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M. 2Z Dritter Blatt 165. Jahrgang
Erschein« täglich nm Ausnahme des Sonntags. FjF J W
Die „«iehener Zamiliendlätter" werden dem If /I
.Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das H H vL- H RlL, JL Jü Q R H ÄS W - JSL
„Kreisblatt für den Kreis Sietzen" zweimal ■ V ▼ VH ▼ "
wöchentlich. Did „Landwirtschaftlichen Zeit- ™ r ,
fragen" erscheinen monatlich zweimal. Genera!-Anzeiger für Oberhesjen
Samstag, 1. gebruar 1913
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universiläls - Buch» und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Sckml- straße 7. Expedition und Verlag: 51.
Redaktion:^E112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.
Mb Deutscher Rekchstaq.
102. Sitzung, Freitag, den 31. Januar.
Ain Tische des Bundesrats: Richter.
Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 15 Min.
Ser Getehenlwurj über das fflelscheinsuhrpwvilorinm.
Die zweite Lesung wird fortgesetzt.
Abg. Frhr. v. Gamp (Rp.):
Der Berichterstatter Tc. Mendorfs hat wohl erwähnt, daß in -er Kommission eine Denkschrift der Regierung dorgelegt wurde. Ec hat uns aber nichts über den Inhalt gesagt. Wir wollen alles wissen, was in der Kommission geschieht. (Zustim- mung bei der Reichspartci, die in den Kommissionen nicht mehr vertreten ist.) An unserer Schutzzollpolitik halten wir natürlich fest. Die Berliner Vie hkom Missionäre sind es. die den Fleischern das Leben sauer machen. Der Mann, mit dem Berlin seinen Flcischlieferungsvert'ag abgeschlossen hat. hat große Vorteile gehabt. Tie sozialdemokratischen Anträge lehnen wir natürlich glatt ab, ebenso die sortschrittlichen.
Es gibt gar nicht genug Tierärzte um das Fleisch im Ausland zu untersuchen. Auch würde das das Ausland sich nicht gefallen lassen. Das geben die Herren von der Linken auch zu. Wenn sie trotzdem solche Anträge stellen, so ift das eine Augen- vcrblcndung, um mit Onkel Braesig zu reden. Von der Aufhebung der Fnttermittelzölle hätten nur die den Vorteil, die wenig Futtermittel selbst anbauen, das sind die großen Mastanstalten, während die kleinen Bauern dadurch geschädigt würden. Ich begreife nicht, wie eine auf der äußersten Linken der Bürgerlichen stehende Partei verlangen kann, daß der Bundesrat die ganze Zollpolitik über den Haufen werfen soll. DoS ist einzig dastehend in der parlamentarischen Geschichte und kann unmöglich fortschrittlich sein ^Wiederholte Zurufe links. Präsident^ Dr. Kaempf bittet, den Redner nicht fortwährend zu unterbrechen, da er sonst niemals fertig werde. Heiterkeit.) Wenn man die Viehzölle beseitigt, legt man die Axt an die Wurzel des Kleingrundbesitzes. Ich glaube, Herr Fischbeck, unter Ihren Wählern gibt cs keinen Bauern, der so dumm ist. daß er das nicht einsieht. lLachen links.) Tie Hauptsache ist. daß die inländische Produktion vermehrt wird. Auf das Ausland ist kein Verlaß.
