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Zweites Blatt
M. Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
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I .Herstellung eines Werkes oder die Lieferung von Waren zum Gegenstand haben, nach Maßgabe der Bestimmungen dieses Ge setzes auf dem B e r d i n g nn g s w e g c zu vergeben, joweit die
Märkte.
0.75—00 00,
geheißen.
Kindermehl
'-Krankenkost.
spater der Abg. Lippmann (Bp.) sehr zum Mißvergnügen der Genossen beipfliclckete.
;3uv Wahlrefvrm äußerte sich auch noch der Zentrumsabgcord- nete Herold, der die Trittelung in den Urwahlbczirken beibehalten wissen will.
Tie Besprechung wird alsdann durch einen Schlußantrag beendigt und das Haus wendet sich den einzelnen Voranschlägen zu, bei denen es natürlich an Wünschen aller Art wiederum nicht fehlte.
Hervorragend bewährte
Nahrung.
Die Kinder gedeihen vorzüglich dabei u. leiden nicht an
Verdauungsstörung.
A u f fortschrittliche Anregung beantragt das Zentrum, d i e Erledigung der Anträge im Aus- febn6 auszusetzen, dagegen im Plenum einen besonderen Ausschuß zur Erörterung der Duell- frage z u beauftragen und diesem sämtliche vorliegenden Anträge a l s Material z u überweisen. Dieser Antrag wird einstimmig angenommen. Das Gehalt des Kriegsrninisters wird nunmehr bewilligt. Wcitcr- bcratung Mittwoch.
Der Ausschuß zur Beratung des Gesetzentwurfs über die Regelung des Snbmisstons- und Liefernngswescns beriet beute über den 8 1 des Gesetzentwurfes, nach dem die Behörden verpflichtet sind, gewerbliche Leistungen, welche die
schränken i st, angenommen.
Ter Ausschuß zur Abänderung des Handelsgesetzbuches lKo n k u rrcn z k l a us cl) beschäftigte sich heute mit den U eb er - gangsbe st immun gen. Äiorgen tvird über _ bie zu diesem Punkte vorliegenden Abänderungsanträgc abgestimmt werden. Dann sind nur noch zurückgestclltc Anträge zu beraten. ________
Ausführung nicht im eigenen Betriebe erfolgt oder Ausnahmen zugelasscn sind. Als Behörden im Sinne dieses Gesetzes gelten die Organe des Fiskus, oes Reiches und der Bundesstaaten und die Organe der Körperschaften, Stiftungen und Anstalten des öffentlichen Rechtes. Diese grundlegende r- des Gesetzentwurfes wurde mit einem Zusatzantrag Kölsch 'Rtl.>, B a r tschart (Vp. >, nachdem die Ausführung von Arbeite ft d ur ch Behörden i in eigenen Betriebe tunlich st einzn -
Wanöcrts und Neesen.
** V. H. C. Der Vogelsberger Höhenklub, Zweig- verein Gießen, unternahm am vergangenen Sonntag bei einer Beteiligung von 65 Mitgliedern seine erste Vereinswanderung im neuen (6.) Vereinsjahr. Sic ging von Grünberg durch das Brnnnental den durch blaues X bezeichneten Waldweg entlang über die Engelsburg und den Ramsberg zunächst nach Laubach, wo Mittagsrast gehalten wurde. Von Laubach führte Die Wanderung über die Friedrichs Hütte nach Ulfa und dann nach Salzhausen, dessen Anlagen sich in den letzten Jahren sehr verschönt haben Nachdem noch die Aussicht vom BiSmarckitein auf der Beunde" bei Nidda gewürdigt worden, war, unterhielt man sich mit '^ 'f^moüen aus Nidda bis zum Abgang des Zuges aufs ang enehmstc.
Die „Siebener Familienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das ^Kreisblntt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Tie „Landwirtschaftlichen 3eit- frageti" erscheinen monatlich zweimal.
Letzte nacbridUcM.
Wieder eine „patriotische" Kundgebung in Frankreich.
