Sofia, 15. Juni. Der König -empfing ^en bisherigen Ministerpräsidenten Gcschow in Abschiebs- audienF. Er überreichte ihm die Insignien des Ordens vom Apostel St. Kyrill Methodi ifür seine hervorragenden Dienste, die er dem Land leistete. Geschow ist der einzige Bulgare, der bisher die höchste bülgarische Auszeichnung erhielt.
Der Rücktritt des Kabinetts Paschitsch.
Belgrad, 16. Juni. Ministerpräsident Paschitsch hat gestern abend dem König den Rücktrittdes Kabinetts überreicht, da Serbiens Heer und Volk nicht genullt seien, Land am rechten Wardaufer äbzutreten. Die politische Lage ist dadurch äußerst schwierig geworden. Unterrichtete Kreise behaupten, das neue Kabinett werde der Minister d e s Aeu ße r n P r 0 li ts ch bilden, derfüreineencr- aifche Aktion cintrete. Freilich wird auch mit der neuen Berufung von Paschitsch gerechnet, weil -kein Koalitionskabinett möglich sei.
Dar Urteil im Nieder-Modauer Prozeß.
bs. D a r m st a d t, 14. Juni.
Wie wir bereits telegraphisch meldeten, wurden die vier Angellagten im Nieder-Modauer Prozeß mit folgenden Strafen ^b^Phjlipp Adam wird zu einer Zuchthausstrafe timt insgesamt 5 Jahren und 6 Monaten verurteilt, ferner zu einer Geldstrafe von 1500 Mark, im Falle der Nichteinbrm- qung zu weiteren 100 Tagen Zuchthaus. Die bürgerlichen Ehrenrechte werden dem Angeklagten aus die Dauer von fünf Jahren aberkannt. Ein Jahr wird ihm auf die erlittene Untersuchungshaft angerechnct. ,
Der Angeklagte Beck wird zu einer Gefängnisstrafe von 1 Jahr 3 Monaten verurteilt, sowie zu einer Geldstrafe von zweimal je 100 Mark und zweimal K 200 Mark.
Auch ihm wird ein Jahr auf die erlittene Untersuchungshaft
Der Angeklagte Isaak >mrd zu einet Zuchthausstrafe von 1 Jahr 9 Monaten verurteilt, wovon ebenfalls ein Jahr durch die erlittene Untersuchungshaft als verbükt erachtet ""^Dcr Angeklagte Ihrig wird zu einer G c f ä n g n i s st r a s c von 6 Monaten verurteilt und außerdem zu 1500 Mark
Soweit Verurteilungen erfolgt sind, haben die Angeklagten die Kosten des Verfahrens zu tragen, in den Fällen, wo Freisprechung erfolgt ist, werden die Kosten der Staatskasse auferlegt.
Aus der Begründung:
Bei Adam hat das Gericht ein einheitliches vorsätzliches Delikt nicht •angenommen. Die Wecpselfälschungen der Jahre 1904—1208 werden Dagegen zu Gunsten Adams als eine Handlung angenommen. Wegeii der Hohe der Fälschungen mußte allem nuferne Zuchthausstrafe von 3 Jahren erkannt werden. In allen Fallen sind mildernde Umstände angenommen. In dem einen Falle, wo 9lbam die Unterschrift Pallmanns gefälscht hatte, wenn auch mit dem Einverständnis Pallmanns, mußte das Gericht auch zu einer Verurteilung kommen, da die Fälsärung zum Zivecke der Täuschung vorgenommen wurde. Mit Rücksicht auf die schweren Folgen seiner Handlungsweise mußte auf cm so hohes Strafmaß erkannt werden. ,
Der Angeklagte Isaak ist schuldig des Verbrechens gegen die 259 und 260 des Str.G.B- Bezüglich der Wechsel 1904 bis 1908 nimmt das Gericht an, daß er gewußt habe, daß Untreue vorliege, es mußte sogar angenommen werden, daß ihm die Tatsache der Fälschungeii bekannt war. Dich mußte sich ^saak bewußt gewesen sein, daß eine landwirtschaftliche Genopcnlchasts- kasse nicht derartige Wechselgeschäfte machen durste. Ferner mußte er wissen, daß es sich nur um Gefälligkeitswechsel gehandelt habe. Das spricht für gewerbsmäßige Hehlerei in VerbinDnng mit Beihilfe. „ ... . .
