Ausgabe 
13.3.1913 Erstes Blatt
 
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Vevmiscbter.

D e r Stadtbaumeister ein sozialer Orga­nisator. Ein Herzschlag hat im Bureau des Zweckverba irdes R e i n h o l d K i c l, den erstenStädtebauer" Groß-Berlins, plötz- lick dahingerafft. Mitten aus einer Arbeit heraus, in die er sich noch nicht einmal richtig einleben konnte, ist er herausgerisseu morden. Es mehl eine Tragik um dies plötzliche Ende,, das c^tcit Mann ereilte in dem Augenblick, da er ganz großen Auf­gaben gegennbergestellt mar, da ihm Erfolge im Großen winkten. Kiel war nicht eigentlich ein Baukünstlcr großen Stils. Er bewegte sich durchaus in.den Balmen, die von großen Geistern vorgezeichnet waren, aber er hatte einen trefflichen Geschmack und wenn er sich an starke Naturen an lehnte, geschah es mit großer Wahl und einer immer überraschenden Fcinfühilkeit. Was ihn vor anderen auszeichnete, war der große soziale Sinn und ein organisatorisches Talent, das moderne, soziale und Ichgienische Städtcbauideen in architektonische Formen umzusetzen wußte. Alle Hebel setzte er in Bewegung, um rmzulängliche Baufluchtlinien- Pläne zu beseitigen, die Städteerwerterung großzügig und ver­nünftig vorzunehmen, alle Härten int Interesse der hi er­wähnenden ärmeren Bevölkerungsschichtcn _ zu mildern. Er regte Wettbewerbe an, suchte die endlosen Mietskaserncu- Straßen durch Grünflächen auszulichten. Sport- und Spiel­plätze wollte er für die Heranwachsende Arbeiterjugend schaffen. Er haute viel einfacher, wohl auch mit kargeren Mitteln, als es sonst der Fall sein mag, aber wenn et etwas nicht vernachlässigte, so war es die gute «Form', die aus meiner ästhetischen und mehr noch hygienischen Fürsorge für das Gros der Bevölkerung erwachsen war. Um die Verhunzung des Straßenbildes durch schlechte Miets­häuser zu vermeiden, legte er eine städtische B au b c r a t u n g s- stelle an, die an einigen für das Stadtbild wichtigen Punkten bemerkenswerte Ergebnisse aufzuweiscn hat. Ein großes Vcr- antwortlichkeitsöewußtsein, dieser soziale Srnn und sein organi­satorisches Talent haben ihn zu einem vorbtldlick>en Stadtbau- meister werden lassen. Paul W e st h e i m.

* Tie Bergungsarbeiten für 8. 178. Nach einem Telegramm derHamburger Nachrichten" aus Helgoland sind die Bergungsarbeiten an dem Torpedoboot 8. 178 wegen der stür- mischeu See seit Sonntag eingestellt. Ain Dienstag sind der HebakranOberclbe" und die BergungsdampferReiher" undWbatroß" in Helgoland emgetroffen, um bei günstiger Witterung die Arbeiten fortznsetzen. Am Sonntag hadert die Taucher des BergungsdampfersSeeadler" die Lage des Torpedo­bootes eingehend untersucht. Tie Untersuchung hat ergeben, daß das Bo o t in derMitteaufgebrochcn ist. Der Vorder­teil steht aufrecht auf dem Meeresboden. Der hintere Teil des Bootes ist gekippt und liegtirtit dem Kiel nach oben. ,Ein Schorn­stein sct^t. v .

* Explosions-Katastrophe tn einem ru])t|d)cn Eiscnbahnzuge. Ein schrecklicher Unglücksfall ereignete sich auf der Eisenbahnstation Rudnar Poczajowski. Ein Personenzug geriet dadurch in Brand, daß ein Mann in einen leck gewordenen Benzinbehälter eine brennende Zigarette warf.

Durch die darauf erfolgende Explosion warderZugin kurzer Zeit in Flammen, und Türm und Fenster des Waggons wurden weit hinaus geschleudert. Der 'Zug fuhr noch.eine Strecke weit, ehe der Zugführer das Feuer bemerkte. Als der Zug ßitnt Stehen gebracht wurde, gelang es dem Zugpersonal im Verein mit den Passagieren der anderen Wagen, den Braud zu löschen. E i n K i u d und acht Erwachsene f a n d e n d e n Tod in den Flammen. Vier Personen wurden tödlich verletzt ins Krankenlmus gebracht. Zahlreiche andere erlitten mehr oder minder- schwere Brandwunden.

* Wieder ein Drahtseilattentat. Aus Halle a. S. wird gemeldet: In Salzwedel wurde guer über einen Prome­nadenweg von einem Unbekannten ein ft ar f er Draht ge­spannt. Zwei Radfahrer stürzten von ihren Rädern. Ter eine wurde schwer, der andere leicht verletzt.

