Zweites Blatt
165. Jahrgang
Nr. 58
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
daß von den
ausreichen würden.
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der die be-
Die „Eichener Zamtiienblätter" werden dem „Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Eichen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Selb fragen" erscheinen monatlich zweimal.
fahrt unserer Staaten, ebenso wie in der Erledigung der großen Aufgaben, an denen wir für das Gedeihen, die Sicherheit und das Ansehen des geliebten deutschen Vaterlandes mitzuwirken berufen sind. Eure Königliche Hoheit sind unter uns kein Fremder. Meine Armee kann mit besonderem Stolz Hochdieselben leit wahren zu den ihrigen zählen und wir dürfen Eure Königliche .Hoheit als Chef eines ihrer ältesten und ruhmreichsten Regimenter sehen. Es ist mir aber ein Bedürfnis,, die für uns so wertvolle Zusammengehörigkeit auch noch äußerlich zu bekunden, ^ch habe deshalb bestimmt, daß das Infanterieregiment 102 a b heute den Namen „Prinzregent Ludwig von Bayer n" zu führen hat. Ich schließe mit dem Wunsche, daß Euere Königliche Hoheiten an dem Besuche tn Sachsen einigen Gefallen finden und angenehme Erinnerungen in die Heimat mit- nehmen möchten.
Der Prinzregent dankte uni> erwiderte:
Es gereicht mir zur Freude, daß es mir vergönnt ist, durch unseren baldigen Besuch am Hofe Eurer Majestät zu bekunden, wie hoch ich die Ucberlieferungen der Freundschaft und Verwandtschaft bewerte, die seit alten Zeiten unsere Hänser und Lander verbinden. Ich bin mit Eurer Majestät von dem gemein,amen Wunsche beseelt, die Wohlfahrt unserer Länder zu fördern. Mit Eurer Majestät verbindet mich der feste Wille, in Treue zum Reich zu st e h e n. Ich vertraue zu Gott, daß es uns beschieden sein wird, erfolgreich an den großen Aufgaben mit- zuarbeiten, deren Lösung die Ehre, Sicherheit und den Ruhm Deutschlands erheischen. Euere Maiestat haben mir vor einigen Wochen die Ehre erwiesen, mich zum Chef des 3. Infanterieregiments Nr. 102 zu ernennen. Sie haben miw heute durch diese Mitteilung freudig überrascht, daß dieses Regiment, das zu den ältesten, in .Krieg und Frieden bewahrten Truppenteilen der ruhmreichen sächsischen Armee gehört, von heute an meinen Namen führen soll. Für diese hohe Auszeichnung bitte ich Eure Majestät, meinen tiefgefühlten Dank entgegenzunehmen.
Prinzregent Ludwig sandte von Elsterwerda ein Telegramm an den Kaiser, in dem er dem Kaiserpaar für alle Güte, den großartigen Empfang in der Reichshauptstadt und die schönen dort verlebten Stunden dankt, die ifjm und der Prinzessin Ludwig unvergeßlich bleiben würden.
die Regelung des Submissionswesens, die Reform des Wahlrechts in den Einzelstaaten.
Die Hauptarbeit hat der Reichstag noch nach Ostern zu leisten, nämlich die Verabschiedung der Heeresvorlagen und ihre Deckungsgesetze. Es ist bezeichnend für den augenblicklichen Stand des Parlamentarismus, daß die yejetz- geberische Arbeit des Reichstags immer mehr in den Hintergrund tritt und mehr oder weniger nur noch dem Redebedürfnis gehuldigt wird. Bei gutem Willen wäre es dem Reichstag wohl möglich gewesen, bis jetzt noch andere ihm vorliegende Gesetze endgültig zu verabschieden, dies gilt in erster Linie für die Postscheckordnung, das Staats- angehörigkeitsgesetz und den Entwurf über die Errichtung von Jugendgerichten.
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Montag, 10. März 1913
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäls • Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expeditton und Druckerei: Schul
straße 7. Expedition und Verlag:
Redaktion: ^^112. Tel.-Adr.: AnzelgerGießen.
Tic vertraulichen Besprechungen, die zwischen dem Reichskanzler und den Führern Fraktionen über die neue Heeresvorlage und Dcckungsvorschläge am Freitag im Reichstage gönnen hatten, sind am Samstag fortgesetzt wvrden.
