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Nr. 9
viertes Blatt
163. Zahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Siehener ZamtlienblStter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Die „Landwirtschaftlichen Seit« fragen" erscheinen monatlich zweunal.
Siehener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberheffen
Samstag, U. Januar 1915
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universilnts • Bttch- unb Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: e^Döl. Redaktion:e^ 112. Tel.-Adru ÄlnzeigerGießen»
Au» öellcn.
bs. Darmstadt, 10. Jan. Finanzausschuh der Zweiten Kammer.
In der Fortsetzung der Beratung des' Hauptvoranschlages erledigte der Ausschuß heute die Kapitel 59a bis einschließlich 115. Die Kapitel 59 a bis einschließlich 61 gaben zu Beanstandungen keinen -Anlaß. Es soll noch mit der Regierung besprochen werden ob nicht für den Staatsverlag (Darmstädter Zeitung usm.) ein Voranschlag aufzustelken sei, aus dem genau die Einnahmen und ^lusgaben zu ersehen sind. Dabei wurde noch die grundsätzlich Frage erörtert, ob die Regierung ohüc das Kontrollrecht der Landstände die Befugnis habe, Fonds zu besitzen und nach eigenem Ermessen zu verwalten. Zu Kapitel 71, Landwirtschaftlick)er Tispo sitionsfonds, wurde von verschiedenen Seiten die Frage von Versuchen mit amerikanischem Regen erörtert. Man war der Auffassung, daß diese Versuche bei der Wein- und Obst bau schule in Oppenheim, aber auch nur dort, fortgesetzt werden sollerr. Für die Förderung des Gemüsebaues sind 3000 Mark in Kapitel 75, Förderung einzelner Zweige der Landwirtfchast, vorgesehen. Es sollen hier Versuche in drei Wär m ehä u s e r n in Oppenheim veranstaltet werden mitI einem Kostenaufwand von 9000 Mk., auf drei Jahre verteilt. Dem stimmte der 2lusschuß zu. Bei dem L a n d g e st ü t wurde nn Aussicht gestellt, daß für die Pferdezucht voraussichtlich noch höhere dlnforderung-en gemacht werden, da.diese in allen Teilen des Landes sich sehr gehoben habe und Unterstützung verdiene. Der Ausschuß trat dieser Anschauung bei.
Zu Kapitel 81, Gewerbeaufsicht, wurde beanstandet, bezüglich der Gehilfen aus' der Arbeiterschaft hervorgegangen, daß diese den Schreibgehälfen gleichgestellt werden, während sie doch selbständige Tätigkeit zu verrichten hätten, Inspektionen vorzunehmen irfro., auch ihre Bezüge stünden nicht in EinUang mit den ihnen gleichstehenden Arbeitern. Hierüber sind noch Verhandlungen mit der Regierung notwendig. Zu Kapitel 82, Dampfkesselprüsung, bemerkte ein Mitglied des Ausschusses, daß es wohl zweckmäßig märe, einen Maschineningenieur mit Wohnsitz in Gießen zu haben, weil dadurch erhebliche Ersparnisse für die Bevölkerung eintreten könnten. Bei Kapitel 88, Ministerium der Justiz wurde bemerkt, daß die Mindereinnahmen an Gerichtsgebühren in Zivilsachen mit 70 000 Mark und Gerichtsuntei - suchungskosten mit 10000 Mark noch der Aufklärung bedürfen. Von allen Seiten wurde sodann die Lage bet Gerichtsschreibergehilfen (Geprüfte Gerichts- fchreiberh welche zwar nicht angestellt sind, jedoch mit ministerieller Bestallung für eine bestimmte Stelle eingesetzt sind, erörtert. Es kommen hier etwa 160 nrinistcriell verwandte Gerichtsschreiber- 'gehilfen in Betracht, welche seither einen Gehalt bis zu 2100 Mk "bezogen haben. Es wurde auf das Mißverhältnis dieser