M. 51
Mnstez Blatt
165. Jahrgang
Erscheint Kgllch mit Ausnahme des SmmtagL.
verboten zu werden
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Seit Bestehen des eoffemfreierr Kaffee Hag braucht der Kaffeegenutz nicht mehr
Die „Eiehener ZamiNenblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das ^Lreirklatt für den Kreis Eichen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seil' {regen** erscheinen monatlich zweimal.
machte er die Vritteilung von des Kaisers Reinigung und dem Regierungsantritt Kaiser Friedrichs; von „persönlichen Gefühlen" wollte er schweigen; aber der zitternde Klang der Stimme, die mühsam verhaltene, leidensch-aftlich hervorbrechende (Erregung sprachen lauter als alle Worte. Er sprach von den Tingcn, die imnitteir der schweren Schickungen den Kaiser noch zuletzt mit Befriedigung und Trost erfüllt hätten, von der Teilnahme und dem tiefen Vertrauei:, das das deutsche Kaiserhaus während der Krankheit des nunmehrigen Herrschers bei allen Völkern gefunden habe, Don der Freude des Dahingeschiedenen über die einmütige Beschlußfassung des Reichstages, der alles für die Sicherstellung der Zukunft des Deutschen Reiches auf jede Gefahr bin getan habe. Er legte das „historische Aktenstück" mit der letzten Unterschrift des Kaisers zu den Akten. Lautes Schluchzen, dasrtr nicht zurückhalten konnte, hatte des Kanzlers Worte sekundenlang unterbrochen. Als er geendet, legte er die Hand vor die Augen und weinte bitterlich. Keines Menschen Mund kann dem Schmerz Ausdruck geben, der ganz Deutschland erfüllt, fagte der Präsident des Reichstages in seinem Schlußwort. !Ein stiller, heiliger „Gottesfriede" breitete sich über die Lande und erfüllte die Welt mit weihevoller Andacht.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: Redaktion: 112. Tel.-Adr.: AnzeigerTießen.
Märkte.
ch. Bingen, 6. März. Der heutige Vieh markt war sehr, gut befahren. Insgesamt waren 600 Tiere zugetrieben worden. Bei reger Nachfrage entwickelte sich ein flotter Geschäftsgang, so bau der Markt in kurzer Zett geräumt mar. Die Preise für Schlachtvieh waren lest, während die für Nutzvieh gestiegen waren. Bezahlt wurden für das Paar erstklassiger Gespannochsen 1150 bis 1200 Mk., geringerer 950—1100 Mk-, für das Stück Fahrkühe 400 bis 420 Mk., trächtige Kühe 440—460 Mk., frischmelkende Kühe mit Kalb 460—470 Mk, desgleichen ohne Kalb 410—430 Hlk., träch' tige Rinder 450—460 Mk., halbjährige Rinder 100—120 Mk. und jährige 180—200 Mk. Ferner wurden für Schlachtvieh im Zentner- Schlachtgewicht angelegt: fette gemästete Ochsen 93—95 Mk., fleischige weniger geinästete 90—91 Mk., geringere 86—88. Mk., fette gemästete Rinder 88—90 Mk., fleischige weniger gernästete 85—86 Mk., geringere 75—81 Mk., fette gemästete Kühe 84 bis, 86 Mk., fleischiae weniger gemästete 80—82 Mk., geringere 75 bt§; 77 Alk., Mastkälber besten Schlachtwertes 94—96 Mk., mittleren Schlachtwertes 91—92 Mk., geringeren Schlachtwertes 88—90 Mk., fette Kalber 79—81 Mk., fette gemästete Schweine 88—90 Mk. fleischige weniger gemästete 85-86 Mk. und geringere 82—84 Mk. Der nächste Viehmarkt wird am Mittwoch, den 19. März ab- gehalten.
europäischen Geschmack bietet. Die Kanrinkisseu sind sehr lang und sehr flach, in ruhigeren Farben gehalten, aus altem Brokat, manchmal mit Pelzbesatz. Einfachere und praktischere Formen haben die Autvm o b il l i s s e n. Jedenfalls sind durch diese Renaissance der Kissen alle Bedingungmr gegeben, um das moderne Heim, das eine Zeitlang so kalt und hart sich in der Reinheit seiner Linie darstellte, möglichst weich und warm und wohlig zu gestalten.
