Ausgabe 
14.10.1913 Zweites Blatt
 
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Zrsettes Blatt

165. Jahrgang

Eichener Anzeiger

Erscheint tStzllch mit Ausrmhrm be5 Sonntags.

General-Anzeiger für Oberhessen

Die Angestellten im Lichte der Statistik.

98812 686 007 989 378 275 988

21452

Demnach sind also im Handels- und Verkehrs- Gewerbe die meisten Angestellten vorhanden, fast eine Million. Die Industrie weist zwar auch gegen 700 000 Beamtcnstellcn aus: aber im Verhältnis zur Gesamtzahl der in der Industrie tätigen Bcrufskräste ist die Zahl der Be- amtenstellungcn nicht so erheblich wie im Handelsgewerbe. Auf je 100 Berufstätige kommen 6 Angestellte in der In­dustrie, in Handel und Verkehr 28. Dieses Verhältnis ist bei der verschiedenen Struktur der Industrie einer- und des Handels- und Verkehrsgewerbes anderseits nicht anders zu erwarten. Sehr gering ist der Anteil der Angestellten in der Land- und Forstwirtschaft, wo auf 100 Berufstätige nur ein Angestellter entfällt. Vergleicht man indessen diese Ziffern, wie es in der erwähnten Statistik geschieht, mit denen von 1895, so zeigt sich allerdings, daß seit 1895 die Industrie in der Vermehrung der Angestellten an erster Stelle steht.

An der Zunahme der Angestellten ist das weibliche Geschlecht stark beteiligt: 1895 waren in der Industrie 254 421 männliche und 9324 weibliche Angestellte vorhanden, 1907 dagegen 622 071 männliche und 63 936 weibliche. Bei dieser starken Zunahme ist die der weiblichen besonders auf­fallend. Es handelt sich um Kontoristinnen, Direktricen, Zeichnerinnen und Musterentwerferinnen. In Handel und Verkehr waren 1895 466 964 männliche und 93 895 weibliche, 1907 7.33938 männliche und 253 440 weibliche Angestellte vorhanden. In der V e r k a u fs t ä ti gk e i t dringt die Frau natürlich schneller vor als der Männ. Was aber das Kon- torpersonal anbelangt, so ist das Vorherrschen der Männlichen Arbeit, besonders in der Industrie, noch nicht allzu erheblich eingeschränkt. Im ganzen ist zwar die weib­liche Zunahme um 230000 im Verhältnis über doppelt so schnell als die männliche um 722 000, aber die Zahl der neu hinzugetretenen männlichen Angestellten ist doch über dreimal so groß, als die der weiblichen. Im Handel sind seit 1895 auf 67 702 Kontoristinnen fast dreimal so viel Männer neu angestellt, in der Industrie sogar auf 54 612 weibliche lAngestettte siebenmal so viel niännliche Beamte. Das Vor­dringen des weiblichen Geschlechts hat also vorläufig noch nichts Beängstigendes an sich. Betrachtet man die B e r u f s - gruppen, in beucn das weibliche Element besonders stark vertreten ist, so ergibt sich folgendes: Von 100 Angestellten waren 1907 weibliche im Handelsgewerbe (von den Verkäufe­rinnen abgesehen) 18,1; Verkäuferinnen allein 42,7; bei Post und Eisenbahn 15,1; im Bekleidungsgewerbe 42,5; im Vervielfältigungsgewerbe 17,9; in der Papierindustrie 13,8; in der Lederindustrie 11,1; im Reinigungsgewerbe 45,8; in Kunstgewerben 15; in Gastwirtschaft 49,6; im Spinnstoff­gewerbe 9,8; im Nahrungsmittelgewerbe 9,2; in der Holz­industrie 9,7; in der chetnischen Industrie 8,3 und in der Leuchtstoffindustrie 8,3.

Reiche 2 069 637 Beamte und Angestellte vorhanden. Mar entfallen davon auf:

Land- und Forstwirtschaft .... Industrie .......

Handel und Verkehr ...... Freie Berufe und öffentliche Dienste Insassen religiöser Anstalten . . .

