Ausgabe 
17.10.1913 Drittes Blatt
 
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Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieEichener Zamirknblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, da? Kreisblatt für den Kreis Giehen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seil­sragen" erscheinen monatlich zweimal.

Drittes Blatt 163. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Sberheften

Zreitag, \X. Oktober 1913

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Drllckerei: Schul- srraße 7. Expedition und Verlag: e^51. 5lebaftion:e^@il2. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.

Sitzung der StaStverordneten.

bt. Gießen, 16. Oktober. r der heutigen Stadtverordneten versanrrnkung waren folgende -Nen: Oberbürgermeister Mecum, die Beigeordneten Emmclius und Keller und die Stadtverordneten Petri, QjuSl ^^tb, Friedberger, .Helfrich, Faber, Krumm, Urstadt Lover, >zann, Herckzelheim, Huhn, Winn, Plank, Sommer, Eiche- Habenicht und Vetters. Die Stadtverordneten Gutfleisch und Simon fehlten entschuldigt.

, Vorsitzende eröffnete um 41/* Uhr die Sitzung und machte 1 ei?L9C Mitteilungen. Er widmete dem krankheits- ^pE^otrelenen Gewerbebankdircktor Loos einige Worte und brachte ein gemeinsames Essen zu Ehren der ausgeschiedenen nviiegen rn Vorschlag. Dann ging er auf die von vielen Seiten angeregte

Gießener Eiseubahnfrage

Schreiben der Eisenbahndirektion zur Kenntnis t ^,^hoch der Eisenbahnverwaltung von der Erweiterung oes Bahnhofes Gießen nichts bekannt, ebenfalls nichts von einer ^^ongerung nach Wetzlar und Lollar. Sta^v. Eichenauer brachte dle-em Schreiben einige Zweifel entgegen, er meinte, dieses aut Grund besonderer, geheim zu hallender Mitteilungen tun zu tonnen, für deren Richtigkeit er einstehe. Professor Sommer 1 . ^6^, die durch Zeitungsnotizen die Ocffentlichkeit

X lMe, energisch auf den Grund zu gehen und eine be- Itunntie Anfrage an die Eisenbahndirektion zu richten, ob die Sache w, mifzufasien ist, daß ein früher geplanter Umbau des Bahnhofs Meßen ausgegeben worden sei oder ob nur die Pläne für die im Prinzip geschehene Bewilligung des Umbaues noch nicht geniacht ^avrden seien. Auch der Stadtv. Löber bedauerte, daß man noch mcht alles getan habe, um der Sache nachzugehen. Stadtv. Winn ist ebenfalls von der Antwort nicht befriedigt. Jeder, der den Bafathof kennt, so meinte er, weiß, daß die Verhältnisse ganz u,n haltbar sind und das; hier etwas geschaffen werden muh. Er beantragte, eine Kommission zu erwählen, die die Sache ganz knerM'ch, betreiben solle. Auch Stadtv. Habe nickt schien der Sache kein rechtes Zutrauen zu schenken, er regte an, daß die Land­tags-, vielleicht auch die Reichstagslckgeordneten sich der Frage an­nehmen möchten. Oberbürgermeister Mecum schlug vor, die Ange­legenheit noch näher zu verfolgen, die Stadt könnte nicht selbständig handeln, sondern nur Vorschläge machen. Eine Frage sei aber noch nicht gestellt worden, deshalb sei auch keine Veranlassung, selbständig zu handeln. Stadtv. Vetters sprach zur Geschäfts ordnung; er wünschte die Besprechung abzubrechen, die vorerst nur für eine nicht öffentliche Sitzung spruchreif sei. Prof. Sommer Hütt es für absolut nötig, eine Spezialkommission aus drei Herren zu bilden, die als Zentrale alles nötige Material sammeln solle. Er bat, darüber abzustimmen. Stadtv. Friedberger war für ein freundschaftliches Entgegenkommen der Stadt, man solle nicht so sehr den geschäftlichen Standpunkt betonen.

