Ausgabe 
15.2.1913 Viertes Blatt
 
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Nr. 59

viertes Blatt

165. Jahrgang

Eichener Anzeiger

Erscheint ISoNch mu Ausnahme des Sonntags.

General-Anzeiger für Gberheffen

DieGießener Familienblatter" werden dem .Anzeiger" vierrnal wöchentlich beigeleqt, das Kreisblati für den Kreis Eiehen" zweimal wöchentlich. Ti»Landwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zwennal.

Samstag, <5. Zebruar 1913

Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universiläls Buch- und Sreindruckere:.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: &L

Redaktion:«^ 112. Tel.-Adr.: AnzergerGießen.

Mb. Deutscher Nelchstaq.

112. Sitzung. Freitag, den 14. Februar« 2hn Tische des Bundesrats: Kractke.

Präsident Tr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Min,

Der Dos'etak.

(Zweiter Tag.)

Aba. Nacken (Bcntr.)f

Wir haben noch viele unerfüllte Wünsche. Wir erkennen trotz» Bem an, daß es vorwärts gegangen ist. Volle Anerkennung haben wir für die rufuDfcrnbc Tätigkeit der 'Beamten, besonders der mittleren unb unteren Beamten. In ber Frage ber Portofreiheit ber dürften sollten bic versprochenen Er­wägungen enblick einmal abgeschlossen werben. Man sollte Poit- krebitbrieie einführen, mehr Markcnautomaten aufstellen, bie Fernsprechgebühren reformieren, so baß auch ein Ausgleich für bas platte Laub geschaffen wirb. Eine mangelhafteTelephon- v e r b i n b u n g besteht noch zwischen verschiedenen großen Städten. Tas gilt besonders von Köln. Auf Gespräche nach Köln muh man immer stundenlang warten oder ..dringend" sprechen. Da­durch wird besonders die Presse geschädigt, die doch der beste Kunde der Po st ist.

Dasselbe gilt von der Geschäftswelt. Auch eine vermehrte Ausnutzung der postalischen Einrichtungen zu Ncklamezweckcn ist sebr am Platze. Bei der Vergebung der Lieferungen von Tele- graphen- und Telephonapparaten werden ohne Snbmissionßver- fahren nur einige große Firmen in Berlin berücksichtigt; hier muh Wandel geschaffen werden. Tie Fndustric im Lande kommt dabei zu kurz. Bei Postneubauten müssen die Arveiten am £rtc selbst vergeben werden. Tas ist eine durchaus berechtigte Mittelstands- forderung. Ten von der Kommission beschlossenen Beamtcn-Zu- lagen stimmen wir zu, ebenso der vorgeschlagenen Stellenvermeh­rung. Tie Atiffassung des Schatzsekretärs über die Beschlüsse der Dudgetkommission ist unhaltbar. Gegen eine solche Beschrän­kung ber Bubgetrechte des Reichstags müssen wir entschieden Protest erheben. ^Lebhafte Zliftimiming.) Es ist ebenso eine Staatsnotwendigkeit, berechtigten Klagen der unteren und mittleren Postän'tcrn Rechnung zu tragen, wie cs eine Staatsnot­wendigkeit ist, für die Sicherung des Vaterlandes nach außen zu sorgen.

Wie tiefgehend die M i ß st i m m u n g in den Beamten- kreisen geht, weih man in Regierungskreisen gar nicht. Tie Kinbererziehungsbeihilfen für untere und mittlere Beamten zu ge­währen, liegt in nationalem Interesse; sie dürfen sich aber nicht auf die Postbeamten beschränken, sondern müssen allen mittleren unb unteren Beamten zugewenbet werden. Hierdurch mied man auch die Starrheit bes Wohnungsgelbzuschusses bem WohnungL- bebürfniS anpassen können Nachbrücklich möchte ich den Wunsch aussprechen, bah bie Verwaltung ben Beamten bei ihrer Beteili­gung an ben Bestrebungen des Postbcamtcnverbandes keine Hin- derniffe in den Weg legt. Wenn ich auch manches so an ber Po st­und Telegraphenvermaltung auszusetzeu hatte, so muß ich doch an­erkennen, daß die Verwaltung viel geleistet hat unb dem rapide gesteigerten Verkehr genügend Rechnung getragen hat.

