Ausgabe 
15.3.1913 Drittes Blatt
 
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Nr. 65 Dritter Blatt

165. Jahrgang

Erscheint tiglkch mit Ausnahme des Sonntags.

DieLietzener Zamilienblatter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das ^Areirblatt für den Kreis Eiehen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit« fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

5amstag, t5. März 19^3

Rotationsdruck und Verlag der Brnhl'schen Universuäts - Buch- und Stemdruckereü R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: 51.

Redaktion:^^112. TeU-Adr.: AnzeigerGießen.

Dentscdes Aeicv.

Ein Telegramm des Kaisers.

Der Kaiser richtete an Frau Ludwig Delb'rück nachstehendes Beileidstelegramm:

Tiefbewegt durch die erschütternde Nachricht von dem plötzlichen Hinscheiden Ihres lieben Gatten, spreche ich Ihnen und den Ihrigen mein wärmstes Beileid aus. Ein jähes Geschick ver­wandelte die Freude eines schönen Familienfestes in die tiefste Trauer. Gott der Herr scherrke Ihnen und Ihren lieben Kindern Trvsr in Ihrem unsagbaren Schinerz über den Verlust des treuen Lebensgefährten und Vaters. Ich beklage mit Ihnen den Tod des .trefflichen Mannes. Getreu den Traditionen seines durch ihn zu neuer Blüte gebrachten Hauses betätigte der Ver­ewigte in feinem ganzen Leben und Wirren der Gesinnung eines wahren und königlichen Kaufmannes. Mit herz­lichem .Dank werde ich allezeit des treuen Rates und der pein­lichen Sorgfalt gedenken, die Ludwig Delbrück bereitwilligst meinen pr ivaten Angelegenheiten zugewendet hat.

Das Begräbnis des Fürsten Hermann z,u H o h e n l o he.

Aus Langenburg wird gemeldet: Die Kaiserin ist am Freitag vormittag mit dem Sonderzuge hier ein­getroffen. Mit ihr entstiegen dem Zuge die Schwester der Kaiserin, Prinzessin Friedrich Ferdinand von Schleswig-Holstein und der Vertreter des Kaisers Prinz August Wilhelm von Preußen. Zum Empfang war Fürst Ernst zu Hohenlohe-Langenburg erschienen, der die Gäste ins Schloß geleitete. Der Verewigte war in der Schloßt kirche aufgebahrt. Von hier bewegte sich der Trauerzug zur Stadtkirche unter Vorantritt einer Militärkapelle. Hinter dem Wagen wurde das Reitpferd des Verewigten geführt. Sodann erschienen die fürstlichen Beamten, die die Orden des Verewigten auf schwarzem Samtlissen trugen, Fürst Ernst zu Hohenlohe mit dem Vertreter des Kaisers, Prinzen August Wilhelm von Preußen. Es folgten weiter­hin oer Großherzog von Baden, der Herzog-Regent von Dranuschweig, Fürst Wilhelm von Hohenzollcrn, die Her­zöge Albrecht, Robert und Ulrich von Württemberg sowie die übrigen fürstlichen Trauergäste, sodann die Vertreter der Regierung und der fremden Höfe, Mitglieder der stan- desherrlichen Familien, des ritt er schäft liehen Mels und eine Abordnung des 9. Dragonerregiments in Metz. Der Be­zirksveteranen- und der Kriegcrverein bildeten Spalier. In der Stadtkirche wurde der mit Helm und Degen g'e- schmückte Sarg aufgebahrt. Die Kaiserin mit ihrer Hof­dame nahm rechts von be'nt mit herrlichen .Kränzen ge­schmückten Särge Platz. Dekan Schönhuth hielt eine Ge­dächtnisrede. Die Kaiserin blieb noch bis zur Ueberführung der Leiche ins Mausotemn, die um 5 Uhr stattfand. Die Kaiserin fuhr um 7,5 Uhr nach Berlin.

Arrslanv.

