Ausgabe 
2.12.1913 Erstes Blatt
 
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Fürsorge für die Arbeiterschaft dieselbe Förderung wie der Wohlfahrt der übrigen Erwerosstände zuteil wer den lassen. Ich vertraue, daß die christliche Arbeiterschaft an ihrem Teil dazu beitragen wird, den sozialen Frieden zu fördern und das wohlverdiente Ansehen der deutschen Arbei­ter in der Welt allezeit aufrecht zu erhalten.

Die konservative Fraktion im Reichstag hat eine Anfrage eingebracht betr. die großen praktischen Schwierigkeiten inbezug auf die Durchführung der Kran­kenversicherung in der Reichsversichcrungsordnung. insbesondere die ärztliche Versorgung der Landkrankenkasscn und die Versicherung der Dienstboten.

Au-ranv.

Diefranzösische Kammer stimmte mit 291 geg^n 270 Stimmen für die Anleihe von 1300 Millionen Franks, wegen deren die Regierung die Vertrauensfrage ge- steÜt hatte.

lieber eine Militärkonvention zwischen Rußland, Serbien, Bulgarien und Mon­tenegro berichtet die WienerNeue Freie Presse". Tie Konvention soll bereits im Februar 1912 geschlossen wor­den sein. Es handle sich um mehrere Militärkonventionen, die als eine Ergänzung des zwischen Serbien und Bulgarien bestehenden Bündnisvertrages anzusehcn waren. Die Mili­tärkonventionen hätten ein gemeinsames Vorgehen der ver­tragschließenden Teile zum Ziele und standen im Zusammen­hang mit den durch den serbisch-bulgarischen Bündnisver­trag vorgesehenen Konfliktssällen. Sie sollen sich in erster Linie gegen Oesterreich-Ungarn gerichtet haben. Rußland habe die Verpflichtung übernommen, alle bei dem russischen Generalstab einlaufenden militärischen Informationen Ser­bien, Bulgarien und Montenegro zur Kenntnis zu bringen und die Kriegsausrüftung der Verbündeten durch Sendungen von Kriegsmaterial und Zuwendung von Geldmitteln zu un­terstützen. Die Konventionen enthielten auch die Bestimmung, durch die den Kriegführenden im Konfliktsfall gegen die Türkei oder einen anderen Balkanstaat, womit Rumänien gemeint ist, der Rückenschutz gegen Oesterreich-Ungarn garan­tiert wurde.

Der Abrüstungsgedanke. Aus Washington wird gemeldet: Das Mitglied des Kongresses Grey brachte eine Gesetzesvorlage ein, die den Präsidenten ersucht, Delegationen der Parlamente allerNa- t i o n e n zu einer internationalen Konferenz in Washington für den nächsten Herbst einzuladen. Der Zweck der Konferenz soll sein, eine Einigung hinsichtlich des Planes einer A b - rüstung und der sofortigen Einstellung des Kriegsschiff­baues herbeizuführen.

Aus Stadt und Land.

Gießen, 2* Dezember 1913.

Die Maul- und Klauenseuche.

Wie gemeldet, ist die Geißel der Landwirte, die Maul- '.nd Klauenseuche, nun auch in O ber Hessen eingedrungen. Nachdem sie in Berlin festgestellt worden war, hat sie ein Berliner Händler mit Kühen nach Hel'denbergen im Kreise Friedberg verschleppt.

Der erste Ausbruch der Maut- und Klauenseuche trat vor kurzem im Kreise Oppeln bei Myslowitz unmittelbar an der russischen Grenze auf, wo ein starker Personenverkehr aus Rußland und eine lebhafte Einfuhr russischer Gänse stattfindet. Weitere Fälle wurden in den westpreußischen Kreisen Briesen, Thorn, Straßburg und Kulm, und zwar in jedem Kreise je ein Fall, festgestellt. Außerdem trat ein Seuchenfall int Kreise Neidenburg in Ostpreußen auf. Bei dieser Seucheneinschleppung aus Rußland, wo die Grenz­gebiete zurzeit in hohem Maße verseucht sind, besteht er­fahrungsgemäß die größte Gefahr für die Provinz Posen, wo stets einige Wochen nach den ersten Fällen in Schlesien und Westpreußen eine starke Verseuchung eintrat, die von da rapid weiterging.