Der Vorsitzende ließ nicht unerwähnt, daß schon früher ein Um­bau geplant gewesen und auf drei Millionen Mark damals ver- anschiagt worden sei. Jetzt werde ein Umbau natürlich teurer zu stehen kommen. Stadtv. Löber ergriff nochmals zu längeren Auseinandersetzungen das Wort und verwahrte sich energisch gegen die Schlußruse, die er dafür einheimste. Prof. U r st a d t erläuterte die einzelnen Fragen noch einmal. Gegen die vorgeschlagene Kom­mission wandte sich Stadtv. Krumm, er hielt die Verkehrskom- nüssion für ausreichend. Prof. Sommer vervollständigte seinen Antrag dahin, daß er ihn für dringlich erklärte. Die zu wählende Kommission müsse insbesondere damit beauftragt werden, die No­tizen, die durch die Zeitungen gingen, zu sammeln und systematisch die Sache zu verfolgen. Man solle für ein halbes Jahr drei Herren probeweise aufstellen. Darauf wurde der Antrag Sommer zur Abstimmung vvrgelegt und mit 11 zu 10 Stimmen ab ge­lehnt.

Oberbürgermeister Mecum fuhr nunmehr in seinen geschäft­lichen Mitteilungen fort, verlas ein Schreiben des Konz eri­tt er ei ns, worin dieser für den ihm überwiesenen Zuschuß dankt, und sprach dem Kommerzienrat Emmelius seinen Dank dafür aus, daß dieser es übernommen habe, die neunte Kompagnie bei ihrem Ausmarsch zu verabschieden. Dann kam er durch die Ver­lesung mehrerer Schreiben auf die

Hundertjahrfeier

zu sprechen. Das erste Schreiben handelte sich um das I u g e n d - f e st am Sonntag und das Abbrennen eines Freudenfeuers. Es wurde gebeten, zu beiden Veranstaltungen den Trieb zu über­lassen. Der Vorsitzende hatte bereits seine Zustimmung dazu ge­geben, die Versammlung gab ihre Beitätigung. Weiter wurde ge­beten, in die Wege zu leiten, daß die Freudenfeuer auf dem Glei- bergturm, auf der Schönen Aussicht und in Wetzlar und Marburg zu gleicher Stunde abgebrannt würden. Das ist nicht möglich, da Wetzlar sein Feuer schon am 17. Oktober acht Uhr abends abbrennt.

Eine Einladung zu dem geplanten Fackelzuge war vom Zeitungsverleger Lange eingetroffen, der mit den geschäftlichen Varbercitungen des Fackelzugcs beauftragt worden ist. In dem Schreiben war auch zum Ausdruck gebracht worden, daß es sich empfehle, wegen des Fackclzuges, dessen Beginn erst aus 8 Uhr festgesetzt worden sei, auch das Anbrennen des Freudenfeuers auf 3/49 Uhr festzulegen. Stadtv. Löber möchte wegen der Teilnahme der Jugend einen früheren Zeitpunkt festgelegt wissen. Stadtv Vetters ersucht dringend, weitere Mfwendungen fürFeste nicht mehr zu machen; durch solche Feiern sei auch der Völker - friebe gefährdet. Auch sei das Geld für allgemein nützliche Dinge ziemlich notwendig.

Der Vorsitzende rügte das Wort ,Lcu m mel" womit Stadtv. Vetters das Fest bezeichnet hatte. Stadtv. Ebel trat den Aus­führungen Vetters gegenüber und hob hervor, daß die Jahr­hundertfeier kein dynastisches Fest sei. Stadtv. Krumm meinte, die Feiern müßten etwas eingeschränkt werden, man solle keine extra­vaganten Sprünge machen. Die Befreiungskriege hätten an Be­deutung gewonnen, wenn man erst noch ine Junker-Bagage zum Teufel gejagt hätte. Der Jugend zuliebe wollten wir das Fest feiern aber nun genug mit dem Sammelsurium von Festen. Stadtv Petri trat warm für die Feier ein, wenn Gießen auch schon im Sommer seine Vorfeier gehabt habe. Daraus wurde die Einladung zur Teilnahme am Fackelzug angenom- m C "(jnblirfj wurde noch eine Schrift des Nattonalen Handlnngs- gehilfen-Verbandes verlesen, worin dieser bat, die Geschäftsinhaber XV veranlassen, am Samstag wegen der Feier ihre Geschäfte schon um 7 Uhr zu schießen. Der Oberbürgermeister schloß

Das ^a^u g esuch Schulze itrurbc nach dem Kom.-Antrag genehmigt Die Errichtung einer Feldscheuer am Aul- weg durch Karl Uhl und das Anbringen eines Firmen­schildes Bahnhofstraße Nr. 57, Heinrich Faul st ich, wurden genehmigt.

