Ausgabe 
16.10.1913 Erstes Blatt
 
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Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.

ursche, die von den herzlichsten Empfindungen Serbien ge­genüber beseelt sei, vor der Notwendigkeit energischerer und offiziellerer Schritte bewahren, da es klar sei, das Italien und Oesterreich-Ungarn nicht gestatten könnten, das; die Londoner Festsetzungen überschritten und die A l - banesen unmenschlich behan delt würden.

Belgrad, 15. Okt. Eine heute abend erlassene Ver- össentlichung der Regierung besagt, daß die serbische Armee Befehl erhalten habe, nicht bis nach Albanien vorzudringen. Tic serbischen Truppen werden in den eingenommenen Stel­lungen bis zur endgültigen Lösung der Grenzfrage ver­bleiben. Die Truppen hätten Befehl erhalten, sich bei even­tuellen neuen albanesischen Angriffen auf die Verteidigung zu beschränken.

Belgrad, 15. Okt. In das 'Kriegsbudgei für 1914 wurden Mittel zur Beschaffung von 500 000 neuen Geweh­ren zwecks Bewaffnung aller Iahresklasfen und zur Ab­schaffung'des Berdan- und Kodakgewehres eingestellt. Es verlautet, daß infolge der teilweisen Mobil- in a ch u n g Wechsetverpflichtungen über das Ende des Mora­toriums am 12. November hinaus bis zum 28. Dezember gestundet und gerichtliche Vollstreckungen ebensolange aust- geschoben werden sollen.

Cetinje, 15. Okt. Nach einer amtlichen Mitteilung dauern die Angriffe der Albaner gegen die montene­grinischen Vorposten an. Die Nebel hindern die Montene­griner, die bisher acht Verwundete hatten, sich zu konzen­trieren und alle wichtigen Stellungen rasch zu besetzen.

Ein Gewaltstreich Essad Paschas.

V a l o n a, 15. Okt. Vor einigen Tagen erschien ein Ver­trauensmann E s s a d P a s ch a s, um die V c r s ö h - nung Essads mit der Regierung herbeizusühren. Nachdem die Regierung die Forderungen Essads kurzweg zu­rück g e w i e s e n hatre, erhielt sie heute ein T e l e g r a m m E s s a d s, in welchem er seinen A u s t r i t t aus dem Kabinett mitteilt und gleichzeitig die Regierung davon verständigt, daß er in Durazzo eine neue Regierung gebildet habe, deren Wirkungskreis sich auf Z e n t r a l - A l b a n i e n zwi­schen den Flüssen Mali und S ch k u m b i erstrecken solle. Die neue Regierung besteht aus einem Senat, dessen Mitglieder aus den Städten Durazzo, Kawaja, Tirana und S ch i a k und je zwei aus jeder Stadt gewählt worden seien. Präsident des Senats sei er selbst.

In Regierungskreisen bemerkt man zu dem Vorgehen Essad Paschas, daß die Senatsmitglieder durchaus nicht angesehenen albanesischen Familien angehören und daß Essad anderseits den w i ch t i g st e n D i st r i k t Zentralalbaniens, E l b a s s a n, völlig vergessen habe, in dem er noch nicht anerkannt sei. Essad Pascha hat seinen Schritt dem JnternationalenKontrollausschuß mitgeteilt.

Die Reise des Rm'sers.

Trier, 15. Okt. Der Kaiser nahm gestern abend auf Schloß Lieser nach seiner Ankunft im Rauchsalon den Tee ein, worauf er bis 8 Uhr arbeitete. Um 9 Uhr begann das Diner zu 29 Gedecken, an dem teilnahmen der Kaiser mit Gefolge, die Familie des Freiherrn v. Schorlemer, Land­rat Semper von Wittlich, Landrat v. Nasse von Bcrncastel, v. Hammerstein, Vortragender Rat im Landwirtschaftsmini­sterium, Graf Kesselstatt auf Schloß Dodenburg. Nach dem

Diner blieben die Herrschaften noch bis U1/? Uhr beisammen, worauf sich der Kaiser zur Ruhe begab. Heute früh 8 Uhr begann das Frühstück. Um 9.20 Uhr erfolgte die Abreise im Automobil über Daun nach Gerolstein. Der Kaiser hat einer Anzahl Angestellten und Bediensteten des Frciherrn v. Schorlemer Ordensauszeichnungen verliehen.

