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Nr. K08
Drittes Matt
163. Jahrgang
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
I
Die Naü'onalspenke für das KoiSerjubilöum.
mit der wird völlig
Heer und Flotte.
Die Organisation des Marineluftschiffahrtswcsens.
Berlin, 9. Mai. Das Marineverordnungsblatt veröffentlicht Line kaiserliche Verordnung, nach welcher aus dem Luftpersonal der Marine eine Marineluftschiff- a b t e i l u n g mit -bem vorläusigen Standort in Ia h an - it ist al und eine M a r in es l i eg e r a b t e i l n n g mit dem Standort in Putzig gebildet werden soll, welche in -allen Ausbildungs- und versuchstechnischen Angelegenheiten unmittelbar dem Staatssekretär des Reichsmarineamtes, in allen anderen Angelegenheiten dem Inspekteur der Küstenartillerie und des Marinewesens, weiterhin dem Chef der Marinestation der diordsee unterstellt sein werden. Der Zeitpunkt zur Bildung wurde auf den 1. Juli 1913 festgesetzt. Die Mannschaften tragen zu der Dienstbekleidung und den Gradabzeichen ihre bisherigen Marineteile, Mützenländer mit der für das seemännische Personal in Gold, für das technische in Aluminium gewirkten Stufschrift „Ma- ckine-Luftschiffabteilung" und „Marine-Fliegerabteilung".
Die dreijährige Dienstzeit in Frankreich.
Der See re saus schuß der französischen Ka m m c r beendete am Freitag die Prüfung der Gesetzestorlage betreffend die dreijährige Dienstzeit und nahm sie im ganzen mit 17 gegen 4 Stimmen an. Der Schlußartikel der Vorlage fuhrt aus: Das Gesetz wird unverzüglich in Kraft treten mit dem Augenblick seiner Publizierung und auf alle unter den Fahnen besindlichen Leute Anwendung finden.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schub stratze 7. Expedition und Verlag: 51.
9ie6aftion:e^ll2. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen.
Offenbach lehnt den Trostpreis ab.
k Offen bad), 9. Mai. In der heutigen außerordentlichen Gcneralveriammlung des -2 ä n g e r ch 0 r s des Turnvereins Offenbach kam es zu einem heftigen Protest gegen die Entscheidung der Preisrichter beim vierten Wettstreit deutscher Männer gefangvercine. Es herrschte nur eine Stimme der Entrüstung über die offensichtliche Zurücksetzung bei der Wertung der Lei-
Tie „Giefocner Famtlienblätter" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gießen" zweimal wöchentlich. Die „randwirtschaftlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.
stungen der Offenbacher Sänger. Der Dirigent, 'Musikdirektor Glück, der bei seinem Erscheinen begeistert durch Esingen des Sängergrußes begrüßt wurde, besprach die Tätigkeit des Preisgerichts, das in einseitiger Beurteilung der Vereine die Offenbacher Sänger mit ihren von der gesamten deutsche Presse und anderen kunstverständigen Fachleuten anerkannten vorzüglichen Leistungen nicht zum engeren Wettbewerb zugelassen, sondern ihnen den letzten, erst nachträglich geschenkten Trostpreis zuerkannt habe. Nach einer Reihe von Reden, die alle die Ablehnung des soge- nanntcic Trostpreises energisch forderten, warnte der Vorsitzende S t e u e r w a l d vor Uebereilung, die unter Umständen dem Vcr- ei>r Schaden bringen könne. Allein seine Mahnungen machten bei der allgemeinen Erbitterung keinen .Eindruck mehr. Die stürmisch verlangte Abstimmung ergab einmütige Ableh - it u n g des in Frankfurt zurückgelasseiien Preises, der mit einem entsprechenden Schreiben dem Finanzausschuß des F e st e s zur Verfügung gestellt werden soll.
*
Die Verstimmung in Köln.
Hauptversammlung der JungderttWand-Sun-er.
+ Berlin, 9. Mai.
