Ausgabe 
10.5.1913 Viertes Blatt
 
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Nr. M

Samstag, HO. Mai 1915

Erscheint täglich nm Ausnahme des Sonntags.

Generar-Aqeiger für Oberhessen

die

ihrer

die

beide nicht Kvuf

In ein

Schmuck, durch den man sie zu verschönern glaubt, 311 befreien". Und was bleibt dann? Es bleibtein Vertrag, in dem zwei In­telligenzen sich verpflichten, treu zusammenzuhalten und sich gegen­seitig zu unterstützen".

Die Hauploersammlung des Hreis-Kinderzuchivereins Zriedberg. Tiefer Tage fand im .Hotel drei Schwerter zu Friedberg

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. N. Lange, Gießen.

aller Literatur, von »dem ganzen romanhaften und fad poetischen Schmuck, durch den man sic zu verschönern glaubt, zu befreien".

des Frauenstimmrechts bis heute gehabt, nickt aber den Sinn eines Kantpfes mit dem Mann um die politische Herrschaft. Durch die Anwendung revolutionärer Mittel drücken die Frauen ihre Kultur­bewegung auf das Niveau eines bloßen Machtkampfes herab und nehmen ihr damit ihre eigentliche aufbauende Bedeutung. Sine dauernde Mitarbeit der Frau int öffentlichen Leben ist überhaupt nur denkbar unter der Bedingung, daß eine gerechte GesellschastS- ordnung den sozialen Frieden verbürgt und die rohe Gewalt als Mittel der Interesfenbehauptung mehr und mehr zurückdrängt. Die Frauenbewegung darf daher nicht selbst Gewalt anwenden, sie muß vielmehr durch ihre Kampfesweise den Beweis liefern, daß im öffentlichen Lehen Formen geschaffen werden können, die dem Wesen und der Natur der Frau gemäß siitd. Durch die Nach- ahmimg der von Männern angewandten revolutionären Gewalt­mittel zerstören sich die .Frauen selbst die Möglichkeit, sick int öffentlichen Leben zu behaupten, zerstören sic die ruhige Ueber- zeugungskraft der sachlichen Notwendigkeit, die ihre Forderungen stützt, und geben ihrer Bewegung den Charakter eines erbitterten und verhängnisvollen Kampfes der Geschlechter um die äußere Macht.

Aus all diesen Gründen sind wir überzeugt, daß die Frauen­bewegung ihre Erfolge nur von der ansbauenden Kraft der pon- tiven Leistungen der Frauen erwarten kann. Die Wirkung dieser Leistungen Tarnt durch ungesetzliche Kampfcsmittel nur beeinträchtigt und zerstört werden.

Statistik alles beweisen, man muß cs nur verstehen. Weniger scharf gcrenchct ist ost wahrhaft besser und richtiger gerechnet! Die Spekulation auf gerade herrschende Moden ist vom Nebel! Staat und Kommune müssen die Nachfrage zu leiten wissen, ihr ein vernünftiges gutes Ziel weisen, nicht sich ihr bedingungslos unterwerfen: das tut der Krämer, nicht der wahrhaft groß­zügige Kaufmann. In unserer Stadtverwaltung, in unserm Stadt­rat darf der Krämergeist keine Stelle haben! Dafür zu sorgen, wahrhaft selbst großzügig zu wirtschaften, das, Herr Oberbürgermeister, wäre ein ganz besonderes Verdienst! Oder sollte erst die kommende große Zeit auch ein großes Ge­schlecht finden?

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: Redaktion.S^AIIL. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen.

