Ausgabe 
15.10.1913 Erstes Blatt
 
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fid) hitjrtc. Sie stießen ungefähr in 30 bis 50 Meter Höhe zu­sammen. 9Ct[e drei wurden verletzt. Tic Apparate stürzten zur '^ei>e unb wurden vollständig zertrümmert. Linnekogel erlitt eine Stirnverletzung und Rückgratvecstauchung. Freindt trug einen Bruch des rechten Oberschenkels und des linken Unter» nejerd davon, während Gvlde scheinbar eine leichte Gehirn­eri chüttcrung erlitt.

Gordon-Bennetflug.

Pvris, 14. Cft. Von den am Sonntag am Gordon-Bennet- fing ausgestiegenen 18 Ballons sind 13 gelandet und zwar zumeist in der Bretagne. Alle drei deutschen Ballons sind gestern abend n i e d e r g e g a n g e n.Duisburg" in Parame, ,£>am- burfl* bei Kap Frehel undMetzelei:* in D n c y. Der öfter- rei bische BallonAstarte* landete in Lannion (Departement Cotes-di>°Nord).

Grubenunglück bei Cardiff.

700 Bergleute verschüttet 32 7 ans Licht befördert.

Ein großes Grubenunglück, dessen ganzer Umfang sich noch nicht übersehen läßt, ereignete sich gestern auf der Grube Universal bei Cardiff. Di« Zahl der Verunglück­ten tvird auf über 700 angegeben, von denen bis jeßt nur 327 gerettet sind. Di« Lage der U eb rige n i st hoff­nungslos. Es sind nns seither folgend«, noch recht wider­spruchsvolle Drahtnachrichten zugegangen:

London, 14. Okt. In dem Kohlenbergtverk Universal bei Cardiff ereignete sich heute vormittag, als 7 00 Ar beiter f h «im Schacht befanden, eine Explosion. Näheres ist 'unbekannt.

Cardiff, 14. Okt. Bon den bei der Explosion auf dem Kohlenbergwerk Universal verschütteten Berg­leuten sind biv Mittag 327 lebend wieder ans Tageslicht befördert worden. Außerdem wurden sechs Leichen geborgen. Man glaubt, daß die Zahl der Toten sich auf 150 beläuft. Die Explosion erfolgte heute früh zwischen 6 und 7 Uhr, als die Tagesschicht schon cingefahren war.

Cardiff, 14. Okt. Um 3.10 Uhr nachmittags wütete das Feuer noch. 434 Bergleute fehlten beim Auf- r^n f. Tas Feuer brennt zwischen den Leuten und dem Schacht. Ter Chef der Berbwerrsinspektion sagte, daß eine R c t t u n g u n m ö g l i ch sei, bevor das Feuer gelöscht wäre.

Cardiff, 14. Okt. Die letzten Nachrichten von der GrubeUniversal" besagen, daß so gut wie alle Hoff­nung aufgegeben ist, die noch ein geschlossenen 418 Bergleute zu retten. Die Rettungsarbeiten mußten ein­gestellt werden bis das Feuer gelöscht ist, oder bis es Don selbst erlischt.

London, 14. Okt. Das Unglück in dem Kohlenbergwerk Universal" in Senghenith ist das schrecklichste, das sich je in Südwales ereignet hat. Gegen acht Uhr morgens wurde iin einem Umkreis von mehreren Aicilen eine dumpfe Detonation ge­hört. Männer, Frauen und Kinder eilten zu den Schachteingängen, wo sie erfuhren, daß die Explosion, die den Schacht in Brand setzte, kurz nach dem Einfahren der Tagesschicht 'erfolgte. Nach allen Landesteilen wurde sofort um Hilfe telephoniert. Um 9 Uhr stiegen die ersten Rettungsmannschaften in den Schacht. Eine Stunde blieb man ohne Nachricht. Gegen 11 Uhr wurde bekannt, daß etwa 3 0 0 Bergleute gerettet Jeien. Sechs Leichen wurden zutage gefördert. Den ganzen Nachmittag über standen Tausende von Leuten an dem Schacht, die Nachricht von ihren Verwandten erwarteten. Es spielten sich erschütternde Sz enen in dem Augenblick ab, als Leicksen vorübergetragen >vur- den. Eine Frau rief, als sie einen Blick auf die Bahre geworfen hatte,das ist mein Vater!" und siel in Ohnmacht. Vom König