Es sind infolgedessen dort umfassende Maßnahmen getroffen, um der Ausbreitung der Seuche zu begegnen. In erster Linie sind unter Aufwendung erheblicher Mittel Ab- schlachtungen vorgenommen worden. Außerdem sind der ganzen Grenze entlang in einem Streifen von 10 Kilometer Breite die Ortschaften yi Beobachtungsgebieten zu- sammenbelebt, aus denen eine Entfernung von Tieren nur mit polizeilicher Genehmigung gestattet ist. Alle Absper­rungsmaßregeln werden mit größter Strenge durchgeführt.

Zu Beginn dieses Monats, also vor Feststellung der neuen Einschleppungen, waren im Deutschen Reiche ins­gesamt 175 Gehöfte von der Maul- und Klauenseuche be­fallen, davon in Baden im Bezirk Konstanz 141, in Bayern im Kreise Schwaben 13, in Preußen in den Regierungs­bezirken Breslau 11 und Oppeln 6 Gehöfte.

Im eigenen Interesse der Landwirtschaft liegt es daher, die vorgeschriebenen Anzeigen genau zu erstatten. Beim Vorkommen irgendwelcher verdächtiger Erscheinungen sollen die Landwirte vor allem sogleich tierärztlichen Rat einholen und bei Feststellung der Anzeigepflicht nachkommen sowie die behördlichen Maßnahmen eingehend unterstützeii.

H-

* * Tageskalender für Dienstag, 2. Dez. Stadt» t Heater:Jugend". Anfang 8 Uhr.

*

* * Hessen im preußischen Staatsverband.

Shaws neue KomödiePygmalio n", die am nächsten Frei-

mit Antithesen, sondern mit Menschen."

** Zum Fall Nies wird uns geschrieben: Nr. 282 Ihrer geschätzten Zeitung bringt einen Artikel, wie Sie an--- geben, aus authentischer Quelle, wozu ich Ihnen noch fob» gendes mitteilen will: Der Fall Lollar hat eine ganz be­sondere Art. Es ist gewiß noch nicht häufig vorgetommen, daß aus einer Aktiengesellschaft eine Genossenschaft m. u. H. entstanden ist. Diese Umwandlung ist wohl erfolgt, um das

tag, etwa 4 Wochen nach der Wiener Uraufführung, hier zum crstenma! gegeben wird, erweist sich überall, wo sie in den letzten Wochen hetcinskam, also in Wien, Berlin, Frankfurt, München, als Eifolgstück erilcit Ranges. So schreibt ein Berliner Blatt von der dortigen Premiere:Diese Komödie wird überall Glück machen wie sie gestern dem Barnowskvscheu Lessingtheatcr den ersten runden Erfolg einbrachte. Sie ist geistreich genug, nnr den Verwöhnteren, der Theaterkonvention nahe genug, um der Menge, und lustig genug, um allen zu gefallen. Sie bezieht ihren Witz nicht, wie oft bei Shaw, allein aus der Dialektik, sondern aus Eharakteren und Situationen. Sie wirtschaftet nicht

Die Lisenerzlagerstaiten Gberhessenr.

5C Düsseldorf, 30. November.

In der HerbstversamMlung desVereins Deutscher Eisenhüttenleute", der die gesamte Eisenindustrie Deutsch­lands umfaßt, sprach heute Bergrat bri ch von Darmstadt über die Eiseuerstagerstätten in Oberliessen, ihre heutigen Aufschlüsse und ihre nifünriige Bedeutung, indem er an .Hand mehrerer Tabellen und Karten die Vorkommen in bergtechnischer und volkswirtschaft­licher Beziehung eingehend würdigte.