Gießen hat auch so manchesmal unter einer übelangebrachten Krcknerhaftigkeit Schaden genommen und sich von großzügiger Opferwilligkeit einzelner Mitbürger beschämen lassen. Ich will nur an den Nichterwcrb des ehemaligen Buschschen (Artens er­innern und daran, daß Gießen sein Theater in der schönsten Lage dem Opfersinn und dem Gemeinsinn einiger Mitbürger dankt, die zu einer Zeit, wo das noch ein wahrhaftes Verdienst war, Schülers Garten erworben und für das (sscmcinwohl ge­halten haben! (Die Verdienste der Theaterstiftcr sollen deshalb nicht geschmälert werden.) Die Krämerhastigkeit aber würde auch gerade.darin liegen, wollte Gießen selbst dem Spckulantentum verfallen. Beim Privatspekulantcn mag der Satznon ölet" gelten, obwohl es gar bedauerlich, wie dieser Satz bereits längst den guten deutschen Geist vergiftet hat! Der Privatspekulaut mag aus dem Unglück seines Nebenmcnschen Vorteil ziehen, dies Unglück ausnutzen: Reichtum allein macht nicht glücklich und die Verachtung der Edlen muß der Spekulant mit in Kauf nehmen. Aber der Staat und die Kommune dürfen niemals solcher Speku­lationssucht verfallen, dieser Krämergeist muß ihnen fern bleiben. Sie haben fürwahr die Aufgabe, fonjunftur aus gl eich end zu wirken, und nicht etwa die, selbst die Konjunktur zum Schaden der Schwachen auszuiuitzen. Eine Kommune, die selbst spekuliert, treibt die Preise oder entwertet, je nach der Tendenz ihrer Speku­lation, und eines wie das andre ist vom Uebel! Man sagt wohl: das alles geschehe dock» im Interesse der Steuerzahler! Aber das ist gefehlt: die Kvmmune begiebt sich zusamt ihren Steuer­zahlern nur in den allgemeinen Sumpf, statt an seiner Trocken­legung zu wirken, meint sie das Unglück des einzelnen ausbeutet, um dem Steuerzahler ein paar Pfennige zu ersparen: und was sic hier erspart, verliert sie tausendfach an einer verunglückten Großspckulation, zu der sie durch Jnteressenwirtschaft verleitet wurde!

Was im Einzelfall richtig ist, was verfehlt, das läßt sich natürlich nur im einzelnen beurteilen; hier muß ich zusammen­fassend mit folgenden Leitsätzen zum Schlüsse kommen:

1. Durch die heutige Bodenpolitik von Staat und Gemeinde wird das Baugewerbe schwer geschädigt: die fortgesetzte Erhöhung der öffentlichen Lasten und Abgaben richtet Bauunternehmer und Hausbesitzer zugrunde, entwertet Grund und Boden.

2. In der Folge zieht sich das solide Kapital vom Jm- mvbilienmarkte zurück, zweite Hypotheken werden in ihrer Sicher ­heit erschüttert und reißen mit ihrer evtl. Kündigung den Bau­unternehmer und Hausbesitzer zusammen.

Z. Den Vorteil hat nur der Spekulant, der diese Konjunktur ausnutzend billig kaufen kann, bann aber den Mieter erst recht hoch zu nehmen vermag.

4. Tic Folge ist, daß kein Bauunternehmer mehr auf eigene Rechnung bauen wird, die anhebendc Wohnungsnot sich immer mehr verstärken wird.

5. Eine gesunde Bodenpolitik muß auf dem Gewordenen aui- bauen, muß Preisregulierend wirken und ebensowohl ungesunden Spekickationshausfepreisen entgegentretcn, wie der Ausnützung augenblicklicher Notlagen > Baissespekulation!? Zu hohe Preise, wie Schleuderpreise find gleicherweise vom Uebel!

6. Niemals dort der Staat oder die 'Kommune selbst unter die Spekickanten gehen, sei es bei Verwertung ihrer Objekte nu- erschwingliche Preise fordernd ober, wm,i die nicht bewilligt werden, durch Zurückhalttui die Spekulationspreise nur noch mehr steigernd, sei cs beim Erwerb aus das Unglück einzelner speku-

DicSletztner Familienblätter" werden dem Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. TidLandwirtschaftlichen 5eit- frageu" erscheinen monatlich zweimal.

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Fräulein Rechtsanwalt über die Ehe.

Frl. Miropolskn suchte diese juristische Deutung der Ehe näher zu erklären. Sic legte dar, daß die Eheschließung durchaus nicht ein bedeutendes Ereignis, das das ganze Leben von Grund aus umkrcmpeln soll, ist. Die Ehegatten müssen sich in dem Augenblick, wo sic ja sagen, vor Augen halten, daß sie etwas ganz Alltägliches und Natürliches tun, eine Handlung, die so alt ist wie die Welt. Sic hoben die Eheals ein Geschäft" zu betrachten. (Na, also!» Und wenn dannzu diesem Bünd­nisvertrag zwischen zwei 'jungen und mutigen Willen wirklich etwas Unerwartetes, Poetisches und Köstliches hinzukommt, wird die Freude ünnffio größer sein, da das »vcder versprochen ivod, voraus- geschkm wurde.