Berichterstatter Dr. Wendorff:
Als ich vorhin abwesend war, hat der Abg. v. Gamp Angriffe gegen mich gerich^t. Es wäre loyal gewesen, wenn er mir von dieser Absicht Mitteilung gemacht hätte. Es ist zweifellos auffällig, daß gerade der Vertreter berjenigen Partei, d i c nicht in der Kommission zu sitzen in der Lage ist (Zurufe bei der Np.: Eben deswegen!), mit dem erstatteten Bericht unzufrieden ist. (Zurufe bei der Rp.: Sie haben uns ja aus der Kommission ausgeschlossen!) Gerade der Vertreter dieses Grüppchens beschwert sich (Große Unruhe bei der Rp. und Zurufe: Unerhört! Frechheit !), während die Vertreter der Fraktionen, die bei der Kom- missionsberatung zugegen waren, gegen den Bericht nichts ein- zuwenden hatten. (Lärm bei der Rp.) Ich werde mich Wohl Wehren können. (Dr. Arendt (Rp.): Aber Sie dürfen uns nicht beleidigen! Das ist unziemlich. Sie haben nur Bericht zu erstatten.) Ich habe niemanden beleidigt. (Dr. Arendt: Sie haben von Grüppchen gesprochen, und das verbitten wir (Sehr richtig!^ rechts. Heiterkeit links.) Ich kann weiter erklären, daß ich kein antiagrarischer Heißsporn bin, sondern ein Gegner der Agrarier, und zwar deshalb, weil ich landwirtschasts- freundlich bin. (Gelächter rechts, Beifall links.)
Präsident Dr. Kaempf:
Es ist nicht zulässig, daß Sie einem Abgeordneten borwerfen, er habe nich. loyal gebande'l. (Beifall rechts.) Ebenso wenig ist zulässig, von Grüppchen zu sprechen. In diesem Hause ist jeder Abgeordnete Volksvertreter und gleichwertig, und er bat das Recht ebenso respektiert zu werden, ob er einer kleinen Partei an- gehört ooc. einer großen. (Beifall rechts, Rufe links: Grüppchen ist doch keine Beleidigung.')
Abg. Fischbeck (Vp):
(Zur Geschäftsordnung): Nachdem ich aus der Rede des Abg. v Gamp entnommen habe, daß es einen oder vielleicht sogar mehrere Abgeordnete gibt, die trotz meiner gestrigen Darlegungen noch immer nicht verstai.den haben daß sich unser Antrag nur als eine Notstandsmoßregel darstellt, und da wir befürchten müssen. daß hon dieser Seite auch im Lande über unsere Absichten ehn falsche Auffassung verbreitet wird, so wollen wir unserem Antrup aus Beseitigung der Zölle für Schlachtvieh und Fleisch einen Zusatz g-ben, der ausdrücklich konstatiert, daß dem Bundesrat die Ermä-htigung zu Zollerleichterungen nur für den Fall und für die Dauer eines Notstandes gegeben werden soll Wir beantragen daher dem erwähnten Antrag folgende Fassung zu geben: Vom 1. April 1913 ab wird der Bundesrat ermächtigt a > l g e n. e . n die Zölle für Schlachtvieh und Fleisch ganz oder teilweise außer Hebung zu setzen, soweit und so lange es zur Abhilfe eines Notstandes erforderlich ist.
Abc). Schmitt Würzburg (Soz.):
Die Behauptungen des Abg. Herold sind frivol. (Präsident Dr. Kaempf erklärt diesen Ausdruck für unzulässig.) Tann snuß ich diese Behauptungen ganz entschieden zurückweisen. Sc kann nur ein Mann sprechen, bet die Not des Volkes nicht kennt. Die Teuerung ist allein durch die Zoll- und Wirtschaftspolitil verschuldet. Der Redner begtünbei dann die sozialdemokratischen Anträge.
Abg. Dr. Matzinger CZentr.):
Die fortwährend toieberfehrenbe Behauptung von einer b e. 'ginnenden Unterernährung hat der bayerische Minister Baron Soden überzeugend widerlegt. In England aber, dem Lande des Freihandels, ist Unterernährung bei 95 Prozent der Schulkinder festgestellt (hört! hör»! rechts.) Die Vermehrung d e r I n t e u f i t ä t ist das sicherste Mittel zur Erlangung normaler Preise.
Vizepräsid-nt Paaschc teilt mit. daß auf Antrag des Abg. Graf Sfanit (kons.) über den Antrag der Volkspartei auf Er- mäßigung der Viehzölle namentlich abgestimmt wird.