provisorischen Stellen im Verhältnis zu den definitiven Stellen hin gewiesen, wie solches in keinem anderen Ressort der Staatsverwaltung bestehe. Diese geprüften Gerichtsschreibergehilfen hätten dann in Staatsstellen umgewandelt werden muffen, als durch die 'KoMpetenzverschiebuugen und durch Übertragung seither einer Reihe richterlicher Geschäfte auf die Gerichtsschreibereien, diese in einer ganz besonderen Weise belastet ivorden seien. Es gehe nicht an, solche Stellen von nicht angestellten Beamten in solchem Umfange versehen, zuzulassen. Zudein hätten diese geprüften Anwärter' keinerlei Aussicht, jemals in die Stellen, aus die sie Anspruch hätten (Aktuariatsstellens einzirrücken, sie würden sich zum größten Teil mit Hilfsgerichtsschreiberstellen begnügen mühen. Allseitig wurde anerkannt, daß die jetzige Stellung dieser Gerichts- schreibergehälfen verbessert werden müsse, was nur durch emo Vermehrung der Zahl der Aktuariatsassiftenten-Stellen aussül-r- Ixn.' sei. Hierüber soll mit der Regierung verhandelt werden Weiter soll verhandelt werden über die Verminderung der 'Haftlokale in Hessen und deren Zusammenlegung mit benachbarten Haftlokalen oder mit den Haftlokalen benachbarter 'Amtsgerichte, wodurch die persönlichen und sachlichen Ausgaben 'verringert werden könnten. Es wurde weiter angeregt, die Re- -gierung anzugehen, die schon öfter erörterte Frage über die Stellung der Stellvertreter der Gerichtsdiener einer erneuten Prüfung und Lösung entgegenzuführen. Die Stellvertretungskosten in Höhe von 200000 Mark (Kapftel 96) wurden für zu hoch erachtet, nachdenr Revisionen in den Hypothekenbücheru nicht mehr in dem Umfange nötig sind, wie seither. Auch hier- »über soll mit der Regierung noch verhandelt werden. Ohne be- 'iondere Beanstandungen wurden dann die Kapitel bis zu 115 durchberoten. Genehmigt wurde auch Kapitel 114, Ausleihung von Staatsschuld, in seiner neuen Ausgestaltung, die es durch das .Schuldentilgungsgesetz vom Januar 1912 ersäht en lsat.
Die nächste Sitzung ist auf Dienstag, den 14. Januar, zunächst allein und von 11 Uhr ab mit der Regierung, festgesetzt.
Frauen-HeniUeton.
Eine neue Entfettungskur.
Eine neue Form der „Rückkehr zur Natur" Predigt die amerikanische Varietelünftlerin Luise Treffer. Sie hat ihr Körper- Aewicht von 180 Pfund auf 140 Pfund vermindert, indem sie eine neue Entfettungskur eigner Erfindung anwandte, die in ein Lehrbuch gezwängt, augenscheinlich die Ueberschrist tragen mußte: „Ter Affe als Erzieher". Fräulein Treffer mackste nämlich die gewiß richtige Beobachtung, daß die Affen aller zoologischen Gärten, die sie zu Gesicht bekam, niemals überflüssiges Fett zeigen, obwohl sie sicherlich sich einer vortrefflichen Ernährung erfreuen. Wie kommt das? Tiefe Frage war leicht zu beant- Worten; weil alle Bewegungen der Afteu eigentlich nichts weiter sind, als Hebungen, die den Fettansatz verhindern. Fräulein Dresser überlegte sich, wie nahe der Mensch den Affen verwandt sei und meinte, wenn sie die Bewegungen der Assen reckst genau Mchahmte, würde sie ihr überschüssiges Fett wohl verlieren. Ter Versuch, den sie alsbald.begann, hatte vollen' Erfolg, und nun teilt sie ihren lieben Landsmänninen mit, wie sic diese Ent- settungskur ausgeführt Ijat. Eine vollständige Beschreibung würde zu weit führen; ein paar ihrer Hebungen sind gewiß erwähnenswert.
