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Die „Lietzener KamMenblätier" werden dem „Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das ^Ercisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Sei!- kragen" erschemen monatlich zweimal.
bringen. In Oesterreich sei dieses System doch auch nicht so ausgebildet; die Tradition allein könne nicht massgebend fein. Auch ein nationalliberales Ausschußmitglied hält in einer Zeit, wie gegenwärtig, die Abschneidung alles dessen, was nur De kora - tionszwecken dient, für eine Notwendig leit. Die Konservativen treten für die Beibehaltung der dringlichen Adjutanten ein. Das Zentrum erklärt sich zwar bereit, der historischen Entwicklung Rechnung zu tragen bezüglich der Adjutanten des Fürsten von Hohenzollern und des Landgrafen von Hessen. Dagegen fet der Adjutant des Statthalters von Elsaß-Lothringen nicht genügend begründet. Für die Fürsten und Seitenverwaudten des Kaiserhauses seien Adjutanten unnötig. Tas Zentrum beantragt demgemäß eine Entschließung, die den Kriegsminister aufsordert, bie Vorbereitungen bis zur dritten Lesung z n treffen, daß entbehrliche Adjutanten beseitigt werden. Ein Antrag der Volkspartei ersucht den Reichskanzler, den in Betracht kommenden Fürsten und Prinzen als die Anschauung des Reichstags zum Ausdruck zu bringen, daß angesichts der Rlist ungserhöhung für das deutsche Volk ein Verzicht auf eine Anzahl von Adjutanturen dringend gewünscht werden mü s s e. Beide Anträge werden mit großer Mehrheit angenommen.
Der Wahlprufiiugsausschuß
erklärte die Wahl des konservativen Abgeordneten Gras Car- mer - Often für gültig, während bei ben Wahlen des natio nalliberalen Läser und des Zentrumsabgeordneten Kuckhofs Beweiserhebung beschlossen wurde.
Die Regelung des Snbmissionswesens.
Für die bekannten Anträge des Abg. Bassermann über die Regelung des Submissionswesens war ein Ausschuß eingesetzt worden. Er hat heute mit 17 gegen 11 Stimmen beschlossen, den Reichskanzler um die Vorlegung eines Reichsgesetzes hierüber zu ersuchen, und der Ausschuß wird in der nächsten Woche zusammentreten, um über die zu wünschende Fassung eines solchen Gesetzentwurfes sich zu verständigen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straße 7. Expedition und Verlag: 51.
Redaktion: 112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.
Ans Stabt nisd (anb.
. Gießen, 12. April 1913.
Tr Le l v e rl e i hu n g. Ter G r o sth e r z o q Hut deut Oberarzt cm der Landes-Heil- und Pflegeansta.lt „Philipps yoiptbal bet Goddelau Dr. Hernt. Schneider den Charakter als Medizinalrat verliehen.
** Kreisgesundheitswesen. Der Gr o ßh er - hat den Kreisassistenzarzt bei den Kreisgesnndheits atntern Bensheim und Heppenheim Dr. Walter Kü ch e l auf ein Nachsuchen aus dem Staatsdienst entlassen.
** B e i der Landesversicherungsanstalt Hessen sind im März- 352 Anträge eingegangen, und zwar
Samstag, 12. April 1913
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts • Blich- und ©tcinbrudetCL