(. Schatzsekretör Kühn:

Ich habe gestern erklärt, daß es sich bei den von ber Budget- kommission beschlossenen Zulagen nicht um bie üblichen Zulagen Ijanble. Hiermit habe ick auf eine Hebung Bezug genommen, Welche auf Beschlüsse des Reichstages im Jahre 1909 zurückgeht. Damals sind ausdrücklich alle diejenigen Zulagen bestimmt wor­den. welche im Sinne des § 3 des Besoldungsgesetzes als solche behandelt werden sollen. Unter Ziffer 4a werden als Funktion- aulagen die Zulagen an solche Beamte nsw. bezeichnet, bie durch Art ihrer Beschäftigung aus der Reihe der gleichstehenden Be­amten heransgehoben sind. Ganz anders liegt es aber bei Zu­lagen, b^ic sich als Gehaltserhöhungen bar­st e l l e n. Solche sollten allerdings nur durch eine Aendernng der Besolduiigsordnung ei nge rührt werden können. Zwischen den beiden Arten von Zulagen besteht eine derartig fundamentale Ver­schiedenheit. daß es vcll berechtigt nt, wenn sie vom Regierungs- lifche aus verschieden behandelt werden.

(2tant?fefrctär des Neichsvoftamts Krätke:

Heber die Einführung von Po >t 1 r c b i t b r i e f e n ber- handeln wir seit Anfang vorigen Jahres. Zu dielen Verhand­lungen sind auch die süddeutschen Po>tverwaltungen hinzngezogen. Voraussichtlich werden wir bald hiermit zum Abschluß kommen. Bei der A u s st e l l u n g von P o st a u t o m a t e n richten wir uns nur nach bem Bedürfnis. Ihre Zahl ist von 567 im Jahre 1910 auf 1050 im Jahre 1912 gestiegen Ihr Erlös betrug fünf Millio­nen Mark und die Zahl ber umgefebten Port marken 81.5 Millio- neu. Maschinen, welche gleichzeitigdieSenbungen mit Marken bekleben unb abstempeln, finb bisher versuchsweise in Berlin. Köln unb Mannheim ausgestellt. Sie werden ziemlich reichlich beiiubt. Da sich auch weitere Fabriken mit ihrer Her­stellung befassen, werden sie voraussichtlich bald billiger werden.

Der Vorredner bat darüb^ geklagt, daß die Reichspost- bertuoltung nicht genügend Vorsorge für bie Helstellung von $erbjnbung,eitungen zwischen Berlin unb dem Westen treffe und hat glci.u'itig davor gewarnt, mit den teuren Kabelleitungen zu schnell vorzugehen. Damit hat er sich aber mit feinen eige-en Ai schauungen in Widerspruch gesetzt. Ein solches Kabel enthält gleichzeitig 50 Fernsprechleitungen. Lurch die Anlegung solcher Kabel hvsfe wir den Ansprüchen des steigenden Veit-.hrs vollpändig gerecht weiden zu können. Eine Erweiterung der R e k l c. m e in Itn T e s e p h o n b u ch e r n unb auf ben Lösckblätt.rn der Postämter beabsichtige ich nicht. Mir finb von verschiedensten Seiten Vorwürfe deswegen gemacht worden. Der eine sagt Wie könnt ihr im Telephonbuch, in dem ich stehe, Reklame für meinen Koi kurrenten machen; der andere meint: Wie komme >ch dazu auf bim verbuchten Löschblatt immer bie Reklame für das Warenhaus vor mir zu rchen, von bem ich nichts wißen will. (Große Heiterkeit.: Deshalb will ich nicht weiter gehen, al§ ich bu:d.) Vert age scheu bisher gebunden bin.

