Ausgabe 
17.2.1913 Zweites Blatt
 
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Wiesbaden) mit dem Frauenbünde der Deutschen Kolonialgeselt- schast sichern und wonach die Stellenvermittelung für Schülerinnen der Kolonial-grauen»chule von jetzt ob ausschließlich aut den Frauenbund übergebt Die >w1onial-7rrauenschule in Bad Weil­bach verfolgt den Zweck, gebildeten, deutschen jungen Mädchen und trauen, die für ihre Betätigung in den deutschen Besitzung m erforderliche Vorbildung zu geben. Ta die gegenwärtig in den Kolonien für Töchter aus gebildeten Familien sich darbielenden Stellen noch so wenig zahlreich finb, daß sie ausschließlich durch Schülerinnen der Kolonial-Frauenschule besetzt werden können, und der Besuch der Schule zurzeit die bcümöglichste Ausbildung in der Heimat für die holxmirn gewährleistet, so wird der Frauen­bund der Deutschen Kolonialgcsellschaft darauf Bedacht nehmen, seine Vermittelung zur Hinaussendung von gebildeten jungen Mädchen und Frauen nach den Kolonien der Regel nach nur insoweit eintreten zu lassen, als der Besuch der genannten Schule vorangcgangen ist. Der nächste Kursus der Kolonial-Frauen- schule beginnt nach Ostern d I._______________________________

Au» Stadt und Land.

Gl eg en, 17. Februar 1913.

Weiblichc Handarbeiten.

Eine tüchtige Hausfrau nimmt sich des Wohles ihrer Familie nicht nur dadurch an, daß sie im' Rahmen des Hauses auf Zucht und Litte hält und für das seelische und törpcrlichc Gedeihen aller Angehörigen aufs beste sorgt, sondern sie muß es eben auch verstehen, ivarsam zu wirtschaften, die Kleidungsstücke durch Nähen, Stricken, Flicken und Stopfen möglichst lange yi erhalten und ihre Anfertiguug und Instandhaltung nur im Notfälle anderen bewährten Händen überlassen. Schon cicmz von altersher har sich das weibliche Geschlecht vorzugswersc mit dem Unfertigen von Handarbeiten besaßt. Heißt es ja sogar im Boltsliede: Als Adam hackt unb Eva spann". Darnach hätte also Eva bereits gesponnen, lvas freilich anzuzweifeln märe. Aber es ist immerhin anzunehmen, daß dos SVinnen des Flachses wie der Wolle mit zu den ersten weiblichen Hand sc r ti g kettet gehört hat. Darnach entstand die N tun ft des Webens. Schon au den tro­janischen Krieg, um 1184 v. Ehr., knüpft sich die Erzählung von dem Teppich der Penelope, welche ihren zahlreichen Freiern, nur um sie hinzuhalten, versprochen haben soll, demjenigen die Hand Für Ehe reichen zu wollen, der als Erster nach Vollendung eitles kunstvollen Teppichs bei ihr erscheinen würde. Dabei trennte die Schlaue aber nachts wieder auf, was tags zuvor mühsam gewebt worden war. Wenn zum Spinnen ztvar einige Ge­schicklichkeit her Finger, daneben aber viel Fleiß nnd Ausdauer gehört, so ist das Weben weit mehr als eine Kunst an uneben, iiangc, lange Zeit tritt die Handarbeit als Hauptbeschäftigung der Frauenwelt aus. Es wurde als hohe Ehre erachtet, darin für recht geschickt zu gelten. Bei den alten Römern wurde es, vor der Lerfallzeit natürlich, noch besonders auf bem Grabstein hervorgrhoben, wenn sich ein Weib im Spinnen und Weben sehr httvorgetan hatte.