Ter langen ^Rede kurzer Sinn ist, daß man sich verheiraten soll, ohne der Sache allzu große Bedeutung bcizumesscn: das Glück kommt dann vielleicht ganz plötzlich, sozusagen als lieber- rasckung zum Nachtisch. Als sie so »vcit »van, jckicii die Vor­tragende sich zu erinnern, daß sie noch eine Kleinigkeit vergessen hatte: Wie ist es denn mit der Liebe, die doch auch schon ziemlich alten Datums ifl9Von der Liebe spreche ich gar nicht," lautete die Antwort auf diese Frage,weil eine solche Ver­bindung, wie ich sie mir denke, nur möglich ist, wenn die Kon­trahenten von morgen der Selbstverleugnung, der Uneigennützig feit, der Opferwilligkeit fähig sind, und das nennt man doch wohl Liebe!" Ja, so nennt man das, und darum ist alles wieder gut. . . .

Steuerzahler, einzelner Steuerzahler, zum Nutzen der Gesamt­heit Vorteil ziehen wollen: das ist krämerhaft gedockt und ver­werfliche Spekulation. Sie müssen gerade int Unglück die allzu­harten Folgen mildern, nicht gar verschärfen. Das alles ist ge- >oiß feine leichte Aufgabe und beim besten Willen kann man im Einzelsalle fehlen. Gerade wer allzuscharf rechnet, ist dieser Ge­fahr besonders ausgesetzt. Wer übrigens gut rechnen kann, der versteht auch die Kunst, die Rechnung stets zu jo stellen, wie sic seinen Plänen dienlich ist, der Wunsch tst bei ihm der Vater der Gedanken. Die andern können diese Nechrtuug nur häufig nicht durchschauen. Mit dem Zahlenspiel allein ist's nicht getan; wäre es das, in welch glänzender Finanzlage müßte unser Gießen sein, das in einem Gnauth und in seinem Mecum glänzende Rechner gehabt hat und hat! Mit Rechnen läßt sich ähnlich wie mit

Hauptversammlung des Krcis-Rinderzuchtvereins Friedberg statt. Ter Vorsitzende, Direktor Oekonomierat Spieß, begrüßte die Erschienenen, besonders beit Vortragenden, Sekretär Schwarz- Gießen. Auch der Vorsitzende des Landwirlschastskammer-Aus- schusses, Landtagsabgeordncter Breidenbach- Dorheim, traf im Lause der Verhandlungen ein. Zunächst verlas der Vor­sitzende die Rechnung für das abgelaufene Vereinsjahr, die mit einem Kassenvorrat von 1547,04 Ml. abschließt, und erstattete

lierend und Vorteil hcrausschlagend. genug nrirfen Spekulationsarten kombiniert zum Unglück dessen, der da mithalten kann, z. B. bei Tauschgeschäften ^häufig sind und Verkauf nur verschleierte Tauschgeschäfte!).

Staat und Gemeinde dürfen nicht aus dem Unglück

Vaugewerbr- und Wohnungsnot GrundsMsMulaiwn.

Von Rechtsanwalt Dr. Spohr, Gießen.

(Schluß.)

. . Schon alle diese erörterten Verhältnisse wären hinreichend tmpande, die heutige Not zu erklären. Aber es kommt noch ein Faktor hinzu und zivar ein ganz besonders schwerwiegender: die Grund- und Boden-Spekulation! Bei ihr haben von jeher gerade die den Ruhm abgeschöpft, die es verstanden, das gesähr ltche Risiko des Bauunternehmers zu vermeiden. Während die Bauunternehmer mir ihrer Arbeit und Gefahr wirtliche Werte schufen, nützten die Spekulanten Kraft ihres Kapitals nur die Koni un ft u r aus und schröpften den Bauunternehmer, dessen Verdienst cs ist, wirkliche Werte zu erschaffen! Und unter allen bot Maßnahmen, die gerade gegen die Spekulation wirken sollten, Ulten wiederum am meisten die, die nickt spekuliert hatten, die ehrlichen Arbeiter und Gewerbetreibenden. Wer es kraft seines Kapitals anshalren konnte, der kalkulierte mit ein, was cs kostete und wälzte die Last anderweitig ab. Wer aber auf seine Arbeit angewiesen war, der konnte das einfach nicht. Er mußte ja arbeiten, sonst mußte er verhungern. Der Arbeiter ist zu­dem stets ein schlechter Spctulant, n>o er es einmal damit versucht, ist er der Hineingefallene.: der Spekulant aber will und kann nicht arbeiten: diejenigen, die nm Grund und Boden das Geschäft gemacht haben, die haben sicherlich, nicht gebaut, sondern die andern bauen lassen und mühelos den Hauptgewinn der aufltrebenden Entwicklung dcs Gießener Gemeinwesens vor- weggenommcn! Die Bauunternehmer aber, diese wirklichen Ar­beiter, denen es der Mieter zu danken hat, daß er am Wohnungs­markt heute auskömmliche Wohnung zu immer noch billigen Preisen findet _ daß dies so ist, beweist die Tarsache, daß heute Käufer für Häuser überhaupt nicht vorhanden sind! er hat noch zu einer Zeit, um nicht stille liegen zu müssen, roeitergebaul, zu der dies Weitcrbauen sein eigner Schaden war! Es ist billig, zu sagen, daß ihn ja hierzu niemand ge­zwungen habe: aber was sollte denn aus seinem Betriebe werden, in dem sein Kapital steckte? Er musste zunächst noch tocitcrbaucii, ob er wollte oder nicht: nur nach und nach konnte er einsckränken und stillegen. Sofort aber regen sich die Konsumenten, die Mieter, und schaffen mit vereinter Kraft, und unter dem Wohl­wollen der Allgemeinheit, die ja zumeist auch nur das Konsu- menteninteresse zu schätzen weiß, dem Bauunternehmer und Haus­besitzer neue Konkurrenz, eben da er sich mit eigenem Verlust Beschränkungen auferlegte. Ja, wenn ihm das öffentliche Wohl­wollen auch entgegengetragen würde! Aber nein, auf ihn wird von allen Seiten nur losgedroschen!

