Ausgabe 
11.10.1913 Erstes Blatt
 
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F. Garcia-Calderon. Die lateinischen Demokratien AmerKas. Mit einem! Bonvort von Raymond Poincare, Mitglied der französischen Akademie, cl-em. Ministerpräsident von Frank­reich. Ins Deutsche übet tragen von Max Pfau Leipzig, Ver­lag von K. F. Koehler. Das in französischer Sprache gefdjriebene Buch deS peruanischen Diplomaten in Paris, F. Garcia-Cal- beron, erscheint soeben in deutscher Ucbcrsctzung. Man wird kaum erwarten, das; der Autor (und sein staatsmännischer Gönner') der Zukunft des lateinischen Gedankens etwa mit deutschfreund­lichen Empfindungen nachgedacht haben. Aber immer noch hat man aus den Schritten seiner Gegner am meisten gelernt. Wir wissen, wie cs um Süd-Amerika steht. D. b. wir sollten wenigstens wissen, daß hier ein mächtiger Kontinent in die zivilisierte Welt eintritt, das er die Errungenschaften der älteren Kulturvölker sich anzueignen strebt, und daß die verschiedensten Lehrmeister sich bereits die Anleitung des vielversprechenden Schülers streitig machen. Im Wettbewerb um die Führung der unvollständigen Kulturen entscheidet sich eben gegenwärtig die Frage, welche ge­reiste Kultur internationale Herrschaft und Macht erringt. £>at Herr Calderon recht? Sind die Deutschen eine Gefahr für Süd­amerika, d. I). nichtlateinisch", sondern deutsch gesprochen: Hub sie in erfolgreichem Vordringen begriffen? Welche Umstände waren und sind ihnen günstig? Und welche Widerstände denkt man ihnen zu bereiten? Mit Recht sagt der sorgsame Ucbersetzcr des Buches, Mm: Pfau, das Wort Pvincaros variierend: Voici un livre, que devront lire et mediter tous les A 1 le­rn a n d s!

William Milligan Sloane. Die P a r t e i h e r r - schäft in den Vereinigten Staaten von Amerika, ihre Entwick­lung und ihr Stand. Verlag von K. F. Koehler, Leipzig. W. M. Sloane war im Wintersemester 1912/13 Roosevelt-Professor an der Berliner Universität und hielt im folgenden Sommer Gast­vorlesungen in München, ehe er auf seinen Lehrstuhl an der ersten Hochschule der Bereinigten Staaten, der Columbia-Universität in New Bork, zurückkehrte. Cr ist ein ehrlicher Freund Deutschlands, rin Verehrer deutscher Bildung und Wissenschaft. Die deutsche Sprache beherrscht er so vollkommen, das; er seine Vorlesungen deutsch hielt und sie nunmehr auch, nach stilistischer Ncberprüsung durch Dr. Stcrwood und Tr. Berendsohn, in einem Buche ver­öffentlicht, das ihn als Meister des knappen, klaren, wenn man so sagen darf: praktische»; Ausdrucks zeigt. Was cr in diesem Buche uns kennen lehrt, ist das Eigentümlichste iinb Wesentlichste an den politischen Zuständen der Union: die Entwicklung der beiden großen Parteien, ihre Siege, ihre Niederlagen, die Art und die im ganzen öffentlichen Leben spürbare Wirkung ihrer Herrschaft. Was ist der tiefste Grund der mit den Schlagworten republikanisch",demokratisch" am allerwenigsten bezeichneten Gegensätze der Parteien? Und die Parteien selbst als normale Erscheinung des republikanischen Lebens sind sie die Stützen des Staates ober seine Verderber? Auf alle diese Fragen gibt das ungemein übersichtlich angelegte Buch nicht diplomatisch gewun­dene, sondern wohlabgewogene und doch beftimmte Antwort. Un­erschrocken nennt es die Dinge bei ihrem Namen, handle es sich um den Aemterschacher, den ^ammanv-Hall treibt, oder um den Kampf gegen die Trusts, der mclj-r Lärm als Erfolge gezeitigt hat. Mit gerechtem Stolz schildert cs die Leistungen der Union, ihre technischen Großtaten, die WirksamkQt eines Abraham Lincoln, eines Grober Cleveland. Es untersuW den Umfang und die Grenzen des Einflusses, den das wechselnde Parteiregimeitt ans die hohen und niederen Stellen der Beamtenschaft, des Richter- stands, des Heeres und der Marine ausübt.