Dienstag, H- Moder M3

Rotationsdruck und Verlag bet Br üblichen Universiläts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

DieEiehener Zmmütr.blättrr" werden bem »Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, ba§ Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Tierendwirtschaftlichen seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

vor dem französischen Konsulat statt. Es wurden Rufe laut: Nieder mit Frankreich",Nieder mit Poincarö",H o ch Deutschland!" Einen ganz besonders starken Widerhall sand das Hoch auf den Deutschen Kaiser. Es wurden spanische und deutsche Fahnen geschwungen, auf denen mit Riesen­lettern stand:Wir motten Jem Bündnis mit Frankreich, wi r w ollen ei ir spanisch-deutsches Bündnis." Die Kundgebungen nahmen einen so ernsten Charakter an, daß die gesamte Garnison mobilisiert werden mußte und 24 Stunden lang der Kriegszustand über die Stadt verhängt werden mußte. Als Kavallerie die Straßen von Teilnehmern an der Kundgebung zu säubern suchte, kam es zu blutigen Zusammenstößen. Zahlreiche Personen wurden verhaftet und erst am Freitag abend war die Ruhe in der Stadt wieder völlig hergestellt.

KolMsche rSagessebau.

Ein elsaß-lothringisches Zentrumsblatt zeichnet von den in den Reichslanden lebenden Deutschen folgendes charakteristische Bild:

So haben mir beinahe täglich das Schauspiel, daß Kerle, die beträchtliche Gelältcr und Einnahmen ans den elsaß-lothringischen Steuerpflichtigen ziehen, die hier von unserem Geld leben, von Elsaß-Lothringen, das ihnen zu leben gibt, nur schlecht reden können Ihr Herren, drückt euch doch so schnell wie möglich, wenn nötig, wollen wir euch noch Billett und Umzugskosten be­zahlen wenn wir euch dadurch vom Hals kriegen können. Aber freilich die Groschen, die diese Hurrapatrioten aus Lothringen ziehen ' siiid nicht zu schmutzig für ihre langen Finger . .. Denn diese pangermanistischen Trampel haben nicht einmal einen dank­baren Bauch Eklige Vögel, die nichts können, als das Nest be­schmutzen in dem sie groß geworden sind; ungeschliffen und un­gehobelt 'ohne jeden Takt und Bildung können sie nur sagen wir einmal ihren Gestank in die Hand lassen, die sie nährt . . . Die gegenwärtige Generation ist durch die Kaserne durchgegangen, und die Herrschaft des preußischen Korporalftocks hat ihre Sym­pathien nicht gewonnen sie wird auswachen gegenüber den be­ständigen Frechheiten der Pangermanisten von denen es bei uns wimmelt, gegenüber ihrer unerträglichen Anmayung ihrer Gassen- bubensprache. . . Wer wird uns endlich von dieser Bande be- freien^i^dEroberungen" des Katholikentages, von denen Herr Matthias Erzberger soviel Rühmens gemacht hat? ,

5. Deutscher Hochschullehrer ag.

** Str aßburg i. E., 13. Okt.

Unter zahlreicher Teilnahme von Hochschullehrern aus ganz Deutschland, -Oesterreich und der Schweiz trat hier der 5. Deutsche Ho ch s chu l lehr c r t a g im Unweriitats- gebäude zu seinen diesjährigen Beratungen zusammen.

