Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
seinen Anfang nähme, der mit den Resten des Feudalismus und der KasteNyerrschaft aufräumle und dem Volte das Recht erzene, die Leitung seiner Geschicke im Frieden in die Hand nehmen' ime cs im Kriege das Red)t hat, dafür zu bluten und zu sterben." — Ein Messeldenkmal in Darmstadt. Es wird uns geiä neben: Im hessischen Landesmuseum in Darmstadt, öcr Vatentadt Alfred Messels, wird im Laufe des Sommers eine Bronzcbüste des so früh verstorbenen Baumeisters ausgestellt werden, zu der die Miticl durch die Initiative des Offenbacher Architekten Hugo Eberlstrrdl von Freunden, Berussgcnossen und Ver- ehrcrn der Kunst Alfred Messels aufgebracht worden sind. Dir Ausführung der Bronzebüste ivurde dem Dresdener Bildhauer Georg W r b a, der zu Lebzeiten Messels eine außerordentlich lebenswahre Plakette des Meisters geschaffen har, übertragen. Als Auntellungsort wurde die lickte MitUsthalle ees von Messel selbst erbauten Museums bestimmt, in deren Mittelmiult s.ir kurzem die von Ludwig Habick, Shittqart, geschaffen, graste Monumentalbüstc des Grofiher-vgs Ernst Ludwig steht. Wie man weif:, ilt es dem persönliären Eintreten dieses Fürsten zu danken, daN der damals von wenigen erst anerkannte Messel in seiner Vaterstadt diesen monumentalen Museumsbau errichten konnte. Als Pendant zu der Büste soll ans der Gegenseite die Broirze- bulle des, Begründers der Darmstadter Sammlung des Barons von Hüvlch Ausitcllung finden, die Wrba ebenfalls modellieren wird. -Ltr von der Messelsammlnng verbleibende Ucberschuj- soll zur weiteren 2lussch)müclung dieser Halle verwandt werden.
--er Märchenbrunnen, über den wir schon aus- sührlich vlauderten, im Friedrichshain zu Berlin wurde durch Geh. Baurat Ludwig Hoffmann den städtisclien Behörden im Ben ein des Kultusministers von Trott zu Lol-, des Polizeipräsidenten von Sogoro und anderer geladener Gäste übergeben ObAbürgermeister Wermuth übernahm die Anlage mit Worten des Tankes und der Anerkennung; dann wurden daS Kunstwerk und die technischen Anlagen eingehend besichtigt.
— Die Heimkehr der „Terra Nova" Aus London wird berichtet: Eine ergreifende Szene spielte sich am ^amStag in Cardiff ab, wo nach genau 3 Jahren die Terra Nova wieder hnrnkehrte, die Captain Scott und seine Kameraden zu ihrer denkwürdigen und verhängnisvollen Reise zum Südpol hinausgeführt hatte. Tausende von Leuten, darunter viele Ver- wandtt: und Freunde der,Offiziere und der Mannschaft, erwarteten das ednff, und eine tiefe Bewegung ging durck die Menge, als es vor dem oafcn erschien, die Flaggen wehten int Winde, Sirenen halten, Raketen wurden aogefeuert, und einen Augenblick schienen alle die Tragödie vergessen zu haben, die sich, dort unten im
ICwoift LMssesrfchaft und Leben.
