Ausgabe 
1.3.1913 Drittes Blatt
 
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Nr. 51

Dritter Blatt

165. Jahrgang

Gießener Anzeiger

Erschein! täglich mit Ausnahme des Sonntags.

Eeneral-Anzeiger für Vberhefien

DieGlehener Famtliendlätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, daS Ktcisbldtl für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. TieLandwirtschaftlichen Seit- fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Samstag, 1. März 1915

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universiläls - Blich- und Stetndruckerer.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Erveditrou und Druckerei: Schul- straße 7. Expebuion imb Verlag: e=^51. fReba(tion:e^ll2. Tel.-Adr.: AnzelgerGreßen.

nimmt zu-

Frage der

Eine andere Frage ist die der Ablösung, ist ein formeller Antrag noch nicht gestellt, doch wohl von den Kirchen auszugehen, sind wir bereit, in eine Erörterung cin-

Darmstadt .

Karlsruhe . Wiüncbcn . . Dresden . . Berlin. . .

schuß bezahlt worden, aber in der Richtung Dieser Antrag hätte Wenn dieser kommt, zutretcn.

Das Kapitel wird einstimmig angenommen: 346 715 Mk., Ausgabe 782 730 Mk.

Zu Kapitel 38, Gymnasien, Realgymnasien usw. nächst das Wort der

Uiiiveriitäts^nncbricftfen.

Aus Frankfurt a. M. wird uns geschrieben: Dr. med. Edgar Goldschnrid, bisher Assistent am patho- logischen Institut in Genf, ist zum Prosektor am Dr. Senckenbergischen Pathologisch-anatomischen Institut zu Frankfurt a. M. ernannt worden. Goldschmid ist 1881 zu Frankfurt a. M. geboren.

fiaoideL

§ Winde, 28. ftebr. linier iebv starker Beteiliauug land gestern im benachbarten L i> n a w a l d e die Brenn holz- Versteigerung statt. Tie Preise waren, wie hier immer, recht boeb. Es mürben bezahlt für 4 Rm. Buelenscheiler Wik 32, für ^uchenprügel Wik. 32, 6 Rm. Bnckyenreüer Wik. 6, 4 Rm. Bilchen- Höde Wlf. 14, 4 Rm. Tannenrundscheit Wik. 25.

schädlich Entweder ist die Koedukation verwerflich, dann muß sie abgeschafst werden, oder aber sie ist vorteilhaft, dann bedarf sie keiner Einschränkung. Der Redner geht auf Einzelheiten ein, die im Zusammenhang auf der Tribüne unverständlich bleiben. Die Beschwerden. die erhoben werden, sind nicht nur materieller Art, sie ridyten sich auch gegen die Art und We se, wie die Tinge von der Sdpilleitung behandelt werden. Zur Lehrerversammlung bemerke ick), damit aus meinem Schweigen keine falschen Schlüsse gezogen werden, daß id) erkläre, daß ich den Standpunkt, des Leiters der Schulabteilung nicht teilen kann.

Abg. K o r e l l - Angenrod (Bbd.) fragt an, wie es mit der Frage der Extemporale steht.

Abg. Adelung (Soz.) führt die verminderten Annahmen der Schulgelder auf die Erhöhung der Schulgelder zurück. Tas sei eine falsche Sparsamkeitspolitik.

Abg. Münd) (Ntl.) hat folgenden Antrag eingebracht, den er begründet:

Die Kammer wolle beschließen, Großh. Regierung zu ersuchen, den Zeichenunterricht bei den höheren Lehranstalten, an denen er allgemein verbindlich ist, dadurd) zu fördern, daß die Zeugnisiwte im Zeichnen im Sinne eines Nebenfachs in die Wagschale fällt, und daß sie, im Falle befriedigender Leistungen, bei den Abschluß- und Reife­prüfungen nicht genügende Noten jn anderen Nebenfächern ergänzen soll."

Er macht längere Ausführungen über die Hebung des Zeichen- Unterrichts an den höheren Schulen.