Samstag, 8. März 1913
Rotationsdruck und Verlag der Brühlfchen Universitäts - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
eoffeürfreier Bohnenkaffee, löst keine Erregung des Herzens aus.
Geheimrat Exzellenz v. Leydeu.
(Bortrag »Herznenrosc «. d. Behandlung".) b”/1*’
Ans Stadt und CasrD.
Gießen, 8. März 1913.
" Zu den P rü f un g en f ür das höhere Lehramt waren im verflossenen Wintersemester 60 Kandidaten zugelassen, wovon 4 nur die Erweiterung früher erworbner Lehrberechtigungcn erstrebten. Von den 56 Teilnehmern an der Hanptprüsung schieden 20 durch Zurückstellung oder Rücktritt aus, während 35 zu einem Prüfungs- ergebms gelangt sind, und zwar haben davon 29 bestanden, 7 nicht bestanden. Unter den 29 Erfolgreichen erwarben die Rote ausgezeichnet 1, sehr gut 7, gut 13, genügend 8. Aus Grund einmaliger Prüfung bestanden 18, während 7 in der zweiten und 4 in der dritten Prüfung den Abschluß erreicht haben. Auf die sprachlich-historischen Fächer entfielen 1 ausgezeichnet, 6 sehr gut, 9 gut, 5 genügend und 3 Fehlschläge, auf die mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer, bei denen die Bewerberzahl sehr gering war, 1 sehr gut, 4 gut, 3 genügend und 4 Fehlschläge. Hinsichtlich der Vorbildung kamen von den 36 Bewerbern, die die Prüfung durchführten, 16 vom humanistischen Gymnasium (6 sehr gut, 6 gut, 5 genügend, 1 erfolglos), 10 vom Realgymnasium (1 ausgezeichnet, 5 gut, 2 genügend, 2 erfolglos) und ebenfalls 10 von der Overrealschule (1 sehr gut, 2 gut, 3 genügend, 4 erfolglos).
*'* Handfertig? eit s'-Ausstellung. Morgen, von vormittygs 11 bis nachmittags 2 Uhr, wird in dem Knabenschulhaus an der Nord-Anlage eine Ausstellung der von den Schülern in den diesjährigen Kursen für Knabenh and arbeit gefertigten Gegenstände stattfinden. Wir machen alle Eltern und Erzieher auf den Besuch der Ausstellung aufmerksam, da in neuerer Zeit die Selbstbetätigung der Schüler immer mehr betont wird.
** Die Gasmessermiete ungesetzlich. Ein für weitere Kreise interessanter Fall kam vor dem Amtsgericht zu Delmenhorst zur Verhandlung. Im dortigen Bürgerverein wurde zur Sprache gebracht, daß man nach den Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuchs nicht mehr verpflichtet ist, für eine von der Gasanstalt gelieferte Gasuhr Miete zu bezahlen. Eine Reihe von Gasabnehmern beschloß hierauf, die Sache zum gerichtlichen Austrag zu bringen und für die Kosten solidarisch zu haften. Einer verweigerte die Zahlung des Mietpreises für die Gasuhr, worauf von der Gasanstalt der Klageweg beschritten wurde. Die Gas- anstalt wurde mit ihrem Antrag lostenpflichtig abgewiesen. Das Amtsgericht gab der Ansicht Ausdruck, daß die Rückerstattung der seit beirt Inkrafttreten des Bürgerlichen Gesetzbuchs entrichteten Briete für Gasuhren verlangt werden könne. Tie gleichen Grundsätze dürftet: für die Miete von Wassermessern und Elektrizitätsmessern Geltung haben.
Starkenburg und Rhein Hessen.