R. Lange, Gießen.
frildje, arbeitsfreudige Vereinsleben und die wachsende Zahl seiner Freunde zeigen daher nmviderleglich, daß trotz des Entstehens neuer Verbindungen für Heer, Flugwesen und andere nationale Stele der Flottengedanke seine alte werbende Straft behalten hat, bie noch manchen Mann in ihren Bann zwingen wird, und geben die Gewißheit, daß unser Ziel, mag es auch zeitweilig hinter anderen dringenden Notwendigkeiten zurücktreten, in nicht ferner Zeit seiner Verwirklichung entgegengehen wird. — Tas bare Bankguthaben und der Kassenbestand des Vereins belaufen ftd) auf 215 829 Mk. Ter Voranschlag für 1913 balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 444 080 Mk. Tie Auflage des Vereinsorgans „Die Flotte" beläuft sich auf 360 000 Exemplare. Die Sammlungen für das Mters - und Jnvalidenheim, das bet Eckernförde errichtet werden soll, haben die Höhe von 10 010 Mk. erreicht. Am 31. Dezember 1912 waren vorhanden: 53 Hauptausschüsse, 3734 Ortsgruppen, 3212 Vertrauensmänner, 320 464 Einzelmitglieder und 791 445 Körperschaftliche Mitglieder. Tas Vermögen des Chinafonds bezifferte sich am 1. Januar 1912 auf 92 305 Mk. Es wurden 95 Unterstützungen im Betrage von 10 795 Mk. bewilligt. Tas Vermögen des Süd- westafrikafonds betrug am 1. Januar 1912 insgesamt 30 715 Mark. Daraus wurden 157 Unterstützungen im Betrage von 9895 Mark bewilligt. Auf dem Schulschiff des Tonischen Schulschiff- Vereins „Prinzeß Eitel Friedrich" erhielten durch Vermittlung des Flottenvereins fünf Schiffsjungen Freistellen. Im Berichtsjahre fanden 21 Schülerfahrten des Flottenvereins statt mit insgesamt 2634 Teilnehmern. Tie Zahl der Sonderfahrten belief sich auf 24 mit 5419 Mitgliedern.
Aus fielen.
Finanzausschuß der Zweiten Kammer.
_ bs. Darmstadt, 11. April.
Ter Finanz ans, chuß 'der Zweiten Kammer hielt heute vor- imittag eine längere Sitzuirg mit der Regierung ab, nachdem er gestern bereits eine Anzahl kleiner Vorlagen und Anträge erlcbigt hatte. Zunächst wurde über den Antrag Köhler- Ojann, die Verhältnisse der Hilfsaktion zugunsten der Mit- glicbcT des Nieder-Modauer Spar - und Kr e di tv er - etn5 eingehend beraten. Tie Regierung erklärt, daß sie von einer weiteren Hilfe abgesehen habe, als aus Genossenschasts- rreiien an sie Anforderungen nicht mehr gestellt worden seien. 21110) habe sie Konsequenzen des Eintretens für andere Kassen, bie in Schwierigkeiten geraten, vor aussehen müssen. Deshalb fet eine Zurückhaltung erklärlich. Von verschiedenen Rednern touriye auf die Notwendigkeit einer Aufklärung seitens der Negierung, daß sie nach den gesetzlichen Bestimmungen zur Vornahme von Revisionen nicht befugt sei, hingewiesen, ba in der Bevölkerung bie Meinung verbreitet sei, daß die Negierung bei Revisionen mitzusprechen hätte. Der Minister des Innern betonte, daß in dem setzigen Stadium der Sanierung größte Zurückhaltung geboten sei, und daß jedenfalls nicht dein Genossenschaftswesen schädliche Gedanken aus den Kreisen ber Regierung in die Oesfentlichkeit gelangen dürfen: beim das Genoßenschaftswesen habe für Hessen doch eine segensreiche Wirkung gehabt. Von verschiedenen Mitgliedern des Ausschusses tourbe von der Regierung eine Belehrung und Aufklärung ver- langt wenn von den Kassen mit unbeschränkter Haftung jetzt bie Einführung einer desclnlinkten Haftung ins Auge gefaßt iucrbc. Ein Ausschußmitglied regte an, daß sich bie Regierung bei der neuen Zentralkasse finanziell beteiligen solle, um so einen Einblick in die Verhältnisse zu bekommen. Diese Anregung fanb_ auch bei den anderen Ausschußmitgliedern Beifall. Zunächst aber solle man ein genaues Studium der Verhältnisse an -Hand der Preußischen Zentralgenossenschastskasse vornehmen.