Geheimrat Süffert: Die Regierung steht nicht prinzipiell auf dem Standfmnkt, daß die Koedukation entweder einzuführen oder aufzuheben sei. Es muß nach einem Ausgleich der Mei­nungen jür und wider gestrebt werden. Ich bin auf diese An­frage bereits schon im vorigen Jahre eingegangen. Was die Lehrerversammlung angeht, so war ich gewiß, daß der Abg. Urstadt meinen Standpunkt nicht teilt. Aber was ist denn mein Stand­punkt in dieser Frage? Id) null ihn hier noch einmal wieder­holen: Ich will die Lehrer nid)t beschränken in ihrem Recht, Versammlungen abzuhalten. Ich habe nichts dagegen, daß die Sozialdemokraten aud) eingelaoen waren unb, daß ihnen Beifall gespendet wurde. Ich habe nur bedauert, daß die Versammlung zu Mißdeutungen Anlaß geben kann. Die Fragg der Extemporale wird demnächst zum Austrag gebracht. Dem Zeichenunterricht bringen wir Interesse entgegen. Aber es bestehen Schwierig­keiten, diese Sache in Pie Praxis umzuwandeln. Dem Antrag Münch stehe ich stimpathisch gegenüber.

Abg. U r st a d t (F. Vp.) erklärt sich mit der Antwort nicht zufrieden. Auf die speziellen Punkte ist Geheimrat Süffert nidyt eingegangen.

Geheimrat Süffert: Die Regierung ist nicht geneigt, die von Ihnen gewünschten Aenderungen eintreten zu lassen.

Schluß der Sitzung y23 Uhr. Fortsetzung Dienstag, den 4. März, 9 Uhr.

Sommerfemester 1912 22 Prozent, 33

2-> ,

22

19

hejsijche Zweite Kammer.

bs. Darmstadt, 28. Febr.

Präsident Köhler eröffnet um 9.25 Uhr die Sitzung. Am Regierungstische der Minister des .Innern und der Finanz Minister.

Es wird fortgefahren in der Spezialberatung.

Zu Kapitel 32, Polizei, spricht der

Abg. Eißnert (Soz): Die Verstaatlichung der Offenbacher Polizei hat keinerlei Vorteil gebradyt. Es wurde gesagt, daß nach und nady die gesamte Polizei verstaatlicht werde. Bis jetzt habe id) nichts weiter gehört. Offenbach ist demnad) schlechter beham delt als andere Städte. Wir sind um ein Selbstverwaltungsrecht gebracht worden. Tie Polizei ist jetzt teurer geworden.

Das Kapitel wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen.

Kapitel 33, Polizeikassen, einstimmig angenommen. Ebenso Kapitel 34, Arbeitshaus Dieburg.

Zu Kapitel 35, Kirchen- und Religionsgemeinschaften, spricht

Abg. Schönberger (s)ltl.). Er bespricht die Trennung der Kirche voin Staat und befürwortet diese. So wie das Ver­hältnis jetzt ist, muß es sd)ädlich wirken. Wenn man der Kirche schaden will, lasse man die Verhältnisse wie sie sind. Der Redner verliest ans 3 ei hing en oder Zeitschriften lange Ausführungen, die auf der Tribüne völlig unverständlich bleiben. Id) wünsche eine Klarstellung der Sache. Diese ist vis jetzt nicht erfolgt. Ich kann deshalb meine Zustimmung zu dem Kapitel nicht geben und enthalte mid) der Stimme.

Minister von Hombergk:

_ Der Abg. Schönberger hat einen Antrag eingebracht, bei Ausstellung des Voranschlages 1913 den Staatszuschuß für beide Landeskirchen so lauge nidyt einzustellen, bis einwandfrei nadp gewiesen worden ist, daß die seither vom Staate geleisteten Bei­träge allgemein rechtsgültig verlangt werden können.

Die Regierung hat diesem ^Anträge nicht entsprochen und darin liegt auch zugleid) die Antwort. Dieser Antrag unter­scheidet sich nur zeitlich von dem radikaleren Anträge Ulrich, der völlige Trennung fordert. Ein erheblicher Teil der Zu­wendungen beruht aus rechtlichen Ansprüchen. Aber aud) dar­über hinaus sind den Kirchen Mittel bewilligt nwrdcn in An­erkennung der historischen Verhältnisse. Auch nachdem den Kirchen das Selbstbesteuerungsrecht 1875 verliehen wurde, ist der Zu-

Winteneinesier 1911/12

31 Prozent,

37

26

22

21

Abg. Urftabt (Fortschr. Vp.): Ich habe die . _ Koedukation schon bei der letzten Etatsberatung angeschnitten, ohne eine Auskunft zu erhalten. Das jet.igc Mischsystem ist

Abg. Hartmann iSoz.) fragt über den Höchster Kloster­fonds an. Tie Kirchen sollen ihre Beiträge selbst aufbringen. Dann würden auch die Pfarrer wieder Seelsorger werden und sich nicht als Beamte fühlen.

