Ausgabe 
15.3.1913 Zweites Blatt
 
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165. Jahrgang

Zweites Blatt

Nr. 65

Erscheint taMH mw Ausnahme des Sonntags.

Kl

DieSietzener Familiendlätter" werden dem Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Sietzen" ziveimal wöchentlich. DidLandwirtschaftlichen Zeit­fragen" erscheinen monatlich zweimal.

sehr frech gewesen und sie hätten gehört, tote Kaltes sagte:Sm sind jetzt entlassen." Darauf habe sich Sternickel auf Kaltes ge- uorsen und er, Willi Kersten, habe dem Schreienden ein Taschen­tuch in den Mund gesteckt. Sternickel habe aber die \o

fest zugeschnürt,'daß Kalies ganz blau wurde. Er selber habe sich Dabet nichts gedacht und habe nicht gewußt, ob der Mann bereits tot war oder och er überhaupt daran sterben würde. Von der Sache mit dem Dienstmädchen will der Angeklagte nichts wifsen. Da er zu den Kindern gehen mußte, um diese zu bewachen. Er habe in Gegenwart der Kinder einen Revolver gezogen selben in der Hand behalten. Auf Befragen des R.-A. Bahn wird sestgestellt, daß der Angeklagte der Sohn ordentlicher Eltern sei.

Der Angeklagte Georg Kersten bekundet: Als er tn Müncheberg mit anderen Handwerksburschen beim Frühstück ge­sessen habe, sei Sternickel hereingetreten. Er habe sehr fern ausgesehen und alle, die in der Herberge waren, hätten ge­sagt, das sei ein Grundbesitzer, der Leute sucht. Sternickel »orte diese Worte und sagte:Ja, ein paar brauche ich auch! . Er, Sternickel, habe dann seinen Bruder Willi beiseite genom­men, sich mit ihm besprochen und sie dann überredet, einDmg mitzudrehen". Der Angeklagte schildert f ob amt den Ueberfall auf Kalies. Er habe sich gleich gedacht, daß Kalies sterben müsse. Ms dann das Mädchen überfallen wurde, habe er, der Angeklagte, sich gleich gedacht, daß es diesem ebenso gehen werde. sternickel habe auch mit ibr Streit angesangen, sie zu Boden geworfen und ihr die Schlinge um ben Hals gelegt: dann habe er sie tn eine Ecke geworfen. Der Angeklagte will nicht wissen, in toeld)er Weise der Ueberfall auf die Frau ausgeführt wurde, da er auch zu seinem Bruder gegangen sei und auf die Kinder aufgepaßt habe. Rach etwa 10 Mimtten sei Sternickel gekommen und habe die Kinder auch töten wollen, wozu er den «ist ritt schon in der Hand hatte: alle drei hätten ihm abgeraten und er, der Angettagte, habe gesagt, es wäre doch nicht notig, sie könnten die Kinder auch in einen Schrank einschließen. Rach der Teilung der Beute habe Sternickel zu ihnen gesagt, sie sollten noch einen oder zwei Tage bleiben, sie könnten ja tn her Scheune schlafen, er wolle dann nach dem übrigen Geld nicken. Es wäre ihnen aber unheimlich gewesen und sie wären nicht da- geblieoen, sondern nach Berlin gefahren. Durch die Verhaftung sei ihre Absicht, sich selbst zu stellen, vereitelt worden

Der Vorsitzende stellt sodann die Frage, tote lange die Aus­führung aller drei Verbrechen gedauert habe. Sternickel rechnet darauf dem Gericht vor, daß die drei Morde etwa 20 Minuten ge­dauert haben.

Hierauf trat die Mittagspause ein.

Staatsminister Dr. v. Ewald

bittet, den Antrag an den Ausschuß zu verweisen. Die Ein führung der preußischen Sätze würde 350 000 Mk. ntehr für die höheren Beamten erforderlich machen. Die mittleren VesU^te' würden sich gleich bleiben, die niederen aber würden schlechte: gestellt werden. . _

Der Antrag Brauer und Gen. wird nut Mehrheit äuge nommen, also der Regierung und nicht dem Ausschuß zur Er 'edigung überwiesen. , ,

Schluß der Sitzung l>/4 Uhr. Fortsetzung nachmittags 4 Uhr

Nachmittags-Sitzung.

Um 41/4 Uhr eröffnet Präs. Köhler die Sitzung. Da die Ent cheidungen der Ersten Kammer noch nicht vorliegen, wirb über die Vorstellung der hessischen BauaspiLanten beraten.