Daun, 15. Okt. Um 10.55 passierte der Kaiser mit Gefolge das reich geschmückte Städtchen unter strömendem Regen. Die Krieger- und Turnvereine sowie die Feuerwehr bildeten Spalier. Am Kaiserbrunncn vor dem Rathaus be­reiteten die Schulkinder dem Kaiser begeisterte Kund­gebungen. Die Besichtigung des Naturschutzparkes mußte wegen des schlechten Wetters unterbleiben.

G e r o l st e i n, 15. Okt. Die gesamte Bevölkerung hat hier zusammengewirkt, um einen würdigen Fcstschmuck zu schaffen. Große Scharen von Schaulustigen sind aus der Um­gegend herbeigeströmt. Die neue evangelische Kirche auf dem königlichen Krongut Villa Sarabonis ragt weithin in das Tal der Kyll. Der mächtige Bau des Professors Schmechten zeigt streng romanische Formen.

Als der Kaiser von Daun her am Osteingang von Gerol- stein eingetroffen war, begann das herrliche Geläute der neuen Kirche zu ertönen. Unter dem Jubel der Bevölkerung durchfuhr der Kaiser den Ort und traf bald nach 11 Uhr vor der Kirche ein. Er schritt die Front der Ehrenkompagnie ab und nahm den Raport des Kreisvorsitzenden der Krie­gervereine entgegen und während er dann dem Kirchenportal zuschritt, scholl ihm der Gesang der vereinigten Lehrer ent­gegen, die einenKaisergruß" und ein Eifellied vortrugen. Der Kaiser wurde von Generalleutnant v. Schubert mit folgender Ansprache begrüßt:

Eure Kaiserliche und Königliche Maiestät begrüße ich ehr­furchtsvoll im Namen des evangelischen Kirchenbauvereins in Berlin an dieser altehrwürdigen Stätte, wo die Fundamente und Mauern der Villa Sarabonis und zahlreiche Funde die Blüte der römischen Herrschaft und Kultur vor fast 2000 Jahren verkünden.

Heute am Geburtstag des frommen König Friedrich Wil- bclm IV., des Begründers der Gemeinden Gerolstein und Daun, dürfen wir Euer Majestät als Herrn und Eigentümer der Villa SarabodiS willkommen heißen.

Der Kaiser dankte dem Redner. Der Erbauer der Kirche, Geheimer Baurat Schmechten, überreichte dem Kaiser dem Kirchenschlüssel, und der Kaiser übergab diesen dem General- Superintendenten Klingemann, dieser dem Pfarrer Best, welcher die Kirchentür unter Segenssprüchen auffchloß und öfsnetc. Es erfolgte der Einzug des Kaisers und der Ehrengäste in die Kirche. Die Wciherede hielt General-Superintendenb Klingemann über 1. Cor. 3:Einen andern Grund kann niemand legen, außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jcsuch Christus." Es folgte das Weihegebet und der Weiheakt.

Aus Anlaß der heutigen Feier hat der Kaiser eine Reihe von Ordensauszeichnungen verliehen. Die Kaiserin, als Pro- tektorin des ZbirchenbauVereins, hat außerdem einer großen .An­zahl von Personen Andenken übermittelt.