Geheimrat Best bittet den Abg. Hartmann, eine so wichtige Frage wie den Höchster Kloster-Fonds dody vorher anzukündigen.

Abg. M o l t h a n (Ztr.). Meine freunde Palten es für zweckmäßig, auf die Frage der Zuschüsse nicht einzugehen. Wir stehen aus dem Standpunkt der Großh. Regierung. Es liegen klagbare Forderungen vor.

Abg. Ko r e l l - Ingelheim (F. Vp.). Die Kirckye ist selbständig in ihrer Gesetzgebung. Zweifellos beruht ein Teil der Zuschüsse aus rechtlickyen Ansprüchen. Wie würde es sein, wenn dieser Zuschuß gestrichen würde? Die Kirckye wäre nidyt imstande, die Kirchensteuer zu erhöhen. Sie können nidyt verkennen, daß die Kirche mit dem hessischen Volke seinen geschichtlichen Zusammen­hang hat. Etwas anderes ist es, ob man diesen Zuschuß erhöhen soll. Hier handelt es sich um eine moralische Pflicht. Der Redner kündet einen Antrag auf Bildung eines amortisableu Fonds zur Ablösung des Staatszuschusses an.

Abg. Wolf-Stadecken (Bbd.ü Es darf nidyt geduldet werden, daß die Kirche abwärts geht. Wir stimmen für den Zuschuß, wollen aber, daß der Wunsch auf Bildung von Bezirks­vereinen mehr gehört wird. t

Abg. Ulrich (Soz,). Wir find gegen den Posten, da auch die Staatsbürger, die nichts mit den subventionierten Religions­gemeinschaften zu tun haben, jetzt gezwungen sind, dazu bei­zutragen. Die Forderung eines Kapitals zur Sicherstellung dieser Unterstützung werde einen Sturm der Entrüstung im Lande Hervorrufen. Die Pfarrer fühlen sicky in ihrer Mehrheit als Staatsbeamte. Wenn wir dieses Kapitel ablehnen, bann werden die einzelnen Religionsgemeinsdyaften sdyon mit ihren wirklich auf juristischem Recht beruhenden Anforderungen herantreten.

Abg. Dr. Stephan (natl.): Wir werden uns heute zu der Frage nidyt .äußern. Abg. Schönberger sprach nur für seine Person.

Präs. Köhler bittet, die Frage des Höchster Klosterfonds auszuschalten, da sie nur in losem Zusammenhang mit diesem Kapitel stehe. . m

Geheimrat Best wiederholt feine Bemerkung.

Abg. Schönberger (Ntl.) wünsdyt präzisere Fassung der Regierungsantwort. t

Abg.' Kor ell-Ingelheim fFortschr. Vp.) wendet sich gegen die Ausführungen der Abgg. Wolf-Stadecken und Ulricky.

Abg. Dr Osann (Ntl.): Es ist in der Höchster Frage am 30 November 1908 ein Vergleich geschlossen worden. Ick) lege die Akten hier auf den Tiscky des Hauses nieder. Daraus mag sich jeder überzeugen, der es will, ob jemals Gegenstände, die der Gemeinde gehört haben, in die Hände der Standesherren über­gegangen sind. r i. - ,,

Abg Hebet (Ztr.): Es trifft nicht zu, daß die katholiickye Kirche aus deii Mitteln der Steuerzahler unterhalten wird. Tie Zuschüsse sind verbriefte Reckyte. Ich spreche Herrn Ulrich die Fähigkeit ab, sich ein Urteil über die Geistlichkeit zu bilden. Insbesondere weise ich .es zurück, wenn er sagt, die Pfarrer, katholische und evangelisdye, dienen dem Thron, Altar und Ka- ^ta SThg Ulrich (So-.): Meine Ausführungen in der Höchster Frage nmen nidyt überflüssig. Ich bin ein lebendiger Beobachter des religiösen Lebens? .. .,

Mq Senßfelüer (Bbd.) verwerft auf den Bericht, den er seinerzeit über den sozialdemokratischen Adrtmg abgefaßt hat. Tarin ist auch die redytfidye Seite bmityrt.