Auch bet unseren Vorfahren, den Germanen, ftaitbcn beide Kunstfertigkeiten in grossem Ansehen. Als derzeit die Romer nähere Bekannt, cl>a st mit den häuslichen Gewohnheiten derBar­baren", wie sie bie Bewohner des unwirtlichen Nordens nannten, machten, wurde die Herstellung feinster Leinwand anerTenncnb von ihnen erwähnt

Da das Abzeichen des Mannes das Schwert, das der Frau die Spindel war, so ergab sich daraus, daß die Berwandtschasi von des Mannes SetteSchwertmagen" unb die der ^Frau Spindel mag en" genannt wurde. Sine Frau oder eine Jung­frau, die sich bei den alten Deutschen ^nickt mit allem Fleiß an den Spinnrocken gesetzt und ihren Stolz im Ansertigen von ftanbarbeiieu gcjeigt hätte, wäre von allen Setten mit sehr wenig günstigen Singen angesehen worden. Selbst Fürstinnen hielten sich nicht für zu hochstel>end, rm Kreise ihrer Hoffräulettts den Faden zu drehen. Von ihren eigenen Töchtern, sowie von beit Dienstboten umgeben, saßen die Edelfrauen fleißig am Spinn­rocken. Bor hundert, ja noch vor fünfzig Jahren jmirbc viel und wie außerordentlich sein!) gesponnen Jetzt findet man diese Beschäftigung weit seltener, meistens nur noch hier und da auf dem Lande vor. Die Maschine trat ihren Siegeslauf an und b er trieb die Handarbeit von ihrem angestammten Platze. Sie macht alles bewunderungswürdig rasch und akkurat: ihre Er­zeugnisse erreichen aber bei Sachkennern niemals den Wert der von geschickten Fingern hergestellten Sachen. Das Stricken -wird heutzutage in den allermeisten Fällen Ebenfalls durch Maschinen- arbett bewerkstelligt, und diese besorgt auch das Nahen der un­zähligen Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens. Tic deutsche Hausfrau muß sich aber doch diese echt weiblichen Künste zu eigen wachen. Es sieht traurig in einem Hause aus, wo die Frau dos Mittelstandes nicht gut mit der Nabel umzugehen weiß. Mag sich ihre reiche Sind'bar in Hilfe über Hilfe nehmen unb über- ibauöt den ganzen Haushalt von Fremden besorgen lassen, so muß sie doch die Heine flinke Näh- und Stopfnadel als ihre gute Freundin und Helferin betrachten unb den Strickstrumpf als ein ehrenvolles Abzeichen erwählen. Denn ob eine Frau noch so klug, noch so gebildet ist, wenn ihr der Sinn für nützliche Hand­arbeiten fehlt, dann ist dieser Mangel eine Lücke, die durch keine anderen glanzenden Fähigtetten auSgefüllt werden kann.

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** Sitzung des Ki eisausschuss es. Unter dem Borsitz des Regie-rungsracks Weicker wurde am Samstag überden Anspruch des Ehr. Selten II. zu Göbeln­rod aus Entschädigung für zwei gefallene Schweine" ver­handelt. Dem Christian Velten H. zu ttröbelnrod sind im Oktober 1912 gtwi Schweine an der Notlau-fseuche ver­endet Velten stellte Antrag ans Etttschädigung gemäß Art. 1 des Gesetzes vom 29. Aprll 1912, die Entschädi­gung für an Milzbrand, Nauschdrand und Schweiuerotlaus gefallene Tiere betreffend. Durch die tierärztliche Sek­tion der gcfaHencn Schweine wurde zwar das Borhanden- settt von Rotlausbazttlcn sowie ferner fcfbgeftelli, daß die Tiere an Herzklapvenwucherung, der Folgeerscheinung der Balksteinblattem, eingegangen finb. Weichwvhl aber wurde der Entschädigungsanspruch abg^ehnt, weil Velten eine retfft^eitige Anmeldung der Seuche ober des Seuchenver­dachts unterlassen hat, während durch rechtzeitige Impfung das Eingehen her Tiere hätte vermieden werden tonnen. (Stegen diese Entschädigungsablehuang hat der Tierbesitzer Klage im Berwalttrngsstreitverfahren erhoben, über die am Samstag verhandelt wurde Die in der Derlxrndlung ver­nommenen sachverständigen Zeugen glauben zwar, daß auf­merksame Viehbesi-er den Rotlauf, meint er bei ihren Schweinen auftritt, im allgemeinen wahrnehmen müßten, da die Merttnale ber Krankheit, rote Flecken auf bem Körper her Tiere unb Freßunlust, nicht leicht zu übersehen seien. Sie lonntru aber den Nachn»eis nicht erbringen, daß bic Nichtanrneldung der Rotlauffeuche durch den Tierbesitzer Belten in fahrlässi^r Weise unterlassen worden ist. Der lilreisausschuß entschied daher, unter Auferlegung der Kosten des Verfahrens auf die kreis kaffe, daß bem Christian Bel­ten II. in Gölielnrod eine Entsckädigungsfumm e von 118 40 Mark zu-uerkennen flet.

