Nr. (58
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gibt. 5)ans Mackowsky hat diese Arbeit getan, hat sie in einer vorbildlichen, einer geradezu rühmenswerten Weise geleistet. Wie leicht hätte sich hier, wo die Vorzüge von 150 Menschen hervorgehoben werden sollten, die Phrase einschleichen können, und mit seinem Takt ist das in ,edem stalle vermieden worden. Allbekannte Erscheinungen: Luther, Friedrich der Große, Wilhelm I. oder Bismarck werden durch Zitate aus ihren Briesen und Reden charakterisiert. Mit Vorliebe läßt Mackowsky bedeutende Zeitgenossen über die großen Geister sprechen, mit einer erstaunlichen Bc- lesercheit sind aus entlegenen Quellen noch die treffendsten Beurteilungen ausgespüct. Es macht einen eigenen Reiz, Kleist über die Königin Luise, Liliencron über Konr. Ferd. Meyer, Hebbel über Mlau5 Groth, Dahl über Kasp. David Friedrich, Friedrich den Großen über Maria Theresia, Schiller über Ferdinand II. und Wallenstein, Goethe über Alexander von Humboldt zu hören.
i. Hess. Hoflieferant ■sw. 91. Fernspr.389
zeigt. Bildnisse Lebender sind mit Ausnahme eines kaiserlichen Portraits nicht ausgenommen worden. Den Auftakt macht ein repräsentativer Vor raum mit Friedrich dem Großen, einem Abguß des im Stettiner Ständehaus befindlichen Schadowschen ■Originals. Die eigentliche Galerie beginnt mit dem Raum des königlichen .Hauses, in dem um ein Portrait des Kaisers die Büsten Wilhelms I., der Kaiserin Augusta und die von Schadow modellierten Büsten Friedrich Wilhelms III. und der Königin Luise gruppiert sind. Es folgen in dem nächsten Raum die Mitglieder der Berliner A k a d e in i c in der Zeit Wilhelms I., die .Helmholtz, Mommsen, Zeller, Ranke usw. Der nächste Saal ist den Generälen mit Bismarck und Moltkc an der Spitze gewidmet. Es folgt ein Raum mit Büste n und Zeichnungen: Thcod. Fontane von Liebermann, W. von Siemens von Hildebrand , von Menzel; die gezeichneten Portraits der Auerswald, Bernswrsf, Bethmann-Hollweg und von der Heydt, Treitschkc, Wildenbruch und Conr. Ferd. Meyer (von seinem Freund Stauffer-Bern . Zn zwei Räumen mit mehr als vierzig Darstellungen sieht man die Künstler des 19. Jahrhunderts aufgereiht. Sie leiten über zu dem in der Hauptsache auch durch das Künstlertum repräsentierten Zeitalter Goethes. Der Alex, von Humboldt, Kant, Lessing, schadow, Graff, Kasp. David Friedrich, Mos. Mendelsohn, Cornelius und der Brüder Grimm ist hier zu gedenken. Etwas kursorisch werden dann schließlich noch in Holzschnitten, Sticken und Radierungen die Zeitalter der Aufklärung, des dreißigjährigen Krieges und der Reformation abgehandelt. Man sieht, es ist bislang nur der erste Schritt zu einer deutschen Bildnissammlung, aber dieser erste Schritt ist geschickt getan. Man findet unter den Künstlern, von deren Hand diese Bilder, Büsten und Zeich- mingen stammen, erste Ramen, und die Anordnung ist mit einem feinen Gefühl und einem vollendeten Geschmack vorgenommen. J^der Raum zeigt ein eigenes Gesicht, und man hat die Empfindung, als ob die Stimmung aus der Sache heraus, aus dem, was da und dort gezeigt wird, herausgewachsen wäre.
Es lag die Gefahr nabe, daß ein solches Nebeneinander von Gesichtern bis ins letzte nur durch die Geblldeten verstanden werden könnte, daß die Masse, weniger vertraut mit dem Verdienst, das hier geehrt werden sollte, aus mangelndem Wissen vieles hätte überschlagen müssen. Um dem vorzubeugen, ist mit der Galerie ein Führer angelegt worden, der zu jedem Wldnis in wenigen Sätzen eine Charakteristik der dargestellten Person
Wen etc.