Die französische H cer e sv crm ehrun g.

Der Budgetausschuß der französischen Kammer hat die Rüstungslredite im Prinzip angenommen. Der Ausschuß strich jedoch 80 Millionen, die für die Her­stellung von Feldhaubitzen bestimmt sind, da die von 6ent Major Malandrin erfundene Vorrichtung es ermöglicht, die 7,5-Zentimeter-Kanonen als Haubitzen zu verwenden.

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Die Ulmtalbahn.

- Die Einstellung der Ulmb achtalb ah n in die Eisenbahnvorlage hat im Kreise Wetzlar allgemeine Freude erregt. Die amtliche Begründung für die Bahn lautet:

Die geplante Bahn von Stockhausen an der Strecke Gießen-Koblenz nach Beilstein ist dazu bestimmt, die wirt­schaftlichen Verhältnisse der von ihr berührten Gegend zu heben. Die. 15,5 Kilometer lange Linie liegt mit 11,5 Kilo­meter hrt Kreise Wetzlar (531 Quadratkilometer, 62000 Einwohner) des Regierungsbezirks Koblenz und mit 4,0 Kilometer im Dillkreise (515 Quadratkilometer, 51000 Einwohner) des Regierungsbezirks Wiesbaden. Ihr Ver­kehrsgebiet umfaßt gegen 70 Quadrat!ilometcr mit rund 5400 Bewohnern (auf 1 Quadratkilometer durchschnittlich 77 Bewohner) und folgende Ortschaften: Stockhausen (300 Einwohner), Biskirchen (700), Bissenberg (400), Altendorf (700), Ulm (400), Holzhausen (500), Rodenroth (300h Beil­stein mit Wallendorf (500), Greifenstein (500), Münchhausen (300). Die Landwirtschaft ist bedeutend. Ein ertragreicher Lehmboden gestattet den Anbau der wichtigsten Halmfrüchte und Futterkräuter sowie lohnende Obstzucht. Da jedoch nur .ein verhältnismäßig Keiner Teil des Landstrichs als Ackevooden nutzbar ist, deckt die Ernte den örtlichen Bedar nicht), es müssen vielmehr Roggen, Hafer und Kartoffeln in Größeren Mengen bezogen werden. Die Viehhaltung ist besonders im nördlichen Teil des Gebiets, wo gute Weiden vorhanden sind, ziemlich umfangreich. Aus­gedehnte Flächen sind mit Wald gut bestanden, dessen Ein­schlag aber wegen der hohen Abfuhrkosten nur in der näheren Umgegend Msatz findet. .

iUnter dem gleichen Mangel hat die tndu,trielle Ent­wicklung des an Bodenschätzen reichen Gebietes zu leiden. Durch die Bahii würden 168 auf verschiedene Erze, Braun­kohlen, Dachschiefer und Ton verliehene Grubenfelder auf­geschlossen werben, von denen 70 im Kreise Wetzlar und 98/im Dillkreise liegen. Betrieben werden indes zurzeit nuß zwei Eiseirerzbergwerke. Von den nicht bergrechtlich verliehenen Minerahen sind neben kleineren Kalksteinvor- fomhiten die über das ganze Gebiet zerstreuten Basaltlager von l Bedeutung. Ausgebeutet werden zurzeit nur ein Bruch bei Weitstem (50 Arbeiter) und ein solcher bei Allendorf (35 Arbeiter). Beide Brüche liefern ein vorzügliches Ma- terüül, das zur .Herstellung von Pflastersteinen sehr ge- eikn-et ist und trotz der hoheii Abfuhrkosteii den Abbau lohilck. Die sonstigen gewerblichen Anlagen des Landstrichs, wie, Basalt- und Kalksteinbrüche, Ziegeleien sowie Flein- gewebliche Betriebe sind unter diesen Umständen nur von ortlischer Bedeutung. Unter diesen Umständen ist cm be- träZtlicher Teil der Eingesessenen genötigt, als Arbeiter in dien Berg- und Hüttenwerken des Lahn-, Dill, Sieg- und 'Hellertales, sowie als Maurer in Westfalen und Rhein­land-Verdienst zu suchen. Die neue Bahn wird auf das Wirtsichuftliche Leben der aufzuschließenden Gegend von gftn&em Einflüsse sein. Die Eisensteinbergwerke, die eine Sünsti.ge Verbindung mit den Hochöfen erlangen, werden