Nun ging der Ausschuß zu einer umfangreichen Erörterung ber hessischen Finanzoerhältnisse über, wie sie durch die neuen Steuervorlagen des Reiches geschaffen worben sind. 2er Vor- O > a n n gab ein eingehendes Bild und schilderte die Einwirkung aus Hessen an Hand der dem Reichstag vor getragenen ®efct)CTtttoürfe und legte dar, wie sie in Hessen wirken würden. ^.cr ^I^beitrag habe ja auf den hessischen Voranschlag keinen Einfluß, da er direkt von ben Vermögen eingezogen werde. Dagegen belaste die dauernde Auflage von 80 Millionen den Einzri- Itaat, wenn dieser Betrag durch Erhebung eines neuen Matrikular- beitragcS von 1,25 Mark pro Kopf der Bevölkerung aufgebracht hierbei! muß. F ii r Hessen ergäbe dies eine Belastung vo n 1 6 0 0 0 0 0 M ark, welche sich durch Veredlung der Matri knlarbeiträge zum Nachteil von Hessen noch steigern könn ten. Wenn allerdings beabsichtigt sei, das Besitzsteuergesetz des Reiches in Hessen zur Einführung zu bringen, so falle, der erhöhte Matriknlarbeitrag weg, wie dies in ber Gesetzesvorlage ja enthalten sei. Dann werde nur der. Ertrag des Besitzsteuergesetzes, also die Vermögenszuwachssteuer, an das Reich abgcfüljrt werden. An Stempel büße Hessen zugunsten des Reiches die Abgaben für Gesellschaftsverträge mit durchschnittlich etwa 50 000 Mark jährlich und ben erst im vorigen Jahr eingeführten Versichern ngs- stcmpel ein, welcher mit 75 000 Mark veranschlagt sei. Aller dmgs würden diese Stempel in ben nächsten drei Jahren noch im vollen Betrage an Hessen fallen und in den Jahren 1916 brs 1919 noch zur Hälfte, so daß diese Einbuße nicht allzu schwer wiege. Auch in den Jahren 1916 bis 1919 bleibe der Stempel in seinem voranschlagsmäßigen Betrag erhalten, da er nur zu 75 000 Mark veranschlagt sei, aber eine höhere Summe ergeben habe.
Seitens der Regierung wurde darauf hingewiesen, daß man in Hessen wohl die Besitzsteuerabgabe des Reiches zur Einführung kommen lassen werde, denn so werde eine Erhöhung ber direkten Steuern vermieden, und es trete bann die Belastung mit den neuen Matrikularbeiträgen in der Höhe von 1600 000 Mark nicht ein. Von einem Ausschiißmitgliede wurde mit Rücksicht auf die Unsicherheit der Verhältnisse int Reichstage erklärt, daß man das Ergebnis der Beratungen im Reichstag erst abwarten solle, ehe in die Beratung ber Besoldungsvorlage eingetreten werde. Von anderer Seite wurde dem widersprochen, weil ja seststehe, daß eine Belastung Hessens mit direkten Steuern zugunsten des Reiches nickst eintreten werde: die Arbeit werde auch so umfangreich werden, daß ein weiterer Aufschub nickst zweckmäßig sei. Ein'Mitglied vertrat die obligatorische Vermögenssteuer durch das ganze Reich, weil sonst eine Benachteiligung ber anderen Bundesstaaten durch die größte Steuer kraft Preußen berücksichtigt werden müsse. Die Regierung hielt die Einführung einer Reichs- Vermögenssteuer für den Bundesstaat für unannehmbar, weil Ister- durch eine schwere Schädigung der staatlichen Vermögenssteuer verursacht werde.
2er Ausschuß wird nm 16. April weiter beraten.
Heer und Flotte.
Ter Jahresbericht des Deutschen Flottenvereins
für das Jahr 1912
