Ausgabe 
14.1.1913 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Zweites Blatt

Nr. U

165. Jahrgang

Dienstag, tf. Januar 191(3

Erscheint täglich mit Ausnahnie des Sonntags.

I

Meteorologische veobüchtungen der Station Sichen.

Jan.

Wetter

Q

191!

K

t»

12.

II

Qph

8

10

10

werden kann, ist mit uns Der General und plaudert

Z«

O

Höchste Temperatur am Niedrigste *

Niederschlag 0,0 mm.

E a>

Seit

Champagna

uurauinahme.

lisvorsteher

wilden Seilen.

cittt Komödie.

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universiläls - Buch- und Steiudruckerei.

R. Lange, Gießern

mir heran, unverwundet. Wir wechseln einen ernsten flüchtigen Blick: ich galoppiere zunächst weiter und hole ein Bataillon heran. Es ist eines der guten Truppen. Der Kommandant versteht mich. Die Leute sollen mir dm Pascha, wenn er gefallen ist, heranshauen.

Sie pflanzen ihre Bajonette auf und säubern int Lauf­schritt das Vorgelände und. werfen die bulgarische Kompagnie rnieder zurück, die sich inr Schutz des Nebels in bas weit , vor unserer Stellung liegende Fort gewagt hatte, das wir absicht­lich nur ganz schwach besetzt hatten.

Bon unserm tapferen General sehe ich nichts.

Wenn nur die Mannschaften jetzt nicht sein Fehlen bemerken! Langsam reite ich bann zu Kemal Bep, sein Pferd führt ein Soldat. Der Nebel wird so stark, daß man nicht weit sehen kann.

L?ecr ttitti Flotte.

Hebungen mit Fliegern.

Im Ncgierungsbezirk M a g d e b u r g werden vom 20. Januar ab Hebungen veranstaltet werden, an denen 20 Flugapparate, 33 Offiziere, 10 Unteroffiziere und 114 Mann Teilnahmen wer den. Am 18. Jmtuar wird eine Hebung gemeinschaftlich mit der gesamten Magdeburger Garnison ersolgen.

Xiebigshöhej

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Vertag: öl.

9tebaflion:e^ll2. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen.

ICircbe und Schule.

Der Kinematograph i n der Kirch e.

Der Vatikan verbot kincmatographische Vorführungen in Kirchen.

DieLietzener ZamUienblätter" werden dem »Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Xreisblatt für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit­fragen" erscheinen monatlict) zweimal.

ȟ

Mit den Türken in der Front.

Sein Kriegstagebuch front Balkankriege über die Kämpfe lei Kirk Kilisse, Lüle Burgas und Tschataldscha veröffent­licht soeben der Kaiserlich ottomanische Major und Kaval­lerie-Instruktor v. Hiochwa echter in einem mit 23 Ab­bildungen und 4 Kauten ausgestatteten BandeMit den Türken in der Front" (Berlin, E. S. Mittler & Sohn, Preis 3.50 Mk.i. Er ist der einzig? ausländische Offizier, der an ollen Schlachten der türkischen Ostarmee persönlich teilge- nontmen hat und ans eigner Anschauung wirklich? Krieg?-- crlebnisse berichten tonn. Ein ganz besonderer Glückszufall brachte ihn zu Beginn des Balkankrieges in den Stab Mahmud Mukhtar Paschas, des kommandierenden Gene­rals des 3. Armeekorps, eines der befähigtsten Führer im türkischen Heere. In dieser bevorzugten Stellung war ec Augenzeuge der kriegerischen Ereignisse bei diesem Korps fast während der ganzen Dauer des Feldzuges bis zum Waffenstillstand. Wir entnehmet! dem interessanten Buche das interessante Tagebuch-Kapitel, in dem der Verfasser über die Verwundung Mukhtar Paschas bei den 'Kämpfen in der Tschataldscha-Linie berichtet:

Montag, den 18. 11. Wir reiten im Morgennebel ganz nach front: Der General Kemal, Kezim, Salahadin, Nazim Bev und ich nrit einer Ordonnanz. Die anderen bleiben zurück int Fort.

Major Lehmann war mit seinen Herren abends vorher nach Bojalik geritten, da wir feinen Platz in den Zelten hatten, und noch nicht zurückgekehrt.