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Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: Redaklion:^D112. Tel.-Adr.:AnzetgerGießen,
Abg. Schulz (Rp.):
Herr Präsident, ich glaube, es entspricht der Stimmung, die uns nach dem eben Gehörten alle bewegt, wenn ich den Antrag stelle, das hohe Haus möge sich jetzt vertagen. (Lebhafte Zustimmung.)
Präsident Dr. Kaempf:
Ein Widerspruch gegen diesen Vorschlag erhebt sich nicht. Ich beraume die nächste Sitzung an auf Dienstag, den 17. Juni, nachmittags 1 Uhr, mit bcc Tagesordnung der heutigen Sitzung.
Schluß UV, Uhr.
Der Abschluß der ersten Ausschutzlesung der Ariegsschatzvorlage.
: Berlin, 14. Juni.
In einer kurzen dritten Sitzung führte der Budget- ausschuß des Reichstags die erste Lesung der Vorlage über die Erhöhung des Kriegsschatzes zu Ende. Tie Aussprache brachte nichts neues, sie drehte sich in der Hattpt- sache um die Bedenken gegen den Silberschatz. (Der Schatzsekretär gab zu, daß, die Vorlage nur einen kleinen Ausschnitt aus den im Mobilmachungsfalle notwendig werdenden Maßnahmen 'bedeute und daß im Fall der Mobilmachung sehr viel mehr Silber verbraucht würde. Für die Wiedereinziehung des Silbers stehe d^r Reichskasse das Guthaben an die Reichsbant' im Betrage von chtndcrt- zwanzig Millionen zur Verfügung. Die große Gefährdung des ganzen wirtschaftlichen Lebens in den ersten Tagen der Mobilmachung, insbesondere der Großstädte in Bezug auf die Ernährung, wird vom Zentrum betont und eine Verhandlung des Ausschusses mit Regierungsvertretern und Vertretern der Landwirtschaft empfohlen. Auch von nationalliberaler Seite wird eine vertrauliche Besprechung über alle diese Tinge im Herbste dieses Jahres für zweckmäßig gehalten.» Die flZerwendungldes 'Silberschatzes in natura sei'-das allein Richtige, denn in kritischen Zeiten könne die Reichs- banl' leicht von Silberzahlungsmitteln entblößt werden.
Die Abstimmung ergibt die Ablehnung des volksparteilichen Antrags, wonach der Silberschatz in Friedenszeiten nicht verwendet werden soll. Angenommen wird mit großer Mehrheit der Zentrumsantrag, der bestiimnt, daß die vom Reichskanzler zur Befriedigung eines außerordentlichen Bedarfes zu treffenden oder getroffenen Maßnahmen, abgesehen vom Falle der Mobilmachung, dem Reichstag mit- zutcilen und wieder außer Kraft zu setzen sind, wenn der Reichstag dies verlangt. Ebenso wird der Gesetzentwurf über den Kriegsschatz angenommen und zwar einstimmig; die Sozialdemokratie stimmt nur provisorisch zu.
Tie Deckung der fortlaufenden Ausgaben.
