Ausgabe 
11.10.1913 Viertes Blatt
 
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165. Jahrgang

Nr. 259

Diertes Blatt

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

2lus den Tagen der Völkerschlacht.

(Szenen und Züge aus der Völkerschlacht.)

Kinder, heut haut einmal auf altpreußische Art ein!" Diese Worte gab Blücher den ostpreußischen Kavalleristen, als sie sich zum ersten Angriff von Leipzig rüsteten, auf den Weg. Einem Regiment Infanterie ruft er zu:Wer heut abend nicht entweder tot oder wonnetrunken ist, der hat sich ge­schlagen wie ein Hundsfott".

ammen. . n. .

Am 19. Oktober, 11 Uhr morgens, vor dem Grimma- ischen Tor preußische Landwehr. An ihrer Spitze Major Fric- cius, der Kommandant der Königsberger. Das Tor, von neuen starken Planken gezimmert und mit eisernen Wider­haken versehen, die das Uebersteigen verhindern sollen, ist verrammelt. Die Kirchhofsmauern nebenan und die umlie­genden Gebäude sind dicht von Feinden besetzt, die ein mör­derisches Feuer auf die anrückenden Preußen unterhalten. Zum Sturm ist nichts vorbereitet. Leitern, Aexte oder Brech­stangen sind nicht vorhanden. In dem Feuer aushalten ist un­möglich. Jeder Schuß trifft. Da entdeckt der Achutant von Friccius, Gäsebeck, eine schwache Stelle in der Mauer und teilt cs dem Major mit. Dieser ergreift das Gewehr des nächsten Landwehrmannes und stößt mit dem Kolben m die dünne Mauer. Mehrere Soldaten springen herbei und ihren vereinten Kräften gelingt es, eine Bresche zu brechen. Em kleiner behender Landwehrmann, Gottlieb Maluga, schlupft als erster durch das Loch, Friccius ihm nach mit gezuck­tem Säbel:Ihr werdet mich nicht verlassen!" Maluga er­hält einen Bajonettstich ins Gesicht, stürmt aber lote ein Wütender auf die Feinde los, die vor ihm ausreitzen Al.' dritter folgt Hauptmann Motherbp. Aber, von einer Kugel in den Kopf getroffen, sinkt er seinem Freunde, dem Leut­nant Stumpf, in die Arme. Jeder fühlt den Schuß mit. Die Zierde, der Stolz des Bataillons ist gefallen. Jeder will den geliebten Führer rächen und es ihm gleich tun im Leben oder im Sterben. Der Prinz von Hessen-Homburg ruft begeistert aus:Wahrhaftig, die Landwehr übertrifft manche Lnnen- truppen!" Das Tor ist genommen. Das Innere ist nut Wa­gen, Lafetten, Palisaden besetzt, um das Eindringen zu er­schweren. Es hätte einer geringen, aber tapferen Besatzung genügt, um den Feind zurückzuhalten. Dann wird der Grim­maer Steinweg gesäubert. In geschlossenem Trupp und nut gefälltem Bajonett geht es auf den Feind los, Haus für Haus muß genommen werden. Ein furchtbarer Kampf ent- spinnt sich. Einige Franzosen werden aus den Fen­stern geworfen. Aber die Landwehr gibt nicht nach. Der Sieg ist ihrer.

Samstag, V- Woher M

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universiläts - Buch- und Steindruckerci.

R. Lange, Gießen.

TieEichener Familienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Breisblatt für den Breis Gießen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit­sragen" erscheinen monatlich zweimal.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: e=gs^51. Redaktion:^^112.Tel.-Adr.:AnzeigerGieße^

Marschallstab überreicht und überträgt ihm die Verteidigung der Südvorstadt.Sire!" bemerkt der Fürst,ich habe nur eine geringe Anzahl Leute."Gut," erwidert Napoleon,so werden Sie die Vorstadt mit dem, was Sie haben verleid, den."Sire! Wir werden uns halten! Wir sind allesamt bereit, für Eure Majestät zu sterben." Napoleon reicht ihm bewegt die Hand. Der tapfere Pole hat Wort gehalten. Kurze Zeit darauf schlagen die Wellen der Elfter über ihm zu-