Nicht als ob nun den Bauunternehmern zu Liebe die All­gemeinheit Not leiden sollte! Aber läßt sich denn gar nicht der rechte Interessen a us g l e i ch finden? TM: man absolut aus der Haut der Bauunternehmer die Riemen schneiden? Ge­rade die Schaffung und Erhaltung eines gesunden, arbeitsfähigen Bauunternehmerstandes tage doch nur im wohlverstandenen Inter­esse der Allgemeinheit.

Was heutzutage an sog. Bodenreform geleistet wird, das sieht leider verzweifelt darnach aus, daß an Stelle der Speku­lanten der Staat oder die Kommune als Spekulant tritt. Das aber heißt: aus dem Regen in die Traufe geraten! Die Macht der einzelnen Spekulanten hat denn doch in der gegen­seitigen Konkurrenz gewisse Grenzen: wo aber der allmächtige Staat ode» die Kommune mit den Steuerfreisten ihrer Bewohner als Spekulant auftritt, da ist's gefehlt! Will der Staat, will die Kommune wirklich helfend uni) fördernd wirken, dann müssen sie in anderem Sinne wirken: sie müssen zunächst mit den Ver­hältnissen rechnen, wie sic sich in Zeiten entwickelt haben, wo Staat und Kommune sich ihrer Pflicht, als gesunde Regulatoren zu wirken, noch nickt bewußt waren: sie müssen ausbauen, auf dem was unter ihren Augen geworden ist! Sie dürfen aber nicht etwa die verzweifelte Lage, in die der Werte schaffende Stand der Bauhandwerker und Bauunternehmer geraten ist, auch noch aiisniltzen wollen, um ja nun recht billig den Besitz derer zu schlucken, die man nun mit einem Achselzucken zugrunde gehen läßt. Und sie müssen aus ihren amtlichen ober ehrenamtlichen Organen rücksichtslos diejenigen anszumerzen, die ihre Stellung zu einer (manchmal nicht einmal schamhaft im Verborgenen gehal­tenen Jnteressenwirtschaft ausschlackten! Unter solcher persönlicher Jnteressenwirtschaft leidet die Kommune nur selber, wie es so manche schon zu ihrem Leidwesen erfahren hat. Aus Gießen soll, irie man sagt,. nicht ganz frei von solchen Vorkommniiscn sein. Aber

Fvauett-Rrrndfcha«.

Zur Äampfeswcise der Suffragettes.

Eine Erklärung des Gesamtvorstandes des' Bundes Deutscher Franenvercine finden wir in Nr. 3 des int Verlag von B., G. Teubner, Leipzig, erscheinenden Zentralblattes des Bundes Deutscher FrauenvereineDie Frauenfrage".

Der Gesamtvorstand des Bundes Deutscher Frauen vereine hat in seiner Sitzung vom 8. März beschlossen, solgeirdc ^Erklärung abzugeben:

Wir sind überzeugt, daß die Anwendung von Gewaltmitteln zu dem Wesen und den Zielen der Frauenbewegung in einem grundsätzlichen Widerspruch steht und deshalb weder durch äußere politische Verhältnisse noch durch die dabei bewiesene Uebcrzcugungs- treuc und Opfcrfähigkeit prinzipiell gereckstfcrtigt werden kann.

