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Nr. 160
Der Siebener Anzrkger erscheint tätlich, aicher Sonntags. — Beilagen: viermal wöchentlich tiefciwrSmnilienblcttcr; zweimal wöchenil.llrcls- blottsürden Kreis Sieben (Dienstag und Freitag) ; zweimal monatl. Land- «irlschastliche Seitfragen Fernsprech-Anschlüsse: für die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse für Depeschen:
Amzeiger Gießen, ««ahme von Anzeigen für bte Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr.
Erster Blatt
165. Jahrgang
§reitag, st. Juli 1913
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VH monatlich 75*1'1., viertel-
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Esi ig^rk Abhole- il .Zweigstellen
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Mff ▼WB Eüesredakteur: A Goetz.
MlikD Verantwortlich für den
eneral-Anzeiger für S-erhesse» WM
Rotatfonsvruck und Verlag -er Brühl'fchen Univ.-Buch- un- Steinöruderei R. Lange. Redaktion, (trpcöition und Druckerei: Zchulstratze 7. q*. ^e.^^r ben
Geschäftsstelle BÜ-INgeN, Bahnhofstraße (6a. Anzeigenteil: H. Beck.
Die heutige Nummer umfatzt 12 Seiten.
Die europäische Diplomatie und derBalkan.
Hoffnungsfreubige Gemüter — unb die albt es trotz des verregneten Sommers in großer Zahl — glauben, daß die blutigen Wirren auf dem Balkan die Ruhe Europas nicht tueiter stören ro-erben. Sie sehen in der Nordlandsreise, die Kaiser Wilhelm soeben in gewohnter Weise angetreten hat, die sicherste Gewähr dafür, daß es der Diplomatie der europäiscl)Ln Großmächte gelungen ist oder doch sicherlich gelingen wird, das weitere Umsichgreifen des Krieges zu verhindern. Ein italienischer Diplomat, der der italienischen Botschaft in St. Petersburg angehürt, läßt durch einen Ansfrcrger versichern, daß „Marianis San Guiliano" und 5)err von Iagow über Pas einzige Ziel der italienischen und deutschen Diplomatie einig sind: um jeden Preis den gestörten Balkanfrieden wiederherzustellcn.
Gewiß ein Ziel, aufs innigste zu loünschen und des Schweißes der Edlen wert. Aber mitunter gelingt selbst dem kundigsten Diplomaten etwas vorbei, worüber man ganz Erbauliches in den unterhaltenden Aufzeichnungen Alfred von Kiderlen-Waechters, die jetzt — ein halbes Jahr nach deut Tode des Staatsmannes — veröffentlicht werden, Nachlesen kann. Einig sind sich die Staatsmänner, daß eine Einmischung der Türkei nicht zu befürchten ist. Man glaubt, daß sie ihre Rolle in Europa endgültig ausgespielt hat, und majt duldet sie noch hier, weil man für die Dardanellen-' frage noch keine endgültige Lösung gefunden hat. Das Land, von inneren Wirren durchwühlt, ist todesmatt und aller Geldmittel bar. Aber der kranke Mann, der so oft totgesagt worden ist, kann plötzlich neuen Lel>ensmut zeigen, wenn es auch nur das Aufslackern der letzten Kräfte rst. Jeden- falls fordert die Türkei den Mekzug der bulgarischen Truppen über die durch |bcn Präliminarfrieden festgesetzte Grenze. Und wenn Dancw hartköpfig bleibt und die Pforte wirklich Ernst macht, werden die europäischen Großmächte still zusehen?
Es heißt, daß der russische Botschafter in Wien die Zustimmung Oesterreichs zum „Desinteressement" der hads- durgischen Monarchie habe einholen wollen. Graf Berchtold habe ihni aber erwidert, die österreichische Regierung könne in allgemeiner Form eine Zustimmung nicht geben. Nur so lange i>ie Interessen Oesterreichs durch die Ereignisse nicht berührt würden, steht es auf dem Standpunkt der Nicht-Ein- mischmig. Jedenfalls ist e? nicht bloßer Zufall, daß Erzherzog Frmrz Ferdinand mitten im Sommer nach Wien zuruckgekehrt ist. Das deutel darauf hin, daß man in Wien auf ernste Entscheidungen gefaßt ist.