Abg. Hestermann (Hosp. d. Natl.):
Das Aiisland kann durch seine günstigen Produktionsverhält- niffe das Vieh weit billiger auf den Markt bringen, als daS In- land. Deshalb nwß für die einheimische Landwirtschaft ein Aus- gleich durch den Zollschutz gesckaf'-m werden Fck mutz entschieden gegen die Beleidigung b e; Bau-i nstc»nd,es protestieren, die darin liegt daß der Abg. Dr Werner-Gießen von mir verlangte ich solle einen hessischen Bau ' n aut den Tstch d's Hauses niederlegen, der Mais füttert. (Heiterkeit., Was würde Dr. Werner sagen, wenn ich von ibm die Nied"rlegiing eines Oberlehrers auf den Tisch des Hauses verlangt". (Hesterkeit.) Die Behauptung der Freisinnigen daß für den kleinen und mittleren Bauern der Getreidebau nicht in Frgge kommt, ist falsch. Ich bin Bauern- bündler und ich kann sagen ich bin in die Politik eigentlich hinein- tzekmnmen _burdj meinen G.trewevau. (Gr iße Heiterkeit. — Abg.
Gothein (Vp.): „Das war aber Mißwachs!" — Erneute Heiterkeit.) Herr Gothein. Sic haben unter Jhr'en Wählern viele, die sich vom Schweiß d^s Bauer- mästen wollen. Der Deutsche Bauernbund verlangt, daß der § 12 dcö Fleischbeschaugesetzes unangetastet bleibt.
Die Angriffe der Rechten auf die Nationalliberalen sind ganz unberechtigt. Bester als gestern von Dr. Böttger kann doch der agrarische Standpunkt gar nicht vertreten werden. (Sehr richtigI links.) Wir wollen nicht den Bauernstand gegen den Großgrundbesitz ausspielen lassen. Wir im Deutschen Bauernbund lvahren durch das Streben nach innerer Kolonisation die Interessen der Großgrundbesitzer weit bester, als diese selbst. (Abg. Kre 1 h (Kons.): Mehr kann man nicht verlangen! — Heiterkeit ) Auch im „Berliner Tageblatt" wird in einem Ärstikcl indirekt zugegeben, daß das Ausland uns nur mit b'lUgem Fleisch versorgt, um später bei der Schädigung unserer Landwirtschaft sein Geschäft zu machen. Wir erwarten, daß die Negierung fest bleibt, so daß wir getrost in die Zukunft blicken können. (Bcif. b. d. Natl.)
Abg. Wc'lnböck (Kons.):
Daß die Landwirtschaft an der Teuerung nicht schuld ist. sieht man daran, daß auch andere Bedarfsartikel die nicht aus der Landwirtschaft konimen. teurer geworden sind. Tie Landwirtschaft wird sich für jede Art der Berücksichtigung stets dankbar erweisen.
Abg. Koch (Vv.):
Die Fleischnot muß schließlich zu einer Unterernährung des Volkes führen, wenn nicht bald Abhilfe geschaffen wird. Die Rechte denkt bei ihrer Wirtschaftspolitik nur an die Produ- genten, nicht an die Konsumenten. Sie vertritt lediglich die Interessen des Bundes der Landwirte.
Wir stehen auf Dein Boden der Selbsthilfe, Sic rufen fortwährend nach Staatshilfe. Wir geben Ihnen zu, daß Sie die Interessen der Landwirtschaft betreten, aber wir verlangen dieselbe Anerkennung für uns W'- sind mit unferm Antrag ja sehr harmlos. Wir ermächtigen den Bundes' rt mehr tun wir ja nicht. So sind wir die berufenen Regierungsvertreter. Sie auf der Rechten sind an Den jetzigen Zu sb". nc.cn Schul" weil Sie im vorigen Jahre unsere Forderung der Aufhebung ober Suspendierung der Futtermittelzölle abgelehnt haben Der Redner macht, während das inzwischen in Erwartung der namentlichen Abstimmung stark gefüllte HauS die ReDneriribüne umdrängt, lange, vom Beifall seiner Fraktionsgenoffen begleitet* vielfach setzr polemische Ausführungen über das Interesse der kleinen Bauernschaft an billigen Futtermitteln. Seine kräftig Stimme vermag aber der andauernden Unruhe und des vielfache.- Gelächters eines Teiles deS Hauses nicht Herr zu werben u^' er dle-l: auf ber Tribüne zumeist unverständlich Er richtet ai die Rechte die Aufforderung, nicht durch ewige Aufrechterhaltung der Teuerung die Geschäfte der Sozialdemokraten zu beforp..n
Abg. ßäbeque (Sotljr.)* bekämpft als Tierarzt und Sachverständiger die Aushebung des § 12 des Fleischbeschauaesetzes bett. die inneren Organe beim ein« geführten Gefrierfleisch.
