Ausgabe 
15.8.1913 Erstes Blatt
 
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Nr. <90

Ter «iefjeier Lnzelßer erschein« täglich, außer Eonnlogs. - Beilagen: viermal wöchentlich OietzeverZainiliendlätter zweimal wochenll.Nrei»- dlallsi>«»XreirOießen (T len-rag und Arena«»; zweimal moitell. t«nd- wsttschaflliche Leitfragen Fernsprech - Anschlüße: für bie Redaftion 112, Verlag U. Expedition 51 Adresie für Depeschen:

«übriger Gießen.

Tlllnatz.nk von Anzeigen für ixe Tage-nummer bt8 vormUtagS 9 Uhr.

Zreitag, 15. August 1915

165. Jahrgang

Erstes Blatt

SietzenerAnzeiger

Seschäftsfteke Büdingen, vahahofprsße 16a.

Bse^ngdprei»: nionatlich75V^ viertel« jährlich Mk. 2.30; durch rlbhole- il Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk. 2. viertd- jährl. au-schl. Beüellq. ZeileitpreiS: lokal IdPl^ Qiibiuärio 20 Pfennig. G hefredalteur: 21 Goetz. Berantworlltch für den politischen Teil: August Doetz; für .Aeuille- lon*. .DerinifchleS^ und ,Der,cht»faal": R. Nen- ratb; für »Stadt und Land": E.Hcb; für den Anzeigenteil: H. Beck.

General-Anzeiger für Oberhessen

Rotatiowstrucf und Verlag der Brühl'schen Univ, buch- und Zteindruckerei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei.- Zchulstraße 7.

Die heutige Nummer umsaht 12 Seiten.

Tageskalendcr auS dem Jahre 1813.

15. Lugust In ban Treffen bei Lauenburg schlagt das Lütz owsche Freikorps dieFranzosen unterTaoouft.

Der Zall Sulzer.

Ein Deutschamerikaner, der die Verhältnisse des Staates New ?)orf aus langjähriger Erfahrung und Berufs­tätigkeit kennt, schreibt uns:

Das Parlament des Staates New ?)ork hat mit 79 gegen 45 Stimmen beschlossen, den Gouverneur William Sulzer wegen Meineids, Zeugenbeeinflussung und Wahl gelderUnterschlagung vor Gericht zu stellen. Durch diesen Beschlust der Staatslegislative gilt Sulzer als entsetzt und Bizegouverncur Glynn als» Haupt des Staates. Sulzer will aber seinen Posten freiwillig nicht verlassen. Er droht, das xapitol der Hudsonstadt Albany zu verrammeln und mit ben Staatsmilizen zu verteidigen Im übrigen hat er an den Suprcmc Eourt, den höchsten Gerichtshof, des Staates New Dort appelliert. Bestätigt dieser die Erhebung der An­klage, so soll Sulzer von seinen Gegnern mit Gewalt aus demKapitol entfernt werden.

Tie Sache hört sich sehr gefährlich an. Man prophezeit bereits einen Bürgerkrieg in dem Hauptstädtchen Albany, aber der Amerikaner ist heute ein viel zu praktischer Mann, um sich wegen eines Governcrs den Kopf blutig zu schlagen. Der Protest Sulzers gegen seine Suspension erscheint we­lliger verrückt und lächerlich, wenn man bedenkt, dast, ebenso wie der Präsident der Vereinigten Staaten gegen­über dem Kongreß, der Govcrner gegenüber den Beschlüssen des Landtags meist ein Vetorecht besitzt. Sulzer benutzt also die ihm übertragene Machtvollkommenheit, um einen allerdings gegen sich selbst gerichteten Beschlutz des Parla­ments zunächst als ungültig zu erklären.