Man schreibt uns darüber aus Berlin: Da die Be
sprechungen vollständig vertraulichen Charakter hatten, so lassen sich Einzelheiten über ihren Inhalt nicht mitteilen. Es steht fest, daß in der Besprechung den Parteiführern die Grundzüge der Heercsvorlagcn bekannt gemacht worden sind und über die Art der Deckungsvorschläge einige Andeutungen gegeben wurden, in welcher Richtung sich die neuen Deckungsvorschläge bewegen. Di? Beratungen über die neuen Deckungsgesetze sind noch nicht abgeschlossen und ihre endgültige Gestaltung hängt von dem Verlaufe der Konferenz der Fin anz m in i st e r der Einzel staaten ab, die am Äidntag nachmittag stattfinden wird. Die Mitteilungen, die den Parteiführern in der Besprechung gemacht worden sind, haben befriedigt, auch bezüglich der Deckungsvorschläge ist zwischen der Regierung und den Parteien eine Uebereinsti mm u n g erzielt worden. Neben der einmaligen Vermögensabgabe soll eine einmalige Besteuerung der großen Einkommen erfolgen und wahrscheinlich in der Weise, größeren Einkommen von 15 000 Mark Zuschläge nach dem Muster der preu- ‘ Irgend^ welche
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberheffen
Uritisches aus Ser hessischen Zweiten Kammer,
rb. Darmstadt, 8. März.
Den Verlauf der am Freitag mittag glücklich zu Ende < geführten Budgetberatung in der Zweiten Kammer wird ■ man in weiten Kreisen unserer Bevölkerung mit recht gemischten Gefühlen betrachten und beurteilen. Die diesmalige Voranschlagsberatung hatte nach einer mit erfreulicher Raschheit und Gründlichkeit durchgeführten Vorberatung im Finanzausschuß sck>on am 12. Februar ihren Anfang genommen und es erscholl lautes Lob aus jedem Munde, als dann auch das Plenum der Kammer in zwei knappen Sitzungen die allgemeine Besprechung über den Voranschlag erledigte, eine Aufgabe, die sonst stets die doppelte oder dreifache Zeit erforderte. Das sind die ersten Früchte des neuen direkten Landtagswahlrechts, so jubelte man auf der einen Seite, das ist die straffere Disziplin, die sich die Kammer selber auferlegt, um sich beim Volke wieder in ein besseres Ansehen zu bringen, sagten die andern. Aber die Freude war verfrüht, die Hoffnung auf eine wirkliche Besserung unserer hessischen parlamentarischen Verhältnisse ist in grausamer Weise zu Wasser geworden. Die Volksvertretung ist gleich nach dem Abschluß der allgemeinen Besprechung wieder in ihr ,altes Ucbel zurückgefallen und hat geredet, geredet und immer wieder nichts als geredet.
Sie hat es glücklich wieder erreicht, daß sich die Budget- beratung iyi trägsten Schneckengang durch 20 volle Sitzungen hindurch fortsetzte, so daß Finanzminister Dr. Braun in seiner Freitagsrede zum Voranschlag des Finanzministeriums mit beißendem Spott sagen konnte, es gehe mit dem diesjährigen Budget so wie mit den besten Frauen: Man spricht zwar bei ihm, aber nicht von ihm, trotzdem es schon seit drei Wochen ausschließlich die Tagesordnung beherrscht. ,
Wenn, wie bei der Beratung des Kapitels Staatseisenbahnen, nicht weniger als 43 Redner vier lange Sitzungstage hindurch zum großen Teil immer wieder dieselben Gedanken zutage fördern und sich in ungezahlten Klagen oder Sonderwünschen ergehen, so muß man doch einmal die Furage aufwerfen: Wozu sind denn da überhaupt noch die verschiedenen Fraktionen in der Kammer vorhanden? Es würde doch vollständig genügt haben, wenn ein oder zwei Redner die Anschauung ihrer Fraktion zum Vortrag gebracht hätten. Die speziellen Wünsche und Beschwerden sollten im Schoße der Fraktionen erörtert und in den Ausschußsitzungen vorgebracht werden, damit die Gesetzgebungsmaschine selber nicht gar zu tief un Saird stecken bleibt! , . ,