* Privates Berdingu ugs wesen. Die hessische HanbwcrkSkammcrhat Erhebungen augestellt übtT bas Bor- hanbenfetn privater Verträge und Verdingungs­unterlagen, die das Handwerk schädigende Bestimmungen ent­halten. Es find Verträge eingereichl worden, bic den Ucbei nebmern von Arbeiten unrmüalicbc Lasten auferlegen Bvr- schritten, wie z. B., daß alle Nebenarbeiten, die sich im Laufe de» Baues ergeben, wie ftc auch heißen mögen, von den Unter­nehmern ausgeführi werden nlüssen, ohne daß ihnen an An- spruch out besondere Vergütung zustehl, daß für Schriftstücke und TkLepvongesprächc der Unternehmer bem Architekten bestimmte Betröge zu zahlen bat, daß der Bauleiter berechttgt sein soll, auf Kosten des Unternehmrrs ;ederzett an den Be»ua^ort inner Ma

terialien zu reifen usw. usw. Infolgedessen hat die Handwerks- fammer im Anschluß an eine Besprechung mit den Vorständen baugewerblicher Korporationen in Da rmstadt nunmehr audi in Offenbach und M a i n z Berstrrnmlungen herbeigeführt^ die außerordentlich stark besucht genxfen finb. Dem schloß sich an eine Besprechung mit den Borstänben baugerocrblidycr Verrttn- gungen ni W v rms. Das ber Handwerlskanrmer mügrtriltr Blaterial ist so bedeutungsvoll, daß boabüch ich ist, nachdem noch die Vertreter der bangewerblichen Körperschaften in rbnb^ten gehört sind, eine allgemeine Vertrererversammlung nad) Darm­stadt ciitjubenifeit. In allen Versammlungen mürbe ber Hand wcrkskammer lebhafter Dank d.'S Baugewerbes bahir ausgesprochen, daß »ie bk Regelung des privaten Vergebuiigswricns in p c Hand genommen, das im Öröpcmr. zum staatlichen Vagebungswefen schwere Mängel austveist, bic nur auf dem Wege gemeinsamen Vorgehens der gesamten Baugewerbe des ein gl werden können.

* Stabttheater. Es sei auch an dieser Stelle aut bic morgige erste Wiederholung des SchauspielsHiliter Manern" von dem Dänen £>cnrij Rotäansen bmgeroiefen; daS inter siante Werk batte bei seiner Erstausführung gleich großen Erfolg bei Publikum wie Presse errungen. 91 udh auf die nochmalige Aufführung von Theodor BittS rater- länoischem SchauspielAus erferner Zett" nm nächsten Sams­tag nachinittag als Schüler-Vorstellung fei besonders auf­merksam gemacht, da sie voraussichtlich die letzte bc5 Werkes fein bürste.

Landkreis Gießest.