Das wird ihm aber nicht viel nützen. Eine wesentliche Eigenart des politischen Lebens drüben ist die überragende Bedeutung der Public opinion, der öffentlichen Meinung. Sie ist im Grunde die eigentliche regierende Gewalt, der die Justizbehörden ebenso unterstehen wie die Exekutive und die geicpgebenden Körperschaften. Verfassungsgemäß steht über nUcn öffentlichen Gewalten das souveräne Volk. Die gewählten Vertreter des Volks, gleichgültig ob sie zur Kate­gorie der richterlichen oder der Verwaltungsbeamten ge­hören oder Mitglieder der Parlamente sind, bleiben der unausgesetzten Kontrolle der Massen unterworfen, deren Wille seinen Ausdruck eben in der geheimnisvollen öffent­lichen Meinung findet.

Der Beschlust des Parlaments, der dem Senate bereits übermittelt wurde, stützt sich auf das Anklagematerial, das durch das Frawleykomitee zusammcngetragen worden ist. Darnach hat Sulzer dem Staatssekretär eine fa lsche eid­liche Erklärung über seine Kosfen und Spesen bei der letzten Wahl abgegeben. Er l)at auch nicht alle eingcgangenen Wahlgelder'aufrichtig zu Buch gebracht. Er I)«t ferner mehrere Zeugen veranlassen wollen, ihn vor dem Frawleykomitee zu schonen. Ja, er ljabe Täuschung, Be­trug und Drohung nicht gescheut, um die Zeugen davon abzuschreckcn, Bücher und Papiere beizubringcn, die das Komitee für seine Untersuchung brauchte.

In letzter Stunde hat auch die Gattin des Gouver­neurs versucht, die Vergehen ihres Mannes in milderem Lichte ersckzcinen zu lassen, indem sie erklärte, dast sie hinter dem Rücken ihres Mannes Schecks mit seinem Namen unter­zeichnet und die Banken zu Börsenspekulationen damit veranlagt habe. Dieser Rettungsversuch hat aber die Loge nur verschlechtert. Jetzt stehen sicher alle Anhänger Tam- many Halls wie ein Mann gegen Sulzer, und das muß

ihn zu Fall bringen. Sulzer war zwei Jahrzehnte hindurch selbst eines der besten Mitglieder dieser bekannten Organi- sation, begann aber Anfang dieses Jahres sofort nach seiner Bestallung als Gouverneur den Kampf gegen seine früheren Freunde. Tic Folge war, dass die Gegner nun alles hervor- holtcn, was dem Sturze Sulzers dienen kann. Es braucht da aar nicht mit unlauteren Mitteln gearbeitet zu werden. Wahrscheinlich sind die Waffen der Gegner durck)aus ehrlich und rein. Sulzer selbst hat ihnen diese Waffen durch ein unlauteres Verhalten in die Hand gespielt. Man darf sich überhaupt das heutige Tammany Hall nicht als das vor­stellen, was es vielleicht noch vor 10 oder 20 Jahren war. Tie Entwicklung geht jetzt gerade innerhalb dieses Geheim- bundcs, wenn mau ihn so nennen darf, sichtbar dahin, aus der Verwaltung allmählich jene Elemente auszuschalten und fernzuhatten, die ben öffentlichen Dienst als Quelle « schästlicher Vorteile oder als Feld ihrer persönlichen Macht- und Rachegelüste behandeln. Dieser Kampf gegen die Kor­ruption ist in Wahrheit unausgesetzt im Gange. Europäische Beobachter haben nur zu oft in der amerikanischen Demo- fratic bloß die schlimmen Auswüchse dieser torruption er­blickt, ohne den gewaltigen Anstrengungen gebührende Auf merksamkeit zu schenken, die in ihrer Bekämpfung sich gel­tend machen. Nichts ist lehrreicher, als den Verlauf der Kämpfe gegen die Korruption, gegen dieGrafter" im einzelnen zu verfolgen. Die Amerikaner sind ein ungewöhn­lich geduldiges Volk, jeder zu sehr von seinen Privatgeschäft len in Anspruch genommen. Aber von Zeit zu Zeit, wenn die korrupten Elemente es zu toll treiben, kommt es zu moralischen Revolutionen, in denen die Bürgertuaend, ge­paart mit der größten Klugheit und Energie, gelegentlich geradezu Triumphe feiert. Die Summe von Tatkraft und politischem Schwung, die in diesen Kämpfen von den heroi­schen Anstrengungen Samuel Tildcns gegen den Tweed- Ring bis zu der Reinigung des politischen Augiasstalles in San.Francisco und seitdem immer aufs neue zutage tritt, ist der sicherste Beleg dafür, dast die amerikanische Demokratie trotz aller Unvollkommenheiten und Laster doch im innersten Kern gesund ist.

