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18.1.1913 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt

M. 15

163. Zahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

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Hofdamen. Schon kokettiert die Mode aber wieder mit den weiten

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Nöcken, die fast 200 Jahre lang triumphiert haben und in Reif rock und Krinoline bis zum äußersten gegangen sind.

fr. D i e gefährlichen Hutnadeln. Bei uns dürfen die Damen, dank der polizeilichen Maßnahmen in vielen Städten, nicht mitungeschützten Hutnadeln" umhergcl-en. In einigen anderen Ländern ist man anscheinend noch nicht ganz so weit. Wenigstens berichtet ein Arzt in einem Londoner Blatte über eine ganze Reihe von Fällen, in denen er typischeHutnadelwunden" zu behandetn hatte. Unter feinenHutnadclpatienten" befand sich einer, der beim Besteigen eines Omnibusses durch eine Hut­nadel ein Auge vollständig zerstört wurde, ferner ein anderer, der sogar an.einer Hutnadel gestorben ist. Es handelte sich dabei nm eine nicht näher bezeichnete, wahrscheinlich aber an sich leichte Verletzung, die nur deswegen zum Tode führte, weil durch die Hut­nadel Schmutz in die Wunde gebracht worden war, und sich eine Blutvergiftung entwickelte. Dieser Londoner Arzt verwirft die langen Hutnadeln auch noch aus anderen Gründen, und diese gelten für Hutnadeln überhaupt: bei längerem Tragen, besonders

dem neuen Gesetz überhaupt keine Aenderungen mehr vorgenommen werden sollten. Die Sozialdemokraten stimmen deshalb den Expositionen der Regierung zu.

Das Ergebnis der .Abstimmung des Ausschusses war die Annahme der erwähnten Zentrnmsanträge.

Damit ist die Erörterung der Kalifrage im Ausschuß bis zu der angekündigten neuen Vorlage erledigt.

Der Leuchtöl Auslchntz des Reichstages

setzte heute die allgemeine Aussprache fort, ohne das Neues zu Tage kam. Die Regierung gab, wie in der vorigen Sitzung, vertrauliche Mitteilungen über die Verträge, zumeist ohne die Namen der Werke zu nennen. Das Z e n t r u m ^wünschte eine Erörterung darüber, ob nicht mit der Standard Oil Company ein Zünftiger Vertrag geschlossen werden könne. Man ging daraus einstweilen aber nicht ein. Auf An­fragen teilte die Regierung mit, daß die Ausdehnung auf Benzin und Treiböl zunächst nicht beabsichtigt sei. Es sprechen aller­dings manche Gesichtspunkte dafür, aber die in den Motiven zum Ausdruck gekommenen Bedenken seien doch überwiegend.

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------tj-t- »dsrsprmtAs liegen, braucht nicht zu stören. Die unsyrnrne- "irische Anordnung deutet auf den Zusammenhang mit dem . allen Bau der Oberrealschule hin. Der Zwischenbau zeigt | nach dem Schulhofe in der Bismarckstraße ein dem alten bau ähnliches Gesicht, dessen Wirkung man erst nach Fertig­

haberei für Holzperlen, die vor einigen Jahren geradezu gras­sierte, teilten die modernen Schönen mit den, braunen Squaws der Indianer, und indianisch war ja auch jene Hutinode der jüngsten Zeit, bei der die Krone des Hutes rund von steifen Federn um­stellt wurde.

Gegenwärtig scheinen die Pariser Modeschöpfer sogar wieder auf die wohlbekannte Gretchentracht zurückgreisen zu wollen, die in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts bereits eine Renaissance gefeiert hat, dann aber in den dunkelsten Winkel der Mode Ungnade verbannt wurde jetzt zeigen die allerletzten Entwürfe bereits wieder Anklänge an diesen Stil. Hackenschuhe, Schinkenärmel,Gänsebauch", Puffen, wohin man auch blickt, Motive der Vergangenheit. Und das Schlußergebnis? Man kann vielleicht lein einziges Motiv der heutigen Mode entdecken, das sich nicht tiereiig in früheren Zeiten nachweisen ließ, und dennoch ist das Ganze jmferer heutigen Frauentracht durchaus originell, und so, wie wir eine Florentinerin der Renaissance, eine Französin vom Hofe Ludwigs XIV., eine Zeitgenossin der Königin Luise an ihrer Tracht auf den ersten Blick kennen, so auch noch nach Jahrhunderten beim Anblicke des Konterfeis einer unserer liebenswürdigen und koketten Zeitgenossinnen wird der Beschauer alsbald ausrufen:20. Jahrhundert! Das En­semble macht die Originalität."