Kleine Lagerchromk.

Professor Soxleth in M ü n ch c n hielt nach 67 Senieftern unter ehrenden Krnrdgcbungen seine letzte Vorlesung in der Technischen Hochschule.

Eine in München lebende Tarne hat dem Magistrat 1 OOOOO Mark zur Errichtung einer Stiftung für die Pflege hilfsbedürftiger Kinder und Augenkranker ohne Unterschied der Konfession überwiesen.

Aus seinem Gute in der Nähe von N c w v o r t ist am Dienstag der reichste Mann Englands, Viscount Tredegar, gestorben. Sein jährliches Einkommen wurde auf 20 Millionen geschätzt.

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* A u s z e i cbn n n g. Dein Zabeikanlen Hubert U n d e r b e rg, alleinigen Inhaber der Firma H. Underberg-Albrecht in Rhein­berg, ist der Charakter eines Preußischen Kommerzienrats verliehen worden.

Amtlicher Wetterbericht.

Oeffcntlichcr Wetterdienst, Gießen.

Welteraussichten in Hessen für Freitaa, den 14. März 1913: Wechselnd bewölkt, meist trocken, nnld, weltliche Winde.

Letzte Slctcbridtren.

Zweite hessische Kamme r.

bs. T a r m st a d t, 13. Febr. Vor Eintritt in die Tages­ordnung erklärt 9(bg. Sens selber Bbd.st daß er sich bei der gestrigen Abstimmung geirrt habe. Er habe für die Simultan - schule stiinmen wollen. Hieraus werden verschiedene Anfragen beantwortet. In der Anfrage des Abg. Wolf lBbd.> wegen der Geschäftsführung der Lanldwirtschaftskämmer sprechen die Abgg. Korcll (F. Vp.), Molthan (Ztr.> und Hauck (Bbd.>.

Französische Hetzer.

Paris, 13. März. In einer Versammlung, in der der Journalist Hinzelin überHerz und Geist der

Elsaß-Lothringer" sprach, hielt der frühere Kolonial- Minister und Vizepräsident der Kammer Le - b r u n eine Ansprache, in der er die Pariser zu einem möglichst zahlreichen Besuch von Elsaß-Loth r i n g e n a u f f o r d e r t.

Tie österreichisch-russische Demobilisierung.

Wien, 13. März. Gleichzeitig mit der Demobilisierung im Norden soll auch eilte Ermäßigung der Rüstmrgen im Südei: insofern erfolgen, als die drei österreichischen KriegsschiffeWien' , Monarchie" undBudapest' aus bent Geschwader in die erste Reserve übergesührt werden, womit eine Verminderung des Manm schaftsst'standes verbunden ist. Der Flügeladjutant des Kackers Franz I-osef, Fregattenkapitän v. Hort hi, der während der Krise ein Sck iffskommaudo führte, ist wieder aus seinen Dienst- posten bei Hofe zurückberufen worden.

Der rumänisch-bulgarische Streit.

Petersburg, 13. März. Der hiesige b u lg a r i s ch c Gesandte erhielt ein Memorandumseiner Regierung über den Konflikt mit Rumänien. In dein Memorandum, das der Gesandte der Botschafter-Konferenz überreichen wird, wird festgcstcllt, haß Bulgarien zwecks Aufrechter­haltung guter nachbarlicher Beziehungen zu Rumänien ge­neigt sei, die Fcstu n gswe r i e von Silistria zu. schleifen, mit der Verpflichtung, keine Befestigung an der Grenze mehr anzulegen, ferner 10 Kilometer Küste am Schwarzen Meer bis zur Kartalabucht abzutreten und Rumänien in den eroberten Gebieten kirchliche und Schul- aukonomie anzubietcn. Zu weiteren Konzessionen könne sich Bulgarien nicht verstehen. In einem von Rumänien den Botschaftern überreichten Memorandum wird, er­klärt, daß Rumänien auf die Abtretung Silistrias unmöglich verzichten könne.

Neues von Schitkri Pascha.

Konstantinopel, 13. März. Ter Kommandant Adria- nopels Schut t i Pascha kündigt' her Regierung an, daß der Widerstand wegen Proviant- und Mur.iiioitsmangel sowie in­folge von U e b e r s ch w e nr m ungc n u n b K r a n k h c i_t en e r - l a h m e. Er bitte dringend um Nachrichten über ben Friedens schluß. Falls er keine Antwort erhalten sollte, werbe er späte­stens am Donnerstag den Turckbruch versuchen, lehne aber jede Verantwortung für einen Mißerfolg ab.

Neue Kämpfe in Marokko.

Me kim es, 13. Der Militärposten von El Arub wurde wiederum von Auf ständigen angegriffen. Tie Franzosen hatten einen Token und vier Verwundete. Wie ver­lautet, beabsichtigt der Roghi, den Posten mit seinen gesamten Streitkräften anzugreifen.

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