Auch mit der Einrichtung eines Bedürfnishäuschens am Neuwcger Tor erklärte sich die Versammlung einverstan­den. Es ist das Dvrhäuschen, in dem jetzt das Eichamt unter­gebracht worden ist. Der Plan wurde so schnell zum Abschluß gebracht, weil andere aus das Häuscksen spekulierten. Die Stadt­verordnetenversammlung war bereit, für die Oberhessische Gewerbeausstellung weitere Räume zu überlassen.

. Der nächste Punkt der Tagesordnung, der ivichttgste und schwer­wiegendste, der zur Sprache kam, befaßte sich mit der

Beschaffung von Amtsräumen für die Stadtverwaltung.

Oberbürgermeister Mecum machte darauf aufmerksam, daß man zwischen den beiden bekannten Projekten zu wählen habe, das; das Rathaus seinen jetzigen Platz behalte und dort vollständig neugebaut würde, oder daß man das Rathaus in die alte chirur­gische Klinik verlegte, die zu dem Zwecke nur umgebaut werden wüßte. Eine Spezialkommission falt am 9. Oktober getagt und beschlossen: Die Kommission iviedcrholt ihren Beschluß vorn 26. No­vember 1912. Nach diesem Beschluß beanttagtc Juslizrat G r ü n e- wald, im Interesse des Dienstes das Gebäude der chirurgischen Klinik als geeignet zu empfehlen: zugleich wird beantragt, einen Wettbewerb der Gießener Architekten um eine Prämie von 2000 Mark für das brauchbarste Projekt und den besten Fassadenplan auszusetzen. Nach dem aufgestellten Projekt erfordert ein neues Rathaus einen Flächenraum von 2800 Quadratmeter, der Ge­samtpreis ist etwa 340 000 Mark, während die Umbau-Kosten der Klinik sich auf nur 121 000 Mark belaufen.

Stadtv. Friedberger ist nicht dafür, die Verhandlungen darüber schon jetzt zu Ende zu führen, da die Gewerbcausstellllng 1914 vorerst in den Räumen abgehalten werden muß. Mit Rück­sicht darauf ist es vorteilhafter, erst später an die Ausführung heranzutretcn. Nach her Meinung des Oberbürgermeisters steht die Zeit doch nicht so reichlich zur Verfügung. Ein Jahr ist etwa nötig, um alle Pläne und Kostenanschläge in Ruhe und Sorgfalt ferttgzustellen, ohne befürchten zu müssen, das; es der Arbeit an Gründlichkeit und Fleiß mangelt. Es ist auch Pflicht der Versammlung der Stadtverordneten, eine so lange schwebende Frage noch zu entscheiden und nicht als Erbstück den Nachfolgern zu überlassen, wenn diese Versammlung auseinandergeht.

Ein Ruf nach Vertagung vom Stadtv. Krumm verhallte ungehört.

Der Gedanke, so meinte Justizrat Grünewald, die Nat- famsverhandlungen bis Januar zu vertagen, sei nicht neu. Wir wollen aber sofort entscheiden, wir sind beschlußfähig und eine gültig gewählte Stadtverordneten-Versammlung. Auch die Stadtv. Winn und Löber traten für sofortige Erledigung der Frage ein. Stadtv. Friedberger glaubt sich von dem Verdachte reinigen zu müssen, daß er nicht aus persönlichem Interesse, sondern nur aus sachlicher Rücksicht auf die Stadt gesprochen habe. Professor Urstadt ist ebenfalls für schnelle Erledigung, damit diese Frage keineswegs zur Wahlparole für die Neuwahlen wird. Diese Gefahr hätte man vermeiden können, wenn man diesen Punkt überhaupt nicht auf die Tagesordnung gesetzt hätte. Nach­dem er aber einmal auf der Tagesordnung steht, und nachdem man schon in die Debatte eingegangen ist, wird man nicht anders können, als über ihn zu verhandeln.

Der Antrag auf Vertagung wurde darauf gegen zwei Stimmen abgelehnt.