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Sberheften

Auf der Seite des Feindes ein anderes Bild. General Marbot steht in Hemdsärmeln vor einem Spiegel, den er an , einen Baum gehängt hat und rafiert sich. Plötzlich legt sich ihm eine Hand auf die Schulter: Napoleon. Er will die Stellungen in der Gegend besichtigen und will von Marbot eine Eskorte haben. Auf dem Rückweg werden sie von einer starken Baschkirenschar ungestüm verfolgt. Der Kaiser hat diese Leute noch nie in der Nähe gesehen und befiehlt deshalb dem General, einige Gefangene zu machen. Marbot legt einen Hinterhalt, in den die unvorsichtigen Baschkiren auch rennen. Sie werden dem Kaiser vorgeführt, der an den sonderbar ge­kleideten, nur mit Pfeil und Bogen bewaffneten Soldaten eine köstliche Freude hat. Aber er empfindet es direkt als eine Unverschämtheit, solch' jämmerliche Kerle seinen prächtigen französischen Truppen gegenüberzustellen. Den Baschkiren wird schwerer Rotwein vorgesetzt. Sie geraten dadurch bald in eine glückselige Stimmung und belustigen mit ihren drolli­gen Sprüngen und Kapriolen, die sie in ihrer gründlichen Besoffenheit ausführen, den Kaiser aufs Beste. Noch einmal senkt sich die Nacht herab. General Marbot hat den Befehl, einen vorgeschobenen Posten auf einem Hügel zu halten. Der Himmel ist klar, die Sterne leuchten. Im Gebüsche versteckt lagern die Reiter. Im Osten graut der Tag herauf. Plötz­lich erscheinen auf der Kuppel des Hügels drei Reiter. Sie sprechen französisch, ein Russe, ein Preuße und ein Oester- reicher. Durch die nächtliche Stille hört Marbot deutlich die Worte:Reiten Sie zu den Majestäten und melden Sie, daß hier alles frei ist. In wenigen Minuten wird es zu einem Umblick hell genug sein. Eine Störung durch den Feind ist nicht zu erwarten." Marbot und seine Leute wagen kaum zu atmen. Gelingt es ihnen, den großen Fang zu tun? Dann dürfte sich mit einem Schlage das Blatt wenden. Er ge­stimmt zwei Eskadronen, die auf ein Zeichen mit dem Ta­schentuch rechts und links um den Hügel herumreiten und ihn einschließen sollen. Der General zittert vor Aufregung, als drüben, scharf gegen den lichter werdenden Morgenhim­mel abgehoben, 20 Reiter erscheinen. Einer sprengt ab und zieht ein Fernrohr hervor. Eben will Marbot das verab­redete Zeichen geben, als in der Aufregung des Augenblicks ein Reiter seinen Säbel fallen läßt. Da er befürchtet, daß das Geklirr ihre Anwesenheit verraten habe, ergreift er den Karabiner und feuert sofort mitten in den feindlichen Hau­fen hinein. Ein preußischer Offizier sinkt vom Pferde, aber in demselben Augenblick ist auch die ganze Kavalkade wie weggeblasen. Später erfuhr Marbot von dem Obersten von Stosch, daß ihm der Kaiser von Rußland und der König von Preußen entgangen waren. Die Schlacht ist im Gange. In das Dorf Taucha bricht mit gezückten Säbeln ein Kc>- sakenschwarrn des Generals Manteuffel. Sie sind hungrig und reiten mit ihren kleinen Pferden direkt in die Stuben hineinBrot!" undSchnaps!" sind die einzigen Worte, die sie deutsch sprechen können. Aber sie kommen damit durch. Ein Bürger will das Pferd eines Kosaken aus der Stube führen. Aber in dem Augenblick hat cr auch eine Ohrfeige im Gesicht und zerschmettert liegt seine Pfeife am Boden. Die Häuser werden von allem, was nicht niet- und nagelfest ist, gesäubert. Nur die Schullehrer des Dorfes bleiben merk­würdigerweise von den rohen Gesellen verschont. Keiner wagt sich ist den Hausflur hinein. Weshalb wohl? Das bewirken die großen goldenen Buchstaben einer lateinischen Inschrift, die sich an der ganzen Front der Schule hinzieht, und die den ungebildeten Söhnen des Ostens einen heillosen Respekt einflößen. Sie schlagen das Kreuz und reiten rasch an dem Hause vorüber. Eine Pause in der Schlacht. Die Kanonen schweigen. Wie lange wohl? Blücher und Gneisenau schreiben. Gneisenau an seine Frau:Unsere Landwehrbataillone taten herrlich' Wenn eine feindliche Kugel 10 bis 15 darniederriß, riefen sie:Es lebe der König!" und schlossen sich Wieden in den Lücken über die Getöteten zusammen." Blücher an sein liebes Malchen:gestern konnte ich nicht Schreiben, ich ronbr zu müde, aber mein Freund Gneisenau hat an dich geschrieben und gesagt, daß ich gesund bin. Gott mit dich lebenslang dein Blücher." Napoleon ist tm Begriff, Leipzig