Der Vorsitzende Professor Wach (Leipzigs eröffnete die Ver­handlungen, worauf der Rektor der Universität Straßburg, Frei­herr Sartorius von Walters haus en, Grütze entbot. Er führte hierbei u. a. aus: Die Hochschulen stehen gerade tn der Jetztzeit vor Problemen, die dringend der Lösung Wir sind in andere Zeiten gekommen und auch die Hochschulen stehen unter anderen Verhältnissen als früher. Das liegt teils an den Verbesserungen des Verkehrs; deiin ein Student, der von Moskau nach Heidelberg will, braucht nur die halbe Zett wie ein Student, der früher von Hamburg nach Heidelberg wollte. Weiter sind auch die sozialen Veränderungen auf die Hochschule nicht ohne Einwirkung geblieben, es sind aber auch Mißstände vorhanden, die wir uns selbst zuschreibcn müssen, weil wir uns einerseits zu sehr von der Zeit haben tragen lassen, anderseits mit der Zeit nicht rasch genug fortgesclwitten sind. Wir haben indessen keinen Grund, allzu pessimistisch in die Zukunft zu sehen, da der Kern gesund ist und der alte Geist der Universitäten, das Strelien nach Recht, Wahrheit und Freiheit, lebt. (Beifall.) Gehen wir allo mit srohem Mut an unsere Arbeit und fetzen wir uns fröhlichen Mutes für die Reformen ein, die wir für nötig erkannt haben.

Der Vorsitzende Professor Wach führte aus, daß die Neu­gründung von Universitäten eines der Hauptthcmcn fein werde, mit denl sich die Tagung zu beschäftigen habe. Der Vorsitzende gab sodann einen Rückblick auf die zwei Jahre feiner Amtierung. Es ist eine erhebliche Werbetätigkeit entwickelt worden. Heber 4000 Ermunterungsfchreiben sind versandt worden, damit sämt­liche Hochschullehrer Mitglieder des Vereins werden, der jetzt über 700 Mitglieder zählt. Vor einigen Tagen ist in Prag eine neue Ortsgruppe mit 114 Mitgliedern gegründet worden; die Leipziger Ortsgruppe mit 220 Mitgliedern ist die stärkste.

Nach einigen Satzungsänderungen sprach Professor v. Amira (München) über die

Reform des Promotionswesens.

Er hob hervor, daß die Erwerbung des Doktortitels verschie­dentlich gar zu leicht gemacht würde und daß es vielfach lediglich von der Zahlung der Gebühren abhängig sei, den,Doktortitel zu erlangen. Das seien unhaltbare Zustände. Der Titel müsse den höchsten akademischen Grad darstellen und vor allem müßten die Prüfungsvorschriften reformiert werden. Der Vortragende stellte sodann folgende Thesen auf: .

,,1. Die Reform muß an allen Hochschulen im Deutschen Reich, in Oesterreich und in der deutschen Schweiz nach möglichst gleiclfen Grundsätzen durchgeführt werden. Daher ist a) in den furistifwen und medizinischen Fakultäten in erster Linie die Differtation einzuführen; b) überall die Doktorprüfung von den Staatsprüfun­gen zu trennen; c) überall für den gleichen Doktorlüel und unter den gleichen Voraussetzungen die Hälfe der Gebühren und deren Behandlung unter die gleichen Regeln zu bringen: d) bei Ver­leihung mehrfacher Doktortitel durch das nämliche Kollegium be­sondere Erleichterungen zu gewähren.

2. Die Reform kann in gedeihlicher Weise nur un Wege der Autonomie ausgeführt werden: daher muß für alte diejenigen Kol­legien, welche über die,Verleihung des Doktortitels zu entscheiden haben, aber noch nicht im Besitz der Autonomie sind, das Recht angestrebt werden, ihre Promotionsordnungen vorbehaltlich der Staatsaufsicht selbst zu erlassen.' nr e

3. Die notwendigste Reform sind gesteigerte Anforde­rungen an die Dissertation. Daher muß verlangt wer­den : a) daß sie den Bleleg liefere für die Fähigkeit des Kandidaten, selbständig und mctl-odisch wissenschaftlich zu arbeiten. Deswegen sind bloße Referendar-, bloße Diplomarbeiten und der Regel nach auch bloße Seminarübungsarbeiten abzulehnen, ebenso Arbeiten, die in wesentlichen Stücken nur mit fremder Beihilfe zustande ge­bracht wurden: c) der Kandidat nicht nur in der schon bisher viel­fach üblichen Weise durch eidesstattliche Erklärungen die Selb­ständigkeit seiner Arbeit verbürge, sondern auch sich für den Fall, daß sich diese Erklärung nicht bewahrheiten sollte, dem Widerruf der Promotion unterwerfe. . r .