Am Dienstag beginnt der Ausschuß die Beratung der Besitz steuer. Dazu lesen wir in der „Nationallib. Korrespondenz":
Ein parlamentarisches Bureau meldet, daß das Steuerkompromiß für die Deckung der fortlaufenden ^lusgabcn bereits fcr- tiggestellt sei. Diese Mitteilung eilt den Tatsachen voraus. Richtig ist, daß die Budgettommission sich schon am Dienstag mit der Besitzsteucrvorlage befassen wird, und zwar zunächst dem als Anlage dem Gesetzentwurf über die Aerrderungen im Finanzwesen beigegebenen Vermögenszuwachs st euergesetz. Von einer „Fertigstellung" des unter oen Parteien zu vereinbarenden Kompromisses kann aber bis heute, Sonnabend, feine Rede sein. Vielmehr werden, wie wir hören, die Beratungen unter den Vertrauensmännern am Sonntag fortgesetzt. Bei den umfangreichen Abmachungen, die neben der Besitzsteuer bekanntlich auch eine Reihe anderer Steuern einbeziehen, bedarf es naturgemäß auch einer längeren Frist, um die Linie zu finden, auf der sich die verschiedenen Parteien zusammenfinden können. Zum andern läßt sich diese mittlere Linie auch nur erreichen, wenn jeder der in Betracht kommenden Kontrahenten in gewissen Punkten nachgibt. Alle Parteien müssen Opfer bringen und auf manches verzichten, was sie gerne durchgesetzt hätten. Daß die gewerblichen und industriellen Kreise von der Vermögens- zuivachssteuer nicht erbaut sind, läßt sich verstehen; aber auch
kf. Künstliches Leder aus Schimmel. Seit einiger Zeit wird ein lederartiger, sehr zugfester Stoff durch die Berliner Anergesellschaff hergestellt, der auf künsllichem Wege aus Mikroben aufgebaut wird. Als Ausgcmgsmaterial dienen dabei nach einer Mitteilung der ,«Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" Häute, die durch das Wacl-stum. von Bakterien und Schimmel- pllzen auf geeigneten Unterlagen gebildet werden. Solche künstlichen Häute lau'en sich in beliebiger Ausdehnung und in beliebiger Dicke Herstellen; das Bakterium Inlinum bildet z. B. Häute bis zu 30 Zentimeter Dicke, die sich kaum aus den Bottichen heben lassen. Dem besonderen Mikroorganismus muß der Nährboden jeweils angepaßt werden, und man verfährt bann so, daß man diesen Nährboden, z. B. Kartoffelmaische mit den Kulturen impft, die die Häute bilden, und die Lebewesen sich dann unter genügender Luftzufuhr selbst überläßt. Diese künstlichen Häute werden dann weiter verarbeitet, indem zuerst die Flüssigkeit ausgepreßt wird, dann werden sie gegerbt, vor dem Gerben aber werden sie zuweilen durch Füllstoffe, z. B. Aluminiumhorz- seife verbessert. Tas Kunslleder, das man so erhält, soll ziemlich fest sein, und faitn natürlich durch Aufziehen auf entsprecl-ende Gewebe ober durch Einlagern eines Gewebes zwischen zwei Häuten verstärkt werden.
Tie „Gitfiener Samtlienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für Öen Kreis Giefcen" zweimal wöchentlich. Tie „£anöroirtfd}aftlt<ben Seit* fragen" erscheinen monatlich zweimal.
sie müssen die. Verständigung als Ganzes betrachten und werden dann vielleicht zu einer milderen Auffassung kommen. Ganz unverständlich und reck;t bedauerlich aber ist cs, ivcitn — sofern die Nachrichten der Presse richtig sind — einzelstaat - lichc Regierungen, noch ehe sie von dem Inhalt der Ab- machungett ^unterrichtet sind, daS Mompromif; verdammen und der von allen Seiten, nicht zuletzt von den Verbündeten Regierungen selbst so dringend ersehnten Verständigung Sdmricrigtcitcn in ben Weg legen. Die einzelstaatlichen Regierungen, die jetzt angeblich sich gegen die BermögenSzuwachssteuer wenden, mögen auch nicht vergessen, daß diese Steuer, wenn auch subsidiär, von ihnen selbst ein gebracht worden ist. Sie mögen sich aber vor allem sagen, daß, sollten ihre Bemüyungen, die Verständigung auf dem eingeschlagenen Wege auszuhalten, erfolgreich sein, der Ausgang für sie schließlich nod) viel unangenehmer werden kann, als dies jetzt der Fall wäre.
B e rl in , 16. Juni. Auch gestern vormittag verhandelten die Parteiführer im Reichstag "mit dem Sckxltzsekretär /Kühn vertraulich über das Steuerkompro miß. Zu einer Verständigung mit den Konservativen ist es bisher nicht gekommen.