der soeben veröffentlicht wird, besagt in ber Einleitung: Wie der Schluß des Jahres 1911 stand auch der Anfang des Berichtsjahres 1912 unter dem Eindruck ber politischen Spannung infolge der Marolkoverhandlungen, sowie der Erwartung der von der Regierung geplanten, über bas Flottengesetz hinausgehenben Floiteuvorlage. Dementsprechend hatte bie Arbeit bes Vereins, die ber Ausfüllung bestehender Lücken und der schnelleren Durchführung des Gesetzes gewidmet war, doppelte Bedeutung. Unsere Mitglieder waren sich dessen wohlbewußt: das zeigte ber ganz außerordentliche Eifer, mit dem im ganzen Reiche an ber Aufklärung und an der Ausbreitung unserer Organisation gearbeitet wurde. Ter Erfolg blieb auch nicht aus. Zwar hat die Reichsregierung aus bestimmten Gründen eine Vorlage im Parlament ein- und durchgeb rächt, bie, wenn sie auch unsere Hoffnung auf einen schnelleren Ersatz der lriegsunbrauchbaren Großen Kreuzer nicht erfüllte, immerhin mit Ausnahme der neuen Bestimmungen über die zweite Kampflinie einen entschiedenen Fortschritt in bezug auf die Stärke und Schlagfertigkeit ber ersten Kainpflinie bedeutete. Daß diese Vorlage im Reichstage rasch und mit großer Mehrheit zur Annahme gelangte, dazu hat ber Flottenverein, das darf er ohste Rühmen von sich sagen, durch seine Aufklärungsarbeit ganz wesentlich beigetragen. Nachdem die Hauptversammlung in Weimar ihm ein neues Ziel gesteckt hatte, iAcr mit gleichem Eifer auf seiner Bahn fortgeschritten. Wie aus her hohen stahl feiner Veranstaltungen, der Menge der Entleihungen von Anschauungsmaterial und dem Umfang bes Geschäftsverkehrs mit der Zentrale hervorgeht, herrschte ein Leben im Verein, das seine werbende Kraft nach allen Richtungen hin äußern müßte In der Tat ist auch, dank ben eifrigen und opferwilligen Bemühungen unterer Vereinsleiter von Beginn des Jahres an ohne Unterbrechung die Zahl ber Ortsgruppen und Mitglieder gestiegen. Diese, ft ar ke A u swartsbewegu n g, die erfreulicherweise auch ben lonft stilleren Jahresschluß überdauert hat, ist um so bemerkenswerter, als der Verein sich keineswegs starker 7?"bem111el bediente, sondern ben Hauptwert auf eindring, hebe Belehrung über die Weltlage und ihre Faktoren legte. Tas
Vie Mc-er-Modauer Genossenschastskrise.
bs. T armstadt, 11. April.
Es wurde fortgefahren in der Vernehmung des Angeklagten Ihrig, der über die Geschäftsführung in Nieder-Modau im allgemeinen Aussagen macht. Tie ihm zur Last gelegte Werbung neuer Mitglieder, trotz des schlechten Standes ber Kasse, bestreitet Ihrig. Er habe niemals jemand aufgeforbert, Mitglied des Vereins zu werden. In dem Falle Eckstein, ber ihm zum Vorwurf gemacht wurde, habe er nur gesagt, daß Eckstein in den Vorstand eintreten könne. Er tat dies, da er von Eckstein den Eindruck gewonnen habe, baß er günstig auf den Vorstand einwirken werde. Es kommt bann eine Urkunde Mr Sprache, in ber sich Adam und Roßmann verpflichteten, für die Summe von 500000 Mk. aufzuiommen. Ihrig sah diese Urkunde als einen Wechsel an, für ben die beiden allein haftbar seien. Äldam dagegen erblickte hierin nur einen Schuldschein, den er und Roß- ntann als Vorstandsmitglieder des Sparvereins ausgestellt hatten. Der Vorsitzende fragt Ihrig, ob er sich denn gar keine Gedanken darüber gemacht habe, ob die Summe überhaupt bezahlt werben würde. Ihrig behauptet, Sicherheiten dafür verlangt zu haben. Wer nur Adam habe eine Sickler heil in Höhe von 50 000 Mark beigebracht. Nun soll sich Ihrig zu dem Vorwurfe der Begünstigung «äußern. Er soll einem1 Zeugen Perron gesagt haben, daß er (Zeuge) den AdcvM nicht zur Anzeige zu bringen brauche, das habe -er selbst bereits getan. Hieraus erklärt Ihrig, daß er den Perron nur darauf aufmerksam gemacht habe, daß dieser keine Verpflichtung Mr Anzeige habe. Im wetteren Verlaufe des Verhörs wird aus die Verhältnisse in Nieder-Modau näher ein- gegangen, die nichts weniger als geordnet gewesen seien.
Damit wird das Verhör bes Angeklagten beendet, und es kann in die
Beweisaufnahme eingetreten werden.