u Oktober um 1 J

Existieren.Unentbehrliches Fremdwort!" wird mancher laqen. Aber ein mackererdeutschgesinitter unb deutschbeflissener q: rmmlischer Ausländer', ein Holländer in Wiesbaden, zeigt un5 in en' Zeitschrift des Sprachvereins, daß man sehr wohl ohne t.rtfHeren" existieren kann.Tas scheußliche existieren", fagi er, ,?(T? nicht nur im mündlichen Verkehr, sondern auch in der entspräche sein Unwesen treibt unb sogar in den Büchern der ' bCicren deutschen Schriftsteller! Hat denn die mächtige, über- cni eilend reiche deutsche Sprache", so tragt er,kein eigenes Wort für ch'iil so grundlegenden und unentbehrlichen Begriff, von dem hier biL :icbc ist? Hat sie nicht das Zeitwort bestehen? Und wenn su es hat, warum bann stümpert der deutsche Mensch so beharrlich 1 mit existieren und Existenz herum? Warum sagt unb schreibt er : »Tiefe Arbeit sichert mir feine Existenz", ober:Das Kaiserreich ( Mna existiert nicht mehr?" Warum nicht:Diese Arbeit sichert muv kein Bestehen, Auskommen", ober:Tas Kaiserreich China lästeht nicht mehr?" Ter beutschgestnute und deutfchbeflissene Ai Isländer zerbricht sich über dies Rätsel den Kopf nicht weniger c I. über die Frage, wie es nach Luther noch möglich blieb und il k itt, daß das deutsche Volk kein deutsches Wort hat für Luthers fitste Errungenschaft, ja, überhaupt fein deutsches Wort zur Ver- nv'iibunfl hat für jenen anderen Begriff von so alles überragender Bedeutung, der in dem FremdworteReligio»;" liegt. Aber ich j io i( für heute nicht weiter noch bigrebieren, um nicht den Leser rr.b und) selbst zum Ueberdruß zu ennuyierem Irritiert mich 11 d) das Existieren und Paradieren so vieler alberner und ge° |i utacfwibriger französterender Akischlinge in der herrlichen Ger- incnnensprache einstweilen schon mehr, als meiner Stimmung kon° itmiercnb ist." Und das muß uns wieder einmal von einem Aus» linder gesagt werben 1!

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Amtlicher Wetterricht.

Oeffentlicher Wetterdienst, Gie.Lkr^

Wctteraussichten in Hesse»; für Soimtag, bei; 12. Okt. 1913: I Meist heiter und trocken, mäßig warm, nachts starke Abkühlung, stellenweise Nachtfrost.

Letzte r7a<Hvie^ten.

Die Vvrbereitung der B öl k er sch lacht f c icr.

Leipzig, 11. Okt. Mit dem heutigen Tage i,t augcstchts des sehr starken Andranges zu den am 16. d. Mts. stattsindcuden Feicrlichleitcn eine scharfe polizeiliche Kontrolle über die wäljrcnb der Festtage sich hier aufhaltendcn Fremd eit eingerichtet. Die .Hotelbesitzer sind streng unter Androhung ent sprechender Strafe»; angewiesen worden, genaue Anmeldungen 511 erstatten. Der Sicherheitsdienst wirb in den nächsten Wochen außerordcutlidi verstärtt. Die Anmeldungen aus dem Auslande sind sehr zahlreich, treffen auch aus Frankreich schon jccht tu großer Anzahl ein. Der Andrang ist so stark, daß m den Inneren Hotels Zimmer nicht mehr z»tr Verfügung stehen.

Russische Ueb er griffe gegen einen D cutsch en.

München-Gladbach, 11. Okt. Der' hiesige Kauf- 'mann Buttger hat Beim d-eutschen Konsulat i 11 Warschau Beschwerde eingelegt, »veil er wegen einem ganz unbegründeten S p i 0 n a g e v e r d a ch t v i e r Tage in einem Warschauer Gefängnis cing c s P c r r t war. Er verlangt von der russischen Regierung eine Ent­schädigung. Nach feinen 'eigenen Angaben wurde Buttger, der Prokurist einer großen Düsseldorfer Firma ist, in Warschau am 26. September von einem Offizier verhaftet, nachdem er eine Kirche besichtigt und zuvor vergeblich auf dem deutschen Konsulat, das bereits geschlossen »var, sich einen Dolmetscher zu besorgen versucht hatte Buttger wurde zur Wache geschleppt und bis auf die .Haut durchsucht. Seine Bitte, ihn telephonisch mit dem deutschen Konsulat zu verbinden und in seinem Hotel Erkun­digungen über seine Identität cinzuziehen wurde abgeschla­gen. Er mußte in v 0 r S ch m u tz st a r r e n d e n G e f ä n g - n i s k l e i d e r n den Sonntag und Montag zubringen. E1 n BriefandasdcutscheK 0 nsulatwurden 1 chtbe­fördert. Erst am Dienstag wurde er nach kurzem Ver­hör entlassen. Vorher war ihm mitgeteilt worden, er sei auf Grund eines Gesetzes zur Sicherheit des Landes verhaftet worden, weil er ein Gebäude besichtigt habe.