Nach der kirchlichen Feier begab sich der Kaiser, begleitet- von dem Ehreiigefolgc, in das durch einen Säulengang mit dev Kirche verbundene Museum, welches Funde aus dem Boden, aus dem die Erlöserkirche gebaut ist, aufbewahrt. Hiernach be­sichtigte der Kaiser das ihm schon von seinem Besuche vor 3 Jahren bekannte Terrain, auf dem die Reste der alten Mauern der Villa Saräbodis bis weit über die Grundmauern hin aufgeführt sind, so daß ein guter Ueberblick über den Grundriß der Villa eines reichen Römers gegeben ist. Zum Schluß nahm der Kaiser den Vorbeimarsch der Ehrenkompagnie entgegen. Der Kaiser stieg dann über eine extra angelegte Freitreppe zum Gerolsteiner Bahnhof empor, wo im Sonderzuge das Frühstück eingenommen

Line neue Krifis um Albanien.

Serbien verkündigt, es wolle seinen Einmarsch

tn 20bamen ernstellen und sich nur ans die Besetzung stra- tegischer Punkte beschränken, haben die Dreibundmächte in %19rOb wirksame Schritte getan, um die serbischen Ge- rl ^gkln. Das Elend der albanischen Flüchtlinge qr offenbar nicht erfunden, sondern es schreit zum Himmel. Da nun mich Essad Pascha seine alten Schwierigkeiten wieder aufgetischt hat, indem er sich in Durazzo an die Spitze einer neuen Regierung stellte, war es allerdings die höchste Zeit, daß die beteiligten Großmächte als Wächter auftraten und warnend den Finger erhoben. Serbien, das so viel Ausgaben und Opfer auf sich genommen hat, sieht sich offenbar noch immer nicht am Ziel feiner Wünsche. Sonst würde es nicht eine vollständige Neubewaffunng seines Heeres ankündigen, wie aus einer der nachstehenden Meldungen zu entnehmen ist.

W i e n, 15. Okt. Die Meldungen über das E i n r ü ck e n d e r s e r b i s ch e n T r n p p e n in das a u t o n o m e A l b a- nten im Verein mit gewissen Aeußerungen der offiziösen Samouprava" finden hier sehr ernste Beachtung, besonders, da die Erklärungen des Ministerpräsidenten Paschitsch im Belgrader Radikalen Klub undementiert blieben. Da Oester­reich-Ungarn in eine Aenderung bfr von den Mächten be­schlossenen Grenzen Albaniens nicht einwilligt, steht dem Ver­nehmen nach demnächst ein Schritt der Monarchie in Belgrad bevor, in dem die serbische Regierung befragt wird, was sie mit der Besetzung der sogenannten st r a- tegischenPunkte beabsichtigt, wenn Serbien seine Trup- pen zurückziehen werde, und was die Aeußerungen in der serbischen Presse zu bedeuten hätten. Dieser Schritt Oester­reichs ist in Form einer ernsten Vorstellung in Belgrad be­reits erfolgt.

Eine deutsche Mahnung an Serbien.

B etgr ad, 15. Okt. Der deutsche Gesandte ist angewiesen worden, der serbischen Regierung in freundschaft­licher Weise die Respektierung der LondonerBe- schlüsse über die Abgrenzung Albaniens anzuraten.

Rom, 15. Okt. Die Agenzia Stefani meldet aus Bel­grad: In politischen Kreisen wird mitgeteilt, die italieni­sche Regierung habe bei der serbischen Regierung freundschaftlicheSchritte getan, um sie auf die Not­wendigkeit aufmerksam zu machen, die von per Botschafter­konferenz in London festgesetzten Grenzen Albaniens zu respektieren und auch im Interesse Serbiens. Akte von Grausamkeiten gegen die Albanesen zu verhindern. Die italienische Regierung sprach in sehr freundschaftlicher Weise die Hoffnung aus, die serbische Regierung werde die italie-

Tageskalender aus dem Jahre 1813.