Albany (New York), 14. Aug. Infolge der Weigerung des Gouverneurs Sulzer, sein Amt niederzulegen, herricht in den staatlichen Departements der größte Wirrwarr. Der Vizegouver­neur Glynn übernahm die Funktionen des Gouverneurs in einem Zimmer des Kapitols, während Sulzer sich in seinem eigenen Amtszimmer eingeschlossen hat. Ein Teil der staatlicl-en Departe­ments hält zu Sulzer, andere zu Glynn. Das Staatssiegel be­findet sich im Bureau des staatlichen Sekretärs May. Es wird gemeldet, May werde das Siegel Glynn ausliefern; das Siegel wird streng bewacht. Frau Sulzer liegt infolge der Aufregung schwer darnieder.

«Ein Umschwung in der russischen Politik.

Aus Petersburg wird heute von verschiedenen Seiten gemeldet, daß Herr Sasonow nicht weiter auf einer Revision es Bukarester Vertrags bestehen wolle. Als Hauptgrund wird angegeben, daß Lesterreich auch eine Berichtigung der serbisch-bulgarischen Grenze wünsche, welcher Forderung Rußland sich nicht anschliesten könne. Rußland stehe in der Frage von Kavala nunmehr auf demselben Standpunkt wie Deutschland, Frankreich, Italien und England.

TieDeutsche Tageszeitung" meldet aus Peters­burg: In einer Petersburger Meldung derDeutschen Tageszeitung" wird der endgültige VerzichlRußlands auf eine Revision des Bukarester Vertrages so gut wie sicher bezeichnet. Es heißt da: Wie ihr Korrespon­dent aus bestunterrichteter diplomatischer Quelle erfährt, beschloß der Minister des Aeußern auf eine Revision des Bukarester FriÄensverträges zu verzichten, angeblich, zwecks Wahrung der altslawischen -Objektivität und weil das Wiener Kabinett dieRevisionaufganz Maze­

donien ausdehnen wollte, was hier erst am Mitt­woch bekannt geworden ist.

Ein tschechischer Hctzartitcl.

Ein tschechischer Angriff gegen das deutsch-österreichi­sche Bündnis wird demBert. Lagebl." aus Prag depe­schiert:Großes Aufsehen in politifchen Kreisen erregt hier ein Artikel derVenkow", des Zentralorgans der tschechischen Agrarier, der in InPerischer und roher Weise die Bündnispolitik des deutschen Reiches angreist. DaS Blatt schreibt: ' <

Tic Nibelungentreue hat einen tiefen Rist erholten. Heute erinnert man sich in Wien, welchen Undank man dafür erntet, daß Jahre und Jahre hingegangen sind, in denen die mitrifuguten Elemente Böhmens ostentativ nach Berlin pilgerten, sich turt Rat zu holen und man weist, wie dies die habsburgische Monarcine erniedrigt bat. Heute sieht man es in Wien, roddx* verhängnis­vollen Fehler man begangen hat, als man in Ischl das Anerbieten König Eduards VII. ausschlug, der damals uns von dem Joche der Hohenzollern befreien wollte. Heute ist and) schm der letzte öfterreidiirfK Diplomat zu der Ucberzeugung gelangt, daß das Bündnis firrdttbar teuer bezahlt wird. Das Bündnis stellt sich heute als die fdwerftc Schädigung aller Öfierrmdnidm Interessen dar. Es ist ein Glück, dast endlich der Augenblick ber^Grnüdytcrung gekommen ist. Tenn nad) diesem Faustschlag, den Cefterrrid) von seinem Nachbar erhalten, ist es unerlästlich, dast unsere Staats­männer uns von dem Bündnis befreien werden, von dem wir so lange eingeengt waren. Es ist allerdings schwer für das Reich, allein dazustehen 'Aber es ist notwendig, unsere BundeSgen-äsen dort zu luden, wo anstelle der .Habgier 'Mufridihafcit IkttIdit, statt Böswilligkeit Ehrenhaftigkeit und statt Hinterlist £? ff en freit. In Teutfddanb ist sillles dies nicht zu finben.