Nach unserer Ueberzeuguiig bedeutet die Anwendung revo­lutionärer Gewalt unter allen Umständen und für jede Frau einen Bruch mit ihrer Natur, eine Preisgabe ihrer Wesensart. Mag das Gefühl des erlittenen Unrechtes noch so stark sein die Frauen werden sich dock zur Anwendung gern alt tätig er Nüttel innerlich zwingen und die Stimme des Taktes gewaltsam betäuben müssen, dick sie vvn derartigen Demonstrationen zurückhält. Damm kann ganz abgesehen von ihrer Bedenklichkeit an fickt eine solche Taktik keinen dauernden Erfolg haben. Tic wider­sinnigen Mittel müssen je länger, je mehr die Wirkung verlieren, die sie vielleicht anfangs als Ausdruck der Entschlossenheit und des Opfermutes der Frauen .gehabt haben, und die Frauen selbst werden einer Taktik müde werden, die feine ohne inneres Wider­streben ausgenommen lptbcai lann und bereit gewalttätige äußerste Konsequenzen zu ziehen sich für Frauen ohnehin ein für allemal verbietet.

Dic Frauen, die revolutionäre KainpfeSmittel altwenden, ver­leugnen aber nickt nur ihre eigene weibliche Natur, sie schaden auch int letzten Grunde den Interessen der Frauenbewegung selbst.

Wenn die Forderung nach einem verstärkten Eünfluß im Staat heute weite Frauenkreisc ergriffen hat, so sehen wir darin die Wirkung wirtschaftlicher Veränderungen und sozialer Unv= gestaltungen, deren unaufhaltsam' wirkende Macht durch eine Ge­waltpolitik nicht verstärkt werden kamt.

Der Zweck des Frauenstimmrechts, ob cs für Gemeinde, Be russvertrctung ober Staat gefordert wird, besteht darin, daß dic Frauen die aus ihrer wachsenden Bernfstätigkeit hervorgehenden wirtschaftlichen Interessen vertreten und an den Külluraufgaben verantwortlich Mitarbeiten ioolleu, denen sie als Frauen und Mütter eine natürliche und lebendige Anteilnahme entgegenbringen. Diese doppelte Bedetttung hat in der Frauenbewegung der Gedanke

wenigen Rechtsanwälten sagen kann - eine auffallende Schön hcit ist, einen hübschen Vortrag über die moderne Ehe.

Fräulein Miropolsky ist der Ansicht, daß es köstliche Ehen gibt oder wenigstens geben könnte. Wenn die Ehe, wie sie heute geschlossen wird, nicht reizend ist, so liegt das nur daran, daß man sich gewöhnt hat,um das Heiraten einen ganzen Sagen kreis zu spinnen". Die Verlobten bilden sich ein, daß sie in der Eheherrliche, geheimnisvolle Schätze und ein zauberisch schönes Glück finden werden". Und um zu diesem Glück 311 ge­langen, lügen sie sich vor allem gegenseitig an.Der Dolus," sagte das fürchterliche Fräulein Rechtsanwalt,der Dolus und alle Betrugsmanöver, die die Ehesckstießung zu be­schleunigen geeignet sind, sind natürlich während der'Verlobung erlaubt. Und bei diesem eigenartigen Spiel, das selbst die ehr­lichsten und biedersten Leute spielen, bei diesem Spiel, in dem

jeder möglichst unbefangen eine wohldnrchdachte Rolle spielt, treiben es die Männer vielleicht noch ärger als die Frauen." Aber Mann und Weib fühlen sich ganz glücklich, während sic sich anlügen.Alle Hoffnungen, alle Träume, dic man seit der Kindheit hegte, scheinen in Erfüllung gehen zu sollen." Man wird romantisch, man heiratet.