Der Angeklagte Beck ist schuldig der Protokoll- und der Quittungsfälschung. Die Angabe, daß er der Ansicht gewesen sei, tatsächlich 200 Mark mehr an Adam gezahlt zu haben, kennzeichnet sich als leere Ausrede. Auch von der Bilanz pro 1908 hat er germißt, daß sie falsch sei.
Dem Angeklagten Ihrig war es bekannt, daß am 11. No- vrmber 1909 für die Bilanz 1908 sich ein Verlust von 14 610 Mark herausstellte. Es ist dann die Urkunde über 275 000 Mark unterschrieben worden. In der Verlesung der Bilanz ist dieser Fehlbetrag nicht zum Ausdruck gekommen. Die Frage, ob eine Aktivierung dieser Urkunde angebracht rvar, ist nicht klar beantwortet. Es wird zu Gunsten Jhrigs angenommen, daß er Uch der Rechtmäßigkeit der Aktivierung bewußt war. Für die An- sickit, daß es sich um eine Scheinurkunde handele, i|t der Nack>- weis nicht erbracht. Die Zeugenaussagen, daß nichts bezahlt zu werden brauche, sind kein Beweis für eine Schein urkunde. Wenn Ihrig gesagt habe, daß nichts bezahlt zu rverden brauche, so kann das auch so gemeint sein, daß der Fehlbetrag auf anderem Wege cingebracht werden könne. Darin aber war die Aktirierung nicht angebracht, da man Wechsel auf die Zukunft nicht in die Aktiva aufnehmen dürfe. Das Konto Adam mußte Ihrig als zweifelhaft erscheinen. Daß Adam nichts beiaß, wußte Ihrig auch aus bem Bericht Becks. Daß es also gefallchte Bilanzen waren, die hier verlesen mürben, mußte den Sachkennern Ihrig und Beck bekannt sein. Ein Beweis, daß Ihrig den Beck zur Mittäterschaft angestiftet habe, ist aber nicht erbracht. ?yur die Bilanz 1909 kann eine Verurteilung nicht erfolgen. Es steht nicht fest, ob sich nicht auch einer ober der andere der Vor- standsnlitglieder über die falsche Bilanz im Klaren war. Auch eine Beihilfe ist nicht nachweisbar. Die Neuwerbung der Mitglieder ist fallen gelassen worden. In dem Falle der Zession mußte aber eine Verurteilung erfolgen. Hiermit geht ein Vermögensvorteil für die Bank Hand in Hand. Aus die Urkunde über 275 000 Mark hatte Nieder-Niodau einen moralischen Anspruch, dlber nicht durch die Zession ist ein Betrug erwiesen, sondern durch die durch Täuschung erreichten Unterschriften. Die Begünstigung des Adam ist glatt erwiesen.
Was nun die Strafabmessung bei den Angeklagten anbetrifft, so sind als straferschwereich anzusehen die furchtbaren Folgen ihres Verhaltens. Die Handlungsweise des Adam ist am schwersten zu verurteilen. Sie erscheint empörend gegenüber dem Bewußtsein, daß er so und so viele Familien ins Verderben stürzte. Ebenso muß seine Sorglosigkeit die schärfste Verurteilung finden. Zu seinen Gunsten kommt in Betracht der unheilvolle Einfluß Pallmanns. _ Adam ist daher als Urheber des furchtbaren Unheils am schärfsten zu bestrafen.