Abg. Gebhart (Wirtsch Vgg.)' spricht gegen die freisinnigen und sozialdemolratischen Anträge und verteidigt den Futtergerftenzoll im Jntereste der kleinen süd- deutichen Landwirtschaft.
Nach 6 Uhr ist die schon zu Beginn der Sitzung vereinbarte Zeit für die namentlichen Abstimmungen erreicht. Unter stürmischem Beifall des ungeduldigen Hauses endete Abg. Gebhart.
Abg. Dr. Werner-Gießen (Wirtsch. 23g.)' erwidert in persönlicher Bemerkung auf den Angriff Hestermanns.
Tas Haus ist gefüllt. Teils in einfachen, teils in namentlichen Abstimmungen werden sämtliche Anträge ter Sozialdemokraten und Der Volkspartei abgelehnt: mit 184 gegen 150 Stimmen bei 3 Enthaliungcn der Antrag der Freisinnigen auf Ermächtigung des Bundesrats zur Suspension oder Herabsetzung der Viehzölle für den Fall und die Tauer eines Notstandes; mit ähnlichen Mehrheiten die Forderung auf Suspendierung der Futtermittelzölle unt Beseitigung der Verbotsbestimmung, gefroren«1 Tiere ohne innere Crgane einzuführen.
Der Gesetzentwurf wird in zweiter Lesung unverändert angenommen.
Sonnabend 11 Uhr dritte Lesung des Fleischeinsuhr-Provi- soriums.
niinmeljr die Drucklegung des Berichtes erfolgen, der die Grundlage für die am 12. Februar beginnende Etats- beratung der Zweiten Kammer bildet.
Tic Anstellungsverhältniffe der Schreibgehilsen.
Tas Großh. Ministerium des Innern stellt, wie wir erfahren, zurzeit bei den unterstellten Behörden Erhebungen über die Zahl und die Reihenfolge der demnächst anstellungsreif werdenden Schreibgehilsen an, die zurzeit eine Dienstzeit von 10 und mehr Jahren znrückgelegt und das 30. Lebensjahr vollendet haben. Tie nicht bei dem betreffenden Amte verbrachte anrcchnungsfähige Ticnstzeit ist unter Vorlage von entsprechenden Bescheinigungen der betreffenden Behörden nachzuwcisen. Nach den zurzeit geltenden Bestimmungen darf die Zahl der angestellten Schreibgehilsen innerhalb eines Ministeriums 20 Prozent der am 1. April 1912 vorhanden gewesenen Schreibgehilsen nicht übersteigen. Ausnahmsweise kann in die 15jährige Probedienstzeit die Zeit eingercämet werden, während welcher der Gehilfe im Dienste des Reichs oder eines anderen Bundesstaates, im Kommunal-, Kirchen- oder Schul- dicnst, bei einem Rechtsanwalt, Notar oder Gerichtsvollzieher gegen Vergütung besck)ästigt gewesen ist. Schreibgehilsen, die bis zum 1. April 1912 nach den .bisherigen Vorschriften anstellungs- rcif geworden sind, können mit dem 33. Lebensjahr angestellt werden, wenn sie mindestens 13 Jahre in der vorbezeichneten: Weise beschäftigt waren. Für Schreibgehilsen, die mindestens 9 Fahre beim Militär gedient haben, kann die 15 jäfyrige Probe- dicnstzeit, wie sic von der Regierung nach den neuen Bestimmungen vorgesehen ist, auf 5 Jahre herabgesetzt werden. Für Schreibgehilsen, die als Unteroffiziere beim Militär gedient haben und vorzeitig als Invalide mit dem Zivilversorgungsschein aus dem Militärdienst ausgcfchicden sind, kann die Probedienstzeit im gleichen Verhältnis um die Zeit gekürzt werden, die ihrer über die zweijährige Pflichtdicnstzcit hinaus geleisteten Militärdicnst- zcit entspricht.