Samstag, 18. Januar 1913

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: 51.

$Rcbahion:e=ae*112. Tel.-Adr.: AnzeigerGteßen.

DieHiehener Zamilienblätter" werden dem »Anzeiger" viermal ivöcheullich beigelegt» das Kreisfclatt für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

gedacht sei. Bei Kapitel 42a, Jugendpflege, gab die Re­gierung die von dem Ausschuß geforderte Auskunft über die Ver­wendung des Geldes von 15 000 Mk. dahin, daß erst in einer Sitzung des Landesausschusses zur Förderung der Jugendpflege die Verteilung der Gelder stattfinden sollte. Bei Kapital 55, Hebamme nlehran st alt in Mainz, fand eine ein­gehende Aussprache über die Klagen der Mainzer Aerzte darüber statt, daß der Direktor der Hebammen-Lehranstalt auch andere als konsultative Praxis ausübe. Bei Kapitel 62, Jnvaliden- fürsorge, gab die Regierung eine historische Darlegung des Jn- valideusonds und erklärte sich bereit, wenn auch nicht im Budget, so doch außerhalb Erläuterungen zn geben, wie der Fonds" ver­wendet wird.

Fortsetzung der Verhandlungen am nächsten Dienstag. Es ist beabsichtigt, die Verhandlungen an diesem Tage zu Ende zu führen.

Aus den Reichstagsausschüssen.

:: Berlin, 17. Jan.

Tas Kali im Budgetausschuß.

21115 Heissen.

Aus dem Finanzausschuß.

(bs.) Darmstadt, 17. Jan.

Bei dem Kapitel 31, Gendarmerie, beanstandete ein Mitglied den militärischen Charakter und verlangte weiter in geeigneten Fällen Besetzung der Stationen mit einem Gendarmen. Die Re­gierung gibt darauf Antwort, daß die Besetzung mit zwei Gen barmen sich bewährt habe und nur die Orte Griesheim, Wimpfen und Lorsch mit einem Gendarmen besetzt seien. Bei dem Kapitel Universität ist die Forderung für eine außerordent­liche Professur für Kinderheilkunde von der Re­gierung durch den Hinweis auf den für Mediziner notwendigen Praktikantenschein besprochen und weiter durch die Hergabe eines Gebäudes für Kinderheilkunde seitens des Vereins für Säuglingspflege gerechtfertigt. Beanstandung erfuhr von einer Seite die Forderung für die Vergütung zur Förderung der Leibesübung der Studierenden, da hierfür die Studierenden selbst auskommen könnten und eine staatliche Für­sorge, die Geld koste, nicht notwendig erscheine.

Beim Kapitel Technische Hochschule muß der Zuschuß zu dem Papiermaschinenkursus in Höhe von 2500 Mk. auf die Staatskasse übernommen werden, nachdem der Verein der Papier- sabrikanten seine Zugabe von 2000 Mk. nunmehr nicht mehr leistet. Bei diesem Kapitel gedachte der Vorsitzende des Aus­schusses der segensreichen Wirksamkeit des jüngst verstorbenen Prosessors Pfarr. Bei Kapitel 38, Gymnasien, wurde die Anregung im Ausschuß gegeben, die beiden Gymnasien in einer Schule zu vereinigen, die lebhaft erörtert wurde. Das Mi­nisterium stellte sich aus räumlichen und sachlichen Gründen auf einen ablehnenden Standpunkt, während verschiedene Ausschuß- mitglieder auf Grund der Vereinfachung der Staatsverwaltung auch hier eine Vereinfachung forderten und die Schülerzahl der beiden Gymnasien zusammen 531 betrage und Anstalten mit weit größerer Schülerzahl ja auch unter einer Direktion vereinigt in Hessen vorhanden seien. Bei Kapitel 40, Lehrerseminare, wurde die Einführung eines Schulgeldes, die von der Ausschuß- mehrhcit angeregt worden war, von der Regierung bekämpft bis man Erfahrungen mit dem 6. Semesterjahr gemacht hatte. Bei dem Kapitel Volksschulen war ein Posten von der Regie­rung mit 10 000 Mk. eingesetzt, der der Fortbildung der Volks­schullehrer, deren Teilnahme an Informationsreisen usw. dienen foll. Auf 'Anfrage erklärte die Regierung, daß hier an Be­schickung von Kongressen, Hebungen usw., welche mit Schulen im Zusammenhänge stehen, z. B. auch landwirtschaftlicher Art,