— Ter Kampf um Gerhart Hauptmanns F c st - spiel. Tie Hetze gegen Gerhart Hauptmann und das von ihm fiir die Breslauer Jahrhundertfeier geschaffene Festspiel nimmt rüstig ihren Fortgang. s)Znd)öem zuerst die itricgcr protestierten, haben sich, nnc schon gemeldet, eine dlnzah! Herren, Exzellenzen, Grafen, Landräte, Obersten z. D. und a. D. zusammeiigctan, irm in einem öffentlichen Proteste kundzutun, daß Gerhart Hauptmanns Festspiel „von jedem t!) patriotisch empfindenden Zuhörer als ein Hohn auf die ihn beherrsd>cnden Gefühle enipfunden" werde. Zu den Unterzeichnern dieser Proklamation gehören neben Herrn Hpt. d. R. Grützncr, der kürzlich von den Reserveoffizieren die Wahl des konservativen Kandidaten unter Berufung auf ihren Fahneneid gefordert hatte, leider Gottes and) ein paar Universctätsprofesforen, neben den als eifrigen Verfechtern des Kul turrüd'sd>ritts belannten Geheimräten Hillebrandt und Karl Hasse, bedauerlicherweise auch der Literarhistoriker der Breslauer Alma mater, Geheimrat Max Kvch. — Wenn nun die gegen Hanmmann ins Feld geführte Heerschar der Reaktionäre durch „katholisch^ Wahlmänner des Zentrums" verstärkt wird, die, nach der Boss. Ztg., nod) von der Niederlage im letzten Wahlkampfe gereizt, ihrer Entrüstting über das die Geistesfreiheit und ihre Grund- loge: die Reformation an einer Stelle vcrlstwrlichmde Fest spiel, das die Gefühle der Katholiken verletze, in einer Resolution Luft machen, so wird man sich darüber weder sonverlick) verwundern, noch besonders erregen. Bcdauerlid»er ist es schon, nxnm der Dichter von einer Seite angegriffen wird, von der er eher Beistand erwarten sollte. Ein Kollege und Landsmann dazu, Paul Keller, der sich» freilick mehr und mehr zum katholischen Familiendichter enliridclt, ist mit einer in dein konservativen Organ Breslaus veröffentlichten Berlwhnung des Hauptmannsd.n Festspiels seinem •größeren Laildsmann zum Jubel der Reaktionäre in den Rücken gefallen. Testo mehr freut man )id>, das, die Ehre des also lompvomittierten schlesischen Sd)rifttums im gleichen Augenblick von einem Besseren gerettet wurde, von dem schlesischen Dichter -Hermann Stehr, der in der „Breslauer Zeitung" mit den „Drahtlichem der EntrüstungsÄindgeoung" gründlich aoredmct und den 'Aeserveualrioten die Böswilligkeit ihres Ptißverständniffes des Testspiels entgegenhält, daS wegen seiner Glorifizierung der Frci- hcitsidec ihnen mrwmlpathisch sei und deshalb, und nicht wegen ieiner Respektierung der historischen Taffacken, von ihnen als imvctrionfd) denunziert würde. „Wir aber," so sckckießt Hermann 'Stehr seine markige Erklärung, „wären glücklich, tvenn die ^oaat •cirfgitige, die unser größter Dichter in seinem Festspiel ausgestreut =tor, wenn von Schlesien ein neuer, ein geistiger iFrecheitskampf
Der Kaiser
und die deutschen Bunderfürsten.
n in. der isieichschcruptstudt ein Schauspiel
statt^efunden, das keinesfalls unter dem Gesichtspunkt einer autzerurchen Festlid)leit betrachtet werden darf, sondern das wegen seiner großen nationalen Bedeutung jedem Deutschen 5^ erhebenbev Gefühl bereiten must. Sämtliche beutftyn Dundesfürsteu haben sich um den Kaiser ae- sdurrt, und der Pmnzregent von Bayern sowohl wie der tum Sachsen haben als Spred)er der Einzelstaaten schone Zeumtisse davon abgelebt, wie start und boffnunq* 'M™™" 111 bcn schwarz-weis'.-roteu Grenzpfählen der Retchsqedanke gewachsen ist. BeiSe Male hat der Mai f er nrit schlachten Worten erwidert, die ihn mts diesmal, in äußerst sympathischer Beleuchtung, als den bescheidenen Sachwalter der einigenden Aufgaben, die dem Reichsob^r Haupte obliegen, zeigen. So ist das Bild der Juvilänms- tage denn nun vollendet: Kaiser, Volk und Bundes fürsten st^en tn vollster Einigkeit und Treue zusammen. Hoffentlich werden nun die nächsten innerpolitischen Aufgaben rn dieses Bild der Harmonie keinen Rist bringen. Eine Reichstagsauflösung wegen der Schwierigleit der netten Fmauzfr-agen wäre sehr bedauerlich und müstte vermieden wevdeu. Schließlid) braucht die Deckungsfrage ja nicht in sold)er Windeseile und an einem Tage erledigt zu werden. Da die Stimmung zu einer Verständigung vorhanden ist, sollte man ihr einige Zeit lassen, um zu wohl durchdachten und für alle Teile annehmbaren Schlüssen zu kommen.
