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9.9.1913 Drittes Blatt
 
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165. Jahrgang

Drittes Blatt

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DieGirhener Zamilienblättrr" werden bem .Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, das Krcisblalt sSr den Kreis Giehen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit­fragen" erscheinen monatlich zweimal.

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(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber kernerlet

Verantwortung.) _

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Zur bevorstehenden Stadtverordneten wähl.

Seit den lohten Stadtverordnetcnwahlen haben sich innerhalb des Stadtverordnetentollegiums einige Vcründerungen vollzogen, die wenig erfreulicher Art ivaren. Die größte Enttäuschung bat aber wohl die Nachricht den Bürgern Gießens bereitet, dw der G^ß. Anz. am Freüag und Sanistag brachte, derFall ^toB . ahr wollen hier nicht näher daraus eingehen. Nur cms sei,getagt, das; Herr Troß wohl niemals die ungeheueren Schuldenlasten zu- ammengebrachl hätte, die so viele inittelständische Existenzen in MÜeidenschaft ziehen, wenn er nicht verschiedene össcntlrche Ehren* Ämter (Stadtverordneter, Ortsgerichtsmann usw.) bekleidet hätte. Herr Troß bat mit der Konkursanmeldung gleichzeitig seine Ehren­ämter niedergelegt, ein Entschluß, der nur als folgerichtig be­zeichnet werden kann. Denn, wenn auch das Gesetz die Ausübung der Ehrenämter während des Konkurses nurruhen" latzt, so sollte doch jeder, der sich im Konkurs befindet, sich sagen, daß er ür eine Reihe von Jahren mindestens n i ch t vom Verbauen einer Mitbürger getragen wird, und daß er deshalb die Ehren- ämter niederzulegen habe. DerFall Troß" und die verschietxnen Fälle" der letzten Jahre legen aber den Körperschaften, die Kan­didaten für die kommende Stadtverordnetenwahl präsentieren, die unerläßliche Pflicht auf, ihre Kandidaten nach allen Richtungen zu 'prüfen, damit sich derartigeFälle" nicht melsr Wiederholm. Die Kandidaten müssen vor allem w i r t s ch a s t l i ch u n a b - hängig und unantastbar sein und dürfen nicht das Mandat für eventuelle Krediterhö^sung notig haben.

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Dienstag, 9. September 1913

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Univcrsitäls - Blich- und Sleindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und £nicterei: Sd)ul- straße 7. Expedition und Verlag: e^51.

Redaktion:e^SlI2. Tel.-AdruAnzeigerGleßen.

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Professor Bernheim mit einem Vortrag über dtc Vorbildung der Geschichtslehrer, ferner der Gnmnanalprosenor Soltau Ladern) der über Reifeprüfung und Geschichtsunterricht spricht, u. a. m. Näheres durch die Schriftleitung von ,.Vergangenheit und Gegen­wart", Zeitschrift für deii Geschichtsunterricht und staatsbürgerliche Erziehung, Leipzig, Poftstr. 3.

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Kirche und Schule.

** Zusammenschluß der deutschen Geschichts l e h r c r Nach dem Vorgang aller anderen Lehrergruppen, sowie ihrer eigenen Fachgenossen in Nordamerika, Frankreich, Belgien und der Schweiz, wollen sich nun auch die deutschen Ge- s ch i ch tsl e hr e r zu einem Verbände zusammenschlteßen, dessen Gründung am Montag, 29. September 1913, und zwar m Ver­bindung mit der Tagung der Philologen und Schulmänner in Mar b u r g a. d. AL erfolgen soll. Der Verband bezweckt die wissen­schaftliche und methodische Förderung des Geschichtsunterrichts, dem in der staatsbürgerlichen Erziehung und der Quellenlektüre u,w. wichtige neue Aufgaben erwachsen sind. Tie Leitung liegt M den Händen des Frankfurter Schulmannes, des Direktor Dr. Neu­bauer Unter den Rednern, die auf der GründunZsversammlung zu sprechen gedenken, beftndet sich der Greifswalder Ordinarius

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Dank an das preußische Volk für die rettende Tat des Jahres 1813 sowie der Versicherung, alles zu tun, damit die seelischen Kräfte in unserem Volke lebendig bleiben, die solche Taten gebaren.

Tas von dem Redner auf den Kaiser ausgebrachte .»och sand stürmischen Widerhall. ~ ., , , . , . ,

Nachdem die Vertreter der Deutschen Kolonialgesellschaft, des Ostmarken-Vereins, des Flotten-Vereins, des Evangelischen Ar­beiterbundes, des Deutschen Turnerbundes usw. die Tagung be­grüßt hatten, sprach Regierungsrat Gersten Hauer 'Mcimn- gen) über DieLagedesDeutschtumsin Sudasri ka . Er wies aus den Kampf bin, den auch heute noch bie_ Buren gegen die Engländer führen und betonte dre Tatsache, dast das leieder- deutsche in Südafrika immer weiter vordnnge. Für dre Zukunft de- tzochdeutschturns in der Union und den deutschen Kolonien Afrikas ist es eine Lebensfrage, daß der nationale Gegensatz der Niederdeutschen gegen das Britentum fortbesteht, -bie deutschen Interessen erfordern eine Annäherung an das Niederdeutschtum, die von diesem selbst gewünscht wird. (Beifall.)