Garbeuteich, 16 Febr. Heute würbe liier ber 8. Turntag des Lahn D ü n s v c r g - T u r n e r b u n b e s ab- gehalteil. Als Vertreter waren cinfdjlicilnh ber Ausschußmit­glieder 49 Abgevrbncte erschienen. Bundesvorsitzender D a u p e r t- Wiescck gab ben Jahresbericht bekannt, wonach bic neu gegrün dtten Vereine.Urgrnftein unb Salzböden dem Bunde beigclrct.'n finb. Der Bund ;äftlt tn 34 Vereinen 2551 Mitglieder, darunter 50 Elirenmitglicder, 473 Zöglinge ^und 2028 steuerpflichtige. Der Bericht des Bundesturnwarts S ch m i bt - Launsbach stritt bic beiriebigenbe turnerische Tätigkeit fest. In den sechs Vor- turnerstunben waren 438 Turner erschienen. Kassierer Ger- l ach - Fellingshausen trug bic Iahresrechnung vor, wonach ein Bcstanb von 163,71 Ml. verbleibt. Für bie Bundesturnfahrt waren sechs Bewerbungen eingegangcn. Der Verein Steinbach erhielt sie unb bestimmte den 18. Mai für die Tumiahrt. Das Bunbesfest wird vom 28.30. Juni in Lollar gefeiert. Der Turnverein Haufen besteht 1914 50 Jahre, weshalb ihm für 1914 bas Bunbesfest übertragen wird. Bei ber Vorstands wähl wurden Daupert Wicfeck 1. Vorsitzender: Bürgermeistcr Schmidt-Lollar Stelwertteler: Schmidt Laonsbach Turm wart; Torth-Großcu-Buseck, Stellvertreter: Reineke-Wicseck, Schrift­führer: Gerlach-Bieber, Stellvertteter unb Gerlad) Fellingslwusen als Bundesrechner gewählt. In den Bundesansschuß wurden dir Mitglieder Lotz-Wieseck, Geisler-Lollrrr, Schneiber-Großen-Buseck, Rinn-Launsbach und Korber--Udenhausen wiedergewählt. Für das Bergfest waren zwei Anmeldungen eingegangen. Es soll auf dem Staufenberg gefriert werden.

Kreis Büdingen.

Rohrbach, 17. Febr. Einer der ältesten aktiven Gemein de beamten HesienS ist wohl unser Bürgerineister Hein­rich Kröll, ber heute in voller Rüstigkeit und Frische feinen 7 5. Geburtstag feiert. Sein Amt versieht er schon seit 1884 mit großer Gewissenhaftigkeit und Treue. Bor Herrn Kröll war fein verstorbener Bruder Bürgermeister, und dieser hatte daS Amt vom Vater übernommen, der im Jahre 1835 an die Spitze der Gemeinde trat.

Kreis Schotten.

Schotten, 15. Febr. Heute hielt Seminurdirettor Dr. Qnent-ell einen E^p-evimenttrlvortrag überRei­bungselektrizität", au dem zahlreiche Lehrer aus Schotten unb Umg. sich heiligten. Der Redner führte feinen mit einfachen Mitteln, aber inftruTtit» zusammeng?setzten Kasten für Retbungselektrizität" vor und zeigte, wie der Versuch zu deutlichen Vorstellungen über diese geheime Kraft führen muß. Die Einfachheit der OuentelfsHcii Ap­parate ist ein besonderer Vorzug vor arideren, da die Kinder dadurch zuin Selbstanfertigen solcher Apparate unb damit zur Selbfitätigieit angeleitet werden. Ein weiterer Vorzug ist, daß der Kasten als Schranl zum Aufbewahrcn der Apparate und als Crperimentiertifch bienen kann. Trotz der Ettifachheit ber Apparate lassen sich eine Menge Ver­suche damit anstellen, deren Gelingen infolge guter Isola­tton schon im Voraus feststeht. Herr D-r. Quentell erntete reichen Beifall.

Greß-Eichen, 16. Febr. Unser Lehrer Berzk ,st seit drei Wochen krank, wodurch die Schule der 1. Klasse zurücllommt. Lehrer Hollstein unterrichtet sämtliche Schul­knaben. Da sich in unserer Gemeinde 140 Kinder befinden, muß unbedingt ein dritter Lehrer hierherkommen.

Kreis Friedberg.

L. Friedb crg, 15. Febr. Heute fand unter bem Vorsitze des Geh. Oberschulrots Nodnagel die mündliche Maturitätsprüfung im Gymnasium statt. 27 Ober­primaner hatten sich dazu gemeldet. 18 wurden von der mündlichen Prüsiing befreit. Von den übrigen 9 bestand nur einer bie Prüfung nicht.