m. Offenbach, 6. März. In der heutigen Sitz- ttng der Stadtverordneten wurden dem Verein für Hundefreunde als Ehrenpreis zu der am 1. Juni stattfindenden Hundeausstellung 50 Mk. bewilligt. Auf das Gesuch des früheren Pächters der Bürgeler Gemeindejagd ivurde die Ermäßigung des' Pachtgeldes auf 1800 Mark beschlossen. Die Versorgung der Schwestern des Stadt- lrankenhauses, des Bersorgungshckuses und der Krippe, sowie der geprüften Kindergärtnerinnen bei eintretender Dienstunfähigkeit würde dahin geregelt, daß den vor dem
lf. Frauennachrichten a u s a l l e r W e lt. ?luf Vor-' schlag der französischen Handelskammer bat der französische Han-' delsminister das Amt einer Generalinspektorin des Spitzengewerbes! geschaffen. Tie Spitzenindustrie soll hierdurch in Frankreich gehoben! werden. Das Amt wird einer Spezialistin übertragen werden und bringt jährlich 4800 Mark Gehalt ein. Hauptaufgabe der Spitzengeneraliitsvektorin ist, dafür Sorge zu tragen, das; die schönen alten Spitzenmüster, die in Vergessenheit zu geraten; drohen, wieder bekannter werden. Ferner sollen die Frauen inj den Fischerdörfern angehalten werden, das Spitzenklöppeln zu lernen, um für die Wintermonate einen Erwerb zu haben. —. Ein für Fernstehende huMoristtscher Streit ist in Denver (Colorado« ausgebrochen: der Stadtrat will eine Bestimmung erlassen, nach der Frauen in Restaurants und Cafes feine alkoholischen Getränke verabfolgt werden dürfen, wenn sie allein das Lokal besuchen. Der Frauenstimmrechtsbund, dem die Alkoholsrage sonst etwas lernet liegt, ist bei dieser Gelegenheit nun unfreiwillig zum Förderer deck Trinkens geworden, denn er verlangt, wie anderweitig, so auch hier: gleickies Reckst für Mann und Frau? Tritt die Bestimmung in .Kraft, daß allein kommende Frauen feine alkoholischen Getränke erhalten, so wird der Frauenbund mit der Forderung hervortreten, daß and; allein fonuneitbc Männer' keine alkoholischen Getränke erhalten sollen! — Tie Frauen Nor- wegens sind mit den 9Jlännent gleichberechtigt beim Schul- und Umversttätsünterrichte, und theoretisch stehen ihnen die gleichen Anstellungen offen, wie den Männern, loenn sie die erforderlichem Prüfungen bestanden haben. Tatsächlich aber ffndet sich int Lehr-, amt keine Frau mit einem' Gehalte von mein als 2760 Mark,I wie dte jüngste Statistik Kiaers, des Leiters des statistischen Amtes,! zeigt. In, allerjüngster Zeit allerdings hat der Stadtrat voiff Bergen beschlossen, auch Frauen zu Rektoren von Volksschuleni 51t ernennen und ihnen die gleichen Gehälter zu bezahlen, wie ixnrj Männern. — Hirschberg in Schlesien wird vom! ©ommcrfjäl biatyr c j • an ein Realghmnasimn für Mädchm („Studienanstalt") besitzen,, zu beirt eine reiche Dame ein Kapital von einer Viertel Million^ testamentarisch bestimmt hat. Das Unterrichtsministerium bati bereits die nötigen Erlaubnisse gegeben. Aufnahmebedingung istj der erfolgreiche Besuch der vierten Klasse eines Lyzeums oder, einer höheren Mädchenschule. Nähere Auskunft erteilt der SJia-r gistrat der Stadt Hirschberg.
Gießener wiger
General-Anzeiger für Sberheffen
5. Dezember 1911 bei der Pensions- und Lebensversicher- ungsgesellschaft „Deutscher Anter" in Berlin versicherten', Schwestern und Kindergärtnerinnen der Ersatz des Pen-! sionsversicherungbetrages zum „Deutschen Anker" bis zu- 100 Mk. jährlich, die vollen Beiträge zur Jnvalidenver-' sicherung, ferner der Anspritch auf Ruhegehalt nach den Grundsätzen für die Versorgung der städtischen Bedienste- tcn und Arbeiter zu Offenbach vow 9. Juni 1899 und der, gesetzliche Anteil (Hälfte) des Beitrages zur Angestellten-. Versicherung gewährt wird. Den beim „Deutschen Anker" nicht versicherten oder nach dem 5. Dezember 1911 versicherten, sowie den neue int retend eir Schwestern und geprüften Kindergärtnerinnen sollen dke vollen Beiträge zur Invalidenversicherung, der Angestelltenversicherun-g und ferner der Anspruch auf Ruhegehalt bis zu 600 Mk. gewährt, werden, die in jedem einzelnen Fälle näher festzusetzen ist. Der Beitritt der Stadt zu dem Wer'bänd der Elektrizitätswerke am Mittelrhein sowie zum Zentralverein für deutsche Binnenschiffahrt wurde mit einem JahreKbÄtrag! von 50 Mk. beschlossen.