Mit der Mcht-EinMischung, der Frankreich, der gehorsame Vasall Rußland, mit verdächtigem Eifer das Wort redet, ist das überhaupt so eine eigene Sache. Der radikale Deputierte Francois Dcloucle behauptet in einem Blatte „Paris-Jounral", daß französische Banken kürzlich der bub garischen Regierung einen Vorschuß von 25 Millionen gewährt hätten. Die Bulgaren hätten allem Anschein nach nur dieses Geld abgewartet, um den Krieg zu beginnen. Sollen die Leiter der auswärtigen Politik Frankreichs, soll mmt an der Newa Strande von dieser Anleihe unb' ihrer Zweckbestimmung gar nichts ^geahnt haben? Wer anders hat die Kosten des' Krieges, den die vier Balkanstaaten gegen die Türkei führten, getragen als die französische Börse. Und diese Kosten können nicht klein gewesen sein, mindestens eine Milliarde. Und in Paris beginnt man ernstlich für die Bezahlung zu fürchten. Aber Rußlands Wille, Frankreichs Wille. , ___
Es paßt in den Plan des Petersburger Kabinetts, wenn die Verwirrung auf dem Balkan wächst, wenn es zwischen Rumänien und Bulgarien zu blutigem Ringen kommt, wenn
die Balkanvölker noch mehr geschwächt werden, damit der Zar au der Newa der Schiedsherr auf dem Balkan werbe. Nur so lange als die Balkanier sich in gegenseitigem 5)aß zerfleischen, wünschen die Diplomaten des Dreiverbandes die Nicht-Einmischung, treiben sie ihr doppeltes Spiel in Bukarest und Sofia. Wäre Danew wirklich so hirnverbrannt, angesichts der Timt bald beendeten Mobilisierung Rumäniens, das 600 000 Mann ins Feld stellten kann, dieses trotzig abzuweisen, wenn er nicht an Rußland einen Rückhalt zu haben glaubte? König Ferdinand, der als ein kühler und kluger Diplomat gilt, müßte um so eher seinem Ministerpräsidenten zum Eirrlenken raten, als bisher von entscheidenden Erfolgen der bulgarischen Waffen wenig zu vermelden ist. Für das unterlregende Bulgarien wird die europäische Diplomatie keinen Finger rühren. Erst wenn die endgültige Regelung der Territorialverhältnisse auf dem Balkan beginnt, dann wird sie einzugrcifen juchen. Vielleicht entscheiden aber dann statt der diplomatischen Noten die stärkeren Bataillone.
Bulgarien bittet um Intervention.
Rumänien erklärt den Krieg.
Tie Ereignisse auf der Balkanhalbinsel überstürzen sich. Am Donnerstag nachmittag erhielten wir folgendes Telegramm, bas wir burch Aushang bekanntgaben:
Paris, 10. Juli. Die „Agence Havas" meldet au8 Petersburg: Bulgarien erklärte: Um Blutvergießen zu vermeiden, überlasse Bulgaren es völlig Rußland, die Einstellung der Feindseligkeiten herbciznführen.
Heute vormittag um 10 Uhr kam dann das Telegramm, dessen Inhalt das Unglück Bulgariens vollkommen macht, nämlich die Kriegserklärung Rumäniens an Bulgarien:
London, ll.Juli. DasRenterbureau meldet aus Sofia: Ter König von Rumänien hat Bulgarien den Krieg erklärt und seinen Gesandten abberufen.