ihre Betriebe erweitern; von den zahlreichen, noch nicht erschlosseneri Grubeii im unteren Ulinbachtale wird eine Anzahl in Betrieb genommen werden. Auch steht die Aus­nutzung der wertvollen Tonlager bei Beilstein und Wallen­dorf zu erwarten. Ebeiiso wird neben der Vergrößerung der bestehenden Basaltbrüche auch die Erschließung neuer Brüche möglich. Infolgedessen werden zahlreiche Arbeiter, die jetzt in entfernten Betriebsstätten beschäftigt und so ihrer Familie entzogen sind, künftig lohnenden Verdienst in der Heimat finden. Die Landwirtschaft wird sich durch den erleichterten Bezug künstlicher Düngemittel noch er­giebiger gestalten, die Forstwirtschaft wird ihren Holzein- chlag gewinnbringender verwerten können. Zur Beför­derung werden vornehmlich gelangen im Versand Eisenerz, Ton, Basalt und Holz; im Empfang Baumaterialien und Kohlen. Die Baukosten sind, abzüglich der von den Be­teiligten zu tragenden, auf 530 000 Mk. geschätzten Grund- erwerbskosten, auf 3 650000 Mk. oder rund 235 500 Mk. ür das Kil meter ermittelt.

Die Hochzeitsreise im Mgzeug.

Der Flieger Otto hat vor einiger Zeit mit seiner jungen, ihm eben angetranten Frau von München aus eine Hochzeits­reise nach Straßburg auf der Flugmaschine unternommen. Frau Otto schildert jetzt im1 American Magazine einige Eindrücke von dieser gewiß nicht alltäglichen Fahrt in den Ehestand.

Bei schönstem Sonnenschein stieg das junge Paar in München ans, das Flugzeug führte der Flieger Baierlcin, und bis nach AugSburg ging die Fahrt durch die Lüfte ohne jeden Zwisck)enfall von statten.Es war herrlich/'' so berichtet die junge Frau. ,^Jch hatte keine Angst, ich fürchtete mich auch nickch einen Augen­blick, als unsere starken Flügel uns so leicht und sicher durch die Lüfte trugen." dlber schon die Aufzeichnungen über den nächsten Tag, nach der Ankunft in Ulm, zeigen, daß Hochzeitsreisen im Flugzeug auch ihre weniger erfreulichen Augenblicke haben.Nein, ich bin keine tapfere Frau," so heißt es,ich verliere meinen Kovf und schreie genau wie andere Fxauen. Aber cs war auch wirklich schrecklich, nie hatte ich mir so etwas Furchtbares vor- gcstcllt." Das FlugzeugOberwiesenfeld" schwebte mit den Hoch­zeitsreisenden in großen Höhen, der gewundene Lauf der Donau wurde sichtbar, als plötzlich die bisher so stark gespannten Flug- flächen schlaff wurden und flatterten, der Apparat siel, siel mit wachsender Geschwindigkeit.Ich schrie aus und wandte mich zu meinem Mann zurück. Er lehnte sich vor, nnd dasselbe tat Baierlcin, und cs schien, als neige sich unser Fahrzeug rückwärts." ,Lehne dllch fror, so viel du kannst, wir sind in ein Luftloch geraten!" ,Lch hörte das Wort Luftloch schon früher, aber die Worte erweckten in mir keine Vorstellung: jetzt aber ver­land ich sic, alles hing davon ab, wie weit diesesLoch" war." Der Apparat sank und sank, und die junge Frau wurde ohn mächtig. Ms sie wieder zu sich kam, landete man ans einem Acker bei Ulm: das Schicksal war gnädig gewesen.