Unter dem Vorsitz des Generalseldmarsthalls Freiherrn von der Goltz fand heute vormittag im Landeshause der Prooinz Brandenburg die Hauptversammlung des Jnirgdeurschland-Bundes statt, die von Vertretern der Ortsgruppen und der angeschlossenen Verbände aus allen Teilen des Reiches- zahlreich besucht war. — Unter den Anwesenden befanden sich Unterstaatssettetär a. D. Dr. Thiel und mehrere Vertreter der DeutscMr Turnerschaft, und zwar Professor Reinhardt ^Berlin), Stadtschulrat Tr. Rühl (Stettin) und Geh. Sanitätsrat v. Töplitz «Breslau).
Frhr. v. d. Goltz eröffnete die Verhandlungen und betonte, daß der Jungdeutschland-Bund sich über Erwarten in erfreuticlter Weise immer kräftiger entwickelt habe. Daß noch immer Mißverständnisse, Reibungen und Anfeindungen von anderer Seite vorkommen, liege in der Natur der Dinge. Gewiß wären noch eine ganze Merrge von Sitten und Förmlichkeiten verbreitet, Wie bas Tragen von Uniformen, doch würde das nach und nach ab- geschasft.
Vier auf erstattete der erste Geschäftsführer- Generalmafor z. D. ^ung den Bericht über das verslossene Jahr. Er führte aus, daß die Entwicklung des Jungdeutschland-Bundes im letzten Jahr eine ganz erfreuliche war. Eine ganze Menge neuer Ortsgruppen ist entstanden. Eine halbe Million Jugendlicher hat im Berichtsjahr an den Uebungen teilgenommen. Am 8. Juni, dem Tage der Huldigung der Jugend vor, dem Kaiser, soll eine ganze Anzahl von Jungen aus ganz Deutschland nach Berlin gebracht werden, um an der Huldigung teilzunehmen. Die Errichtung von Jugendheimen macht gute Fortschritte. Bon sozialdenwkra- trscher Sette wurde eine große Anzahl von Klagen erhoben über die Betätigung der Mitglieder des Brurdes in Wald und Flur. Eine Prüfung der Klagen hat ergeben, daß ihr größter Teil unberechtigt ist. Andererseits sind aber berechtigte Klagen von Oberförstern eingegangen, die die Iungdeutschland-Beftre- bungen unterstützen. Es wird da gesagt, daß in manchen Fällen der Wilddieberei geradezu Vorschub geleistet worden fei. '■imS muß uns eine Mahnung sein. Die Jugendlichen dürfen nur unter Führung von Erwachsenen üben, um'solche Vorkomm nisse zu vermelden. Bc sonders auch bei Gruppen, die nachts unterwegs sind. Redner schloß mit der Hoffnung, daß das Mißtrauen gegen den Bund schwinden uird dieser sich weiter gut entwickeln werde.
Nach einer längeren Aussprache und nach Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten wurde die Sitzung geschlossen.
Samstag, jo. Mai W3
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scherr Unioersitäts - Buch- und Steiudruckerei.