Montag, lb. Juni 19(3
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fcheu Unioersiläts - Buch- und Steinbruderei.
R. Lange, Gießen.
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Die Antwort öes Königs Herdinand an den Zaren.
Tie Lage ist doch wieder ernster geworden, und während die „Nordd. Allg. Ztg." am Samstag an die bekannte Kundgebung des Zaren noch frohe Hoffnungen knüpfte, verzeichnen wir heute die Meldung vom Rücktritt des Kabinetts Paschitsch und von u.nberechenbaren Stimmungen in Belgrad. Es scheint, als wolle Rußland seine Parteinahme mehr auf die Seite Bulgariens neigen, und die Aut- wiort, die König Ferdinand an den Zaren gerichtet hat, ist in einem entsprechenden Tone gehalten. König Ferdinand schiebt alle Schuld an den Un-uträglichkeiten auf die serbische Politik. Ob diese beim ftürftritt des Ministerpräsidenten Paschitsch nun einlenken, oder ob ein Mann der Kwiegspartei das Ruder ergreifen wird, das wird die gespannt wartende Welt lvohl tn kurzer Frist erfahren.
Sofia, 14. Juni. Das vom II. Juni datierte Antworttelegramm des Königs der Bulgaren auf das Telegramm des Kaisers von Rußland lautet:
„Ich habe die Depesche erhalten, durch welche Ew. Majestät in Ihrer Fürsorge für den Frieden und die slawische Sache unmittelbar an mich appellieren betreff der schweren Krise, ivelche unsere Beziehungen mit den Verbündeten durchmachen Inb leider nur durch sie selbst hervorgerufen ist. Ich bin es der Wahrheit schuldig, Em. Majestät in Erinnerung zu bringen, daß meine Regierung tief durchdrungen ist von der Verantwortlichkeit, die sie auf sich genommen hätte, wenn sie einen anderen Weg verfolgt hätte, als der im voraus den Gefühlen Ew. Majestät entfprach- Schon am 13. April 1913 wandle sie sich an Safonow, um ihn zu bitten, die Erregung auf beiden Seiten der Grenze anfhören zu machen durch die Einladung beider Parteien, sich dein in dem Bündnisvertrag vorgesehenen Schiedsspruch zu unterwerfen. Tiefe Einladung erfolgte, und meine Regierung nahm sie sofort an. Was die serbische Regierung betrifft setzte s i e i I) r e Politik fort, deren leiste Kundgebung, die Erklärung des Ministerpräsidenten Paschitsch in der Skupschtina, in meinem Lande mnso größere Erregung heroorgerufen hat, als die Verlesung in dem Augenblick erfolgte, wo die Zusammenkunft der Minister- präsidenten in Vorbereitung stand. Ew. Majestät werden nicht ablehnen, anzuerkennen, daß Bulgarien feinem Worte treu gewesen ist, und daß es noch immer erwartet, daß der Schiedsspruch in gleicher Weise, nach seinem Beispiel von Serbien angenommen wird, und daß es die serbische Regierung ist, die, indem sie sich dem Schiedsspruch entzieht und feindliche Kundgebungen gegen Bulgarien häuft, fortfäfjrt, die Gefahren eines bru der mörderischen Kampfes h e r a u f z u b e s ch w ö r e n. Diesen Kampf würden ich und meine Regierung mehr beklagen als irgend ein anderer. Wir wünschen aufrichtig, ihn zu vermeiden, aber wir können nicht den einmütigen Gesühlen der Erbitterung entgegentreten, die bei dem ganzen Volke an dem Tage nach seinen unerhörten Anstrengungen und ruhmreichen Siegen die Versuche unserer Verbündeten Hervorrufen, die ihin, dem Rechte und dem beschworenen Glauben zum Hohn, die heiligsten Früchte dieser 9lnftreiigungen und Siege entreißen wollen. Bulgarien hat nicht nur Rechte auf Mazedonien, auch unausweichliche Pstichten gegen die Bevölkerung, die stets bulgarisch gewesen ist und um jeden Preis bleiben will. Ew. Majestät werden sich zu erinnern geruhen, daß diese Pstichten durch Jahre hindurch von Rnßland selbst anerkannt worden sind.