Abg. liebel (Zentr.): Die Bauaspiranten haben die Kündi­gungen als große Härten empfunden. Der Redner behandelt dann die Lage der Bauaspiranten im allgemeinen. Viele waren 10 Jahre und länger im Staatsdienst, als lie die Kündigung er­hielten. Es muß anerkannt werden, daß die Regierung bemüht war, Erleichterungen zu verschaffen. Sie ilt auch für eine andere Unterbringung der Bauaspiranten eingetreten. Zum Teil fino diese Bemühungen aber erfolglos gewefen. Der Abgeordnete bringt bann Einzelfälle zur Sprache. . m

Der Ausschußantrag wünscht unter 1. dem Landtage eine Vor­lage über die Abänderung des K un stst r a ße ng es etze s zu machen und die Kreisverwaltungen cmzuweisen, als Auvyms- personal nur geprüfte Bauaspiranten zu verwenden: 2 ine .Re­gierung zu ersuchen, die ihr untergeordneten staatlichen Behörden anzuweisen, bei Anstellung in erster Linie die geprüften Bau­aspiranten zu berücksichtigen: 3. die tn der Eingabe vom 2o. Marz 1912 vorgelegene Bitte der Bauaspircmten der Regierung zur Berücksichtigung zu überweisen und 4. die übrigen Vorstellungen

als erledigt zu erklären. . , .

Diesen Anträgen bittet der Berichterftatter b bi zutreten.

Abg. Schönberger (natl 1 macht längere Ausführungen und verliest eine Reihe von Zeitungsartikeln. Der Kernpunkt seiner Rede scheint Stellungnahme gegen d:e Kreisamter zu fein (t

Abg. Henrich lfortschr. Vp> wünscht Zu,atz zum Auvschutz- antrag: Rach Pos. 2 wird die Regierung ersucht, zu bestimmen, daß künftig sämtliche mittleren Technikerstellen bei mittel- und unmittelbaren Staatsbehörden von einer 3entrale besetzt werden, oder daß wenigstens die Besetzung aller dieser Stellen nach einheitlichen Gesichtspunkten gemacht werden. Ferner soll Befreiung von der Invalidenversicherung herbeigefuhr^ werden.

Abg. Lanz (natt.) bringt einen Einzelsall vor.

Ministerialrat Kratz: Auch der Regierung liegt dav Schick, al der Bauaspiranten am Herzeil. Tie Regierimg hat nichts un­versucht gelassen, um auf die Kreise emzuwirken. Den Beschwerden gegenüber Anstellung von nicht geprüften Bauaspiranteii bei den Kreisämtern sei in Erwägung zu ziehen, daß es unbillig toi. Die bei dem früheren Mangel von geprüften Aspiranten nicht gemuften Angestellten zugunsten der Geprüften zu entlassen. Ter Redner geht bann eingehenb auf die Einzelheiten bet ben '^ftelhmgen ein. Eine Vorlage int Sinne des Antrages lonne die Regteruiig nicht zusichern. Auch eine Befreiung von der Versicherung laßt sich nicht in Aussicht stellen. Die bestehenden Gesetze lassen bas ^^^Die Abstimmung ergibt einstimmige Annahme des Aus­schußantrages, ebenso der Zusätze. ,

Da sich Differenzen mit der Ersten Kammer Nicht mehr er­geben, vertagt sich das Haus auf unbestimmte Zeit.

Schluß 53/4 Uhr.

Sterniüel-Prozeh.

Frankfurt (Oder), 13. März.