?kber die Fahri nach Straßburg brachte ein neues auf­regendes Abenteuer. Reutlingen war passiert, unter den Fliegern dehnten sich die Forste des Schwarzwaldes, plötzlich brach ein Schncesturm herein, der Führer griff zum Höhcnstcucr, die Masckstnc arbeitete sich auch glücklich aus der Schneeregion heraus, man sah wieder das Sonnenlicht, daversagte jäh der Motor. Es gab eine Stunde der Ungewißheit, eine plötzliche Stille kam und zugleich das Empfinden, zu den Wolken hinabzusinken." Man ging sosort zunr Glcitflng über, Otto bemühte sich nm den Motor umsonst, er rührte sich nicht.In einem Augenblick waren wir ünter den Wolken. Der Sturm mar vorüber, fern im Westen konnte ich die purpurnen Schatten des Rheintals sehen, unter uns lagen die Forste des Schwarzwaldes. Und' ich begriff in diesem Augenblick, daß unsere Gefahr in dem Fehlen eines Landungsplatzes lag. Nur eine Wildnis von Baumspitzen u>ar unter uns." Und nun schildert die Dame ein seltsames Erlebnis; in dem Augenblick der höchsten Gesahr hörte sie halb unbewußt, wie beim Gleiten die Drähte des Apvarates summten. Sic glaubte Töne zu unterscheiden, jeder Draht gab natürlich einen anderen Ton: und in bereit Zusammenhang war es, als hörte inan ein paar Töne aus dem Hochzcitsmarschc des Lohengrin. Ob cs nun eine Sinnestäuschung war oder nicht, aus Frau Otto wirkten die Klänge in diesem Augenblick wie ein glückliches Vorzeichen. Baierlcin," so rief ich,warum setzen Sie Ihren Motor nicht in Gang?" Er starrte mich vn, aber seine Hand ging mechanisch zum Motor. Schnapp, schnapp, ein Surren und Donnern, der Motor hatte sofort gehorcht, und gerade als wir die Baum- tronen zu berühren schienen, führte er uns wieder empor: in Sicherheit." Aber das Menteuer veranlaßte die fliegenden Hoch­zeitsreisenden doch, in Straßburg die Luftreise zu beenden und auf die Fortsetzung des Flugs zu verzichten.

Landwirtschaft.

=- Kirch -Göns, 14. RLärz. Der Landwirt Wilhelm Müller I. erhielt bei dem am 11. März in Butzbach abgehal­tenen Zuchtviehmarkte für ein trächtiges Simmenthaler Rind den seltenen Preis von 740 M a r k. Von allen Seiten kamen Käufer, um das Tier anzukaufen, wodurch sich der Preis bedeutend steigerte. Käufer blieb Heinrich B c p p l e r - Kirch- Göns, der auch im vorigen Frühjahr ein prachtvolles Rind für den Preis von 880 Mk. aus der Gegend Gersfeld bezog.

Lingefandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)

Z u dem Eingesandt der Betriebs kranken- lasse Schcidhauer & G i e ß i n g, Mainzlar, in Nr. 60.

Für die rechte Beurteilung der Entgegnung dürfte die Art, wie der Einsender die Sache anfaßt, schon beachtenswert sein. Daß unser Vorwurf des Mißbrauchs sozialer Einrichtungen zum Lockmittel nicht zu Recht bestehe, erwähnt er eigentlich nur neben­her und zwar zum Teil nur in Form von Behauptungen, der Hauptinhalt seiner Ausführungen ist dem gewidmet, den Gegcn- vorwurf zu erheben, der Arbeiter habe seinerseits die Wohlfahrts­einrichtung mißbraucht, er habe beim rechten Namen genannt Betrug geübt, der Einsender will also durch Schwarzmachen anderer sich rein waschen. Auch wenn diese Taktik viel geübt ist, wie wir gern zugcben, zeichnet sic sich ohne Zweifel nicht durch Sackstichkeit aus und stellt nie eine volle Rechtfertigung dar, im Gegenteil: dieses durch Aufdeckcn von Fehlern anderer Ablenkcnwollen vom brennenden Punkt enthält für den Tiescrblickendcn immer ein verstecktes Eingeständnis von Schuld. Abgesehen davon, daß dieser Brauch deshalb die Sache des ihn liebenden nie in ein gutes Licht stellt, ist er hier ganz und gar nicht am Platz, weil die betreffenden Gegcnvorwürse des Einsenders nicht einwandfrei sind.