Gedenket der hungernden Vögel!

<5erid?^faaL

I m Wiederaufnahmeverfahren nach 10 Jahren f rcigef pro dien.

Mainz, 15. Febr Vor der 2. Strafkammer in Mainz fand tun Samstag gegen den 67jährigen Kaufmann Adolf Löb I. ans Worms eine Verhandlung im Wiederaufnahmeverfahren statt. Löb imrrbc im Jahre 1900 wegen wissentlicher Hinterziehung von Kapitalrenteusteuern aus den 3obren 18971900 unb wegen der Einkommensteuer von 18991900 nut zwei Strafbefehlen von 2065 Mk. unb 2726 Mk bebacht, außerdem hatte er bic Mehr steuer nachzuzahlen Löb beantragte richterliche Entscheidung; nach längeren JBerbanbmngcu erging am 17. Cttobcr 1903 von bei Mainzer Strafkammer Urteil. Löb wurde ber wissentlickicn Sleuerhttuerziehung für idrulbig befunden, aber bie in den Sttaß befehlen festgesetzten Strafen nnirben etwas geringer bemesicn. Der Vemrrettte legte beim Reirhsgerrdn Rcviiwn ein, ine ober kernen Erfolg hatte. Nach vielen Schwierigketten gelang tx- iljnt unb icmcm Reckrtsvei staube Iustizrat Dr. Znckmayer das WiederaM- nabmcDrrfajrrcji nnd> 10 Jahren lnirchzuietzen. Es wurde jrfci uachgcwicen, _baü Löb mtt Unredtf ine Strasbefehlc erhalten, do er fick, keiner SteuerInntmtctarng schuldig gemacht hatte. Irrtüm­lich waren bic Zinsen für Enettcn. die er auf der Bank neben hatte und nur ictnem Geschäftsverckehr bicrant, mn zur Be Neuerung in Höhe ton 3174 Mk herangezogen nwrbcn. Dnmals wnttie angciunnmen, Löb lyabe das Geld zu Privatzwecken ver braucht. _ Das Urteil von 1903 wurde aufgehoben unb Löb frelgefprochen, ba er fud einer wissentlichen Stenc.hinter- Aicbnng nicht schillpig gemacht. Sämtliche Kosten, auch bie des Rechtsanwaltes und des Enilamuigsbewenes, rönne die früheren Kosten aus dem Jahre 1903 nmröai der Staatskasse ;ur Last gclegl. $nn muß auch der Ävnersiskus die gezahlten Straf­gelder an Löb heranszahlen

vermischtes.

ff. Wicmandas Beschlagender F en ste r s ch e ib en verhindert. Eine Gescllsdxlft in London uc trägt den idenai Namen Anti Window-Sieaming> bringt feit kurzem einen Apparat in bat Handel, der bcfdüagenc Fcnstiwsckeiben von der trüben Schicht befreit. Ist bic Temperatur auf der Straße von der im Innern eines Raumes soweit verschieden, daß bic Fensterscheibe auf ber Innenseite bis am den Taupunkt obqettchll wird, so schlägt fick dott Dasserdampf nieder, der bei weit rcr Abllttüung ge­frieren fann. Der Apparat jorgt nun glei.t -ettig lür d-.e Er- närmung des Wassers oder cises und die Eutiernung des Wasierbampses: er bestrick nimlidi aus einem elektrisch angc tricbcneii Gebläse mit fächerförmiger Ausflußöffnung. Die an gewärmte Luft bestreicht die ganze Fenstersd,eibe. Versud>c haben gczecgt, daß eine mtt nid;: gefrorenem Wasser trübe gemachte Fcnstcrsd.cibc in 30 Sekunden vollständig klar gemacht werden ; kann. Solange der ^lpvarat tn Bettied blieb, bildete sich die ; trübe Schicht nicht von neuem.