Nad? weiteren Ausführungen der Abg. Buy old nnb Wols- Stadecken wird das Kapitel gegen dre Summen der Sozialdemo­kraten angenommen. . ...... arr

Zu Kapitel 36, La n d esunrv e r y t tn t, Iprrcht sich Wg. Lutz (Bbd.) für den Ausbau des L a n d wi r t y cha f t lichen Instituts aus, das sich unter tüchtiger Leitung bis jetzt gut entwickelt habe. Tie Prüfungsordnung müßte In der Richtung abamnbert werden, daß bei den Dozenten, die den llnterridrt erteilen, auch die Prüftmgen abgelegt werden. Der Redner bringt bann wieder den Wun s ch vor nach einer positiven evaugeli scheu Profesyur. Er furztetn bem liberalen Geiste eine Gefahr für die evangelifche Kirche zitiert einige Aeußerungen liberaler froren, die nach seiner Ansicht eine merkwürdige Auffass mg von kirchlichen Pflichten wa"en. U. a. habe einer gesagt, bic Geschichte vom Heiland sei mehr ober weniger ein Märchen. , ~ .

Abg. Adelung (Soz.) möchte sich nrdjt in den inneren streit der Kirche einmischen. Er erinimert daran, daß einflußreiche

Im lausenden Semester ist die Prozentzahl 27. Durch die versdyärsteii Aufnahme-Bedingungen wirb bie Zahl abnehmen. Wenn aucly anerlannt werben muß, baß einzelne Klagm nicht ganz unberechtigt sinb, so barf man dody diese Frage nidyt nur vom nationalen Standpunlt ans beurteilen. (Gerade der Hochstand der beut)'d/en Wissenschaft zieht bic Ausländer zu uns heran, lieber bie Frage, ob bieser Zuzug nützlidy ober schädlich sei, ist viel gesprochen und geschrieben worden. Mali darf nicht zu einer Schutzzollpolitik für einheimische Geistesproduktion^ übergehen wollen. Gerade unsere Wissenschaft braudst keinen Schutz. Tie Beziehungen, bic dadurd) angeknüpft werden, sind unserer In­dustrie förderlich. Tie Regierung wird in der Folge der Aus­länderfrage die größte Aufmerksamkeit schenken. Auch vom fi­nanziellen Standpunkt müssen wir die Frage einiger? maßen bcleu elften. Auch würdeii bie Hochschulen Gefahr lausen.

Schicksal mit anderen Hochschulen. In Prozenten ausgedrückt, ergibt sich folgendes Bild:

an Bedeutung nach außen zu verlieren, wenn sie sich abschlössen, da die Frequenzziffer einen außerordentlichen Wertmesser für die Bedeutung einer Hochschule abgibt. Aber die Finanzfrage barf nicht allein ent scheibend fein. Mitentscheiden müssen bie bereits erwähnten Momente sein: nämlidy Ansehen unb Würbe ber Hoch­schule unb bic Interessen der einheimischen Studierenden.

Einnahme

Bemülyungen auf die Errichtung einer positiven Professur hinzielen. Er spricht f'idyi gegen die Gründung eines Unfallkranken- hmis es aus.

Wg. U r st a d t (Fortschr. Vp.) verweist darauf, daß ein Antrag Grünewald für den Ausbau des Landwirckdyaftlickrn Jrr- ltitnts vorliege. Aenberung der Prüfung ist Sadye ber Professoren.

Wg. Korcll - Ingelheim (Fortschr. Vp.): Tie Art unb Weise, wie der Wg. Lutz bic Forderung eines positiven Lehrstuhles lyier vertritt, muß ich als ungehörig bezeichnen.