161 O"?ber. Beginn der Völkerschlacht bei Leipzig, 9 Uhs'. Angriff im Süden von Leipzig: Das Akustische KorA Klerst nimmt den Ort M a r k - K l c c b e r g. 4 orgehen der Russen auf Wachem und Liebertwolk- PUJi. der. ^Merrercher bis zum Kolmberg. Tic fran- M>n)a)e ^wswn Charpenti« und die Hessen verorängen den Feind vom Kolmberg. Niederlage des Marschalls Mar- nwnt rm Norden von Leipzig bei Möckern durch Äorck.

B -E - Erster Blatt 165. Jahrgang Donnerstag, <6. Oktober IW

erscheint täglich, außer HA Bezugspreis:

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Mtmittagg 9 rihr. Rotationsdruck und Verlag -er vrühl'schen Unio.'vuch- und Steindruckerei R. Lange. RedaNion, Expedition und Druckerei^ Schulstratze 1.

Lin unbefanntes Gespräch

zwischen Wagner unö Nietzsche über Sen Parsifal.

ff. Elisabeth Förster-Nietzsche, die unermüdliche Biographin Nietzsches, läßt ihrem ,^Jungem Nietzsche" demnächst einenEin­samen Nietzsche" folgen und setzt so dieIntime Biographie" ihres Bruders fort, die reich an Aufschlüssen ist, die in ihr .Leben Friedrich Nietzsches" übergangen sind. Unter anderem erzählt sie darin von einem bisher unbekannt gebliebenen Gespräche zwi­schen Wagner und Nietzsche, desseit Gegenstand der noch jüngst so heiß umstrittene Parsifal war. Es war in den ersten Novcmber- tagen des Jahres 1876; Nietzsche hatte vor der schweren, trüben Luft des Nordens im sonnigen Süden, in Sorrent, Zuflucht gesucht, und der Zufall führte Wagner von Bayreuth dorthin. Die Freundschaft der beiden großen Männer war zwar schon seit ben Bayreuther Tagen im Erlöschen, dennoch aber entspann sich zwischen den vier Bewohnern der Villa Rubinacci und der ,Familie Wagner ein freundschaftlicher Verkehr. Glasenapp berichtet in seiner ausführlichen Wagnerbiographie nur von zivei- oder dreimaliger Begegnung Wagners mit Nietzsche in diesen Tagen, und Elisabeth Förster-Nietzsche erzählt in ihremLeben Nietzsches" von dem liebenswürdig-heiteren Verkehr: man tat so, als ob alles beim alten wäre. Und doch bat in diesen Tagen eine wichtige Unterredung Wagners mit Nietzsche stattgefftnden, wahrscheinlich die letzte überhaupt, die über den Parsifal. Mit Erlaubnis des Verlages von Alfred Stöner in Leipzig können wir dieses Ge­spräch' aus den Auslstingebogen des neuen Buches von Elisabeth Förster-Nietzsche bereits jetzt mitteilen:Am letzten Wend ihres Zusammenseins machten Wagner und mein Bruder einen wunder­vollen einsamen Spaziergang die Küste entlang und zur Höhe hinauf ivo der Blick sich weit über Meer, Insel und Buchten ausbreiten und das herrliche Bild in sich aufnchmen kann. Es war ein schöner Herbsttag, mild, mit einer gewissen Melancholie ber Beleuchtung, die ben Winter vorahnen läßt.Abschieds- ftimmunq" sagte Wagner. Da begann er plötzlich unb zum ersten­mal ausführlich von bem Parsifal zu reden und zwar ganz merk­würdig nicht als von einem künstlerischen Plan, sondern von ernem 'christlich-religiösen Erlebnis. Vielleicht fühlte Wagner, daß einBülsttenweihfeftspiel" erdacht und komponiert von einem so grossen Atheisten, wie er sich meinem Bruder in Trrebschen immer gezeigt hatte sund wie ihn sicher alle seine freunde in den kecksten Aussprüchen bis zum Anfang der nebziger Jahre gekannt haben) kaum als ein christlich-religiöser Akt ernpmnden werden könnte, wie er doch sollte L>o fing er auf einmal an, meinem Bruder christliche Empstndungen und Erfahrungen wie Reue, Buße und allerlwnd HinnMiigen zu chrlltlichen Dogmen zu gestehen. Er erzählte ihm z. B. von dem Genuß den er ber Feier bes heiligen Abendmahls verdankte - woh verstanden der schmucklosen, protestantischen! Wenn es noch rocmg)te*y das katho- liche Hochamt gewesen wäre, von welchem wohl ieder tunstleristb empfindende Mensch den tiefsten Eindruck erhalt. Mm Bruder

