Ausgabe 
17.6.1913 Zweites Blatt
 
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Eingesandt.

(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik siebenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei

Verantwortung.)

Unter»23cgfurlh. 13. Juni.

In einer Notiz vom 12. Juni war zu lesen, daß ein lnesigcr Qwvobncr bei dem Bahnbau der 5 treffe SchlitzNiederaula ein glänzendes Geschäft dadurch machte, daß ihm für einen Teil seiner Gdjeune, der zum Baugelände ennorben werden mutzte, 6000 Mk. bezahlt wurden. Es itrirb also damit gesagt, daß die ihm bewilligte Summe weit über den Wen des angc tauften Glckäudes hinausginge. Diese Behanptting klingt doch etwas unwahrscheinlich, nxnn man bedenkt, daß die an dem Dahnbau interessierten Wentern brn das Gelände an kaufen müssen und der Geländeerwerbsausschus'., der sich auS dem Kreisrat, einem lech» nisch gebildeten Sachverständigen und einigen Bürgermeistern der beteiligten Gemeinden zusammensetzte, >vobl im Interesse derselben keine so hohen Summen bezahlen wird, die iächt annähernd im Verhältnis zum Wert stehen. Cher spricht der foerr Einsender dem Ausschuß jeglich^' sachverständige Urteil ad. Wenn er nxiter schreibt, daß nach sachverständigem Gutachten das Angebot von 6000 Mk. weit über den Wert der ganzen Scheuer bemessen war, dann tatet sicher nur sein eigenessachverständige" Urteil in Betracht kommen. Daß wir ihn aber alsSachverständigen" nicht Ernst zu nehmen haben, beweist die Tatsache, daß die Scheuer für 12 000 Mk. in die Feuerversicherung ausgenommen ist. Wenn der Eigentümer nur 8000 Mk. forderte, so rechnete er mit dem Umstand, daß er das gesamte Material beim Neubau wieder benutzen konnte. Was nun die Behauptung anbetrifft, der Besitzer werde von einem Anbau absehen, weil der übrig- bleibende Teil für seinen landwirtschaftlichen Betrieb ausreichen würde, so ist dies die reine Unwahrheit, denn der wegfallende Teil, der,in genanntem Artikel alsSchenerecke" bezeichnet wird, ist nicht so unbedeiuend, daß man auf ibn verzichten kann. Im Gegenteil, der Besitzer ist gezwungen, senk in der Erntezeit an- zubauen und daß er dadurch wirtschaftlich geschädigt ist, liegt auf der Hand. Tabei blieb noch die durch den Wegfall des Baues herb ei geführte Verunstaltung des Hofes und feuersicheres- Verwahren der Scheune unerwähnt. Also von einem so glänzen­den Geschäft kann hier gar keine Rede sein.

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«roße Geograph Peterrnann ließ sich nach 25sächriger The scheiden nm etne Frau zu betraten, die .er durch eine' HettatsMrnomck Fennen lernte Tr war ein Fanatiker der Crbnung. Weil nun feine Frau beharrlich die Ordnung feines Studierzimmers störte erhängte er frei nach einem Vierteljahr. Mit dem pädagogischen Schriftsteller Gustav Herbrich, den seine Frau 1910 erschoß, und bem Arckaok.^cn ?rich Blume, dessen trauriges Schicksal in aller Gedackstnis tit, haben wir diese Liste bis in innere Tage geführt, bre Liste der Manner, deren nnglüciliches Schicksal doch eines lcickst taunfd>en Anstrichs nicht entbehrt.

Göttinger Studentensprache im vesreiungrjahr.

Tic Bedeutung der Studentensprache für unfern deutschen Wortschatz ul vrm Forschern wie Behage! und Fr. Kluge längst erkannt und festgestellt. Biele ihrer Wörter sind derart in die Sprache eingedrungen, daß sie auch von Nichtakademisern gebraucht werden und ihre Herkunft aus dem studentischen Leben gar nicht mehr empfunden wird. Authentisches Material zur Feststellung der Herkunft dieser Worte liefert ein Bück>- leitt,Der Göttinger Student. Oder Bemerlüngen, Ratschläge und Belehrungen über Göttingen und das Stndentenlebcn auf der Georgia Augusta", das genau vor hundert Jahren im Vcr läge von Vandenhoeck & Ritprecht in Göttingen erschienen und dessen Verfasser ein Student war In einem schmucken Neudruck im Biedermeierstile Hai der Verlag das kleine Buch neu heraus- gegeben Jsl das Büchlein an sich schon ein getreues Spiegel­bild studentischen Lebens im Jahre der Befteiung, so gewinnt es für Freunde der Studentensprache ein erhöhtes Interesse durch die Beigabe einer Sammlung gebränck lickst.-r Ausdrücke und Redensarten der Studenten. Die damalige 3enhir des Königreiches Westfalen, zu dem Göttingen gehörte, hat leider dem Verfasser manches gestrichen. Ans der Fülle des Interessanten sei hier einiges mitge.teilt, das uns heute nickt mehr geläufig ist, aber den Witz der Studenten vortrefftich zeigt.