Es ist wohl richtig, der Arbeiter hat einen Fehler gemacht, daß er der Betriebskrankenkasse den Fall meldete, troljbem die Mutter Mitglied der Ortskrankenkasse war. Wir fefycn darin einen Fehler, obgleich wir ganz bestimmt wissen, daß Mutter und Sohn erst nach der Anmeldung in Mainzlar durch einen Dritten von der Unterstützungsberechtigung in Bersrod, die durch eine ganz kurze Arbeitszeit int Gcmeindcwald erworben war, erfuhren, denn

der Arbeiter hätte sofort, als er es hörte, der Betriebskranken- taffe Mitteilung davon machen müssen. Indessen bei Beurteilung der Schuld des Sch. ist ohne Zweifel zu beachten, daß eine gewiß sehr tadelnswerte Schwerfälligkeit, Unkenntnis und Interesselosig­keit den Versicherungsbesttnmiungeii gegenüber wieviel Arbeiter lesen ihre Statuten nicht! Vcrgl. Mahnungen der Arbeiter­organe noch Allgemeingut einer großen Menge Vcrsicherungs- pslichtigcr ist, und, was noch mehr ins Gewicht fällt, daß der Familie durch die Anmeldung bei den zwei Kassen infolge be­sonderer Verkettung von Umständen, die das Unterstütztwerden von zwei Seiten verschleierten die Betriebskrankenkasse ge­währt den Familien nur freien Arzt, beide Kassen haben den­selben Arzt, und nach Ablauf der 26 Wochen oer Orts­krankenkasse nahm die Frau einen anderen Arzt, für dessen Honorierung keine der zwei Kassen aufkommt nicht der geringste Vorteil erwuchs. Dies geht wohl daraus am deutlichsten hervor, daß von Sei), und seiner Mutter fein Pfennig Honorar zurück- gefordcrt wurde, sondern von einer anderen Seite. Wir können uns des Eindrucks nicht erwehren, daß der Einsender diese letztere Tatsache absichtlich im Unklaren gelassen hat, um ein trüberes Lichr auf den Arbeiter fallen zu lassen.

Doch genug zur Abwehr des Gegcnvorwurss und noch einiges zum springenden Punkt, dem Versuch der Entkräftung unseres Vorwurfs.

I. Tie Darstellung kann den Eindruck erwecken, als ob der Fehler des Arbeiters, von zwei Kassen Unterstützung zu nehmen, und die Entlassung etwas miteinander zu tun hätten. (Wir reden bewußt von Eittlassung, denn zwischen Entlastung und Austritt nahelegen", wie die Firma sich bricslich ausdrückte, einen Unterschied zu machen, dürfte wohl bei den bestehenden Verhältnissen Wortklauberei sein. Jedensalls,daß er besser austreten werde", ist ohne Zweifel eine über das Erlaubte gehende Schönfärberei des Vorgangs, wie er sich tatsächlich ach piekte.) Auf den Fehler des Arbeiters wurde die Kaffe erst durch uns aufmerksam gemacht, nachdem er schon mehrere Tage vorher ent­lassen war. Dennoch: als eine Strafe für ein betrügerisches Verhalten des Arbeiters kann die Entlassung nicht in Betracht kommen.