hatte eine große Vorliebe für aufrichtige, redliche Christen, wie sie ihm z. B. in Bchsel begegnet sind, affar er hielt cs für un­möglich, daß jemand, der sich so wie Wagner bis zu den äußersten Konsequenzen als Atheist ausgesprochen hatte, jemals wieder zu einem frommen, naiven Glauben zurückkehren könnte. Er konnte deshalb Wagners plötzliche Wandlung mir als einen Versuch an­sehen, sich mit den fromm gewordenen herrschenden Mächten in Deutschland zu arrangieren zu dem einzigen Zweck: um Erfolg zu haben. Während Wagner redete und redete, verschwand über dem Meer der letzte Sonnenstrahl, und ein leichter Nebel und die wachsende Dunkelheit breitete sich aus. Auch im Herzen meines Bruders war es dunkel geworden. Endlich fragte Wagner:Sie verstummen ja ganz, lieber Freund?" Mit irgendeiner Ausrede suchte mein Bruder sein Schweigen zu erklären, aber das Herz war ihm zum Zerspringen voll Kummer über diese Schauspielerei Wagners gegen sich selbst. Er schrieb folgende harte Worte nieder: Ich bin nicht im Stande, irgend eine Größe anzuerkennen, welche nicht mit Redlichkeit gegen sich verbunden ist; die Schauspielerei gegen sich flößt mir Ekel ein; entdecke ich so etwas, so gelten mir alle Leistungen nichts: ich weiß, sie haben überall und im tieften Grunde diese Schauspielerei.

Die Grüber Ser Helden von Leipzig.

Die hundertjährigen Gedenktage an die Schlacht bei Leipzig regen natürlich auch die Frage an, ob noch Gräber der vor hundert Jahren gefallenen Helden in und um Leipzig vorhanden sind. Dabei muß man sich zunächst vergegenwärtigen, wie die Helden der dreitägigen Völkerschlacht bestattet wurden. Am 20. Oktober 1813 früh : ,10 Uhr trommelte in Leipzig ein Stadttambour das Volk zusammen und machte bekannt, daß jeder Hauswirt einen Mann zum Totenbegraben zu stellen habe. Tic Bekanntmachung wurde dann am 23. unj^ 28. Oktober wiederholt. Und während noch täglich Unzählige tn den Lazaretten starben, imirden die Toten waggonweise in großen Gruben verscharrt. Wo ein Krieger gestorben war, wurde der Tote einfach vor die Tür gelegt, bis ein zu dem Zwecke vorüberfal/render Wagen die oft völlig ent­blößte Leiche aufnahm. lieber Namen und Stand der Verstorbenen Untersuchungen anzustellen, war wenig Zeit; in einzelnen Fällen tat man's, aber das angelegte Leichenbuch, das in bunter Reihe Feind und Bundesgenossen nennt, bringt die Namen höchst un- genau. Mißverständnisse falsches Hören und falsckws Schreiben ber Namen sinb natürlich dabei unvermeidlich gewesen, oft fehlt der Name ganz, und es heißt in dem Leichenbuch nur etwa wie folgt:Gestorben ein preußischer Sergeant von der Landwehr, hat die Lejchentätschc erhalten; den Sarg haben seine Kameraden machen lassen. Starb in Pfaffendorf." Und dabei starb dieser Ungenannte nach langem Kranksein im Januar 1814, aber man hat dabei zu bedenken, daß viele, da sie in Lazarette kamen, nicht mehr den Namen angeben konnten, nicht mehr auch in voller Montur waren, baß man sie aus forschen konnte, und baß man end­