Ihr tägliches Programm' beginnt mit „Affensprüngen". In der Kleidung der Assen im zoologischen Garten, nämlich unbekleidet, springt sie aus der Grundstellung vorwärts, läßt sich auf die Hände fallen und läuft dann auf allen Vieren ans einem ziemlich engen Raum eine Zeitlang umher. Em anderer Affen sprung .'wird nur auf den Beinen — ausgefülyrt, und eilt dritter befiel t darin, daß man nach einem ziemlich hoch hängenden Gegen- slaud springt und diesen bei jedem Sprunge zu berühren trachtet. Zu anderen Affenübungen braucht man ein Turngerät, nämlich das Reck. Fräulein Dresser schwingt sich, nur an einem Arm hängend, an der Reckstange hin und her, löte steies beim Assen an Aesteu gesehen hat. In den Kreis dieser Asfeitübungen gehört auch „die Kunst des natürlichen Sitzens": Fräulein Dresser setzt sich auf den Boden, zieht die Knie bis zum"Kinn empor und faltet dann die Hände vor den Unterschenkeln. Für diejenigen ßefetinnen, die gerade nach einer Entfettungskur suchen, mag hinzugefügt werden, daß Fräulein Dresser täglich etwa eine Stunde ihre Affenübungen macht, so daß die Entfettungskur sich als ziemlich zeitraubende Befestigung entpuppt. Sonst kann mau, ohne die Affenübungen am eigenen Leibe erprobt zu haben, ohne weiteres das Urteil abgeben, daß sie, beharrlich ausgeführt, sicher zum
lütcbc nnd Schuld
Zum Rückgang der Geburtenzahl
Man schreibt uns:
Auf der letzten Tagung der hessischen Freien kandes- kirchl. Vereinigung zu^ranisurt a. M. wurde vom Berichterstatter Herrn Pfarrer Kubel ans 'Frankfurt, o.uf eine T a t f aT) c hingewtFen, §t'e wertester und ern'ftefter Beachtung wert ist, näm'ich auf die Tatsache, daß in Deutschland die katholische Bevölkerung sich rascher vermehrt als die evangelische und das; der in den letzten Jahren zu beobachtende Rückgang der Zahl der Geburten bei den Evangelischen größer ist als 'bei den Katholischen. So wurden von 1875 bis 1900 in Preußen für je eine katholische Eheschließung durchschnittlich 5 und für eine evangelische 4 Kinder berechnet. Fest steht, daß 1871 64.9 Proz. der preußischen Bevölkerung evangelisch und 33,6 Proz. katholisch waren, im Jahr 1910 nur noch 61,8 Proz. evangelisch und 36,3 Proz katholisch. Im ganzen Reich waren 1900 62,51 Proz., 1905 62,08 Proz., 1910 61,59 Proz. evangelisch und 36,03 Prozent, 36,45 Proz., 36,69 Proz. katholisch, obgleich seit vielen Jahren zehnmal soviel Ka holikcn zur evangelischen Kirche als Evangelische zur katholischen Kirche übertreten und obgleich der größte Teil der Känder aus Mischehen evangelisch wird. Eine sehr dcntliche Sprache reden folgende, vom Berichterstatter angeführte Zahlen: 1901 waren in Preußen 3 491373, 1906 3 706 962 und 1911 3 851647 Ähulkirwer evangelisch und in denselben Jahren 2 057 272, 2 321926 und 2 567 914 katholisch. Es ist also von 1901 bis 1906 in Preußen die Zahl der katholischen Schul- kinder um 4 806 5 d. i. jährlich um 9613 und von 1906 bis 1911 um 101 703 d. i. jährlich um 20340 mehr gewachsen als die evangelische. Wenn der Wachstum in gleichen Progressionen fortfährt, würde im Laufe des Jahres 1925, also i ch o n in 12 Jahren, d i e Zahl der katholischen Schulkinder jener der evangelischen Schul- kinder gleich sein. Die Höhe der kathol schen und der vangelischen Gesamtbevölkerung würde sich dementsprechend ebenfalls ausgleichen.