Tas sind niedliche Proben tschechischer Unverfrorenheit. Oesterreich ist sich bei ruhiger Ueberlegung doch wohl voll- fommcnl klar darüber, daß die Früchte des Bündnisses mit Deutschland bisher nur ihm in den Schoß gefallen sind!

Ein Zusammentreffen König Ferdinand mit Kaiser Franz Joses?

TerBerliner Lokalanzeiyer" meldet aus Wien: In Hoftreisen verlautet, daß König Ferdinand von Bulgarien im strengsten Inkognito in Ischl eintreffen werde, um mit dem Kaiser von Lesterreich die politische Lage zu besprechen

Falsche Gerüchte.

DieKölnische Zeitung" meldet aus Berlin: Tie Mit­teilung des Bukarester Korrespondenten desTemps" RenS Puaux über einen Brief des Kaisers an den König Kon­stantin, in dem der Kaiser erklärt haben soll:Ich kämpfe für Eure Rechte wie ein Tiger", hat selbstverständlich keine Unterlagen. Nach unseren Erkundigungen ist ein solck-er Brief nicht geschrieben worden. Dasselbe gilt von einem angeblichen Handschreiben des Kaisers an Kaiser Franz Josef, in dem nach einer Berliner Meldung desRußkoje Slewo" der Kaiser seinen Einfluß geltend zu machen fud)e, daß die Besserung in den Beziehungen zwischen Oesterreick)- Ungarn und Serbien durch eine entsprechende Aende- rungderBerchtoldschenPolitik ermöglicht würde. Auch in diesem Falle hat man es mit einer grundlosen Er f i nd u n g zu tun. Im Vorbeigehen mag noch festgestellt werden, daß eine von der deutsck)en Veröffentlichung ab­weichende Fassung des Telegramms des Königs Karl von Rumänien an den Kaiser, die in Wien aufgetaucht war, sich als unhaltbar erweist. Tie in deutscher Sprache ab- gefaßte Drahtung des Königs'Karl, lautet wörtlich so, wie sie durch das Dolffsche Bureau ausgegeben und in der ,Morddeutschen Allgemeinen Zeitung" und imReichs­anzeiger" abgedruckt ist.

Ein Armeebefehl des Königs von Rumänien.

Bukarest, 14. Aug. (Agence Roumaine.) SVönig Karl richtete an die Armee folgenden Tagesbefehl:

Ter begeisterte Elan, mit welchem Ihr dem Aufrufe in fdnrcra: Stunde entsprochen habt, bewies mir von neuem, bar, Ihr bereit

Bolz, Kraus, Makay, Lehmann, Mayer und Schwarz, die Tarnen: Möller, Kop, Kabelburg und Huber. Aussehen erregt es, daß sich unter den neuen straften werblich Mitglieder befinden, allerdings Anfängerinnen, die mit einer Gage" von 3 0 Mart monatlich verpflichtet wurden, daß ferner die meisten iitäftc ohne vorherige Gastfpc elverpflichttutg gewonnen wurden.