Mit den automatischen T e l ep b o n ä m t e r n haben wir recht gute Erfahrungen gemacht unb glauben, daß ihnen die Zukunft gebärt. Allerbings stellen |ie sich etwas teurer als bas bisherige System, bech werden die Mehrkosten durch ben Fortfall der Telephemstinmn erspart. Außerdem wirb jede Dummheit, die ber Abonnent macht unb für bie er bis jetzt immer daö Per­sonal verantwortlich zu machen such', in Zukunft auf ihn zurück­fallen. (Heiterkeit.) Tie Besorgnis, daß durch dre Tele- Phonapparat.e an öffentlichen Stellen Krank­heiten übertragen werben können, ist nach weitgehenden Ermittlungen, bie in Engla. d darüber angestellt wurden, hin­fällig geworden. Tie Zulassung von P r r v a t g e s e l l- schäften zur (5 r r i t v - g von Reb en anschlujjen wollen wir, im Gegensatz zu Bauern und Württemb.rg. nicht Verhindern. Allerdings ober kann ich diesen Gcsellichaftcn nicht jo wen entgegenfonimen. daß icb chnen zu Liebe die Preise für jbie Nebenstelle n. bie auch wir errichten, erhöhe, «.ies ist von ben Privatg iellsckasten gewünicht worden, ich habe ihnen aber er­klärt. daß uu ber Allgemeinheit gegenüber es nicht verantworten könne, mehr zu erheben, als nach ui'ieren Berechnungen notwendig ist Allerdings haben umere erneut angesielltcn Berechnungen ergeben, daß wir die Nebenapparate etwas ver­

teuern müssen, und' ich habe vorgestern einen (Har unter­schrieben, wonach diese Vergütungen, bi? bisher 25 Mark jcu^uch für den Apparat betrugen, erhöht werben.

Wei.n weiter gegen die Poitverwaltung ber Vorwurf erhoben wirb, daß sie die Apparate nm in Berlin kaufe, jo muß ,ch erklären, baß wie auch in Bremerhaven unb Frank­furt Finnen mit ber Lieferung betraut haben. Allerbin^. zeigt sich auch hier bie häufige Erscheinung, daß sich pciuiflc I,'irien allmählich an einem Crt zusammenfinden, wo sich im Laufe der Zeit die geeigneten Arbeit'.r angesi-delt haben, und daß dablirch die betreffenden Fabriken an diesem Crt am billigsten Herstellen können. Tas ist eine Entwicklung, ber roir Rechnung tragen müssen, ba wir doch möglichst billig ru kaufen suchen. Eine Verbilligung bes Telegraphen Verkehrs mit ben Schutzgebieten haben wir badurch erreicht, baß direkte ^Nachrick.en von der Heimat durch bas Wolifsche Büro gegen |fef)r billige Taren übermittelt werben. Tie Beschwerde, baß bie Versichern ugsgesellschanen ihre Drucksachen als Geschästspapiere billiger versenben, als cd z. B. Krankenkassen tun könneu, ist unbegründet. Hst, aber derartigen Erö'ternngen für die Zukunft vorzubeugen, tverdcn wir in der Postordnung bei den Bestim­mungen über die Geschästspapiere hiuzusetzen. baß bie Geschäfts. Votiere der Derufsgenossenschaften, Krankenkassen usw. ebenso behandelt werben.

Abg. Veck-He'd"''bk,fa (9MT.)?