Stadtv. Winn riet, man solle die 121 000 Mark für den Um­bau der Klinik anwenden. Der Vorsitzende wehtte sich gegen die Zumutung, daß die Aemter, nach der Meinung des Stadtv. Löber, nach wie vor zur Geldersparnis getrennt bleiben könnten. Nach den Erfahrungen des Oberbürgermeisters Mecum litt die Stadt schon jahrelang unter dem Mangel, der zu allererst beseitigt werden muß.

Tie Räume der Klinik sind nach Ansicht des Stadtv. P etri geeignet zum Rathausumbau, aber der Platz ist sehr ungeeignet. Seiner Meinung nach kann man auch in Zukunft noch int alten Heim bleiben. Dem widersprach Oberbürgermeister Mecum. Un­geeignet sei der Platz nicht, der Geschäftsverkehr habe darunter nicht zu leiden und auf die Wohnung der Beamten werde der neue Platz keinen Einfluß haben. Stadtv. Vetters sprach sich für den Antrag der Kommission aus.

Der Finanzfrage gegenüber hatte Geh. Kommerzienrat Hei­chelheim Bedenken; unter den gegenwärtigen Geldverhält­nissen müsse jeder Beschluß mit zu großen Äusgaben ausgesetzt werden. Habe man sich so lange im alten Hause beholfen, so werde das auch noch einmal gehen. Die 2000 Mark für das Preis­ausschreiben könnten jedoch ausgegeben werden. Prof. So mm er­schließt sich den Bedenken über die Finanzen in allen Punkten an.

Justizrat Grünewald setzte noch einmal int einzelnen die Tätigkeit der Kommission und die Notwendigkeit eines Wechsels auseinander. Es handelt sich nicht darum, daß wir ein opu­lentes Gebäude aufstellen, nur heimatliche Architekten sollen sich an dem Preisausschreiben beteiligen.

Nachdem auf Vorschlag des Stadtv. Dr. Ebel Schluß der Debatte beschlossen worden war, schritt man zur A b st i m nt u u g. Es wurde über den Antrag der Kommission namentlich abgcftinfmt, der besagte, daß die Stadtverwaltung in die alte Klinik übersiedeln und daß zum Bau ein Preisausschreiben von 2000 Mark bewilligt ist. 12 Herren stimmten für bcn Antrag, 5 dagegen und 7 enthielten sich der Stimme. Der Antrag wird angenommen.

Man verhandelte sodann über einen Vertrag mit der gemein­nützigen Baugenossenschaft. Tie Versammlung kommt zu der Ueberzeugung, daß man der Baugenossenschaft nicht mehr ent­gegenkommen kann, als man ihr entgegengekommen ist. Prof. Sommer erklärte: Das ganze Gelände war ungeeignet. Ich bitte den Oberbürgermeister, die Sache in die Hand zu nehmen. Auch Stadtv. Winn äußert sich negativ. Der Finanzausschuß beantragte Ablehnung des Vertrages; dem Anttage wurde statt- gegeben. \

Zur Entwässerung des südwestlichen Stadtteils wurden 35 000 Mark bewilligt. Der Kredit für eine Lehrer st eile an der Vorschule des Gymnasiums wurde auf 1100 Mark fest­gesetzt.

Das Gesuch des Heinrich Rühl um Erlaubnis zum Schank­wirtschaftsbetriebe im Hause Ebelstraße 2 wurde angenommen. Das Gesuch des Emil Kalbfleisch für das Haus Ost-Anlage 19 ist zurückgezogen worden. Das Gesuch von Gerl ich zu einem Schankwirtschaftsbetriebe auf der Klinikstraße (Ecke Frankfurter Straße) wurde genehmigt.

Schluß der öffentlichen Sitzung um 7!» Uhr.

wandern und Reisen, Räder.

Rund um Gichen.

Bad-Nauheim Steinfurth Münzenberg Kloster Arnsburg Lich.