Bors.: Sie sind noch öfters zu den Mädchen hineingegangen? Angett Ja, nachdem' die anderen weg waren, habe ich ihnen etwas zu essen gegeben. Bors.: Wann sind die drei toegge gangen? -?lugekl.: Ilm 7 Uhr morgens. Vor,.: Vorher haben Sie das Geld geteilt. Llngekl.: Jawohl. Vors.: Wohin sind sie gegangen? Angell.: Das weiß ich mcht, ich habe ihnen nicht nachgesehen. Bors.: Sagten sie nicht, was aus den gefesselten Leuten geworden ist? Angell.: Rem, kein Wort Vors.: Was taten Sie dann? Angekl.: ging in den Stall, um' die Schweine zu füttern Ta lag das Dienstmädchen, und ich bemerkte zu meinem schrecken, daß es tot tofir Vors.: Was haben Sie da gemacht? Angekl.: Ich habe die Schweine gefüttert. Vors.: Sie sagten, eie hatten einen Schreck bekommen, als Sie das Mädchen tot liegen faben < Haben Sie denn da nicht gedacht: Was ist aus den anderen ge­worden? Angekl.: Jawohl. Vors.: Sind Sie dorthin ge­gangen, wo Calies war? Angekl.: Ja, ich sah, daß er auch tot war Vors.: War er noch in der Rubenkammer? gingen Jawohl. Vors.: Lag er noch ebenso da rote sie ihn hineingesetzt hatten? - Angekl.: Nein, er hatte den Kopf vornüber gebeugt und ich sah gleich, daß er nicht Mehr lebte. todt ging bann in die Stube, wo die Frau lag, sie hatte beit Kopf auf der Erde und die Füße im! Bett. Auch bet ihr merkte i ch

den weiter von der Ersten Kammer beanstandeten Punkten: Errichtung von Motionen, Zuschuß zur Laudwirtfdwstskainmer, verharrt die Zweite Kammer bet ihren Beschlüssen.

Lebhaft wird die Aussprache wieder bet der Anstel^ug der Gericktsschretbergehtlfen. Die Schaffung von 58 neuen Stellen war von der Ersten Kammer beanstandet worden Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer schlagt nun vor, daß die in deni Ressort des Justtzministeriums beichafttgten Genchts- n derselben Prozentzahl Anstellung finden wie K" en mS ®n itvtitcr M des Ausfchub-Ntr-gcs ^gelt die Besoldungen. Gegen die Stimme^ der Sozialdemo­kraten und der Freisinnigeii wird der erste Teil angenommen; der zweite Teil findet einsttmmige Annahme.

Mit den von der Ersten Kammer vor geschlagenen Aendernngen, bett, die Oberförsterei in Groß-Umstadt und der zum Handels­kammergesetz erklärt sich die Zweite Kammer einstimmig etntoer- ftanbni. ü6cr x^en Anttag Brau er und Gen. ver­

handelt, die Regierung zu ersuchen, eine Aufstellung darüber vorzulegen, welche Kosten es verursachen wurde, wenn man die Gehälter nad) den preußischen Sätzen regeln nxolUe.

sofort, daß sie tot war.

Vors' Was taten Sie den Tag über? Angekl.: I ch arbeitete wie immer. Vors.: Wann brachten Sie die Leichen weg? Angekl.: Ich fuhr abends um 6 oder i/87 Uhr los Ich legte beide Leichen der Eheleute tn den Wagen und fuhr lüea Vors.: Hatten Sie beftimmtc Wstchten, wie Sie ine Leichen fortschafsen wollten? - Angekl.: Ich wollte he nur fortbringen, nm die Sache zu tiertufd)en. Ick) wollte sie erst in Kunersdorf eingraben, aber dort wurde id) gestört. Ich fuhr bann weiter weg und woNte sie in eine Strohmiete legen. Da war ein Liebespaar da, da konnte ich and, nickst heran. Ich fuhr bann nach Ringenwalde; hier fand ich wieder eine Strohmiete. T.ann fütterte ich die Pferde und nachdem! sie ordentlich ausgeruht hatten, legte ich die Leichen in die Miete und fuhr loch - Vors.: Haben Sie den Feuer, chein gesehen? Angekl.: Ja, aber erst nachdem ick bereite im Walde war. Vors.: Und rvas taten Sie mit dem Dienstmädchen? Angekl.: 'Das ließ ich tm Stalle (1C9Cf8orf AM 'letzten Tage wurde Ihnen die Sache .zu brenzlich, als Sie hörten, daß Man die Leichen gefunden und erkannt habe. Sie entflohen daraus und wurden in Güstebiese gefaßt?

Sternickel bekundet dann Wetter über feine Fluckst, er habe gehofft, wieder durch Beilegung eines falschen Namens zu ent­kommen, wie er das schon oft.getan habe. Er habe sich 80 Mark mitgenommen, das übrige geraubte Gew, Gold nick Silber habe er auf den Acker geschmissen. Auf Befragen des Vorsitzenden, ob er die Tat bereue, erklärte der Angeklagte: Nun 1 a, es tut mir ja leid, daß sie tot sind.