Das Großherzogtum Hessen, das in der Äteihe der deutschen Bundesstaaten nach Größe und Bevölkerung etwa die siebente Stelle einnimMt, steht mit seiner E i s e n e r z f ö r d e - tung an dritter Stelle, selten an vierter Stelle. Die Jahres- forderung von rund 400 000 Tonnen stellt der Menge nach etwa .lV-o/o der gesamten deutschen Eisenerzgcwinnung dar, dem Werte .nach etwa S1/»0/»- Dieser Wert beträgt etwa 3,9 Millionen Mark und aus ihm resultiert, daß es sich um hochhaltige gute Erze han­delt. Hessen fördert mehr Erze, als das Lahn- und Dillgebiet in cwn Bezirken Wetzlar, Weilburg, Dillenburg, und diese Förderung stammt fast ausschließlich aus der Provinz Ob er Hessen, -da die manganhaltigen Zechsteinerze des Odenwaldes und die ebenso Manganreichen tertiären Vohnerze Rheühessens gegenwärtig nicht ?cmonucn werden. Unter den zahlreichen alten und neuen Eiseuerz- ctrieben stehcu nur ganz wenige in Förderung, während die meisten stilliegen. Tas bedeutendste zurzeit im Betrieb befindliche Bergwerk ^ud dieBrauneisensteinbergwerke vorm. Fernie/' <n Gtetzen, zugleich auch einer der ältesten Betriebe. Von den im ganzen etwa 100 älteren und neueren Betrieben sind zu er­wähnen: Ober-Rosbach, Gewerkschaft Luise mit Sitz in Essen und Gewerkschaft Luse und Ilsdorf, deren Berechtsaine in den .Kreisen Alsfeld, Schotten, Lauterbach, Büdingen und Friedberg Legen Da eine eigene Hüttenindustrie in Oberhessen nicht mehr besteht Me Hutten in Hirzenhain, Lollar, Gießen sind schon seit längerer Zeit eiugegangen so müssen d e geroomtenen Erze zu den Ver- ardettungsstältcn versrachtet werden. Der Absatz geht größtenteils über..Wedlar lahnabwärts ins Siegerland und nach den rheinisch^ westsaliichen Hütten: aus dem nördlichen Teil der Provftn Omr- heßen über Hersfeld nach Mittel- und Ostdeutschland tOberi'ck.leüen, aus dem südlichen Teil auch über Frankfurt-Mainhafen'rhcin- aowarts.

Sic oberhessischen Erze lassen sich in zwei große Gruppen teilen, nämlich in wiche der D e v v n f o r m a t i o n und in alt ei, en steine. Die ersteren sind entweder mangam rcia)c Enenerze auf devonischen Kalken oder manganhaltwe bis manganarme Elienerze an und in devonischen Schiefern Die Vorkommen ,md alle in festen Händen und seit etwa 50 bis Gegenstand der Gewinnung. Der Vorrat an Erzen bei den Vorkommen ist so groß, daß ihre Fortexistenz bis au ^iere gesichert ist Allerdings sind Ueberraschungen durch etwaiges ckufslndcn völlig neuer Vorkommen auch nicht wahrschein- sächlich"ÄL'W-'kter-u iinbcn

Anders steht es mit der zweiten Gruppe der oberhessischen Eisenerze, den B a s a l t e i s e n st e i n e n des V o ge l s b e r - n dort sehr häufig austretenden StÜckerze

m kleinen ^chachtchcu reicht zwar in eine etwa tausendjährige un£J*at sich aus der geringen Höhe de-'. Be­darfs örtlicher kleiner Sclnnelzstätten bis ins 19 Jahrhundert mafscichasj^ Wasche^ mV Entsteht größer^ Anlag7n mög' würdig und. Damit erhöht sich bei der großen Srb^hmn rcüiÄT^ im V°gklsberg blc rukünftige Bedeutung des ^Ewz-

dcr landwirt- dem Saturn und begingen zu seinen Ehren am IT'bic' 3atitrnalien

1 1 Die Deutschen der früheren Jahrhunderte kannten den D^ember

Von den in Frankfurt lebenden hessischen Staatsange­hörigen ließen sich im letzten Jahr 1618 Personen in den preußischen Staatsverband anfnehmen, gegen 761 im Jahre 1911. Die ungewöhnlich hohe Zahl der Naturalisationen im Jahr 1912 ist aus die preußischen Landtagswahlen zurück- zuführen. Die Gesamtzahl der 1912 hier vollzogenen Na­turalisationen beträgt 5208; 1911 waren es nur 2400 Per­sonen.

*' Bürgermeisterversammlung in Gießen. Morgen, Dienstag, morgens IO1/, Uhr, findet in Steins Garten die diesjährige Bürgermeistecverfammlung statt. Nach der Tagesordnung ist zunächst eine Besprechung über die neue Krankenversicherung, darauf hält Kreisschulinspektor Professor Dr. Alles einen Vortrag über die Aufgaben der Gemeindeoermaltling in der Jugendvflege. Mit einigen Mit­teilungen findet die Versammlung ihr Ende.