4 Nötig ist ferner eine Verschärfung der Rigorosen, insbeson­dere durch allgemeine Einführung einer schriftlichen Prüfung mittels Klausurarbeiten, die sämtlichen Examinatoren der Fakul­tät oder Wteilungsmitgliedern vorgelegt werden müssen.

5 Das Prüfungsverfahren muß so sorgfältig als möglich gehandhabt werden; daher ist a) die Prüfung mit zwei Referaten zu beginnen, wozu erforderlichenfalls geeignete Nichtordinarien herangezogen werden müssen: b) die Annahme der Dipertation gegen das Votum beider Referenten als unzulässig zu erachten, im übrigen nur im Wege eines Kollegialbeschlusses zuzulanen, wobei jedem Votanten ausreichende Zeit zur selbständigen Prü­fung der Arbeit gewährt werden muß: c) den Referenten zu ge­statten daß sie mit den Kandidaten ein Kollegium vornehmen, um sich von der Selbständigkeit ihrer Arbeiten zu überzeugen; d) Rückgabe der Dissertation zur Verbesserung vor der Approbation oder eine Approbation unter der Bedingung von Verbesserungen ist abzulehnen: e) die mündliche Prüfung ist öffentlich und in Unwesenheit sämtlicher Examinatoren abzuhalten; f) das Bestehen der mündlichen Prüfung ist auszuschließen, wenn der Kandidat nicht in jedem Hauptfach wenigstensgenügend" hat; g) insbesondere daS medizinische Kolloauium für approbierte Aerzte ist behufs Eingehens auf die wissenschaftlichen Kenntnisse des Kandidaten zu verlangen, sofern nicht schon die Approbationsvrüfung mit vorzüglicher Note (doktormäßig") bestanden ist; h) die Erteilung eines ehrenden Prädikates bei der Note über die Gesamtprüfung ist von einem mit Qualifizierter Mehrheit von Examinatoren zu fassenden Be­schluß abhängig zu machen.

6. Die Tisfertation muß der Regel nach durch den Referenten, der ihre Annahme empfohlen hat, durch Druck veröffentlicht werden.

7. Das ökonomische Interesse der Dozenten an der Zahl der Promotionen muß ausgestaltet werden. Ties kann geschehen a) durch Verstaatlichung der Proniotionsgebühren, die im Prin­zip zu erhöhen wären; b) durch eine Erhöhung der Dozenten- gehälter, wobei ein Uebergangszustand derjenigen Dozenten zu

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Ans Sta-t und

Gießen, 14. Oktober 1913.

** Gießen im September. Das laufende Jahr hctt's doch nicht allzu schlinrm mit uns gemeint. Es hat uns nach den teilweise unbehaglichen Frühlings- und ersten Som­mermonaten gleichsam als Ersatz einen September geschenkt, mit dem wir hinsichtlich der Witterung recht zufrieden sein konnten. Bis zum Ende hatten wir die schönsten Tage. Und so sah man an den sonnigen und doch nicht übermäßig war­men Nachmittagen, die zum Spazierengehen und Wandern wie geschaffen waren, zahlreiche Ausflügler hinausziehen, um noch ein bischen Sonne in sich aufzunehmcn, als Vorrat für die Monate, wo die Sonne matter am Himmel scheint oder sich ganz hinter Wolken und Nebelschleiern verbirgt, wo sie nicht mehr ihre lebenschafsenden verjüngenden Strah­len auf die Erde und die Menschen nicdersendet. Auch unsere Jugend hat infolge des schönen Wetters den Rest der Ferien, der in den September fiel, noch voll ausnützen können, was in anderen Jahren nicht oft der Fall ist.