Es ist ein offenes Geheimnis, daß der Grund für den in den letzten Jahren zu beobachtenden Rückgang der Zahl der Geburten nicht in physischer Entartung und Abnahme der natürlichen Fruchtbarkeit zu erblicken ist, sondern in dem Wille n der Eltern, die Zahl ihrer Kinder zu beschränken. Sofern dieser Wille der Genußsucht, Bequemlichkeit und Geldgier entspringt, ist er sittlich verwerflich und eine schwere Versündigung an der Zukunft unseres Volkes. Die katholische Kirche hat offenbar die drohende Gefahr früher erkannt als die evangelische und bereits in Seelsorge, Standes-Predigt, Beichtstuhl und Mission Mittel und Wege gefunden, ihr Nnrkfam zu begegnen. Es wird höchste Zeit, daß auch die evangelische Kirche anfängt, der drohenden Gefahr ihre Aufmerksamkeit mit größtem Ernste zuzuwenden. Es steht, wie Pfarrer Kübel angesichts des natürlichen Wachstums der Katholiken und Slawen mit Recht betonte, nicht nur der Kredit und Einfluß, sondern auch der sittliche Wert, ja geradezu der physische Bestand deutschen evangelischen Volkstums auf dem Spiele.
Die Verwaltung des Bistums Limburg.
Limburg, 10. Jan. Bei der heutigen Wahl eines Bis tu ms Verwesers der Diözese Limburg für den verstorbenen Bischof Dr. Willi wurde Prälat und Domdekan Hilpich in Lrmburg gewählt.
Ans Stafct und Land.
Gieße n., 11. Januar 1913.
** Reichsgründungsfeier. Die finsteren Wolken, die sich Ende des vergangenen Jahres am politischen Himmel austürmten, fangen langsam an, sich zu zerstieben. Mer wenn auch dieses Gewitter noch ohne Entladung vorübergeht: wohl niemand glaubt mehr an eine Dauer der
Ziele führen. Ebenso sicher aber ist, daß es 6cquemere, weniger Zeit erfordernde Entfettungsgymnastik gibt.
kf. Der Kampf um d i e weibliche Rechtsanwaltschaft in Italien. Nachdem der Versuch italienischer Frauen, ihre Zulassung zur Ausübung des Rechtsanwaltsberufes zu erlangen, wiederholt gescheitert ist, hat in jüngster Zeit Italiens berühmteste Juristin einen neuen Angriff auf diese der italienischen Frau noch verschlossene Stellung gemacht. Es ist dies Dr. Teresa Labriola, die an der Universität Rom Philosophie und Jurisprudenz lehrt und gegenwärtig sogar Mitglied des Prüfungsausschusses für die inristische Doktorprüfung ist. Ihr Antrag, zur Rechtsanwaltschaft zugelassen zu werden, wurde zunächst von der zuständigen Kammer genehmigt, wahrscheinlich aus dem Grunde, toeil sie als Professor einer juristischen Disziplin nach dem Gewerbegesetze Anspruch darauf hat, als Rechtsanwalt tätig zu sein. War aber schon die Entscheidung der Beratungskommcr mit nur 5 gegen 4 Stimmen bei einer Enthaltung zugunsten der Signora Labriola ausgefallen, so wurde diese Entscheidung durch das Eingreifen des Generalstaatsamvaltes umgestoßen. Auf seine Veränlassung erklärte die Berufungsinstanz die Zulassung der Dame unter Hinweis auf frühere Gerichtsentscheidungen für unzulässig, und so haben die Frauen auch diesmal auf diesem Okbiete keinen Erfolg zu verzeichnen. Dr. Teresa Labriola ist jedoch der Ansicht, daß gerade die Ausübung des Anwaltsberufes für die verheiratete Frau besonders geeignet ist, weil sie, wie sic meint, bei feiner Ausübung den Kreis des Familienlebens nicht zu sprengen brauche. Ihre Ansicht ist, falls sie die Zulassung zur Anwaltschaft einmal durchsetzen sollte, sich in erster Linie solcher Zivil- und Kriminalprozesse anzunchmen, bet denen Frauen, sei es aus einem Konflikte der Leidenschaft oder einem solchen der Interessen, die Hauptrolle spielen.