R. Lange, Gießen.
In dtesen Tagen wird bei den evangelischen Bewohnern unserer Stadt mit dem Einsammeln der Gaben für die Ra- tionalspcude zum Kaiserjubiläum für die christlichen Missionen in unseren Kolonien und Schutzgebieten begonnen. Der heutigen Stadtauflage liegt ein entsprechendes Flugblatt bei. Es ist sicher zu erwarten, daß unsere Mitbürger, deren Opfersinn sich schon bei so manchem gemeinnützigen Werk betätigt hat, auch an der Spende für das hochwichtige Werk der christlichen Mission mit Opferfreudigkeit sich beteiligen werden. Und daß in der Tat die Mission dort draußen in unseren Kolonien ein wichtiges und bedeutsames Werk ist, das hat die.völkerkundliche Ausstellung der Basler Mission kürzlich jedem Besucher doch wohl klar und deutlich zum Bewußtsein gebracht. Tie Zeiten sind vorüber, wo Missionsinteresse und Förderung der Missionssache nur bei „den Stillen im Lande" z,u ftnden waren. Jetzt ist in weite Kreise unseres Volkes das Verständnis dafür gedrungen, wie wertvolle Dienste die Mission unseren Kolonien und damit dem Vaterlande selbst leistet und wieviel Grund sie hat, dafür auch Förderung und tatkräftige Unterstützung von unserem ganzen Volke zu erwarten. Kein Geringerer als der ehemalige Staatssekretär des Reichskolonialamtes, Wirklicher Geheimer Rat Dr. Dernburg, hat folgendes beachtenswerte Urteil über den Wert und die Bedeutung unserer christlichen Missionen abgegeben:
„Ich habe in meinem amtlichen Verkehr hier und in den Kolonien eine große Anzahl von Missionaren beider Konfessionen kennen gelernt: ich habe sie auf ihrer Arbeitsstätte lwvbachtet und ihre Leistungen verfolgt. Die christliche Mission ist besonders in den Kolonien, aber auch in anderen Ländern autochthoner Kultur ein wichtiges Mittel zur Hebung der Sitten der Eingeborenen und eine ausgezeichnete Vorbereitung für deren Eingliederung in den Mechanismus der beherrschenden Staaten. Sie ist besonders da, wo sie gleichzeitig bessere Kenntnis des Ackerbaues, und der ErwerbSmethoden vermittelt, auch für die wirtschaftliche Entwicklung der betreffenden Gebiete von Wichtigkeit. Ihre Wirksamkeit als Arzt und in der Krankenpflege ist in den vielen Gegenden. wo. der Staat dafür noch nicht hat vorsorgen können, nicht ersetzlich?. Aus ihrer intimen Kenntnis der 23ötfer> schäften, bei denen sie wirken, gestützt durch die Tradition, die sich aus ihren, Stationen ausbildet, haben die Missionen sowohl der W i s.s c n s chaft theoretisch, als auch der Vcrwaltungs- kunft praktisch die wertvollsten Leisttingen geliefert. Daß dabei Unter Umständen auch Fehler gemocht' sind und nicht überall ihr Verhältnis zu den staatlichen Gewalten das Richtige gewesen ist, erklärt sich aus der eigenartigen Zwischenslellung, welche den Missionen ihre Arbeit ainreift. Diese Fehler haben sich von Jahr zu Jahr verbessert und können an der allgemeinen freundlichen und dankbaren Beurteilung' nichts ändern."
Dies Urteil aus so bedeutsamem Mcunde dürfte ein vermehrter Ansporn für die breite Oeffenttichkeit sein, der Nationalspende ihr lebendiges unb tatkräftiges Interesse zuKMvendeir.
Arbeiterbewegung.
Ein Bäcke raus stan d in P a r i s.
Paris, 9. Mai. Die (Gewerkschaft ber Bäcker- gehilfen hat infolge der Ablehnung ihrer Forderungen beschlossen, morgen abend in den Ausstand zu treten. Von den 7000 Pariser Bäcker geht lf en haben bereits über 1000 tnre Meister verständigt, daß sie der: von i'lsrer Gewerk- Ustaft ausgegebenen Streikbefehl befolgen werden; dagegen haben an^3000 "Gehilfen erklärt, daß sie weiter arbeiten wollen. Infolgedessen glauben die Bäckermeister, daß sich der Ausstand nicht sehr fühlbar machen werde.