Es folgt dann die Vernehmung des Angeklagten Willi Kersten Auf Der Arbeitssuche hätten sie in Müncheberg den Sternickel getroffen. Er habe gesagt, sie wollten einen Bauern übersatten, der 50 000 Mark geerbt hätte. Es käme nichts heraus, er V- schlau genug, er hätte schon mehrere solche Sachen gedreht. Sternickel habe sie dann mitgenommen. Am anderen Morgen hätten sie sich im Pferdestatt versteckt. Sternickel sei zu Kalies

Samstag, 15. März 1915

Rotationsdruck und Verlag der Bruhl'schen Universnäls - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expeditton und Dnickerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: «^51.

Redaktion:112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.

eingetreten.

Ms erster Zeuge wird Gerichteassessor Anderson vernom­men, der den ersten Lokaltermin abgehalten hat. Er gibt eine ausführliche Darstellung von der Oertlidifeit, worauf das,Augen- cheinprotokoll verlesen wird. Sternickel habe dabei gesagt, er ei von den drei fremden Leuten überwälttgt worden, )ie hatten ihn gezwungen, die Tat mit ihm zusammen zu begehen.

Ms zweiter Zeuge wird Kriminalkommisfar Nasfe (Berlim vernommen. Für mich, so bemerkte der Zeuge, kam es lediglich darauf an, die Persönlichkeit des Angeklagten festzufteNen. Qte machte über seine Personalien alle möglichen Angaben die sich hinterher als imrichttg herausstellten Durch die Ähnlichkeit der Mordtaten, namentlich dadurch, daß die Leichen mit Stricken erdrosselt waren und die Stticke * die charakteristische Schlinge aufwiesen, sei er zu der Ansicht gekommen, daß es Sternickel sein müsse. Es sprachen außerdem noch verfchtodene neben! ad^ liche Punkte dafür, wie seine Taubenliebhaberei usw. Er sagte ihm das Verbrechen auf den Kopf zu, aber Sternickel leugnete, ohne mit der Wimper zu zucken, so daß er an feiner Amicht Mieder irre wuvde. Doch müsse das auf Sternickel einen größeren Eindruck gemacht haben, als er ursprünglich angenommen hatte, benn er ließ hinterher den Anstaltsgeistlichen kommen und legte eht umfassendes Geständnis ab. Er räumte auch ein, Sternickel zu sein.

Es kam dann zu einem

Zwischenfall, als der Zeuge weiter erHärte, er habe auch mehrere Säcke gc» fanden, in denen Decken verschnürt waren. In anderen Säcken habe sich Gerste und Hafer gefunden. Diese Säcke gehörten Sternickel. Sternickel erflärte hierzu, wie die Decken hinein- gefiommm seien, wisse er nicht. Das Getreide habe er schon vor der Ermordung des Kalies gekauft, weil er es für seine Ka­ninchen brauchte. Vors.: Wo hielten Sie denn die Kaninchen! Angekl.: An zwei Stellen. Vors.: Wo waren diese zwei Stetten! Angekl.: Die eine Stelle war bei Frau »amte in Mt-Reetz. Die andere Stelle sage ich nicht. Vors.: Aha, das ist wieder die Stette, wo Sie heute morgen schon sagten. Sie wottten das nicht verraten! Angekl.: Ich werde meine Frau nicht Unglücklichmachen. Bors.: Ihre Frau. Sind Sie denn verheiratet! Angekl.: Janwhl, ich b ^".ver­heiratet, aber meine Frau weiß nicht, haß ich 'vlchen Wegen wandle, und darum will ich es ihr nicht verraten. (Be

9?«f fc tanerttbann weta. « Mg wegen der Plagwitzer Mordgeschichte Ermittelungen angestettt, weq

hesfijche Zweite Kammer.

b$. Da r m sta d t, 14. März.

'Die Sitzung, die um1 9 Uhr beginnen soll, wird um ^10,25 Ul- eröffnet, da der FinaNzausscttiß sich mit der Frage der -s ch r e i v gehilsen, die gestern von der Ersten Kammer dahni beanttvorte wurde, daß nicht, wie die Zweite Kammer beschlossen bat c 40 Prozent zur Anstellung kämmen sollen, sondern nur, toie oc Regierungsvorschlag lautet. 20 Prozent. Da über auch um .1 Uhr der 'Ausschuß nock) nicht!: in den Saal lyimrdgcfebrt ist, beginn das Haus mit der Beratung über andere Punkte der Tagesordnung

Zu der Vorstellung des Vereins der Geometer 2. Kl-. Denk schrist über die Reorganisation des Vermessunaswesens, sprech- die Abg. Wolff- Stadecken sBbd.), Henrich sFortsckr. Vp.) un. Fenchel (Bbd/, die die Wünsche <ber Petenten imterstutzen.