Diesen Schlag hätte Bulgarien verhindern können, wenn es nicht in unbegreiflicher Verblendung trotz seiner schwierige Lage gegen die Serben und Griechen jedes Zugeständnis an RumäTlicn verweigert hätte. Rumänien war bereit, bei Erfüllung seiner Forderungen Bulgarien im Falle einer Niederlage militärisch zu unterstützen. Statt dessen hat es jetzt statt eines Verbündeten einen neuen Gegner erhalten und noch dazu einen Gegner, dessen frische, unverbrauch-te Kräfte die Heere Serbiens, (Griechenlands und Montenegros auch an Zahl beträchtlich übertreffen.
Es wäre sonach für Bulgarien der einzige Weg zur Rettung gewesen, wenn es sich mit Rumänien verständigt hätte. Tenn durch das Anrufen der russischen Vermittelung gibt Bulgarien zu, daß es an einen endgültigen Erfolg gegen seine vereinigten Gegner nicht mehr glaubt. Dieser Ausgang ist nicht der militärischen Minderwertigkeit.Bulgariens zuzuschreiben, sondern dem verfehlten Feldzugsplan, der von Danew mit Rücksicht auf Rußland durchgesetzt wurde. Der von dem General Sawow ausgearbeitete ursprüngliche Feldzugsplan hätte mindestens nicht mit einem so vollständigen Mißerfolg abgeschlossen. Dabei hat man dann noch den General Sawow als den Urheber für den bulgarischen Mißerfolg angesehen und ihn vom Oberbefehl entfernt. Bulgarien wird wohl jetzt noch weniger Gebietszuwachs erhalten, als es ohne den verlorenen Feldzug bekommen hätte. Das Äestehen des Balkanbundes, den Ztußland für seine dreibundfeindlichcn Zwecke gebrauchen wollte, ist wohl mit dem Krieg zu Grabe getragen. Der Haß des Besiegten gegen die Sieger wird bleiben, namentlich wenn Bulgarien
erheblich weniger Gebietszuwachs erhält, als es beansprucht. Auch die Hoffnung Rußlands, Rumänien in den Dienst der russischen Politik zu stellen und dem Balkanbund anzn- glicdern, wirb wohl kaum in Erfüllung gehen.
Tas JntcrventionSgefuch Bulgariens.
Paris, 10. Juli. Der Peterburger Korrespondent des „Figaro" will von Berufener Seite erfahren haben, König Ferdinand habe durch den b u l g a r i s che n G e - s an b t e n mitgeteilt, daß er den für ben Kampf an der serbischen Grenze verantwortlichen General Sawow ab- ge setzt unb ben formellen Beschluß gefaßt habe, den brnbermörderischen Krieg mit Griechenland unb Serbien nicht anzunehmen. Weshalb er auch seinen Armeen den Befehl erteilt habe, sich auf der ganzen Linie znrück- zu zieh en. Die russische Diplomatie habe infolgedessen sofort eine energische Aktion in Bukarest, Athen unb Bel- grab unternommen, um einen neuen Balkandund mit Einschluß Rumäniens herzustellen. Rußland wirke auf Bulgarien ein, damit dieses alle von Rumänien verlangten Gebietskonzesfionen gewährt und den Serben und Griechen in Mazedonien eine gemeinsame Grenze bewillige.
Paris, 10. Juli. Nach einer Blättermeldung hat Sasonow infolge des Ansuchens Bulgariens unverzüglich die Regierungen Serbiens und Griechenlands gebeten, ihm bekannt zu geben, unter welchen Bedingun-> gen sie den Frieden schließen würden. Sasonow wäre geneigt, die Kriegführenden zu ersuchen, einen Waffenstillstand abzuschließen und Delegierte nach Petersburg zu entsenden. Man glaubt, daß Sasonow die Intervention nicht angenommen hätte, wenn die bulgarische Neaierung sich nicht bereit erklärt hätte, den Serben und Griechen Zugeständnisse zu machen unb den Rumänen einen Teil der von ihnen beanspruchten Gebiete abzutreten. Griechenlaich dürfte sich besonders anspruchsvoll' zeigen, weil' es seit Ausbruch der Feindseligkeiten ^weniger gelitten hat, als Serbien.