Mainz, 10. Mai. Kriegsgericht. Der Musketier der Reserve Josef Diehl aus Linz a. Rhein batte im Fahre 1910/11 in Mainz bei der 4. Komp, oes Nass. Jnf.-Rgts. Nr 88 gebient. Im November 1910 erzählte er seinen Kameraden, daß'er bemt Pvstholen dem lliiteroffiucr Kohlend eck von der 1. Komp, des Jnf.-Rgts. 88 4 Mark geliehen habe, zur Ans- losung eines Wertpakets. Die Sache ging an den Feldwebel und den. Vauptmann, der Unteroffizier bestritt entschieden, das Geld von Diehl geliehen zu haben. Diehl und Kvhlenbeck wurden gegenüber gestellt, cs blieb D. dabei, daß er dem Unteroffizier 4 Mark geliehen und das Geld nicht mehr zurückerhalten haben. Die Geschichte kam vor das Standgericht und in der Berufungsinstanz vor das Kriegsgericht der 21. Division: der Unteroffizier wurde auf die eidliche Aussage des Diehl bestraft und als Unteroffizier entlassen. Er ist zurzeit Hausdiener in Mainz. Inzwischen bekam Diehl Gewissensbisse, von Elberfeld aus schrieb er an die Staatsanwaltschaft, daß seine Behauptung wegen des Lei- bkns der 4 Mark unwahr sei. Er wurde hierauf von der Militärbehörde in Köln in Untersuchungshaft geWnnmen und dem Mainzer Kriegsgericht gestern vorgcfülntt. Er hatte sich nun wegen verleumderischer Beleidigung des ehemaligen Untcrofsi- zicrs Kohlenbeck, wegen Belügens von Vorgesetzten und megen Meineids zu verantworten. Der Angeklagte erklärte, daß er Lag und Nacht keine Ruhe mehr gefunden hätte. Der Unteroffizier Kohlenbeck habe ihm nicht das geringste getan, er habe die unwahre Behauptung aus das Anstiften einer Kellnerin getan 4. er frühere Unteroffizier Kohlenbeck will die Kellnerin gar nicht gekamtt haben und von feiner Kellnerin Geld erhalten haben
-NN'teüteden Angeklagten zu 1 Jahr 1 Monat öefangnt§ 2 Jahren Ehrverlust und Versetzung in die 2. Klasse ^oldatenslandes. Der Angeklagte nahm die Strafe an
Börsen-Wochenbericht.
Frankfurt, 9. Mai.
Durch die Einigung der Mächte über Albanien und die Politische Entspannung haben die Börsen eine kräftige ttnregung erhalten. Mit der Friedenszuversicht ist die ,i?vfs- nung, daß die Konjunktur wieder erstarken werbe, neu erwacht.
vielfach - bitter empfunden, verstimmt. Die Kölner
Der llusfiong des Nmserpreiz-Wettsingenz.
, 8 Frankfurt a. M., 9. Mai.
rcr war cm ergreifender Augenblick, als g'esterii der greise Ehrenpräsident des Kölner Mannergesangvereins foerr v. Othe- grabeii an der Seite seines Dirigenten Schwartz die Stufen zur .natiertogc eniporstieg, um zu whcn, wie den Berlinern die heiß- begehrte Kanerkette zugesprochen wurde. Mit aller Bestimmtheit hatten die Kölner auch diesmal auf die Eroberung des Kaiser- Preises gerechnet, und um so tiefer war ihre Enttäuschtheit und Inedergcschlagenhctt. Welche Zuversicht bei den Kölnern herrschte, gmg schon daraus hervor, daß sie sich im Frankfurter Ratskeller em ^legesmahl bestellt lichten, das nun zu einem Trauermahl , ch drn glücklichen Berlinern schien das Schicksal der Kölner iiahe zu gehen, denn als ihr Präsident Adolf Zisiel mit oem Dirigenten Professor Felix Schmidt strahlend die Kaiserloge verließ, versäumten sic nicht, dcn Herren von Köln die Hände zu drucken. Dafür jubilierten die Berliner aber um so mehr aus dem weiten Platz vor der Halle.
Die Berliner haben nunmehr dic Kette zum drittenmal zu verteidigen. Gelingt es, ihnen, in vier Fahren die Kette zum drittenmal zu erobern, so bleibt sie in ihrem Besitz und cs ist eme neue Kette zu beschaffen, um die sich der Berliner Lehrer- gesangverein bann nicht mehr bewerben kann, da er außer Wettbewerb stclst. Den Kölnern ging der Verlust der Kette besonders um deswillen nahe, weil sie von ihncu nach dem bekannten Raub und der Vernichtung der Original-Kaiserkette unter schweren < c ™en hergestellt worden war. Ihr Wert wird auf etwa 15 000 Mark allein an Gold geschätzt.