Hessen-Nassau.
h. Frankfurt, 6. März. Bei der heute im Stadtteil Preungesheim-Eckenheim vorgenommenen Stichwahl zur Stadtverordnetenversammlung siegte der Kandidat der Fortschrittlichen Volkspartei, Lehrer Möller, mit 15 Stimmen Mehrheit über den sozialdemokratischen Gegenkandidaten Bender. Möller erhielt 524, Bender 509 Stimmen.
= Kämmerzell, bei Fulda, 4. März. Am 16. d§. Mts. wird im hiesigen Wald, Distrikt Hummelskuppe, das Denkmal gesetzt, das Kollegen des vom Zigeuner Ebender erschossenen Försters N o m a n u s-Riesig gestiftet haben. Es ist ein kleiner pyramidenförmiger Stein mit einer Bronzetafel, auf der geschrieben steht: „Nomanusstein. Zur Erinnerung an den am 15. 2. 12 von Zigeunern an dieser Stelle er» schossenenen Förster NomannS aus Riesig. R. I. P." Die Umgebung hat eine gärtnerische Hand friedhofwürdig gestaltet.
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— Frauen als O pe rn - Ko mp o nistin n e n. Tern- nächst wird die Oper von Monte Carlo eine interessante Neuheit bringen: die Uraufführung der Oper „Pamato", die von Frau Marguerite L a b o r i, der Gattin des seit den Tagen des Trevfuß- Prozesses so berühmten Pariser Advokaten, komponiert wurde. Frau Labori ist bereits mehrfach mit sinfonischen Tondichtungen an die Oeffenckichkeit getreten. Aber sie ist in Wirklichkeit nur eine unter vielen ankeren Frauen, die als Komponisttnnen mit mehr oder minder großem Erfolge um den Lorbeer der Opern- erfolge kämpfen. Besonders in Frankreich hat man im Laufe der letzten Jahrzehnte nicht selten größere Opern von Frauen aufgesührt. Im' Jahre 1895 gab man in Paris in der Groben Oper ein von Fran Augusta Holmes verfaßtes Werk, das den Titel führt „Ter Schwarzwald". 1903 gab es in Bordeaux die Oper einer Frau, man spielte die „Madame Tallien", die von Pane Wien herrührte, und 1907 trat in Nizza Frau Armande de Polignae mit ihrer „Kleinen Sirene" hervor, der dann bald die „Rose des Kalifen" folgte. Frau Armande de Polignae hat auch Ballettmüsik verfaßt, und erst kürzlich wurde in Paris das von ihr geschaffene Ballett „Die ferne Quelle" aufgeführl. In früheren Jahren spielte man in Moskau die Oper „Uriel Aeosta", die von der Gatttn des russischen Musikers Ser off stammte, 1872 kam in Florenz die Oper „I Batavi" von Frau Tarbe des Sablons. Und in den 20er und 30er Jahren gab es in Paris eins ganze Reihe von Uraufführungen, bei denen Damen als Komponisttnnen zeichneten. Tie erste Frau, die wohl als Opernkomponistin jemals die Aufführung ihres Werkes erlebte, war Fran Elisabeth Jaeguet de Sngucrrc, die im Jahre 1694 in der Pariser Oper eine musikalische Tragödie „Cephale et Procris" aufführen ließ. Und zu Beginn des 18. Jahrhunderts spielte man ebenfalls in Paris eine ganze Reihe von Balletts, deren Musik das Fräulein Barbier geschrieben hätte.
Lrarsesr-LenLlleLoir.
Das Kiffen im modernen Heim.
Als der neue Stil im Kunstgewerbe das Evangelium der Zweckschönheit brachte, als nur noch das Notwmdige und Konstruktive für ästhetisch erlaubt galt und das Ueberfliissige,'der Luxus und das Ornament, verpönt wurde, da hat man auch gegen die Kissen Sturm gelaufen und diese nwlligen Freunde des müden Leibes, die in der guten Stube von ehedem so verführerisch lockten, aus dem' Salon verbannt. Heute erfreut sich das Kunstgewerbe wieder an der reichen Fülle „überflüssiger" Formen, und auch btc Kissen find wieder zurückgekehrt; ja, sie sind heute beliebter wie je vorher; verschwenderisch ünb sie überall ausgestreut und üerbreitcn wieder jene heimliche Stimmung, jenen intimen DM wohligen Aus- ruhens, der nun einmal dem Salon oder deur Zimmer der Dame nicht fehlen darf. .