Paris, 16. April. Nach einer Blättermeldimg aus Gr enoble kam es bei der Aufführung eines sogenannten patriotischen Stückes,' in dem einzelne Schau«pieler tu deutschen O f fi z i e r s u n i f o r m e n auftraten, zu patriotischen Kundgebung en. Deutsche Studenten, die der Vorstellung in einer Loge beiwohnten, verließen d as Theater, um keine weiteren Zwischen- fülle Hervorzuruf en. Nach einer anderen Darstellung hätten Deutsche in einer Loge demonstriert und angesichts des Einspruchs des Publikums das Theater verlassen.
Der „Figaro" schreibt:
Die französische Regierung hat weise gehandelt, als sie einen hohen Beamten nach Nancy entsanote, damit er an Ort und Stelle eine Untersuchung einleite uns möglichst rasch! die Irrtümer des P oliz eikom missars v o n Naue y wieder gut mache, dessen Pflicht es gewesen wäre, die Kundgebungen zu verhindern mih dem Minister des Innern genauen Bericht zu erstatten. Alle Verantwortlichkeiten werden sestgestellt und der Zwischenfall raschesteus geregelt werden, denn auf bcüdeu Seiten besteht aufrichtiges Bestreben dazu. Die deutschen Blätter werden mit uns in dieser Hinsicht einig fern und das Vorkommnis, welches beklagenswert fein konnte, wird vielleicht wie das von Luneville int Gegenteil dazu beitragen, das dauernde Mißverständnis zu beseitigen, unter dem schließlich beide Länder schwer leiden müssen. ____
Redaktion, Expedition und Druckerei: ^iu(« straße 7. Expedition und Verlag: e^51. Redoktion:^^ 112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.
Mittwoch, (6. April W3
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Uuiversitäts - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
vemnsnachnchten.
— Der Marine-Verein, der in diesem Monat auf ein 21 jähriges Bestehen zurückblickt, veranstaltet aus diesem Grunde am kommenden Samstag in seinem Vereinslokal einen Herren- Kommers. Sonntag, den 20. April, findet ein "Ausflug nach dem „Windhof" statt.
---- Laubach, 13. 9lpril. Im „Solrnser Hofe" hielt gestern der Zweigverein des V. H. E. seine AbenDunterhcutuiiq, verbunden mit der Ueberreichung der Wanderauszeichnungen, ab. Aach der Begrüßung durch Lehrer Mas fing folgte eine Reibe unterhaltender Darbietungen, von denen der Einakter „Heimlich verlobt und das Singspiel „Eheautomat" besonderen Beifall sanden. Tte Verteilung der Wanderauszeichnungen nahm der Vorsitzende Oberlehrer Weißbart vor. Im 4. Wanderjahre erhielten Auszeichnungen in Gestalt von Blumensträußen, zugleich für ihre rührige Tätigkeit als Dirigent Lehrer Döll, und als Rechner Postverwalter Günther. Als Auszeichnung im 3. Jahre erhielten den Wanderstock drei Herren, im 2. Jahre die goldene Nadel ein Herr, ins 1. Jahre die silberne Nadel vier Herren und eine Dame: zwei Damen, die sich nur an zehn Wanderungen beteiligt hatten, wurden mit Blumensträußen bedacht. Ein Ball bildete den Schluß der Feier.
so. Frankfurt a. M. Schwer nemarktbericht vom 16. April. Aniaetrieben waren 1334 Schweine. Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 Lebendgewicht 58.00-60.00 Pik., Schlachtgewicht 74 00-76.00 Pik., vollfleischige Schweine unter 80 kg- Lebendgewicht "o1 J—80.00 Mk., Schlachtgewicht 73-76.« 0 Mk.: vollsleischige Schweine von 100—120 kff Lebendgewicht 57.00—61.00 Mk., Schlachtgewicht 74.00—77 Alk.: vollsteischige Schweine von 120 vis 150 ker Lebendgewicht 58.00-60.00 Mk., Schlachtgewicht 74—76.00 Mk. Geschält gedruckt, bleibt Uebersland.