Dr. O s a n n (natl.): Ich erkenne an, daß das Landwirt­schaftliche Institut in Gießen einer Erweiterung bedarf. Wir haben ja schon früher hier darüber gesprodyen, unb es ist insbesonbere in ber Mitte bes Hauses jetzt auch ber Gedanke hervorgetreten, daß das nötig erscheine. Diese Notwendigkeit oars wohl auch damit gerechtfertigt werden, daß wir gerade im Hinblick auf bic (Eröffnung ber Universität Frankfurt darauf Rücksicht nehmen müssen, Spezialitäten auf der Universität Gießen zu pflegen. Dazu gehört auch das Landwirtschaftliche Institut. Denn id) glaube nicht, daß in Frankfurt etwa ein Landwirtschaftliches Institut bei der Universität errichtet werden luirb. Was das Unfallkrankenhaus angelst, auf das Kollege Adelung hingewiesen hat, so interessieren sich die Berufs- genossenschaften nicht mehr dafür. Das Interesse ist gefallen. Ich glaube nicht, daß wir Aussicht haben, ein derartiges Kranken­haus in Gießen zu bekommen, nachdem diese Unterlagen nady beiden Ridytungen versagt haben. Jdy darf die Regierung darauf aufmerksam machen, daß gerade in ber letzten Zeit sich Herr Geheimrat Sommer von ber Gießener Universität auch über bas Verhältnis ber Gießener Universität mit ber bemnächstigen Frankfurter Universität ausgesprochen hat und da als Sachver­ständiger darauf hingewiesen hat, daß doch voraussichtlidy eine erhebliche Senkung der Studentenzahl in Gießen eintreten wird. Jdy habe ja dieselbe Frage audy schon früher hier in die Debatte geworfen, unb zu ber damaligen Zeit hat mir ber Herr Kollege Grünewalb entgegnet, er glaube nicht, baß eine berartige Schäbigung ber Universität eintreten würbe. Nun wirb von Herrn Professor Sommer insbesondere gesagt, baß gerade dadurch, daß die philosophische Fakultät der Universität Frankfurt durdy bic bestehenden Institute bereits sehr reichhaltig ausgestattet worden sei, dieser Fakultät iit Gießen ein besonderer Schaden durdy die Eröffnung der Frankfurter Universität er­wachsen würde. Jdy erinnere nur an das. Senckcnbergsche In­stitut. Der theologischen Fakultät wird ja nicht geschadet werden, da Frankfurt eine solche nicht haben luirb. Bei der juristischen Fakultät wirb in ben Vorbergrund treten, daß eine größere Anzahl von Juristen immer nady Gießen gehen müssen, wenn sie in hessische Staatsdienste übertreten wollen. Ob aber die Neigung, in hessische Staatsdienste einzutreten, bei dem kolossalen Aiidrang, der jetzt besteht, fortdauern wirb, bas ist mir außer­ordentlich zweifelhaft. Herr Prof. Sommer sieht für die Än- sangszeft der Frankfurter Universität redyt schwarz auch bezüglich der medizinischen Fakultät. Es ist gar fein Zweifel, daß die Frankfurter sich in einer ganz hervorragenden Weise anstrengen werden. Ich gebe mich darüber gar keiner Täuschung hin, daß die Stubentenzahl in Gießen, wenn auch vielleicht keine absolute, ab.-r jedenfalls eine relative Abnahme erfahren wird. Und das wirkt ja nicht allein auf unsere Staatseinnahmen, sondern ^ins­besondere audy auf die Einnahmen ber Gießener Bürger. (Sehr richtig!) Jdy bin durchaus damit einverstanden, baß bie Re­gierung alles tut, durch Einrichtung von berartigen Spezialitäten bic Universität Gießen auf der Höhe zu erhalten. (Beifall rechts.)