Bei der Abwägung der Leistungen der um die Kaiserkette Eonturricrenben Vereine waren bestimmte Grundsätze maßgebend. ~,c <ci|tungen der beiden Vereine Berlin und Köln wiesen nennenswerte Unterschiede nicht auf. Statt deshalb wieder in emen müßigen Streit darüber cinzutreten, ob den Berlinern oder Kölnern die Kette gebührte, sollte man sich freuen, daß, mir zwei >0 tüchtige und ebenbürtige deutsche Männergesang- L'ereine haben. Wir müssen auch konstatieren, daß den Kölnern un*) Berlinern eine neue Konkurrenz in dcn drei Essener Vereinen erwachsen ist. Die Sänger der Kanonenstadt haben ein vorzügliches ^timmaterial, und ihre Bässe sind zweifellos die schön- die man bisher auf einem Kaiserprcis-Weltsingen gehört bat. Mit vollem Recht sind daher alle drei in die engere Wahl geromuten, und der beste von ihnen, die Essener „Konkordia", m._mi^ dem zweiten Ehrenpreise bedacht worden, während dem Essener Mannergesangverein, dem von der Firma Krupp zur Deckung der Unfoften 10-000 Mark unb ein Extrazug gewährt worden find, der dritte Preis zufiel. Auch die westfälifchen Vereine haben dm in sie gesetzten Erwartungen nicht nur entsprochen, sondern sic vielfach sogar übertroffen. So vor allem „Schlegel und Eisen" (Bochum), ein fast ausschließlich aus Arbeitern der Bochumer Schwerindusttie gebildeter Chor, dessen fröhliches Draufgängertum im Verein mit gutem Stimmaterial große Freude hervorrief. Den Vereinen aus Westfalen stellte sich das Rhcin- zur Seite mit seinen Männergesangvereincn wie die M.-Gladbacher Lieoenafel und die Aachener „Konkordia". Den Wiesbadener Männergesangverein, den Prorege des Grasen Hülsen- Haseler, hätte man aus feiten der Kritik in der Reihe der Ehreu- prcise allerdings etwas rveiter unten erwartet, während nur eine -Jtetnung darüber herrschte, daß der Männerchor Magdeburg sich mit Recht an letzter Stelle befindet.
Einsen bösen Schnitzer hatten sich die Preisrichter fedoch in oezug auf den Sängerchor des T u r n v c r e i n s O f f e n- bach zuschulden kommen lassen, und man atmete ordentlich auf, al» durch eine Korrektur die Zahl der Troff äse noch um einen vermehrt wurde und die Ossenbacher Sänger somit noch einiger- matzen zu ihrem Rechte kamen. Denn nach dem Urteil der Fach- gcnossen hätten sie unbedingt einen der 13 Ehrenpreise berommen müssen, während gegen die übrige Reihensolge der Preise kein Einspruch erhoben werden kann. Was die bei dem r fwerb leer auSgegangcncn Vereine anlangt, so kann man sich bet vielen nicht vor der Ueberzeugung verschließen, daß sie gut daran getan hätten, ihre Leistungcii vorher noch einmal zu prüfen. Damit im Zusammenhänge steht die Frage, ob neben tnclen sonstigen anfechtbaren Dingen bei dem Kaiserpreis-Wettbewerb Nicht eine Vorprobe der beteiligten Vereine ersolgen oder etwa eme Einteilung nach Klassen stattsinden solle.
ar Jy1.1, Mangel ber Kaiserpreis-Wettsingcn ist unstreitig das ckiis bl eiben der Bekanntgabe des PreiSrichter-Gutachtens. In dieser Beziehung trennt eine undurchdringliche Maner das Preis- rlchterkollegium von den Sängern und den übrigen Sachverstän- mgen. Mancher Zweifel, mancher Widerspruch, manche Kränkung v • <1? ■ chancher offene Protest würde vermieden werden, wenn die Preisrichter ruhig ihr Urteil uiti> die Unterlagen, aus denen es aufgebaut ist, bekannt geben würden. (Sine andere K läge der Sänger betrifft das Verweilen des Kaisers in der Preis- richterloge, die er an den beiden letzten Tagen überhaupt nicht mehr verließ. Dadurch wird nach der Meimlng ber Sänger das Preisrichterkollegium immer etwas von seinen Ansgaben äb- gelenkt. Man befürchtet davon sogar eine leichte Beeinflussung in der Abstimmung und verweist darauf, daß bei dem zweiten Kaiserpreis-Wettsingen einer der Preisrichter, Professor Föller aus Leipzig, mit einer gewissen Plötzlichkeit noch während des Preissingens )cm Amt nieberlegte.