ic. Frankfurt a. M., 16. 'Üpril. sOrig.-Telegr. des „Gieß. Sim.") Slmtliche Notierungen der heutigen Frucht markt v rei ie. Weizen lhiesiqer» 21.00—00.00, Kurhessischer Alk. 20.75—00 00, Wetterauer Mk. 00.00—00.00. Roggen (tziengers Alk. 17.25 bis 17.50, Gerste tWetterauer) Alk. 17.00—18.00, Gerste, Franken, Pfälzer, Nied Ml. 17.00—1^.00, Hafer Alk. 17.50—18.75, Atais Alk. 15.50 bi§ 15.75, Weizenmehl 0 Wik. 32.50—32.75, Weizenmehl I Mk. 30.50—30.75, Weizenmehl III Mk. 27.25—27.5Roggenmehl 0 Mk. 27.75—28.00, Noqgenmehl 0/1 Mk. 26.50—26.75, Noggenwehl I Alk. 00.00—00.00, Weizenkleie Alk. 10.60-11.80, Weizenschalen Mk. 1100-11.15, Roggenkleie Mk. 11.25-11.50, Malzteiine Mk. 13.00—11.25, Biertreber 11.00—14.26, Raps Mk. 00.00— 00.00. Alles per 100 Kg. ab hier.
Geschäftliches.
* Butzbach, 15. April. Unsere einheimische Industrie ist in einem erfreulichen Aufschwung begriffen. Die bekannte - Butzbacher Maschineubauanstalt Anton Volk lieferte dieser Tage Torpedo-Drillmaschinen nach Dänemark, ein Zeichen, daß es die Firma verstanden hat, in der kurzen Zett ihres Bestehens in der landwirtschaftlichen Maschineniudnstrie mit au der Spitze zu marschieren und eine führende Stellung cinzunehmen.
Bayern und die veredelten Matnknlarbeiträqe.
Die „Bayerische Staatszeitung" beschäftigt sich in einem Rückblick auf die erste Lesung der Wehr- und Deckungs- Vorlage auch mit den veredelten Matrtkularbertrügen und b entertt dazu:
Hie bayerische Regierung hat der Buudesrcttsvorlage am Grund reiflicher Erwägungen schließlich zugesttmmt. Tie Erwägungen sind begründet in der pflichtgemäßen^ Sorge der Regierung auf die Wahrung der bundesstaatltchen Fmaiizlwhett bedacht zu fein. Legt man den Maßstab smes unbemugcueu Vergleichs an, so ergibt sich, daß die. veredelten, Matttkularbet- träqe sich unter den Vchitzsteuervorschlagen, dte tue gliedstaatliche Finanz Hoheit wahren loollcn, in Ehren behaupten können. Es fällt schwer, an zu nehm en, daß dte Steuerzahler der Glndstaaieii diese sic treffende Last weniger drückend empfinden, ivcun ite ihnen durch eine Reichssteuer auferlegt imrö, als wenn dies durch Vermittlung der heimatttcheu Gesetzgebung geichtem. Die Lagerst die, sich den besonderen wirtschaftlichen Bedürfnissen der Ginxelflaateit anzupassen. Das sind immerhin beachtenswerte Acomente, die zugunsten der veredelten Matrikularbctträgc it?rcd?en. Die einmütige Opfe-rWilligkeit, die die bürgerlichen Parteien gegen über der gewaltigen Last bekunden, laßt hoffen, daß äuch dte Schwierigkeitett, die die Ermittelung Jahresbeitrages der Besitzenden zu bieten scheint, feine unlöslichen bleiben.
Preußisches Abgeordnetenhaus. r Berlin, 15. April.
Im Hause machte sich heute unverkennbar Wahlkampf-Stimmung bemerkbar, und lebhaft platzten die Meinungen'auseinander. Den Reigen der Redner eröffnete der Abg. L lp V ma n n l Volksp.), ^ scharfe Kritik übte an der Regierung .zu spate Einberufung des £ E i'iim ., verschiedenen Praktiken des -Hauses, der prell bttchen Bol lil und vor allem an dem prcußiichen Wahlrecht, kime Krtttt die dau.t der Abg, Le inert (Soz.) dermaßen veraröbmte'daß er, und zwar, weil er den Kaiser tu unzulässiger die Debatte zog, zweimal zur Ordnung gerufen werden SSfte 5Di Än », die darauf der Minister, des Innern Ä allwitz gegen die Partei des Herrn Seinert sand, und die 1 X S mit ber er das polizeiliche Borgern gegen den f nti Airnniieu Eornpere-Morel billigte, waren am Platze
rak^l &ul älnfe mit lautem Beifall ausgenommen. Namens und nmrden vom-Hause m t ca^em , 5riebbcrg (Rtl.)