Beim Postetat reden wir schon feit vielen Fahren inyner übet dieselbe Fragen. Der Staatssekretär könnte viel schneller fein Gebalt bewill'gt erhalten, wenn er unieren immer wieder­holten Wünschen auf Ausbesserung der Beamicngehälter mehr entgegenkommen würde. (Sehr richtig!) Wenn der Reichsickay- sekietär uns das Recht bestritt, selbständig Gehalts- «u lagen in den Etat einzustellen. (o kann doch ein Parlament, das auf seine eigene Bedeutung etwas hält, auf ein solches Recht n'cht verzichten. (Sehr wahrt b. d. Ntl.) Ich gebe mich trotzdem ber Erwartung hin, baß wir bis zur dritten Lesung zu einer Einigung mit der Regierung kommen, wenn sie sieht, daß bei Reichstag einmütig ferner Meinung beharrt, unb wenn sie einsieht, daß es auch in ihrem Interesse liegt, endlich ben vielen Klagen und Beichwerben ber Beamten Rechnung zu tragen, und bamit dem liefen M i ß m u t ein Ende zu machen, ber jetzt die Arbeitssrenbiakert ber Beamten lähmen muß. (Bei­fall b. b. Ntl.) Diele Einigung -kann nur erzielt werben auf ber Grundlage ber Beschlüsse ber Budgeikommission. Durch bie Erfüllung unserer Wümche ist auch ber Leistungsfähig­keit unser»* Po st Verwaltung am besten gebient (Sehr richtig! b. d. Ntl.)

Tie Beamten haben nicht nur Wünsche materieller, sondern auch ideeller Natur. Tie Postdirektoren sind in bezug auf Nana- unb Titelgewährung etwas vernachlässigt. Ihre verantwortungs­volle unb arbeitsreiche Stellung sollte boch besser gewertet werben. Auch bie Cberpostinspektoren im Reichspostamt sollten durch bie Gewährung eines entsprechenben Titels in ihrer Arbeitsfreubigkeit noch mehr belebt werden. Durch solche kleinen Geschenke wird die Freundschaft am besten gesteigert unb bas Dienstinteresse erhöht. In ber Stellung der gehobenen Unterbeamten wäre noch manches zu bessern unb manche Härte zu beseitigen, bie mit der letzten Be- solbungsreform tierbunben war. Tie Fürsorge für bie Unter- beamten muß vor allem auch in einer besseren Regelung bes Woh- nungsgelbzuschuffes liegen. Tie Starrheit unserer früheren Be­schlüsse in dieser Frage wird den modernen wirtschaftlichen Verhält- iiisseii nicht mehr gerecht.

Bei einer Revision des Besoldungsges e tz c s und des O rtsklassentarifs müssen wir sehr nachdrücklich an eine Reform des Wohnungsgcldwesens gehen. Tie Kinberzulageir sind in manchen Bcamtcukreijen nicht sehr be­liebt, weil ihre Gewährung leicht zu großen Unterschieben im Einkommen sonst gleichgestellter Beamten führen kann. Wir stimmen trotz bicter Bedenken der Resolution zu, weil wir wün­schen, daß die Frage der Kmdcrzulagen einer Klärung entgegen» geführt wird. Wir begrüßen bie Begründung ber Beamten- l r a n k e n k a s s e. Es wäre sehr wünschenswert, baß bie Unter» beantlen bas vielfach noch vorhanbene Mißtrauen überwinden unb sich möglichst vollzählig der Kasse anschließen. Einzelheiten in ben Satzungen ber Kasse könnten allerdings noch verbessert | werden. Damit würde sich vielleicht auch die notwendige Aus- I gcftaltung der Kassenleistungen verbinden lasten. Die Deckung der Mehraufwendungen, bie durch untere Beschlüsse entstehen werden, müßte sich durch eine Erhöhung der Einnahmen aus bem Ueberweisungs- unb Scheckverkehr ermöglichen lasten.

Wir könnten zur A'isbreitung bes Scheckver- kehrs auch dadurch beitragen, baß bie Beamtengebälter viertel­jährlich durch Ueberweisung au ein Scheckkomo ausgezablt tverdcn. Dadurch würden wir zugleich einer wirtschaftlichen Vorteil für die Reichdfinanzen erzielen (Sehr richtig! > Bei unteren Forderungen für bie Beamten handelt es sich ja um nichts weiter als um einen Ausgleich der Härten, di.' bei o.'r letzten Befoldungs- orbnung geblieben sind. W s ist geschehen, und w.is wird noch geschehen für bie Einführung eines einheitlichen Weltbriesportos? Unsere Verwaltiing sollte eitrig an ber Erreichung biescs Zieles arbeiten. Hoffentlich wirb bie Regierung schließlich Lie vo» uns beschlossenen Resolutionen auch ^befolgen. Dann wirb in ber Postverwaltung die erfoTerliche Zufriedenheit eintreten. (Beifall.)