Die eine Zeit lang so gering,ckMrg betrachteten Handarberten haben sich wieder ihren Ehrenplatz unter den anmutigen Beschäftigungen der Fran erobert; mehr denn je kann sie in ihnen ihren Geschmack uiü ihr feines Stilgefühl entfalten. In allen Formen, Farben und Ausführungen werden ftc malerisch ungeordnet, erscheinen sie in mancherlei Gestalten, oval, rechteckig, rund, mit breiten Goldbordüren, zierlich fallenden Spitzenbesätzen Und schweren Troddeln als köstliche Merke einer erlesenen Zierkunst Da findet mttn die reizenden Lingeriekissen mit einem kostbaren „Milien" von alter Spitze; bald ist es mit Zweigen von blassen Rosen im Rokokostil be,treut, bald umrahmen es strenge Empiremotive oder es leuchtet in den vollen Farben der Siberttncibe. Das Neueste und Eleganteste, sind Bezüge, die die herrliche Kunst der alten Gobelins aufleben lassen. Glücklich, wer ein Stück dieser alten wertvollen Tapisserien auf treiben kann, auf dem. irgend ein interessantes Bildchen im schweren Barock- oder im leichten Rokolosttl zu sehen ist! Mit Vorliebe setzt die „Dame" von 1913 ihr zierliches Füstchen au, ein riesiges rundes Fustkissen, das in einem lebhaften Grün oder einem starken Blau gehalten ist und auf dem, der träumende Blick ein leichtes Spiel verschlungener Ornamente entdeckt, während die vollen Goldtroddeln an den beiden Seiten gravitätisch auf dem Teppich ruhen. Die letzte Neuheit stellt das K i s s e n a m' K a ut i n dar, auf dem mit putzigem Ernst eine jener entzückenden so lebendig beobachteten Porzellantatzen sitzt, wie sie der ferne Osten beirt
Der 9. März 1888.
Ein Vierteljahrhundert ist seit jenem Trauertage dahin- ncgaitgtrt, an dem das geeinte Deutschland seinen ersten großen Kaiser verlor. Die Ewinnerung an diese von tiefster Wehmut umflorten und doch so weihevoll erhebenden Stunden ist für immer eingeprägt in das Herz unseres Volkes imd fteigt, in dieser Zeit des Gedenkens besonders lebendig ioieber empor. Schwere Sorgen hatten noch in den letzten Lebens wo cl^en des greifen Helden Seele tumdüstert. Immer trüber und hoffnungsloser lauteten die Nach- xichten aus San Remo über das Leiden seines einzigen Sohnes, ünd dazu brachte ihm der Telegraph noch die Kunde von der schweren Erkrankung, dann am 22. Februar von dem Tod seines hoffnungsvollen «Enkels, des Prinzen Ludwig Wilhelm von Baden, der un blühenden Alter von 23 Jahreir an einer Lungenentzündung dahirtschied. Seine früher so eiserne Gesundheit war bereits durch eine schwere «Erkältung untergraben, die er sich am 3. Juni 1887 bei der Grundsteinlegung des Nordostseekanals zugezogen hatte. Der bis dahin noch so feäftige Körper, gestählt und erhalten durch seine spartanisch-einfache Lebensweise, kränkelte in der ganzen Folgezeit, und da nun noch der hoffnungsfreudige gläubige Geist immer heftiger ergriffen wurde von den dunklen Dämonen des Schmerzes, konnte ein leichter Rückfall gefährlich werden. Bei der Ausfahrt am 3. März! überfiel den hohen Herrn ivieder eine Erkältung, die sein altes Nierenleiden ^schärfer hervortreten liest Zu einer früher nie gekannten Sckstafsucht kam völlige Appetitlosigkeit, und die Kräfte sanken schnell. Am 5. März war der Zustand schon so bedenklich dast der in San Remo weilende Prinz Wilhelnr telegraphisch zurückgerusen wurde. Am Abend des 7. März erhielt das deutsche Volk die erste Kunde davon, daß; das Leben seines HerrsckMs in Gefahr schwebe.