Diese Wanderung, die vom Taunusrande durch das wellige Hügelland der nördlichen Wetterau in etwa 5 Stunden bis zu den Vorhöhen des Vogelsberges führt, übt mit ihren historischen und kulturgeschichtlich interessanten Stätten vor allem auf den Freund vaterländischer Geschichte eine große Anziehungskraft aus, aber sie bietet auch landschaftlich viel Mwechslung und manche Schönheiten, besonders auf ihrem letzten Teil. Mdn folgt auf der ganzen Wegstrecke, die sich bei Benutzung der Wettertalbalm auch beliebig abkürzen läßt, in der Hauptsache der von verschiedenen Zweigvereiuen des V. H. C. angelegten neuen Markierung (blauer Q), die vom Bad-Nauheimer Bahnhose über Sieb, Sau­bach unb Ulrichstein weiter bis nach Schlitz geht. Zur Ausftchrung

der Wanderung, wozu das Frühjahr und der Herbst am geeignetsten sind, ist das folgende zu sagen: Vom Bahnhofe Bad-Nanheim, wohin man mit entern der Morgen- züge fährt, begeben wir uns zunächst durch die nach der Butzbach: Sicher "Nebenbahn gehende Unterführung nach dem Goldstern, einer Erhebung, die das Ufatatat vom Wettertal trennt. Nach­dem wir an den imposanten staatlichen Neuanlagen auf dein Goldstein (zur Sinken die Maschinenzentrale mit dem Elevaü- zitäts-^uud dem Eiswerk, zur Rechten die Waschanstalt und die neue Saline) vorübergegangen sind, gelangen wir durch das wohl­gepflegte Goldsteinwäldchen in wenigen Minuten zu dem neu- erbauten Aussichtsturm, der auf dem staatlickwn Wasserwerk er­richtet worden ist und eine Besteigung durch einen prächtigen Rundblick über Bad-Nauheim einerseits, das Wettertal mit seinen freundlichen Ortschaften andererseits belohnt. Bon keinem Aus­sichtspunkte der ganzen Umgebung kommt die landschaftliche Schön­heit der sich an den Llusläufern der Tauirusberge hinzieheuden hessischen Badestadt mehr zur Geltung wie von der Höhe dieses Turmes. Nachdem wir uns an dem prächtigen Sandschastsbilde satt gesellen haben, gehen wft auf dem das Wettertal vom llfatat trennenden Höhezuge weiter, dabei noch öfters einen Blick auf das herrliche Panorama zurücttverfend, das sich uns zur Seite und im Rücken bietet. Bald überschreiten wir die Nebenbahn Bad- NauheimGriedel und gelangen dann auf die Landstraße, die uns, an Rosenfeldern vorüberftihrend, in wenigen Minuten nach dem durch seine Rosenkulturen weit über die Grenzen des Hesfeu- landes hinaus im ganzen Reiche und auch im Auslande be­kannten Steinfurth a. d. Wetter bringt. Nachdem wir das freundliche Dorf verlassen haben, erreichen wir auf Feldwegen den nahen W i n g e r t b c r g , der nochmals eine gute Fernsicht auf Taunus und Wetterau und einen orientierenben Ueberblick auf die bereits durchwandette Wegstrecke gestattet. Dann treten wir in prächtigen Hochwald ein, den wir auf dem sogen.Juden- bfabe" auf eine große Strecke hin, die nur kurz einmal durch ein Stück Feld unterbrochen wird, durchwandern. Beim Austritt aus dem Walde liegt vor uns täuschend und greifbar nahe das Wetterauer Tintenfaß", die iMnzenberger Burgruine, die mit ihren zwei imposanten Türmen das Wahrzeichen der nördlichen Wetterau ist. Aber wir brauchen noch eine gute V2 Stunde, bis wir auf leider nicht immer gut gangbaren Feldwegen das so nahe erscheinende Wanderziel endlich erreichen. Unser Weg führt uns bireft am Eingang der Burgruine vorbei, an der wir nicht ohne eine sehr lohnende Besichttgung porübergehen. Bei dem Rundgang durch die von 11661174 erbaute Burg fesselt vor allem der hochinteressante romanische Pallas, der gleiclr- alterig mit der Barbarossaburg in Gelnhausen ist, unfern Blick. Von den beiden Türmen ist der 30 Meter hohe östliche Bergfried befteigbar; von feiner Plattform aus bietet sich eine wette Fern-- sicht über die Wetterau und auf ihre Randgebirge, den Vogels­berg, den Taunus unb die Lahnberge. Nach bem Aufenthalt auf der Burgruine machen wir dann unten im alten Städtchen, in dem uns eine merkwürdig geformte alte Dorflrnde noch be­sonders auffältt, in einem der guten Gasthäuser Rast und wandern darnach weiter nach dem nahen Trais-Münzenberg, wo eine alte romanische Kirche und ein Haus mit wundervollen Schnitzereien Beachtung verdienen. Von Trais-Miünzenberg aus geht die Markierung auf der Chaussee an der Wetter entlang und an der Neumühle vorbei nach dem Bahnhofe Muschenheim und von da nach Kloster Arnsburg. Bei gutem Wetter ziehen wir es aber vor, von Trais-Münzenberg ans auf dem von der Haltestelle bar Wettertalbahn abgehenden Feldwege, einer alten Römer- straße, über die Höhe zu wandern, um am Römerkastell Alten­burg und der Berger Mühle vorbei nach Kloster Arnsburg zu ge­langen, dessen stimmungsvolle Umgebung und herrliche Sage im Wettertal uns zu längerem Verweilen einladen. Wir befichttgen die nod) gut erhaltene Ruine der 1174 gestifteten Cisterzicnser- abtei, wobei uns viele archttektonische Schönheiten des romanischen unb_ gotischen Baustils auffallen, besonders die hochinteressante Klosterkirche und der prächtige Kapitelsaal. Eine gute Gastwirt­schaft in der ehemaligen Klostermühle bietet Gelegenheit zur Er­holung und Erfrischung, bevor wir den Weitermarsch nach Lrch antreten, das wir von Arnsburg aus in einer knappen Stunde erreichen. Dieser letzte Teil des Weges ist in landschaftlicher Be­ziehung der lohnendste und genußreichste der ganzen Wanderung. Wir gehen zunächst int lieblichen und romantischen Gottes­ackertal auf stillen Waldpfaden der Wetter entlang und er­steigen dann vom Kolnhäuser Hof aus allmählich die Basaltkuppe der Hardt, von der wir einen herrlichen Blick auf das zu Füßen liegende Wanderziel, in das breite Wiesental der oberen Wetter, aut den 'lwhen Vogelsberg und auf den Wirberg und die Grün- berg er Gegend genießen. Von der Hardt aus folgen wir am be en nicht der Markierung, sondern begeben uns durch den an schönen und alten Bäumen sehr reichen Park des Fürsten zu Solms-Hohen- solms-Sich in das freundliche Städtchen Sich, wo wir bis zum M- gang eines der Abendzüge noch genügend Zeit zur Besichtigung der Sehenswürdigkeiten (Fürst!. Schloß, Kirche, mitte(alterlitf)c Fachwerk- und Giebelhäuser, alte Festungsanlagen usw.) und zur Rast in einem der sauberen Gasthäuser haben.