Dr. F l i t n er (Weißenfels) behandelte das Thema: Aas s e n und Rassenpsleg e". Für die deutschen Verhältnisse be> zeichnete er die Anregung, die Ehekandidaten vom Standesomte aus zu einer ärztlichen Untersuchung zu veranlassen als wenigstens diskutabel. Man solle den schwedischen gutrassigen Auswanderer ström von Amerika zu uns herlenken und dasür die Ostgrenze gegen unerwünschte Eindringlinge mehr absperren.

Pfarrer Friedland (Bromberg) berichtete überPolnische Fortschritte und den Abbau der preußischen P 0 l e n p 0 l i t i k." Es wurde sodann folgende Entschließung angenolmnni^and^tag des Alldeutsch^i Verbandes fordert von der preußischen Staatsregierung die Rückkehr zu der beroäbrten Bis- marck-Bülowsche» Ostmarken-Politik. Die Lösung der Latwnali- tätenfrage im Sinne des Deutschtums innerhalb der Ostmark i,t nur möglich, wenn 1. durch eine ausgedehnte Bauernansiedlung die deutsche Unterschicht auf dem Lande vergrößert und damit auch dem städtischen Deutschtum eine festere und breitere Grundlage aeqeben wird; 2. durch das endlich zur Verabschiedung zu bringende Parzellierungsgesetz der Vermehrung des polnischen Kleingrukch- besitze« ein Riegel vorgeschoben wird; 3. das Enteignungsgesetz vom Jahre 1908 in wirksamer Weise zur Anwendung gebracht wird, damit der Ansiedlungskommission durch Enteignung polnischen Größtgrundbesitzes für längere Zeit genügender Landvorrat für die Siedelung bereitgestellt wird."

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Nachdem gestern eine Sitzung des Gesamtvorftandes voran­gegangen war, trat heute unter der Leitung des ersten Vorsitzen­den Rechtsanwalts Elaß (Mainz) der Alldeutsche Verband zu seiner

H a u p t v e r s a m m l n n g^ zusammen, die von Vertretern miS allen Teilen des Reiches sowie aus Oesterreich außerordentlich stark besucht war. Auch säst sämtliche nationale Verbände Teutsck^ands und Oesterreichs hatten zu der Tagung Vertreter entsandt.

Der Vorsitzende Rechtsanwalt Elaß begrüßte die Anwesen­den in einer längeren Ansprache, in welcher er darauf hinwies, daß die tzauvtstadt Schlesiens vor 100 Jahren die Statte manches weittragenden Entschlusses, mancher bedeutsamen Staatshandlung, mancher anseuernden und hinreißenden Tat abgegeben bat. Bei seinem Rückblick über die seit der letzten £>auptoenammlung ver­flossene Zeit sprach der Redner zunächst seine Befriedigung aus, das; inzwischen eine große Sorge zerstreut wurde, indem der Ruf nach dem Ausbau des deutschen Heeres, nach der wirklichen Durch­führung der allgemeinen Dienstpflicht nicht mehr ungehört ver­hallt ist. Die große Wehrvorlage ist gekommen und sie ist durch- gesetzt worden. Wir nähern uns der Durchführung der allge­meinen Dienstpflicht und sehen wesentliche Mängel im Zustand unseres Heeres beseitigt. Nicht alle unsere Wünsche und erfüllt , manches und nicht Unwichtiges bleibt zu tun und >vir find ent schlossen, in Gemeinschaft mit dem Wehrverein für den steten Ausbau unseres Heeres einzutreten, vor allem auch dafür zu wirken, daß der tapfere männliche Geist in unserem Volke leben­dig bleibt, ohne den auch das zahlreichfte Heer und die besten Waffen nutzlos sein werden. Ob die Regierung daraus, daß das Voll in dieser höchst bedeutsamen Frage seinen Willen zum Da­sein so entschieden bejaht bat, ihre Folgerungen ziehen wird, rnäy im Hinblick aus ihre Haltung vor dem Einbringen der Wehr­vorlage und fvährend des parlamentarischen Kampfes darum bezweifel werden. Nunmehr heißt es wieder an unsere Flotte zu denken und wir sind nach wie vor der Ansicht, daß vor allem die Vermehrung unserer Panzerkreuzer betrieben wer­den muß. In seinen weiteren Ausführungen tarn der Vorsitzende Rechtsanwalt Elaß auch auf die W e l f e n s r a g e zu sprechen. Er stellte fest, daß die flöten und unzweideutigen Willenserklärungen von feiten der in Betracht kommenden Mitglilder des welfischen Hauses, welche die Voraussetzung einer sogenannten Aussöhnung sein müßten, nicht vor der Familienverbindung zwilchen den Welsen und den Hohenzollem verlangt und gegeben worden sind. Es muß verlangt werden, das; der Herzog von Cumberland und Prinz Ernst August der Welsenpartei eine offene Wsage erteilen und das; Prinz Ernst August für sich und alle Nachkommen end- ,gültig auf alle Ansprüche auf Hannover verzichtet. Weiter Ifträfte der Redner die Entwicklung der Dinge im Reichsland, namenllich die Gestaltung des Preßgesetzes und Bereinsrechtes. Hinsickstlich der Vorgänge in Galizien, die einen großen -teil des dortigen Judentums zur Wanderung nach Westen gezwungen haben, verlangte der Redner, daß unverzüglich die Grenzen gegen die jüdische Einwanderung ans dem Osten geschlossen.werden;-dagegen soll die deutsche Rückwanderung nach Möglichkeit unterstützt wer­den. Nach einem kurzen Rückblick auf die Entwicklung der Kolo­nialgebiete und das Verhalten der auswärtigen Politik wahrend pes Balkankricges sowie einem Ueberblid über die Stellung neutsch- europäischen Mächten, schloß der Redner mit einem

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