Berlin, 17. Juni. Um 12y2 Uhr empfingen der Kaiser und die Kaiserin im Kaisersaal der kaiserlichen Wohnung die B u u d e s f ü r st e n und Präsidenten der Senate der Freien Städte.
Die Ansprache des Prinzregenten Ludwig.
Berlin, 17. Juni. Bei dem heutigen Empfang der deutschen Bundesfürsten und der Präsidenten der Senate der Freien Städte hielt Prinz Ludwig, des Königreichs Bayern Verweser, folgende Ansprüche an Seine Majestät:
Ew. Kaiserliche und Königliche Majestät.' Ganz Deutschland begeht in festlicher Stimmung den Tag, an dem Euere Maiestäl auf ein fün7nndzwcm?.igiäly:iges segensreicksts Walten als Deutscher Kaiser und König von Preußen zurück.'licken. Tie deutschen Bünden fürsten und die Vertreter der Senate der Freien und Hansestädte die mit dem fit tuenden Bundesstaate Preußen ui engster, unauflöslicher Gerncinscl-aft im deutschen Reicks vereinigt sind, fühlen srch in erster Linie berufen, dieser freudigen Stimmung fercrlrch Ausdruck zu geben. Sie haben sich deshalb hier versammelt, um Eurer Majestät die wärmsten Glück- und Segcns- wünscl-e darzubringen. Als im Jahre 1888 der Gründer .des neuen deutschen Reiches, «Eurer Majestät unvergeßlickrer Herr (Großvater, reid) an Jahren, reicher nod) an großen Erfolgen, heirn- gegangen und die Heldengestalt Kaiser Friedrichs allzu früh und viel beklagt dahingeschicdcn war, haben Eure Majestät in jungen Jahren mit hohem Idealismus und ernstem Pflidstbewußtscin die Würden und Aufgaben des Königs von Preußen und bcutfd):n Kaisers angetreten.
. Allzeit Mehrer des Deutschen Reiches zu sein, nicht an k r i e g e r i s d) e n Eroberungen, sondern an Gütern und Gaben des Friedens auf dem Gebiete nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittttng, das hat Eurer Majestät hochseliger Herr Großvater in der Geburtsstunde des beutfdjcn Kaisertums als Leitsatz fiir sich und seine Nachfolger verkündet. Tiefem hohen Ziele, das Eure Majestät itad? lieber nähme der Regierung in der Thronrede vom 25. Juni 1888
vor versammelten Neidxstage Sid) zu eigen gemacht haben, sind Eure Majestät all die Jahre hu unbeirrt trcugcblieben. Eure Majestät haben Sid) in der Führung der miSwärttgcu Polittk des Reick.'S wie im Innern stets aufs neue als Wahrer des Friedens bewiesen, immer darauf beoadr, dem Neide die Klarte zu sichern, die eines ehrenvollen Friedens Geirähr ist. Glänzend ist der wirtschaftlich? Aussd)wung, den Deutsckstand in diesen 25 Friedensjahren^genominen und der in allen Teilen des Rcick-cs und in allen Sckfichlen der Bevölkerung die Zunahme des Wohlstandes gebradjt hat. Umfassend und sorgsam wurden die sozialen Einrichtungen zum Wohle der arbeitenden Klassen erweitert und ausgebaut. Tie Wehrkraft des deutschen Reiches ist in nie ermüdender Arbeit gepflegt und gesördcrt worden. Insbesondere hat sich die Marine unter veriönlidcr Initiative Eurer Majestät aus kleinen Anfängen zu achtunggebietender Stärke entwickelt. Was an fittlid)cn Kräften, was an Edlem und Schönem im dcutsck en Volke lelvndig ist, konnte der Aufmunterung durch Eure Majestät iidrr sein. Den Blick auf das Ganze und Einigende gerichtet, hoben Eure Majestät den Wert und die Bedeutung der E i n z e l st a a t e n im verfassungsmäßigen Organismus des Reiches nicht verkann!. Tie Erhaltung der ihnen für die Förderung ihrer Kulturaufgabcn unentbchrlidicn Lebenskraft, ihre Rcdstc und Interessen durften des kaiserlichen Sd-utzes sich erfreuen. Hierfür, wie für alles, was Eiirc Majestät in diesen fiinfundzwaiizig Jahren zum Besten unseres grosses Vaterlandes erstrebt unb geleistet babra, möchten bic deutschen Bunbesfürsten und die Freien und Hansestädte in Dreier stunde ihren freudigen Dank zum Ausdruck bringen.