Wir reiten im scharfen Tempo über OnschakEivatli bis in die vorderste Stellung. Ter General will selbst sehen, wie der Angriff anznsetzen ist. Er kann sich ja auf andere nicht verlassen Man sieht nicht viel, aber um uns her pfeifen die Khigeln. Wir begegnen einzelnen Leuten, die zurückgehen. In der Eile fragt niemand, warum sie aus der Front zurückkommen. Der General unb wir treiben sie vor.

Dann geht es im Galopp weiter. Und um uns schwirren die Kugeln: wir sehen nicht, woher geschossen wird, hören nur den kurzen pfeifeitden Ton unb reiten auf bie schützenden Wälle des Aorts zu. In einer Minute müssen wir in Deckung sein. Da sehe ich plötzlich Soldaten überall um uns her aufstehen und hinter

Wir treffen weitere Truppen. Kemal Beh, als Chef des Stabes, hält noch eine Ansprache und überträgt den Oberbefehl an Kemal Pascha, bann bringe ich ihn und Kezim Bev zum Verbandplatz. Tie Verwundungen sind nicht schwer. Sie können weiter nach Hademkoj gebracht werden. Ich reite wieder zurück, um nach dem Pascha zu forschen.

Nach einer halben Stunde des Suchens finde tch thn aus r dem Wege oonv vordersten Fort nach dem Verbandplatz. Ich kamt nicht ein Wort herausbekommen, kann ihn nur ansehen: jetzt erst fühle ich, wie lieb ich diesen großen Mann gewonnen habe Ich glaube, er hat meinen Blick verstanden. Wir drücken uns stumm die .Hände. Man bringt ihn auf einer Protze cm- qcfahren Er hat zwei oder drei SckMe. Ein junger Haupt- inann saß neben dem General und hielt mit einer Schlinge dos schwer verletzte Bein hoch, um ihm etwas Halt zu geben.

Er trägt den Kalpak eines Arztes auf dem Kopfe und einen Soldatemnantel und scheint große Schmerze,! zu leiden. Gleich zu Anfang hat ihn eine Kugel getroffen. e>ein schöner Brauner ift tot Erst schleppte er sich weiter, bann lag er, fron einem vfoeiten Schuß durch den Oberschenkel getroffen, lange int feind­lichen Feuer Ein gemeiner türkischer SoldatEjilb", ein arm­seliges, schwächliches Kerlchen, kam an ihn heran und wollte ihn helfen tröstete ihn und trug ihn schließlich 500 Meter iteit auf seinem Rücken, obwohl er selbst krank war, bis hinter

Tie Ueberfütyrung nach dem Bahnhof gestaltete sich, wie schon mitgeteilt, ziemlich ausregend. Sechs Beamte hatten den Verbrecher in die Mitte genommen. Tas Publikum versuchte wiederholt, an ihn heranzukommen, um ihn zu lynchen. Auch auf dem Bahnlwf und auf den Zwischen- ftationen, auf denen man wohl schon erfahren hatte, daß Stkrnickel im Zuge sei, ging es lebest zu. Miniinter wurde die Abteiltür awgerissen und man rief Verwünschlliigen in den Wagen hinein. Während der Bahnfahrt hielten die Beamten Sternickel ihr Beweis­material für feine Identität mit dem Plagwitzer Verbrecher vor. Ein Beamter meinte, daß er früher doch ein viel forscherer Kerl gewesen sei. Ter Verbrecher gab das wohl zu, meinte aber doch, er habe auch jetzt nochtüchtiges Zeug im Leibe". So kamen Kommissar Nasse und seine Beamten immer weiter mit ihm, und endlich gab der Verleitete auch zu, daß er August Sternickel sei. Es sei nun ganz egal, sagte er, er sei am Ende und seinetwegen könne es schon morgen losgehen.

Vorgehen und soll die Bulgaren zurückdrängen. Wäre jetzt Mukhtar Pascha da, um den Angriff selbst durchzuführen!