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Fuhrwerk und Straßenbahn.

Am 20. September 1911 fuhr der Invalide S. in Borbcck nur einem von ihm gelenkten einspännigen Fuhrwerk aus der Neuen Straße in die Niederstraße hinein, die rechtwinklig zur Neuen Straße verläuft. Dabei nahm er den Bogen trotz eines vorüberfahrendcn Straßenbahnwagens so weit, daß die ge­gabelte Deichsel feines Wagens von einer Stange des Hinter­perrons des Straßenbahnwagens erfaßt und fort gezogen wurde. Infolge des plötzlichen Ruckes, den das Fuhrwerk dadurch erhielt, ist der S. vom Wagen gefallen, wobei er mehrere Ver­letzungen erlitten hat. Er hat deshalb gegen die Süddeutsche iE jscnbahngesellschast, die Betriebsinhaberin der Vor- bccker Straßenbahn, Schadensersatz klage aus Grund des Rcichshastpslichtgcsetzes erhoben, jedoch ohne Erfolg. Landgericht Essen und Öbcrlandesgericht 5) a m m haben die Klage wegen eigenen Verschuldens des Klägers ab gewiesen ob­gleich dieser sich damit zu entschuldigen suchte daß >em Pferd vor der Bahn gescheut l>abe und ohne fern Verschulden in die Straßenbahn hineingesprungen sei. Zur Begründung fuhrt das Öbcrlandesgericht in seinem Urteil im wefentlichen aus: Ein Verschulden des Motorwagensührers der Straßenbahn kommt überhaupt nicht in Frage, denn der Wagen fuhr m mäßigem Tempo auf der völlig freien Straße. Die gewöhnliche Haftpflicht aus Betriebsunfall auf Grund des Rcichshaftpflichtgefetzes kann die beklagte Bahngesellschaft aber durch den Nachweis beseitigen, daß allein das Verschulden des Verletzten den Unfall verurfacht hat Ziesen Nachweis hat die Bahn erbracht. Denn der Klager hat einen mäßig fahrenden Motorwagen angefahren. Die Be­hauptung des Klägers, daß sein Pferd vor der Straßenbahn ge­scheut habe und in den Motorwagen hineingesprungen fei, ist wenig wahrscheinlich, denn ein scheuendes Pferd pflegt gewöhnlich von dem Gegenstand, vor dem es scheut, hinwegzuspringen. Aber wenn auch ein Sprung des Pferdes den Zusammenstoß herbei- aesührt und eine erhöhte Gefahr der Bahn mitgewult haben sollte, so trifft doch den Kläger ein überwiegendes Verschul­den weil cr zu nahe an die Straßenbahn herangesahren ist, anstatt beim Einbiegen in die Niederstraße den Bogen kürzer zu

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Märkte.

6'iercn, 11. CIL Marktbericht. Auf heutigem Woche,i- niaiHe kostete: Butter dasBstind 1,05-1.15Mk^ Hühnereier 1 Stuck 9-10 Via.. 2 Stück 0 Via., eutcneier 1 Stück 100 Pfg., Gänseeier iet. 14 Pi., Nase das Stück 08 Psg., Käsematte 2Stück 6 Big., Tauben pr Pr. 0,801,00 Pik., Hühner pr. St. 1,001,60 Mk., Halmen pr. Stück 1,502,50 Mk., Gnfen pr. St. 2,00-3,00 Mk., Gänse das Pid. 70-80 Pfg^ Ochsen fleisch pr. ^fb. 92-100 Pfg.. Rindfleisch pr. Pfund 90-94 Pfg., Kuhslelsch 80 Psg^ Schwelne­st eisch pr. Psimd 90110 Pia., Kalbfleisch pr. P'd. 9t98 Pfg., Hammelfleisch pr. Pid. 7096 Pfg., Kartoffeln pr. ICO Kg. 4.u0 bis 5.00 Alk., Weißkraut das Stück 10 bis 20 Pfg., Zwiebeln per o(r 4,006,90 Mk., Milch das Liter 22 Pfg Ruße 100 Stück 5060 Pfg., per Ztr. 000 Alk., Birnen das Pfund 10 bis 90 Pfg., Aepfel der Zentner 10 bis 22 Mk., Zwetschcn der Ztr. 4.0r>-6.00 Alk., Bohnen 1 Pfund 10 bis 20 Pfg. Marktzell von 8 bis 2 tthr.