**D i e l e tz t c n T a g e v o n P o m p e j i" betitelt sich der jüngste Meisterfilm, der eine getreue und vortreffliche Wiedergabe des gleichnamigen, weltbekannten Romans von Eduard B u l w c r bildet. Das alleinige Aufführungsrecht für Gießen hat sich das Lichtspielhaus erworben und hat damit dermaßen volle Häuser zu verzeichnen, daß es schwer hält, sich dort rechtzeitig einen Platz zu sichern. Der Erfolg rechtfertigt die Reklame, die schon lange vor dem Er­scheinen des Kunstwerkes die Freunde der Kinomuse beschäf­tigt hat. Denn ein Kunstwerk ist er fürwahr, dieser Film der alten Welt, der dem bekanntenQuo vadis" nahe steht, das müssen ihm selbst die ärgsten Feinde des Kinos lassen. Besonders im technischen Sinne, denn meisterhaft ist der Aufbau der Handlung des sechsaktigen Dramas von den er­sten Bildern mit der Exposition bis zu den Höhepunkten der Liebe und dann dem drohenden Siege des Bösen und end­lich dem jähen Umschwung, der sich mit der ungefesselten Wut der Elemente paart, die über Freund und Feind mit gleicher erbarmungsloser Wut dahinrasen, Tod und Verder­ben speiend. Das alles ist meisterhaft gezeichnet und technisch wirkungsvoll herausgearbeitet. Bisweilen gar zu wirkungs­voll und zu grausig, denn Schlangcngrotte, Giftbecher, blu­tige Gladiatorenkämpfe, Mord, Massenstürze beim Rennen, gierige, ausgehungerte Löwen und endlich der furchtbare Aus­bruch des Vesuvs mit einem Selbstmord als Zugabe das dürfte für zartbesaitete Gemüter ein wenig zu viel des Gu­ten erscheinen, doch der moderne Mensch ist bekanntlich für derartige Aufregungen mit recht derben Nervensträngen ge­feit. Soweit der technische Wert, doch soll darüber nicht der K u n st s i n n oder, roeiAi man diesen dem Film durchaus nicht zuerkennen will, der gute G tzf ch m ack des Regisseurs völlig vergessen tverden, womit er!den Vorgängen meist reizvolle, manchmal bestrickend schöne Bilder zu Grunde ge­legt hat. Als Darsteller hat man italienische Schauspieler ersten Ranges verwandt, durchweg edle, charakteristische Ge­stalten und Gesichter, wie sie der Einbildungskraft des Zu­schauers beim Lesen des Romanes vorschwebten. Schade, daß bei all diesen Vorzügen, die den Film aus sich heraus zum Genuß werden ließen, in der Reklame das übliche Zenti­metermaß nicht fehlen durfte: Spieldauer 2V» Stunden, Länge über 2300 Meter, Mitwirkende über 3000, Auffüh­rungskosten etwa 800000 Mark. Die Aufführungen, die Sonntags viermal, Wochentags dreimal stattfinden, werden von stimmungsvollen Musikstücken der Lichtspielkapelle be­gleitet. K. B.

** Mehr Licht in den Häusern. Das Polizei­amt ersucht uns, unseren Lesern folgende Bekanntmachung zur Kenntnis zu bringen: Wiederholt hat das Reichsgericht dieVerpflichtungderEigentümervonGrund- ftücken festgestellt, die Toreinfahrten, Höfe, Hausflure, Gänge und Treppen, sofern und so lange dieselben jedermann zugänglich sind, während der Dunkelheit so ausreichend zu beleuchten, daß die daselbst verkehrenden Personen der

schaffen wäre, die bisher auf den Bezug hoher Pronrotionsgcbülnen angewiesen waren; c) durch Ausschluß jeder Rückzahlung bezw. jedes Erlasses von Gebühren bei Nichtbestehen der Doktor­prüfung."