Ein neuer französ ischer Flugplatz.

P a r i s, 11. Okt. Kriegsminister Etienne wird mor­gen in Longwy der Eröffnung eines neuen Flug­platzes beiwohnen und die Frage der Auflassung der dorti­gen Festungswerke prüfen, welche von der Bevölkerung seit langem gefordert wird.

Die Wirrnis in Mexiko.

London, 11. Okt. TieTimes" meldet aus M e x i k 0 vom 10. Oktober: Die Nachricht, das; die Rebellen im Bezirk Torreo sind, wird bestätigt. Nähere Nachrichten fehlen noch. Die Lage flößt große Besorgnis ein.

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Den Empfang des*

Herbst - Neuheiten

Ivä c * " ö*" schweren Sturm in der vorletzten Nacht'

lilt nach einer Meldung aus Kne l eine ganze Reihe Schiffe in otgeraten. Bei S?ofamau wurde der große Dampfer 93cn die Mute geworfen und stark beschädigt. Arn fc ;-^oitcüerger <otranb sanken drei Fischerboote. Die Besatzung^ | heftet werden. Im A.er mclmecr stieß eine im

"1^^'5U stationierte Schaluppe mit dem norwegischen iAiSÜSo alunSyre" zusammen. Der Dreimaster erhielt ein so '.'Si Xccf' .cr wenigen Minuten s a-n k. Tic ?;nx)22'.außcr einem Schiffsjungen und einem Matrosen, die r.rnwjj: werben, wurde in die Schaluppe übernommen.

r v Vr J° n 9- der Sparkasse in Ka dolz- ~nr, v, lnncr amtlichen Revisioir ein geschicktest vcr- ; L_cltcr o' ebt b ctr a g von rund 101 000 Mark fcstgestellt, der I scheren Kassierer zur Last gelegt wird.

Französischer Witz. Zwi»»aenber Grund. Ein L ^"rbiges Ehepaar sitzt in der Loge im Theater.Warum benutzt t ,~.u "'cht Deine Lorgnette, liebe Helene?" fragt er in; Flüsterton.

' nt Ürcna verweisender Blick trifft ihn: ,StiN doch! Siehst Tu l'cnn nicht, daß ich meine Ringe vergessei; habe?" Ter Hart - ; i' a cP; g c.Ich kam; mir noch so viel Mühe geben, die Kugel ist n cbt heraudznkriegen.E sogt der Arzt, an dem Sch»ververletztc»; be- icjaftiqt, der sich eine Ku^el i»; bei; Kork gejagt hat, um sich selbst i? a. ermovben.Ach, Herr Doktor," fällt die jamn»cr»;bc Glattii;

!i it den; Bnckttoi; der lieber,;eugung ein,Cie wissen ja gar nicht, < n ie hartnäckig der Mensch ist, wen»; ber sich was in bei; Kopf ge- Irjt hat." Bei»»; heiligen B ;»r e a »»k r a t i u s. Gut I |ar)iilbigen Sie, mein Herr, bürste ich mir die Frage gestatte»;, wie

1 il die Uhr ist ?" 10 en bet sich bet höfliche Herr an ben Schalter- ; l i anrten.Reiche»; Sie eine Eingabe in Folio cnsi Stemvelpavier II On: Sie können sich bann in einigen Sagen bei; Bescheid bolen." - Die .Klage des S t n m »n e l \ a m n» l e r ä.Tie Acrzte b»ben doch recht," seufzt der Vagabund nachdenklich n;elai;cholifch, indem cr ben winzige»; Rest einer Havannazigarre au5 dem Rinn- (eu; aufhebt, ,.e§ gibt Leute, die zu viel rauche»;!" V 0 m Zeremoniell der Hintertrepve. Erster Lakai:Warun; li siüßt Tu den»; den Jean nicht mehr?" Zweiter:Mit den; ver- lchre ich nicht; der ist mir z»; gewöhnlich. Seine Gnädige trägt ujon zum dritte»; Mal dasselbe Kleid."

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