tie Bestrebungen der Organisation richten sich auf fünf Punkte: Forderung der Gesundheitspflege, Belehrung über hauswirtfckjastliche Fragen, Belehrung über Gebiete der Landwirtschaft und der Viehzucht und kulturelle Fragen. Auf der ersten Versammlung in Weiden (Pfalz) sprachen Dr. Köhler über „Die Gesundheitspflege der Landbevölkerung" und Dr. Heim über „Tie politische Betätigung der Frauen".
— Für unbemittelte jüdische Mädchen hat demnächst das Jüdische Mädchenstift zwei Freistellen zu vergeben. Tie jungen Mädchen erhatten auf die Tauer von 2 Jahren un
entgeltlichen Unterricht und hausnnrtschaftliche Ausbildung. Tie Bewerbungen nimmt der Vorsitzende der Anstalt Professor Dr. Strelitz, Berlin, Schöncbcrg-Allec 112, entgegen.
— Die amerikanische Hausfrau im Kamps g »d gen d i e Teuerung. Die amerikanischen Hausfrauen haben resolut den Kampf bis aufs Messe»: gegen die beständig steigende- Teuerung der Nahrungsmittel ausgenommen und wollen den Voretil, den ihnen die neuen Tarifgesetze in Aussicht stellten, sich nickst! durch die Trusts, Zwisschenhändlcr und Kleinhändler zunichte machen lassen. Die Händler erklären nämlich, daß, soweit sic in Betracht kämen, an ein Niedrigerwerden der Preise nicht zu denken sei. Die 700 000 Mitglieder umfassende „Liga der Hausfrauen von Amerika", die eine geschworene Feindin aller hohen Preise ist, will sich das aber nicht gefallen lassen und hat eine mit Jubel begrüßte Propaganda unter allen Hausfrauen des Landes organisiert, um mit allen Mitteln eine Verbilligung der Nahrung durch- zusetzeu. Besonders enrpört sind die Hausfrauen über die geival- tigen Preise der frischen Eier, von denen ein Dutzend setzt nicht weniger als 2,50 Mk kostet und vor Ende des Winters noch auf 3,50 Mk. hinaufgehen soll. In den Kühlhäusern des Eicr- trusts liegen aber allein im Staate Newyopck nach den offiziellen Angaben 22 Millionen Gier, von denen das Dutzend zu 75 Psg. augekauft wurde. Jedes Mitglied der Hausfrauenliga und alle, die fick ihnen anschließen, sollen nun die T r u! ft e i c r b ö l) t o t 4 tieren, bis die Preise herabgesetzt sind, und hilft das nichts« dann will die Liga selbst von England, Deutschland und Oesterreich her Eier cinführen, die zu einem billigen Preise abgegeben tverden können. Ter Kreuzzug der Hausfrauen gegen die Teuerung findet in ganz Amerika allgemeinen Beifall und die weitgehendste Anteilnahme.
s - Eine Frauen stimm rechts schule in Ncwyork. Unter der Leitung von Mrs. Earric Ehapman-Eatt ist zum Beginne der Herbst- und Winterarbeit in Ncwyvrk eine richtige Schule für Mitarbeiterinnen der Fraueirstimmrecktsbcwcgung ern- gerichtet worden. Wie die „Frauenbewcgun!;" hierüber berichtet, werden in den Vormittagsstunden regelmäßige Kurse gehalten, abends finden öfientliche Vorträge statt, dazwisckwn iverden auch Besickstigungen sozialer und kommunaler Einrichtungen oorge- nommen. Zehn geschulte Kräfte werden die Vormittagskurse abhalten, und für die Abeirdvorträge sind 20 Redner gcrconncn, darunter die ersten Kräfte der Stimmrechtsbewegung und der sozialen Arbeit. Im Progranrm für die Vormittagskurse finden sich z. Stunden über Organisation und Geldbeschaffung, öffentliches Sprechen, Verfassnugsgeschichte, parlamentarische Gebräuche usw.
— E i n unentbehrlicher Hausfreund ist alljährlich „Vobachs Kückenkalender und Wirtschaftsbuch". Tic teuren Zeiten zwingen unsere Hausfrauen zur praktischen und rationellen Hauswirtschaft, und deshalb ist dieser alljährlich neu erscheinende praktische Wegweiser eine Quelle fortgesetzter Erfahrungen und Ersparniffc.