In Kurnkavak hole ich den Transportzug um 1 Uhr ein, wir legen die Bahre in das Lastauto. Ter General schenkt jedem der zwölf Soldaten, die ihn abwechselnd getragen haben, ein Goldstück unb ist sichtlich erfreut, Prey sing lebenb loicber zusehen, ber ohne Pferd und Mantel, aber gesund gerade ein- getroffen ist.

Ich gebe Preysing mein todmüdeis Pferd und bitte ihn, es bis in unser Quartier zu reiten, dann steige ich mit Nazim Bey in das Lastautomobil, das in denkbar langsamster Fahrt nach Hademkoj fährt.

Es gelingt mir, den General zu bewegen, daß er einwilligt, in das deutsche Krankenhaus gebracht zu werden. Ich werde ihn auf seine Bitte hinbegleit en, beim was soll ich fürs erste noch hier? Von unserem Stabe ist niemand mehr da.

Unterwegs erscheint ber Chef bes Generalstabes ber Armee, Izzet Pascha. Das Wiedersehen der Freunde ist rührend. Izzet küßt deni Helden die Stirn.

Am Bahnhof erwartet uns der Kriegsminister mit einem großen Stabe, es ist alles vorbereitet.

Wir heben die Bahre in den Gepäckwagen eines Extrazuges. Kemal ist auch eingetroffen und Salahadin Bey bringt man sehr- schwer verwundet mit sechs Schüssen.

Um 6 Uhr fährt dieser traurige Verwundetenzug ab. Ich telegraphiere an den mir befreundeten Chefarzt des Kranken-

Stenrcfel.

Zu der Entlarvung Sternickels erfahren wir noch:

Nachdeni der Verhaftete gestern abend im Amtsgerichts- gesängnis zu Wriezen dem Krimiiialkommissar Nasse, der ihm auf den Kopf zusagte, daß er Sternickel sei, schließlich feine Antwort mehr gegeben hatte, ließ er später durch einen Aus scher den Anstaltsgeistlichen rufen. Diesem sagte er, er wolle nun ein Geständnis ablegen. Er heiße nicht Schöne, sondern Otto Groß und er sei der uneheliche Sohn eines Mädchens, die später einen Rentner geheiratet habe.

Sternickel erzählt bann weiter:

Nachbem die drei Burschen den Geldschrank geöffnet, den Inhalt geraubt unb unter alle vier verteilt hatten unb weg gegangen waren, habe er bie Eheleute Calies unb die Dienst magd entfesseln wollen, um dann ebenfalls daS Weite zu suchen, nachdem seine Rache befriedigt war. Als er bie Anna, bie im Stall lag, anfaßte, habe er zu seinem Schrecken gesehen, daß sie tot war. Auch Calies habe er dann tot aufgefunben. Von Grauen gepackt, sei er jetzt nach der Wohnung gegangen, um nach Frau Calies zu sehen. Diese lag nicht mehr auf dem Bett, sondern am Boden, mit dem Kopf in einer Blutlache. Sie sei mit dem Kopf auf die Fliesen gefallen und hätte sich so die Verletzung zugezogen. Da sei er erst sehr erschrocken gewesen, dann sei er nach dem Stall gegangen, uni das Vieh zu füttern, das vor Hunger brüllte. Er habe gefürchtet, daß die Tiere durch ihr Gebrüll die Aufmerksamkeit Vorübergehender auf das Gehöft lenken könnten.

In der folgenden Nacht habe er die Leichen des Ehepaares aufgeladen, um sie zum Verbrennen wegzuschaffen. Nachdem man in der brennenden Miete die Leichen und in einer Tasche des Mannes einen Zettel mit der Adresse gefunden hatte, fei der Arntsvorsteher und ein Gendarm nach dem Gehöft gegangen, um sich nach dem Verbleib der Familie zu erkundigen. Er wollte sie nicht einlassen. Als sie aber entschieden Eintritt ver­langten, öffnete er ihnen. Die inneren Türen hatte er ver­schlossen, den Hinterausgang aber hatte er sich offen gehalten. Während nun die beiden nn den verschlossenen Türen herurn- bantierten, sei er durch die Hintertür verschwuiiden.