lich sich auch kaum bie Mühe gab. Die in der Schlacht Ge­fallenen Tarnen zumeist in Massengräber, wie solche auf dem alten Johannisfriedhof noch nachweisbar sind.. Dort ist auch das Grab des Hauptmanns John Motherby vom ostprpußischen Königsberger Landwehrbataillon, das zum fünfzigjährigen Jubiläum der Schlacht bei Leipzig, 1863, ein eisernes Kreuz erhielt. Mar von Schenken­dorf hat diesen jungen Helden in einem Liede besungen. Ferner ruhen aus dem genannten Friedhöfe der russische Gencral- leutnant von Schewttsch, der russische Generalmajor Fürst Kuda- sckwff, der Oberstleutnant Andreas von Jurgenow, der, wie es auf seinem Grabstein heißt, fielim heiligen Kampfe für Deutsch­lands Unabhängigkeit an der Spitze seiner Scharen in ber ent­scheidenden Schlacht bei Leipzig als Held, beweint von den Seinen, denen er Alles war, geachtet von seiner Nation, wert einer Throne ber Nachwelt." Ferner befindet sich in ber sogenannten Milch-' insel, mit einem einfachen Denkstein versehen, bas Grab des Leutnants im 1. Pommcrschen Jnfanterie-Königs-Regiment Carl Lubwig Leopold von Borcke, geboren am 12. Januar 1793, ge­fallen beim Sturm auf Leipzig am 19. Oktober 1813. Beim Vorrückcn traf er feinen Bruder, auf dessenGott behüte dich, mein Bruder!" jener lustig:Ein Ditto!" antwortete. Bald darauf traf ihn die tödliche Zkugcl; ein Hofrat Gehler ließ ihn in seinem Garten beerdigen und ihm den Denkstein setzen. Das sind die Gräber, so weit Leipzig selbst in Frage kommt. Auf dem Friedhof in Gröbern findet sich die folgende Inschrift:Unter denen, welche hier in der Völkerschlacht für deutsche wieder- errungcnc Freiheit am 16. Oktober fochten, sind vom 10. In­fanterieregiment gefallen, Schlesifche Landwelw: Regiments-Kom­mandant Baron von Lessel, Hauptmann Graf von Korinsky, Premier-Lieutenant von Littwitz, Lieutenant von Bucholz, Lieute­nant von Thiem nebst £54 Gemeinen. Dieses Denkmal ist den Kameraden zu Ehren im Namen des Offizicrkorps geftiftet wor­ben. von Fritsch, Bataillons-Chef und Ritter des eisernen Kreu­zes, Major von Lessel und Lieutenant von Bucholz ruhen vor diesem Denkmal." Ferner ruht auf dem Friedhof in Taucha der russische General von Manteuffel, dem am 18. Oktober früh 10 Uhr eine Kanonenkugel dicht am Leibe vorbeiging, so daß er den Brand in ben Eingeweiden bekam und noch an demselben Tage starb. Seine feierliche Beerdigung erfolgte am 21. Oktober. Seine Gemahlin ließ ihm ein Denkmal setzen. Ferner liegen auf demselben Friedhof ein Kapitän Bogue von der eng­lischen Raketenbatteric und der Ufanencornet Friedrich Baron von Kleist aus Kurland. Auf dem Störmthaler Friedhof liegt ein russischer Oberst, und im herrschaftlichen Garten von Störm­thal ist ein Massengrab von 70 bis 80 russischen Kriegern. Auch in Markleeberg werden noch zwei Massengräber gezeigt. Schließlich liegt noch im herrschaftlichen Garten zu Tölitz ein österreichischer Stabsoffizier bestattet. Das aber sind die sämt­lich noch vorhandenen Gräber der vielen Tausenden Helden, die bei Leipzig fielen. Der meisten .Spuren sind von ber Zeit ver­weht.