T i c tiefsten Bergwerke der Welt. Die BernW werke, die am tiefsten in das Dunkel des Erdrcickies bhtnbftcigi'it, um der Finsternis metallene Schäpe -,u entreißen, find nach den» Ausftikmncwn brr Nature die großen Kupferbergwerke am Oberen '} See in Nordamerika. Die auf dem Stcttigcröll von Damaraf ' liegenden Minen erreichen eine Tiere von 1554 Jlietcr und tut Minen von Calumet und Hekla 1493 Ni ctir. Tie bilden eine intcmfainc und unzweideutige Bestätigung der Gesetze, nach btneu fidi in gewiss en Diesen bei Kupiergchatt verringert. Lange 3 eit arbeiteten bicse Bergwerke mtt einem SluDfcrerträgniö von 4 bis 5 Proz. ber geförbenen Massen: im Jahre 1906 sank diese «Ziffer am'1,26, 1907 auf 1,1, 1908 auf 1,05 unb 1911 aut 1 Prozent. Damit blribt ber Metällgrhalt in feinem Verhältnis zur Fördcr - mässe sogar noch Hinter dem bei Porptmrmincnt von Utah ;urud, icD ber Prozentsatz burdHdmittlicb 1,50 beträgt. Die Tupfer-- mUten am Cbercn See können ihre Arbeit mit Erfolg nur aur Grund der besonders günstigen Umstände sortsepen, unter denen die Erscheinung in jenen Regionen auögcführt wird. Die Förder- I massen weisen in der Tat außer Rohkupfer kaum nocki andere Melallbestandteile auf, unb das Kupfer wird gewissermaßen ton her Natur schon in einem gerechten Zustande geliefert. Sett ihrer Begründung rm Jahre 1871 haben die Calumet-Minen rund 480 Millionen Mark in Dividenden ausgeschüttki. Die rcbädrtr i dieser nnrbamcrifanifd'cn Stupf er ber givertc besitzen in ber Regel eine Neigung von 40 Grad Die senkrechten Schächte, durch die man die mehr oder minder tiefliegenden Kuvferablagerungen erreicht, sind im Gegensatz zu den euroväischcti Methoden leiten. Aber bic Red Iadct-Mine besitzt einen ien Krediten Schachs ton 1500 Meter Tiefe. Die Temperattir be> Gesteins in diesen »Tiefen geht über 31 Grad C. hinaus.

"'Der Aufschneider Balzac. Lieber den bekannte« Roman schriftsteller Balzac weiß eine französische Zeitschnft eine bröbvr unbefcninlc allerliebste Anekdote ut cizählen. Tie gröbteM othroärbe Balzars war sein uimebeiires Au'schneiden, das ihn oft zmn Lvotte feiner Freunde maditc. Eines Abends ging er, an jedem Arm eine G'iseite, nui dem Boulevard Montmartre fvazieren, als ihm zwei feiner Freunde, Haga! nnd Lonret, über den Weg kamen. Ha'tig lieft er die Mädchen neben, mirtte zu icinen Freunden Inn und flüfterte ihnen zu: »Bitte, tut, als erkennt ihr mich nicht. Ich beglcrte zwei Erzherzoginnen, die iiicoquito nach Paris ge­kommen sind, und mau bat 'räch gebeten, ihnen bic Hauptstadt der 1 Zivilisatrön zu geigen 1" Unb er uerfdnroub mt1 einer gelieinmis- uotlen Gebinde.Et rst doch ein <?aurilügucr !u sagte Hatzal,was zum Teufel heft er denn aber seine Glisetten stehen?"Einfach deshalb" versetzte Lonret,um ihnen sagen zu können, baß wir zwei Prinzen von Geblitt unb seine vertrauten Freunde finb.*

I ni Eifer. Köchin (zum 2'iatftmäbdicnkDo dort sich doch alles auf! Du läßt dich von meinem Bränrigam küssen und willst geglaubt haben, es sei der deinige? Das ist doch eine faule Süfsrebc der dettnge küßt ganz miders."

vüchertisch.