Heute wollen wir nur das Ergebnis des letzten Budgettages in der Sch r eib g ehil f en f r ag e etwas näher betrachten. Den Gerichtsschreibern, Schreibgehilfen usf. haben alle Redner der Kammer ihre vollste Sympathie ausgesprochen und die Notwendigkeit einer Besserstellung anerkannt. Nach dem Regierungsvorschlag sollten 20 Prozent der Schreibgehilfen pensionsmäßig zur Anstellung kommen und 30 Aktuariatscrssistenten an gestellt werden, während ein sozialdemokratischer Antrag diese beiden Zahlen auf 40 und 58 zu erhöhen verlangte. Ein Kompromitzantrag des Finanzausschusses wünschte sie auf 30 zu erhöhen: das .Haus nahm aber mit 26, bezw. 25 gegen 22 Stimmen die Anträge Adelung an, so daß die Ausschußantrage abgelehnt sind Nun hat sowohl der Ausschußberichterstatter, Abg. Molthmr, wie auch der Regierungsvertreter hervorgehoben, daß die Durchführung des sozialdemokratischen Antrags nicht möglich sei, und es erscheint nach Lage der Sache - auch ausgeschlossen, daß die Erste Kammer diesem Antrag zustimmen wird. Was soll nun werden? ,Ob die Zweite Kammer, wenn die abgelchnten Anträge als .nuck- äußerungen nochmals zur Abstimmung kommen, ihr Votum aufrecht erhalten wird, erscheint einigermaßen fraglich. Die geringe Mehrheit war zusammengesetzt auL den Sozialdemokraten,- Fortschrittlern, Zentrum und den Bauern- bündlern Hauck, Leun und Senßfelder. Dagegen fehlten bei der Abstimmung die Abgeordneten Bähr, Brauer, von Brentano, Meiski, Dr. Winkler, Diehl, Dr. O.ann, Schott und Wiegand (die letzteren vier durch Krankheit entschuldigt), die wohl fast sämtlich nicht für die sozialdemokratischen Anträge votiert haben würden. Wenn also bei einer neuen Abstimmung nur einige von ihnen zugegen sind, jo durfte wohl die Mehnung der sozialdemokratischen und die Annahme der Ausschußanträge wahrscheinlich seim die auch schon zur Erreichung einer Verständigung zwischen beiden Kammern und der Regierung als die einzige Lösung übrig bleiben wird.
politische Tagesschau.
Ter Reichstag
ist am SamStag in die Osterferien gegangen. Die gesetzgeberische Ausbeute seiner bisherigen Arbeiten ist bedeutend geringer als in früheren Jahren. In seinen etwa 60 Plenarsitzungen seit Ende November hat er nur den Entwurf über die vorübergehende Zollerleichte- rung bei der Fleischeinfuhr endgültig neben einigen Er- gänzunqsvorcinschlägen für 1912 erledigt. Die größeren Gesetzentwürfe wie ms Postscheckgesetz, die Errichtuiig von Jugendgerichten, die Beschränkung der Konkurrenzklausel, das Petroleummonopolgesetz, das Reichs- und Staats- anqehöriqkeitsgesetz befinden sich noch in der Beratung der Ausschüsse und werden aller Voraussicht nach größtenteils auch erst im nächsten Herbst verabschiedet werden können. Die meiste Zeit seiner Arbeiten nahm die Beratung des Voranschlags in Anspruch, die auch in diesem Jahre nicht rechtzeitig beendigt werden konnte. Zum erstenmal hatte der Reichstag in dem eben abgeschlossenen Sessionsabschnitt von der Einrichtung der kleinen Anfragen ausgiebigen Gebrauch gemacht, indem er 62 kleine Anfragen gestellt hat, das sind im Durchschnitt für jede Plenarsitzung eine Anfrage. Im übrigen sind eine Reihe aktueller Fragen außerhalb der Beratung des Voranschlags besprochen worden und zwar an der Hand von Anfragen oder selbständigen Anträgen. In der Hauptsache hagidelt es sich hier um den Wagenmangel im Ruhrrevier, die Enteignungs- aktion in der Ostmark, die Aufhebung des Jesuitengesetzes,
aufwärts,^
ßischen Steuerzuschläge erhoben werden. w Konsumsteuern sind nicht in Aussicht genommen. Auch eine allgemeine Besitz st euer wird von den Regierungen nicht vorgeschlagen werden, wenigstens sind bisher derartige Absichten der Regierung nicht bekannt geworden. Es wäre aber immerhin möglich, daß die E r b - an f al l st e u er in einer abgesckstvächten Form dem Reichstage als Vorlage vorgeleAt wird, wenn sich Herausstellen sollte, daß die einmaligen Abgaben der großen Vermögen und Einkommen für die Bedürfnisse der Heeresvorlage nicht
Derrt-chcs Reich.