Ist die Heimat eines Studenten nicht über zwei Meilen von Göttingen entfernt, so -wird er ein.Kümmeltürke" ge^ nannf. Der Student im 1. Semester hieß wie auch heute noch Fuchs", im 2. SemesterBrander". Dies Wort ist uns aus demFaust" geläufig, wo Goethe es aber als Tigennamen, verwandt tat. Für unser-Schwänzen" sagte man damals einen Schwanz riskieren", d. h. aus der Vorlesung weg­bleiben. Hingegen bedeutetper Schwanz hören" soviel wie eine Vorlesung ohne eingeschriclnn zu sein anhören. Wenn die UhrGevatter steht", so befindet sie sich im Leihhause. Will der Studio einen Schnaps trinken, so zieht ereinen Schnabem". Sicht etwas hi'ibsck aus, so sagt man:Eh! Tas macht sich zart!" Die Tliontrfeife nennt er einenThonprügel". Das Wort schießen" wird im Sinne von wegnehmen gebraucht. So sagt man:Du hast mir den Stock geschossen!"Puff" bedeu­tete soviel wie Pump. Fremdartig ist die .Herkunft des Wortes Bommer" fiir Glück. Man gebrauchte es etwa in der Phrase Rasendes Pommer haben". Vielleicht ist es eine Verhunzung des französischen bonbeur. Die Würfel heißenTie Mun tcren", ein vielleicht der Gaunersprache entlehntes Wort. Ist iemand ein Träumer, so nennt man ihn einenTämmerfürsten". Gerät man in Erstaunen, sokriegt man den Blassen". Tie da­maligen guten Groschen hießenGute Morgen". Statt Spezies- Talei' wurdeSvuz" gesagt. Tas WortFlor", das heute mir nock in der ZusammensetzungTameifflor" gebraucht wird, ist ein Ehrentitel des weiblichen Geschlechts. Ist man unhöflicher, so I pridyt man une auch heute noch vonBesen", bildet aber nach den verschiedenen Ständen imb Gewerben zum Teil nicht mehr- gebräuchliche Zusammensetzungen wieFlorbesen",Cattun- beien",Waschbesen",Mcbenbefen". Jeder Student hat na- türlich seinBussemmt", aber, wie der Verfasser schon da­mals bemertt, denkt er nur selten daran, ihm treu zu bleiben.

Vermischtes.

* Eine wichtige Quelle für die Familien- Gesckichtsforschung. Man pflegt zu sagen, unsere Zeit habe nur ein Interesse für die craftcn Wissenschaften, für die Naturwissenschaften und die Technik. Und in der Tat ist es

nichk zu leugnen, daß 'btc Geschickte im allgemeinen nickt mehr ine Stellung bat, die sie vor einem Menschenalter einnahm. J»rdes gibt es besondere Zweige der Historie, die, im Gegensatz zu früher, weit liebevoller gepflegt werden. Das sind nament lieh die Heimatgeschickte und die Familiengeschichte. Für diese letztere ist auch in bürgerlichen .Kreisen ein ganz besonderes Interesse entstanden. Dafür ist nicht nur überall das Ver­ständnis erweckt, sondern es wird darin auch zurzeit erheblich gearbeitet und Hervorragendes gdeieftet. Da ist es nun eine alte Klage, daß die Quellen für die Familiengeschichte leider allzuoft mit der Zeit des Dreißig!ährigen .Krieges anfhören. Dieser bat zahllose Städte, Dörfer und Herrensitze in Flammen aufgeben lassen oder durch gründliche Plünderungen heimgesucht. Und die alten Papiere, die auf unsere Fragen eine Antwort geben könnten, sind auf Nimmerwiedersehen verloren. Um so größeren Wert besitzen die Archive, die diese Stürme überdauert haben Eine hervorragende Stellung in der Beziehung nehmen die alten Akten des Neichskammergerichts ein. Von ihrem Wert für die Kulturgeschichte und die Familienforschmtg handelt ein Artikel in der Nr. 21 derGartenlaube".

* Ein Hieb. A:Wie fommt es nur, daß Sie immer in Schulden stecken? (Schämen Sie sich gar nicht?" B :Na, reden Sie nicht so: Sie hätten vielleicht auch Schulden, wenn" A.:Nun? . . wenn?" B.:Na, wenn Ihnen einer was pumpte!"

vüchertisch.