2. Tie Entlassung als die einzig mögliche Art hinstellen, der statutenwidrigen Unfolgsamkeit der Frau dem Kassenarzt gegen­über, von der die Rede ist, ^u begegnen, dürfte doch wohl nicht nur sehr wenig Wohlwollen dem Arbeiter gegenüber verraten, sondern auch völlig unlogisch sein. Jedenfalls können wir nicht annchmen, daß sie im Sinn der Arbeiter ist, auf die die Kranken­kasse besondere Rücksicht zu nehmen im letzten Msatz des Ein­gesandts vorgibt. Tie natürliche Reaktion einer Kaste auf Un- folgsamkeit ist doch: Aufhörenlassen der gewährten Unterstützung. Ties Mittel >var ja im vorliegenden Fall doppelt an die Hand gegeben, .da die Frau den Arzt wechselte ohne Anspruch zu er­heben, die Kasse solle den neuen Arzt honorieren, also war das Aufhören der Unterstützung eigentlich schon prakttsch geworden ohne Zutun der Kasse. Iebenfalls als ein unumgängliches Sichwehren gegen mißbräuchliche Benutzung brr Kasse von benr Arbeiter kann man bic Entlastung nicht gelten lassem Reim die Tatsache bleibt bestehen, baß bic Entlassung die Kasse zu einem Lockmittel erniedrigt Zur Erhärtung dessen noch einiges neues Material.

Wir tragen: 1. Warum nimmt die Fabrik in ihre Kranken­kassenstatuten nicht bestimmte Beschränkungen aut, da sie dieselben doch in Praxis gelten läßt? Was hindert sie daran?

2. Zu zwei Tatsachen des Briefwechsels, der im Eingesandt erwähnt ist, und der uns vorliegt:

Warum antwortet die Firma sofort in einem, gelind bezeichnet, äußerst gereizten Ton auf eine durchaus freundliche Vorstellung und Bitte, den Sch. in Anbetracht der Notlage der Mutter, einer Witwe, deren einziger Ernährer er ist, wieder einzustellen, und läßt sogar bald Drohungen wegen Verklagens des Für­sprechers bei feiner Behörde folgen? Wann pflegen Menschen so sehr empfindlich zu sein? Doch, wenn sie kein gutes Ge­wissen haben?

Und weiter: Wie kommt es, daß die Firma eine ganz unverhohlene Freude zeigt bei dem Gedanken an die Möglichkeit, deren Durchführung dann, wie schon erwähnt, nicht statt hatte, da die Rechtslage, wie wir von der bett:. Behörde erfuhren, cs nicht zuließ, der kranken -Fran durch Einfordern der Klage des Aerztehonorars eine Verlegenheit zu bereiten? Der Passus heißt:Wir danken Ihnen vielmals für Ihre . . . Auskunft in der Krankenkassenangelegenheit der Frau Sch. . . . h Wir verlangen jetzt von der Frau Sch. ... die ... . gezahlten 109 Mk. wieder zurück. Hoffentlich geschieht dies auf gütl. Weg." Sollte da wirklich ein lebendiges Bewußtsein für dieVerpflich­tung" den Arbeitern gegenüber zu Hause sein, wo man sich freut, der kranken Mutter eines Arbeiters etwas anzuhängen? Nein, da ist etwas faul! Hofmann, Psr.

Der Nachdruck ist auf das Wort dcoff

zu legen. Die Wertschätzung, die ScottS Lebertran-Emulsion auch seitens der Ärztewelt errungen hat, gab und gibt tagtäglich Veran­lassung zu Unterfchiebungen anderer, angeblich ebenso guter" Emulsionen. Sie handeln aber

-A in Ihrem eigenen Interesse, wenn Sie bei dem Originalprä- Parate Scotts Emulsion bleiben, § M dum diese ist die einzige nach dem G Ä Scottschen Verfahren hergestellte, Jahrzehnten einen Weltruf genießende Lebertran - Emulsion. Darum Bedangen und kaufen Sie stets nur

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