Für Isaak kommt straserschwerend in Betracht die Rücksichtslosigkeit, mit der er die Verhältnisse für sich ausgenutzt hatte. Er mußte die Untreue des Adam gekannt haben. Zu seinen Gunsten spricht, daß er irach Möglickf- teit versucht habe, den entstandenen Schaden rvieder gut zu machen.
Für Beck kommt in Berradck, daß er mit dem Haupturheber in Verbindung trat. Eine weitere eingehende Strafmilderung ist es aber, daß er in eine verworrene Wirtschaft kam und nicht der Mann war, Ordnung zu schäften.
Zu verurteilen ist auch Ihrig. Das in ihn gesetzte Vertrauen hat er getäuscht. Er hat auch nichts Nennenswertes getan, was Nieder-Modau Vorteil gebracht hätte. Die Wechsel ei nlösu n gen geschahen ohne Opfer seinerseits. Tas Be streben, den Konkurs zu vermeiden, hat ihn nicht abgehalten, Wcch- selUagcn gegen Nieder-Modau zu erheben. Tie Bemerkung „Ihn Nieder-Modauer seid mir ans Herz gewachsen" erscheint in einem sonderbaren Lickste, wenn man die andere Bemerkung berücksichtigt: „Wenn nur die Bank gesichert ist, dann ist mir das Schicksal Nieder-Modaus gleichiültig." Persönlich hat er sich allerdings keinen Vorteil zu verschaffen gesucht. Er ist Fanatiker einer Idee Erhebend hätte der Gedanke wirken können, der sterbenden Kasse wieder aufzuhelfen. Man hätte aber von Ihrig erwarten dürfen, daß er die Unzulänglichkeit der gebotenen Mittel erkennen mußte Seine Handlung verstößt gegen Treu und Glauben, und so mußte auf das ausgesprochene Strafmaß erkannt werden, das als eine Sühne angesehen werden bann.
Dazu schreibt uns noch unser Miturbeiter: ..
Ms Samstag morgen um V»9 Uhr in der „S trasfache gegen Ada m und Genossen" weiter verhandelt wurde, war der Gerichtssaal dicht gefüllt. Es war eine ^ovannung, und auf allen Gesichtern stand die Erwartung deutlich zu lesen. Bon den Angeklagten war Adam heute wohl etwas bleicher als sonst. Tie Gleichgültigkeit über sein Geschick schien ihn aber auch heute nicht verlassen zu haben. Bcck wußte, bahJeiner nur die geringste Strafe noch harrte, wenigftrns soweit^fie für ihn noch zu verbüßen war. Leichenblaß aber war «jbrtg. «Er wußte am wenigsten von dem, was seiner harrte. Ebenso J'saak, der eine auffallende Nervosität zur Schau trug.
Kurz nach V?9 Uhr betrat der Gerichtshof den Saal. ^Lautlose Stille! Wie bei großen Prozessen üblich, wurde der vor der Begründung verkündet. Bei Adam und Beck sckstoß sich das Gericht den Anträgen des Staatsanwalts an. Bei Ihrig und Isaak waren die erkannten Strafen nur nm etwas geringer. , _
Ter Spruch der Richter in diesem großen Prozeß ist streng. Trotzdem aber wird man aus der Urteilsbegründung eine große Vorsicht herauslesen können. In all den Fällen, die nur den geringsten Zweifel zuließen, trat weitgehendste Milde ein, die besonders dem Angeklagten Ihrig zugute tarn. Diese Milbe kommt auch in der Anrechnung der Untersuchungshaft zum Ausdruck: allen drei Angeklagten, die .sich in Untersuchungshaft befanden, wurde ein volles Jahr angerechnet. Tas Gericht begründete dies damit, baß die Länge der Haft nicht die Schiild der Angeklagten sei.