Als erster Zeuge tritt der Direktor ber Darmstadter Vvlks- bank Stein in ben Saal. Nach seinem Dafürhalten mußte ^hng Kenntnis von den verworrenen Zuständen des Vereins gehabt haben, da bereits 1905 die verschiedensten 'Gerüchte im- Umlauf gewesen seien. Tie Geschäftsverbindungen des Vereins mit Pallmann, Roth und dem Angeklagten Isaak bezeichnet ber Zeuge als nicht reell. Seine Bank habe es avgelehnt, mit einem der drei in Verbindung zu treten. Auf bie Frage des Vorsitzenden, welchen Ruf denn Isaak genieße, sagt der Zeuge, baß Isaak als em Mann geschildert werde, bei dem man die größte Vorsicht anwenden müsse. Niemals habe seine Baut mit ihm Geschäfte gemacht. Tas Baukonsortiuni Pallmann, Isaak und Roth habe den denkbar schlechtesten Ruf genossen. Tie Bailwut, die damals m Darmstadt geherrscht habe, zeige heute noch ihren verderblichen Einfluß. Ter Zeuge, der von der Staatsanwaltschaft als sachverständiger Zeuge geladen war, soll nun auch den Sacbver- ständigen-Eid ablegen. Tie Verteidigung Jhrigs widerspricht dem Tas Gericht beschließt aber nach.- kurze rBeratnng die Vereidigung auch als Sachverständiger. In seinen weiteren Aussagen' hält der Zeuge seine Behauptung, daß Ihrig die Verhältnisse in Nieder-Modau gekannt haben müsse, aufrecht: denn er fei ja Kreditgeber der Genossenscstift gewesen. Auf die Frage des Sachverständigen Reg.-Rat Bastian, ob er es für richtig halte, daß Ihrig in einer Generalversammlung in Nieder-Modau eine Bilanz vorgetragen habe, die er weder abgefaßt noch geprüft habe, erwidert der Zeuge, daß dies nach seiner Meinung nicht richtig fei. Bilanzen seien Sache des betreffenden Vorstandes. Es entwickelt sich dann zwischen Ihrig und dem Zeugen ein Meinungsaustausch über die .Genossensclraften im allgemeinen. Ihrig vertritt die Theorie der Raifstisenschen 'Genossenschaften, während Stein bie ber Schulze-Telitzschen Genossenschaften für richtiger hält. Stein betonte noch, daß es doch ein schreiendes Mißverhältnis sei, wenn eine Bank nur über 15 000 Mark Geschäftsanteile verfüge, während ihre Spareinlagen die Summe von 3 Millionen ausmachen.
Rechtsanwalt Schödler fragt den Zeugen, woher er sich.seine schlechte Meinung über ben Angeklagten Isaak gebildet habe Zeuge: Auf Grund mriner eigenen Beobachtungen. Schödler- Welcher 'Art waren Ihre Beobachtungen? Zeuge: Tas ist doch meine Angelegenheit. Schödler: Herr Zeuge, ich verlange eine Auskunft. Ter Rechtsanwalt Schödler schlägt einen sehr heftigen Ton an, so daß der Vorsitzende eingreifen muß.
Ms zweiter Zeuge tritt der Bankbeamte Zahme auf. Er gibt Auskunft über die Verhältnisse in Nieder-Modau kurz vor bem Zichammenbruch. Er ist Beamter der Landwirtschaftlichen Genossenschaftsbank und ist zur Hilfeleistung bei den Ordnungs., arbeiten nach Nieder-Modau beordert worben. Ter dritte Zeuge die Zustände als außerordentlich „miserabel". Tie Tätig- rat Becks fei feiner Ansicht nach nicht einwandfrei gewesen.
UM Uhr wird die Sitzung abgebrochen und auf morgen vormittag 81/- Uhr wieder angesetzt.
Aus den Rerchstagsaurschüffen.
:: Berlin, 11. April. Der Militarvoranschlag im Budgetausschuß.
Die gestern verhandelte Frage der Kommandanturen soll wegen der staatsrechtlichen Verhältnisse um einige Tage znrück- Hastellt werden, bis die Binibesratsbevollmächtigten hierüber, wie über die Frage der persönlichen Adjutanten der Fürstlichkeiten neue Instruktionen erhalten haben. Eine Entschließung Basser- m a n it ersucht den Reichskanzler um Verhandlungen mit Baden und Hessen, um angesichts der neuen militärischen Lasten durch Verzicht auf an sich entbehrliche Stellen, bie durch bie Militärkonventionen gesichert sind, Ersparnisse zu ermöglichen.