** Uebcrtritt von Schülern der höheren Bürgerschulen in höhere Lehran st alten. Das Großh. Ministerium des Innern, Abt. f. Schulan- gelegcnheiten, erläßt an die Direktionen der Gymnasien, Re­algymnasien, Oberrcalschulen, Realschulen und die Leiter der höheren Bürgerschulen folgendes Rundschreiben: Nach den Erfahrungen der letzten Jahre erscheint es gerechtfertigt, in Abänderung der zurzeit geltenden Bestimmungen in Zu­kunft die Schüler aller höheren Bürgerschulen beim Ueocr- gaug in eine andere ihrer Vorbildung entsprechende höhere Lehranstalt ohnePrüfung aufzunehmen. Wenn wir auch überzeugt sind, daß die Leiter der höheren Bürgerschulen aus dieser Erweiterung der Berechtigungen keinen Anlaß ableiten werden, in ihren Anforderungen herunterzugehen, sondern wie bisher, so auch in Zukunft, mit Erfolg bemüht sein werden, die Leistungen ihrer Schulen im Einklang zu halten, mit den an den anderen höheren Lehranstalten des Landes gestellten Anforderungen, so wollen wir die Maß­nahme zunächst doch nur versuchsweise treffen. Wir bestim­men dementsprechend, daß die Direktionen der höheren Lehr­anstalten bis auf weiteres, alljährlich zum 1. Oktober, zu­nächst erstmalig 1914 berichten, welche Erfahrungen sie mit den aus den höheren Bürgerschulen stammenden und zu Be­ginn des Schuljahres cingetrctcnen Schülern gemacht haben.

** Stadtthcater. Tie Direktion schreibt uns: Bernard

Nachteilig ist für die Vogelsbergerze allerdings istre p n t lernte La Verh ü tt u n gsgebieten r

md bei der. erdrückenden Konkurrenz der billigeren und Übndfts billiger hmnerten Mmetten des lothringisch luxemburgischen Er; revlers. ^aS oberhcmichc Erzrevier strebt dei-balb seit Jahren ebenw wie die Nachbarreviere an der Latin und Till nach be­sonderen Fracht ermäßig una en, damit ihm die Möglich kext eröffnet wird, auch ^in Rheinland-Westfalen zu lohnenden Prclien Absatz zu nnden. Sobald diese Bestrebungen Erfolg haben ist aus eine Erhöhung der Förderziffcrn des Vogelsberos mcnr auch nicht um cm Vielfaches, so doch immerhin uni ein Mel.r

Unternehmen sicher zu stellen, das das Kreditbedürfnis der Aktiengesellschaft befriebigt lstrtte. In der ordentlichen Ge­neralversammlung der Genossensck>ast am 14. Sept. d. I. wurde von Herrn Dr. Gottschemme in seinem Vortrag über die Verluste der Genossenschaft wörtlich etwa gesagt, daß die letzte Bilanz der Gewerbebank, A.-G., subjektiv und objektiv unrichtig aufgestellt war. Nach dem wirklichen Stand ihres Vermögens mußte die Llltiengesellschaft damal-s den Kon- lurs anmelden. Weiter teile ich Ihnen mit, daß auch be- 'ugUch der Kräfte, welche bei der Umwandlung der Aktien- gesellschaft in eine Genossenschaft m. u. H. mitgewirkt haben, über deren Regreßpslicht bereits verhandelt worden ist.

Dezember. Weihnachtsglockcnklänge durchziehen den ber ies^n Me-«^-Ä«H,7 ÄSTäÄ,

LZMMW. MEHHSB6S.-teasäSSJiS

schastlichen Benutzung entzieht.

als Julmond und Cbristnronat. Der große Karl taufte ihn ,,Heik- manoth", wegen der in seine Tage fallenden Geburt des Erlösers. Der Dezember steckt voll Wetterregeln. Da heißt cs: -Irn De­zember Schnee und Frost Das verheißt viel Korn und Most," oderTe-eniber mild mit Regen Bringt uns wenig Segen." Mit der WeihnachtsMt stehen sehr viele Regeln in Verbindung. So sagt der Volksmund:Grüne Weihnachten weiße Ostern," undWeihnachten im Klee Ostern im Schnee" oderWenn in der Christnacht der Wein rumort im Faß Ein gutes Weinjahr bringt uns das," fernerWenn die ChrisMackt hell und klar Folgt ein höchst gesegnet Jahr." Die Reihe der Sinnsprüche ließe, sich noch lange sortsetzen; kein anderer Monat ist so reich daran.