bei windigem Wetter, rufen Hüte, die mit Hutnadeln befestigt find, Kopfschmerzen hervor. Der Arzt empfiehlt anstelle der Hut­nadeln Bänder, die unter dem Kinn zusammengebunden werden, also die Rückkehr zu einer alten Mode. Natürlich ist dies ein einseitiges Urteil, und man muß zunächst die Damenwelt befragen, ob die Hutnadeln wirklich Kopfschmerzen Hervorrufen. Außer Städten in Deutschland, Oesterreich-Ungarn und der Schweiz finden sich Hutnadelgesetze natitrlich in den Vereinigten Staaten. In Chicago z. B. ist jüngst eine Polizeibetstimmung erlassen worden, nach der Hutnadeln nicht mehr als einen halben Zoll, also etwa 12 Millimeter aus bem Hute herausragen dürfen. Praktischer, zugleich allerdings drakonischer ist ein Hutnadel­gesetz in Michigan:Wer mit einer ungeschützten Hutnadel einen Menschen verletzt, wird mit 2 Jalsren Zuchthaus bestraft.

ff. Ein Jugendbund für Frauenstimmrecht. Ein Führer der amerikanischen Frauenbewegung, Herr O. H. Belmonz organisiert gegenwärtig zusammen mit der englischen Frauen­rechtlerin Ellie McKenzie einenJugendbund für Frauenstimm­recht", zu demKnaben und Mädchen, junge Männer und junge Frauen bis zum 25. Jahre" zugelassen werden. Vorläufig steht ber Bund allerdings noch in seinen Anfängen, denn er besteht nur aus einigen 50 jungen Mädchen unter 26 Jahren, während die männliche Jugend sich gänzlich abgeneigt zeigt. Die jugend­lichen Stimmrechtlerinnen sollen als Angehörige dieses Bundes vornehmlich lernen, wie sie als Erwachsene den Kampf für das Frauenstimmrecht zu führen haben.

ff. Sechs Monate Fabrikarbeiterin! Eine der angesehensten Journalistin Amerikas, Mary Boyle O'Reilly, die Tochter des irischen Agitators, hat die letzten Monate als Ar­beiterin zugebracht. Nacheinander hat sie in allen großen Kon­servenfabriken im Bezirke von Rochester (New Bork) zugebracht. In dieser Gegend ist die Hauptmenge der amerikanischen Gemüse- konservensabriken ansässig. Auf diefe Weise hat die Journalistin einen trefflichen Einblick in die Konservesabrikation bekommen. Nach ihrem vorläufigen Mitteilungen übertreffen die Zustände in diesen Fabriken die schlimmsten Gerückte über die Art der Herstellung der Konserven. Vor einiger Zeit hatte die nmert» konische Regierung beschlossen, eine Erhebung über dw Zustande in ber Konservensabrikation auszuführen. Durch die Veröffent­lichung der Journalistin ivird dessen Ausführung nun beschleunigt, und bei" jKongreß wirb demnächst einen Ausschuß mit der ungelegen-» heit betrauen.