Die Sozialdemokraten beantragen eine Entschließung gegen den Militärbohkott, insbesondere gegen Gastwirte usw. Generalmajor W a ndel und oec Kriegsmini st er erklären, daß hierüber bestimmte Vorschriften nicht bestehen und daß es sich um nichts als um eine Schutzmaßregel im Interesse ber Disziplin hanble. Es müsse ben örtlichen Befehlshabern überlassen bleiben: denn ob eine Gefahr für die Disziplin vorliege, könne ber Kriegsminifter nicht von der Zentrale aus beurteilen. Ein süddeutsches volksparteiliches Mitglied macht darauf aufmerksam, daß ein der Stadtgemeinde U l m gehöriger Saalbau durch die M ili t ärbehörde boykottiert ist, weil die städtischen Behörden dieses Lokal allen Parteien zur Verfügung gestellt haben. Es handle sich in der ganzen Frage nicht um ein Interesse der Sozialdemokratie, sondern des Gastwirtsstandes.
Die sozialdemokratische Entschließung wird schließlich zurückgezogen.
Der Etat fordert 65 persönliche Adjutanten für die deutschen Fürsten und Prinzen mit einem Aufwand von 346 000 Mk., auf Grund der Militärkonventionen. Ein Zentrumsmitglied untersucht diese Militärkonventioneu im einzelnen an bem hessischen Beispiel. Bei einigen ist die Zok>l der Adjutanten überschritten, in Oldenburg und Mecklenburg-Schwerin. Zweifelhaft ist die Grundlage bei den Adjutanten des Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen und des Land- grafen von Hessen. Der Zentrumsredner verlangt weiter die Beseitigung der Adjutanten stellen für bie Prin- zenmitAusnahmedesKron Prinzen als Thronfolgers. Der Kriegsminister nimmt auf die historische Grundlage Bezug und hält es für wünschenswert, daß die Beziehungen Zwischen Fürsten und Armee aus grauer Vorzeit aufrecht erhalten bleiben. Er bittet um die größte Vorsicht: bis zur dritten Lesung des Voranschlags könne jedenfalls fein Ergebnis erzielt werben.
Aber der Ausschuß will sich aus eine Verschiebung bis über die dritte Lesung des Etats hinaus nicht einlassen: es müsse in diesem Jahre, wo so große Opfer gefordert werden, eine Entscheid ung erzielt werden. Der Kriegsminister bittet nochmals um Spielraum, denn es handle sich um Aenderungen von Staatsverträgen. Er sei gern bereit, in Verhandlungen einzutreten, aber eine Brüskierung der Fürsten könne doch auch ber Ausschuß nicht wünschen.
Da nach dieser Erklärung eine Vertagung der Frage keine Veränderung ber Sachlage ergeben konnte, wird beschlossen, btc Frage sofort z u behandeln. Die Sozialdemokratie beantragt, auch von den zwölf Adjutanten bes K a i - > ers iechs zu streichen. Der Kriegsminister bittet dringend, es beim bisherigen Zustand zu belassen: es würbe sonst als eine Politik ber Nabolftiche empfunden, wenn hier eine Streichung vorgenommen würde. Uebrigens seien von zehn wirklichen Adjutanten für den persönlichen Dienst des Kaisers nur sieben verfügbar.
Die zwölf Stellen werden gegen die Sozialdemokraten bet Stimmenthaltung der Volks- bartet genehmigt. Bezüglich der persönlichen Adjutanten der Fürsten und Prinzen teilt der Kriegsminister mit, daß außer 41 Adjutantenstellen noch 14 weitere durch Konvention festgelegt seien.
Bei den Adjutanten des Fürsten von Hohenzollern liege es ja anders: aber dieser Fürst habe zuerst auf die Souveränität zugunsten der Einheit verzichtet: wenn dem jetzigen Fürsten der Adjutant nicht mehr bewilligt würde, so würde dies einen sehr peinlichen Eindruck machen in Rücksicht auf eine sechzigjährige Tradition. Dem Landgrafen von Hessen habe man ben Adjutanten gegeben, als eine Aussöhnung erfolgte. Bei dem Statthalter von Elsaß-Lothringen liege eine sachliche Notwendigkeit vor, denn er sei täglich in Verbindung mit ben vier Generalkommandos. Bei ben preußischen Prinzen habe sich das Recht auch historisch entwickelt: schon vor der Begründung des Reiches. Es liege doch im bringenden Interesse, daß der Zusammenhang zwischen den preußi scheu Prinzen und der Armee aufrechterhalten bleibe.
Demgegenüber weist ein volksparteiliches Mitglied aus die großen Opfer hin, die von dem Volke gefordert werden: es müßten
General-Anzeiger für Oderheffen ...................... -awrry.