Als äußeres Zeichen unserer Gefühle und Gesinnungen bitten wir Eure Majestät, den Ta fc l a n f s a t, huldvollst ent- gegcn?.uncl)mcu,_ den wir einstweilen im Entwurf hier zu überreichen uns gestatten. Tas Schiff, das er darstellt, umrahmi von den Wappensdülde-rn der deutschen Buiidesstaateii, mit dem F^Hsadler auf l'dTOclI enorm Segel imb der Mui) er frone als schlffszier, soll ein S h m b o l sein der Einigkeit der deutschen Fürsten, der Freien und Hansestädte, des ganzen b e u t f d> e n Volkes, der unerschütterli ch'e n Einigkeit, die des deutschen Neides Madst und Glanz md) außen und im Innern für immer verbürgt. Möge dem Schiffe des deutschen Reidas unter Eurer Majestät starker Fülyeung wie nE- Jahre glückhafte Fahrt beschieden fein!
l .Wnobc lind Segen auf Eurer Majestät, auf der
huldreichen Kaiserin mid auf dem ganzen in rcickster Blüte stehen- den Hohenzollernhause ruhen! Unsere Giückwüiiscke an diesem iveirtage, unsere Segenswünsche für die Zulünft der Regierung Eurer Maiestät fassen wir zusammen in dem Riffe: Seine Maie- ftät der Deutsch: Kaiser und König von Preußen Wil'l-clm II. lebe hoch»!
Eine Rede de8 Ka fers.
Aus die Rede des Prinzregentett Ludwig von Bayern antwortete der Kaiser folgendes:
„Eure Königliche Hoheit und alle hier vereinten erlauchten Bundesfürsten, die hoben Vertreter der Freien und Hanse-Städte bitte Ich, für die Mir bereitete Ehrung Meinen innigen Dank entgegonzunehmen. Von Herzen und mit Freude danke Ick) für die kunstreiche Ehrengabe, die unter einem Mir besonders willkommenen Bilde Deutschlands einige Stärke und den Wert aller Glieder des Reiches für unsere Macht und Größe vor die Augen führt. Tie durch die Bundesverträge um- sdflossene Vielgestaltigkeit unseres staatlichen Lebens bedeutet einen nationalen Reichtnm, den nad) innen wie yach außen zu schirmen. Ich als Meine erhabene Kaiserliche Pflicht erlernte. Wenn die Erfüllung dieser Aufgabe, an die Ich in jungen Jahren ;mch' dem Vorbild der beiden unvergeßlichen ersten Kaiser herangetreten bin, m der seither verflossenen Zeit gelungen ist, so war dies nur möglich dank der Unterstützung, die Ich bei Meinen Hohen Verbündeten gefunden habe. Cure Königliche Hoheit haben der reid)en Entwickelung zu gedenken geruht, die Uns mit den Segnungen des Friedens während
> der letzten 25 Jahre vergönnt war. Wir sind vorwärts gekommen, wie in Heer und Flotte, so and) in der Landwirtschaft und der Industrie, in Handel, in Schiffahrt nnd Verkehr, in Wissenschaften und Technik, in den Künsten und — auch das ist wichtig — in den körperlichen Hebungen. Fern liegt Mir der Gedanke, als Verdienst für einzelne in Ansprud) zu nehmen, was Gesamtleistungen der Nation sind. Wenn aber Euere Königliche Hoheit so freundlich Meiner Anteilnahme an Deutschlands Vorwärtsstreben erwähnt haben, so ordnet es Mich, hier zu bezeitgen, mit