(Bcricbtsfaal.
= E i n S ch wu r g er i ch t s u r t e i l. Tas Schwurgericht in Stolp hatte im vergangenen Jahre einen Metzgergesellen freigesprochen. Tie Revision Ivar lediglich damit begründet, daß der Wahrspruch der Geschworenen nicht mit dein Namen des Obmanns unterzeichnet sei. Tas Neichgericht hielt^ diese Rüge für begründet, hob das Urteil auf und verwies die Sache an die Vorinstanz zurück.
== Zum Fall Soxhlet-Wagner. Geh. .Hofrat Professor Dr. Paul Wagner in Darmstadt schreibt uns: Nachdem das Strafverfahren gegen Soxhlet nach zweijähriger Dauer ^eingestellt wurde, ohne daß es zu der von mir beantragten Eröffnung der mündlichen und öffentlichen 5)auptverhandlung gekommen ist, verbreitet Soxhlet wieder gegen mich seine bekannten und haltlosen Angriffe. Er sucht diesen Angriffen durch ausgewählte Zitate aus dem auf Einstellung des Verfahrens lautenden Gerichtsbeschluß den Schein gerichtlicher Bestätigung zu geben. Gut Gerichtsbeschluß wie der vorliegende, der in einem schriftlichen und mir gegenüber teilweise geheimen Verfahren erfolgte, hat keinen irgendwie aufklärenden und entscheidenden Wert. Denn er schöpft lediglich aus den Aktenstudicn seine .Kenntnis des wissenschaftlichen Tatbestandes, der ohne die notwendige mündliche Aussprache mit den Beteiligten den Beschlußfassern fremd bleiben mußte, und er stützt sich in den .Hauptpunkten auf einen Gutachter, der selbst wiederholt dem Gericht schrieb, daß er „kein kompetenter Beurteiler der Sache" sei, nur, „einen prinzipiellen Laienstandpunkt vertreten könne", und daß das, was er in der Sache liefern könne, nicht das sei, was das Gericht brauche. Ich habe das hessische Ministerium gebeten, das von mir seinerzeit selbst beantragte Tisziplinarverfaln en nunmebr durchzuführen.
F. E. Mainz, 31. Jan. Ter 23jährige Zigeuner Ernst Ebender, der rls mutmaßlicher Mörder des Försters Ro- nianus bekannt geworden ist, hatte sich vor dem Schwurgericht in Meiningen zu verantworten wegen Teilnahme an einer Meuterei äm 31. Dezember 1909 in ^Nordheim im Grabfeld. Dort war Ebender im sogenannten ^,Torhaus", weil er verschiedene Einbrüche verübt, mit 5 erwachsenen Zigeunern und 9 Kindern inhaftiert, aber ausgcbrochcn und hatte dabei mit einer <ochuß- ivasse geschossen. Die Geschworenen bejahten die Schuldfrage, woraus das Gericht den Angeklagten mit Einrechnung einer noch zu verbüßenden von deen Schwurgericht Mainz erhaltenen Zuchthausstrafe wegen Mordversuchs zu einer Gesamtstrafe von sechs Jahren sechs Monaten, fünfzehn Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilte.
Schluß 7 Uhr.
Ans Hessen.
Gemeinsame Sitzung beider Finanzausschüsse.
bs. Darmstadt, 31. Jan.