'?nnl hip Ausjchju'g des ^Ministers in dem Magdeburger ST im ©egenfaesu ihn, di- »eiorm M 2.“nZ?nach wie vor lür eine der dringendsten preußisckien Staates. Der Redner gibt weiterhin
Ailfgaben des b ' > mancherlei Anhaltspunkte dafür der Meinung Ausdruck, oa^^ ftaaHid)C Per-
vorhanden feien, daß an ahleu gewisse Parteien
Tr Friedberg wies ferner der Sozialdemo- begunstigeii imr • Verhetzung, die sie treibe, sich ledig- sich mach-, -in- Ansicht, ber
Aus den Ueichstagsausschiisien.
:: Berlin, 15. April.
Ter Fall „Senden" und die Duellfrage im Budgetausfchnß.
Ter Budgetausschuß setzte heute die Beratung d es M ili- tärvoranschlags fort. Zunächst gab der Kriegs Minister v o n Heeriugen nockTmals Aufklärung über den. „Fall" des kaiserlichen Flügeladjutauten Frhrn. v. Sende u. Ter Kriegsminister erklärte, der ganze Zwischenfall habe sich in einem stark überfüllten Zugabteil abgespielt. Ter Ausdruck „Schweine r c i", den der Flügeladjutciut gebraucht habe, habe sich nidyt auf b i c Mitreisenden bezogen, sondern auf das große Durcheinander, das durch die Verkehrsstockung auf der Bahn entstanden sei. Diesen Tatbestand hätten zwei Gerichte festgestellt. Eine Beleidigung des Charlottenburger Kaufmanns Sternberg liege nicht vor.
Dann wandte man sich wieder den Einzelheiten des Militär- Voranschlags zu. Bei dem Titel, der sich au f d i e Militär- bevollmächtigten bei d e ii auswärtigen Botschaften und Gesandtschaften besieht, lagen zwei sozialdemokratische Anträge vor, die den Militärbevollinächtigten in Petersbur g und den Milttärattachee in M ü n ch e u streichen wollten. Ter Kriegsminister v. Heeriugen und der baverische Generalmajor Wenninger wiesen in vertraulichen Aussührungen auf die Bedeutung dieser beiden Stellen hin und baten dringend um Ablehnung der Anträge. Auch Generalleutnant Wandel betonte, daß diese Stellen große politische und auch militärische Bedeutung haben. Beide Anträge wurden dann gegen die Stimmen der 'Di- trag stell er abgelehnt, nachdem sich auch ein Vertreter der Narionalliberaleu entschieden dagegen ausgesprochen hatte.
Tarauf kam die Du el l fr a g ö zur Verhandlung. Dazu lagen vom Zentrum zwei Anträge vor. Ein Antrag ersuchte den Reickskanzler, dahin zu wirken, daß gegen Mitgl i e d e r militärischer Ehrengerichte, welch? von einem Ofsizier oder Sanitätsoffizier den Zweikampf, die Herausforderung zum Zweikampf oder die Annahme dieser Herausforderung ver langen, nach dm allgemeinen Bestimmungen des Strafgesetzbuches d i e Strafverfolgung dnrchgesi'ihrt wird.
Ferner beantragte das Zentrum die Annah ni^e eines Gesetzentwu r f s betreffend die Abänderung des Strafgesetzbuches. Tiefer Gesetzentwurf enthält nur einen einzigen Artikel und will hinter den § 208 des Strafgesetzbuches folgenden §208a eiusckMlteu:
„Hat der Täfer in den Fällen der §S 205 und 208 den Zweikampf durch Ehebruch mit der Ehefrau des Gegners oder durch Verführung seiner Tochter oder Schwester, ober durch schwere Beleidigung verschuldet, so ist an Stelle der Festungshaft auf Gefängnisstrafe von gleicher Tauer und auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte zu erkennen."