kf. Die Lady als B e r u f s t ä n z e r i n. Vor einigen Tagen gab eine Dame der höchsten Aristokratie Englands ein paar Tanzvorstellungen zu wohltätigen Zwecken. Diese Dame, Ladp Constance Richardson, erregte damals in der vornehmen Gesellschaft begreifliches Aussehen, und besonders viel war von ihr die Rede, als sie auch dem König Eduard ihren Salometanz vorführen könnte. Jetzt spricht man von «dieser jLady in London wohl noch mehr als damals, denn seit einiger Zeit tritt sie öffentlich — berufsmäßig und zum Gelderwerb, wie sie unverhohlen erklärt - im Varietee auf. Sie tanzt barfuß int griechischen Stile: die Kritiker meinen, ihre Art zu tan,;cn sei eine Mischung der Kunst Maud Allans und der Isadora Duncans. Wie diese, wählt sie ein kärgliches Gewand im griechischen Stile, das die
darauffolgenden Bläue. Wir werden in absehbarer Zeit mit dem Schwerte verteidigen müssen, was der 18. Januar 1871 uns gebracht hat, das geeinigte Reich. Hnsere Ge schlech-tssolge nimmt das Bestehen des Reichs bereits als etwas Selbstverständliches hin; wohl nichts ist geeigneter, immer wieder in das Gedächtnis zurückzurufen, wie jung unser Reich noch ist, wie die schwersten Prüfungen nicht hinter ihm, sondern noch vor ihm liegen, als die Feier dieses Tages. An dem znm Gedächtnis desselben vom Alldeutschen Verbund veranstalt-eten, allgemein zugänglichen Abend wird Professor O. A l t en d o r f die Festrede halten. Als Neuerung gegen die früheren Reichsgründungsfeiern wird sich an die Festrede ein Rückblick auf die politisch wichtigsten Ereignisse des Jahres 1912 anschließen.
** Gießener Karneval. Die Große Gießener Karneval-Gesellschaft 1911 hält morgen im Katholischen Vereinshaus eine Fremden -und Damensitzung ab, wofiir große ^Vorbereitungen getroffen worden sind. Hiesige und auswärtige Redner haben, sich wieder in den Dienst des Karnevals gestellt, so daß ein genußreicher Abend bevorsteht, itrie überhaupt ein abwechslungsreiches Programm vorgesehen ist. Nach Schluß der Sitzung sindet Tanz statt. Die ersten Veranstaltungen haben gezeigt, daß einem vornehmen Karneval das größte Interesse der Bürgerschaft entgegen gebracht wurde. (Näheres siehe Anzeige.)
** Hockeyspiel. Tie Hockeyabteilung des Wormser Fußball- und Lawntennisklub beabsichtigt, zusammen mit einem Frankfurter Hockeyklub in Gießen ein Hockeyspiel zu veranstalten. Man hofft, daß auch in Gießen Interesse an diesent Sport gewonnen wird und das Spiel zur Einführung gelangt.
Landkreis Gießen.
— Londorf, 9. Jan. (Verspätet eingegangen). Am SamStag hielt der Turnverein feine Hauptversammlung ab. Die Nechnungsablage ergab einen Kassenbestand von 206,23 Mk. Das Inventar hat 600 Mk. Wert. Bei der Vorstandswahl rourbe der alte Vorstand wiedergewählt, nur wurde als zweiter Turn wart PH. Wagner neu gewählt.
— Oppenrod, 10. Jan. Wie feit mehreren Jahren anonyme Briefe geschrieben ivorden sind, so treibt auch jetzt wieder ein Mensch fein Unwesen. Besonders zu und nach Neujahr sind wieder anonyme Spottkarten u. dergl. mit sehr gewöhnlichem Inhalt geschrieben ivorden, durch die bei manchen Leuten, und sogar in den eigenen Familien, Groll und Haß hervorgerufen wurde. Es werden neben anderen Leuten sogar Angehörige in Verdacht gezogen, die aber unschuldig sind und noch nie einen roten Pfennig dafür ausgegeben haben. Möge jedermann, der mit solchen anonymen Karten und Briefen bedacht wird, bemüht fein, dem Schreiber auf die Spur zu kommen.
Kreis Wetzlar.