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___ gestrige Aussprache über die .Kalifrage setzte sich irt der heutigen Sitzung des Budgetausschusses in ber Hauptsache fort in einer Erörterung der gestern von fortschrittlicher Seite nngefünbigten Aenberungsanträge. Danach soll in ben etats­mäßigen Ausgaben zur Ausführung bes Kaligesetzes ber Betrag zur Förberung ber Kulturen in beutschen Schutzgebieten um hunbcrttausenb Mark auf zweimalhunberttausenb Mark gekürzt, bagegen für die Auslandspropaganda der in den Etat einge­stellte Betrag von 2 600 000 Mark auf 3V2 Millionen Mark erhöht werben. Die Vergütung an Kontrolleure und Probe­nehmer soll gestrichen, der Beitrag zu den Kosten der Unter­suchung von Empfängerproben von 500 000 auf 50 000 Mark gekürzt werden. Schließlich soll nach dem fortschrittlichen An­träge ber Zuschuß zum Reservefonbs, ber mit 350 000 Mark eingestellt ist, gestrichen werden. Unterstaatssekretär Richter bat dringend um Ablehnung dieser Anträge: einverstanden ist er eventuell mit einem Zentrumsantrag, der die Auslandspropa- ganda mit 3 100 000 Mark dotieren, die Empfang erproben mit 100 000 Mark vergüten will. Es entspinnt sich eine ausführ­liche Aussprache über den Reservefonds, wobei die Sozialdemokraten dem UnterstaatSfekretär durchaus beipflichten, daß jetzt kurzvor

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General-Anzeiger für Vderheffen

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s'.ellung des Putzes beurteilen kann. Es bleibt wohl immer schwer, zu einem unschönen älteren Bau einen schönen neuen passend zu machen. Der Treppenturm Mischen den beiden Turnsälen hätte etwas schöner ausfallen dürfen. Auch f liier kann der Verputz vielleicht noch verbessern. Warum man für den neuen Hauptbau in der Stephanstraße einen ßtmiz anderen Stil gewählt hat, mit hohem steilem Dach und mit Renaissanceformen des letzten Jahrhunderts, ist ittijt recht erklärlich. Wollte man die Formen des alten 3*me^ nicht wiederholen, so konnte man doch dazu passende und zeitgemäße wählen.

Ein neues Bild zeigt sich im Durchblick ber Ludwig- swAße. Hoch und stolz si-eht der Neubau der Ohren- und Nasenklinik vom Seltersberg herab. Ein einfacher, !schlichter Bau mit hochragendem Dach und hübscher Aus- bi'ldung des Einganges, der zu den benachbarten neuen Mnikeri gut passen wird.

Erst in halber Höhe des Rohbaues steht weiter hinten iira Gebiet der älteren Kliniken der Neubau der Haut- kl inik. Dort ist von der Form Noch nichts zu sagen. Doch lieht man schon-jetzt die igute Wirkung des Berblendmauer-

polififctye Lagesschau.

Was die Sozialdemokratie unter Freiheit versteht, lehren die zahllosen Fälle von Terrorismus, der gegen Nichtsozialdemotraten geübt wird. So berichtet wieder die Halberstädt. Zeitung":

In Halberstadt beschäftigt die Handschuhfabrik H. EggebrecU außer den sozialdemokratisch organisierten Arbeitern zwei sogen. Hirsch-Dunckersche. Der Fabrikant mußte diese beiden Arbeiter' in einer besonderen Arbeitsstubc, getrennt von den übrigen (so­zialdemokratischen) beschäftigen, um die zwei Hirsch-Dunckerschen vor Verhöhnungen zu bewahren. Jetzt wollte die Fabrik wiederum fünf Hirsch-Dunckersche Arbeiter einstellen. Die sämtlichen so- zialdemokratiscken, dem Zentralverbande der Lederarbeiter ange^ hörenden Arbeiter kündigten dieserhalb einfach dem Fabrikanten. Das Einigungsamt entscksted den Streit in dem Sinne, daß die neu- eingestellten fünf Arbeiter zu entlassen seien! Das Ende vom Liede war also, daß diese Arbeiter von ihren eigenen! Kollegen brotlos gemacht wurden."

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Werks aus dunkeln, roten, braunen und schwarzen, matt glasierten Backsteinen der Gailschcn Dampfziegelei.