Tie ganze Sckpvcre des Gesetzes trifft die Angeklagten aber da, Ivo man die Straftaten als erwiesen ansah. Tas geschah angesichts der „furchtbaren Folgen", wie es in der Urteilsbegründung heißt. Der Urheber des ganzen Unheils, Adam, wird seine Taten im Zuchthaus büßen, ebenso Isaak, dessen Treiben das Gericht als verwerflich bezeichne!e. Ausdrücklich hob das Gericht bei Adam noch hervor die Unbekümmertheit, mit der er zu Werke ging. Selbst Warnungen fruchteten nichts mehr. Und gab er ein Versprechen, fortan geordnete Wege zu geben, o brach er es kurze Zeit nach seiner Abgabe.
Streng verfuhr das Gericht mit Ihrig und zwar deshalb, weil er fein reiches Wissen und seine große Begabung zum Schaden der Kasse benutzt habe. Er sei nicht ber Helfer gewesen, ür ben man ihn hielt, und das Vertrauen habe er schändlich getäuscht.
So endete der Prozeß, der durch neun lange Wochen die gespannteste Aufmerksamkeit nicht nur des Hessenlandes, sondern auch des ganzen Reiches in Anspruch nahm !
Alle Angeklagten behielten sich die Entscheidung darüber, ob sie das Urteil anerkennen wollen, vor.
Schützet unsere Anlagen!
Ans Stadt nnd LanH.
Gießen, 16. Juni 1913.
Akademisches Turn- und Sportfest in Gießen.
Es wird uns geschrieben:
Am 28. und 29. Juni d. I. Hübet in Gießen das zweite Mademische Turn- und Sportfest unter dem Protektorat unseres Landesherrn statt. Vier Hochschulen beteiligen sich: Darmstadt, Gießen, Heidelberg, Marburg. Tas Programm ist sehr reichhaltig. Samstag, 28. Juni nachmittags 2fts Uhr, findet in der Militärschwimmanstalt ein WettickMimmen statt, bei dem auch Ballspiele und Reigen gezeigt werden sollen. Daran soll sich ein Wettrudern anschließen, das aber wohl leider nicht zustande kommt. (Viererbooie und Ziveier Toppelruderer.) Zugleich finden auf den beiden großen Sportplätzen an der Hardt, die von ihren Besitzern der Hochschule freundlich zur Verfügung gestellt werden, sportliche Ausscheibungskampfe und ein Hokkep statt, das die Darmstädter Mannschaft als Propaganda spiel vorführen wird. Sonntag früh beginnt der große turnerische Zwölffkanups'. Um 9 Uhr finden Tenniswettspiele statt. Zugleich beginnt ber sportliche Treikamps. Nadnnittags treten die Turner zu Freiübungen an, während Gießener Studenten eine Schaustafette vom Gleiberg herab taufen; wir zeigen damit, baß wir hier auch. in größerer Menge etwas leisten. Dann folgen Musterriegenturne.n, Sportmannschaftskämpfe, Turnspiele, sportliche Endkämpfe unb zum Schluß ber große Eilbotenlauf um ben Kranz des Grobherzogs, der vergangenes Jahr in Darmstadt blieb. Auch ein volkstümlicher Treikamps gewesener Studierender ist vorgesehen. Die Vorbereitungen sind in vollem Gange. Das ganze fordert aber viel Arbeit, an der sich hoffentlich viele Kommilitonen rege beteiligen. Besonders schwierig ist auch die Wohnungsfrage, da die fremden Wettkämpfer möglichst unentgeltlich unterzubringen sind. Ueberall bedürfen wir des Entgegenkommens, das wir auch wegen der guten Sache wohl zu finden hoffen. Tie Regierung hat es durch die Anstellung des Lehramtsassessor I. Müller als Pka- bemischen Tum- und Sportleiters schon bewiesen: auch die Studentenschaft fördert die Veranstaltung in dankenswerter Weise. 'Nun heißt es nur, daß Turner und Sportsleute eifrig mitüben und mitkämpfen. In der neuen schönen Turnhalle des Realgymnasiums ivird Dienstags und Freitags ab 8 Uhr abends geturnt. Hinter bem Seftetariatsgebäude konnte ein eigener Platz für Laufübungen u. bergt gcfdxiffcn werden. Aus ben Sportplätzen unb auf bem Trieb stehen Spielgeräte zur Verfügung und kann stets geübt werden. Wir müssen gegen die guten Kräfte der mitkämpfenben Hochschulen auch tüchtige Kämpen vorschicken können! Lluch wir hoffen, von ben Kränzen unb ben Ehrenurkunden, die ein Gießener Künstler entwirft, viele zu erwerben. — Herr Assessor Müller, Ludwigstr. 14II, ist zu jeder Auskunft bereit, ebenso die Herren Tr. Mittermaier, Feist, Knöllinger. Tas Tennisspiel hat Herr Tr. Demoll, zoologisches Institut, zu leiten. — Auch der Studentische Turn- und Spvrt- ausscl-uß tstud. theol. W. Berger, Schillerstr. 11) unb o-er aka- bcmiidje Sportverein lAssistent L. Sack, Landwirtschaftliches Institut) nehmen an der Arbeit teil.