Man glaubte nun in Wriezen, es nicht mehr mit einem Knechte Schöne, sondern mit einemG r o ß" wie Sternickel sich dem Geistlichen gegenüber genannt hatte zu tun zu haben. Tie Berliner Kriminalpolizei aber wußte bereits, daß man Sternickel gelangen hatte. Als Kriminalkommissar Nasse vorgestern abend die dunkle Zelle 'betrat, um den Mörder zur llÜberführung nach dem sicheren Gefängnis in Frankfurt a. O. abzüholen, rief er: Sternickel, stehen Sie auf, wir fahren nach Frankfurt a. O." Tcr Verhaftete ging über den Anruf mit dem Namen hinweg und antwortete:Ja, wenn ich mir die Stiefel anbekommen werde, meine Füße sind geschwollen!" _____

Wie schlecht haben doch die Bulgaren geschossen ! Wie gnädig hat Gott uns alle vor dem Tode bewahrt! Ich sitze neben der Bahre im Packwagen und schreibe diese Zeilen.

Tie Verwundung Mahmud Mukhtar Paschas und all seiner Generalstabsossiziere bedeutet für die Xürfcn^eincn großen Ver­lust. Die Bulgaren haben Glück gehabt. Sie waren der tür­kischen Widerstandskraft bei Tschataldscha nicht gewachsen. Sie haben sich blutige Köpfe geholt und sind ermattet beim Angriff so daß eine überraschende Umfassung vom Derkos-See aus für sie zu einer Katastrophe hätte werden können.

.Abschliesser

nm Verfochten : schlecht schliessend« Fenster und Türen

Tapetenhaus

Hochstätter

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

E --

ZM

COx>

dm Wällen hervorkommen.

Nazim Bey ruft mir zuBulgar war (das sind Bulgaren, tz und wirklich aus 20 Schritt vor uns erkenne ich die russischen .< Mützen. Ein Offizier hebt die Hand hoch und ruft unsdürr" (halt M nH. Er ist so dicht fror mir, daß ich ihn heute noch wiedererkennen H lourbe. Ich wende mein Pferd, sehe den General mit Kemal Bev und der Ordonnanz nach links davon sausen, vor mir Salahadin U Bey, hinter mir Kezim Bey.

Vor ntir stürzt Salahadin schwer und bleibt regungslos liegen, L ich halte ihn für tot. Hinter mir höre ich einen zweiten Fall, W Kezim Bey stürzt, aber er besteigt sein Pferd wieder und reitet 4 langsam weiter. Ich sehe mich um, auch der Pascha ist zu Fuß, i fein Pferd ist erschossen, er geht schwer hinkend zurück.

Ick kann ihm nicht helfen, bin zu weit nach rechts verschlagen. ' Da ducke ick mich ein Schuß ist mir durch den Kalpak ge­gangen, noch zwei Sekunden, und ich bin hinter einer Höhe. Bon weitem sehe ich Kemal Bey im Schritt heranreiten; vorn­über auf fein Pferd geneigt, hält er sich noch im Sattel. Er hat einen Schuß durch den Oberschenkel. Tie Ordonnanz ist gefallen.

Den Pascha sehe ich nicht mehr, nur Nazim Bey kommt zu

Hauses, Dr. Schleip, damit heute noch üX-eriert Der Zug fährt schnell durch. Der LebWKretter int Zuge, er soll jetzt bei seinem Herrn bleiben, ist guter Dinge, er zeigt seine Schmerzen nicht eine ganze Weile mit mir; dann schläft er ein.

u. MndeU d. H. v in HombukS (Viitfieittfl

fEmtfchin-ahrt.

Straßburg i. Elsaß, 13. Jan. Prinz Heinrich von Preußen, der vorjährige Protektor der Oberrheinischen Flüge, hat dem Arbeitsausschuß der von der Südwestgmppe für Mai dieses Jahres geplanten Filmveranstaltung mitgeteilt, daß er sich entschlossen habe, im Interesse jener Veranstaltungen, die stets bahnbrechend und vorbildlich gewirkt hätten, seinen Namen auch an die neue Veranstaltung zu knüpfen. Tie diesjährig stlugveranstaltting wird infolgedessenP r i n z - H e i n r i ch 1013" heißen. Der Kaiser hat dem Prinzen Heinrich für die diesjährige Veranstaltung bereits die Stiftung eines Ehren­preises zugesagt.