Diesem Neubau gegenüber, an der neuen, hinter den Kliniken vorbciführeuden Straße, steht das Lupusheim. Die Straßenansicht ist etwas unruhig. Der Treppenturm mit feinem kleinen Eingangsvorbau und der schweren Dach- Haube ist am wenigsten geglückt. Besser ist die Rückseite, die man vorläufig vom Felde ,her für die Hiauptseite halten möchte. Lange Balkons in zwei Stockwerken über die ganze Länge des Hauses und ein nur kleiner Giebel im Dach geben ein angenehmes Bild. Schade, daß der häßliche Glasausbau gerade auf der Ecke des Daches fitzt. Er zer­stört von jeder Seite die Hmrißlinien des Gebäudes.

Vom neuen A m t s g e r i ch t s b a u läßt sich noch wenig sagen. Man wird sich nur freuen, daß der Bau jetzt doch in der Ostanlage errichtet wird und nicht weit hinten in den Wiesen. Die überbaute Brücke, welche später das neue mit dem alten Gerichtsgebäude verbinden soll, wird jeden­falls einen reizvollen Durchblick auf unfern schönen Wiesen­grund umrahmen.

Für die Studentenschaft wichtig sind noch die neuen Verbindungshäuser an der Kaiser-Allee. Gleich neben dem Teutonenhaus steht zunächst der noch unfertige Rohbau des Hauses der BurschenschaftFrankonia". Mit ruhiger, einfacher Architektur scheint dies Haus der heu­tigen Stilausfassung näher zu kommen, als das benach­barte, äußerlich fast fertige der Reformverbindung Adelphia". Die Architekturmotive, wie Turm, Erker, Giebel, Anbauten usw. sind einzeln recht schön: sie er- iintern an die Zeit der engen Gäßchen und die alte Stu- deutenzeit. Aber für einen zeitgemäßen B au ist etwas zu wenig Ruhe darin. Vielleicht ist es ja innen recht traulich. Sch..

Neue Bauten in Siehe».

Gießen, 17. Jan.

Wer da bauet an der Straßen, muß sich Spott qe ? füllen lassen", sagt das alte Sprichwort. Und so wird v-ohl auch über die Neubauten unserer Stadt manches li Üiteil gefällt werden,' noch ehe sie fertig sind. Solange ein Gebäude nicht mit Fenstern und Läden, Verputz und Farbe ersehen und wirtlichfertig" ist, sollte man hübsch vor- ichlig kritisieren; freilich kann man schon am Rohbau manches erkennen.

So lassen z. B. die großen Werksteine, aus welchen der Neubau der Reichsbank eben errichtet wird, auf eine lehr gediegene, der Stellung der Reichsbank entsprechende Ausführung schließen. Tür- und Fcnsterumrahmungen '.eigen einfache, ruhige Formen. Der Grundriß ein läng- Iliches Viereck ohne Au- und Ausbauten mit dem Eingang an der Schmalseite erinnert an andere Neubauten der lieichsbank, welche alle von dem leider zu früh verstor­benen Baurat Habicht im Auftrag der Reichs bank ent- tnurfen und in durchaus künstlerischer Weise ausgeführt vvrden sind.

An dem Neubau der Handelskammer ist die Ge- iaintform schon zu erkennen. Die große Tiefe des Gebäudes ließ das Dach etwas hoch und massig werden. Offenbar wer der Bauplatz zu schmal, um dem Hause eine größere jz-Uontausdehnung zu geben. Statt der schweren Werksteine stÄen wir hier nur Backsteinmauerwerk mit wenig Hau­steinen und c'. noch unbearbeitete Beton-Umrahmung des 6Angangs. Durch die Pfeilervorsprünge und vertiefte sWchen wird der später verputzte Bau seine Gliederung erhalten und voraussichtlich trotz einfacher Mittel einen guten Eindruck machen. Die Dachdeckung aus hellen Schie­lern ist bereits fertiggestellt und darf wohl als sehr gut gelungen bezeichnet werden. Die obersten Dachgauben sind - allerdings etwas zu groß geworden.