welcher Dankbarkeit Ich die vielen Iihre hindurch verfolgt habe, daß alle 1 und« s> fürsten und die Regierungen der Freien und Hanse-Städte, jeder in seinen Gebieten, jeder int eigenen Bereich, mit- gearbeitet haben wie an der Erstarkung unseres nationalen Lebens, so and) an dem wirtschaftlichen Aufschwung des Reiches und an einer deutschen Kultur. Sv soll es and) weitergehen, damit Wir in Ehren bestehen können vor den Begründern der Reichseinheit, die auf uns nieder- ; blicken aus der Ewigkeit!
Auf die gütigen Worte, die im Namen der hier Versammelten (hiere Königliche Hoheit Mir und Meinem Hause gewidmet haben, erwidere Id; mit den herzlichsten Wünschen für Deutschlands Fürsten und Jl)re Hohen Farni.ien, für die Bürgermeister und Senate der Freien und Hanse-Städte. Alle Zeit Meine Kräfte dem Wohl des gesamten Volkes zu weihen und zu Meinen Hohen Verbündeien zn stehen in d e u t s ch e r T r e u e, das sind die Gefiihle, die heute in Dankbarkeit und Zuversicht Mein 5)erz erfüllen.
Der Kaiser unternahm Dienstag früh einen Spazierritt und frühstückte sodann mit der Kaiserin. Im Lause des Vormittags empfing der Kaiser eine Abordnung von Offizieren des Leibgarde-Husaren-RegimentS zur Entgegennahme eines Ehrengeschenkes. Um 11 Uhr sah der Kaiser vorn Balkon des Schlosses aus, umgeben von den Prinzen des kaiserlichen Hauses und der Prmzessin Viktoria Luise, den H uld i gun gszu g der Innungen. Die Fürft- Hd) feit en sahen dem Schauspiel ' von den Fenstern des Schlosfes zu.
Der Festzug der Jmnmgen.
Berlin, 17. Juni. Angelockt durch daS prächtige Hehenzollernwekter hatte eine gewaltige, sommerlid) ge- kteidete Mensd/enmenge sich Unter den Linden, im Lust-- garten, auf den Dächern des Zeughaufes, des Museums und des Tomes angesammelt, um den F e st z u g derInnun - gen zu sehen, der vom Königsplatz durck) die Linden koimnen sollte, um dem Kaiser zu huldigen. Gegen 11 Uhr ertönten Trommelwirbel von den Linden her, eine weiße Wolke wälzte sick) heran. Sobald der Festzug die Schloßbrücke passierte, setzte die Musik mit der Nationalhymne ein. Ter Kaiser mit seinen Söhnen und mit dem jungen Paar erschien auf dem Balkon des zweiten Stockes. Ein Herold zu Pferde eröffnete den Zug. Eine Gruppe der Bäcker, ganz in Weiß mit Riesenbretzeln folgte. Festwagen, Fahnen, Musikchöre, Herren im schwarzen Rock mit blauen Schärpen, Lehrlinge, Gesellen in Arbeitstracht wechselten. Ter Kaiser, der sichtlich in fröhlichster Laune war, winkte befonöerS den hell gekleideten Mädck)en im Festwagen zu. Ein Hock nach dem andern schallte hinauf zu dem Monarchen, der unaufhörlick) salutierte. Stürmische Heiterkeit erregte im Zuge der Bäcker ein aus Teig gebackener „Ersatz Zeppelin". Ei,re Innung erfolgte bei- andern. Da kamen Friseure, Heilgehilfen,Böttcher, Buchbinder, Dr.'chs.ee mit einem Riesenschachspiel, Schneider mit gezogenen Degen, den auch die Bäcker getragen. Besonders reizvoll war der