Ministerialrat Dr. Weber: Wir werden bei dem Antrag Grünewald, Ausbau des Landwirtschaftlichen Institutes, Gelegen­heit haben, näher auf diese Frage einzugehen. Dieser Antrag ist der Landesuniversität zum Bericht überschrieben worden. Sie bat sich lange unb eingelyenb bamit beschäftigt. Erst in ben letzten Wochen ist bie Mitteilung eingelauien. Ich kann mitteilen, baß bic Lanbesiiiiiversität ber Einrichtung sympathisch gegenüberftcht. Nach- bem bic philosophische Fakultät diese Sache geprüft hat, ist sie zu ber Ansicht gekommen, daß die Kosten vorans'ichtlich steigen werden. Es muffen neue Lehraufträge unb Assistentelistellen geschaffen werben. Diese Mehrausgaben werben sich auf 13 840 Mk. be­laufen. Auch hierbei sind nur bic Anfangsgehalte zngrunbe gelegt, nicht aber audy bic Zulagen, nicht auch bas Wohnungsgelb usw. Daher werben bie Kosten wohl noch um einige Tausenb Mark in die Hohe gehen. Hierzu kommen nody sachliche Ausgaben, bie bie Landesuniversität nidyt zu übersehen vermag. Es ist Ausgabe der Regierung, hier genau zu prüfen. Es iniiRtc auch noch für lueitere Lokalitäten gesorgt werden. Wemi hier Wünsche geäußert worden sind, das P r ü f u n g s s y st e m zu ändern, so kann idy anführen, daß der Regierung nody nichts davon bekannt geworden ist. Prinzipiell kai.n ich nur auf das verweisen, was im vorigen Jahr hier erklärt worden ist. Wir sind auch 'der Auffassung, daß wir alle Spezialitäten in Gießen pflegen müssen. Die Frage des Unfallkranken­hauses ist nicht mehr aktuell, da die Berufsgenossensdyaften das Interesse verloren haben. Die Errichtung ber Frankfurter Uni­versität ist für kleine Universitäten feine Konkurrenz. Ich möchte in dieser Frage nicht so schwarz sehen wie Professor Sommer in einem Artikel imGeißener Anzeiger". Die Studenten wählen immer einige Semester für große unb einige für kleine Universi­täten. Frankfurt wird daher mehr den großen WZamnruhmiu r it. ten als den kleinen Universitäten schaden. Trotzdem müssen wir aber wach,am fein, nnb ich bin bem Abg. Dr. Osann banfoar für bie zugesagtc Unterstützung in ber Förderung ber Speziali­täten. Jdi bitte auch Sie, meine Herren, uns in biefem Bestreben zu unterstützen.

Abg. .Hauck (Bbd.) wendet sicky gegen die Ausführungen des Abg. Korcll-Jngelheim, der mit Rhetorik sicky die Beweis­führung erspart.

Dann sprechen die Abg. Lutz (Bbd.), K o r c l l - Ingelheim (Fortschr. Vp.) unb Dorsch (Bbb.) noch zu ber F^age ber positiv gerichteten evangelischen Professur.

Nach einer persönlickyen Bemerkung des Wg. Dr. Winkler wird abgeflimmt und bas Kapitel Lanbesun:vers töt in Einnahme mit 638 601 Mark unb in Ausgabe mit 16o3 371 Mark ein­stimmig bewilligt.

Nach einer Pause spricht zu Kapitel 37, Technische Hochschule, Wg. Tr. Osann (Ntl.). Tie Rechtfertigung einer Nach- tragsforbenlng ist darin zu finden, daß der verdiente Geheime Oberbaurat Professor Pfarr vor einigen Wochen gestorben ist: ich benutze diesen Wlaß, dem ausgc^eickyneten Lelyrer ein Wort des Gedenkens zu widmen. Er hat cs verstanden, die Industrie für unsere Hochschule zu interessieren, auch dadurch, daß er sie zu c'-eblichen Schenkungen gu bewegen verstand. Es ist nidyt möglich, die beiden von ihm gelehrten Fächer wieder mit einem Proiesior zu besetzen. Daher die Nensordevung. Ter Ausschuß hat die für Flugtechnik erfordel'lidyen Mittel bewilligt. Für die Stiftung von 20 000 Mark sei Herrn Opel von dieser Stelle aus Tank aiisgesprodyen. Ich bitte die Regierung, über die Frage ber Auslänber an ber Hochschule Auskunft zu geben. Diese Frage wirb auch in Preußxn venfiliert.

Minister von Hombergk.

Jnr Sommer 1912 waren an ber Technischen Hochschule 915 Inländer und 358 Wsländer, im Winter 1912/13 sind eingeschrieben 946 Inländer und 364 Ausländer. Darmstadt steht mit dieser großen .Zahl nicht vereinzelt da. Es teilt dieses

MotorU^enlahrräder

Man verlange 1

Preisliste.

Automobilvertr.Wilh. Hamel, Giessen, Bleichstr. 7

Fahrradvertr. Adam Kircher, Giessen,Bleichstr. 15

.Rüsselsheim^M

I Rheinisches""B"U^l<n?fnonbau, EloktrotaoKnTE7 Technikum Bingen

Chauffourku