Am nächsten Tage folgten weitere beunruhigende Berichte. Vom frühen Morgen an waren bereits die Linden und der Owrnplatz mit einer nach Zehntausenden zählenden Menge ge- ffi/t, die in angstvoller Erwartung auf neue Nachrichten harrte. M Nacht vom 7. zum 8. März war sehr unruhig verlaufen. In der Frühe des 8. langten auch die Tochter und der Schwiegersohn des Kaisers, der Grostherzvg und die Großherzogin von Baden, an. Mit inniger Rührung begrüßte sie der Kranke und gedachte des Heimgegangenen Prinzen an seinem eigenen Krcmken- und -Sterbebette. Mit dem Prinzen Wilhelm sprach er über politische und militärische Angelegenheiten, ließ um Mittag den Fürsten Bismarck kommen und richtete an ihn Worte des Tankes und der Anerkennung. Dann verdunkelten wieder Fieberphantasien das vorher noch Helle Bewußtsein. Gegen 5 Uhr nachmittags ward er schwächer und schwächer; die königliche Familie, Bismarck, Moltke, der engere Hof waren um das Lager versammelt. Der Kaffer hatte den Wunsch nach dem Oberhofprediger (Kögel ausgesprochen; die Hand seiner Gemahlin haltend, von den Leibärzten unterstützt, horchte er aufmerksam aus die Worte des Trostes und der gläubigen Zuversicht, die der Geistliche sprach. Mit schwacher, aber deutlicher Stimme wiederholte er einige seiner Lieblingssprüche, bekräftigte das Wort: „Ich weiß, daß mein Erlöser lebt," mit dem Ausruf: „Das ist richtig" und sprach laut: „Er hat mir in seinem Namen geholfen". Dann gegen 1/36 Uhr kam ein Augenblick großer Schwäche, der das Aeußerste befürchten liest Nach längerer Stille murmelte er, wie esoachend:
Ich habe einen Traum gehabt. Es war die letzte Feier im Dom." Vielleicht ahnte sein Geist schon den Heimtzang, aber noch einmal richtete er sich auf, fragte nach Moltke, rief den Prinzen Wilhelm in seine unmittelbare Nähe und sprach mit ihm eingehend über die Armee, über nwgliche Kriege, über die Bündnisse, die man schließen müßte, so daß die Großherzogin von Baden ihn bat, sich nicht zu sehr anzustrengen. „Ich habe jetzt keine Zeit, knüde zu sein," war seine Antwort, der letzte zusammenhängende Satz, der über seine Lippen kam, ein heut klassisch gewordener Wis- spruch, der wie in einem Symbol sein ganzes in hingehender Pflichttreue verflossenes Leben zusammcnfaßl. In der Nacht verwirrten sich seine Gedanken mehr und mehr; er sprach von seinen Truvpen und Feldzügen in zusammenhanglosen Worten. Es Ivar 4 Uhr morgens, als Kögel das Vatenmser betete, das die Kaiserin laut mitsprach. „Hast du es verstanden, Papa?" fragte die Großherzogin, und: „Es war schön!" antwortete der Sterbende.
Nack) einiger Zeit schlug er die Augen auf und sah die Kaiserin lange klar und innig an; ihr hatte fein letzter Blick gegolten. Um VaO Uhr entschlief er sanft und friedlich. An seinem Bette saß, seine Hand fest in der ihren, die Kaiserin — am Fußende stand Prinz Wilhelm. ?lls die Kaiserstandarte, des Schlosses auf Halbmast sank, standen Unzählige entblößten Hauptes in dem naßkalten Wetter des Märzirtorgens. Mit ehernem Munde verkündeten die Glocken der Reichshauptstadt die Trauerbotschaft, und alle Glocken des Deutschen Reiches hallten das Sterbegeläut wieder. Um die Mittagsstunde versammelte sich der deutsche Reichstag: Fürst Bismarck kam, ihm die Nachricht zu übermitteln. Als er in tiefer Bewegung das Wort verlangte, erhob sich das ganze Haus in ernstem Schweigen. Mit schlichten Worten