acklisdicn Eisc abgespielt hatte und deren F-olge cs war, daß daS Schiff ohne seinen Führer Heimkehrtc. Sc'an lange vul-er war die Gemahlin des intglüdüdicit Forschers mit ihrem kleinen Sohn und begleitet von Mrs. Wilson, der Witwe des mit Scott verunglück reu Führers des wissensd-aftlid-en Stabes, in einem Schlev- ver der Terra Nova entgogengefahren, um jedes Aufsehen bei der allgemeinen $ eg rü einig -u verweisen. In tiefe Trauer g-hüllt ließen sich-die beiden Damen alles zeigen, was aiff tem Schiff fiir sie besonderes Interesse haben konnte, und der Heine Pct.-r, bem der schmerzvolle Hintergrund der Szene noch nicht zum Be- wuptsein tarn, w-anderte an her Hand üncs Matrosen vergnügt an Bord umher. Als das Schiff einließ nahn der Konnnandane ckvans den Klemen auf den Arm und ließ iljn die h.rzlilckn Grüße, die die am Kai versammelte Menge ihm und seiner Mutter darbrachte, erwidern. Am Sonntag wurde ein Gütesdicns! abge- haltcn, bei dem der amtierende Bisck-ff der Opfer im Kumpfe für den Fortschritt der Wissensd)aft gebadete.
— Tiphtheritis-Behandlung mit heißer Luft, ein neues Mittel der Behandlung von Dchhtheriffs hat der franzö- Üldie Arzt Rendu angewandt. Er stellte fest, daß die D:pd hni'is- zugrunde gehen, wenn sie 5 Minuten ciner Tempeea'nr von 50 Grad oder 2 Minuten 70 Grad ausgesetzt werden. Wenn die ^.rppen und das Gesid)t durch Wasserlvmprcsscn gesclmtzt w<r- den, >o lönnen die oberen Atmungswegc heiße Lust bis zu 100 Grad 2 Minuten lang unb 60 Grad y2 Stunde lang aushalten "ck'ach- dem dies durch vorbereitende Versuche festgestellt war, behandelte ~r- Rendu 33 Fälle von Divytheritis mit beifv.a Lus.', noähr-'nd er ju glmber Zeit eine andere Gruppe lou 33 Erckanklen dar Serum- behandlung untenrarr. Der Erfolg war in beiden Fällen der gleiche, die Sterblichkeit überschrüt nid>t 15 Prozent.
-. ^^"Iweg ische Spitzbergenexpedition. Turck die Icachforichungen nad) Leutnant Schröder-Stranz wird wov'-- ia;cinhd) bte Expedition, die Hauptmann Starrud und der Geologe Tr Hoc! Anfang Juni antreten wollten, in andere Richtung gelenkt werden. Nack) „Peterm. Mitt" war der Er- vcdrtton die Ausgabe gestellt worden, das Gebiet zwifcheti Woed Bap und Wydedudst un Norden und Eisfjord im Süden auf- ttlnchmeil und be,anders dte Uebergänge über das Gebirge und das Brnneners fest-iytellen, die Halbinsel zwischen Eisfjord uno Bellsund zu vermeyen und endlich die Einfahrt in den Eisfjore niszulsten.
Öoel, der Anfang Juli nad) Spitzbergen aufbtickst, oürfte brn Teil dieses Planes bereits von Hauptmann Statrud ausgeführt iit, zunächst wohl dem Vorgehen nach dein 9Zorboft=» lande anichlteven.
Black 165. Jahrgang Mittwoch, \8. Zuni (913
erscheint täglich, außer VtT A BczngSv, c
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