ist eine Depesche eingetronen, in dem er seine unb der Königin aufrichtige Teilnahme ausspricht. Abends erklärte der Chefinspek- teur der Bergwerke .von Südwales, auf der östlichen Seite des Bergwerks seien alle gerettet, 418 seien noch in den we st- lichen Schächten jenseits des Brandherdes, der sich in einem Durchgang befindet, wodurch Luft in die Schächte geführt wird. Man tut alles mögliche, um die Luftzufuhr aufrecht zu erhalten. Wir halten bis zum letzten Llugenblick an der Hoffnung fest.

Vermischter.

Die Uraufführung derBöcklin-Suite" von Max Reger. Aus Essen, 13. Oktober, wird uns geschrieben: Eine interessante musikalische Urausführung fand in der Kanonen» stadt Essen statt: Max Reger dirigierte selbst seine Böcklin-Suite, vier Sätze, welche ebenso viele Bilder von Böcklin musikalisch aus­deuten. Das war zugleich die Ueberraschung dieses Abends: Reger als P r o g r a m m u s i k e r! Sollte darüber der Streit über die Berechtigung der Programmusik neu ansbrechen, so sei gleich hier bemerkt, daß das Publikum am Aufführungsabend sehr zufrieden damit war: man sah dock) wenigstens wo und wie; man wußte, was man sich beim Anhören der Klang-massen zudenken" habe. Den Anfang bildete der g e i g e n d e E r e m i t, ein schönes Geigen­solo auf dem Grund katholischer Kirchenmusik: dann kam das Spiel der Wellen, in dem das seuchtsröhliche Treiben der Mccresgötter in dem ewig bemeglid)cn Element tonmalerisch sehr munter und ergötzlich geschildert wird. Es folgte die Toten- insel, eine dunkle, trauervolle und dabei in den letzten Geheim­nissen grübelnde Stimmungsmusik und zuletzt das Bacchanal (betrunkener Soldaten mit ihren Weibern), in dem die Zügellosig­keit eines sich selbst überlassenen Trains mit einem Realismus geschildert wird, der vor nichts zurückschreckt. Ta der Komponist hier alles nnd jedes und dabei zu gleicher Zeit ausmalt, über­wuchert das Beiwerk derartig das Grundthema, daß der schließ­liche und nachhaltige Eindruck der eines Heidenspektakels war. Vielleicht war das die Absicht. Das Publikum rief den dirigieren­den Komponisten nach jedem Satz und wiederholt zum Schluß und dann noch einmal, als er zusammen mit Jinkertz aus Krefeld das Bachsche 0-moII-Konzert für zwei Klaviere virtuos gespielt hatte.

Schwerer Automobilunfall. Aus Rom wird gemeldet: Ein Automobilomnibus, auf welchem 34 Wähler von einer Wahlversammlung in Aquilc degli Abruzzi nach ihrem Bergdorf zurückkehrten, stürzte bei einer scharfen Str aßen kurve in eine 15 Meter tiefe Schlucht des Trontoflusses. Ein Wähler blieb tot, vier liegen im Sterben und 22 sind schwer verwundet.

* Vierfacher Selbstmord. Aus Paris, 14. Okt., wird gemeldet: Heute nacht haben die vier Kinder eines verwit­weten Kassierers namens Bruckner, drei Mädchen im 'zitter von 23, 19 und 8 Jahren und ein 15jäljriger Knabe Selb st- nrior b verübt. Der Grund der Verzweiflungstat soll furcht­bare Notlage fein.

* Abgestürzt. Aus München, 14. Okt., meldet ein Privat-Telegramm: Der Alpinist Dr. Paul Prenß ist im Tach- steingebiet abgestürzt. Er war sofort tot. Der seit 14 Tagen Ver­mißte wurde heute unterhalb der Kogelwand als Leiche gefunden. Er ist aus einer Höhe von nahezu 400 Metern abgestürzt.

öaetfceL

Mün ch e n, 15. Okt. In einer Versammlung der Gläubiger Dr. Diesels wurde die kauende Schuld auf etwa 4 0 0- b i § 5 0 0 0 0 0 Mark angeführt Em einstimmiger Beschluß geht da­hin, den Konkurs zu vermeiden.