Abg. Gröber (Str.) begründete die Anträge und verwies auf seine prinzipiellen Ausführungen, die er bereits in der vorigen Woche im Budgetausschuß gemacht habe. Damals habe man die Beratungen abgebrochen, um die Trucklegung der Erklärungen, die der Kriegsminister zur Tuellfrage gegeben habe, abziiwartcn. Sie liegen nun vor. und es geht aus ihnen hervor, daß keine Besserung der Verhältnisse zu erwarten ist, wenn der Reichstag nicht energisch eingreist und nicht dafür sorgt, daß die Gebote Gottes und des Staates besolgt werden. Ein sozialdemokratischer Redner hielt die Anträge des Zentrums für noch nicht weitgehend genug. Ehrenhändel sollen nicht nur eingeschränkt, sondern überhaupt verhindert werden. Seine Partei werde daher deni ersten Antrag, der sich gegen die Mitglieder der Ehrengerichte wendet, zustimmen, nicht aber dem zweiten. Der Begriff der „schweren Beleidigung" ist zu unbestimmt. Tie Frage der schärferen Bestrafung der genannten Delikte kann nicht mit dem Militärstrafgesetzbuch verbunden werden. Durchaus falsch sei es, einen Offizier zuM Austritt aus dem Heer zu veranlassen, der aus sittlichen oder religiösen Gründen ein Duell ablelmt. Ein Fortschrittler wünschte, daß die Anträge des Zentrums zurückgestellt werden, da sie nur bie Erledigung de s Voranschlags aufhalteu. Tie Anträge selbst seien für ihn unannehmbar, so sehr auch eine noch energischere Einsckwänluug dm Zwei kämpf' zu wünschen sei. Ein nationalliberaler Redner stellte sich auf denselben Standpunkt und verlangte endlich zwingende Besti M mungen zur A bschafsung der E hren h ä nde l. Mit den Anträgen des Zentrums werde praktisch nichts erreicht. Vor allem ist schnellere Erledigung .der gerichtlichien Verfolgung zu wünschen.
Der Kriegsminister wies darauf bin, daß die Frage so verwickelt sei, daß so verallgemeinernde Bestimmungen, wie die Anträge des Zentrums sie enthalten, nicht möglich sind. Die bestehenden Bestimmungen sind durchaus klar. D i e vermittelnde T ätigkeit der Ehrengerichte ist festgelegt. Die Entschlüsse der einzelnen Personen sind aber nicht immer zu beeinflussen. Widersprechen sie den Bestimmungen, so werden sie auch geahndet.
Ein Sozialdemokrat verlangt, daß bei der Frage der Qualisizirnung zum Offizier die Stellung zum Duell völlig auszufckwiden habe. Das Duell kamt wirksam nur bekämpft wer den, wenn es unter das allgemeine bürgerliche G e - setz gestellt wird, und wenn alle Sonderbestimmungen wegfallen. Von Zeutrumsseite wird der Verlust der bürgerlickxm Elrrenrechte als die Hauptsache bezeichnet damit eben ein solcher Mann nicht Offizier bleiben kann. Die Sozialdemokraten beantragen eine Abänderung deS ersten Zentrumsantrags. In diesem ist von den Mitgliedern militärischer Ehrengerichte die Rede, die von einem Offizier den Zweikampf „verlangen". Die Sozialdemokraten beantragen, das Wort ,.verlangen" zu ersetzen durch: „berbeizuffilweu suchen". Den die Elwengerichte verlangen ja niemals das Duell, aber durch den Verzicht auf gittliclre Bei wgung würde es tatsächlich doch berbeigeführt. Sie beantragen ferner die Streichung der 201 bis 210 des Strafgesetzbuches, die vom Zweikampf handeln. Ein F o r t s ch r i t t l e r begründet die ablehnende Stellung seiner Fraktion mit dem Hinweis auf die Konseauenzcn für andere Stände als den Ofsizierstand. Na mentlieh der zweite Antrag des Zentrums enthält eine unerträgliche Verschärfung des Strafgesetzes. Ein Zeutrnmsred - u e r lehnt die Streichung der ganzen Duellparagrapheu ab, da bann ein unblutiger Zweikampf straflos bliebe.
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Freikarten für Nkichstagsabgeordnele.