Tie Fragen, wo Sternickel die ganzen Jahre, stiber geweilt hat, sind nock lange nicht ganz geklärt, aber mancherlei aus seinem Räuberleben haben die Ermittelungen doch schon zutage gefördert. Ueber die erste Ergreifung Sternickels und seine Flucht seien noch folgende Einzelheiten mitgcteilt: Ein Zigarrenreisender hatte da­mals die Ausschreibung des Berliner K r i m i n a l k o rn m i s s a r s W e h n- gelesen und erkannte hiernach in einer Gastwirtschaft zu Wernstedt den vermeintlichen Müllergesellen Misch als den ge­suchten Raubmörder. Er sah sich den Mann um so genauer an, als ihm der Wirt erzählte. Misch gebe fast alles, was er verdiene, für Tauben aus, die er taufe und verkaufe. Jetzt zweifelte er nicht mehr und benachrichtigte den Gendarm. Als auch dieser, nach­dem er sich mit dem zuständigen Amtsgerichten Verbindung gesetzt hatte, nickst mehr zweifelte, nahm er den Gesellen in der Mühle fest.Misch" bemalyrtc durchaus kaltes Blut, erhielt, die Er­laubnis, sich in seiner Kammer im Obergeschoß zu waschen und seinen Sonntagsanzug anzuziehen, kam dann herunter und sagte, mit der Hand auf sein Portemonnaie schlagend:Geld haben wir nun, Herr Wachtmeister, jetzt kann die Reise losgehen". Wie in einem plötzlichen Einfall sagte er dann, er wolle sich sein Halstuch noch umbinden, stellte die Laterne unten an die Treppe hin, ging noch einmal nach der Kammer hinaus, kehrte aber nicht wieder zurück. Während man sich in der Stube über ihn noch unterhielt es war spät am Mend sagte plötzlich jemand: Ta läuft er ja draußen." Sternickel War zum Fenster hinaus- gesprungen und entkam in den nahegelegenen Wald. ~

Später trieb er sich in der Altmark und in Sachsen herum. Sternickel wechselte jeden Augenblick seine Ausweispapierc und seine Kleidung. Einmal h. es, Sternickel sei im Kranken- hause zu Potsdam gestorben. Ter Tote war aber nicht der gesuchte Verbrecher. Sternickels Spuren gingen nach und nach ganz verloren. Einmal arbeitete er bei einem Mühlenbesitzer in der Nähe von Velten. Hier wäre er beinahe ergriffen worden. Ter Besitzer erinnerte sich noch der Ausschreibungen der Kriminalpolizei und schöpfte Verdacht. Er wanbte sich auch an^en Gemeindevorsteher. Bis dieser sich entschloß, zuzugreifen, war Sternickel verschwunden. Mehr als einmal ist er auch mit den Behörden in Zwist ge­raten. Im allgemeinen war er wohl ein ruhiger Mensch, wieder­holt aber beteiligte er sich an Schlägereien, besonders wenn ei Sonntags von seiner Arbeitsstelle aus Nachbarorte besuchte. Ein­mal, bei einer großen Fahndung nach Sternickel, hielt er die Gefahr doch für so groß, daß er nach Rußland versckstvand. Tas sei ihm, sagt er jetzt, gar nicht so schwer geworden. Er habe, wie das B. T. mitteilt, einem russischen Juden geschrie­ben, daß er kommen und ihm für seine Hilfe 10 Mark geben werde. Der Mann habe fick auch pünktlich an der Grenze ein- gefnnden, ihn für seinen Sohn ausgegeben, die 10 Mark mit einem Grennvächter geteilt, ihn jenseits der Grenze mit Ausweis- papieren versorgt und es iljmi so ermöglicht, ein ganzes Zahl' inRnß- land zu bleiben. Nach einem Jahr aber sehnte er sich nach Deutschland und kehrte zurück. Auch in Oesterreich hielt er sich auf, aber nicht lange. Zuweilen kam er auch nach Berlin, um hier für märkische Bauern Vieh zu verkaufen. In einer Ortschaft war er auch Mitglied eines Nadfahrerklubs und eines Tauben- und Kaninchenzüchtervereins.