Paris, 10. Juli. Tie Meldung, daß Bulgarien die Vermittlung Rußlands angerufen habe, wird von der französischen Presse lebhaft erörtert. Das „Journal des Debats" schreibt: Man müsse Bulgarien erklären, daß man erst dann zu seinen Gunsten intervenieren werde, wenn es sich schriftlich ohne Hintergedanken verpflichtet, auf das rechte Wardarnfer, das Gebiet von Saloniki, weiter zum Golf von Orfani und zur Struma unb ans das Dreieck Egri-Palan ka, Uesküb und Köprü lü zu verzichten.
Serbische Siegesnachrichten.
Belgrad, 10. Juli. Gestern nachmittag hat die serbische Kavallerie bei der Verfolgung der bulga- rischen Armee, die sie völlig auseinander gesprengt hat, Radowitscha besetzt. Der Feind hat sich, ohne den geringsten Widerstand entgegenzusetzen, zurückgezogen. — Die Bulgaren haben bei ihrem fluchtartigen Rückzug nicht die Zeit gehabt, die gefallenen bulgarischen Ossi- ziere und Soldaten zu beerdigen.
Belgrad, 10. Juli. Die Serben stehen auf dem südlichen Kriegsschauplatz etwa auf der Linie Rujan-Kot- fchana-Radowifchka, anschließend die Griechen bei Strumitza-Toiran. Der Vormarsch der griechischen Armee gegen Radowischka hat.begonnen, unb ihrer bal- bigen Bereinigung mit den Serben steht infolge des Rückzuges der Bulgaren nichts im Wege.
Belgrad, 10. Juli. Da sämtliche Lazarette infolge der großen Zahl an Verwundeten überfüllt find, begann man heute mit dem Bau der Krankenbaracken. Der österreichisch-ungarische Gesandte stellte dem serbischen „Roten Kreuz" die Gesandtschaftsschule zur Verfügung.
Des Kaisers „Nordlandfahrtgesellschaft".
Schilderungen von den Nordlandfahtten des Kaisers, die er nach Briesen und TagebuäMättern von Teilnehmern erzählt, gibt in den Grenzlwien der .Herausgeber George Cleinow unö berichtet von einer eigenartigen lustigen GefellsckMt, die bte Reisebegleiter des Kaisers unter seinem Vorsitz gegründet haben. Tas Bilv von dem l)armlos fröhlichen Leben und Treiben an Bord der 5)oben-ollern", das dadurch entMlt wird, dürfte gerade jetzt, wo Kaiser Wilhelm seine 25. Nordlandsfahrt angetreten hat, besonderes Interesse finden.
Es war im Jahre 1891, als der Kaiser auf seiner Nordlandreise ausglitt und sich eine Zerrung der Kniekapselbänder svuzva so daß er zum Liegen verurteilt ioar und jtid)t an Lanp fonntc Um das Schmerzenslager des bantate erst 32jährigen Monarchen bilbctc sich ein fröhlicher Kreis, der dem Herrscher nach Kräften die Zeit zu vertreiben suchte. „Abends sind Zauber- nnd Theater-Vorstellungen," erzählt der spätere Staatssekretär Kiderlen in einem Briefe vom 28. Juli 1891. „Ich bin bereits in zwei Stücken ausgetreten, im „Gespenst um Mitternacht" al^ Kellner Kaleb und in „Othellos Erfolg" als Fräulein Eulalia Wcizenkorn!!! In einem impvovisterten Tingeltangel habe ich mit G. ... die siamesischen Zwillinge gemacht: zusammengewachsen waren wir mit einer großen Zervelatwurst, ru . war der um ein Jahr ältere Zwillingsbruder!.'! So .wird allerlei Unsinn gemacht: die Tage würden sonst zu lang." ^Damals wurde auch die „Nordlandsahrtgesellschaft" gegründet, deren lustige Satzungen Cleinow mitteilt.