Die Finanzausschüsse beider Kammern setzten heute vormittag zusammen mit .der Regierung ihre Beratungen über den H a u p t v o r an s ch l a g fort. Es sand zunächst noch eine lebhafte Aussprache über die Anstellungsverhältnisse der Schreibgehilsen statt, in der die drei Antragsteller des Finanzausschusses der 2. Kammer, die Abgg. Dr. Osann, Molthan und .Henrich, ihre zu dieser Frage gestellten Anträge nochmals eingehend begründeten und insbesondere die schwere Benachteiligung der Schreibgehilfen hervorhoben, die dadurch entstanden sei, das; die Schreibgehilsen sich durch frühere Ausschreiben deS Ministeriums veranlassen ließen, im Staatsdienste zu verbleiben. Jetzt seien sie durch die erhebliche Verminderung der Stellen arg geschädigt. Die Regierung vertrat dagegen ihren be- kannten Standpunkt, der aus' finanziellen Gründen, und veil ein weiteres Anwachsen gerade dieser Stellen auf der Grundlage der seitherigen Anstellungsverhältnisse zu großen und immer steigenden Ausgaben führen würde, oedingt sei. Der Berichterstatter des Finanzausschusses der Ersten Kammer teilte die von der Regierung vertretene Ansicht. Ein Beschluß des Finanzausschusses der Ersten Kammer hierzu lag noch nicht vor.
Weiter kamen dann beim I u stiz v o r a n s ch l ag die Verhältnisse der G e r i ch t s s ch r e i b c r g e h i l f e n zur Erörterung. Auch hier vertraten die vorgenannten Antragsteller öes Finanzausschusses der Zweiten Kammer die von ihnen beantragte Anstellung von dreißig weiteren Kräften als Aktuariatsassistimten, während die Regierung -rklärte, sich auf eine bestimmt feftczelegte Zahl nicht einassen zu können; sie stellte aber in Aussicht, daß schon m nächsten Budget bei Stellen mit größerer Berantwor- .nng und umfassenderem Geschästskreis, welche jetzt von ö-erichtsschreibern versehen werden, Hilfsgerichtsschreibcr .ierufen werden würden. Eine kurze Aussprache sand noch iber die Frage einer Zusammenlegung der beiden Darmstädter Gymnasien und über die Elfenoeinschnitzereischule zu Erbach statt. Da bei den übrigen Kapiteln Differenzen nicht vorhanden waren, konnte man heute die gemeinsame Beratung schließen. Es wird
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Höchste Temperatur am 30. bis 31. Januar = Z- 5,3'0.
Niedrigste „ „ 30. „ 31. „ =» — 0,99 0.
Niederschlag 0,7 mm.
Aufklärung über IZouilkon-Würfel!
In letzter Zeit ist hin und wieder versllcht worden, dem Publikum die Meinung beizubringen, daß Bouillon-Würfel keinen Zusatz von F-leisch-Ertrakt au enthalten brauchten. Bouillon aber ist Fleischbrühe, deshalb i i es selbstverständlich, das; in einem BouillowWüriel auch der wertvollste Stoff der Fleischbrühe — die Ertraktivstone deS Fleisches bezw. Fleisch-Ertrakt — enthalten sein muß. Dieser Begriff ist so klar, daß an feiner Verdunkelung nur Fabrikanten Znieresse haben können, deren „Bouillon-Würfel" mit wirklicher Fleischbrühe genau so viel zu tun haben, wie der bekannte „falsche Haie" mit dem richtigen Hasenbraten!
Die von uns in den Handel gebrachten OXO Bouillon Würfel enthalten neben anderen, au einer nuten Fleischbrühe nötigen Zutaten in erster Linie das ei forderliche Quantum Fleisch-Extrakt und geben deshalb durch Auflösung in kochendem Wasser eine Bouillon, die nicht nur im Geschmack, sondern auch in der Güte und in ihren Wirkungen aut den .Körper einen Ersatz der hausgeniachien bildet.
Wir bitten alle Verbraucher von Bouillon-Würfeln, ini eigenen Znieresse auf den Namen ,,OXO" au achten; sie find bann stets sicher, für ihr Geld ein vollweriiges, unter streng hygieniichen Bedingungen hergestelltes Produkt au erhalten.
0% Liebig Gesellschaft m. b. H., Köln.