•* Der Großherzog, der Protektor des Verbandes der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein, ist am Freitag abend zu der Frühjahrsfeier des Verbandes in Essen eingetroffen und auf bem Hügel abgestiegen. Die Vereinigung besichtigte am Samstag die Krupp'schen Werke, während der Großherzog mit Herrn v. Krupp von Bohlen und Halbach zum Hauptverwaltungsgebäude fuhr. Am Abend nahm der Großherzog an dem Festessen, das die Stadt Essen in dem Kruppsaale des Städtischen Saalbaues gab, teil. Am Sonntag früh 10 Uhr eröffnete der Großherzog die Ausstellung und am Nachmittag fuhr er nach Berlin, um an ben Jubiläumsfeierlichkeiten dcS Deutschen Kaisers teilzunehmen. — Die Großherzogin ist mit dem Erbgroßherzog und dem Prinzen Ludwig am SainStag mit Gefolge nach Lich abgereift.
** Praktische Krankenpflege in ber Schule. Welchen Wert man tu Hessen ber Ausbildung der Mädchen in der Haushaltungskurrde beilegt, das zeigt sich in der steten Zimahme der Wcmder-Haushcrltungsschuleu. In vielen Orten melden sich für diese Kurse auch Frauen in solcher Anzahl, daß man für dieselben besonderen Unterricht in Krankenpflege einführte. In der .Hauptsache kam mau in den hessischen Schulen in der Gesundheitslehre und in der Krankeripflege über die Belehrungen wohl wenig hinaus: trotzdem muß die Uebung in der Krankenpflege das Ziel bleiben, das zeigen die ersten Versuche in den Wanderschulen. Besondere Beachtung verdient eine Neuerung, die man letzten Winter in der .Heidelberger Haushaltungsschule einführte. Aus einer Abteilung dieser Schule bildete man nämlich zwei freiwillige, gleichlaufende, praktische Kurse für Krankenpflege unb Gesundheitslehre. Der Unterricht
wurde von einer praktischen Aerztin unter Beihilfe einiger Lehrerinnen erteilt. Verbände, Packungen, die Lagerung der Kranken usw. müssen von den Schülerinnen selbst ausgeführt werden. Besondere Aufmerksamkeit wird der Wartung unb Pflege der Neugeborenen gewidmet. Die Sckfülerinncn zeigten für diese praktische Krankenpflege großes Interesse, und die Schulleitung ist mit dem ersten Versuch recht zufrieden.
Landkreis Gieren.
— Lang-Gons, 14. Juni. Unsere für ben 15. und 16. Juni geplante Feier mußte wegen ber Heuernte auf ben 2 9. unb 3 0. ds. Mts. verschoben werben. Krieger-und Turnverein feiern zusammen.