Und was geschieht dann? Es geschieht nichts weiter, als daß die Ehe zu einer Kette von Enttäuschungen wird . . . Und ich habe hierbei noch die sogenannten besten Ehen im Auge," sagte das unerbittliche. Fräulein Miropolsky. Es blieb aber glücklicherweise nicht bei diesem Pessimismus, denn Frl. Miro- Polski, zeigt nickt nur das liebet, sondern auch das Heilmittel, daß dieses Urteil beseitigen könnte. Damit eine Ehe wirklich köstlich iverbc, hat man sie nurvon allem Geheimnisvollen, von

den Jahresbericht. Aus ihm ist zu entnehmen, daß 27 Gemeinden des Kreises den Verein mit einem Jahresbeitrag von 25 Mk. unterstützen und däß die Einnahmen zum größten Teil Ver­wendung fanden zur Unterstützung der Beschicker von Jungvieh- weideu und zu Prümiiemngen von Jungvieh, für welch letzteren Zweck 185 Mk. ausgegeben wurden. Der Voranschlag jvnrbc mit 2350 Mk. in Einnahmen und Ausgaben genehmigt. Hierbei sei erwähnt, baß auch in diesem Jahre wieder die Weidebcschicker mit je 10 Mk. für jedes nufgc tri ebene Stuck unterstützt werden sollen und baß in den Orten Nieder-Weiscl und Fauerbach v. b. H. sowie gemeinsam für die Orte Okarben, Burggräfcnrode und K'leinkarbcn Jungvichprämiierungen adgehalten werden. Im Falle noch Mittel vorhanden sind, sollen die Orte Beienheim, Wcckcs- 6 eint und Dorn-Assen heim bedacht werden, andernfalls erst nächstes Jahr die Reihe an dieselben kommt. Eine ausgedehnte Be­sprechung entspann sich über den Antrag des Ausschusses, aus dem Reservefonds 500 Mk. bereit zu stellen, um weibliches Zucht­material einzuführen. Von der Erwägung ausgehend, daß der Viehzucht im Kreise, die vor allem durch die unrentable Milch­wirtschaft, das ungünstige Futterjahr 1911 und das Auftreten der Maul- und Klauenseuck>e sehr gefchädigt worden ist, wieder Giifgefiolfcn werden müsse, wurde der Antrag genehmigt. (Shie Umfrage bei den Züchtern des Kreises über den Bedarf soll die Unterlage dafür abgeben, wo angekauft werden soll. Empfohlen wurde von Sekretär Schwarz, den Bedarf auf den Iungviehweiden im Kreise Lauterbach zu decken, wo vom Landwirtschastskammcr- ausschuß Iveiblickc Jungtiere zugekauft worden sind, um die Weiden vollständig zu besetzen. Diese Tiere, welche mts hervor­ragenden Zuchten der Provinz stammen, den Weidegang hitttcr sich hoben und von einem auf der Weide stehenden Original- Simmentaler-Bullen gedeckt werden, bieten einen preiswerten und vollkommenen Ersatz für die oft für sehr teures Geld von aus­wärtigen Zuchten (Schweiz, Obcrbadcn usw.' eingeführten Tiere. Nachdem noch die Maßnahmen zur Kenntnis genommen warnt, btt der Landwirtschaftskammcrausschuß _ zur Förderung der Rindvichzucht int Kreise Friedberg in diesem Jahre durchführen will, so vor allem die Abhaltung von Stallschatten für die Be­zirke Friedberg uitd Rodheiikt v. d. H., einer Zuchtvichaiiktion in Butzbach und eines Faselmarktes, verbunden mit enter Prämiierung in Friedberg, berichtete Sekretär Sckwarz über:Ausgaben und Ergebnisse der S t a nt m bau in fori ch u n g". Es würde zu weit führen, int Rahmen dieses Berichtes auf diesen Vortrag einzugchcu, erwähnt sei nur, daß die Versammlung den inter- esfantcn Ausführungen des Redners mit großer Aufmertfamkeit folgte. Zeigten sie doch, wie dic Eigenschaften der züchterisch hoch entwickelten Tiere bei der Vererbung die Oberhaitd behalten und daß die Ergebnisse der Stammbaumsorschung eine wertvolle Grundlage für eine planmäßige Zucht bilden. Reicher Beifall lohnte die von großem Fleiß und Verständitis zeugenden Llns- führungen des Redners. Nachdem noch bekannt gegeben worden war, daß auch in diesem Sommer wieder ein Ausflug und zwar auf die Viehweide zu Nauses und nach den Odenwälder Zuchten unternommen werden sollte, schloß der Vorsitzende mit Worten des Dankes an alle, die durch ihre Ausführungen zu den Ver­handlungen beigetragen hatten, die Versammlung.

Paris hielt dieser Tage Fräulein Helene Miropolskh, gesuchter Rechtsanwalt ober sagt maneine gesuchte Rechtsanwältin"?) unb dazu was man bekanntlich nur von

viertes Blatt (65. Jahrgang

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