Die Vorstellung der Bürgermeisterei Rüsselsheim, die Er rickstung eines ?lnttsgerichts in Rüsselsheim, nnrb ohne Aussprache für erledigt erklärt.

Zu dem Antrag Adelung, die Ba g ger ver häl t ni \ se <u- dem Rhein betreffenb, sprechen Mg. Adelung (Soz.) für ferne Antrag. Ministerialrat Kratz macht Mittei ungen über die Bei gebung der Baggerarbeiten. Abg. Raab (Soz.s. E^ sind der kleinen Unternehmern weit entfernte Lose zuerkannt toorden^ .u/i nisterialrat Kratz: Wenn das geschehen, dann kann die Regie­rung Mit dem Anträge eiiwerstanden sein. Abg. WolN-Sta­decken wünscht gleichfalls Zuerteilimg der Loto in der Nahe der Wohnorte der Unternehmer. Abg. Lang lNtl) bleibt unrer- ständlich. Nach weiteren Ausführitngen des Ministerialrats K r a b wird abgestimmt. Der Ausschußantrag fordert Mlehnung der Pvflkion 1 und 2 des Adölnngschen Anttages, dagegen Position . anzunehmen. Das Haus' beschließt demgemäß, m 1 und 2 gegen die Stimmen der Sozialdemokraten.

Es wird dann vom Finairzausschuß mündlich über eine Re gierungsvorlage, Gesetzentwurf, den Bau einer Verbindungs­bahn von Rüdesheim nach Sarmsheim Veracht er stattet. Berichterstatter ist Abg. M ol t h a n (Ztt). Er vertoei'' daraus, daß infolge der Notwendigkeit, die Blicke 900 Meter weiter- abwärts nach Bingen zu zuverlegen, sich eine Erhöhung bn Baukosten herauSaestÄlt bat. Nach bem! neuen Mrttmirf betragen die Kosten 15 448000 Mark, wovon auf Hechen 2 920 000 Mark entsatten. Er beanttage namens P °

lerforderlickfOi Mel-rru'fw-endimgen von 902 000 Mark zu st w tt g n .Anmerkung der Redaktion: llnseie gestrige Nottz unter bet RubrikAns -Hessen" enthielt Unrichtigketten, die Mit den vorstehenden Angaben berichttgt werden.) Das Haus tritt dem Ausschußantrage bei. .

Nach einer Pause erstattet Dr. Osann Bericht über den Beschlich des Fmanzausschusses zur Rückäußerung der Ersten Kammer zum Hauptvoranschlag. Der Aiteschuß beantragt m- bezug aus. die Strecken-Verlängerung der Arbeitersahrkarten auf dem frühem gefaßten Beschluß zu beharren.

Gießener Anzeiger

Eeneral-Anzeiger für Oberhesjen

In der Frage der Schreibgehilfen schlägt der Ausschuß 25 Prozent vor Wg Mvl- jhan (Ztt.) bittet, dem' fetzigen Beickstuß des Aussdms,es bei- zutteten^ da sonst für die Schreibgehilfen nichts herauÄaMe. Ein Nachgeben sei notwendig.

Abg. Korell -Angenrod (Bbd.): Wir sttMMen zu im Inter­esse der posttiven Arbeit. Abg. Henrich l'Fortschr. Vp.): Es ist notwendig, einmal das Maß der positiven Arbeit!zu beleuchten Nach dem Antrag Welung würden 180 angestettt werden, bei 30 'Prozent '150, bei 25 Prozent 104. Gegenüber dem' Regie- rungsvorschlage würden also 18 Stetten mehr geschaffen. Die Kontingentierung auf 25 Prozent würde eine dauernde Benoch teiligimg der Schreibgehilfen bedeuten. An Gehaltsverhaltmssen wird nichts geändert.

Staatsminister Dr. v. Ewald:

Wenn dem Anträge Ulrich stattgegeben würde, müßten 183 Ge­hilfen mehr angestellt werden, das würde maximal 176 000 Mk Kosten verursachen. Wenn die .Kammer auf ihrem gefaßten Be­schluß, Erhöhung der Anstelttrngen auf 40 Prozent, beharrt, würde die Folge sein, daß- die Erste Sammer auf 20 Prozent bleibt Unter diesen Umständen wäre es ausgef chlossen, daß die Schreib- gehilsen das erreichen, was sie erreichen können wenn Sie den Antrag auf 25 Prozent annehmen. Ich bitte daher dem Anträge des Ausschusses beizutreten. Ich hoffe dann, daß auch die Erste Kammer dem beisttmmen wird.