DasBremer Haus" ausder Deutschen Werk­bund-Ausstellung Köln 19 14 soll einer geschlossenen 'Darstellung der anerkannt vorzüglichen Leistungen der Bremer und £ Ibenburger Werkkunst dienen Ter für die architektonisch- Ausgestaltung dieses Gebäudes ausgeschriebene Wettbewerb unter den Bremer und £ Ibenburger Architekten hat, so wird un­geschrieben, zwöft Entwürfe gebracht, die durchweg auf einer be­merkenswerten künstlerischen Hohe standen. Das Preisgericht, dem die Herren Bürgermeister Rehorst-Köln, Rudolf Alexander Schrö­der, Leopold Bier mann und Städtebaumeister Muesmann aus Bremen und Professor Högg-Tresden angebörten, bat den Preis dem Entwurf mtt dem MottoStraßenabschluß" von den Archi­tekten Abbehusen u. Blendermamn in Bremen zuerkannt. Der preisgekrönte Entwurf wurde wegen seiner hohen künstlerischen Qualitäten als geeignete Grundlage zur weiteren Bearbeitung deS Ausführirngsentwuries anertimnt. Hiernach dürfte sich dasBremer Haus" auch arcbttektonisch aufs würdigste in den schönen Rahmen einfügen, den die Bauten derDeutschen Werkound-Ausstellung Köln 1914" aus Grund der nunmehr vorliegenden Entwürfe der deutschen Werkkunst zu bieten versprechen.

Tas Komitee der Grönlandexpedition des Hauptmanns Koch in Kopenhagen erhielt mit dem Grön­land sch: ftGodtchrab" einen Bericht des Hauptmanns Koch, in welchem es heißt: Arn 20. April verließ die Expedttion das Winter - auarrier auf Dem Inlandeis mit fünf Schlitten und fünf Pierden, um den 1200 Kilometer langen Marsch über das Inlandeis noch der Descküste Grönlands anzutreten. Nach einem beschwerlichen Marsche wurde am 11. Juni das vorletzte Pferd wegen Futtev- mangel geschlachtet. Am 2. Juli sichtete die Expedition vom Inlandeis ans Land. Hier mußt: das letzte Pferd geschlachtet roeroen, nachdem es 1100 Kilometer über das Grönländers zurück- gelcgt batte. Die Expedition setzte den ^ar^cf; fort und hatte in den folgenden Tagen viele Schwierigkeiten zu überrotnben. <dd mußte sie u *a.' wegen schlechten Wetters unter einer JatWe 35 Stunden lang ohne Speise liegen, da der Proviant aufgezehrt

zinisch-chirurgischen Schule, gestellt wurde. Ja 1813 fand das Senckenbcrgische Institut unter dem Jubel der Altfrankfurter cm unrühmliches Ende. Erst als Goethe scharfe Kritik an seinen spießbürgerlichen Landsleuten übte, lebten die ^Stiftungen von neuem auf. 1817 wurde durch Krctzschmar die Sen ck en- bergische Natur forschende Gesellschaft gegründet und damit das Fundament zu der heutigen Größe der Stif­tungen gelegt. Es folgten dann 1824 die Gründung des Physi­kalischen Vereins, 1836 die der Geographischen Ge­sellschaft, 1845 der Aerztliche Verein. 1820 erstand das alte Museum, lind gerade vor 10 Jahren begann man mit der Kette bet Bauten swl^r wissenschaftlicher ynrtitutc von Weltruf: Akademie für Handels- und Sozial- wiss en sckaften, Bibliothek, neues Museum, Physikalischer Verein mit seinen vielen NebeninNituien, deren 'jüngste das Taunusobservatorium und das astronomische Recheninstitut sind. Diesen allen aber wird im kommet^den Jahr der glänzende Schlußstein der Senckenbergischen Stiftungen, .die Universität, eingefügt werden als leuchtendes Mal opfer­willigen Bürgersinn-'. Tic Administration der Stiftungen wird das Jubiläum im Herbst durch eine Festsitzung fei-rlich be­gehen. ' #