Die BilömstSamnilung der Berliner National-Galerie.
Von Paul We st heim.
Aus einem Ballast der National-Galerie, aus Portraits, die in einer Kunstsammlung ungebührlich viel Raum Wegnahmen, ohne den letzten Anforderungen an künstlerische Qualität «zum Zeil wenigstens) zu genügen, ist ein neues, und wie gleich hinzugemgt werden mag, ein höchst schätzbares Museum entstanden. -Jtit der Schaffung dieser Portraitgalerie, die eben in einem ^tockverk der von Schinkel errichteten Bauakademie eröffnet worden ist, bat Ludwig I u st i einen Plan verwirklicht, der schon bei der Gründung der National Galerie in Angriff genommen war, der aber durch die Ungunst der Verhältnisse immer wieder zuriickgestelll werden musste. Wie Justi in der vor einiger Zeit verostenllichten Denkschrift barlegi, fand der Gedanke, dem deutschen tu den Bildnissen seiner großen Männer eine Gedenkhalle zu ichaften, die eifrigste Untkrstützung des alten Kaisers. An eine Verwert (Übung dieser Absicht kam es indeß nicht, da der einzige repraien- tative Saal der National-Galerie den Eorneliusichen Kartons Vorbehalten war. Auf Veranlassung des damaligen Kronprinzen Friedrich, der der Pfleger der National-Galerie war, wurden in den 70er und 80er Jahren Portraits.führender Manner bestellt. So entstanden die Knausfchen Brldmne von Mommien und Helmholtz, so die Darstellung der Generäle, dre m den Feldzügen voll 66 und 70 die Führung hatten ^a- alles blub m dm Sälen der Nationalgalerie zerstreut, bis letzt dank^ustrs Jnitiattve dieses Museum der großen Deuftchen Wlrll.chkett werden konnte.
Einstweilen ist natürlich nur ein Grundstock da. Da beträchtliche Mittel noch nicht zur Verfügung standen.mutzte man fick mit dem begnügen, was dte Nattonal-Galerre bot und - vom Kaiser Friedrich-Muieum inib
Leihgaben überlassen werden konnte Aber dreier Kern weck hohe Erwartungen und gibt das Gefühl, daß wir, J^nn lieb nicht besondere Hindernisse dem aufgemachten ^lan entgegenstll^ len werden, hier ein neues Mufeum von Wert und Gehall he- Emmen dürften.
Tie Anordnung geschah in der Weise, daN man zuiammen- 9 chorige Gruppen schuf und nach Mogllch kntiededrei er Gruppen in einem Raum zusammenhrelt Es werden affo dre Iticnerälc, die Gelehrten, die Künstler usw. nebeneinander ge-
Mb. Deutscher Reichstag.