Ein besonders wunder Punkt scheint in dieser Beziehung auch die Prelsrichterfrage zu sein. Das Wissen unb Können von Männern, wie etwa des Generalmusikdirektors v. Schuch-Dresden ' des Professor Taubert-Berlin unb an derer mehr, steht selbst- ' verständlich außer allem Zweifel. Aber daß Kapazitäten in bezug auf die kritische Würdigung des deutschen Männergesanges wie - z. B. Gustav Wohlgemut, der Leiter des Leipziger Sängerchors, ' den die deutschen Männergesangvereine. Nordamerikas sich seinerzeit als Preisrichter über bas große Wasser kommen ließen, unb ■ andere Männer seines Faches ganz außer Ansatz bei ber Auswahl 1 der Preisrichter bleiben, muß natürlich in den Kreisen des organi- ' fierten deutschen Männergesanges verstimmen, ebenso wie die Ans- ' schaltnng des Präsidenten des großen deutschen Sängerbnnbes bei ' dem Kaiserpreis-Wettsingen vielen unverständlich erscheint <
Erfurter Sänger Und Köln gar ist
• ......- _ — —..... Blätter drücken ein
stimmig ihr Erstaunen über dcn Ausfall des Kaiserwettsingens in Frankfurt aus und finden die Zuweisung der Karserkette an den Berliner Lehrergesangverein unbeareiflich. Der bekannte Musikkritiker Karl Wolff erklärt im „Kölner Tageblatt", die Kölner Sänger dürsten es ihrer Ehre schuldig sein, nicht noch einmal it ach Frankfurt z u gehen, da sie nach den cüimaligen Erfahrungen eine Beteiligung an dem Wettstreit als L 0 11 c r i e f p i c l betrachten müssen, während sie nach Maßgabe ihrer Leistungen in Frankfurt allgemein als die besten anerkannt wurden und auf den höchsten Preis mit Bestimmtheit rechnen dursten. Tatsächlich dürste es so kommen, daß der Kölner Männergesangverein von einer weiteren Teilnahme an den Kaiserwettstreiten absieht.
Köln, 10. Mai. Auch diesmal schließt das Wettsingen einer Verstimmung. Namentlich die Zurücksetzung Offenbacher und der
AusLanv.
JSine Vollversammlung
der deutschen dlbgeordneten aus Böhmen beschloß eine feierliche Kundg-ebung an das deutsche Volk Böhmens, rii der im Hinblick auf die nunmehr fünfjährigen Ausgleichsver- kiandlungen nochmals die deutschen Forderungen wiederholt und das Festhalten an diesen Forderungen versichert wird. Das Verhalten der Regierung gegenüber werde von ihrer Stellung zu den deutscheii Forderungeir abhängeii. Die ‘Mbgcorbiteten würden sich wn dieser Stellung durch feine Rücksichten abbringen lassen. Der Aufruf appelliert schließlich an die Gemeinbürgerschaft der Deutschen ganz Deiterreiebtt und an die deutsche Bevölkerung Aöhmens zum Kampfe um die Selbstbestimmung Deutsch-Böhmens.
Eine -englische M i n i st e r r e i s e.
Der englische Premierminister Asquith nebst Gemahlnr Mid Tochter, der erste Lord >der Admiralität Chuirchill rrebst Gemahlin und Kontreadmiral Moore verließen mit zwei Privutsekretären am Freitag morgen London. Sie iohreii über Dover und Calais nach Venedig, wo sie sich auf der Jacht „Enchantreß" cinschiffen werden.
Das amerikanische Tarifgesetz
ist im Senat eingebracht worden. Die republikanischen Senatoren begannen sofort mit der Obstruktion.
AuS «Persien.
Teheran, 9. Mai. Die persische Regierung bereitet <'iue neue Bachtiar e n exp edition gegen Salar ed Dmleh vor, der das Land wieder beunruhigt.