Die Neubauten des Realgymnasiums lassen eben- iaM schon die Hauptformen erkennen. Der lange Bau in der Stephanstraße mit hohem Giebel und einem Dach­reiter darüber bietet von der Straßenkreuzung vor der krtiliothek ein ganz malerisches Bild. Etwas gestört nur 'burch die großen Dachluken, die in langer Reihe den Blick AU sehr auf ihre nicht sehr guten Formen lenken. Von der fremc, z. B. aus dem Schifsenbergertal, gibt die schöne ftmge Dachfirst mit dem lustigen Reiter darauf ein neues MRlotiv in das Stadtbild. Daß der Giebel nicht in der Mitte »er Front und der Eingang nicht in der Mitte des Giebcl-

Tryrn Glnlabm* lut Ihntobrunti uor. W rocn'c man pochenden, Arrn^- vobcrkt U woidb c. Die (ec: cimforten aiM icn iDCtben1__lL

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Franeir-Feuilleton.

Sind die heutigen Modenschöpfer originell?

In den jüngsten Jahren ist der Frauenmode ihre zulveilen dit die äußerste Verwegenheit und selbst an Ausschreitung streifende Originalität oft genug zum Vorwürfe gemacht worden. Aber sc die heutige Frauenmode wirklich so originell, wie sie aus- ifcaut, oder wie sie sich gibt? Bei näherer Betrachtung stellt ich heraus, daß sie vielmehr eine ganze Mustcrkarte von geschicht- lidben Erinnerungen, von alten Mode-Motiven darstellt, die zum teil sogar bis ins Bronzezeitalter zurückzuführen sind.

So finden wir die heute wieder beliebte Tunika-Mode, bet der termel und Taille aus einem Stücke gearbeitet sind, schon in der grauen tracht des 13. Jahrhunderts; allein auch hier stehen wir nch nicht an der eigentlichen Quelle dieses Modegedanlens. tozu müssen mir in vorgeschichtliche Zeit zurückgehen. Da wird cs wohl eine Periode gegeben haben, wo wannender Umhang her auch jüngst wieder in der Form des Schals letzte Mode ge- vocden ist - die einzige oder doch die hauptsächlichste Beklei- Kuna des Urmenschen gebildet hat, und die Entwicklung oder rielleicht auch der geniale Gedanke einer erfinderischen ö-rau jal dann dahin geführt, diesen Umhang in ein mit Acrmeln -ersehenes Jackett ümzugestalten. Im Kopenhagener National- -lusenm kann man eine solche Frauentracht der Bronzezeit Pu frieren und sich davon überzeugen mir ehrwürdig die Ge|chichte dieses Modemotivs ist. Andere Beispiele liefern die Haar- und tzntmoden. Die jetzt wieder beliebt geworbene Sitte, das Haar nii Bändern, Perlenschnüren usw. zu durchstechten, ist bereits boti den Frauen des späteren Mittelalters wid der Renaysancc ge- tslegt worden, und ein bekanntes Frauenblldnis des Venezlano bildet ein schönes Beispiel von der Klcidsamtelt' bieser Mode ^te ßa-he Sammtkappe ist eine Mode des 16. Jahrhunderts, der ?wße Federhut erinnert an die Hüte aus der Zeih Heinrichs VIII. tor England, die man an Holbeins Bildnisten studieren, kann. Lehr modern ist es gegenwärtig, die Kleider mit Pelzsaumen ,-u versehen. Auch nichts Neues: fchon die burgilndyche Mode mrtschastete mit diesem Motive, das dann lange Zeit beliebt ge- vefen ist, um freilich später wieder aus ebensolange zu ver- ichroinden. Der Gürtel des 15. Jahrhunderts ist von der mo- 'ieenften Mode unendlich ost ausgenutzt worden, und ebenso hat bekannte Medici Kragen ihr zahlreiche Anregungen geboten. K Humpelrock, und alles, was mit ihm Aehiilichlcit hat, hat 'eine Vorgänger schon in ber ägyptischen Mode und findet nahe Ver- Danbte in den ganz eng geschmiedeten Kleidern der burgundischen