Der Kaiser machte am Samstag vormittag dem Reichskanzler einen Besuch.
Das Andenken des alten Kaisers in Lübeck.
Aus Lübeck wird uns berichtet: Die die öffenlliche Meinung so lange beschäftigende Frage des Lübecker Kaiserdenkmals hat Senator P o s se h l, Chef des bekannten Welthauses, zur glücklichen Lösung gebracht durch die hochherzige Stiftung eines von ihm mit einem Kostenauf- wande von 800 000 Mark zu erbauenden, der Erinnerung an Kaiser Wilhelm I. geweihten Volks Hauses, das für eine öffentliche Volks- und Lesehalle, Volksvorträge, Vortesungen, Kunst- und Kunstgewerbeausstellungen besttmmt sein soll. Vor dem Gebäude, für welches der Platz gegenüber den altehrwürdigen Holstcntortürmen ausersehen ist, soll nach dem gleichzeitig von Senat und Bürgerschaft gefaßten Beschlüsse ein von Professor Duailor zu schaffendes Reiterstandbild Kaiser Wilhelms I. aus Staatskosten errichtet werden. Der Aeltestenrat des preußischen Abgeordnetenhauses
beschloß am Sonnabend nachmittag die Osterferien am Donnerstag, 13. März, eintreten zu lassen, um den Voranschlag mit Ausnahme des Kultusvoranschlags bis zu Ostern fertiggeftellt zu haben.
Zu den preußischen L a nd t a g s wah len.
Professor Arndt-Frankfurt a. M. und Rektor Schwarzhaupt -Frankfurt a. M.-Bockenheim, die in den Kreisen Hers f eld-Ro ten b ur g bezw. Gelnhausen- Schlüchtern von den beiden liberalen Parteien — der Ncttionalliberalen Partei und der Fortschrittlichen Bvlks- partei — als Kandidaten bei der kommenden Landtagswahl aufgestellt, werden sich nach einem soeben erfolgten Abkommen der beiden Parteien, für den Fall ihrer Wahl, der Nationalliberalen Partei anschließen.
Familien -Fideikommisse.
Dem Reichstag ist folgender Antrag des Abgeordneten Dr. Ablaß und Genossen zugegangen: „Der Reichstag wolle beschließen, den Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstage baldigst einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch den die Errichtung und Erweiterung von Fami- lien-Fideikdmmissen an Grund rmd Boden verboten und die Auflösung bestehender Familien-Fideikommisse gefordert wird."
Ueber die Erneuerung der Tarife im Baugewerbe
haben am Sonntag im Reichstagsgebäude die Entscheidungsberatungen zwischen Vertretern der Arbeitgeber und Arbeitnehmer unter Hinzuziehung der bekannten drei Unparteiischen begonnen. Von dem Ausgang dieser Verhand- lungen hängt es ab, ob der Friede im Baugeiverbe erhalten bleibt.
Der Reichstagsabgeordnctc Bass er mann hat am Sonntag in der Wandelhalle des Reichstags ein,„par l a-i m e n t a r i s ch e s F r ü h ft ü ck" gegeben, zu dem sich 170 Gäste, unter ihnen der Reichskanzler v. Bethmann Hollweg, die Staatssekretäre Dr. Delbrück, v. Jagow, Dr. Lisco,, v. Tirpitz, Dr. Soft, Kühn und Krätke, die Staatsminister v. Dallwitz, Dr. Sydow, v. Schorlemer und Dr. Beseler, hohe Beamte aller Reichsämter und Ministerien, viele Abgeordnete des Reichstages und des Mgeordnetenhauses, der Präsident des Reichstags Dr. Kaempf, der Direkwr des Reichstags Jungheim, der Direktor des Abgeordnetenhauses Plate, Oberbürgermeister Dr. Wermuth, Mitglieder der Finanzwelt und J)er Publizistik und andere hervorragende Persönlichkeiten, eingefunden hatten.
Ausland.