Abg. Dr. Cerfel (Kons.):

Der sozialbemokratisch? Redner hat fertig gelwacht, auch 1 Lier gegen die Ngrari-r loszuziehen. (Zuruf bei den Loz: Das haben wir feber in derDeutschen Tageszeitung" heute morgen geleseni) Sie iprechen ir.mer von dem gedeckten Tisch, an dem Wir sitzen Ico hab? bisher nichts von diesem Tisch bemerkt. (Große Heiterkeit.) Der Postetat ist fing unb vorsichtig aufgestellt unb ber Staatssekretär kann sich damit sehen lasten. In den Postverwal- tungen des Auslandes gib: s viel mehr Grund zu Beschwerden, viel mehr Hnznträalichkeiten unb Kuriosa. Denn vernünftigen Wünicben kommt die Poitvertvaltung stets nach. Allen^Wünichen ; kann sie natürlich nicht nachkommen (Zuruf von ben Soz.: Aber ; ben agrarischen.) Setzen Sie sich doch einmal auf den Stuhl des ! Staatssekretc.S. (Abg. Vogt Herr (Soz.): Das kommt noch!) | Sie nicht, Herr Vogtherr, wenn einer von Ihnen dort hinkommt, \ dann ist es woh Herr Wendel. (Große Heit-rkeit.) Glauben , Sie, daß ©u aff» Wünsche erfüllen können? Tas kann nicht mal Herr Wendel. Wenn der V o r w u r f ber Fiskalitä t jegen ben Staatssekretär berechtigt fein sollte, so trägt ein Teil Schulb daran ber Reichstag. Ich möchte mal sehen, was Sie sagen wür­ben. wenn bie Post einmal ein Defizit erzielen sollte unb neue Steuern notwendig wären

Nun noch bezüglich ber Ostmarkenzulage ein Wort, so herzlich wie möglich, an bie Herr-en in ber Mitte. Die Beamten haben Jahre hindurch diese Zu­lagen erhalten. Ihr Vertrauen muß erschüttert werden, wenn jetzt diese Zulagen fallen, nur weil der Reichstag ein anderes Gesicht gewonnen hat. Wir haben eine Resolution eingebracht, an Stelle ber Östmarkenzulagen. außerorbcntliche, unwiberrusliche Zulagen für bie in Posen unb in ben gemischsprachlichen Streifen Wcstpreußens und in Elsaß.Lothringen angestellten mittleren Kanzlei- und Huterbcamien einzuführen. Dadurch wird der £ft» markenzulage der politische Charakter genommen. Wollen Sie nickt erwägen, ob Sie nicht auf diese Brücke treten können, angesichts der Notwendigkeit eines gemeinsamen ent­

schiedenen Zusammengehens aller bürgerlichen Parteien, einer Notwenbigkeit, bie in wenigen Wochen gebieterisch an uns heran- treten muß. (Beifall rechts.)

Abg. Kopsch (Pv.):

Tie Reickspost har allen Grunb, mit Reformen ernzusetzen. Gebühren und Porti sind vielfach zu hoch. Wabliendungen, bi»- bie Nummer des Wählers handjchriftlich auf ben Briefumschlägen tragen, werden nickt zum Drucksackenporto be­fördert. Das >st eine unnötige Erschwerung des WatstgeichästS, ber Gipfel der Burcaukratie. Die Handelswel» wünscht Erleich­terungen im interno'i'malen Verkehr. Leider ist die Porto­frei beit Der F ü rsten jetzt aaf d.'n Telephonverkehr aus- gebehnt worden. Die Post hat groß: Hcberschüssc gemacht. Daran ist ivbt untere Wirtschaftspolitik schuld, wie bie Rechte be­hauptet foncem bas verdanken wir den Millionen fleißiger Ar- beiterhänbe, e'nem weitsichtigen gabrifantentum unb einem tüch­tigen reellen ^aufmannf"anb.