Prof. Dr Ki n keli n ist in Frankfurt a. M am 14 ^uguft nach langem Leiden im Aller von 78 Jahren gei'torbtMit ihm verliert die Senckenbergische 9? a t u r f o r f ü) c n b e Gesellschaft einen ganz hervorragenden geologischen ^Mit- irrbrirer und Dozenten, der seit 1873 unermüdlich in der Durch sorickuna der Heimat tätig war. Kinkelins Hauptforschungsgebiete roaren die diluvialen Wirbeltierfauna von Mos­bach bei Wiesbaden, die fossile Flora des Mainzer Beckens und die Pluxönftzrrr von Niederrad. In jahrzelmtelangem »Forschen bat der unermüdliche Gelehrte aus diesen Gebieten eine Samm­lung zusammengetragen, die zu den bedeutendsten ihrer Art ge­hört und einen Glanzpunkt in dem Senckenberchnmeum bildet.

Vom Frankfurter Stadttheater. Mir dem Beginn des neuen The at erfahr es sind au£ dem Verbände des Sckamvielhaufes nicht weniger als acht Schauspieler und vier 'Schauspielerinnen ausgeschieden, bezw. entlasten worden, darunter Künstler, die fdjon fett Jahren der Bühne angebörten und sich als hervorragende Darsteller eines hervorragenden Rufes erfreuten. So tzhiebcn aus die Herren: BayrHammer^ von der Becke,

Das 150 jährige Jubiläum

bet Scnckenbergischen Stiftungen.

Aus Frankfurt a. M. wird uns geschrieben:

Unter den saHrvidxn Bürgern Frankfurts, die ihr gesamtes Vermögen gemeinnützigen Zwecken gewidmet haben, steht der Name Senckenberg an erster Stelle, nicht nur, weil Senckenberg der erste Stifter für wissenfchaNlich ideale Zwecke geworden ist, sondern weil er nur in einer großen Stiftung die Möglichkeit der Förderung der gesamten Naturwissenschastett,unb damit auch der Medizin, erkannte und erblickte. Am, 18. August blicken die in der ganzen Welt als wissenschaftliches Institut ersten Ranges bekannten S e ncke n b e r g isch e n Stiftungen auf ein 150- jähriges Bestehen zurück.

Die Familie Senckenberg war im 17. Jahrhundert in Fr i e b- berg ansässig. Der Vater des Stifters lebte hier als Pbnfikus und Ratsknwr, zog aber 1688 nach Frankfurt, wo ihm brri Söhne adboren wurden, deren ältester als hervorragender Jurin und Historiker in Gießen und Frankfurt wirkte. Unser Senckeii- bcrg wurde 1707 geboren, studierte in Göttingen und ließ stch später in seiner Vaterstadt nieder, wo er, angeregt durch das da malig geistig bebeutenbe Leben in der Frankfurter Gesellschaft, als Mediziner klar die Mängel der ärztlichen Bildung erkannte. Das reifte in ihm den Entschluß, im Interesse der öffentlichen Wohlfahrt durch die Gründung einer Stiftung diesen Mißstand °U ^Tic^an" 18. ?lugust 1763 vollzogene Stiftung bestand aus dem medizinischen Institut und dem K r a n ke n d a u s e. Dr. Senckenberg kaufte zur Errichtung der Ckbäube am Eichen Printer Tor ein großes Gelände und erbaute hier zunäckm die Anatomie, das Laboratorium und das Gewächshaus, legte den Bo^ tannduu Garten an und arünbetc eine Bücherri. Tann begann er den Dau des Krankenhauses, bei dem er am 15. November 1772 tödlich verunglückte. Die Vermögensaufnahme nach seinem -tobe apxrb 116 555 Gulden: bis 1789 wuchs die Stiftung auf 273 000 Gulden an. Das Krankenhaus wurde eine hervorragend: Bildungsstätte für Aerzte und bestand in seiner ersten Form bis 1871, bann wurde es bedeutend erweitert. Dagegen fand das medizinische Institut die Teilnahme der Bürgerschaft nicht, obwohl es spater durch Karl von Dalberg in den Mittelpunkt seiner nnssen- ichastlicheu Bestrebungen., besosders bei der .©rünbiym der mcdi-