D e r P a p ft ist, wie aus Rom gemeldet wird, erkrankt. Viele Kardinale und Prälate sowie Mitglieder des diplomatischen Korps haben Er- lundigungen über sein Befinden eingezogen. Vom Vatikan wurde die Auskunft gegeben, daß es sich um eine leichte Indisposition handelte, die keinen Grund zu Besorgnissen gebe. Professor Marchiafava erklärte eS für vollständig ausgeschlossen, daß es sich um Gicht handeln könne; es fei eine leichte, wenn
Kein bulgarischer Boykott deutscher Waren.
Die königlich bulgarische Gesandtschaft in Berlin dementiert auf das kategorischste die Pressemeldung betreffs der Boykottierung deutscher Waren in Bulgarien, die sogar kürzlich Anlaß zu einer Anfrage an den Reichskanzler gegeben hat. Die bulgarische Regierung habe vielmehr in diesen Tagen bei der deutschen Industrie für drei Millionen Mark Loto- motivbestellungen sowie für beträchtliche Summen andere Bestellungen gemacht.
Auf die Anfrage des Abg. Bass er mann hat Staatssekretär v. Jagow folgende schriftliche Antwort erteilt:
„Ein unbedeutender bulgarischer Vermittlungsagent in Sofia machte Ende Januar den Versuch, die einheimische Kaufmannschaft, besonders die kleinen Geschäftsleute für den Gedanken eines Boykotts deutscher Waren zu gewinnen. Seine Bemühungen fanden jedoch in der bulgarischen Geschäftswelt so wenig Anklang, daß er die Werbearbeit nach kurzer Zeit wieder einstellte. Daß unser Handel unter dem Zwischenfall gelitten haben soll, darf als ausgeschlossen betrachtet werden. Nach Meldungen der kaiserlichen Vertreter in Sofia, die seit mehr als Monatsfrist die Angelegenheit verfolgen und wiederholt, zuletzt in diesen Tagen, darüber berichtet haben, hat die bulgarische Regierung den Treibereien von Anfang an völlig ferngestanden. Sie hat umgekehrt gleich bei dem ersten Aufslackern der Bewegung der Handelskammer in Sofia nahe gelegt, sich dem Bewerben nötigenfalls tatkräftig ent- gegenzustellen. Die Handelskammer hat dem Veranstalter des Boykottversuchs zu verstehen gegeben, daß die bulgarische Kaufmannschaft froh sei, wenn sie auch weiterhin aus den K r ed i t und die Mitarbeit der deutschen Industrie rechnen könne." _____________________________
Die Resie des prinzrsgenten Ludwig.
Berlin, 8. März. Heute mittag 12i/2 Uhr war Tafel bei Ihren Majestäten, zu welcher u. a. der Reichskanzler von Bethmann-Hollweg geladen war. Nach dem Frühstück geleitete der Kaiser den Prinzregenten und die Prinzessin Eitel Friedrich die Prinzessin Ludwig znr Bahn. Die bayerischen Herrschaften sind mit Verspätung kurz nach li/2 Uhr vom Anhalter Bahnhof »6gereift
Dresden,«. März. Prinzregent Ludwig und Gemahlin trafen heute nachmittag nm 4 Uhr 5 Min. auf dem Hauptbahnhof ein und wurden vom König, dem Kronprinzen sowie dem Prinzen und frer Prinzessin Johann Georg herzlich begrüßt. Im Schloßhofe war eine Ehrenkompagnie des Jägerbataillons Nr. 13 aufgestellt. Im Residenzschlosse angekommen, wurden die Gäste von der Prinzessin Mathilde und dem Prinzen Ernst Heinrich sowie den Töchtern des Königs begrüßt.
Dresdener Trinkspriiche.
Heute abend 7 Uhr fand im Bankettsaale des Residenzschlosses Gala täfel statt. Der König von Sachsen brachte einen Trinkspruch aus, in dem er sagte:
Die Anwesenheit meiner lieben Gäste gibt mir den hochwillkommenen Beweis, daß Euere Königliche Hoheit gesonnen sind, die feit so langen Zeiten bestehenden Bande der Freundschaft und Verwandtschaft zwischen unseren Häusern und Ländern in alter Weise weiter zu pflegen. So dürfen Euere Königliche Hoheit versickMt sein, daß auch ich in alter Treue es mir angelegen lassen sein werde, diese Bande immer fester zu knüpfen. Gestützt auf so enge Beziehungen werden wir uns, so hoffe ich, stets vertrauensvoll zusammenfinden in der Arbeit für die Wohl-