rrCr erste Paragraph gibt eine Erklärung der fröhlichen Dasclrunde: „Die Nordlandsahrtgesellschaft ist eine Abendgesell- schast die sich für gewöhnlich bis zur Mitternachtssonne ausdehnt'" „Sie besteht aus allen denjenigen," so fährt der zwerte Paragraph fort, „welche sich an der Aufsuckmng der Mitternachtssonne beteiligt haben oder hierzu noch werden berufen werden." Der dritte Paragraph bemerkt: „'Die Gesellschaft lebt teils von Erinnerungen, teils von Konserven," und in 8 4 wird des näheren bestimmt, daß „für die Frische der Konserven der Nordlandfahtt- gesellschaft Freiherr von Lpncker, für diejenigen der Erinnerungen der berühmte Reisende Tr. Güßfclbt verantwortlich" ist. An der Spitze dieses Vereins steht Kaiser Wilhelm als ber „Aller- durchlauchtigste Fahrtenmeister": die übrigen Mitglieder werden in 'Oberfahrtgesellen und Vizc-Obersahrtgesellen eingekeilt. Tie /wichtigsten Paragraphen der GesellschastUaLung fahren dann alleZ
Nähere folgendermaßen aus: „Der berühmte Bestciger Güßseldt besteigt an ben Versammlungsabenden (aber nicht vor 11 Uljr) das Katheder, um Erinnerungen zum besten zu geben, deren Länge und Breite vorher durch den Navigationsoffizier der Gesellschaft Kapitän von Senden zu bestimmen ist." — „Für die bildliche Festlegung steht der Gesellschaft die bewährte Ri-esenkraft des Schnettmalers, Momentphoto- und Reichsgrafcn Em. zur Verfügung. Letzterem ist hierbei jeder irgendmögliche Vorschub zu leisten, namentlich ihm nichts Strauck^elbares in den Weg zu legen." § 16 bestimmt: „Tie rühmlichst bekannte Kalauer Firma Hülsen, Kessel, .Kiderlen und Kompagnie ist dafür verantwortlich, daß die verbrauchten Witze monatlich durch neue ersetzt werben." „8 17. Der augenblicklich zum allgemeinen Leibwesen sich in vartibus aushaltenbe Geisterseher, Schlangenbänbiger unb Hexen- meister Georg von Hülsen hat aus Befehl des Meisters biefer Gesellschaft jeben Fahrtgesellen, welcher bie vorstehenden Satzungen im attgemeineil ober gar im besonberen mißbilligt, verschwinden zu lassen. 8 18. Wer sich sonst der Gesellschaft abhold zeigt, namentlich wer durch hartnäckiges Schweigen die Absicht zu erkennen gibt, sein Licht unter ben Scheffel zu stellen, ben soll eine exemplarische, burch Meisterspruch aus den 88 13, 14 und 17 zu kombinierende Strafe treffen. 8 19. Wenn ein ber gercdjten Strafe verfallener Fahrtgeselle burch hartnäckiges Trinken versucht, sich in ben Zustanb des sogenannten Milderungsgrundes zu versetzen, so soll dies eine Verschärfung der Strafe nach sich ziehm."