? Li ch, 15. Juni. Im Stadium des Feldbereini- gungsverfahrens liegt eben der zweite Abschnitt, die Besitzstandsaufnahme, zwei Wochen offen. Allgemein hört man Klagen, ja selbst Erbitterung laut werden wegen der ungeeigneten Jahreszeit, der kurzen Frist der Offenlegung und dem damit verbundenen Revlamationstermine auf die gesetzlich zulässige Minimalfrist. Ans eine Beschwerde hiesiger Grundbesitzer hierüber an Großh. Ministerium wurde die Offenlegungsfrist um eine Woche verlängert. Inzwischen ist ein weiteres Gesuch, unterzeichnet von annäfyernb 200 Grundbesitzern, hem Großh. Ministerium zugegangen um Verlegung in den Herbst unb um längere Oflenlegungsfrist. Man hofft auf Entgegenkommen seitens Großh. Ministeriums. Der zweite Abschnitt im Feldbereinigungsverfahren ist für die beteiligten Grundbesitzer der in ihr Vermögen am tiefsten einschneidende und wichtigste Akt. Hierbei handelt es sich um die Nachprüfung der von der B-vnitierungs- Kommissivn festgestellten Werte ihrer Grundstücke bezw. ihres Vermögens. Daß, diese Prüfling, angesichts der Größte der-Feldgemarkung Lich von 1100 Hektar, nicht in zwei, nunmehr in drei Wochen, und mit Mcksicht auf die in dieser Zeit auszuführenden Feldarbeiten und die Heuernte zu vollbringen ist, wird jedem, auch Nickchlanbwirt, einleuck)- tend sein. Bei dem hier außerordentlichen großen Umfang der Gernarküng und dem außergewöhnlichen Maße an Bwdenverschiedeuheiten war die Kommission vor fast unerfüllbare Anforderungen gestellt, die nachcuprüsen jetzt Sache der Besitzer ist. Nur hierdurch wird es möglich sein, einen Ausgleich eventueller Ungleichheiten zu.finden. Hierzu muh den Grundbesitzern die geeignete und notwendige Zeit eingeräumt werden.
Kreis Friedberg.
L. Friedberg, 15. Juni. Ein hiesiger Installateur stürzte gestern in Schwanheim von einem Dache, wobei er den Schornstein mit sich riß-, und erlitt einen doppelten Armbruch sowie sonstige Verletzungen. Er wurde nach Frankfurt ins Krankenhaus gebracht. Lebensgefahr ist nicht vorhanden. — Der gestrige Wochenmartt war gut bc- schickt. Butter kostete 1.40 Mk. bas Pfund, Eier das Stück 8 Pfg., Käse 6 Pfg., Kartoffeln der Zenter 2.50 Mk. Vereinzelt sind schon neue Kartoffeln zu Markte gebracht, Gemüse, namentlich Spargel unb Kernerbsen wurden vielfach gekauft. Kirschen das Pfund 55 Pfg., Erdbeeren, welche in unserer Gegend im Garten und Wald gut geraten sind, kosteten 60 Pfg. der Schoppen.
— Bad-Nauheim, 14. Juni. Zur 2 5 jährigen Jubelfeier des OrtSgewerbevereins sind die Vorarbeiten fast erledigt. Zu der Ausstellung sind 26 Anmeldungen eingelaufen. Zu dem Festkommers am Samstag abend haben der Gesangverein „Frohsinn" und der Turnverein ihre Mitwirkung zugesagt. Sonntag, 22. Juni, findet vormittags eine akademische Feier statt, auf die nachmittags ein Festessen und ein gemeinsamer Spaziergang nach dem Teich- l)au§ und dem Johannisberg folgt. Abends findet ein Fest« ball statt.
h. Heldenbergen, 13. Juni. Die Spar- und Leih lasse beschloß, ihre bisher mit unbeschränkter Haftung eingetragene Genossenschaft in eine solche mit beschränkter Haftung umzmvandeln.
h. Vilbel, 13. Juni. Die Bürgerineisterivahl ist auf den 23. Juni festgesetzt. Neben dem bisherigen Bürgermeister Mühl sch wein wurde Stadlsekretär Berg als Kandidat aufgestellt.