Gricbens Reiseführer, Band 57: ^Kopen­hagen und dänische e>eebäber", 24. Auflage Mit 4 Karten und 4 Grundrissen >M. 2.) Verlag Albert Goldschmidt, Ber­lin W. 35. Dieser Führer, von einem guten Kenner der dä­nischen Hauptstadt bearbeitet, ist soeben in neuer Auflage er­schienen mit sorgfältig revidiertem Text ynb hartenmaterial. Das Kapitel der Kunstschätze, die Kopenhagen in so reichem Maße aufzuweisen bat, ist in der neuen Auftage durch eine ausführ­liche Beschreibung der H irs chs v ru n g s che n Gemälde- u. Skulpturen sammlung, die zahlreiche Werke älterer und moderner Künstler enthält, vermehrt worden. Eine weitere Be­reicherung hat der Führer, durch die eingehende Abhandlung der schön gelegenen und viel besuchten Seebäder an der Nord- vstküste Seelands, gefunden. Da auch alle auf das .Hotelwesen bezüglichen Angaben mit großer Genauigkeit zusarnmengestettt sind, kann der Führer jedem Besucher Kopenhagens und der Umgebung als vortrefflicher Ratgeber bestens empfohlen werden. Neben der großen Ausgabe hat der Verlag noch eine kleine Ausgabe zum Preise von M. 1. herausgegeben, die für einen kurzen Aufenthalt ausreichen dürste.

Der Frühsommer hat es in diesem Jahre besonders gut gemeint, und früher als sonst ist dem vielgevlagten Alltags­menschen Gelegenheit geboten, nach des Tages Arbeit Ruhe und Erholung im Garten zu finden. Das Verständnis für die Anlage und Pftege des Gartens zu wecken und zu vertiefen, ist die Aufgabe einer kleinen Schrift, die soeben unter dem Titel ,D e r H a us- garten* aus der berufenen Feder des Gartenbaudirektors Janson in der bekannten Sammlung der Velhagen und Klasingschen Volks­bücher erschienen ist. Ein reicher, zum Teil mehrfarbiger Bilder­schmuck gibt in typischen Beispielen ein Bild von der modernen Gestaltung des Gartens und seiner Bepflanzung. Diesem Bänd­chen schließen sich vier weitere an, die gerade zn Beginn der Sommerreisezeit allen ivanberfroben Lesern besonders willkommen sein werden. A. Trinius, der Vielgewanderte, führt uns in die lachenden Auen Thüringens und an die rebenschweren Hier der TI oj e I, Gustav Uhl erzählt uns in warmemvfundener, humor­voller Schilderung vom Harz und seinen sagenumwobenen Höhen und Tälern, und W. Dreßler zeigt uns in Wort und Bild, wie zauberhaft schon das Riesengebirge zur Sommerszeit und nicht minder im Winterkleide ist. Erwähnt sei noch, daß and) diese geographischen Bändchen eine überaus reiche, teils mehr­farbige Illustrierung aufweisen und wie alle Bände der Sammlung nur 60 Pfg, kosten.

Märkte.

Gießen, 17. Juni. M o rktberi cht. ?hif lentigem Wochen* markte kostete: Butter das Pfund 1,101.20Mk^ Hühnereier 1 Stück 78 Bfg^ 2 Stück 0 Pfg^ Enteneier 1 Stück 80 Pfg., Gänseeier ISt. 12 Pf^ Käse das Stück C8 Pfg., Kasematte 2Ctück 56 Pfg., Tauben vr Br. 0,801,00 Alk., Hühner pr. Ct. 1,001,60 Mk., Hahnen vr. Stück 1,502,50 Mk Gnfcit pr. Ct. 2,003,00 Mk., Gänse das Pfd. 00(0 Pfg^ Ochsenfleisch pr. Pfd. 92100 Pfg,, Rindfleisch vr. Pfund 9094 Pfg., Kuhfleisch 80 Pfg- Schweine« fleisch pr. Pfund 84100 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd/ 9498 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfd. 7096 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kq. 6.00 bis 5.50 Alk., Weißkraut das Stück 00 bis 00 Pfg., Zwiebeln per Ztr. 0,000,00 Mk., Milch das Liter 22 Psg« Rüffe 100 Stück 5060 Psg^ per Ztr. 000 Alk* Birnen das Pfund 12 bis 15 Pfg., Aepfel der Zentner 00 bis 00 Mk. Marktzeit von 7 bis 1 Uhr.

Verantwortlich fürAus Stadt und t'anh" i. V.: K. Neu rat h.

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