162. Sitzung, Sonnabend, den 14. Juni.
«ra Tftch dcs^Bundesrats: Dr. v. Be t h m a n n ° H o II - Mitgliedern '&taat§ielrctären und zahlreichen Bundesrats-
Präsident Dr. Kacmpf
g^«^d e An spräche2° ^'"uten und hält fol-
^ine Herren! (Die Abgeordneten erheben sich von den «ltzen, dre Sozialdemokraten waren nicht erschienen.) Nur eine kurze Spanne Zeit noch trennt uns von dem Tage, an dem wir das fünfundzwanzigjährigc Ncgierungöjubiläum S. M. bc8 ßaiicrä feierlich und festlich begehen. Wehmütig steigt die Erinnerung an das Lcbenscnoc des kaiserlichen Gründers des Deutschen Reiches, des ersten Kaisers aus dem Hause Hohen- zollern, vor unf-rem Geiste auf. Wehmütig denken wir des edlen Dulders auf dem Kaiscrthron und seines tragischen Schicksals, Kaiser Friedrich III. Mit Stolz und Freude aber erfüllt U"s der Gedanke an die jugcndfrische Gestalt unseres Kaisers, wie er in vollem Bewußtsein seiner jugendlichen Kraft und mit der Begeisterung seines iocalen Strebens vor 25 Jahren die Regierung übernahm. Der Kaiser kannte die Bedenken, die seine militärischen Neigung-en erwecken konnten. Er wisse wohl, so hat er selbst es ausgesprochen, daß ihm nach Ruhm lüsterne Kriegsgedanken zugeschrieben würden. Er weise, so hat er hin- zugefügt, solche Beschuldigungen mit Entrüstung zurück. Jene KeOenfen haben sich als gänzlich grundlos erwiesen. Er, der das mächtigste Kricgsinstrument in seiner Hand hält, hat es benutzt, nicht um kriegerische Lorbeeren zu pflücken, sondern um uns und der Welt den Frieden zu bewahren. Wir leben in einer ernsten Zeit, aber wir haben das felsenfeste Vertrauen, daß der Kaiser das bleiben wird, was er war, und was er ist: ter Friedensfürst, der das Kriegsschwert nur ziehen würde, wenn eS gelte, die Lebensbcdingungcn des deutschen Volkes zu verteidigen. (Lcbh. Bravorufe.)
Roch nach einer anderen Richtung hin danken wir dem Kaiser. Er hat einst als den Urgruno, auf dem das Deutsche Reich errichtet ist, alle jene hohen sittlichen Anschauungen be- Seichnet, die unseren Vorfahren eigen waren und hat mahneitd gerufen, das Gefühl für den kategorischen Imperativ der Pflicht möge im deutschen Volk niemals ersterben. Als eine Verkörperung der damals ausgesprochenen Grundsätze steht der Kaiser heute vor uns. Er hat sie in seinem Wirken als Kaiser wie in seinem Familienleben zur Tat gemacht. Kürzlich hat der Kaiser bei der Vermählung seiner Tochter Worte gesprochen, die in ihrem hohen sittlichen Ernst wie in ihrem echten, aus loarmem Herzen kommenden Gefühl das Gepräge tiefsten Empsinlcns zeigen und in allen Kreisen 0eS Volkes rein menschliche Verehrung auslösten. (Lcbh. Bravorufe.) Bei der gleichen Gelegenheit aber hat der Kaiser ein Wort geprüft, das in epigrammatischer Kürze zeigt, wie er seine fürstlichen Pflichten auf- faßt: Anderen zu dienen und für andere zu sorgen, hat er als vornehmste Aufgabe eures Fürsten bezeichnet. (Erneuter lebhafter Beifall.) Wer in feierlicher Stunde solche Worte in das Leben mitgibt, kann nicht nur Anspruch erheben auf die Achtung, bic jeder deutsche Bürger seinem Kaiser schuldet und entgegenbringt, er weckt darüber hinaus zm ganzen Volke ein herzliches Gefühl der Verehrung und Liebe. (Lebh. Bravorufe.)
Sie aber, meine Herren, fordere ich auf, an dem Tage, an bem wir hier im Reichstag das 23jährige Regierungsjubiläum S. M. des Kaisers und Liönigs feiern, den Gefühlen, die uns alle beseelen, Ausdruck zu geben und den Wünschen, die wir für eine lange, glückliche und segensreiche Regierung S. M. des Kaisers, für sein Wohl und für das Wohl des ganzen kaiserlichen und königlichen Hauses zum Ausdruck bringen wollen — diesen Gefühlen und Wünschen Ausoruck zu geben, indem Sie mit mir rufen: S. M. Kaiser Wilhelm II., König von Preußen, er lebe hoch, er lebe hochl (Die Dundesratsbevollmächtigten und die Abgeordneten stimmten begeistert in die dreimaligen Hochrufe ein. Darauf brachten die Abgeordneten lebhafte Bravorufe aus.) ___
Zweites Blatt 165. Jahrgang
Gießener Anzeiger
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