* * I n der G e N ü g e l a u s ü e l l u iiji , die der Vogelzucht- verein für Gießen und Umgegend 1897 am Samstag und Sonntag im Kelsenkeller abhielt, erhielt R. Radetzkn-Lich neben dem er­wähnten 3. Preise auch noch einen Ehrenpreis und 3. Preis.

Landkreis Gießen.

= Rodheim a. d. Horloff, 1. Dez. Wie man uns schreibt, hat die W a ss e r z i ns b er e ch nu n g der modernen Wasser­leitung mit Motorbetricb für 37 000 Mark bei den Minderbemfttcl- ten des Torfes große Aufregung hervorgerufen.

Kreis Büdingen.

i. Stockheim, 1. Dez. Hier wurde ein Kursus für Säuglingspflege abgehalten, an dem 104 Frauen und Mädchen crus der Gemeinde und Um gegen b teilnahmen. Den theoretischen Unterricht erteilte eine Wanderl^hrerin, bie praktischen Unterweisungen gab eine Krankenschwester.

i. Eckartshausen, 1. Dez. Psarrer Papst feierte biefer Tage als Geistlicher des Kirchspiels sein 25 jähriges Dienstjubiläum. Verschiedene Ehrungen durch die Gemeinden und Vereine wurden dem Jubilar zuteil.

Kreis Friedberg.

L. Friedberg, 1. Dez. Die Metzger haben jetzt die Wurst um 6 bis 8 Pfennige abgeschlagen. Ein Posten wurde gestern abend von einem jungen Burschen belästigt. Er wurde der Polizei übergeben. Der Patron von Ockstadt, ein Förderer des Kirchen- baus, Freiherr von Frankenstein, ist im Alter von 55 Jahren geft orben.

Starkenburg und Rheinhessen.

F. C. Darmstadt, 1. Dez. Der Direktor der Süd­deutschen Eisenbahn-Gesellschaft und Mitglied des Vorstandes seit Bestehen der Gesellschaft, Geh. Baurat August Rötel­mann, ist am Sonntag abend in Darmstadt gestorben.

F. Mainz, 1. Dez. Die Vereinigung hessischer mittlerer Zollbeamten hielt am Sonntag in Frankfurt a. M. unter Leitung ihres 1. Vorsitzenden, des Ober-Steuerkon­trolleurs Dörr aus Mainz, eine gut besuchte Versammlung ab, in der zunächst Rechnungsrat L e i ß l e r aus Darmstadt einen Vor­trag über Reichs st empelfragen hielt. Daraus wählte die Versammlung einstimmig den 1. Vorsitzenden, Obcr-Steucrkontrol- leur Dörr-Mainz, als Mitglied in den Geschäftsausschuß des Bundes Deutscher Zoll- und Steuerbeamten und überließ dem Vor­stand die Bestimmung der weiteren stimmberechtigten Vertreter bei der Bundesversammlung. Daran schloß sich eine Aussprache über die dem Lanotage vorliegende B e s o l d u n g s r e f o r m , bei der allgemein anerkannt wurde, oaß die Wücksche der Zollbeamten wohl mehr als bisher Berücksichtigung gefunden haben, oaß aber noch eine Reihe von Stellen in der Zollverwaltung auf bessere Bewer­tung Anspruch erheben müßten. Zum Schlüsse regte der Versamm­lungsleiter an, durch geeignete Beamte in den bestehenden Orts­gruppen Vorträge über wichtige Einrichtungen und Neuerungen aus den verschiedenen Gebieten des Zollwesens, über die haupt­sächlichsten Bestimmungen der Dienstvorschriften und andere, die Tätigkeit des Zollbeamten berührenden Angelegenheiten abzuhalten.