Garbenteich Kloster Arnsbur gM ü nzenber g Butzbach.

Wir fahren um 8 Uhr nach Garbenteich und benutzen zu­nächst die Sandstrafe nad) Dorf-Gill. Am Eingang in den Wald treffen wir auf den Pfahlgraben, den wir etwa 5 Minuten nach links entlang gefam. Hier biegt der Weg scharf rechts um. Nach wetteren 10 Minuten halten wir uns wieder links. Nach Durch­schreiten des hölzernen Tores wenden wir uns rechts und ge­langen auf den sog. Jägerpfad, dem wir bis Kloster Arns­burg folgen. Nach Besichtigung der Ruinen begeben wir uns nach Münzenberg, indem wir den blauen Ringen folgen. Da, wo die Wetter die Landsttaße kreuzt, liegt zu unserer Sinken der sog. Wetterbergskopf. Aus ihm befindet sid; ein Dolmen­grab, das einzige in Hessen nachgewiesene Denkmal aus der neolithischen Zeit (etwa 2000 v. Ehr.). Es wurde 1893 entdeckt. Wir kommen weiter nach Bnrg-Münzenberg, einem der schönsten rontaitiidieit Profanbauten in unserer Gegend. Im Dorfe ist der Brunnen und die Kirche zu befichttgen. Von hier folgen wir den blauen Strichen über Griedel nad) Butzbach. Zu dein Weg, der nur anfangs etwas durch Wald geht, brauchen wir 4 bis 5 Stunden.

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