Wg Adelung'(Soz. 1: Der Kernpunkt ist, haß die Zweite Kammer wieder nmsallen sott. toirb nttmer gebroht, toenn sie das nickf tut, kriegen die Leute mdsts. i ^e Wurde des Hauses verlangt es, daß die Kammer auf ihrem Anträge beharrt Aber der Wwerstand liegt gar nicht bei der Ersten Kammer, sondern bei der Regierung. ,r

Cfba Dr Osann (natt): Die verständigen Schreibgehilien haben den Besdstuß der Zweiten Kammer aus das tteffte be­dauert Da^ Zentrum, das dem sozialhemokratiphen Anträge zu- hat bat nun gesehen, welchen Dank es erntet. Ich hätte^ gewünscht, daß sich die Fortschrittliche Bolkspartei auf den Standpunkt des Erreichbaren ftettt. Der Abg. Henrich hat gesagt daß durch den neuen Antrag nur 18 Leute mehr zur Wttung kämen. Wenn diesen 18 Leuten aber geholfen werden kann, so muß ihnen geholfen roerbeit.

onja Dr Box Heimer (Ztt.): Man tut den ^chreib- achiffen einen großen Dienst, roenn man dem neuen Anträge zu- stimM Abg Korel 1 - Angenrod (Bbd.): Wir wollen mäst umfallen, sondern positive Arbeit leisten.

Die Besprechung wird immer erregter: Es sprechen irod) die Abg. Adelung, Henrich und Ulrich.

Geheimrat B e st geht nochmals auf die Kosten em.

Endlich wird der Antrag auf 25 Prozent Er­höhung gegen die Stimmen der Sozialdemo­kraten und der Fortschrittlichen Partei ange-

Jn der NadMittagsitzung wird die Vernehmung der Ange­klagten mit jener des Angeklagten Schliwenz fortgefetzt. Er bekundet über das Zusammentteffen dasselbe tote die anderen und schildert dann die Tat sehr ausführlich. Sternickel babc dem Kalies die Schlinge über den Kopf geworfen, sickf aber in der Dunkelheit geirrt und über dem Mund zusammengezogen. Kaltes sagte darauf:Otto, laß mich doch los, ich witt dir ja auch deine Papiere wiedergeben!" Sternickel sagte aber,:Du Aas, du hast mich schon lange genug geärgert, du sollst sehen, was pamert/ Er machte bann den Strick lose, legte ihn um den Hals des Kalies und zog fest zu. Er hielt dann den Strick 12 Minuten lang am Halse fest. Er atmete noch, als er in die Ruben­kammer gebracht wurde. Bei dem Uebersatt auf das Dienst­mädchen habe er nicht mitgeholfen und auch Georg Kersten habe lediglick) die Beine zusanimengebunden. Alles übrige habe Vernum allein gemacht. .Georg Kersteii sagte ihm, die beiden würden wohl sterben. Daraufhin sei ihm ganz anders zu Mute geworden und er habe nicht mehr mittnackfen wvtten. Sternickel habe alte mit dem Revolver bedroht und gesagt, er würde sie nlederschietzen- wemi sie nicht mehr mittäten. Das weitere habe Stewiickel attein gemacht, er habe dabei nicht mitgeholfen. Nachdem das (Veld verteilt war, 1eieit sie gleich fortgegangen und zwar nach dem Bahnhof Ortung; dort war ein Zug gerade wegaefahren.

Der Vorsitzende vernimmt darauf den Aicheklagten Ster­nickel nochmals, um die Widersprüche in den einzelnen Aus­sagen aufzuklären. Sternickel verbleibt dabei, daß alle an der Ermordung der Leute mitgearbeitet hätten, nicht er allem. Er erklärt jetzt sogar, daß Georg Kersten den Strick um den Hals Kalies gelegt habe, während er in der ersten Vernehmung gesagt hatte, er wisse nicht, wer es getan habe.

Bei den Vorhaltungen kommt Wesentliches nicht zu Tage und die Widerspräche bleiben im großen und ganzen ungettärt. Hiermit ist die Vernehmung der Angeklagten beendet imb es wird nunmehr in die

Beweisaufnahme