£ i Hessen-Nassau. >

D Marburg, 1. Dez. Mitglieder einer studen­tischen Korporation, die gestern während des Gottes­dienstes in Hemdärmeln und mit Lampions auf der Straße unterliefen, verursachten auf dem Marktplatz einen großen Menschenauflauf. Die Polizei schritt gegen die Stu­denten ein.

f] Fronhausen, 1. Dez. Auf der sog. Nehebrüicke rannte gestern ein Automobil so gegen das Brückengeländer, daß ein Teil des Geländers mitsamt der dort angebrachten Jnschriftentafel in die Lahn fiel. Das Automobil' konnte noch rechtzeitig zum Stehen gebracht werden.

ch. Weilburg a. d. Lahn, 1. Dez. Tas Elektrizitäts­werk hat ftcb in seinem einen Belriebsjahre ganz außerordentftch schnell entivickelt. Tie .stahl der ^lnschließer ist nahezu auf 700 ge­stiegen. Nur wenige Wohunugeu entbehren noch des elektrischen Lichtes. Eine kürzliche Zählung ergab, daß nahezu 5500 Lampen angeschlossen sind. Dies ist um so bemerkenswerter, als in Weil­burg auch ein Gaswerk von einer Akliengesellschast betrieben wird. An Stelle der früheren Straßenbeleuchtimg durch Gas ift durchweg die elektrische getreten. Auch der Bahnhof wird demnächst an bie städtische Cleltiizitatsanlage augeschlosseu.

Ii. Schneidhain i. T., 1. Tez. Ein vielseitiger Posten ist von der Gemeinde ausgeschrieben ivordeu. Ter Mann muß seiu Nachtwächter, Wegewärter, Feldhüter, Polizei- dieuer und Rohrmeister. Tas Gehalt beträgt 1000 Mk. aufs Jahr.

h. Gel« Haus eu, 1. Tez. In MauSwinkel würbe ber Laubwirt Röber von einem wüteube« Stier schwer ver­letzt; er mußte bem Hauauer Krankenhaus zugeführt werben.

F. C. Hanau, 1. Dez. In Partenstein kam da§ vierjährige Töchterchen des Gast- und Landwirts Br eiten- ba ch dem Herdfeuer so nahe, baß seine Kleiber Feuer fingen nnb das Kind derartig schwere Verletzungen erhielt, daß eS unter schrecklichen Qualen starb.

Wiesbaden, 1. Dez. Auf der Erbenheimer Chausiee überschlug sich heute vormittag ein in voller Fahrt befindlicher Probewagen der Frankfurter Adler werke, welcher vor einem Wagen ausweichen wollte. Der Führer des Automobils, der 23 Jahre alte Chauffeur Wilhelm Bernhard aus Frankfurt a. M., kam unter den Wagen zv fieqeu und wurde schwer verletzt in das St. Josefs, yospital iibergefiihrt.

Scbwitrcxcricbf.

th Gießen, 2. Dez .

Gestern vormittag eröffnete als Vorsitzender Landgeriwts- Ä 2,n F 4- Tagung des Schwurt er ickfts für die Provinz Obeihcisen. Verhandelt wurde gegen bie 38 Jahre alte, in Werda Ä?. 1geborene Elisabeth Wämser, Ehefrau des Schm-idors .Wämser aus Gießen «regen vollendeter Verbrechen aus § 218 dos Sti.-G-B. Tie Anllage vertrat 'Staatsannxilt Tr «m - pert. Die Verteidigung führte Rechtsanwalt Justizrat K a tz. Es warnt 3 Zeugen, Tr. Fclgncr als Zeuge und Sachverständiger und Gehetmci Medizinalrat Dr. $) aber Tom als medizinischer Sach­verständiger zu hören.

Wegen Gefährdung der öffentlichett Sittlichkeit wurde die Oeffentltchkeit der Verhandlung bis zur Urtcilsvdrkünbung aus­geschlossen.

Tie Geschworenen bejahten nur einen Fall des vollendeten Verbrechens, wahrend sie den zweiten Fall nur als Beihilfe zunr Veriuch aus § 218 Str.-G.-B. ansahen.

Demgemäß erkannte ber Gerichtshof auf eine Zuchthaus­strafe von 2 Jahren unb 3- Monaten. Strafmildernd konnte nur das Geständnis ber Angeklagten berücksichtigt werden, d^n vom Verteidiger herangezogenen Milderungsgrund der Not­lage konnte der 6>erichtShos nicht als gegeben aniehn, ba trotz der parken Familie ber Wämser Eheleute, biefe sich hätten er­nähren können. Straferschwerenb war bie große Gemeingcsähr-