Jakob Minors Bibliothek von etwa 12000 Ban den ist iu öen Besitzton Friedrich Meyers Buchhandlung. L ipftß. übergegangen. Tie Bibliothek enthüll die deutsche Literatur von den 'ältesten Zetten bis zur (Pegenwarl besonder- reichhaltig bic klassische und romantische Periode, mit ihren Hilfswissenschaften, ni- Metrik, Poetik, Kulturgeschichte nfto. Bon dem Katalog, der angesichts des bedeutenden Materials in 'Jlbtciliingen rridw-innr wird, ist soeben Teil I ansgegebm nmrbai

- D i e Lese, die bekannte von Georg Muidmer heraus- gegebene Wochenschrift mit der BeigabeDie Bücher der Lriick, hat im neuen Jähr einen nufti*mbcntlid)en Aufschwung genotn mm, bn fick: wieder mehrere lausend Anhänger der Lcsegcmeuide angeschlossen haben. Nicht zum wenigen tragen da; ubie zwei Bücher ber Lese bei, bie den Mitgliedern neben dem Blatte aniianft abgegeben werden. 1912 kamen 20 000 Bände von Carl Haupi' mann und Wilhelm Schmidtdonn zur Betteilung. 1913 gelangt als erstes Jahrbuch ein atmz merkwürdiges und starkes Biut eines neuen Autors zur Ausgabe: Der Baldamno von Oskar Wöhrle, das bereits eine Auslage ton 15 000 Eremplaren er * reicht hat. Die neuen Nummern der Lese sind wieder mm br rönberer Art. Nr 3 enthält Beiträge von Litt) Braun über Mutterschaft, von Goethe über Wieland, von Michael Georg Schmid über Gerhart Hauptmann, reizende Zlinderbrieß ut>n Fritz Müller n. a. Nr. 4 ist eine Flai'dsten-Lese, eine ieint und starke Anstese aus ben Massen dieses lobenswerten Tidsterv. Bllb, Faksimile, wertvolle Schmudstücke anS bem Pan begleit« reizvoll ben Text unb machen bas Heft zu einer dauernden wert­vollen Erinnerungsgabe Es gibt wohl zurzeit lebt Blatt, das für 15 Pfg. so reichhaltigen und wertvollen Stoff bietet. Die Anhänger der Lese erhalten für 6 Mark Jahresbeitrag 52 Hefte und 2 Bücher.

Kosmos, Handwriscr für Naturfreunde. 10. Jahr­gang, Heft 2. Herausgegeden vom Kosmos, l^eseUschatt der Naturirennbc (Gesdröftsstelle Frandb'fche Veriagshanblung, Stuck Gart'. In der tierpfochologlichen Umschau, mtt der bas Heft fingrlritrt wird, erzählt Prof. Dr. M. Braeß recht intz'ressluuc Einzelbctten über ästhetische Gefühle bei Tieren. Major Hans Schomburgh schildert uns an ber Hanb hübscher Illustratio«« eine zoologische Neuheit, das Zwergflußpferd, bas dieser Fvricker zum erstenmal an Ott unb Stelle genau beobachtete nno von dem rr sogar zwei Exemplare lebend in bcu Hagenbed'cvcn Tierpark nach Stellingen bringen konnte. Floeridc vervollständigt seine Reihe von Vogelbildern durch eine D-antelluug unser» schäd­lichsten deutschen Raubvogels, des Sperbers, und I. H. Fabte endlich plaudert von der Muttei ^korvionm und ihren Kleinen. Als erste Buchbettage dieses Jahrgangs erhiellen außerdem die Mttgliebrr des Kosmos bas hochwtcrenmtte Bändchen mm Lilh- Bölsche: Festländer ^nno Meere im Wechsel der Zetten, in dem dieser weltbekannte Schriftsteller die gevlogischrn Kräfte in ihrem jahrmillionenlangen Kampfe bei dem Aufbau unseres heutigen geographischen Kartenblldes schildert unb so bem Laien durch eine allgemeinverständliche Darftellungskunst eine grundlegende Kenntnis von diesem schwierigen Thema zu vermitteln weiß.

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