Berlin, 13. Jan. Tie Wahrscheinlichkeit, daß Sternickel auch mit dem Heuhändler W i n f I e r identisch ist, der seiner­zeit in Schlesien jeden Tag einen neuen Einbruch verübte und der mit Der Ermordung der Witwe Krause in Petersbrunn und des Kossäten Kuötig in Zusammenhang gebracht wurde, verdichtet sich. Die Trauerfeier, die für die Opfer in Ortwig stattfand, war ticr ergreifend. Hunderte von Menschen hatten sich eingefunben. Ganze Berge von Kränzen bedeckten die vor dem Altar aufgebahrten Särge. Die beiden Töchter des ermordeten Ehepaars Caliß wohnten der Trauerfeier völlig gebrochen bei.

Märkte.

(iicfen, 14. Jan. n rftberi dit. ?iuf bentiaenr Wacken- m cnlte loficte: butter das Pstind 1,001.10 " L, Hühnereier 1 ?tück S11 i 2 Stück 00 Psg., Enteneier 1 Stück 00 Pkg., Gänsekiel let. 00 Pi., st äse das Stück C8 1 tg Kasematte 2 Stück 56 big., 7anbei! vr Tv. 0/01,00 9)'f Hübner pr. St. 1,001,60 Pik., vahnen vr. Stück 0,801,80 A k., (Snten vr. St. 2,00-3,00 Mk., l^änse das Psd. 7080 Psg Ochsen fleisch vr. Pst). 92100 '<q., Rindfleisch vr. Plnnd 9094 Psg., Knbsteisch 80 P'g.. Schweine- , eisch vr. '1 huW 90110 P'a., Kalb fleisch vr. P'd. 9296 big., vamnielfleisch vr. Pst) 7090 Psg., Kartoffeln vr. 1- 0 Kg. 5.50 bis :v 0 Mk., Weißkraut das Stück 5 bis 10 Psg., Zwiebeln oer -3tr. 6,008,00 Pik.. Milch das 'Ater 22 Pig Russe IOC Stück 5060 Psg., ver Ztr. 000 'DIL, Birnen das Pfund 10 bis 15 Psg., Aepsel der Zentner 10 bis 15 Mk. Marktzeit von 8 biö 2 Uhr._____

Beinen Wall. v t , , . . ar . v _

Inzwischen zerteilt sich der Nebel und der Artilleriekampi »cginnt Die Bulgaren antworten nur schwach und sind weit zurück im Vergleich zur gestrigen Stellung

Wir bringen Mukhtar Pascha zuim Verbandplatz. Die eine Kugel hat den Knochen durchschlagen Bern- und Hustschuß lautet bie Diagnose. Man wird ihn die 6 .Kilometer bis nach Kurie lovak auf einer Bahre tragen. Dorthin ist ein Lastantomobil rcitcoch einmvl zur Front, um zu sehen, wie der i^nrpf steht denn den traurigen Verwundetentransport werde id) schnell einholen. Es geht dort »vie überall gut.

Das Kommando über das dritte Korps wird nun ofnziell an Abuk Pascha übergeben. . . o ,

Ich treffe auf dem Wege zu unserem Zeltplatz Maior Leh mann; er ist so freundlich, sofort nach Kurnkavak zu retten und unsere Bagagen von Bojalik heranzutelephonieren.

Ich kann Mir heute gar kein rechtes Bild aus der Taktik der Bulgaren machen, es will mir scheimm als ob sie mir I kämpfen, um zu zeigen, daß sie itod) da siiid. Lossow ist tut

,. $ll« 8«»

Pl'ßM

bis 13. Januar 0,41 ü.

18. , = 4,6°C.

(51t jtner 2ßa<h= un> Wltz-8esMs

A-M

vubnciitiinillcnt "S^^bpötnhetc

cksstein

r Akten.

«r fährt nns in das um 'einer

1C willen eine gro« ««r au? Wst ver. r-darauihin;nn>eiien. n(ng Amerikanisches v T'mma.

ci Zchnlrens

Asch.

Itöt Komisch.

tttuehe ans aller

c^C.^r Auerflesel^'

....

13

25,1

47,0

- 1 1

3 7

87

NW

2

13.

9 '

48 5

-07

4,3

100

NNE

2

14.

7u

48,8

0,7

3,9

90

SE

2