Hefsen-Nafsau.
O Breidenbach, 15. Juni. Ein seltenes Fest feierte heute unsere Gemeinde: das tausendjährige Bestehen des Dorfes Breidenbach. Eine Urkunde vom 16. Juni 913 gab ihr bas Recht zu der Feier, die einen würdigen Verlauf genommen hat. Ein Festgottes- dienst in unserer alten, durch ihren seltsamen Turm bekannten Kirche machte den Anfang; die Predigt hielt Pfarrer Ohly. Den Glanzpunkt des Oiachmittags bildete der Festzug, in dem prächtige Trachtengruppen laus alter und neuer Zeit vertreten waren. Ta sahen mir Frauen unb Mädchen in .Kirmes-, Sonntags-, Kirchen-, Trauer-und .Halbtrauer tracht, da marschierten Männer und Burschen in altväterlicher Kleidung, wie sie vor 200, 100 und 40 Jahren int Gebrauch war und von der im Leben der Gegenwart auch nicht eine Spur mehr vorhanden ifl. Allerlei Wagen mit lebenswahren Gruppen — Spinnslube, Flachsbereitung, Feierabend, Erntefest — zogen vorüber. Auch eine Schar Freiheitskämpfer von 1813 war vertreten, und hinter ihr eine Abteilung moderner Infanteristen in feldmarschmäßigem Anzug. Aus dem Festplatze fand Lehrer Haak herzliche Worte der Begrüßung^ eine ebenso freundliche Ansprache hielt der Landrat Dr. Daniels; eine packende Festrede hörten wir aus dem Munde unseres 2. Pfarrerd Henkelmann. Auch Bürgermeister Kamm, ber bei dieser Gelegenheit vom Kaiser das Silberne Verdienstkreuz erhalten hatte, entbot den Willkomm und den Dank der Gemeinde Breidenbach. Der Festausschuß hatte in weitgehendster Weise für die Unterhaltung des Jubiläums gesorgt, am schönsten aber durch ein Altertumsmuseu m, dessen Gegenstände, in einem eigens zu diesem Zweck erbauten Bauernhaus untergebracht, viel Beachtung seitens ber Kenner fanden. Auch eine Festschrift aus der Feder des Lehrers Eschhofen war vorhanden.
fc. Wiesbaden, 13. Juni. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten gedachten der Vorsitzende Dr. dllberti und Oberbürgermeister Glässing des Ablebens des langjährigen Stadtverordnetenvorstehers Geh. Sanitätsrat Dr. Pa geilst ech er. Zur Ehrung des Verstorbenen soll im neuen Natur- historischen Museum eine Gedenktafel angebracht werden. Dec ! Vorsitzende bemerkte, daß man sich im 9lusschnß zur Vorberatung der Wahl des Bürgermeisters dabin geeinigt habe, bei der in der nächsten Sitzung vorzunehmenden Bürgermeisterwahl den Beigeordneten Travers vorznschlagen und wenn dessen Wahl nicht zustande komme, Stadtrat Seidel ans Eharlottenburg in Vorschlag zu bringen. Der Errichtung des Lyzeums II an der Dotzhcimer Straße mit einem Kostenaufwand von 8 8 3 000 Marl wurde zugestimmt, ebenso.
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Auch heute und doch eroifl Wellen bearnfiei Tie Ergebnisse
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7 Min. 56 ( ■Mu gewinnt uc '«kein vokal. > Heidelberger R Merluovt' 8 A =«".1902. Seidel Jainiiinafiof) und M Maschmam t-ftenpreis des WtOicfiait von ] Mfchast von 18k iM-und Fechlkl. .1 ^achienhmi, F«>17 Min. 56 S LScf< Seht span A vor Essen; Ach aus, und t Sjmit kapp ei Aerpreis von ( oder t S"?ein,cr R> ÄSSjj «ey
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