Amtlicher Wetterbericht.

Wetteraussichten in Hessen für Donnerstag, den 16. Okt. 1913 : Meist trüb und wolkig, geringe Niederschlage, nordwestliche Winde.

Letzte 2lacbrid?tcit.

Aus dem sächsischen Landtag.

Dresden, 15. Okt. Um die Wiederwahl des sozialdemokra­tischen Vizepräsidenten Fräßdorf zu verhindern, hat die konser­

vative Fraktion der sächsischen Zweiten Kammer beschlossen, auf den Posten des ersten Präsidenten, den sie bisher beanspruchte, zu verzichten und sich mit dem Posten des ersten Vizepräsidenten unb eines Schriftführers zu begnügen. .Hierdurch dürfte eine Eini* gung mit den Nationalliberalen zustande kommen.

Schweres Automobilimglück.

F r c u b e n ft a b t, 15. Okt. Gestern abend gegen 7 Uhr stieß dem Architekten Kaiser, in Firma Kaiser il Weippert in Stuttgart, ein schweres Ä u t o m o b i l u n g l ü ck 511. Er fuhr in Huzelbach auf einen Langholzwagen auf und wurde so schwer verletzt, daß der Tod bald daraus einttat. Oberbaurat R aible und seine Tochter erlitten ebenfalls Verletzungen. Die Verletzungen der Tochter am Kopfe sind nicht unbedenklich. Tie übrigen Mit­fahrer kamen mit dem Schrecken davon.

Winzernol in Frankreich.

Paris, 15. Okt. Wie aus Chäton sur Saone gemeldet wird, haben die Burgunder Weinberge in diesem Jahre unter verschiedenen Krankheiten gelitten. Biele Winzer sprechen davon, ihre Weinberge aufzulassen und Getreide zu bauen. Andere haben den Weinbau bereits aufgegeben und sich als Ar­beiter in den Industrie-Gebieten, namentlich in Creusot und Monce-au-les-Mines anwerben lassen.

Ein deutscher Weltrekord im Flugwesen.

Habs he im, 15. Okt. Victor Stöffler aus Sttaßburg hat einen Weltrekord aufgestellt, der alle bisherigen Flüge in Schatten stellt. Um 12,06 Uhr nachts stieg er in Johannisthal auf und landete nach verschiedenen Zwisckienflügen enbgültig um 12,42 Uhr heute nacht in Habsheim. Stöfsler, der bei ber Lan­dung in verhältnismäßig frischem Zustande sich befand, hat mit seiner gestrigen Leistung eine Gesamtstrecke von 2220 K i l 0- m e t e r durchflogen, während der bisherige Weltrekord von Brinde- jonc nur 13 8 6 Kilometer betrug.

Wieder ein deutscher Flüchtling aus der Fremdenlegion.

Hamburg, 15. Okt. Mit dem französischen DampferCclt" traf heute ein aus der Fremdenl'egion entwichener Deutscher hier ein. Er wurde wegen Entziehung von der Wehr­pflicht von der Polizei in Untersuchungshaft genommen. Nach seinen Angaben ist er ein 20jähriger Schreiber Adolf Josef Weber aus Weißen heim in der Rhein Pfalz. Als 18 jähriger sei er in Paris, wo er sich! trugen lArbeitslosigkeik mit drei anderen Deutschen dem deutschen Konsulat gestellt habe, von einem Kon sulatsangestellten mit den drei Genossen einem Werber der Fremdenlegion in (die Hände gespielt unb, betrunken ge­macht worden. Als sie in Marseille wieder zur Besinnung kamen, hätten sie au» vorgelegten Papieren gesehen, daß sie sich in ber Trunkenheit auf fünf Iahre für die Fremden­legion verpflichtet hätten. Nach jährigem Kämpfen in Marokko, wobei er einen Stich in den Oberschenkel erhalten hätte, sei er mit drei Kameraden desertiert. Achtmal seien sie auf cd er Flucht von Arabern gefangen genommen worden. Er allein habe sich nach Malaga gerettet. Von dort hätte ber beutsche Konsul seine Ucberführung nach Hamburg veranlaßt.

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