Der Referent kam zu folgendem Schluß: .t-ie allseitig an­erkannten Mißstände im Verfahren bet Verleihung der Doktor­würde haben einen solchen Umfang angenommen, daß das An­sehen des akademischen Lehrstandes darunter leiden muß. Wenn man bedenkt, daß allein an den reichsdeätschen Universitäten im Jahre 1910 über 51/2 Tausend Doktordissertationen erschienen sind, daß ferner in Oesterreich jeder Arzt unb jeder Rechtsanwalt den Doktortite! erlangt haben muß, und ohne Dissertation er­langt, so wird man sich nickst darüber wundern, daß man im Ausland sich über die deutsche Doktorwürde lustig macht. Und nicht bloß im Ausland, auch im Inland ist die Meinung weit verbreitet, daß es die akademischen Lehrer mit dem Erteilen der Doktorwürde zu leicht nehmen und zwar aus Motiven, die nicht gerade reinlich genannt werden können. In der Mlgemein- heit, in der dieses Urteil gefällt zu werden pflegt, ist es un­gerecht. Die öffenttidje Meinung kümmert sich eben nicht um die Tatsache, daß sich inbezug auf die Normen, nach denen die akademischen Grade erteilt werden, und inbezug auf Handhabung dieser Normen nicht nur die verschiedenen Hochschulen, sondern auch die gleichnamigen Fakultäten recht wesentlich unterfebeiben.

Professor Hoche (Freiburg) stellt den Antrag:In These 1 soll folgender Passus e) eingesetzt werden: Doktorpromotioneir über Spezialfächer sind ausgeschlossen. Hartmann (Wien): Der Doktor ist jetzt lediglich eine fachwissenschaftlichc Auszeichnung geworden und nicht mein das geblieben, was er früher war, nämlich eine allgemeine akademische Würde. Je mehr wir wieder Gelehrten- schnlen werden wie früher und dafür sorgen, daß die Fachschulen agnz 'außerhalb der Universitäten stehen, umsomehr werden wir für die Hebung des Doktortitels sorgen können. Prof. Wach (Leipzig) .stellt folgenden Antrag: In These 1 soll einleitend gesagt werden: Die Grundsätze über die Doktorprüfung sollen an allen Hochschulen Deutschlands, Oesterreichs unb_bcr Schweiz unter Wahrung der Autonomie möglichst einander genähert werden. Ferner soll die These 2 ganz wegfallen. Amira (München): Man darf die Autonomie keineswegs aus der Hand geben. Nie­mand verleiht lieber Titel als die Regierung, weil das nichts kostet. (Heiterkeit.) Der Doktortitel wird dann ebenso erteilt, wie der HofiMstitel, aber nicht mehr erworben. Die Regierung hat es ja schon versucht, in die Autonomie der Fakultäten einzu- greifen, beispielsweise als Althosf noch die schöne Welt regierte. (Heiterkeit.) Das waren geradezu schmachvolle Verhältnisse.

Die Verhandlungen dauern fort.

Deutsche Sympathien in Spanien.

Die Begeisterung des spanischen Volkes über das fpanisch- sranzösische Bündnis scheint nach Nachrichten, die allmählich durchzusickern beginnen, iiicht fo ccklgemem gewesen zu sein, Ncke sie üi der französischen Presse geschildert wurde, im Geaentei , in Barcelona sollen sich am vergangenen Donners­tag Unruhen ereignet haben, die cmen ausgesprochen an tr- ir an fisch en Charakter trugen und die einen be­deutend arö Aren Umfang hatten, als anfangs verlautete. ? s^n'ösischen Presse fyat nun derTemp s" eine Liskrete Anspielung auf diese Vorkommnisse gemacht. Es be­stätigt sich jetzt, daß atte Meldungen, die darüber berichteten, ho h r Änfur unterdrückt worden sind, und ,0 werden erst heute brieflich Einzelheiten darüber bekannt. Die Unruhen trugen weder einen nationalistischen noch revo- lutionaren Clnrakter, sondern waren einzig und allem poli­tischer Natur. Sie fanden ohne irgend welche Vorbereitungen

Das Septemberheft desNeichsarbeitsblattes" enthält eine Bearbeitung der Statistik der Angestellten im Deutschen Reiche nach den Ergebnissen der Berufszählung, die in An­betracht der wachsenden Bedeutung dieses Standes von Interesse ist. UnterAngestellten" werden in dieser Statistik diejenigen Personen verstanden, die nicht gewerbliche Lohn­arbeiter sind, d. h. also die kaufmännischen und technischen Beamten, Aufsichts- und Kontorpersonal, Handlungsgehilfen, Verkäufer usw. Alles in allem waren 1907 im Deutschen Und