Vor Turpem hat ber Reichstag fast einstimmig eine Entschließung nngenckmmen, bie einen Gesetzentwurf verlangt, bnrch den bie Gültigkeit der Freifahrkarten für bie Reichs- tagsabgeorbneten auf die Taner der ganzen Legislaturperiode ausgedehnt wirb. Bisher sind die Frei fahrt arten nur für die Dauer ber Session gültig, b. h. für bie Zeit, wo ber Reichstag nicht geschlossen, sondern nur vertagt ist
Man kann ja, so schreibt die „Deutsche Tagesztg.', in ber Frage verschiedener Meinung sein, ob es zweckmäßig und geboten sei, überhaupt den Reichstagsabgeordneten Freifahrkarten für sämtliche deutsche Bahnen zu gewähren. Früher würben solche Frei fahr karten nur für bie Strecke vom Wohnorte - des Abgeordneten bis nach Berlin gewährt. Zur Begrünbnkig ber Ausdehnung für das ganze Deutsche Reich führte man an, daß die Reichstagsabgeordneten Gelegenheit haben müßten, sich im Deutschen Reiche durch- eigene Au gen fchein na hm e über die besonderen Verhältnisse zu unterrichten. Das läßt sich hören, und deswegen ent schloß man sich Benn auch, die Freifahrkarten für sämtliche deutsche Eisenoahnen zu gewähren. Wenn aber diese Begründung richtig ist, dann muß man solgerichtigerweise die Gültigkeit der Freifahrkarten auf die ganze Legislaturperiode ausdehnen. Denn während der Reichstag versammelt ist, soll bei- Mgeordnete sich in Berlin aufhalten. Er hat dann keine Zeit, fich im Deutschen Reiche über irgendwelche Verhältusise persönlich zu unterrichten. Diese Zeit hat er erst bann, wenn der Reichstag nicht mehr tagt. Wer also Frei fahr karten für das ganze Deutsche Reich will, muß sie auch für die ganze Legislaturperiode wollen. Deshalb- verstehen wir nicht, weshalb ber Bundesrat sich bisher gegen bie Ausdehnung ablehnend verhalten hat. Neuerdings verlautet, so erklärt das Blatt, daß ers ein en ablehnenden Standpunkt verlassen hab e, und daß dem Reichstage der von ihm f a ft einstim - mig verlangte Gesetzentwurf noch vor P f in g- sten werde vorgelegt werden.
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Die Beschlösse des rheinischen nationalliberalen Frauentags.
Der erste rheinische Frauentag der Nationalliberalen Partei in Köln hat nach Vorträgen von Frau Bass ermann über „Die Farn in der Politik und Fran Falk über Organisationsfragen, sowie nach einer eingehenden Aussprache eine Entschließung angenommen, die, nach der „Natl. Korrespondenz", als eine Art Programm der 'Frauenpolitik im Rahmen der Nationalliberalen Partei angesehen werden kann. Die Entschließung lautet:
„Die in Köln versammelten rheinischen nationalliberalen Frauen richten an die Nationalliberale Partei das Ersuchen, bie nachstehenben Punkte in Verbinbung und Ergänzung der Richtlinien Dom Februar 1911 zu Forberungen der Partei zu machen:
1. Gewährung bes aktiven und passiven Wahlrechts an die im Erwerbsleben stehenden Frauen zu den Berufsvertretun- gen (z. B. Handelskammer, Kaufmannsgerichte, Angestelltenversicherung) ;
2. Zulassung von Frauen als stimmberechtigte Mitglieder zu städtischen Kommissionen und Deputationen: ihre Verwendung im Dienst der Wohnungsinspektion, der Poli- z e i und der Schulgesundheitspflege:
3. Recht der Fran, auf dem Gebiet der Rheinischen Land- gemeindeordnung ihr Wahlrecht selbständig auszuübcn:
4. Zulassung der Frauen als Schöffen bei den Jugendgerichten:
5. Zulassung des genrei nscrm en Unterrichts für Knaben und Mädchen in den Orten, in denen die Mädchen sonst keine Gelegenheit haben, sich zur Reifeprüfung vorzubereiten." Diese Grundsätze wurden auch von der öffentlichen Versammlung, die sich an den Vertretertag anschloß, gut-
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