Der Reichstag kann ans sich heraus Erhöhungen an EtatS- posten vornehmen. Tie Notlage ber Hnterbeamten ist so groß, daß allen geholfen werden muß. Hoffentlich hilft baS Zureden bes Tr Ceitcl beim Zentrum unb cs b>willigt bie Cftniarfen- ;uläge. Nachbein sie unlviberruflich sein soll, können wir ber Cft- markenzulag zustimmen. Wir verlangen vollkommene politische Freiheit, auch für die Beamten.

Sonnabend. 11 Hfjr: Weiterberatung.

Schluß 6% Uhr, _______________________________

** 'Landwirtschaftlicher Lokalverei u. In bet letzten Sitzung wurde zunächst beschlossen, daß die Beitrage, die bis zum 15. März nicht eingegangen sind, durch Postnachnahme erhoben werden sollen. Kreisveterinärrat Dr. Knell sührte in seinem Vortrag aus, daß die große Bedeutung der Milch als Nahrungsmittel im Laufe der Zeit' immer mehr er­kannt worden sei und das; man sich daher immer mehr bemüht habe, durch gesetzliche und polizeiiiche Bestimmungen die Schaffung einer hochwertigen einwandfreien Milch zu sichern. Als Wertutaß- ftab fei hierbei meist der Fettgehalt der Milch angesehen worden. Dieses sei wohl für die Zwecke der Buttersabrikatron brauchbar. Es sei dagegen dort nur von sekundärer Bedeutung, >vo die Milch vorwiegend als Nahrungsmittel in Betracht kommt. Hier sei in erster Linie zu fordern, daß eine möglichst saubere Milch geliefert werde. Milch mit 80 000 Keimen pro ccm gelte noch alsnormal". Es sei aber möglich, bei genügender Reinlich­keit und Sorgfalt Milch von 25000 Keimen pro ccm zu ge­winnen. Reinhaltung des Melkers, seiner Hände, Kleider usw., Reinhaltung des Euters, gutes Putzen der Tiere, Vermeidung von Staub beim Melken, Venvendung teils geschlossener Melkeimer, gutes sofortiges Kühlen (bis auf mindestens 12ö), seien bie Voraus­setzung für die Gewinnug sauberer Milch. In 2. Linie fei auf die Gewinnung hygienisch einwandfreier ,Milch hinzuarbeiten. Zu diesem Zwecke müßten alle kranken, besonders tuberkulösen, unter Gebärmiitterentzündung, Scheidekatarrh usw. leidenden Tiere von der Milchgewinnung ausgeschlossen sein, 2 Wochen vor und 2 Wochen nach dem Kalben soll die Milch nicht zu Nahrungs-- zwecken benutzt werden, ferner seien alle Menschen mit anstecken­den Krankheiten von der Milchgewinnnng fern zu halten. Einige hochinteressante Beispiele, die der Vortragende anführt, erläutern die Bedeutung des Vorigen sehr schön. An der Debatte beteiligten sich die Herren G o t t m a n n , Administrator Büchsen schütz, S t r e m l und der Vorsitzende. Eine Anregung des Herrn Brauereibesitzers Bichl er, Milch mit weniger als 3 Proz. Fett nicht als Magermilch anzusehen, sondern als den polizeilichen Vorschriften nicht entsprechend öffentlich nach Herkunft im Amts­blatt bekannt zu geben, wurde allerseits abgelehnt, da ein solck-es Verfahren einer Boykottierung gleich komme. Einer Anregung des Kammerrats E l e m m - Winnerod folgend, wurde ein Aus- schuß gewählt, der sich bezügl. der Frage der Milchbewertung bei einer Neuauflage der Milchnerkehrsordnung mit dem Großh. Kreisamt Gießen ins Benehmen setzen soll. Bei Punkt 3 der Tagesordnung wurde scstgestellt, daß Verwendung von Kalk neben Thomasmehl bei Wiesendüngung meist gute Ergebnisse geliefert hat, ebenso daß die Verwendung von Kalk zur Wiesendüngung jetzt noch erfolgen kann. Die Rentabilität der Salpeterdüngung scheint nach den in der Debatte geäußerten Ansichten nur auf humusarmen und neueren Wiesen und Weiden sicher zu sein. Zu Punkt 4 der Tagesordnung lagen zwei Anträge vor. 1. Der Antrag Äottmaun und Genossen, in nächster Zeit ein Referat über Rübenbannereine und ihre Ausgaben einzustellen. 2. Ein Antrag B ü ch s e n s eh ü tz und Genossen, ein Referat über Frucht­folge und Wirtschaftsweise nach der Fcldbcreinigung erstatten zu lassen. Beide Anträge wurden angenommen. Als Termin für die nächste Sitzung ivurde Donnerstag, 27. Februar, in Aus­sicht genommen. . ' .