Doch gibt es neben den Strafen auch „leichte Aiangerpöhungen und sonstige flüchtige Auszeickmungen", die sich in der „Beförderungsliste" spiegeln. Darinnen werden ernannt: „Die Ober- sahttgesellen: Graf Waldersce, zum Punschwart: von Hahnke, zum Obcrschlürfer und Oberkapellmeistcr in Eß-dur: Graf Görtz, Proteus, Sack,verständiger- in Unfallangelegenheiten und Sanges- bruber; Graf Webel, Sachverstänbiger in Eli-Piguet- und sonstigen Angelegenheiten: Graf Eulenburg, Festbarde und Polarskalpe: Dr. Leuthold, Eisculap 1. Klasse; Dr. Güßseldt, Sachverstänbiger in Berg- und Talangelegenheiten." Von Hülsen wird zum „Sec- schlangenbänbiger, Eispoeten und Nordstern erster Größe" ernannt, von Kiderlen zum „Lustbarden, Schrrstwart und Wregen- festlotseii". von Bülow zum „Doktor der Seekrankhert und^Dü- nungsmeister", ber Maler Saltzmann zum „Ersonkel und Sachverständigen in Essig und Oel". .... m ... .
Unb so geht es mit gutem vumor sort in den Beförderungen und den Paragraphen der Nordlandfahrtgeseltschaft.
* V
— Die Erfüllung von Kapitän Scotts Vermächtnis. Als Scott im ewigen Eile der Anarktis sein Ende herannahen fühlte, sprach er in seinem Vermächtnis die Erivar- tung aus: „Sicherlich, sicherlich wird eine große Nation wie die unsrige dafür sorgen, daß. für die Hinterbleibenden, die von uns abhängig waren, angemessen Fürsorge getragen wird." Die Antwort des englischen Volkes auf diesen letzten Appell Scotts ist jetzt erfolgt: der Ausschuß des durch freiwillige Beiträge aller Bevölkerungsschichten geschaffenen Scottfonds gibt jetzt bekannt, daß aus dem Vermögen des Fonds den Hinterbliebenen der gestorbenen Expcditionstcilnehmer 680 OOO Mark über wiesen worden sind. Und zwar erhielten: Tie Witwe Scotts 170 000 Mark, Peter Scott, der kleine Sohn, 70 OOO Mark, die Mutter des Kapitäns Scott mit ihren beiden Töchtern f2 000 Mark, die Witwe Dr. Wilsons 170 000 Makk, Mrs. Bowers mit zwei Töchtern 90 000 Mark, die Witwe des Matrosen Evans mit ihren Kindern 25 000 Mark, die Mutter des Matrosen Evans 5000 Mark, Mrs. Beissenden mit Kind 15 000 Mark und ebensoviel Mrs., Mbott. Mrs. Brisscnden ist die Witwe eines bei Vermessungsarbeiten umgekommenen Matrosen und Mrs. Abbott die Mutter des infolge Entbehrungen irrsinnig gewordenen Proviantunteroffiziers. Tic weiteren Mittel des Scottfonds, der sich insgesamt auf V/2 Mill. Mark belief, sollen wie folgt verwendet werden. Zur Deckung der Unterbilanz der Expedition werden 102 000 Mark angewiesen, 350 000 Mark zur Veröffentlichung der wissenschaftlichen Ergebnisse. Von dieser Summe werden die Gehälter für die Bearbeiter der verschiedenen Fächer bestritten. Tie biologischen Forschungsergebnisse veröffentlicht das Brittsche Museum: für die Veröffentlich ungskostcn der phnfikalischen Forschungen sind 120 000, für die Expepi tio nsg eschi cstte 40 000 und für Karten 16 000 Mark ausgesetzt. Die übrigen 360 000 Mark bienen für eine Gedenktafel in der St. Pauls-Kathedrale, für ein großes Brv n zeden km a l im Hpde-Park,, während 200 000 Mark zur Begründung eines Fonds für künftige P 0 l a r f 0 r s ch n n g ausgesetzt sind. Die materielle Lage der Hinterbliebenen erscheint nach diesen Zuweisungen in jeder Beziehung gesichert, denn zu diesen Ueberweisungen aus ben vom Volke gestifteten Summen treten noch die ftänbigen, vom Staate bewilligten Pensionen, bie Verhältnis mäßig reichlich bemessen sind, da nach einmütigem Parlamentsbeschlusse bie Pensionsempfänger wie Hinterbliebene von im Kriege Gefallenen angesehen wcroem