(:) Vetzberg, 10. Jan. Um den Sparsinn unter der Jugend zu pflegen, hat der hiesige Bürgerverem vor Jahresfrist den Sparkartenverkauf eingeführt. Es sind bis jetzt 40 Sparer, die jede Woche Karten zu 10, 20 ober 50 Pfg. kauften und insgesamt 855,10 Mk. bei der Spar- unö Darlehnskasse in Kinzenbach anlegten. Letztere Kasse hat als erste im Kreise Wetzlar am 1. Oktober 1906 den Sparkartenverkehr eingeführt. Gleiche Einrichtungen bestehen in Atzbach, Dorlar, Hochelheim uff.
Hessen-Nassau.
[] Marburg, 9. Jan. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten wurde dem Antrag zugestunmt, das der Stadt gehörige frühere Waisenhaus neben der Universität dem Staat znm Neubau eines Universitätsverwalt- ungSgcbäudes für 7b 000 Mk. zu verkaufen. 10 000 Mk. sollen von der Summe abgehen, wenn die Universität ein ihr gehöriges Gelände im Südoiertcl als Eigentum der Stadt
Füße und Beine ziemlich hock, hinauf vollständig frei läßt. Zu ihrem Programm gehört ein Frühlingstanz mit Griegscher Nkusik, ein marschartiger Tanz zu einer Komposition Tschaikowskis, ein Trauertanz zu Beethovens Trauermarsch und eine Darstellung von Aases Tod aus Griegs Peer Gynt. Lady Constance Richardson, die Enkelin der Herzogin von Sutherland tanzt nach dem Urteil der Kritiker jetzt ganz anders als früher. Seit sie vor König Eduard anfgetreten ist, hat man vm ihr als Tänzerin nichts vernommen. Die Zwischenzeit hat sie verwendet, um sich ausbilden zu lassen.
— Warum Frauen streiken. In einer Baumwollspinnerei von Lancashire kam es vor kurzem, wie der Daily Mirror berichtet, zu einem Streik der Arbeiterinnen, dessen Ursache gewiß nicht alltäglich war. Der Zufall wollte es, daß der Direktor der Weberei nicht nur ein sehr freundlicher Mann ist, sondern auch ein ungewöhnlich hübscher Mann, kurz, er wird von seinen Arbeiterinnen vergöttert und ist, ganz schuldlos und wider Willen, ein schlimmer Herzeusräuber inmitten seines weiblichen Personals. Eine besonders temperamentvolle junge Dame vermochte nun eines Tages dem Wunsche nicht zu widerstehen, ihrem Herrn Direktor plötzlich um den -Hals zu fallen. Der gute Mann war so verblüfft und empört, daß er im Interesse der Disziplin es für nötig hielt, die liebevolle Hebeltäterin zu entlassen, lind sofort legten alle anderen Arbeiterinnen mit einem Schlage ihre Arbeit nieder und verlangten die Wiedereinstellung ihrer Gefährtin. Die Sache endete schließlich, wie sich das bei einer so zarten Angelegenheit gehört, in schönster Harmonie: der Direktor nahnr die temperamenwolle Arbeiterin wieder an, und der Streik war beendet. Nicht weniger originell war die Ursache eines Damen- ftrcifcö, der sich im vergangenen Jahr in einem größeren Londoner Geschäft in der City ereignete. Es war heiß, die jungen Damen wollten die Fenster öfhtcit, der Chef verbot es: und der Streik war fertig. Ein tranig weibliche Eitelkeit war wohl bei einem Streik im Spiel, der vor einigen Jahren in einer großen Fabrik in South Norwalk im Staate Connectivut ausbrach. Der Besitzer wollte drei Arbeiterinnen zu Aufseherinnen machen und verlangte dabei den Geburtsschein der Kandidatinnen. Das genügte, am nächsten Morgen blieben alle Mädchen und Frauen der Arbeit fern. Auch Cl6o de Merode mit ihrer Frisur verursachte einst einen Streik. Die Stockholmer Telephondamen legten sich plötzlich Cleo de Merode-Frisuren bei, die Verwaltung verbot dos, meil Telephondaineil das Ohr frei haben müßten. Tie Telc phonistimien Stockholms waren über diesen Eingriff in die Freiheit ihrer Toilette so empört, daß sie streikten. Unb sie blieben auch Siegeriimeir im Kampf,