Elvcnrod, 13. Febr. Gestern taub eine gut besuchte Landmirte - Bersaminlung statt. Es waren hierzu Direktor Schlabach von der Koin^ausgenostenschast Alsfeld und Land­wirtschaftslehrer Hepv, 'borfteuer der landw. Auskunstsstelle Friedberg, erschienen. Direktor Schlabach wies vor allein auf die Wichtigkeit einer rationellen Düngung hin. Herr Hepp hielt bann einen Vortrag hierüber. Er führte aus, nach welchen Gesichtspunkten heute eine für den Landwiit rentable Düngung zu er'olgen habe Vor allem hob er die Bedeutung der oiganifdier Tung er hervor und würdigte den Stafimi-t in richtiger Weise. \i|[<3 künstliches Düngemittel, das bem Stallmist Sehr nahe stehe, besprach der Redner den Peru-Guano. Beim Einkauf sei mit be­sonderer Vorsicht vorzugehen unb vor allem darauf zu achten, daß man es daun auch » it echtem Peru-Guano zu tun habe. Ter Raufer müsse verlangen, daß der Fabrikant einen Impoitnachweis seines Rohguanos führe. Der Redner erklärte dann die richtige Anwendung des Peru-Guano und illustrierte leine Worte noch durch wohlgelungene Lichtbilder Direktor Schlabach hob die Bedeutung des Weiioiienfdiai 15mcien§ bei vor. Nur der enge Zu­sammenschluß der Landwirte könne auf die Dauer eine Gewähr dafür sein, daß die Znteiessen der Landwirtschaft mit richtigem Nachdruck vertreten würden. Lebhafter Beifall lohnte die Worte der Redner.

CintfcbiWabrt

Darmstadt, 13. Febr. Der Sttaßburger Flieger Ober­leutnant v. Don new crt, der hier einige Tage Station ge­macht hat, ist beute mit dem Leutnant Warso auf seinerNumpler- Tanbe" über Fulda nach Gotha geflogen.

Friedrichshafen, 13. F.-br. Ter Kaiserliche Plarine- bauineifter des Rei > smarineamtes tu Berlin 'Viel) f er weilt seit einigen Tagen hier zu Vorbesprechungen mit bem Luftschiffbau Zeppelin wegen Erbauung eures weiteren Piarmelustsdnffes. DaS neue MilitcirluftlchiffZ 24" dürste in acht bi5 zehn Tagen fertig- gestellt sein.

vermischte».

4' Automobilunfälle. Ein 16jähriger Lehrling, der am Mittwoch in Karlsruhe von dem 9butomobil des Prinz« Ernst August von Cumberland überfahren worden ist, ft a rb um 9 Uhr abends an den schweren hierbei erlittenen VerletzurmM. Llus Nizza wird geineldet: Am Mittwoch nachmtttag fuhr