ie. Frankfurt a. M., 10. Okt. Heu- nno «t robmarkt. Am heutigen Mailt war weder Heu noch Stroh angesahreu.

Spielplan der vereinigten Frankfurter Stadttheater.

Opernhaus.

Sonntag, den 12. Oktober, nachmittags 7?4 Uhr: ,Du Fledermaus." Abends Uhr:Violetta." (La Traviata.) Montag, den 13. Oktober, abends 7 Uhr:Lohengrin/ Dienstag, den 14. Okt., abends 7 Uhr:Ton Carlos." Mittwoch, den 15. Oktober, abends / 8 Uhr:Undine." Donnerstag, den 16 Oktober, abends Uhr: Hänsel und Gretel/ Hierauf: »Der Zwerg und die Infantin." Fstcitaq, den 17. Oktober, abends 728 Uhr:Fuhrmann Henschel. Samstag, den 18. Oktober, abends */,8 Uhr:Die Zanberstote/ Sonntag, den 19. Oktober, nachmittags/2i Uhr:Em Walzer- träum."' Abends '/..8 Uhr:Tie Jüdin." Montag, den 20. Oft., abends '/8 Uhr:Ter Gras von Luxemburg." Trenstag, den 21. Oktober, abends >/2S Uhr:Der Freischütz." Mittwoch, der 22. Oktober, abends 7 Uhr:Ton Carlos."

Schauspielhaus.

Sonntag, den 12. Okt. nachm. 3 Uhr:Püppchen." Abends 8 Uhr- Die weiße Weste." 'Montag, den 13. Oktober, abends 8 Uhr : Znn ersten Ata le (erste-Ausführung in Deutschland):Das "Mahl der Spötter " Tramatiscbes Gedicht in 4 Auszügen von Sem Benelli. Deutsch von Hans Barth. Ticnstag, den 14. Oktober, abends 8 Uhr: Prinz Friedrich von Homburg " Mittwoch, den 15. Oktober, abends 8 Uhr: ,Das Mahl der Spötter." Donnerstag, den ^0. Oktober, abends 8" Uhr:Ter Kampf um die Festung." ^Freitag, den 17. Oktober, abends 8 Uhr:Tas Geheimnis." Samstag, den 18 Oktober, abends 8 Uhr:Colverg." Sonntag, den 19. Okt., nachmittags ".4 Uhr:Tas Beschwerdebuch." Abends 8 Uhr: Äs Mahl der Spötter." Montag, den 20. Oktober, abends 8 Uhr: "^ie weiße Weste." Dienstag, den 21. Oktober, abends- 8 Ubr: "5a§ Mahl der Spötter." Mittwoch, den 22. Oktober, abends 8 Uhr: ,'Colberg."

Hieran habe ihn sein schnelles Fahren und seine Unauftnerkiam- feit gehindert. Deshalb trifft ihn auch nach 8 254 des Bürger­lichen Gesetzbuchs das überwiegende Verschulden an dem Unfall, dagegen ist die behauptete Erhöhung der Betriebsgefahr der Bahn nicht erwiesen. Das Reichsgericht hat dieses Urteil durch Zurückweisung der Revision des Klägers bestätigt und noch ausgcführt, daß mit Recht vom Oberlandesgericht nur das Ver- rhuldcn des Klägers als ursächlich für den Unfall erachtet worden ist: denn nach den Feststellungen des Berufungsgerichts I>at er ich nicht genügend um sein Fulwwerk gekümmert. Nur dadurch, daß er nicht hingesehen hat, wohin er fuhr, ist der Zusammenstoß herbeigeführt worden._________________

Vüchertisch.

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